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WLADISLAUS SWITALSKI
Vaihingers "Philosophie des Als Ob" (1)

"Die Kategorien haben als Mittel zu praktischem Handeln sehr hohen Wert, aber keinen eigentlich wissenschaftlichen Erkenntniswert. Die Kategorien sind nichts als bequeme Hilfsmittel, um die Empfindungsmassen zu bewältigen. Begreifen ist ein aus der empirischen Umsetzung der Empfindung in Kategorien uns wohlbekanntes Lustgefühl. Der Wunsch, die Welt zu begreifen, ist nicht bloß ein unerfüllbarer, er ist auch ein törichter Wunsch."

Die Philosophie der Gegenwart ist in zwei Lager gespalten: Auf der einen Seite gewinnt die Überzeugung, daß ein fruchtbares Philosophieren ohne die Anerkennung letzter, unverrückbar fester, apriorischer Elemente unmöglich ist, vor allem seit den epochemachenden Untersuchungen HUSSERLs; andererseits sind aber die Anhänger der positivistischen und psychologistischen Richtung noch keineswegs gewillt, vor der "reinen Logik" das Feld zu räumen; der anglo-amerikanische Pragmatismus schien ja der empiristischen Denkweise neue brauchbare Waffen zu liefern. Eine eigentümliche Sonderstellung nimmt der Neukantianismus der Marburger Schule ein. Energisch betont er die Notwendigkeit apriorischer, konstruktiver Prinzipien, aber, indem er ihre Feststellung vom steten Fluß des Bewußtseinslebens abhängig macht, nähert er sich doch dem Relativismus der Erfahrungsphilosophie.

I. Von Neuem entbrennt nun der Streit zwischen den beiden Lagern durch das groß angelegte Werk des bekannten KANT-Interpreten HANS VAIHINGER, das als stolze Devise auf dem Titelblatt das Urteil F. A. LANGEs über die in ihm enthaltenen Untersuchungen zeigt: "Ich bin überzeugt, daß der hier hervorgehobene Punkt einmal ein Eckstein der philosophischen Erkenntnistheorie werden wird." Von Anhängern des Psychologismus auf das Freudigste begrüßt (vgl. z. B. WILHELM JERUSALEM, Die Logik des Unlogischen, in "Zukunft", 25. Mai 1912, JULIUS SCHULTZ, Über die Bedeutung von Vaihingers "Philosophie des Als Ob" für die Erkenntnistheorie der Gegenwart, in "Kant-Studien", Bd. XVII, Seite 85f) findet es auf der Gegenseite eine ebenso entschiedene, zum Teil ironische Ablehnung (FERDINAND JAKOB SCHMIDT, Die Demaskierung des Positivismus, in "Preußische Jahrbücher", Dezember 1911, April 1912), während objektivere Beurteiler eine zumindest reservierte Haltung unter Hervorhebung gewichtiger kritischer Bedenken einnehmen (KURT STERNBERG, Rezension in Kant-Studien XVI, Heft 2 und 3 Seite 328-338; vgl. auch die sachliche, im wesentlichen ablehende Haltung MAX ETTLINGERs im "Hochland", November 1911, Seite 243f).

Das Werk hat eine eigentümliche Geschichte: Der erste und zweite Teil ist in den Jahren 1876-1878 im Manuskript fertiggestellt, und auch der dritte, historische Teil basiert (mit Ausnahme zweier kleinerer Abschnitte, die KANT und NIETZSCHE betreffen) der Sache nach vollständig auf Kollektaneen [Informationssammlungen - wp], die aus den Jahren 1875-78 stammen (Vorwort, Seite V). So erklärt es sich, daß der Verfasser dieses Werkes, als er nach mehr als dreißig Jahren (im Jahr 1911) seine Veröffentlichung unternahm, sich nur als "Herausgeber" bezeichnen wollte. Der inzwischen ergraute Autor, der am Werk seiner Jugend im Wesentlichen nur redaktionelle Änderungen vornahm, will damit andeuten, daß es einer entschwundenen Periode seiner Geistesentwicklung entstammt, so sehr er sich auch jetzt noch in den Grundzügen durchaus mit den im Werk gemachten Aufstellungen für einverstanden erklärt, denn "ein philosophisches Werk, das nach dreißig Jahren veraltet ist, ist überhaupt nicht philosophisch im prägnanten Sinn des Wortes". (Vorwort, Seite VI)

Den Anlaß zur Herausgabe des Werkes gab die Beobachtung, daß sich seit den achtziger Jahren immer entschiedener Strömungen in der philosophischen Denkbewegung geltend machten, die den in ihm behandelten Problemen und ihrer Lösung in mehr als einer Hinsicht verwandt sind. Der Verfasser nennt selbst diese Strömungen (Seite IXf): es ist zunächst der Voluntarismus, wie wir ihn einerseits bei PAULSEN und WUNDT und andererseits im engeren Anschluß an FICHTE bei EUCKEN bzw. WINDELBAND und RICKERT vorfinden. An zweiter Stelle führt er die biologische Erkenntnistheorie eines MACH und AVENARIUS an. Hierzu kommt die Philosophie von FRIEDRICH NIETZSCHE und die neueste Moderichtung, der Pragmatismus. Das sind die vier wichtigen Momente, welche heute - nach der Auffassung des Autors - das Verständnis seines Werkes erleichtern, "ja seine Einführung überhaupt wohl erst ermöglichen, Momente, die damals im Jahr 1877 noch völlig fehlten." (Seite IX).

Das Problem, das den Verfasser beschäftigt, formuliert er selbst kurz und prägnant: "Wie kommt es, daß wir mit bewußt falschen Vorstellungen doch Richtiges erreichen?" Den Anstoß zur Beschäftigung mit diesem Problem gab ursprünglich "eine mehr stilistische Beobachtung". "Philologische Studien", so äußert sich der Verfasser in der ursprünglichen, im Werk nicht mit abgedruckten Vorrede (vgl. Kant-Studien, Bd. XVI, Seite 109),
    "hatten mich auf die Notwendigkeit geführt, dem logischen Wert der Partikeln besondes nachzuforschen; und unter den Partikeln reizten insbesondere die zusammengesetzten die Aufmerksamkeit, vornehmlich die Partikelverbindung «als ob» oder «wie wenn» war mir bei der Lektüre häufig aufgestoßen".

    "Beim eingehenden Studium der Mathematik, der Mechanik und der Philosophie und insbesondere derjenigen Kants fand ich jene Partikelverbindung häufig angewendet."
Die Fiktion als methodologisches Prinzip tritt auf diese Weise dem Verfasser entgegen und regt ihn zu weiterem Nachdenken an. Die "logische Theorie der Fiktionen", die hieraus im Geist des Verfassers entstand, verdankt nach seiner eigenen Angabe mannigfache Anregung und Bestätigung den Ausführungen LANGEs in seiner "Geschichte des Materialismus" (a. a. O.) und LOTZEs geistvollen Bemerkungen über das Verhältnis von Fiktion und Hypothese (vgl. VIII). Seine Untersuchung nennt er in seinem ersten Vorwort direkt einen
    "Versuch, die Forschungen in der Psychologie, insbesondere Steinthals psychologische Gesichtspunkte mit den logischen Untersuchungen eines Lotze und Sigwart zu verschmelzen und besonders auf die erkenntnistheoretischen Fragen anzuwenden." (a. a. O. Seite 112)
Wie aktuell die Darlegungen VAIHINGERs sind, ersehen wir aus der von ihm selbst gegebenen Übersicht über parallele Erscheinungen in der modernen philosophischen Literatur (XIf): Namen von gutem Klang, so z. B. LAAS, DILTHEY, WUNDT, MEINONG, HEINRICH MAIER, CORNELIUS, BALDWIN u. a., treten uns hier entgegen. Auf dem Gebiet der naturwissenschaftlichen Erkenntniskritik (LIPPS, PAUL VOLKMANN, POINCARÉ, ENRIQUEZ u. a.), der Mathematik (COUTURAT, RUSSELL, FELIX KLEIN), der Ästhetik (KONRAD von LANGE, GROOS u. a.), der Ethik (MARCHESINI, SIMMEL), der Religionsphilosophie und Metaphysik (PAULSEN, LIPSIUS, BERGSON, der Symbolo-Fideismus von SABATIER und der mit ihm zusammenhängende Modernismus usw.), und in den neueren Interpretationen der kantischen Ideenlehre (GÖRLAND, BRUNO BAUCH, OSCAR EWALD, SIMMEL u. a.) erblickt er geistesverwandte Bestrebungen. VAIHINGER ist der Überzeugung, daß seine "Philosophie des Als Ob", die nach seiner Ansicht die richtig verstandene Doktrin KANTs im modernen Gewand bietet, als Konzentrationspunkt für alle genannten Tendenzen dienen kann (Seite XIV, XV). Mit einer meiner Meinung nach bemerkenswerten Anpassung an die neu-idealistische, auf FICHTE, SCHELLING und HEGEL zurückführende Strömung der Gegenwart nennt er seine Stellungnahme zu den philosophischen Problemen nicht mehr, wie im ursprünglichen Vorwort (a. a. O., Seite 112), einfach "kritischen Positivismus", er bezeichnet sie jetzt in etwas paradoxer Weise als "idealistischen Positivismus" (XIV): "denn", so fügt er der Erklärung bei,
    "sie erkennt ja eben (neben aller Mahnung zur kritischen Auslese) den hohen ästhetischen und ethischen Wert der religiösen Fiktionen an und tritt für deren Aufrechterhaltung mit Entschiedenheit ein."
Man darf somit gespannt sein, den eigentlichen Lehrgehalt dieses Systems genauer kennen zu lernen.

II. Charakteristisch für die Untersuchungsmethode VAIHINGERs ist die uneingeschränkte Anwendung der biologischen Auffassungsweise auf die Durchforschung der logischen Probleme. Er betont mit Recht (Seite 9):
    "Wenn man als Zweck des Denkens die Erkenntnis (Theorie) ansieht, so wird man die logischen Funktionen ganz anders betrachten, als wenn der Zweck des Denkens und Erkennens schließlich ins Praktische gesetzt wird."
Er selbst entscheidet sich nun für das zweite Glied dieser Alternative: Wie die physiologischen Vorgänge, wie ferner "die Vorstellungsbewegung ... in ihrer stetigen Abänderung in hohem Grad die Anforderungen der Zweckmäßigkeit" (Seite 2) erfüllt, so gehören auch die Denkprozesse zu den organischen Bildungsvorgängen.
    "Die Psyche ist ... eine organische Gestaltungskraft (Steinthal), welche das Aufgenommene selbständig zweckmäßig verändert und ebensosehr das Fremde sich anpaßt, wie sie sich selbst dem Neuen anzupassen vermag" (a. a. O.).

    "So ist (auch) die logische Funktion eine Tätigkeit, welche ihren Zweck passend erfüllt und zur Erfüllung dieses Zwecks sich den Verhältnissen und den Gegenständen zu akkomodieren, zu adaptieren versteht." (Seite 4)
Der Zweck der Denkfunktion besteht aber in der Aufgabe, aus den gegebenen "Empfindungsverbänden" "ein solches Weltbild" zu produzieren, "daß nach diesem das objektive Geschehen berechnet und unser handelndes Eingreifen in der Gang der Geschehnisse erfolgreich ausgeführt werden kann" (Seite 5). Das Denken findet also seine Bestimmung "in der Verarbeitung und Vermittlung des Empfindungsmaterials zur Erreichung eines reicheren und volleren Empfindungslebens" (Seite 8). All die "kunstreichen Hilfsmittel" und "verwickelten Prozesse", deren das entwickelte Denken sich bedient, entstehen
    "nur durch die ungemein sinnreiche Modifikation und Spezifikation (einiger) weniger Grundtypen und Grundgesetze, die sich, teils gedrängt durch die äußeren Voraussetzungen und Umstände, teils getrieben durch immanente Entwicklungskeime, zu jenem reichen, unendlichen Wissenssystem entfalten, auf das der Mensch so stolz ist." (Seite 9).

    "Die eigentlichen Grundprozesse verlaufen (aber) im Dunkel des Unbewußten". "Es handelt sich (also) für die Logik darum,

    die dunkel und unbewußt arbeitende Tätigkeit des Denkens zu beleuchten." (Seite 10)

    "Die eigentliche Kunst des Denkens ist, das Sein auf ganz anderen Wegen zu erreichen, als diejenigen sind, welche das Sein selbst einschlägt." (Seite 11; vgl. Lotze).

    "Vom Standpunkt des objektiven Geschehens aus betrachtet, sind die Operationen des Denkens oft recht verschlungen und erscheinen sogar oft als unzweckmäßig, ja, sie sind es nicht selten auch; ... gerade darin bewährt sich die organische Natur der logischen Funktion, daß sie immer zweckmäßiger, eleganter, sparsamer reagiert." (a. a. O.; vgl. Avenarius).

    "Die Wege des Denkens" dürfen also nicht "für Abbilder der realen Verhältnisse selbst" genommen werden, aber ihre "Zweckmäßigkeit manifestiert sich darin, daß die logischen Funktionen, wenn sie nach ihren eigenen Gesetzen arbeiten, schließlich doch immer wieder mit dem Sein zusammentreffen." (Seite 12)
Wichtig für das nähere Verständnis dieser "Wege des Denkens" ist nun die Unterscheidung der "Kunstregeln" und der "Kunstgriffe des Denkens:
    "Kunstregeln sind das Zusammen all jener technischen Operationen, vermöge welcher eine Tätigkeit ihren Zweck, wenn auch mehr oder weniger verwickelt, so doch direkt zu erreichen weiß, und welche aus der Natur jener Tätigkeit und der sie reizenden Umstände unmittelbar folgen."

    "Kunstgriffe aber sind solche Operationen, welche, einen fast geheimnisvollen Charakter an sich tragend, auf eine mehr oder weniger paradoxe Weise dem gewöhnlichen Verfahren widersprechen" und dabei "Schwierigkeiten, welche das bezügliche Material der betreffenden Tätigkeit in den Weg wirft, indirekt zu umgehen wissen." (Seite 17)
Die "Fiktionen" sind nun solche "Kunstgriffe", sie sind "Hilfsbegrife und Hilfsoperationen des Denkens" (Seite 18).
    "Die Fiktionen sind psychische Gebilde. Aus sich selbst spinnt die Psyche diese Hilfsmittel heraus; denn die Seele ist erfinderisch; den Schatz an Hilfsmitteln, der in ihr selbst liegt, entdeckt sie, gezwungen von der Not, gereizt von der Außenwelt." (Seite 18f)
"Als allgemeiner Typus der Fiktion" ist "die Formierung solcher Vorstellungsgebilde" zu nennen, "welche in der Wirklichkeit keinen Vertreter finden." (Seite 24) Von den eigentlichen Fiktionen, "welche nicht nur der Wirklichkeit widersprechen, sondern auch in sich selbst widerspruchsvoll sind", sind nun aber die "Halbfiktionen" zu unterscheiden,
    "Vorstellungsgebilde, welche nur der gegebenen Wirklichkeit widersprechen, bzw. von ihr abweichen, ohn schon in sich selbst widerspruchsvoll zu sein." (Seite 24)
Zu den ersteren rechnet VAIHINGER den Begriff des Atoms, des Dings-ansich und dgl., während er als Beispiel der letzteren die künstliche Einteilung anführt.
    "Das Denken beginnt zuerst mit leichteren Abweichungen von der Wirklichkeit (Halbfiktionen), um zuletzt, immer kühner geworden, mit solchen Vorstellungsgebilden zu operieren, welche nicht mehr bloß dem Gegebenen widersprechen, sondern auch in sich selbst widerspruchsvoll sind."
Beide Arten sind also nicht streng geschieden, sondern durch allmähliche Übergänge verbunden (a. a. O.; vgl. Seite 123).

Der Begriff der "Fiktion", in dem "das freigestaltende Moment" "das hervorstechendste Merkmal" (Seite 129) ist, ist aber noch nicht eindeutig genug festgestellt: es gilt, die wissenschaftliche Fiktion von anderen, besonders von den ästhetisch-praktischen Erdichtungen abzugrenzen (Seite 129f). VAIHINGER schlägt vor, den Namen "Fiktion" für den wissenschaftlichen Kunstgriff zu reservieren und darunter "jede bewußte, zweckmäßige, aber falsche Annahme" (Seite 130) zu verstehen. Bei allen Erdichtungen ist "die Apperzeption einer Wahrnehmung durch ein Analoges das Grundmotiv" (Seite 130; vgl. STEINTHAL). Die ursprünglichsten Fiktionen oder, wie VAIHINGER sie nennen will, "Figmente" sind nun die mythologischen "Gebilde, welche aus empirischen Elementen frei zusammengesetzt sind". Von den eigentlichen "Fiktionen" scheidet sie der Mangel jeder Zweckbestimmung hinsichtlich einer genaueren Anpassung an die Wirklichkeit. Dasselbe gilt von den "ästhetischen Fiktionen" (Seite 131f), die sich aber insofern mit den wissenschaftlichen vergleichen lassen, als beide "nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Erreichung höherer Zwecke" sind. Über die Auswahl der "guten" Fiktionen entscheidet in der Ästhetik "der gute Geschmack", in der Wissenschaft "der logische Takt" (Seite 132; vgl. 134f).
    "Diejenige Vorstellung ist wahr, welche den Zweck allen Denkens am Besten erfüllt, nämlich das Objektive zu berechnen, zu begreifen. Diejenige ästhetische Fiktion ist schön, welche den Zweck des Dichtens, nämlich ästhetische Empfindungen zu erwecken, am Besten erfüllt." (Seite 136)
Besonders wertvoll ist die Abweisung des "reinen Positivismus", die VAIHINGER in diesem Zusammenhang bietet:
    "Nur die stumme Anschauung, die schweigende Beobachtung z. B. eines Registrierapparates oder eines sonstigen Instrumentes oder Vorgangs ist reiner Positivismus." (Seite 139)

    "Selbst der nüchternste Beobachter in der Wissenschaft, der vollendete Positivist, kommt nicht ohne Fiktionen aus; denn selbst das geringste nüchternste Urteil ist nicht ohne Kategorien möglich - und diese sind schon Fiktionen." (Seite 138)
Die wissenschaftliche Fiktion fällt aber nicht mit der "willkürlichen Annahme" zusammen (vgl. auch Seite 140) und ist auch von Begriffen wie "Irrtum" und "Lüge" zu trennen, sofern man darunter "überflüssige und unzweckmäßige" (Seite 141) oder "unerlaubte" (Seite 142) Gebilde versteht. Allerdings sind diese Begriffe nach VAIHINGER untereinander nahe verwandt, so daß er nicht nur behauptet, daß das höhere Leben auf edlen Täuschungen beruth, sondern geradezu das paradoxe Urteil fällt, "daß Wahrheit nur der zweckmäßigste Irrtum ist" (Seite 143; vgl. 192). Beide sehen sich äußerlich sehr ähnlich, aber, während die Hypothese "stets auf die Wirklichkeit geht", während sie "als wahr, als wirklich, als realer Ausdruck eines Realen" nachgewiesen werden will (Seite 144), beurteilen wir die Fiktion nach ihrer Zweckmäßigkeit (Seite 144, Anm.). "Hypothese und Fiktion sind nicht etwa graduell verschieden, sind sind qualitativ anderer Natur." (Seite 147) Die Hypothese soll verifiziert werden, die Fiktion dagegen,
    "soweit wir sie als provisorisches Hilfsgebilde bezeichnet haben, soll im Laufe der Zeit wegfallen und der wirklichen Bestimmung Platz machen, soweit sie aber eine echte Fiktion ist, soll sie zumindest logisch ausfallen, sobald sie ihre Dienste getan hat." (Seite 147; vgl. 127 und 172)
Die Fiktion kann man
    "mit einem Balkengerüst vergleichen, das nach vollendetem Bau wieder abgebrochen wird, die Hypothese dagegen mit dem Balkengerüst, welches im Bau selbst verwertet wird als integrierender Bestandteil des Baues." (Seite 148 Anm.)

    "Die Hypothese ist also ein Resultat des Denkens, die Fiktion ein Mittel und eine Methode desselben." (Seite 149)

    "Die Hypothese will entdecken, die Fiktion erfinden." (a. a. O.)

    "Der Verifizierung der Hypothese entspricht die Justifizierung der Fiktion." (Seite 150; vgl. 610)
Trotz dieser Häufung prägnanter Unterschiede gesteht freilich der Verfasser, daß eine Scheidung in concreto sehr schwierig ist. Die Grenzen beider spielen eben ineinander. "Was heute Hypothese ist, kann morgen Fiktion sein; ja, was dem einen Fiktion ist, kann dem andern Hypothese sein." (Seite 153; vgl. auch 603-612).

Die sprachliche Ausdrucksform der Fiktion wird für gewöhnlich durch die Partikel "als ob" oder "wie wenn" (lat.: quasi, sicut; engl.: as if; franz.: comme si, que si; griech.: os ei, os eite) eingeleitet (Seite 155).
    "Der psychische Vorgang (des damit bezeichneten) Gleichnisses besteht nach Steinthal darin, daß eine Anschauung durch ein Verhältnis apperzipiert wird, nicht durch den Inhalt einer Vorstellungsgruppe also, sondern nur durch die Form derselben." (a. a. O.)
STEINTHAL übersieht aber, wie VAIHINGER hinzufügt (Seite 157), daß sich Fiktionen auf vergleichende Apperzeptionen zurückführen lassen, d. h. daß Komparativgruppen neu geschaffen werden (Seite 155f):
    "Wenn nämlich die vergleichende Apperzeption nicht direkt möglich ist, weil die Kluft zwischen der Apperzeptionsmasse und dem zu Apperzipierenden zu groß ist, so wird ein Mittelbegriff formiert; indem dieser Mittelbegriff die beiden widersprechenden Elemente, von der Apperzeptionsform ein Element (bei Atom z. B. die Unteilbarkeit des unendlich Kleinen) und von der zu apperzipierenden Vorstellung das entgegengesetzte (bei Atom: ins Unendliche teilbare Ausdehnung) in sich vereinigt, kann er die Vermittlung ermöglichen, indem dann das zu Apperzipierende zuerst vom Mittelbegriff und dieser Mittelbegriff selbst dann erst von der ersten Apperzeptionsform apperzipiert wird." (Seite 157)

    "Schließlich laufen alle Fiktionen auf versuchte Vergleiche hinaus." (a. a. O.)

    "Demnach ist die Vergleichung und schließlich die Verschmelzung des Gleichen in der Seele das eigentliche psychologische Prinzip der Logik und Erkenntnistheorie." (Seite 158)
Aber der Vergleich ist bei einer Fiktion ganz eigener Art: sie ist weder eine reale Analogie, noch auch ein bloßer Tropus (Seite 162): Die Fiktion setzt eine ansich unmögliche Bedingung und fügt die Forderung bei, trotzdem "die Annahme formal aufrecht zu erhalten" (Seite 163; z. B. "die Materie muß so betrachtet werden, wie sie zu behandeln wäre, wenn sie aus Atomen bestehen würde"). Als Hypothese würde dieselbe Annahme in eine andere Form zu kleiden sein, etwa so (Seite 166):
    "Nur unter der Voraussetzung, daß und wenn es Atome gibt, ist die empirische Erscheinung der Phänomene erklärbar" (zum Sinn der Als-ob-Betrachtung vgl. auch Seite 578-591).
Eine "Aufzählung und Einteilung der wissenschaftlichen Fiktionen" zeigt uns nun, wie weit verbreitet, ja geradezu das ganze Denken durchdringend die Anwendung dieses Hilfsmittels nach VAIHINGER ist (Seite 25-123 und 328-578). Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, alle einzelnen "Fiktionen" aufzuzählen. Ich beschränke mich also vielmehr darauf, die Gedankengänge hervorzuheben, die entweder meine Zustimmung oder meinen Widerspruch besonders herausfordern. Da werde ich zunächst uneingeschränkt die Bemerkung billigen können, daß
    "die ideale Isolierung und Spaltung des Gegebenen, die diskursive Trennung desselben in verschiedene Seiten einer der am meisten angewandten Kunstgriffe des Denkens" ist (Seite 34).

    "Wo wir nicht die Gesamtheit der Verhältnisse (bei der "oft unendlich komplizierten Verflochtenheit der Wirklichkeit" 341) übersehen können, abstrahieren wir von einem Teil freiwillig; wenn wir das Gesamtergebnis vieler gleichzeitiger Ursachen nicht zu berechnen imstande sind, lassen wir einige weg und vereinfachen das Problem." (Seite 343)
Diese "neglektive oder abstraktive Methode" veranschaulicht er an einem "Standardbeispiel" (Seite 29; vgl. 343f), nämlich an der "Art und Weise, auf welche ADAM SMITH die Nationalökonomie begründete".
    "Mit sicherem Takt griff er die Hauptsache heraus, nämlich den Egoismus, und formulierte seine Annahme so, daß alle menschlichen Handlungen ... so betrachtet werden können, als ob ihr treibendes Motiv einzig und allein der Egoismus wäre."
VAIHINGER unterläßt es aber auch nicht, das Gebiet zu nennen, auf dem die genannte Methode die fruchtbarsten Ergebnisse gezeitigt hat: ich meine die theoretische Mechanik.
    "Gerade in der Berechnung der mechanischen Verhältnisse der Körper werden zur leichteren Ausführung dieser Berechnungen Nebenursachen vernachlässigt, und die ganze mechanische Bewegung usw. betrachtet, als ob sie nur von jenen abstrakten Faktoren abhinge." (Seite 30f)
Der Nominalismus, dem der Verfasser als Positivist huldigt, zeigt sich naturgemäß deutlich bei der Betrachtung der abstrakten Begriffe und der Allgemeinbegriffe (vgl. "Summatorische Fiktionen", Seite 53f, 399-417; "Methode der abstrakten Verallgemeinerung" (Seite 76-79, 383-398): Die Allgemeinbegriffe sind "rein summatorische Fiktionen, d. h. Ausdrücke, in denen eine Summe von Phänomenen nach ihren Hauptzügen zusammengefaßt wird."
    "Die begrenzende Macht für den oft unbestimmten Umkreis und Inhalt des allgemeinen Begriffs ist der Gestalttypus, der den einheitlichen Charakter vieler Wahrnehmungen ausmacht. Dieser einheitliche Charakter liegt in den Wahrnehmungen selbst und bewirkt eben die psychomechanische Verflechtung und Assoziation der Vorstellungen." (Seite 400)
Der Zweck des Allgemeinbegriffs, von dem VAIHINGER die Allgemeinvorstellung nicht scharf genug trennt (Seite 400f), beruth in der Ermöglichung des Klassifizierens, Ordnens, Begreifens, Beweisens und Schließens (Seite 401, STEINTHAL). So hat diese reine Fiktion doch eine "positiv-praktische Berechtigung" (Seite 401, Anm.).
    "Man kann die Allgemeinbegriff Gleichheitszentren nennen, welche die logische Bewegung der Vorstellungen regulieren." (Seite 407)

    "Die Allgemeinbegriffe und Allgemeingesetze spielen also nur eine dienende Rolle. Wie der Hebel weggelegt wird, wenn er seine Arbeit getan hat, so tritt das Allgemeine auf die Seite, nachdem es zur Bestimmung des Einzelnen gedient hat." (Seite 408)
Zu diesen "summatorischen Fiktionen" gehört nun aber nach VAIHINGER auch
    "der Begriff eines Dings ... und die Redeweise, daß das Ding eine Eigenschaft habe, beruth auf der Hilfsvorstellung, als ob dieses Zusammen noch etwas außer und neben den Eigenschaften wäre, wie die Gattung noch als etwas außer und neben der Vielheit der Einzeldinge Existierendes gedacht wird." (Seite 412: "Abbreviatur mittels Hilfswort")
Auch die abstrakten Begriffe, die übrigens von den Allgemeinbegriffen zumindest theoretisch scharf zu sondern sind (Seite 399, 2: "Isolation" und "Generalisation"), sind "Fiktionen":
    "Die abstrakten Begriffe sind ... Partialbegriffe, welche von ihrem Ganzen losgerissen sind." (Seite 384)

    "Der Fehler aller Scholastik besteht darin, daß sie aus diesen Fiktionen selbständige Wesen macht" (Seite 386).

    "Man verwechselt Faktum und Fiktum, ... man nimmt das Instrument für die Sache,' zu deren Bearbeitung es dient." (Seite 394)

    "Einer der genialsten Kunstgriffe des Denkers" (Denkens?) ist die "Methode der abstrakten Verallgemeinerung" (Seite 78), durch deren Anwendung "das Bestehende, Einzelne allgemein genommen als Spezialfall vieler anderer Möglichkeiten"
gedacht wird (als Beispiele mögen Begriffe wie der "n-dimensionale Raum", das "Bewußtsein überhaupt" dienen). Eng verwandt damit ist das Verfahren, das VAIHINGER (meines Erachtens mißverständlich) "die Methode der unberechtigten Übertragung" nennt (Seite 80): Er versteht darunter Kunstgriffe, wie sie die Mathematik vorzugsweise verwendet. Subsumtion des Krummen unter das Gerade, des Kreises unter die Ellipsenformel, Anwendung des Infinitesimalbegriffs zur rechnerischen Bewältigung des Stetigen usw. (Seite 80-86, 451-571).

Die soeben berührten mathematischen Kunstgriffe bahnen uns den Weg zum Verständnis der "juristischen Fiktionen" (Seite 46-49): Beide sind "reine Produkte einer freischaffenden Tätigkeit des menschlichen Geistes" (Seite 70; vgl. 47).
    "In der fictio juris wird etwas Nicht-Geschehenes als geschehen oder umgekehrt betrachtet oder wird ein Fall unter ein analoges Verhältnis gebracht in einer Weise, die der Wirklichkeit schroff widerspricht." (Seite 48)
In die modernsten Gedankenkämpfe und zugleich ins Zentrum der Denkweise VAIHINGERs werden wir bei der Betrachtung der "symbolischen Fiktionen" (Seite 39-46) hineinversetzt. Die Apperzeptionsmittel der "symbolischen" Fiktion ist ebenfalls die Analogie. Mythologie und Poesie sind die Gebiete, auf denen sie besonders Anwendung findet. Die Auffassung der religiösen Lehren als reine Symbole geht, wie bekannt, auf KANT zurück. VAIHINGERs Verdienst ist es, erschöpfende Quellenbelege für den religiösen Symbolismus KANTs beigebracht zu haben (vgl. u. a. Seite 638, 641, 647-655, 683f, 689f, 710, 734f). Instruktiv ist auch die "Nachlese aus Kants Briefen, Vorlesungen und nachgelassenen Papieren" (Seite 711f). Als eifrigen Verfechter des Symbolismus in der Religion und damit als Fortsetzer von KANTs echter Lehre nennt VAIHINGER FORBERG, dessen in dieser Frage grundlegender Aufsatz über die "Entwicklung des Begriffs der Religion" in der Philosophiegeschichte bisher nicht hinreichend gewürdigt wurde (Seite 736-753). Von FORBERG und FICHTE zugleich ist SCHLEIERMACHER beeinflußt (Seite 753; vgl. 40f), von dem freilich wie von den übrigen symbolistischen Theologen (de WETTE, BIEDERMANN, LIPSIUS) die Grenze zwischen religiösen "Fiktionen" und "Hypothesen" nicht genügend beachtet wird. Ganz in die Bahnen der reinen "Fiktionen" lenkt dagegen F. A. LANGEs "Standpunkt des Ideals" ein (Seite 755f), dessen für die gesamte Fiktionstheorie charakteristische Ansicht der Verfasser im Allgemeinen zustimmend ausführlich darlegt (Seite 755-771; vgl. auch das über NIETZSCHE Gesagte: 788-790). Wie für die symbolistische Religionsphilosophie Gott nicht "Vater" der Menschen, sondern nur so zu betrachten ist, "als ob er es wäre" (Seite 41), so ist für diese Denker auch die Metaphysik überhaupt "Metabolik, Hyperbolik, Metaphorik" (Seite 42). Ja, das gesamte Erkennen, insofern es nur anhand "analogischer Apperzeptionen" erreicht wird, ist eigentlich nur "symbolisches" Vorstellen (Seite 42f). Allerdings unterscheidet VAIHINGER zwischen "realen" und "bloß fiktiven" Analogien (Seite 45), doch im Rahmen seiner Gesamtauffassung besteht diese Sonderung schwerlich zu Recht (vgl. z. B. Seite 88-90). - Wie alle Fiktionen, so haben auch die symbolischen praktische Bedeutung: so die "Fiktion" der Freiheit, der Unsterblichkeit und des höchsten Ideals (Seite 59-69) als "fiktive Grundlagen der Sittlichkeit", so der Begriff des "Unendlichen" als Hilfsgebilde der Forschung (Seite 87f), so schließlich auch der Begriff des "Absoluten" (Seite 114-116):
    "Auf dem Standpunkt des kritischen Positivismus gibt es also kein Absolutes, kein Ding ansich, kein Subjekt, kein Objekt;' es bleiben einzig und allein die Empfindungen übrig, welche da sind, welche gegeben sind, aus denen die ganze subjektive Welt aufgebaut ist in ihrer Scheidung physischer und psychischer Komplexe."
Ich bin damit bereits bei den erkenntnistheoretischen Konsequenzen der "Fiktionstheorie" angelangt. VAIHINGER widmet ihnen einen besonderen Abschnitt:
    "Aus dem Chaos der Empfindungen tritt die geschiedene Anschauung hervor." "Die Anschauung ist schon ein durch psychische Attraktion der Elemente zustande gekommener Verband von Empfindungserkenntnissen." (Seite 286)

    "Wenn die Psyche das ihr dargebotene Material der Empfindungen, also die ihr einzig und allein gegebene Grundlage mit Hilfe der logischen Formen verarbeitet, wenn sie das Empfundene sichtet und vom gegebenen Empfindungsmaterial gemäß jenen logischen Funktionen geradezu Teile wegschneidet und andererseits zum unmittelbar Gegebenen subjektive Zusätze beimischt - und eben in diesen Operationen besteht der Erkenntnisprozeß -, so entfernt sie sich von der ihr gegebenen Wirklichkeit." (Seite 287)
Hier setzt die Frage ein: "Wie kommt es, daß - trotzdem wir im Denken mit einer verfälschten Wirklichkeit rechnen - sich das praktische Resultat doch als richtig erweist?" (Seite 289) "Die richtige (kritische) Stimmung, welche wir den logischen Funktionen und ihren Produkten entgegenbringen sollen" (Seite 293), wird in uns durch die Erwägung hervorgebracht, daß "das Denken und die logische Funktion nicht der Mittelpunt (ist), in dem die Radien der Welt zusammenlaufen", daß vielmehr die logische Funktion "im Haushalt der Natur (nur) eine bescheidene Rolle (spielt)" (Seite 292). "Der wahre Kritizismus oder logische Positivismus geht vorurteilsfrei und kalt an die Untersuchung des Denkinstruments" (Seite 295). Er ist gewöhnt, "in den Denkgebilden zunächst nur subjektive Produkte zu sehen" (a. a. O.) und "fordert für die Annahme der Realität eines jeden Denkgebildes und jeder logischen Bildungsform einen speziellen Beweis" (Seite 296). Von diesem "allein gültigen und brauchbaren Grundsatz" aus erscheint nun "die Differenzierung des Empfindungschaos in Dinge und Eigenschaften", "Ganzes und Teile" (wie überhaupt alle kategoriale Einordnung) als "rein subjektive Tat" (Seite 297). Nur die Kategorie der Zeit scheint eine Ausnahme zu machen, denn wir hören (Seite 298):
    "Gegeben sind der Seele außer dem Material der Empfindungen als solcher noch die Zeitverhältnisse, in welcher (welchen?) sie in dieselbe eintreten."

    "Mit der bloßen Einfügung, Subsumtion der Empfindungen unter die Kategorie (ist) noch gar keine Erkenntnis gewonnen." (Seite 302).
Die Kategorien haben als "Mittel zu praktischem Handeln sehr hohen Wert", aber keinen "eigentlich wissenschaftlichen Erkenntniswert" (Seite 303). Die Erkenntnis ist "gewissermaßen nur das Abfallprodukt der logischen Funktion" (Seite 307). "Die Kategorien sind nichts als bequeme Hilfsmittel, um die Empfindungsmassen zu bewältigen".
    "Begreifen ist ein aus der empirischen Umsetzung der Empfindung in Kategorien uns wohlbekanntes Lustgefühl."

    "Der Wunsch, die Welt zu begreifen, ist nicht bloß ein unerfüllbarer, er ist auch ein törichter Wunsch." (Seite 310). "Die Welt selbst ist nicht begreiflich, nur wissbar." (Seite 311).
Unter "Wissen" der Welt versteht VAIHINGER dabei im Sinne des Positivismus das Herausschälen des Gegebenen in seiner "nackten Reinheit, mit Zerstörung aller subjektiven Auffassungsformen und Zutaten und mit bewußter Erkenntnis der Fiktionen als Fiktionen, d. h. als notwendiger, brauchbarer, nützlicher Hilfsbegriffe" (a. a. O.). Die Meinung, daß die Anwendung der Kategorien uns wahre Erkenntnis verschafft, beruht auf einer "petitio principii" [Es wird vorausgesetzt, was eigentlich erst zu beweisen ist. - wp]: "was ein richtiges Handeln ermöglicht, ... muß auch objektiv wahr sein" (Seite 326). Demgegenüber betont VAIHINGER noch einmal:
    "Das eigentlich Wertvolle an den logischen Formen und Gesetzen ist immer nur das empirisch Beobachtete, nämlich das Vorhandensein unabänderlicher Sukzessionen und Koexistenzen, nicht aber die spezielle Form, in welche diese Beobachtung gekleidet ist", nämlich die kategorialen Aussagen. Diese sind nur "Vehikel" zur Einleitung und Führung des Prozesses der Vorstellungsbewegung." (Seite 327)
Die vielseitige Anwendung der "Fiktion" im modernen Wissenschaftsbetrieb und ihre erkenntnistheoretische Bedeutung veranlaßt VAIHINGER, die "fiktive Tätigkeit der Deduktion und Induktion als ein gleichberechtigtes drittes Glied im System der logischen Wissenschaft" hinzuzufügen (Seite 124). Werden doch "durch die Fiktion Vorstellungsgebilde und Formen geschaffen ..., welche verschiedene einzelne Fälle ... zu vergleichen ermöglichen ..., die ohne sie nicht oder nicht so leicht in Beziehung gesetzt werden könnten." (Seite 188). Das "fiktive Urteil" bildet eine "Modalitätsform" für sich. Es unterscheidet sich auch von dem ihm sonst verwandten "problematischen" Urteil: denn "das (fiktive) Urteil wird vollzogen mit gleichzeitigem Protest gegen objektive Gültigkeit, aber mit ausdrücklicher Wahrung der subjektiven Bedeutung" (Seite 592f). Also ist das fiktive Urteil
    "eine höchste eigentümliche Komplikation, es ist negativ, insofern die Gleichsetzung von A und B als eine ungültige deutlich ausgesprochen wird; es ist positiv, insofern die Möglichkeit, dieses ungültige Urteil doch als gültig zu behandeln, bejaht wird; in dieser selben Hinsicht ist es auch kategorisch, während es doch andererseits einen hypothetischen Bestandteil enthält; ... es ist problematisch, assertorisch [behauptend - wp], eventuell sogar apodiktisch [gewiß - wp], insofern es diese Behandlungsweise einfach ausspricht oder ihre Möglichkeit oder Notwendigkeit besonders hervorhebt." (Seite 594)

    "Zwischen dem Handeln als ob und dem Meinen, Glauben, Wissen, daß - besteht keine graduelle Differenz, sondern eine spezifische." (Seite 598)
An dieser Eigenart des fiktiven Urteils ändert der Umstand nichts, daß es oft - mißverständlich genug - in einfach kategorischer Form ausgesprochen wird (Seite 601; z. B. "der Kreis ist ein Polygon"). In einer "Übersicht der fiktiven Elementarmethoden" (Seite 116-123) bietet nun VAIHINGER einen ersten Entwurf einer methodologischen Behandlung dieses eigenartigen logischen Gebildes. Er versucht durch eine "Aufzählung der fiktiven Grundprozesse" den Weg zu einem natürlichen System der Fiktionen zu bahnen. Als "ersten fiktiven Denkprozeß" führt er die Zerlegung an: Das gegebene Wirkliche, aber Unbegreifliche wird in zwei zusammengehörige Werte zerlegt: man "erreicht dadurch erstens die Möglichkeit einer praktischen Berechnung, zweitens den Schein der Begreiflichkeit" (Seite 117): Einheit - Vielheit, Ding - Eigenschaft, Ursache - Wirkung, Subjekt - Objekt, überhaupt alle Kategorien sind Beispiele für dieses Denkverfahren. Besonders in der Mathematik und Physik ist diese Methode gebräuchlich (Seite 116, 118). Aus diesem Verfahren ergibt sich die Regel: "Fiktive Wertpaare, in welche das Wirkliche künstlich zerlegt ist, haben nur zusammen Sinn und Wert" (Seite 118). - "Dem Prozeß der Zerlegung steht der entgegengesetzte der Zusammenfassung zur Seite". "Das beste Beispiel hierfür sind die Allgemeinbegriffe" (Seite 119). Zusammenfassende Ausdrücke
    "ermöglichen nicht bloß eine Beschleunigung der Rechnung, sondern auch eine leichtere Behaltbarkeit und außerdem eine Verallgemeinerung der Resultate und Übersichtlichkeit der Ausdrücke";
aber auch sie dürfen nicht für das Wirkliche gehalten werden, sondern nur die zusammengefaßten "x, y, z usw." (Seite 119f). - "Die dritte fiktive Grundmethode ist die symbolische Bezeichnung" (Seite 120). "Als ein vierter Grundprozeß ist die Isolierung zu bezeichnen (Seite 121), als fünfter die "Generalisation" und endlich die "unberechtigte Übertragung" (z. B. die Subsumtion des "Krummen" unter das "Gerade"). - Wenn wir nun aber verstehen wollen, wie wir durch Fiktionen, also durch bewußte Abweichungen von einem Tatbestand, gleichwohl zu "richtigen" Resultaten gelangen, so müssen wir noch einer Methode gedenken, nämlich der "Methode der Korrektur willkürlich gemachter Differenzen" (Seite 194-219). Bereits LOTZE macht auf die Notwendigkeit aufmerksam, die bei einer künstlichen Einteilung sich ergebenden Kombinationen "durch nebenhergehende Überlegung, durch eine Schätzung des verschiedenen Werts der Merkmale ..., welche auf eine Kenntnis der Sache, auf richtigem Gefühl oder nur auf einem erratenden Geschmack beruhen", zu berichtigen (Seite 195f). Bei den abstraktiv-neglektiven Fiktionen besteht die Korrektur darin, daß "die vernachlässigten Elemente ... nachher wieder zu ihrem Recht kommen (müssen), wenn nicht Irrtümer entstehen sollen" (Seite 197). In den Fällen, in welchen "die fiktive Subsumtion ... durch die Vermittlung eines fiktiven Vorstellungsgebildes stattfindet", muß der Fehler "rückgängig gemacht werden, indem das fiktiv eingeführte Gebilde einfach wieder hinausgeworfen wird. Beruth aber die Einführung auf einem logischen Fehler, so kann das Hinauswerfen auch nur durch einen logischen Fehler stattfinden" ("Methode der entgegengesetzten Fehler", vgl. Seite 197f).
    "Der ganze Fortschritt des Denkens beruth nur auf solch entgegengesetzten Operationen oder Fehlern: in diesem Hin und Her besteht einzig und allein der logische Fortschritt, der keine gerade Linie ist, sondern ein beständiges Lavieren gegen einen ungünstigen Wind." (Seite 208)
So ist "das Denken ein regulierter Irrtum" (Seite 217) und in diesem Sinn nennt VAIHINGER, wie bereits hervorgehoben, die Wahrheit den "zweckmäßigsten Irrtum" (vgl. noch Seite 192 und 217), ein paradoxes Wort, mit dem wir passend die Quintessenz des VAIHINGERschen Werkes kennzeichnen können.

III. VAIHINGER beschließt die Vorrede seines Werkes mit dem vielverheißenden Ausspruch:
    "So wie es nun ist, mag es manchem das lösende Wort in quälenden Problemen bringen, manch anderen aus dogmatischer Ruhe in neue Zweifel stürzen, bei vielen Anstoß erregen, aber hoffentlich auch einigen neue Anstöße geben." (Seite VI)
Hat es wirklich das "lösende Wort" gesprochen? Und welcher Art sind die "Anstöße", die es gibt? Zu diesen Fragen müssen wir jetzt, zumindest prinzipiell, Stellung nehmen.

Bevor ich jedoch an diese wahrlich nicht leichte Aufgabe herangehe, seien noch einige Bemerkungen betreffs der äußeren Form des Werkes gestattet: Der ungeheure Umfang (800 Seiten) fällt auf. Bei genauerer Lektüre gewinnt man auch den Eindruck, daß zur gründlichen Behandlung des Problems im Sinne des Verfassers die Hälfte des Umfangs genügt hätte. Die Ausführung hätte sicher an Klarheit und Durchsichtigkeit gewonnen. So wie es jetzt vorliegt, ist es überreich an Wiederholungen, die nicht lediglich durch die mir wenig übersichtlich scheinende Disposition veranlaßt sind. (Nur nebenbei sei erwähnt, daß sich im Buch sehr viele, zum Teil sinnstörende Druckfehler finden. Einer sei hier erwähnt: Seite 200 letzte Zeile muß es nach der Fermatschen Formel (6 + 1)² (9 - 6 - 1) = 98 heißen.) Die Breite und die dadurch bedingte Schwerfälligkeit der Ausführungen scheint mir übrigens zur Genüge erklärt zu werden durch die peinliche Sorgfalt des "Herausgebers", die Arbeit möglichst im ursprünglichen Zustand zu veröffentlichen. Diesem vom Standpunkt philologischer Treue durchaus erwünschten Bestreben möchte ich nun freilich vom philosophischen Standpunkt den Wunsch nach einer einheitlichen Durchorganisierung des Stoffes als zumindest gleichberechtigt entgegenstellen. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei aber gleich hinzugefügt, daß dieser Wunsch nicht etwa der Beobachtung einer zusammenhanglosen und inkonsequenten Darlegung entsprungen ist: Im Gegenteil, es muß rühmend hervorgehoben werden, daß der Verfasser seinen Grundgedanken von Anfang bis Ende in voller Schärfe zur Geltung zu bringen versteht.

Was nun die Beurteilung des Inhalts betrifft, so will ich die philosophiegeschichtlichen Abschnitte des Werkes von vornherein ausscheiden. Nicht als ob sie mir unbedeutend erscheinen! Im Gegenteil: gerade diese reichhaltigen Ausführungen, die ebenso von der philologischen Akribie des Verfassers, wie von der philosophischen Verarbeitung des Materials Zeugnis ablegen, gehören zum Instruktivsten von allem, was dieses Werk bietet. Gleichwohl will ich mir ein näheres Eingehen auf die hier gebotenen Angaben versagen, indem ich eine kritische Stellungnahme zu ihnen kompetenteren Forschern überlasse. Nur eine Bemerkung sei erwähnt: Mit KURT STERNBERG (Kant-Studien XVI, Seite 334) bin ich der Meinung, daß KANT in seiner Auffassung der Kategorialbegriffe, trotz einiger unleugbarer Anklänge an eine rein fiktive Interpretation, der VAIHINGERschen Ansicht doch nicht so nahe kommt, als dieser es annimmt. Den eigentlichen Gegenstand meiner Kritik soll nun aber die rein philosophische Seite des Werkes, seine logischen und erkenntnistheoretischen Behauptungen, bilden; nur um mir dafür eine möglichst objektive Grundlage zu schaffen, habe ich zunächst eine allerdings selbständig angeordnete, aber inhaltlich zum größten Teil wortgetreue Darstellung von VAIHINGERs Ansichten zu geben versucht. Den Gesamteindruck dieser Skizze kann ich wohl in die Worte zusammenfassen, daß VAIHINGER die Unmöglichkeit aller Erkenntnis als Erfassung der Wirklichkeit (die negative Seite seiner Lehre) und die Unentbehrlichkeit der logischen Bearbeitung des Erfahrungsmaterials für ein richtiges Reagieren auf die Eindrücke der Wirklichkeit (positiv-praktische, "pragmatische" Seite seiner Auffassung) zu begründen versucht hat. Ist ihm dieses Unternehmen nun gelungen?

Forschen wir zunächst nach den Voraussetzungen, mit denen dieser "kritische" Positivismus rechnet! Grundlegend ist hier nun die Annahme einer "Wirklichkeit", die von einer "unwandelbaren Gesetzmäßigkeit" (Seite 289) beherrscht ist und einer "Psyche", deren Denken nur "eine bescheidene Rolle im Haushalt der Natur" (Seite 292) spielt, und die "eine stets sich selbst vervollkommnende Maschine" ist, "welche den Zweck erfüllt, möglichst sicher und rasch und mit geringstem Kraftaufwand die lebenserhaltenden Bewegungen des Organismus auszuführen" (Seite 178). Die "instinktive, unbewußte Zwecktätigkeit der Psyche" wird von VAIHINGER immer von Neuem als treibendes und richtunggebendes Agens all ihrer Lebensäußerungen hervorgehoben. Freilich macht er gelegentlich die Einschränkug, daß er "diese teleologische Ableitung nur heuristisch gelten lassen" will (Seite 320), aber seine Gesamtauffassung ist derart in dieser biologischen Anschauungsweise verankert, daß wir in ihr nicht lediglich eine heuristische Annahme, sondern vielmehr ein konstitutives Prinzip seiner Lehre sehen müssen. - So fällt schon recht viel aus dem, wie es doch den Anschein hatte, alles umfassenden Rahmen der "Fiktionen" heraus: Die Natur, das Gebiet des Seins, das seine eigenen Wege, unbeirrt um das Denken der "Psyche", geht, und dieses Denken selbst mit seiner es unbewußt, aber auch unumschränkt beherrschenden Zielstrebigkeit, das Denken, das im Dienst des Organismus an die "Wirklichkeit" sich anzupassen sucht, das "Umwege" einschlägt und die Wirklichkeit "verfälscht", nur um besser an sie heranzukommen, und um den Organismus zur Selbsterhaltung und Selbstbehauptung immer geschickter zu machen. Wodurch vergewissern wir uns aber von der Existenz und der Beschaffenheit dieser Voraussetzungen? Doch durch das Denken selbst? Also kann doch nicht alles, was das Denken feststellt, in den Bereich der Fiktion versetzt werden! Und die Wahrheit, sie ist doch mehr als der "zweckmäßigste Irrtum"! - Wir sehen: will man im Sinn der relativistischen Auffassung VAIHINGERs jedes absolute Fundament des Erkennens leugnen, so kommt man um eine ungeheure "petitio principii" nicht herum. Da sind doch die transzendentalen Idealisten, welche die Wirklichkeit aus Setzungen des reinen Denkens abzuleiten versuchen, und die Vertreter der "reinen" Erfahrung, welche jede Scheidung in Subjekt und Objekt aus dem ursprünglich "Gegebenen" eliminieren, trotz aller willkürlichen Einseitigkeit ihrer Tendenz nach konsequenter!

Doch, tue ich VAIHINGER nicht vielleicht Unrecht? Betont er nicht ausdrücklich, daß das Wirkliche eben nur die "Empfindungen" sind? So scheint auch sein Standpunkt ein positivistischer im strengsten Sinn des Wortes zu sein. Was heißt aber "Empfindung"? Liegt nicht in diesem Wort selbst die Differenzierung in Subjekt und Objekt bereits enthalten? Vollends, wenn man mit VAIHINGER die von subjektiven Einflüssen unabhängige, der Tätigkeit des psychischen Ordnens widerstrebende Koordination und Sukzession der Empfindungen als etwas ihnen selbst Anhaftendes betont! Hat doch der Hauptbegriff der Ausführungen VAIHINGERs, der Begriff der "Fiktion" selbst, keinen Sinn, wenn nicht dem "fingierten" Gebilde eine davon abweichende Wirklichkeit gegenübersteht, wie dann ja auch VAIHINGER selbst "reale" Vorgänge von "fiktiven" unterscheidet, ohne uns allerdings zu sagen, wie wir von "realen" Vorgängen überhaupt sprechen können, wenn wir in keiner Weise der Wirklichkeit beim Erkennen habhaft werden können! Der Unterschied der "Semifiktionen" von den Fiktionen beruth ja nach VAIHINGER auf ihrer größeren Annäherung an die "realen" Verhältnisse, und die "Hypothese" vollends tendiert nach ihm (im Gegensatz zur Fiktion) auf eine direkte Erfassung des Realen hin! Es bleibt also dabei, das Reale in seiner gesetzmäßigen Ausstattung und Ordnung und mit seiner Scheidung in "Wirklichkeit" und "handelnde Subjekte" ist die grundlegende dogmatische Voraussetzung von VAIHINGERs System und zwar eine Voraussetzung, die seinen Folgerungen direkt widerspricht.

Wie steht es nun mit der "Fiktionstheorie" selbst? Müssen wir etwa als Gegner der Grundvoraussetzung VAIHINGERs leugnen, daß das Denken sich überhaupt der Fiktionen bedient? Keineswegs! Wir sehen es vielmehr als Verdienst der modernen Logik an, daß sie uns die oft so verschlungenen, mit der Wirklichkeit nicht immer parallel laufenden Pfade des diskursiven Denkens immer klarer zu Bewußtsein bringt. Und in dieser Hinsicht hat gerade Vaihinger, wie ich uneingeschränkt zugebe, durch seine tiefdringenden Untersuchungen über den Fiktionsbegriff einen überaus wertvollen Beitrag geliefert, um einer Verwischung der Grenzen zwischen Hypothese und Fiktion und damit einer verhängnisvollen Verwirrung in der Abschätzung der Denkresultate vorzubeugen. Man darf aber die Bedeutung des Fiktionsbegriffs nicht überspannen und in der Entdeckerfreude nicht überall "Fiktionen" finden wollen! Sonst schwebt man in Gefahr, bei aller Hinneigung zum Nominalismus einem eigenartigem Begriffsrealismus zu verfallen, für den sich die "Fiktion" zum Allheilmittel für alle Erkenntnisschwierigkeiten gestaltet!

VAIHINGER ist von einem psychogenetischen Standpunkt aus durchaus im Recht, wenn er von allmählichen Übergängen der Semifiktionen in echte Fiktionen spricht und auf das "Gesetz der Ideenverschiebung" (Seite 219f) aufmerksam macht, demzufolge "eine Anzahl von Ideen verschiedene Stadien der Entwicklung durchlaufen, und zwar das der Fiktion, der Hypothese, des Dogmas, und umgekehrt ..." (Seite 219). Von einem erkenntnistheoretischen Standpunkt jedoch muß auf eine exakte Definition der einschlägigen Begriffe Gewicht gelegt werden, weil sonst alle Bestimmungen flüssig werden und dadurch eine reinliche Scheidung und Beurteilung der Begriffsbedeutungen unmöglich gemacht wird; nicht, wie wir - auf Umwegen und Irrpfaden - zur Erkenntnis gelangen, ist ja das Grundproblem der Erkenntniskritik, sie fragt vielmehr, was Erkenntnis ist und erst in zweiter Linie, inwiefern wir Erkenntnis erwerben! Von diesem Standpunkt aus erscheinen uns nun aber die Begriffe der Halbfiktion und der Fiktion nicht erschöpfend genug definiert, und in diesem Mangel erblicken wir gerade den Grund für die unseres Erachtens allzu radikale Anwendung des Fiktionsbegriffs in der erkenntnistheoretischen Betrachtung. Wenn nämlich VAIHINGER die Halbfiktionen als "Vorstellungsgebilde" bezeichnet, "welche nur der gegebenen Wirklichkeit widersprechen, bzw. von ihr abweichen, ohne schon in sich selbst widerspruchsvoll zu sein", so scheint mir diese Definition zu negativ zu sein. Das "Abweichen" der Halbfiktionen von der Wirklichkeit setzt doch auch eine gewisse Übereinstimmung voraus. Die "künstliche Einteilung" z. B. enthält ja unfraglich ein fingiertes Moment: der vom Ordner selbständig gewählte Gesichtspunkt braucht mit dem "natürlichen System" in keiner Beziehung zu stehen, und doch: daß der Ordner von diesem einmal gewählten Gesichtspunkt aus nur eine bestimmte Anzahl von Objekten und zwar streng in einer exakt angebbaren Reihenfolge zusammenfassen muß, liegt nicht mehr in seiner Gewalt, es ist in der Natur der Gegenstände begründet. Und dieses selbe "fundamentum in re" [sachliche Grundlage - wp] muß VAIHINGER selbst bei den Allgemeinbegriffen und bei den abstrakten Begriffen anerkennen, ein Zugeständnis, das aber seinem extremen Nominalismus keineswegs günstig ist: Ist nämlich für die Zusammenfassung der Einzelinhalte in den "summatorischen Fiktionen" (Allgemeinbegriffen) der in den Wahrnehmungen vorfindliche "Gestalttypus" maßgebend, so kann eben die Zusammenfassung nicht als rein fiktiv bezeichnet werden; ihr liegt ein reales Moment zugrunde, und so sehr es wertvoll ist, vor einer Verdinglichung der Begriffe zu warnen, so sehr muß auch nachdrücklich auf dieses realistische Motiv aller Verallgemeinerungen hingewiesen werden. Das Gleiche gilt von den "abstrakten" Begriffen, die als solche unfraglich wiederum "entia rationis" [Gedankendinge - wp] sind, aber auch hier finden wir ein "fundamentum in re": die ansich unselbständigen Teile könnten nicht herausgelöst werden, wenn sie nicht in den konkreten Gegenständen enthalten wären. Es ist demnach unberechtigt, lediglich aus dem "fiktiven" Charakter dieser Denkprodukte erkenntnistheoretische Konsequenzen zu ziehen; es gilt vielmehr, mit Sorgfalt den in ihnen wirksamen realistischen Motiven nachzuspüren, um an ihrer Hand einen Begriff von der Wirklichkeit zu erhalten, der diese zwar nicht "abbildet", wohl aber zuverlässig von ihr Kunde gibt. Voraussetzung ist es allerdings, daß die das Sein beherrschende Gesetzmäßigkeit, die ja auch VAIHINGER annimmt, uns nicht völlig transzendent bleibt, oder, anders ausgedrückt, daß Denken und Sein, so sehr ihre Wege auch im Einzelnen auseinandergehen, doch in ihrer grundlegenden Gesetzmäßigkeit übereinstimmen. Daß diese alles wissenschaftliche Forschen erst ermöglichende Voraussetzung übrigens keine blind hingenommene "Vermutung" ist, wird uns klar, wenn wir nur mit HUSSERL zwischen Natur- und Idealgesetzen des Denkens genau unterscheiden: Nur die letzteren, mit Einsicht am Denkgegenstand konstatierten Gesetzmäßigkeiten treten uns, eben weil sie an ihm festgestellt sind, zugleich als Fundamentalgesetze des Gegenstandes und damit allem, was "Gegenstand" ist, entgegen, und diese mit Einsicht zu erfassende Koinzidenz zwischen den Fundamentalgesetzen des Denkens und Seins begründet unsere Überzeugung von der "Wahrheit", d. h. von der objektiven Gültigkeit unserer Erkenntnisse. Sie ermöglichst auch die einzig und allein befriedigende Antwort auf die Grundfrage des Verfassers: "Wie kommt es, daß wir mit bewußt falschen Vorstellungen doch Richtiges erreichen?" Denn die schließliche Antwort VAIHINGERs, daß die nachträgliche Korrektur oder Eliminierung der bewußt falschen Voraussetzungen eine Anpassung an die Wirklichkeit erklärt, weist selbst über sich hinaus auf das weitere Problem: was verstehen wir unter zweckmäßiger Anpassung? Und wie ist ein derartiger Zusammenhang zwischen psychischen Gebilden und physischen Vorgängen denkbar? Beides Fragen, die meines Erachtens auf jene Koinzidenz von Denken und Sein zurückweisen. Ich bin mir voll bewußt, daß ich mit diesem "objektivistischen" Standpunkt vom kantischen Kritizismus, zumindest wie er gemeinhin aufgefaßt wird, abweiche; ich glaube aber auch, daß eine rein subjektivistische Deutung KANTs, die Auffassung also, welche die Kluft zwischen Subjekt und Wirklichkeit als gegeben und unüberbrückbar ansieht, eine dogmatische Voraussetzung ist, die das Erkenntnisproblem von vornherein in falsche, allzu enge Bahnen lenkt und verwirrt. - Dementsprechend gewinnen auch die Kategorien eine andere Bedeutung als für den Verfasser. Kategorien sind keine Fiktionen, so richtig es auch ist, daß z. B. die Scheidung von "Ding" und "Eigenschaft" nur eine nachträgliche, durch unser Denken bewirkte ist, und daß die leere Etikettierung der einzelnen Elemente der Wirklichkeit als "Ursachen" oder "Wirkungen" uns keinen Schritt auf dem Erkenntnisweg weiterführt. Die von uns formulierten Kategorien sind vielmehr Hinweise auf reale Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten, Strebepfeiler unseres Erkenntnisgebäudes, die selbst auf einer apriorischen Gesetzmäßigkeit des Gedachten gründen und deshalb imstande sind, unserem sich stetig entwickelnden Erkennen einen festen Halt zu gewähren. Mögen im Fortschritt der Wissenschaften neue Kategorien gefunden werden (man denke an die Methodologie der Geisteswissenschaften!), mögen die alten eine prägnantere Fassung erhalten, - ohne jenes objektive, als unerschütterlich vorauszusetzende Fundament wäre auch dieser Fortschritt nicht denkbar! Und so bietet die Anwendung der Kategorien auf die Wirklichkeit nicht bloß den Anschein der Begreiflichkeit, sondern vollgültige Erkenntnis! Wenn wir von den wahrgenommenen Inhalten aus nach der zugrunde liegenden "Substanz" forschen, so liegt das erkenntnisfördernde Moment hier eben in der Unbefriedigung mit den anscheinend regellos wechselnden Inhalten. Und die konkrete Sukzession der Inhalte, die bei aller kausalen Erklärung nach VAIHINGER die eigentliche Erkenntnis begründen soll, wird doch selbst als solche nur deshalb erkannt, weil in ihr die kausale Gesetzmäßigkeit festgestellt wird. Allerdings verwende ich eine andere Terminologie als VAIHINGER, - eine Differenz, die auf sachliche Unterschiede zurückweist: Was VAIHINGER "wissen" oder "erkennen" nennt, ist für mich ein "Vorfinden" oder "Anerkennen" und nur dem sachlich bedingten Ordnen der Inhalte, ihrer Zurückführung auf letzte Gründe und Gesetze schreibe ich "Erkenntnis"wert zu. Eine von diesem Standpunkt aus berechtigte Folgerung ist es auch, daß ich die Ideen "Gott", "Freiheit", "Unsterblichkeit" nicht einfach mit VAIHINGER in das Gebiet der "Fiktionen" verweise, daß ich vielehr Handhaben zu besitzen glaube, um im Fortschritt des Erkennens mich von der realen Bedeutung dieser Ideen zu vergewissern. Dieser Hinweis mag genügen. Ich werde auf den "Fiktions"charakter dieser Ideen weiter unten von einer anderen Seite her zurückkommen.

Den Ausführungen des Verfassers über die "reinen" Fiktionen, also über die "in sich selbst widerspruchsvollen Hilfsgebilde des Denkens" (mathematische Fiktionen, Fiktionen der Naturwissenschaft, juristische Fiktionen) kann ich uneingeschränkter zustimmen: sie können nicht "verifiziert", d. h. als tatsächlich vorhanden konstatiert, sondern nur "justifiziert", als brauchbare Hilfsmittel anerkannt werden. Aber auch hier erhebt sich ein Bedenken: Was heißt "justifizieren"? Wofür sollen die Fiktionen "brauchbar" sein? Man sieht, ihre "praktische" Bedeutung ist nicht eindeutig genug bezeichnet. Ich glaube durchaus im Sinne des Verfassers die Antwort auf die gestellte Frage folgendermaßen geben zu können: Die Fiktionen sind "brauchbar" für den jeweiligen Zweckzusammenhang, um dessentwillen sie aufgestellt sind. Sie werden "justifiziert", insofern ihre Zweckdienlichkeit anerkannt wird. Ihre "praktische" Bedeutung richtet sich demnach nach dem Gebiet, für das sie verwendet werden. Daraus folgt, daß die Fiktionen auf wissenschaftlichem Gebiet den Zwecken theoretischer Erfassung dienstbar sind: hier werden sie justifiziert, insofern sie die theoretische Erfassung ermöglichen oder erleichtern.

Indem wir so die Eigenart des theoretischen Erfassens betonen, verstoßen wir allerdings gegen einen Fundamentalsatz von VAIHINGERs Doktrin, die alle und jede psychische Betätigung, also auch das Denken, in den Dienst der "Selbsterhaltung" des Organismus stellt und so rein praktischen Interessen - mit bewußter Vernachlässigung des theoretischen Moments - unterwirft. Ich muß deshalb meine Unterscheidung genauer rechtfertigen. Zu diesem Zweck ist es erforderlich, sich wieder den Unterschied der psychogenetisch-biologischen und der erkenntniskritischen Betrachtungsart zu vergegenwärtigen. Daß unser Denken im Haushalt unseres Organismus eine bestimmte dienende Rolle zu erfüllen hat, daß diese Aufgabe des Denkens in der immer allseitigeren Orientierung innerhalb der Umwelt und in der Auswahl von zweckmäßigen Reaktionsweisen besteht, und daß deshalb das praktisch Brauchbare und Fruchtbare der Denkbetätigung nicht immer mit der sachlichen und formalen "Wahrheit" der Denkresultate zusammenfällt (Seite 64f), - das alles kann ich uneingeschränkt unterschreiben. Aber es ist damit keineswegs erwiesen, daß das Denken nur diesen Zwecken dienen soll, ja, es ist direkt zu bestreiten, daß es auf die Dauer selbst diese Aufgabe zweckdienlich erfüllen kann, wenn es sich nicht - bei seiner Betätigung - immer entschiedener von allen praktischen Tendenzen emanzipiert: Wie die Verwertung der physikalischen Prozesse im Organismus ihre eigene Gesetzmäßigkeit nicht ersetzt, sondern voraussetzt, so entscheidet die teleologische Betrachtung des Denkens nichts über die immanenten Gesetze und Ziele des Denkens. Diese immanente Struktur des Denkens kann nun keine biologische Methode ermitteln: logische Analyse und erkenntniskritische Ausdeutung sind hier allein maßgebend. Bei einer derartigen Betrachtung müssen wir aber "Denken" als sachlich bedingtes Vergleichen, Unterscheiden, Ordnen und "Erkennen", als denkendes Erfassesn des sachlich Gegebenen definieren, unbeschadet aller transzendenten, auf die Erhaltung des Organismus abzielenden Aufgaben des Denkens. Wir sehen also, die "Theorie" läßt sich nicht restlos auf die "Praxis" zurückführen: sie ist und bleibt vielmehr die Leuchte, die mit ihrem eigenen, nicht von der Praxis erborgten Licht auch die dunklen Pfade der Umwelt erhellt. Das Handeln regt uns zum Denken an, die Not des Daseins drängt uns zur Verfeinerung der Denkbetätigung: das alles ist wahr, aber das Denken bleibt doch seinem idealen Gehalt nach etwas der Praxis gegenüber Selbständiges: es läßt sich nicht als "Instrument" des Handelns definieren, ohne damit auch diese Bedeutung zu verlieren.

Das theoretische Erfassen der Wirklichkeit, das wir so allen pragmatischen Reduktionsversuchen zum Trotz in seiner Eigenart und in seinem Eigenwert zu wahren versuchen, ist dabei auch nach unserer Auffassung kein Abbilden der Wirklichkeit, kein einfaches Hinnehmen. Es ist ein Verarbeiten der Eindrücke, eine stetig fortschreitende Vertiefung in den Wirklichkeitsgehalt, aber eben zum Zweck der Eruierung dessen, "was ist". Unser Erkennen ist und bleibt ferner Stückwerk, weil es von der Schale mühsam zum Kern vordringt, und es bedarf in der Tat häufig Hilfskonstruktionen, die eine Ergänzung bieten für die Lücken unseres Wissensgebäudes und die durch eine stetig neuen "Anpassung" verbessert oder durch andere Konstruktionen ersetzt werden (vgl. die Ersetzung der "Atomhypothese" durch die "Elektronentheorie"); aber dieser Relativismus unseres Erkennens ist nur denkbar, weil das zu Erkennende auf einer festen Basis ruht: sonst wäre ja eine "Anpassung" ein Widerspruch in sich (vgl. SWITALSKI, "Der Wahrheitsbegriff des Pragmatismus nach William James", 1910, und "Probleme der Begriffsbildung", Philosophisches Jahrbuch der Görres-Gesellschaft, Januar 1912).

Mit dieser entschiedenen Betonung der Eigenart des theoretischen Verhaltens hängt naturgemäß eine von VAIHINGER abweichende Auffassung des Wahrheitsbegriffsbegriffs zusammen. VAIHINGER unterscheidet, obwohl er nur von einer "doppelten" Wahrheit spricht, eigentlich eine dreifache: zunächst die Wahrheit als Feststellung der unabänderlichen Sukzessionen (die eigentlich "reale" Wahrheit); dann die "Wahrheit" der Formen des Denkens, von der der Satz gilt, daß "die Wahrheit der zweckmäßigste Irrtum" ist (Seite 192f) und schließlich die "Wahrheit" der "Als-Ob"-Betrachtung (Seite 760f), die nur eine bildliche ist ("Wahrheit" soll hier nur den idealen Wert gewisser Fiktionen bezeichnen). "Wahr" im ersten Sinn sind nach VAIHINGER die Empfindungen, ihre Koexistenz und Sukzession, "wahr" im zweiten Sinn die Semifiktionen und Fiktionen, sofern sie wissenschaftlich brauchbar sind, "wahr" im dritten Sinn endlich sind für den Verfasser die religiösen Grundbegriffe.

Daß ich die Kluft zwischen den beiden zuerst genannten Bedeutungen der "Wahrheit" nicht anerkennen kann, ist oben bereits begründet. Hier will ich mein Augenmerk auf den dritten Wahrheitsbegriff, den VAIHINGER im Anschluß an LANGE formuliert, richten: Es erscheint mir zunächst mißlich und irreführend, in Anpassung an den Sprachgebrauch von "religiösen Wahrheiten" zu sprechen, wenn man ihren Lehrgehalt leugnet und sie nur als Fiktionen, wenn auch als wertvolle Fiktionen, gelten lassen will. - Im Hinbilck auf die Einheit der menschlichen Natur ferner und auf die teleologische Bedeutung des Denkens im Dienst dieser Einheit - ein Motiv, das gerade der biologischen Betrachtungsweise entnommen ist - muß gegen eine radikale Trennung des Wissens vom Glauben, der Wirklichkeit vom Ideal protestiert werden: ein auf rein fiktiver Grundlage ruhender Glaube, ein erdichtetes Ideal ist ein Schemen, das ansich keine Motivationskraft für den normalen Menschen hat; nur in Anlehnung an eine Gesetzmäßigkeit, von deren Realität man überzeugt ist, können Fiktionen Bedeutung erhalten und insofern das Handeln bestimmen; getrennt von ihr sind es reine Jllusionen, denen nur die Selbsttäuschung einen Wert beimessen kann. Der ideale Wert der religiösen Wahrheit kann, so will ich mich positiv ausdrücken, nur dann aufrecht erhalten werden, wenn sie "Wahrheit" in einem strengen Sinn ist, wenn sie also, - so "rätselhaft" auch der "Spiegel" sie wiedergibt, in dem wir sie schauen, - doch auf durchaus realer Basis beruth und auf eine ewige "Wahrheit" zurückführt.

Ich verhehle mir nicht, daß ich damit eine Auffassung vertrete, die der VAIHINGERs diametral gegenübersteht: VAIHINGER ist Kantianer in dem Sinne, daß er die "Rechte" des Erkenntnissubjekts, seine "Autonomie" und sein "schöpferisches" Verhalten beim Formen der Wahrheiten betont. "Wahr" muß also für ihn das und nur das sein, was den "Bedürfnissen" (im edelsten und umfassendsten Sinn) des Subjekts irgendwie entspricht. Wer dagegen mit mir im Hinblick auf die unverrückbar gültigen Werte, an die der Menschengeist sich gebunden sieht, und auf die Umwelt, von der er sich in vieler Beziehung abhängig fühlt, das Subjekt in einen umfassenderen, weltumspannenden Zusammenhang hineinstellt, für den behält die Wahrheit ihren überindividuellen, allgültigen Charakter, und, was ich "Wahrheit" nenne, ist nur eine Aneignung jener für sich bestehenden Wahrheit, ein mehr oder weniger gelingendes Erfassen der Wirklichkeit anhand von transsubjektiven und doch in unserem Inneren herrschenden Idealgesetze.

VAIHINGER konnte mir somit "das lösende Wort in quälenden Problemen" nicht bringen. Aber dankbar erkenne ich an, daß die von seinem Werk ausgehenden Anregungen vielfach fruchtbar sind, Anregungen positiver Art, insofern VAIHINGER mit Nachdruck eine sorgfältige Scheidung des Subjektiven vom Objektiven in unserem Erkenntnisganzen als unabweisbar notwendig erweist, und nicht weniger wertvolle Anregungen in negativer Hinsicht, indem sein Werk zur kritischen Stellungnahme und damit zur Klärung der eigenen Ansichten geradezu herausfordert.
LITERATUR - Wladislaus Switalski, Vaihingers "Philosophie des Als Ob", Philosophisches Jahrbuch der Görres-Gesellschaft, Freiburg/München 1912
    Anmerkungen
    1) Hans Vaihinger, Die Philosophie des Als Ob; System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit aufgrund eines idealistischen Positivismus. Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche, Berlin 1911, 804 Seiten.