p-4 F. StaudingerMFKG. W. CampbellM. PalágyiW. EnochG. K. Uphues    
 
HANS RUIN
Erlebnis und Wissen
[Kritischer Gang durch die englische Psychologie]
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"Fehlt der Psychologie wirklich, wie einige dafürhalten, jede Richtschnur, die der Forschung Folgerichtigkeit und Festigkeit geben könnte. Es kann erwidert werden, die innere Wirklichkeit sei unmittelbar gegeben und darin liege eine Richtschnur, die nicht irre führen kann. Brentano unter anderen sagt, die inneren Phänomene sind wahr in sich. So wie sie erscheinen sind sie."

"Wird die Seele einmal als Passivität betrachtet, so ist es klar, daß sie unmöglich das Vermögen haben kann, aus sich selbst Vorstellungen zu gebären. Diese müssen von außen her importiert werden."

"Die Antwort auf die Frage nach der Möglichkeit und Begrenzung der Erkenntnis findet Locke darin, daß eine wirkliche Erkenntnis der Dinge nicht möglich, daß ihr Wesen uns verborgen ist. Wir können, sagt er, mit unserem Erkenntnisorgan die verstreuten Qualitäten der Dinge erfassen, aber es ist ausgeschlossen, daß wir vermöchten, uns eine Vorstellung von dem, was sie zusammenbindet und ihre Voraussetzung ausmacht, zu bilden. Die Substanz liegt außerhalb der Reichweite unserer Erkenntniskräfte."

"Wenn man sich einmal genötigt sieht, sagt Hume, den Substanzbegriff für die äußere Welt aufzugeben, so bleibt nichts anderes übrig, als ihn aus demselben Grund auch für die innere Welt aufzugeben. Das einzig Existierende ist die Folge von Empfindungen und Vorstellungen. Alles derartige wie Wille, Ich, Seele usw. ist Unsinn, insofern damit etwas über einzelne Empfindungsglieder hinaus gemeint ist."


Einleitung

CICERO sagte einmal, man könne sich keine so absurde Ansicht denken, daß sich nicht ein Philosoph gefunden hätte, der sie verfochten hat. Diese spitze Bemerkung gegen die Philosophen könnte ein Ironiker in unserer Zeit wiederholen; denn wenn sich jene durch die Zeiten in irgendeiner Beziehung ähnlich geblieben sind, so wird es gewiß in der prächtigen Buntheit der Ansichten und Überzeugungen sind.

Davon bekommt man einen starken Eindruck besonders in der Psychologie. Wir könnten CICEROs Wort ein wenig ändern und sagen: es gibt keinen so selbstverständlichen Satz, daß er nicht irgendwo angezweifelt worden wäre. Nicht einmal der Satz von DESCARTES: cogito ergo sum ist unangetastet gelassen worden. Ein erfahrender Dialektiker, PAUL SOURIAU, zögert z. B. nicht, mit der Spitze gegen dieses Wort seine Ansicht über die Bewußtheit der Seelenvorgänge in das kurze Urteil zusammenzufassen: "la conscience n'existe pas." (1) [Das Bewußtsein existiert nicht. - wp], eine Ansicht, die sich in nicht weniger radikaler Form bei GUILLAUME-LÈONCE DUPRAT findet in dem Satz: "Il n'y a pas de phénoménes psychique a opposer aux vrais phénoménes" [Es gibt kein psychisches Phänomen, das sich den realen Phänomenen widersetzt. - wp]. (2) Es darf unter solchen Umständen nicht verwundern, wenn ein hervorragender Gelehrter sich gedrängt fühlt einzuschärfen: es ist hohe Zeit für die Männer der Wissenschaft, zu protestieren gegen die Anerkennung eines solchen Dings wie Bewußtsein in einer wissenschaftlichen Untersuchung. Die Psychologen sind wahrlich zu beklagen, da es ja nicht einmal fest steht, ob das Forschungsobjekt, das sie studieren, existiert oder nicht!

Es muß jedoch anerkannt werden: so rücksichtslos gehen ncht viele zuwege wie SOURIAU und DUPRAT und schließlich meinen sie selbst es nicht so radikal, wie ihre Worte anzudeuten scheinen.

Daß jedoch die Psychologie eine eigentümliche Stellung unter den Wissenschaften einnimmt, geht daraus hervor, daß man sich nicht darüber einigen konnte, ob sie zu den Geisteswissenschaften gehört oder nicht. So hält z. B. HUGO MÜNSTERBERG dafür, daß es nicht richtig ist, hier im Gegensatz zu dem, was in der Naturwissenschaft der Fall ist, ein subjektivierendes Verfahren einzuschlagen, d. h. die Seelenvorgänge als von einem Subjekt abhängig zu betrachten. Das Seelenleben müsse unter Benutzung von physiologischen und psychophysischen Hilfsbegriffen objektiviert werden. "Die Psychologie ist somit vielleicht", so faßt er zusammen, "die wichtigste Hilfsdisziplin der Geisteswissenschaften, aber sie ist nicht selbst eine Geisteswissenschaft." (3) Noch weiter als MÜNSTERBERG geht ein Teil der Autoren, die sich überhaupt weigern, zwischen einer "inneren" und einer "äußeren" Welt zu unterscheien. RICHARD AVENARIUS z. B. nagelt die Introjektion als den Sündenfall im menschlichen Denken fest. Voller Hohn sagt er:
    "Um das Innen-Seiende, das Innere - kurz: das In uns der herrschenden Psychologie in einem eigentlichen oder übertragenen Sinn des Wortes zu sehen, dazu gehören wahrlich platonische Augen: die Augen der Vernunft - - vorausgesetzt, daß die Vernunft wirklich das Vermögen des Falschsehens ist - und des Falschschließens obendrein!" (4)
Dies alles nimmt sich in dieser kurzen Zusammenfassung zugespitzter aus, als es im Grunde ist, doch drückt es jedenfalls tiefe Gegensätze zu dem, was von anderer Seite geltend gemacht wird, aus. Die Psychologen sind ein streitbares Geschlecht. Gleichgültig, um welche Frage es sich handelt, immer fördert man dieselbe hartnäckige Energie zutage, sich zu verteidigen und anzugreifen. Man kann sich ebensowenig einigen in der berühmten Frage, ob das Seelenleben in allen Stücken einem Gesetz unterworfen ist oder nicht, wie man eine alle zufriedenstellende Antwort geben kann in einer verschwindend kleinen Teilfrage, die Mechanik der sinnlichen Empfindung betreffend. Man weiß nicht recht, ob es so etwas wie eine psychische Aktivität gibt, ob das Seelenspektrum, daß die Elemente Empfindung, Gefühl, Wille enthält, zu vielfältig oder sonst mißverständlich ist; man erörtert ernsthaft die Frage, inwiefern es mehrere Ich gibt, ein Gehörs-Ich, ein Gefühls-Ich, ein Geruchs- und Geschmacks-Ich usw. (5) und streitet sich ohne Entscheidung durch die Jahrhunderte, ob eine solche Erscheinung wie die Aufmerksamkeit überhaupt etwas anderes ist als die in jedem Einzelfall schärfer hervortretende Vorstellung. Ja, wer unternimmt es, die ganze Mannigfaltigkeit verschiedener Auffassungen zu überblicken, die um die Probleme Empfindung, Perzeption, Apperzeption, Gedächtnis, Wiedererkennen, Interesse, Urteil, Glaube usw. gewachsen ist, um nicht zu reden von dem, was bei der Frage der großen Grundprobleme das Licht des Tages erblickt hat.

In der Psychologie werden keine "Wahrheiten" alt. Auf empirischer Seite hat man bestritten, daß das Auffassen der Gleichheit oder Verschiedenheit bei den Empfindungen auf einen besonderen Seelenakt beruth. Nun verkündet jedoch eine Anzahl Experimentalpsychologen, es läge ein unbestimmter Unterschied zwischen Akt und Empfindung vor. Ja, man ist noch weiter gegangen und hat überhaupt zwischen einer Empfindung und dem Seelenakt, worin jene aufgefaßt wird, unterschieden, offen erklärend, die "Akte" seien Seelenelemente neben den Empfindungen (6). Schon seit den Tagen von HOBBES und BERKELEY hat man sich hinter die Meinung verschanzt, es gäbe keine besonderen Allgemeinvorstellungen, sondern der allgemeine Begriff wecke immer eine bestimmte Individualvorstellung, die als Vertreter für eine ganze Gruppe ähnlicher Vorstellungen gilt. In den letzten Jahrzehnten hat inzwischen eine andere Auffassung begonnen, sich geltend zu machen. Ihren interessantesten Ausdruck findet sie bei einem Engländer, FRANCIS AVELING, der auf experimentellem Weg anschaulich zu machen versucht, daß der seelische Gegenwert vom Begriff ganz und gar nicht eine Individualvorstellung auszumachen braucht, sondern daß er in einem besonders abstrakten Gedanken, einem Meinen, einem unmittelbaren Verständnis vom Gehalt des Begriffes bestehen kann. "Das Allgemeine ist phänomenologisch präsent oder tendiert dazu dem Bewußtsein als Konzept oder in Form eines bilderlosen substantiellen Inhalts präsent zu sein. Wir denken, oder haben die Tendenz Mann oder alle Männer zu denken, ohne irgendein Bild vor Augen zu haben." (7) Eine ähnlich "reaktionäre" Tendenz läßt sich bei der alten Frage der Einheit des Bewußtseinserlebens verspüren. Man läßt sein Interesse nicht mehr ausschließlich von den flüchtigen Reihen der Seelen-Phänomene fangen, sondern man wendet immer allgemeiner die Blicke auf die zusammenhaltenden Einheitsfunktionen. Und es geschieht hierbei, daß man Worte in den Mund nimmt, die täuschend an die alten Darstellungen der Scholastiker erinnern. So sagt z. B. THEODOR LIPPS: "Der Sinn der empirischen Psychologie steht und fällt mit dem Begriff der Seelensubstanz" (8) und ALEXANDER PFÄNDER schärft ein: "Die Einheit der individuellen psychischen Wirklichkeit ... besteht in der numerischen Identität des darin enthaltenen Subjekts." (9)

Vor einem solchen Wirrwarr sich kreuzender Auffassungen entgeht man kaum der Verstimmung. Fehlt der Psychologie wirklich, wie einige dafürhalten, jede Richtschnur, die der Forschung Folgerichtigkeit und Festigkeit geben könnte?

Es kann erwidert werden, die innere Wirklichkeit sei unmittelbar gegeben und darin liege eine Richtschnur, die nicht irre führen kann. BRENTANO unter anderen sagt, die inneren Phänomene sind wahr in sich. So wie sie erscheinen sind sie. Wer kann leugnen, ruft er aus, daß die Psychologie in diesem Punkt einen großen Vorteil vor anderen Wissenschaften hat (10). Dasselbe betont der Franzose RABIER:
    "Die anspruchslose Kenntnis des einfachen Mannes von sich selbst übertrifft weit die Kenntnis, die Laplace vom Himmel besaß. Denn der Himmel von Laplace ist nur ein ciel apparent [scheinbarer Himmel - wp], aber die Kenntnis des einfachen Mannes von sich selbst ist die unmittelbare Auffassung einer Realität." (11)
Aber dem, was BRENTANO und RABIER nicht zögern als evident zu behaupten, dem wird so radikal wie möglich von anderen widersprochen. So z. B. von COMTE.
    "Es ist in der Tat deutlich", sagt er, "daß der Mensch aufgrund einer unabänderlichen Notwendigkeit alle Phänomene mit Ausnahme seiner eigenen Zustände zu beobachten vermag. Denn von wem sollte diese Beobachtung gemacht werden? ... Wie könnte sie stattfinden, wenn in diesem Fall sowohl das beobachtende wie das beobachtete Organ ein- und dasselbe sind? Diese vermeintliche psychologische Methode hat somit ganz und gar keinen Wert. ... Die innere Beobachtung ist Ursprung von fast ebensoviel Ansichten wie es Individuen gibt, die von ihr Gebrauch machen." (12)
Diese Auffassung wird u. a. von RIBOT kommentiert, der COMTE bis zu einem gewissen Grad Recht gibt (13).

Die Autorität der Innenschau ist demzufolge nicht allzu groß. Und dem, der hadern will, fehlt wahrlich nicht der Anlaß. Die Psychologie ist mit vielen störenden Umständen belastet, und nicht im mindesten stört es, daß jedes Problem so in die anderen eingebettet ist, daß, hat man einmal ein Problem gepackt und es auf gewisse Weise gelöst, so rollt man mit demselben alle anderen auf, gerade wie man bei einer Stickerei mit demselben Faden das Ganze aufreißt.

Überlassen wir jedoch den Pessimisten seinen düsteren Betrachtungen und bleiben wir dafür vor dem eigenartigen Problem stehen, das sich hier darbietet. Die Tatsache steht fest, daß die Psychologie sich der Pflege durch die schärfsten und energischsten Intelligenzen erfreuen konnte. Doch ebenso zweifellos hat kaum ein Problem eine Lösung gefunden, über die sich alle einigen konnten. Worauf mag das im letzten Grund beruhen? Wo ist die Ursache dafür zu suchen, daß die besten Köpfe mit unbestechlicher Folgerichtigkeit in ein Chaos von Widersprüchen und sich kreuzenden Meinungen verwickelt worden sind?

Das ist eine Frage, die nicht länger beiseite geschoben werden kann. Die Arbeitsparole, die RIBOT seiner Zeit formulierte, als er die Psychologen aufforderte, frisch darauf los zu arbeiten, unbekümmert um alles, was Prinzip- und Erkenntnisfragen heißt (14), elektrisiert heute nicht wie damals. Wir stehen nicht wie er unter dem Eindruck des verheißungsvollen Aufschwungs der englischen Psychologie durch JOHN STUART MILL, BAIN und SPENCER, wir haben nicht wie er in der Experimentalpsychologie eine neue und ziemlich unerprobte Methode zu verzeichnen, die unzweifelhaft viel in Aussicht stellte. Stattdessen sind wir Zeugen des sinkenden Ansehens der Doktrin HERBERT SPENCERs gewesen, und in der Experimentalpsychologie stehen wir von einer unerhörten Anhäufung von Material, dessen ungesiebte und chaotische Beschaffenheit jeder Anstrengung, es zu verbinden und zu beherrschen, zu trotzen scheint (15). Unter solchen Umständen ist es natürlich, einmal den Atem anzuhalten, rückwärts zu schauen, sich darauf zu besinnen, was man sich vorgenommen hat, die Umstände wägen, die man im allgemeinen Zuversichtsrausch der Beachtung nicht für wert hielt. Über diese Kritik könnte man BACONs vortreffliches Wort im "Novum Organum" als Motto setzen:
    "Es wäre etwas Verrücktes und sich selbst Widersprechendes, zu hoffen, daß etwas, dessen Ausführung einem noch nie geglückt ist, ausgeführt werden könnte mit Hilfe von anderen Methoden als solchen die noch nicht geprüft worden sind." (16)
Der Erkenntnisgegenstand der Psychologie, das zerflatternde, launische, nie gebundene Bewußtsein, ist eigentlich derart, daß es für sich allein mehr als zur Genüge alle Mißlichkeiten beim Studium erklären könnte. Das Bewußtsein ist gleichzeitig beobachtend und beobachtet. Es fehlt ihm die Raumbestimmtheit und es befindet sich nie in Ruhe. Es spielt sich stets vor geschlossenen Türen ab - nur der Einzelne hat Zutritt zu diesem Drama. Ein bestimmter Seelenzustand kann sich nur in einem oberflächlichen Sinn "wiederholen". Und noch schlimmer: der schnellste Blick auf das, was in uns geschieht, reicht aus, etwas eine Verwandlung durchmachen zu lassen. Wenn ich finde, daß ich unfrei bin, so habe ich schon den ersten Schritt nach einem freieren Zustand hin getan. Wenn ich entdecke, daß ich in die Gewalt einer Leidenschaft geraten bin, so bin ich schon dabei, mich gegen ihren Griff zu verteidigen usw. All das kündigt nichts als Unglück für die Psychologie an!

Aber es kommt noch viel anderes dazu. Der Psychologie fehlt ein Vorzug, den die Naturwissenschaften besitzen und der sie in eine weit günstigere Lage versetzt. Diese Wissenschaften treffen in den Dingen nur in verhältnismäßig begrenztem Maß ein psychisches Leben an; sie können bei ihren Berechnungen und Untersuchungen ruhig davon absehen und sogar in den Fällen, wo ein Bewußtsein vorliegt, vom Gesichtspunkt ihrer Absicht aus es als irrelevant beiseite liegen lassen. Die Psychologie dagegen kann mit dem Physischen nicht ebenso verfahren. In der Tat sind die Seelenvorgänge insoweit als Naturobjekt zu betrachten, da sie immer im Zusammenhang mit materiellen Phänomenen auftreten. Das Physische darf deswegen in der Psychologie nicht übersehen werden; man ist gezwungen, auf zwei Fronten zu arbeiten: die eine ist nach außen gerichtet, gegen die Welt der Materie, die andere nach innen, gegen die Unmittelbarkeit des Seelischen. Es liegt offen zutage, welche Vermischung von Gesichtspunkten und Methoden, von Tatsachen und Beobachtungen ganz natürlich daraus folgen muß. Die Psychologie kommt leicht um die wichtigsten Eigenschaften der Wissenschaft: Klarheit, Begriffsschärfe, ungebrochene Kontinuität.

Und weiter: Oft ist darauf hingewiesen worden, daß die Psychologie mehr, als eigentlich erlaubt ist, mit Abstraktionen arbeitet. Und das Bedenklichste dabei ist, daß sie nicht nur mit ihnen arbeitet, sondern sich mit denselben in weitem Umfang begnügt. Aber auch das findet seine Erklärung. HERBART trifft gewissermaßen den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt:
    "Je mehr wir uns bemühen, recht getreulich nur das zu berichten, was wir erfahren haben: desto lieber verschweigen wir alles, was wir nicht genau bemerkten, was wir nicht gewiß verbürgen können; wir heben demnach nur das Gewisseste heraus." (17)
Ja, wäre es bloß so, daß nur das unzweifelhaft Gewisse herausgehoben würde, so würde das Ganze sicherlich nicht so düster aussehen. Doch das liegt ja gerade im Wesen der Abstraktionen, daß sie zu den verschiedensten Zwecken vorgenommen werden und ganz und gar darauf beruhen.
    "Menschliche Motive bestimmen unsere Fragen, menschliche Befriedigung steckt in unseren Antworten und alle unsere Formeln enthalten ein aus menschlichen Fäden gewobenes Band", sagt William James (18).
Wo könnte dies wohl einen unmittelbareren Ausdruck finden als gerade bei den Abstraktionen auf dem Gebiet des Seelenlebens? Wo könnten sich wohl persönliche Eigentümlichkeiten leichter geltend machen und gewünschte Teilungen ungehinderter vorgenommen werden als gerade hier?

So erklären diese "seelischen" Abstraktionen nicht nur, wie das Seelenleben unter dem Blick des Psychologen in stumme, unvermittelte Glieder auseinandergesprengt wird, sondern sie erklären auch die bunte Mannigfaltigkeit der Entwürfe vom Seelenleben. Auf wie unsicherem Boden man sich hier bewegt, davon kann man sich überzeugen, wenn man einen Blick auf die verschiedenen Bedeutungen wirft, welche die gewöhnlichsten seelischen Begriffe bei verschiedenen Psychologen besitzen. BAIN gibt nicht weniger als dreizehn verschiedene Bedeutungen des Wortes "consciousness" an (19), HUSSERL ebensoviele "Äquivokationen [Mehrdeutigkeit bei Wortgleichheit - wp] des Wortes Vorstellung (20) und HÖFFDING gebraucht sechs verschiedene Bedeutungen des Begriffs Freiheit im Willen. (21)

Ein anderer Grund zur Verwirrung besteht darin, daß schließlich jeder einzelne Anspruch darauf machen kann, in der Psychologie als Wahrheitszeuge zu gelten. Das Seelenleben des einen ist nicht weniger wirklich als das des anderen und direkt kann man immer nur auf die Stimme des eigenen Bewußtseins lauschen. Es ist darum leicht einzusehen, wie schwer es ist, in der Psychologie mit Bestimmtheit zu entscheiden, welche Beobachtungen als falsch und welche als richtig zu stempeln sind, um auf dieser Basis zu einem widerspruchslosen Ergebnis zu kommen. Dazu kommt noch ein anderer Umstand. Es ist keineswegs nur BRENTANO, der da sagt, die Seelenvorgänge sind so, wie sie zu sein scheinen. Das ist letztlich eine Auffassung, der alle zustimmen müssen. Aber schließt das nicht die Tatsache ein, daß im Bewußtsein die Grenze zwischen Einfall und Wirklichkeit, Phantasie und Wahrheit fließend sind? Was ist der Unterschied, ob man glaubt etwas zu sehen oder wirklich wahrnimmt?

Wir dürften also kaum fehlgreifen, wenn wir behaupten, daß all das noch nicht den Kern des Problems bloßlegt. Die angeführten Mißlichkeiten; sie bezeichnen etwas, das die Forschung erschwert, aber kaum etwas, das den Eindruck erklären könnte, der sich dem aufmerksamen Hörer der Diskussion zwischen den Psychologen unwiderstehlich aufdrängt: den Eindruck von etwas Unentrinnbarem.

Um auf die Spur dieses letzten Grundes der Verwirrung zu kommen, lohnt es sich nicht, die ganze Aufgabe darin bestehen zu lassen, die Fugen in den Gedankengängen verschiedener Psychologen zu prüfen. Der Weg, den es hier zu gehen gilt, ist ein anderer. Anstatt mit ausgesuchter Kleinlichkeit den Zeigestock der Logik auf ales und alle anzulegen und darin die ganze Aufgabe zu erblicken, müssen wir die verschiedenen psychologischen Theorien bei ihrer Entstehung zu fassen versuchen, um so, wenn möglich, in die verborgene Werkstatt hinabzusteigen, wo die Richtung für ihre weitere Entwicklung diktiert wird. Wir dürfen die Werke der verschiedenen Psychologen nicht so betrachten, als ob sie ein für alle Mal gegeben wären, gleich seltsamen Gespinsten in der Luft ohne Wurzel in der Zeitlichkeit des Lebens. Wir müssen im Gegenteil die Mechanik ihres Werdens kennen lernen, die Linien ihrer Entwicklung ziehen und die Bedingungen feststellen, unter denen sie gewachsen sind. Anstatt von einer von Beginn an fertigen Psychologie müssen wir von einer Psychologie in Arbeit ausgehen.

Als Ergebnis hiervor dürfen wichtige Dinge erwartet werden. Einige der letzten Voraussetzungen, unter denen die Psychologen arbeiten, können, so läßt sich denken, an den Tag kommen. Jeder Überlegung, sie mag so empirisch wie möglich sein, liegt stets etwas Apriorisches zugrunde, eine Annahme, die allem anderen vorangeht und sich nicht ableiten läßt. Das bildet den Gesichtswinkel, unter dem die Vorgänge betrachtet werden und was somit von vornherein die Perspektive angibt, in der sie auftreten werden. Das Folgende kann vielleicht zutage fördern, wie diese apriorischen Annahmen wechseln können, wie sie aber, einmal vorhanden, ihre Wirkungen im Kleinsten wie im Größten spüren lassen. Sie geben Anlaß zu verschiedenen Typen der Überlegung im Denkverfahren der Philosophen, sie knüpfen wechselnde Gedankenreihen und Schlußsätze zu verschiedenen Einheiten zusammen. Sie bilden, kurzgesagt, die rechten Ausstrahlungspunkte für die verschiedenen Anschauungen.



I. Die Zeit vor Hume

ANTON THOMSEN erklkärt in seinem Buch über DAVID HUME:
    "Beinahe alles, was in der Psychologie etwas taugt, und worauf wir heutigen Tages bauen und womit wir weiterarbeiten, rührt von der englischen Schule her." (22)
Diese Worte brauchen kaum allzu buchstäblich genommen zu werden - zum Naturell des Verfassers gehörte eine oft allzu kühne Formulierung der Sätze -, aber sie treffen in der Hauptsache doch das Richtige. Für das Denken Europas brachte das Auftreten von BACON, HOBBES, LOCKE, BERKElEY und HUME einen Stoß, dessen Wirkungen bis zur jüngsten Zeit so gut wie in allen Disziplinen der Philosophie verspürt werden können.

Während auf dem Kontinent das cartesische Denken seinen logischen Abschluß in SPINOZAs kristallfestem System fand und LEIBNIZ' genialer Geist in WOLFFs Definitionen versteinerte, zeigte in England der Impuls, der von BACON ausging, eine Lebens- und Entwicklungskraft, die durch keine künstlichen Systeme eingedämmt werden konnte. Der Gedankenstrom, der seinen Ursprung bei BACON hatte, erreichte in LOCKE und HUME seinen Höhepunkt und ließ einen Funken nach dem Kontinent überspringen, der in Frankreich die Flamme der Aufklärungsphilosophie entzündete und in Deutschland in KANTs grüblerischen Kopf einschlug. Auf beiden Seiten wurde eine neue Zeit verkündet. In Frankreich schritt die große Revolution siegreich hervor, in Deutschland gab KANTs kopernikanische Tat das Signal zu einem philosophischen Aufschwung, dessen gleichen kaum ein Land weder vorher noch nachher gesehen hat. In seiner Heimat kam der neue Geist durch die Vermittlung von HARTLEY und JAMES MILL zu einem gesteigerten Aufschwung bei den großen Denkern des 19. Jahrhunderts, bei JOHN STUART MILL, BAIN und SPENCER. Dabei war es keineswegs die theoretische Philosophie allein, welche die Gewinne einheimste. Die Ethik, die Gesellschaftslehre, die Nationalökonomie unterlagen einer großen und entscheidenden Entwicklung.

Unzweifelhaft ist es gleichwohl, daß es die Psychologie samt der Erkenntnistheorie waren, die den größten Nutzen von den neuen Schule hatten. Man kann beinahe die Behauptung wagen, daß die Seele als Gegenstand der Erfahrung erst von den Engländern entdeckt worden ist. Bisher hatte man meist auf überlieferte rationalistische Weise über das Seelenleben reflektiert; die Methoden der Scholastik stecken noch tief in CARTESIUS und selbst BACON war in der Praxis ziemlich unberührt von seinen genialen Überlegungen in der Theorie des Forschens. Erst mit HOBBES, LOCKE, BERKELEY und HUME gewann die Psychologie einen Platz an der Sonne und, wir können es sagen, einen Platz, der zentral war. Das Seelenleben wurde bis zu einem Grad in den Brennpunkt des Interesses geschoben, daß man unfreiwillig dazu kam, auch andere Wissenschaften vom psychologisierenden Gesichtspunkt aus zu behandeln. Wir können als Beispiel u. a. BERKELEYs und HUMEs Versuche nennen, die Mathematik auf die Basis sogenannter psychischer Minima zu gründen (23). Bemerkenswert ist auch die kritiklose Vermischung von Psychologie und Erkenntnistheorie in jener Zeit. Das Seelenleben war zum ersten Versuchsfeld der neuen Methode gemacht worden. Und außerdem wurden die anderen philosophischen Disziplinen vom Ergebnis der psychologischen Analyse abhängig gemacht.

Die Gunst der Philosophen, die sich die Psychologie auf diese Weise erwarb, hat sie seitdem nicht verloren, auch wenn man gemerkt hat, ihre Bedürfnisse sorgfältiger abzuwägen. Den Engländern kommt also die doppelte Ehre zu, der Psychologie ihre erste Gestaltung als Wissenschaft gegeben und ihr einen begünstigten Platz im Interesse der Philosophen gesichert zu haben. Und wenn auch die gegenwärtige Psychologie durch den Einfluß der Deutschen einen anderen Charakter bekommen hat, so kann gleichwohl auch dies als späte Frucht der englischen Erweckung angesehen werden. Deswegen muß man vor allem zu den englischen Psychologen gehen, falls man wünscht, ins volle Leben der Psychologie zu greifen durch das Studium ihrer Entstehung.

Es ist oft gesagt worden, daß kein anderes europäisches Kulturvolk einen so ausgeprägten Nationalcharakter besitzt wie das englische. Wie auch immer es hiermit sonst stehen mag: von den englischen Philosophen kann es jedenfalls gesagt werden, daß bei ihnen in weit höherem Grad als bei den Denkern eines anderen Volkes ein gemeinsamer nationaler Typus zum Ausdruck kommt. Die selbständigsten Geister machen hierin keine Ausnahme. Von den fünf dominierenden Gestalten, BACON, HOBBES, LOCKE, BERKELEY und HUME sagt z. B. CROOM ROBERTSON:
    "Was auch der Unterschied zwischen diesen Denkern in Charakter und Absicht sein mag, so entfalten sie in ihrer intellektuellen Physiognomie eine größere allgemeine Gleichheit, als sie für eine solche Reihe einzigartiger Geister aus der Geschichte irgendeines anderen modernen Volkes aufgezeigt werden kann." (24)
Es ist übrigens auch leicht, diese treffende Gleichheit näher zu bestimmen. Dem Rationalismus der Festlandsphilosophen wird hier Empirie und Induktion entgegengesetzt, ihrem Dogmatismus und ihrer Ontologie eine wache Erkenntniskritik (25). Uns so haben wir das praktische und ethische Interesse, da überall durchblickt. Die Erkenntnis wird nicht als ein alles unterschiedslos widerspiegelndes Auge aufgefaßt. Sie hat eine praktische Haltung bekommen, sie zielt auf Handlung. "Scientia est potentia. ... Natura parendo vincitur" [Wissen ist Macht. Die Natur wird besiegt, indem man ihr gehorcht. - wp], heißt es bei BACON (26). Und HOBBES verkündet: Zweck der Erkenntnis ist Macht; ... Absicht alles Nachdenkens ist der Vollzug irgendeiner Handlung oder von etwas, was getan werden muß." (27) Bei LOCKE, BERKELEY, HUME lassen sich ähnliche Aussprüche finden, und sogar der Oppositionsmann REID schärft ein: "Erkenntnis hat ihren Wert darin, daß sie unsere Macht erweitert und uns Winke für ihre Anwendung gibt." (28) Daß der Pragmatismus, die vielleicht bemerkenswerteste philosophische Theorie der Gegenwart, aus dem angelsächsischen Denken hervorgewachsen ist, bestätigt nur die Festigkeit des nationalen Typus.

In der Psychologie gewann die gemeinsame Tendenz des angelsächsischen Denkens einen besonderen Ausdruck. War es die Empirie, die beim Seelenstudium vorangestellt werden sollte, so war es nur natürlich, daß man die Aufmerksamkeit auf die Elemente des Bewußtseinslebens konzentrierte, welche die greifbarsten und gewissesten sind und die sich in sicheren Umrissen voneinander abheben. Solche Elemente sind die Empfindungen und Vorstellungen. Sie kommen nicht nur in einer gewissen Absonderung voneinander vor, sondern bezeichnen dazu, einen Grad von Dauer und Unveränderlichkeit, der sie vorteilhaft heraushebt beim Vergleich mit der Flüchtigkeit und Ungreifbarkeit des übrigen Seeleninhalts. Das Nachdenken findet in ihnen ungesuchte Ausgangspunkte für seine Operationen. Es lag also in der Natur der Sache, wenn die englische Psychologie einen ausgeprägt intellektualistischen Charakter annahm, den sie tatsächlich angenommen und bis zur jüngsten Zeit beibehalten hat.

Doch noch eine andere Sache springt hier in die Augen. Die Engländer unterstrichen besonders energisch die Aufgabe des empirischen Wissens, eine bestimmte Konstanz in der Abfolge der Erscheinungen festzulegen. In diesem Geist definierte z. B. HOBBES den Begriff "experiment" als
    "Erinnerung an das Verhältnis der Abfolge zwischen einem Ding und einem anderen, d. h. an das, was vorherging, was folgte und was nebenherging." (29)
Unter solchen Umständen war es natürlich, daß das Wesentliche der Psychologie als empirischer Wissenschaft in der Bestimmung von Regelmäßigkeiten oder Gesetzmäßigkeiten in der Reihenfolge der Seelenvorgänge gesucht werden sollte. Mit einem Wort: es war natürlich, daß die Engländer danach streben würden, eine Mechanik des Bewußtseinslebens zu geben.

THOMSEN nennt das den Königsgedanken der englischen Psychologie. Er hat sicher recht darin, insofern er mit Königsgedanke eine Tendenz meint, die bei der ganzen Reihe von englischen Denkern und Psychologen verspürt werden kann. Meint er jedoch hiermit den ursprünglichen, alles inspierenden Impuls, so glaube ich, daß er sich irrt. Daß die Engländer es als natürlich ansahen, eine Mechanik des Bewußtseinslebens zu geben, beruhte schließlich darauf, daß sie durch ihre Betonung der praktischen Bedeutung der Erkenntnis besonders auf die konstanten Reihenfolgen der Vorgänge eingestellt waren; nur wenn solche vorausgesetzt werden, vermag das Wissen Direktiven für das Handeln zu geben. Die englischen Psychologen hatten ganz einfach, aufgrund ihrer charakteristischen Auffassung vom Zweck des Wissens, einen schärferen Blick für sein Wesen und fanden demzufolge die Mechanik in der Definition des Wissens fertig vorliegend. Für sie nahm sich die Sache ebenso kategorisch aus wie für SPENCER, in dessen großer Psychologie man folgende Worte lesen kann:
    "Entweder richtet sich das psychische Geschehen nach Gesetzen oder nicht. Wenn es dies nicht tut, ist dieses Werk samt allen übrigen Werken über den Gegenstand ein reiner Unsinn: Psychologie als Wissenschaft ist dann unmöglich." (30)
Die mechanistische Auffassung der Engländer vom Seelenleben geht in der Tat sehr weit. Dem Streben BACONs nach einer neuen wissenschaftlichen Methode liegt somit die Überzeugung zugrunde, das Erkenntnisorgan müsse, soweit es von allen störenden und entstellenden Momenten befreit ist, rein automatisch gleich gut bei allen Menschen funktionieren. Die rechte Methode gleicht den Unterschied der Begabungen aus. Aus freier hand eine gerade Linie zu ziehen, ist ein Kunststück, doch mit einem Lineal glückt es allen unfehlbar. Die Seele ist ein passives Organ. Seine Aufgabe ist es, die Natur wie in einem unbeweglichen Spiegel ihre Umrisse abzeichnen zu lassen. Spontaneität und Phantasie sind eigentlich schädlich. Der menschliche Geist braucht Blei, keine Flügel. BACON vererbte in diesem Stück seine Auffassung in bemerkenswerter Weise u. a. an HUME, der erklärt:
    "Nichts ist der Vernunft gefährlicher als der Flug der Phantasie, und nichts hat bei den Philosophen mehr Mißverständnisse verursacht. Menschen mit starker Phantasie lassen sich mit den Engeln vergleichen, von denen die Schrift sagt, sie bedecken ihre Augen mit ihren Flügeln." (31)
BACONs Grundsätzen stimmt HOBBES lebhaft zu. Doch, die Annahme einer Mechanik des Seelenlebens wird bei ihm mit einem theoretischen Grund gestützt, der, was die sorgfältige Ausgestaltung betrifft, alles was BACON in dieser Hinsicht leistete, weit übertrifft. HOBBES eröffnet tatsächlich, wie jemand gesagt hat, die Reihe der hervorragenden Forscher auf dem Gebiet der Psychologie, die der Stolz der englischen Philosophie sind. In seinem psychologischen System sind die meisten von den Sätzen ausgesprochen, auf welchen die englische Psychologie weiter bauen sollte und welche bei HUME zu rücksichtslosen Stellungen ausgebaut wurden. So lassen sich bei ihm u. a. die Sätze antreffen, jede Vorstellung habe ihren Ursprung in den Sinnen, und Empfindung und Vorstellung unterschieden sich nur in der Frage der Intensität voneinander.

Daß diese für die englische Psychologie äußerst folgenschweren Sätze gleichzeitig mit der ersten radikalen und theoretisch durchgebildeten Annahme von der Mechanik des Seelenlebens auftreten, ist kein Zufall. Ein inneres zwingendes Band ist offenbar vorhanden. Wird die Seele einmal als Passivität betrachtet, so ist es klar, daß sie unmöglich das Vermögen haben kann, aus sich selbst Vorstellungen zu gebären. Diese müssen von außen her importiert werden. Und ebenso klar ist es, daß unter solchen Bedingungen der Unterschied zwischen Empfindung und Vorstellung als Intensitätsunterschied aufgefaßt werden muß. Denn von welchen unentdeckten Quellen sollte wohl die Seele im entgegengesetzten Fall die neuen Qualitäten herholen, die nicht in den Empfindungen gegeben sind? Die Seelenmechanik läßt keinen Platz für einen Zuschuß von innen.

Aktivität, Passivität, Mechanik sind Begriffe, die in dieser Untersuchung beständig wiederkommen werden. Es kann deshalb am Platz sein, schon hier etwas ausführlicher bei ihrer Bedeutung zu verweilen, so daß unsere Darlegungen zumindest in dieser Hinsicht nicht durch Unklarheit erschwert werden.La Conscience de soi (Revue philosophique, Vol. XXII, Seite 472).

Aktivität: in der Physik entspricht ihr die an einer angeführten Arbeit gemessene Energie - muß gleicherweise auf dem psychischen Gebiet ihren Ausdruck und ihr Maß finden in einer Arbeitsteilung. Eine solche wir in und mit der Seelenfunktion ausgeführt, die verschiedene Bewußtseinsbestandteile miteinander in Beziehung zueinander setzt und sie vergleicht, so daß Gleichheit und Verschiedenheit festgestellt werden können. Das ist die Grundfunktion des Seelenlebens und hieraus gehen die zusammengesetzten synthetischen und analytischen Wirkungsformen hervor. Wie Höffding in seinem abschließenden Werk "Der menschliche Gedanke" ausführt, sind nicht bloß Assoziation, Wiedererkennen, Urteil, Aufmerksamkeit usw., sondern auch Empfindung und Anschauung lauter Ausdrücke hierfür (a. a. O., Seite 38,40, 49, 58, 61, 66, 195).

Dieser Charakter des Seelenlebens als Zusammenfassung kann an und für sich von niemandem geleugnet werden. Aber die Frage ist, wie diese Zusammenfassung gedeutet werden soll. Gerade hier scheiden sich die Psychologen in zwei scharf getrennte Lager.

Auf mechanistischer Seite sieht man in der Zusammenfassung ein Ergebnis der Teile selber. Die Assoziationen, die Element an Element nieten, sind völlig passive und automatische Prozesse, die ohne das geringste Eingreifen eines Ichs vor sich gehen. Gewiß sagen wir, daß "Ich" es bin, der Vorstellungen festhält und sie vereint, "Ich", der vergleicht und konstatiert, wobei es also scheinen will, als ob etwas mehr als die vorhandenen Elemente vorliegt, etwas, das hinter den gemachten Erfahrungen steht. Aber das hat bloß einen grammatikalischen Grund. In Wirklichkeit bedeutet diese "Ich" nur, daß das Erlebnis, um das es sich handelt, nicht allein für sich vorkommt, sondern ein Glied in ein und demselben Assoziationszusammenhang bildet. Der mechanistische Standpunkt ist also der, daß jede auftretende Seelenerscheinung ausschließlich als eine Folge von vorhergehenden einzelnen Erscheinungen betrachtet wird, oder, wie es meistens der Fall ist, als eine Folge vorhergehender psychophysiologischer Prozesse.

Hiergegen wird vom Fürsprecher der aktiven Seite geltend gemacht: Wäre es richtig, daß die Assoziationsglieder das einzige im Seelenleben sind, so würde man niemals davon Kunde bekommen können, daß mehrere Momente im Bewußtsein anwesend sind. Man kann doch nicht im Ernst den Satz verteidigen, daß die Summe verschiedener Bewußtseinshandlungen gleichbedeutend ist mit dem Wissen um diese Summe, und noch weniger, daß diese Bestandteile dadurch, daß sie sich zusammenzählen, ein Bewußtsein ihrer gegenseitigen Verhältnisse zustandebringen können. Schon der Umstand, daß wir von einem Assoziationsverhältnis sprechen, ist ein Einwand gegen die Auffassung der Mechanisten. Denn hier wird keineswegs nur vorausgesetzt, daß auf eine gewisse Vorstellung immer eine andere folgt, sondern vor allem, daß diese Folgen-Konstanz beobachtet wird, d. h. daß ein Vergleich stattfindet. Mit einem Wort: die Bedingung dafür, daß eine seelische Erfahrung überhaupt zustande kommt, ist, daß zwei oder mehrere Seelenmomente gleichzeitig oder nacheinander umfaßt und aufgefaßt werden vom selben Bewußtsein. Das ist der Punkt, wo das ursprüngliche einheitliche Seelenprinzip liegt, und nicht im Assoziationsverhältnis, das selber eine solche Bewußtseinsumfassung voraussetzt. (Vgl. Richard Eriksen, Die Seele und die Wissenschaft, Seite 70 und 73)

Noch eine Bedeutung des Begriffes Seelenaktivität möge angeführt werden. Faßt man die Ursachen der Veränderungen ins Auge, die in unserem Innern vorgehen, so kann man sie teils in solche einteilen, die innerhalb der eigenen Grenzen des Seelenlebens liegen und teils in solche, die außerhalb derselben fallen. Je mehr nun unser Seelenleben von solchen inneren Faktoren bestimmt wird, desto aktiver wird es genannt. Je mehr es dagegen von Einflüssen bestimmt wird, die unabhängig von diesen Faktoren sind, umso passiver verhält es sich.

Gegen eine solche Unterscheidung zwischen Aktivität und Passivität kann ebenfalls an und für sich nichts eingewendet werden. Wenn es dessen ungeachtet welche gibt, die das Seelenleben als Passivität bezeichnen, so will das sagen, daß nach ihrer Auffassung diese inneren Faktoren selbst im letzten Grund etwas Empfangenes bezeichnen: Inhalt und Formen des Seelenlebens sind ohne Ausnahme von außen her geholt, wobei auch das, was für uns so wie eine eigene seelische Kausalität aussieht, in allen Teilen bestimmt ist. Hiergegen wird mit großer Schärfe von der entgegengesetzten Seite geltend gemacht, daß das Seelenleben einen eigenen Inhalt von bestimmten Eigenschaften und Dispositionen hat und eine eigene Form in der Art selbst, in welcher die Bewußtseinsmomente zusammengefaßt und geordnet werden.

Im Text sollen diese und andere Gegensätze zwischen den einzelnen Anschauungen näher beleuchtet werden. Hier möge nur hinzugefügt werden, daß die Anhänger einer aktiven Seele meinen, daß das Bewußtsein ein unmittelbares Zeugnis von seelischer Aktivität gibt; und es schon im primären Seelenleben einen Zusammenhang und Ganzheiten gibt. In diesen beiden Hinsichten findet man beim entgegengesetzten Lager eine schroff abweichende Auffassung.


Wie das Wasser auf einem glatten Tisch dem Finger folgt, der es anrührt, in der Richtung seiner Bewegung, so folgen die Vorstellungen in der Seele aufeinander. Mit diesem drastischen Bild macht HOBBES seine mechanistische Theorie anschaulich. (32) Die Ursache für die Zusammenschweissung der Vorstellungen findet er in "ihren ersten Anhaften oder eine Folge von dem Zeitpunkt an, von dem sie von den Sinnen produziert werden" (33). Ist somit jede Vorstellung durch die Tätigkeit der Sinne zustande gekommen, und ist sie unrettbar eingeschmiedet in die Folgekette von Seelendaten, in welche sie ursprünglich eingesetzt war, so kann hieraus geschlossen werden, daß die Vorstellungen ganz und gar nicht Gegenstand unserer Wahl sind oder je nach Bedarf zu Gebote stehen. Wir sind mit ihnen völlig auf den Zufall angewiesen, der entweder die erforderlichen Vorstellungen selbst hervortreten läßt oder auch solche Vorstellungen mit sich bringt, die früher mit ihnen verknüpft waren, und die deswegen geeignet sind, sie zum Leben zu erwecken.

HOBBES scheut nicht davor zurück, diese Konsequenz seiner Lehre auszusprechen (34). Aber er kann andererseits auch nicht definitiv ein Hazardspiel wie dieses gutheißen. Er mußte, wie unbequem es sich für ihn vom Gesichtspunkt des Mechanismus aus auch machte, ein Moment einzuführen suchen, das schließlich trotzdem den Menschen zum Herrn des Zufalls werden läßt. Hier sehen wir die englische Psychologie zum ersten Mal vor ihrer größten Schwierigkeit: einen Rückweg aus der Sackgasse zu finden, in welche die Lehre mündet. Das zu versöhnen, was die Wirklichkeit zu bieten scheint und das, was die Theorie gebietet, wurde zum hartnäckig, aber vergeblich erstrebten Ziel der englischen Psychologie.

HOBBES' Versuch, sich dem Schraubstock zu entwinden, in den seine Theorie ihn festgeklemmt hatte, trugen im Großen und Ganzen ein ziemlich planloses Gepräge. In "Elements of Law" deutet er unvermutet (35) ein anderes Prinzip neben dem bloßen Assoziationsgesetz an. Er vermeidet jedoch, dieses Prinzip sprachlich zu bezeichnen. Soviel scheint jedenfalls hevorzugehen, daß hier die Rede davon ist, daß Gefühl und Triebe unserem Streben Ziele setzen und damit eine gewisse Ordnung in den Verlauf der Vorstellungen bringen. Diesen Gedanken nimmt er dann im "Leviathan" auf und macht eine große Nummer daraus. Er unterscheidet scharf zwischen einer Vorstellungsreihe, die "unguided" [ungeleitet - wp] und einer die "regulated by some desire and design" [durch ein Verlangen und Formgebungswünsche reguliert - wp] ist. (36)

HÖFFDING meint, HOBBES' Auffassung nahe zu kommen, wenn er dieses bemerkenswerte Prinzip das "Gesetz des Interesses" nennt. (37) Daß HOBBES selbst sich vor dem Ausdruck scheute, verwundert uns nicht. Es hat seine Mißlichkeit, einen solchen Ausdruck einem System einzugliedern, nach dem alles im Grunde nur materielle Bewegung und die Seelenmechanik darum so vollständig wie möglich ist.

Indessen, HOBBES sucht die Orientierung in der Welt, deren der Mensch sich mächtig zeit, auch auf eine andere Weise zu erklären. Er meint, daß der Mensch von vornherein dadurch Ordnung in die Assoziationskette bringt, daß er im Wirrwarr der Erlebnisse Zeichen anbringt, an die er für ihn wichtige Erfahrungen anknüpfen kann. Diese Annahme, auf die HOBBES [hobb] übrigens eine Theorie von der Entstehung der Sprache baut, liegt besonders scharf formuliert in den "Elements of Law" vor, wogegen im "Leviathan" ihr gegenüber eine größere Vorsicht waltet.

HOBBES hat darin unzweifelhaft recht, daß der Mensch sich auf diese Weise orientieren kann, genauso wie die Kinder im Märchen ihren Heimweg fanden, als sie auf die Kieselsteine acht gaben, die sie früher auf ihren Weg gestreut hatten. Doch bei einer solchen "Anbringung von Zeichen" wird gleichwohl gerade das vorausgesetzt, was HOBBES mit heißem Bemühen zu verninen strebt, nämlich die innere Initiative. Wir wollen uns in diesem Zusammenhang noch nicht in die bedeutungsvolle Diskussion über aktive und passive Seele vertiefen, sondern nur konstatieren: war es die Absicht, durch diese "Zeichentheorie" zu erklären, wie der Mensch trotz der Mechanik sein Leben auf eine glückliche Weise zu ordnen vermag, so wurde diese Absicht verfehlt. Das Rätsel ist nur größer und augenscheinlicher geworden.

Gerät demnach die mechanistische Psychologie von HOBBES in eine Mißlichkeit, die sie nicht zu überwinden vermag, so vermindert das nicht die Glorie des Versuchs. Der große Gedanke von HOBBES war es, die naturwissenschaftliche Erkenntnis zu solcher Universalität zu erheben, daß alle Formen des Daseins unter sie fallen sollten. Ein besser durchgeführter Versuch als seiner ist seitdem kaum gegeben worden. Für die Psychologie in England wurde das von entscheidender Bedeutung. Die Schriften von HOBBES wurden in vielen Stücken zur Rüstkammer, aus der die darauf folgende Psychologie ihre Waffen holte. Das Mahnungswort nosce te ipsum [Erkenne dich selbst! - wp], das HOBBES seinen Lesern einschärfte, wurde tatsächlich zum Eingangsspruch für die ganze englische Psychologie bis hinauf zu BAIN. Diese empirische Psychologie war ja eine Psychologie der Introspektion und erreichte in diesem Zeichen ihre Blüte. Im System von HOBBES stecken übrigens tief die Saugwurzeln von HUMEs Psychologie. Der schärfste Gipfel der englischen Seelenwissenschaft hat darin sein festes Fundament.

Von HOBBES zu HUME hätte der Weg eigentlich direkt gehen können. Die Voraussetzungen von HUMEs Psychologie, die man im Allgemeinen auf LOCKE und BERKELEY zurückzuführen pflegt, waren in den Lehren von HOBBES gegeben. War der Nachweis des empirischen Ursprungs der Vorstellungen der wichtigste Einsatz von LOCKE in Psychologie und Erkenntnistheorie, so darf nicht vergessen werden, daß dieselbe Sache schon von HOBBES festgestellt worden ist, wenn auch in weniger endgültiger Form. Und bezeichnete die Hypothese vom rein subjektiven Charakter der Empfindungen den Kernpunkt von BERKELEYs Denken, so steht fest, daß bereits HOBBES in den "Elements of Law" (38) Beweise für vier Sätze geliefert hat, die alle auf die Behauptung hinauslaufen, daß die Qualitäten, welche die Sinne vermitteln, keineswegs den Dingen, den Objekten angehören, sondern ganz und gar Produkte unseres Gehirns sind. Es war tatsächlich nicht weit von dem Satz, das Wesen der Dinge bestehe in ihrer Auffassung oder wie es bei BERKELEY heißt: "their esse is percipi" [ihr Sein ist Wahrnehmung - wp]. (39)

Nichtsdestoweniger bezeichnen LOCKE und BERKELEY im Vergleich zu HOBBES eine neue Ära im englischen Denken. Bei ihnen ist der Gesichtspunkt, von dem aus sie das Ganze beurteilen, ein neuer.

Während BACON die rechte Methode für die wissenschaftliche Forschung festzustellen suchte und HOBBES glaubte, ein Erkenntnisschema gefunden zu haben, in dem alles Seiende Platz finden könnte, ist die Aufgabe bei LOCKE vertauscht worden in die Frage der Möglichkeit und Begrenzung der Erkenntnis. Die Antwort, die er auf diese Frage gibt, sticht auch scharf von der ungebrochenen Zuversicht ab, die BACON und HOBBES auszeichnete, all ihrer wachen Kritik zum Trotz. Er findet ganz einfach, daß eine wirkliche Erkenntnis der Dinge nicht möglich ist, daß ihr Wesen uns verborgen ist. Wir können, sagt er, mit unserem Erkenntnisorgan die verstreuten Qualitäten der Dinge erfassen, aber es ist ausgeschlossen, daß wir vermöchten, uns eine Vorstellung von dem, was sie zusammenbindet und ihre Voraussetzung ausmacht, zu bilden. Die Substanz liegt außerhalb der Reichweite unserer Erkenntniskräfte.

An diese Lehre von der Nichtwissbarkeit der Substanz knüpft BERKELEY an. Nachdem es sich erwiesen hat - überlegt er -, daß der Substanzbegriff keine positiven Kennzeichen enthält, sondern eine durchweg negative Bestimmung ist, so muß dieser Begriff als eine sinnlose Abstraktion betrachtet werden, die uns nur in lauter Widersprüche verwickelt. Der äußeren Welt liegt keine unbekannte Substanz zugrunde; diese ist nichts anderes als unsere Empfindungen, hinausprojiziert in das subjektive Schema Zeit und Raum. Die Welt als objektive Realität verschwindet vor BERKELEYs Blick und er zieht sich auf die Seele als auf das einzig Reale und Gewisse zurück. Sie ist für ihn die Achse in der ununterbrochenen Drehung von Empfindungen und Vorstellungen, welche die Unendlichkeit der Welt, des Alls ausmacht. Die Seele ist Wille, heißt es bei ihm. Sie ist ein perzipierendes, ein aktives, schaffendes Sein, die einzige Substanz, die es gibt.

Hier sehen wir die englische Psychologie plötzlich in eine ganz neue Stellung auslaufen. Weit entfernt, noch als etwas Farbloses und Passives aufgefaßt zu werden, in das die Natur ihre Schrift einprägt, ist die Seele der mystische Urgrund selbst geworden, aus dem der Kosmos hervorsproßt gleich einem Stern aus dem Abenddunkel.

Es ist seltsam zu sehen, wie diesen beiden äußerst konträren Auffassungen, die von HOBBES und die von BERKELEY, in so gut wie ein und demselben psychologischen Motivierungskreis Seite an Seite verweilen konnten. Für beide waren die Empfindungen rein subjektive Daten, aber für den einen wies die Spitze der Motive auf eine mechanische Auffassung des Seelenlebens, für den andern auf eine gebärende Seele, eine energiebegabte Substanz. Scheint BERKELEY der philosophisch weiter Fortgeschrittene zu sein, so beruth das darauf, daß er der erkenntniskritischen Konsequenz der gemeinsamen Annahme gewahr wurde und es verstand, sie in eine psychologische Theorie umzusetzen. Aber umso seltsamer ist es deshalb zu sehen, wie es DAVID HUME, indem er denselben Weg wie er betritt, wieder glückt, den Boden für den Mechanismus zu bereiten, der soeben dementiert worden war. BERKELEY sollte niemals Schule machen. In der englischen Psychologie steht er gesondert für sich, einsam und deutlich.

Dieselbe Kritik, die BERKELEY gegen LOCKEs Festhalten am Substanzbegriff richtete, richtet HUME gegen BERKELEY selbst. Er schlägt ihn mit seinen eigenen Beweisen. Wenn man sich einmal genötigt sieht, sagt er, den Substanzbegriff für die äußere Welt aufzugeben, so bleibt nichts anderes übrig, als ihn aus demselben Grund auch für die innere Welt aufzugeben. Wir haben keine Ursache, irgend so etwas wie eine Seelensubstanz anzunehmen. Das einzig Existierende ist die Folge von Empfindungen und Vorstellungen. Alles derartige wie Wille, Ich, Seele usw. ist Unsinn, insofern damit etwas über einzelne Empfindungsglieder hinaus gemeint ist.

Auf diese Weise erhielt die Psychologie ihre alte Aufgabe wieder, die Gesetze des Seelenmechanismus festzustellen. Die Anschauung von HOBBES war aufs Neue zu Ehren gebracht worden. Der Schritt vorwärts bestand darin, daß die moderne Psychologie nun definitiv das Aussehen erhielt, das schon JUAN LUIS VIVES ihr zu geben bestrebt war, eine Psychologie ohne Seele zu sein.

Bei DAVID HUME wollen wir etwas länger verweilen. Die allgemeinen Voraussetzungen seiner Psychologie sind ja gewiß im Vorstehenden in Kürze klar gelegt worden. Daß er nichtsdestoweniger auch darüber hinaus unser Interesse in Anspruch nimmt, beruth darauf, daß wir bei ihm zum ersten Mal in einer Hand den ganzen Begriffs- und Überlegungsapparat gesammelt finden, dessen sich die englische Psychologie bediente. Bei ihm ist die ganze Artillerie in Stellung und in voller Tätigkeit. Er zeigt uns in vortrefflicher Weise das Bild eines Psychologen bei der Arbeit.
LITERATUR - Hans Ruin, Erlebnis und Wissen, Helsingfors 1921
    Anmerkungen
    1) La Conscience de soi (Revue philosophique, Vol. XXII, Seite 472).
    2) Le phénoméne psychique (Revue philosophique, Vol. 70, Seite 275)
    3) Grundzüge der Psychologie, Seite 18-19
    4) Bemerkungen zum Begriff des Gegenstandes der Psychologie, Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie, Bd. 18, Seite 161.
    5) siehe z. B. WILHELM PREYER, Die Seele des Kindes, Seite 390-392.
    6) Das hat AUGUST MESSER getan in seiner bedeutenden Arbeit "Empfindung und Denken", Seite 42-46.
    7) On the Consciousness of the Universal and the Individual, Seite 242.
    8) Leitfaden zur Psychologie, Seite 34
    9) Einführung in die Psychologie, Seite 180
    10) Psychologie vom empirischen Standpunkt, Seite 24-25
    11) Lecons de Philosophie, Bd. 1, Psychologie, Seite 33.
    12) Cours de Philosophie Positive, Bd. 1, Seite 31-33.
    13) De la Méthode dans les Sciences: Psychologie, Seite 232-234
    14) La Psychologie Anglaise contemporaine. Introduction.
    15) Daß man auch auf experimentalpsychologischer Seite so etwas gefühlt hat, geht u. a. aus dem Umstand hervor, daß ein enthusiastischer Experimentalpsychologe, NICOLAS KOSTYLEFF, sich veranlaßt gesehen hat, ein Buch mit dem bezeichnenden Titel "La Crise de la Psychologie expérimentale" zu schreiben.
    16) Works I, Seite 157
    17) Psychologie als Wissenschaft, erster synthetischer Teil (Sämtliche Werke V, Seite 214).
    18) Der Pragmatismus, Seite 153.
    19) The emotions and the Will, Seite 555-561.
    20) Logischen Untersuchungen II, 1. Seite 499-505.
    21) Ethik, Seite 105-109
    22) David Hume. Hans Liv og hans Filosofi, Seite 345
    23) siehe hierüber u. a. THOMSEN, a. a. O., Seite 195-230.
    24) Philosophical Remains, Seite 39-40.
    25) Es dürfte angemerkt werden, daß HOBBES nicht in dieses Schema hineinpaßt. Seine Methode war die deduktive und kennzeichnend für ihn war in vielen Dingen ein dogmatisches Verfahren. Und gleichwohl ist leicht zu konstatieren, daß auch er, so paradox es klingen mag, im Geist der Grundsätze wirkte, die BACON ausgesprochen hat. Siehe hierüber Näheres u. a. bei KUNO FISCHER, Francis Bacon und seine Nachfolger, Seite 521.
    26) Novum Organum, Works I, Seite 157.
    27) Elements of Philosophy, English Works I, Seite 7.
    28) Essays of the Active Powers of Man, Works II, Seite 511.
    29) The element of Law natural and politic, Seite 14.
    30) The Principles of Psychology, Bd. 1, Seite 503.
    31) A Treatise of Human Nature, Vol. I, Seite 547.
    32) Leviathan, Seite 19; Elements of Law, Seite 9-10.
    33) Elements of Law, Seite 13
    34) Elements of Law, Seite 17-18.
    35) zum ersten Mal Seite 13-14.
    36) Seite 19-20.
    37) Lehrbuch der Geschichte der neueren Philosophie, Bd. I, Seite 253
    38) Seite 3 - 7
    39) Of the Principles of Human Knowledge (Works I, Seite 157).