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PAUL NATORP
Philosophie

"Nicht eher, meinte Plato, wird des Staatselends ein Ende werden, als nicht entweder die Philosophen sich entschlössen, Könige, oder die Könige, Philosophen zu werden."

"Wer die Entwicklung der Wissenschaften im Großen in den letzten Jahrzehnten mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat, dem muß es auffallend sesin, wie sich dieser Zug der Vereinheitlichung immer mächtiger durchsetzt. Von der Logik zur Arithmetik, von der Arithmetik zur Geometrie, von der Geometrie zur Mechanik, von der Mechanik zur Physik, von der Physik zur Chemie und von beiden wiederum zur Biologie, von der Biologie zur Psychologie, Sprach- und Sozialwissenschaft, also auch zur Geschichte, und so fort, gibt es nirgends mehr starre Grenzen, sondern überall ist ein stetiger Übergang, wenn nicht schon erreicht, so doch mit wachsendem Erfolg angestrebt."

"So bleibt das Sein das Ziel, aber das nur ideelle Ziel, gleichsam der unendlich ferne Puntk, der im Grunde nur ein anderer Ausdruck ist für die immer identische Richtung des unendlichen Weges der Erkenntnis, nicht aber einen erreichbaren Endpunkt bezeichnet, in dem sie zu einem unbedingten Abschluß käme. Die Jllusion eines in sich abgeschlossenen und bestimmten, und dann rückwärts den Weg der Erkenntnis bestimmenden Seins, als des Zielpunktes derselben, ist in der Tat ganz analog der trüglichen Vorstellungen eines "unendlich fernen Punktes der Geraden als eines in sich, eben als Punkt, bestimmten Endes der Bahn - die doch vielmehr unendlich sein soll. Jede Behauptung eines absoluten Seins, als verschieden von der Methode der Erkenntnis, würde in der Tat dem unendlichen Prozeß des Erkennens ein Ende setzen, das heißt aber, ihn als solchen - zunichte machen."

Nach Philosophie ist ein neuer Drang in unserer Zeit, besonders in dem heute jungen Geschlecht erwacht. Die fast jähe Entwicklung der Naturwissenschaft, der Technik und damit der ganzen äußeren Gestalt des Kulturlebens, nicht minder der künstlerischen, ja der innersten sittlichen Anschauungen in sozialer wie individualer Richtung, bis zum Verborgensten der religiösen Stimmung - das alles zusammen hat gegen die Überlieferungen der Jahrtausende, gegen Urväterweisheit und all die vielgestaltigen, sich widersprechenden, frohen oder unfrohen Botschaften von Göttern und Göttersöhnen ein tiefes, schwerlich mehr zu beschwichtigendes Mißtrauen geweckt; zugleich aber ein starkes Bedürfen und schon etwas wie eine Vorahnung eines unerhört Neuen, Gewaltigen, das der hellsichtig gewordenen Menschheit sich gerade jetzt erschließen muß. Verlangend schaut man aus nach einer, sei es nun beseligenden, oder vielleicht bis zur Vernichtung erschütternden, auf jeden Fall aber klärenden Deutung all der neuen Rätsel; nach einer Wahrheit, die, gepanzert mit dem undurchdringlichen Stahl der echtesten, probehaltigsten Wissenschaft, doch zugleich geeignet ist, nicht den rechnenden Verstand allein zu befriedigen, sondern den geheimsten, innersten Zweifeln und Fragen der Seele zu antworten.

"Weltanschauung" nennt man es; man verschmäht auch nicht den alten Titel "Philosophie", der, aus einer verwandten Zeitstimmung geboren, dieses unbedingte Bedürfnis zu wissen, schlicht sachlich und doch zugleich persönlich genug ausdrückt: als eine Sache der Liebe und des Lebens, nicht bloß verstandesmäßiger Überlegung.

Keine Frage: dieser Drang ist vorhanden; er muß sich auf jeden Fall ehrlich durchkämpfen und zur Klarheit über sich selbst gelangen, was an ihm Gesundes und welches der rechte Weg ist, ihn zu befriedigen. Ganz nichtig ist es sicher nicht, was er erstrebt; denn er will im Grunde nichts anderes, als daß sich unser Leben selbst zu seiner innersten Wahrheit durchringt; daß zuletzt nichts anderes als die Wahrheit in ihm regiert. Nicht eher, meinte PLATO, wird des Staatselends ein Ende werden, als nicht entweder die Philosophen sich entschlössen, Könige, oder die Könige, Philosophen zu werden. Man darf den Satz, ganz auch im eigenen Sinn seines Urhebers, dahin verallgemeinern: daß das Leben des Menschen auf Erden zu seinem Heil und zu seiner inneren Wahrheit nicht anders gelangen kann, als wenn es ganz mit Philosophie durchtränkt wird und sich damit Philosophie ganz in Leben verwandelt.

Daß so etwas möglich ist, dafür glaubt man bestimmte Anzeichen gerade jetzt zu erkennen. Noch nie hat das ganze Kulturleben des Menschen ernsthafter gerungen, sich auf den Grund der Wissenschaft zu stellen, nie die Wissenschaft größere Anstrengungen gemacht, sich unmittelbar ins Leben der Kultur zu übertragen, ganz in es als Ganzes ein- und aufzugehen. Ein so völliges Einswerden von Wissenschaft und Leben aber läßt sich nur auf eine Weise denken: die Wissenschaft muß sich (erstens) über die Verzettelung in tausend und aber tausend Einzelheiten hinweg zu einer zentralen Einheit zusammenfassen; sie darf sich (zweitens) nicht damit begnügen, der Außenseite der Dinge, dem, was sich zählen, messen, wägen läßt, theoretisch und technisch beizukommen, sondern sie muß mit nicht weniger sicheren Methoden auch in die verborgenen Tiefen des menschlichen Innenlebens dringen, um auch sie auf die Art, wie es möglich und dem Gegenstand angemessen ist, zu erzählen, zu ermessen und zu erwägen; dabei aber darf sie (drittens) keine Kluft zwischen Außen- und Innenwelt bestehen lassen, sondern muß in der zusammenfassenden Einheit einer durchgehenden Wechselbeziehung beide umspannen. Das aber erkennt doch jeder als die unterscheidenden Merkmale der Philosophie. Denn Philosophie will allerdings Wissenschaft sein, nicht aber eine besondere eines besonderen Gegenstandes; vielmehr eben, was allen Sonderungen der vielen Wissenschaften gegenüber die Einheit der Wissenschaft ausmacht und begründet, das ihre eigentümliche Frage und Aufgabe.

Hieraus ergibt sich nun die Forderung einer sehr engen Einheit von Philosophie und Wissenschaft, einer Einheit durch Wechselbeziehung, welche die Verschiedenheit nicht aufhebt, sondern gerade zur Voraussetzung hat. Beide dürfen überhaupt nicht außerhalb voneinander stehen bleiben, sondern sie müßten, ideal genommen, sich etwa so verhalten wir die einander entgegengesetzten Richtungen ein und desselben Weges. So in der Tat entsprechen sich beide: als der Weg gleichsam zum Zentrum: der Einheit der Erkenntnis, und zum Umkreis: der unbegrenzten Mannigfaltigkeit der besonderen und einzelnen Erkenntnisse. Wie also die Wege von der Peripherie zum Zentrum und vom Zentrum zur Peripherie der Richtung nacheinander entgegengesetzt, dabei aber doch eins sind, indem alle und nur dieselben Punkte in einer und der anderen Richtung durchlaufen werden müssen, so verhalten sich zueinander, ideal genommen, die Wissenschaften und die Philosophie.

Nur für einen Augenblick kann es scheinen, als würde durch eine so ausschließliche Beziehung auf die Wissenschaft die Aufgabe der Philosophie zu sehr verengt, da sich diese doch auf das Ganze des menschlichen, des bewußten Lebens überhaupt, nicht auf Wissenschaft allein, erstreckt. Eben die Wissenschaft, als ideales Ganzes, erstreckt sich auf das Ganze des menschlichen, des bewußten Lebens. Es gibt eine Wissenschaft auch vom Objekt des Handelns, vom Objekt der schaffenden Phantasie, ja vom Objekt der Religion; eine Wissenschaft auch vom Subjektiven, von der Subjektivität selbst (Psychologie). Und so gibt es überhaupt nichts, was den Fragestellungen und Methoden der Wissenschaft schlechthin entzogen wäre. Also wird Philosophie, eben indem sie ihre Untersuchung auf den ganzen Umkreis der Wissenschaften erstreckt, sich auf den ganzen Bereich des bewußten Lebens erstrecken. Zumal da eben dieses Ganze, als solches, da die letzte, zentrale Einheit der Wissenschaften das eigentümliche Interesse der Philosophie ist, so wird sie auf diese Weise nicht leicht in Gefahr kommen, etwa gar ganze Provinzen des bewußten Lebens außer Acht zu lassen. Auch, was - wie die abgelegeneren Gebiete des psychischen Lebens - den Mitteln und Methoden der Wissenschaft zumindest in einem strengeren Sinn sich bisher nicht hat fügen wollen, muß in der Philosophie zumindest als eigenes Gebiet von Fragen und Aufgaben seine Stelle finden. Fragen aber und Aufgaben sind es auch für die Wissenschaft; denn darunter verstehen wir nicht allein den Inbegriff des Gewußten (schlechthin gewußt ist ja äußerst wenig, wenn überhaupt etwas), sondern nicht minder alles, was erst der Erforschung unterliegt; überhaupt nicht das fertige Wissen ist es, woran wir bei diesem Wort vorzugsweise denken, sondern das Wissen-schaffen selbst, die immer fortwährende, nie vollendete Arbeit der Erforschung auch des bisher Unerkannten.

Kann also der Philosophie an Umfang wohl nichts abgehen, wenn wir das Gebiet ihrer Fragen sich decken lassen mit dem der Gesamtheit der Wissenschaften, so kann weit eher der Schein entstehen, als ob beide nun ganz und gar auch dem Inhalt nach zusammenfallen müßten; als ob für eine Philosophie neben der nur weit genug verstandenen Wissenschaft überhaupt kein Raum übrig bliebe. Zwar nach der Richtung der Fragestellung versuchten wir beide zu unterscheiden; die Frage nach der letzten Einheit der Erkenntnis sei der Philosophie eigen, auf die unbegrenzbare Mannigfaltigkeit der Einzelerkenntnisse dagegen die Wissenschaft gerichtet. Aber da liegt der Einwand nahe: den Wissenschaften selbst sei doch das Streben auf eine letzte Einheit nicht fremd oder für sie auch nur nebensächlich; in ihnen selbst walte neben dem Zug der Besonderung der Probleme ein nicht weniger starker Zug der Vereinheitlichung. Gerade in unserer Zeit wird man vielleicht hinzufügen, sei es mit Händen zu greifen, wie überall die Grenzgebiete die Übergänge von einem Wissensbereich zum anderen wichtig werden und mehr und mehr alle eingebildeten Scheidewände niedersinken. Nur der ökonomische Gesichtspunkt der Arbeitsteilung rechtfertigt noch die gebräuchlichen Sonderungen, oder allenfalls nur im Sinn einer vorläufigen Abstraktion sind solche auch sachlich begründet.

Die Tatsache ist unbestreitbar. Wer die Entwicklung der Wissenschaften im Großen in den letzten Jahrzehnten mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat, dem muß es auffallend sesin, wie sich dieser Zug der Vereinheitlichung immer mächtiger durchsetzt. Von der Logik zur Arithmetik, von der Arithmetik zur Geometrie, von der Geometrie zur Mechanik, von der Mechanik zur Physik, von der Physik zur Chemie und von beiden wiederum zur Biologie, von der Biologie zur Psychologie, Sprach- und Sozialwissenschaft, also auch zur Geschichte, und so fort, gibt es nirgends mehr starre Grenzen, sondern überall ist ein stetiger Übergang, wenn nicht schon erreicht, so doch mit wachsendem Erfolg angestrebt.

Allein, was wird dadurch anderes bewiesen, als daß den Wissenschaften selbst der Zug zur Philosophie einheimisch, ihrem Wesen nach eigen, also nicht als etwas Fremdes in sie erst künstlich hineinzutragen ist; daß, gerade je weiter sie drangen, umso mehr in ihnen selbst dieser Zug mächtig werden mußte und gerade nun mächtig geworden ist, der die Philosophie seit je geboren hat und immer wieder gebiert? Was Besseres kann sich denn die Philosophie wünschen? Welche größere Sicherung kann es für sie geben, als daß eben jene schließliche Einheit der Erkenntnis, die sie behauptet und darstellen will, sich in der Arbeit der Wissenschaften selbst, ihrem eigenen Wesen zufolge, notwendig immer klarer und kräftiger herausarbeitet; daß sich der Trieb zu dieser Einheit mehr und mehr in den Wissenschaften selbst sogar als die eigentlich schöpferische Kraft erweist? Damit wird die Aufgabe der Philosophie nicht hinfällig, sie wird im Gegenteil mit dem Wachstum der Wissenschaften nur immer größer und bedeutender; nur muß zugleich die Arbeit beider, der Wissenschaften und der Philosophie, immer vollständiger ineinandergreifen, sich also immer mehr der von uns geforderten völligen inneren Einheit nähern, einer Einheit, die eben in der strengen Wechselbeziehung von Besonderung und Vereinheitlichung der Erkenntnis besteht. Denn je weiter die Entwicklung fortschreitet, umso umfassender und schwerer muß sich wohl die Aufgabe gleichzeitig nach beiden Richtungen gestalten; je weiter nach der einen Seite die Differenzierung geht, umso stärkerer Konzentration bedarf es andererseits, damit in der Besonderung nicht der Zusammenhalt verlorengeht. Wirklich gibt sich gegenwärtig überall das stärkste Hindrängen zur Philosophie in den Einzelwissenschaften selbst zu erkennen; während es zugleich bei der beständigen Ausdehnung ihres Gebietes für den einzelnen Forscher schwerer und schwerer wird, diesem Einheitszug inmitten der Arbeit der Einzelwissenschaft selbst zu genügen. Umgekehrt muß die Philosophie, schon um ihr allzeit und gerade auch gegenwärtig scharf angefochtenes Existenzrecht zu wahren, sich in die Arbeit der Einzelwissenschaften so tief und fest, als sie nur irgendwie vermag, einzuwurzeln bestrebt sein, wie es gleichfalls gegenwärtig allenthalben zu beobachten ist. Allerdings erschwert sich damit ihre Aufgabe mindestens im gleichen Maß wie die der Einzelwissenschaften; es erfordert eine immer größere Kraft zugleich der Aufnahme und der Vertiefung, um der Aufgabe überhaupt noch gewachsen zu bleiben. Aber eben diese Kräfte werden durch die Entwicklung der Wissenschaften, wie sie sich uns heute deutlicher als je darstellt, auch in steigendem Maß geweckt und genährt; und so braucht man nicht zu besorgen, daß der beständig wachsenden Aufgabe die nötigen Kräfte mangeln werden. Jedenfalls - und darauf kommt es hier wesentlich an - verbleibt der Philosophie gerade in ihrer genauesten Beziehung auf die Einzelwissenschaften für immer ihre eigentümliche Aufgabe; es wird, je mehr Wissenschaft, nicht desto weniger, sondern nur desto mehr auch immer Philosophie geben. (1)

Ist nun dies in allgemeiner Erwägung des Verhältnisses zwischen Philosophie und Wissenschaft klar, so wundert man sich vielleicht, weshalb dennoch (wie noch eben bemerkt wurde) der Philosophie das Daseinsrecht immer wieder, und wahrlich heute nicht weniger als in irgendeiner früheren Zeit, bestritten wird.

Nun, es ist kein Geheimnis, aus welchem Quell der Zweifel an ihr immer neue Nahrung zieht. Die Beobachtung liegt nahe genug, daß noch keine Philosophie jemals eine allgemeine und dauernde Bestimmung zu finden vermocht hat; daß unter den Philosophierenden selbst noch nie eine Einigung auch nur über die ersten Prinzipien, ja vielleicht über diese gerade am wenigsten, hat erreicht werden können. Tiefe Verschiedenheiten zwar und Kampf der Meinungen gibt es in allen Wissenschaften; das Gegenteil wäre der Tod. Aber überall sonst läßt sich doch eine gewisse Summe solcher Grundsätze namhaft machen, die von den Streitenden gemeinsam angenommen, deren Anerkennung bei aller Meinungsverschiedenheit immer ausgesprochene oder stillschweigende Voraussetzung ist. Daher gibt es in ihnen, wenn auch kein Fertigwerden, doch einen im Ganzen geradlinigen Fortschritt, ein folgerechtes Weiterbauen auf ein für allemal unerschütterlich fest gelegten Fundamenten. In der Philosophie dagegen ist gemeinsam höchstens die allgemeinste Frage, eben die nach einer letzten, fundamentalen Einheit der Erkenntnis; aber schon in der genaueren Deutung dieser Frage gehen die Auffassungen weit auseinander, vollends in allem, was, in wie allgemeinem Sinn auch immer, auf diese Frage antworten soll.

Eine solche Uneinigkeit muß natürlich gegen das ganze Unternehmen einer Philosophie Verdacht erwecken. Gäbe es eine wahre Philosophie, so müßte sie doch (sagt man sich) wenigstens auf die Länge die allgemeine Zustimmung der redlich Suchenden gefunden haben. Stattdessen sieht man niemanden so uneins darüber, welches die wahre Philosophie, ja welches auch nur ihre wahre Aufgabe ist, wie die Philosophen selbst. Diese Uneinigkeit hat bisher den großartigsten Anstrengungen des Menschengeistes getrotzt; die philosophischen Genies kommen und gehen, die Uneinigkeit unter den Philosophierenden bleibt, ja sie scheint eher zu wachsen als abzunehmen. Muß man da nicht an der ganzen Sache schließlich irre werden? Muß man da nicht auf den Verdacht kommen, daß es das, wonach man sucht, überhaupt nicht gibt? Denn dann begreift es sich am ehesten, daß es der Eine da, der Andere dort zu finden glaubt, und daß doch keiner den Anderen überzeugen kann, daß das, was er gefunden hat, das von allen gemeinsam Gesuchte ist.

Die Unendlichkeit der Aufgabe der Erkenntnis scheint es zu sein, was den gesuchten Abschluß in einer letzten, absoluten Einheit der Erkenntnis unmöglich . Zu klar beweist es doch die Geschichte menschlicher Wissenschaft (sagt man sich), daß zu den letzten Gründen der Dinge, wie die Philosophie sie sucht, überhaupt nie zu gelangen ist. Stets noch zeigte sich, daß sich, je größere Probleme einerseits ihre Lösung fanden, umso größere jenseits der gefundenen Lösung auftaten. Wann immer die Philosophie sich herausnahm, dieser Unendlichkeit der wissenschaftlichen Aufgaben durch eine Vorwegnahme angeblich endgültiger, abschließender Lösungen Schranken zu setzen, mußte sie es nur zu bald bereuen, indem der Fortgang der Wissenschaften die eben errichteten Schranken alsbald wieder niederlegte und siegreich über sie hinwegschritt. Oder sollte die eigentümliche Aufgabe der Philosophie etwa in nichts anderem bestehen als eben in solchen zeitweiligen Abschlüssen; in dem immer erneuten Versuch, das Unmögliche doch zu ermöglichen, das Grenzenlose in Grenzen einzuschließen - das heißt aber, sich und andere auf eine kurze Weile mit der falschen Vorspiegelung eines Abschlusses zu betrügen, um gleich darauf gestehen zu müssen, daß es wieder nichts damit war? Es ist merkwürdig genug, daß selbst diese Auffassung von der Philosophie existiert und sogar unter vorgeblichen Philosophen Anhänger findet. Ein freilich wunderlicher Beweis für die Unvertilgbarkeit des philosophischen Triebes; man bringt es also fertig, nicht bloß aus dem Zweifel (das wäre nichts Neues), sondern aus der Verzweiflung an der Philosophie - eine Philosophie zu machen!

Keine Frage: die Aufgabe der menschlichen Erkenntnis ist unendlich. Wäre also das der Sinn der Philosophie, dieser Unendlichkeit ein Ende zu setzen in einer abschließenden Erkenntnis der Dinge, wie sie an sich sind und sich nicht bloß relativ für die je erreichte Erkenntnisstufe darstellen, so wäre ihre Aufgabe in der Tat chimärisch [ein Blendwerk - wp]. Diese Aufgabe wäre unlösbar, nicht weil die zureichenden Voraussetzungen zu ihrer Lösung noch nicht gegeben wären, oder weil noch nicht genug Scharfsinn aufgewendet wurde, sondern weil die Aufgabe in sich widersinnig und es nur ein Beweis menschlicher Kurzsichtigkeit wäre, sie überhaupt zu stellen. Der Zweifel an der Philosophie, sofern er aus dem Bewußtsein der Unendlichkeit der Aufgabe wissenschaftlicher Erfahrung, der Unendlichkeit des möglichen Fortschritts in der Erforschung der Dinge entspringt, ist rechtschaffen; er ist sogar philosophischer als jede solche Philosophie, die nach so viel fehlgeschlagenen Versuchen immer noch und immer wieder unternimmt, das Unmöglich doch möglich zu machen: dem unendlichen Fortschritt der Erkenntnis willkürlich Schranken zu setzen.

Allein, wenn der Weg der Erkenntnis unendlich ist, so ist er darum nicht gesetzlos; so entbehrt er darum nicht der strengen Einheit seiner Richtung. Eine Richtung besteht eben als solche ins Unendliche fort. Gerade die Erkenntnis der Unendlichkeit des Weges der Wissenschaft, welche eins ist mit der Erkenntnis der strengen Einheit, ja Einzigkeit der Richtung dieses Weges, ist eine so fundamental philosophische Erkenntnis wie fast keine andere; und so beweist diese Erkenntnis, je unbestreitbarer sie ist, umso sicherer das Recht der Philosophie.

Die Gegenstände sind unerschöpfbar; die Erkenntnis aber, die, auf den Gegenstand gerichtet, ihm näher und näher zu kommen glaubt und ihn doch nie erreicht, ist, ihrem eigenen inneren, gesetzmäßigen Grund nach, immer ein und dieselbe.

Die Gegenstände scheinen außerhalb von uns, in gewisser Entfernung zu stehen; wir meinen mit dem Fortgang der Erkenntnis den Abstand zwischen ihnen und uns stetig zu verringern. Zu unserer Verwunderung entdecken wir, daß sie uns immer gleich fern bleiben, ja immer weiter fortzurücken scheinen. Allein die Erkenntnis bleibt unser; denn sie ist ein Bewußtsein, das Bewußtsein aber ist, wenn irgendetwas, unser Eigen.

Ein großes, altbekanntes Beispiel genügt, dieses Verhältnis hell zu beleuchten. Für das Denken des Altertums und des Mittelalters endete das äußere Universum bei der neunten oder elften etc. jener himmlischen Sphären, die man, gleich Zwiebelhäuten ineinandergeschachtelt, in einem ewig gleichen Kreislauf um das Zentrum, die Erde, sich drehend dachte. KOPERNIKUS sprengte den kunstvollen Bau; die Erde mußte ihre Zentralstellung an die Sonne abtreten und sich mit einem bescheidenen Platz in der Reihe der Planeten begnügen; die Fixsternsphäre rückte in früher nicht geahnte Weiten hinaus. Auch dieses System ist gefallen; die Sonne bildet so wenig wie die Erde mehr den Mittelpunkt eines geschlossenen Universums; die feste Sphäre, an die die Fixsterne geheftet waren, ist zum Mythos geworden; ihr Name nur ("angeheftete Sterne") bewahrt noch gleichsam als fossiler Rest die Erinnerung an ihre ehemalige Bedeutung; in Wahrheit sind es (nach KANT) nur "langsam bewegte Wandelsterne einer höheren Ordnung". Die ehedem angenommenen Entfernungen und Umlaufsperioden sind myriadenfach überschritten; das bewaffnete Auge findet nur noch in seiner eigenen Unvollkommenheit und der seiner Waffe, nicht im Gegenstand irgendeine Schranke; die Unendlichkeit hat Platz für Welten und Welten von Welten ohne Ende. Das nennen wir Fortschritte der Erkenntnis, und zählen sie zu den größten, die die Menschheit zu verzeichnen hat; nur leider das, was wir suchten: die geschlossene Einheit des Weltbaus, die Einheit des "Kosmos", haben sie uns anscheinend nicht näher gebracht, uns vielmehr nur ferner und ferner gerückt. Von einem System des Universums sind wir weiter denn je entfernt. Die Alten hatten ein System, KOPERNIKUS und noch KEPLER hatten eins; wir haben keines. Aber die Erkenntnis hat unermeßlich gewonnen; und, was das Merkwürdigste ist: das Prinzip der Erkenntnis ist bei allem schließlich dasselbe geblieben. Es ist dasselbe Gesetz der Erkenntnis, dem EUDOXOS und PTOLEMÄUS, dem KOPERNIKUS und KEPLER, und dem NEWTON, KANT und LAPLACE gehorchten; nur seine Anwendung auf weitere und weitere Gebiete gegebener Phänomene, auf das immer umfassender verstandene Problem mußte zu anderen und anderen Ergebnissen führen. Die alte, wie es scheint, von PLATO oder in seiner Schule zuerst bestimmt formulierte Forderung: die erscheinenden Ungleichförmigkeiten des Gestirnlaufs zurückzuführen auf gesetzmäßige Gleichförmigkeiten, ist für uns maßgebend, wie sie es für die Alten war. Nur diese Forderung besser, haltbarer zu erfüllen, war die Rücksicht, welche KOPERNIKUS und KEPLER und wiederum NEWTON und KANT und LAPLACE bei ihren Reformen der Kosmologie leitete. Die gleichförmigen Kreisbahnen der Alten sind gefallen, die Ellipsen KEPLERs sind dahin und keine anderen regulären Figuren der Gestirnbahnen sind an deren Stelle getreten. Aber in der Formel NEWTONs ist die Gesetzmäßigkeit der Gestirnbewegungen zu einem Ausdruck gebracht von einer Einfachheit und dabei universellen Tragweite, wie jene es nicht entfernt geahnt haben. Mag die Wissenschaft in irgendeiner Richtung, die wir heute vielleicht nicht ahnen, hinauskommen; sie wird es allein tun können in einer Gemäßheit derselben Grundgesetze wissenschaftlicher Erkenntnis, die bisher leitend waren und deren immer strengerer und umfassenderer Befolgung die Naturwissenschaft zwar keine endgültigen Sätze über die Beschaffenheit des Universums, aber, was mehr ist, den sicheren Gang eines Fortschritts der Erkenntnis ins Unendliche verdankt.

Ist es dann nicht mit Händen zu greifen, wo also die Einheit des Fundaments der Erkenntnis zu suchen ist und wo nicht? Nicht in der Unendlichkeit der Gegenstände der Erkenntnis, sondern im eigenen inneren Gesetz der Erkenntnis selbst.

Das ist der Gedanke, durch den, nachem er von den Anfängen der Philosophie an wieder und wieder vorgeahnt wurde, endgültig und mit vollendeter Klarheit über seine umwälzende Bedeutung KANT die Philosophie reformiert hat; wir wir denken, mit unwiderruflichem Erfolg. Zwar fehlt viel, daß auch nur die bedeutung dieser entscheidenden Wendung allgemein begriffen und anerkannt wäre. Vollends wird auch von den überzeugtesten Kantianern keiner mehr heute behaupten wollen, daß der Bau der neuen, "kritischen" Philosophie von ihrem Entdecker oder von irgendeinem seiner Nachfolger bereits fertig aufgeführt und gleichsam wohnlich eingerichtet ist. Aber soviel läßt sich behaupten: das Fundament ist endgültig gelegt, die Methode ist gefunen, die der Philosophie fortan einen ebenso sicheren Fortgang verheißt, wie er der eigentlichen, auf den Gegenstand unmittelbar gerichteten Wissenschaft mit Grund nachgerühmt wird. Die Gangbarkeit und unangreifbare Sicherheit dieses Weges kann nich wohl bestritten werden. Und so wäre die Philosophie, wenn sie nur in aller Strenge diesen Kurs innehält, endlich aus der beschämenden Lage befreit, jeden Augenblick ihrer Schritte wieder zurücktun zu müssen und nach ungeheuren Anstrengungen sich stets wieder fast auf dem Punkt zu finden, von dem sie ausgegangen war. Sie hätte kein Ziel, dessen Bedeutung und Realität nicht abgestritten werden könnte, in dessen Verfolgung sie notwendig vorwärts kommen müßte, so wie jede Wissenschaft vorwärts kommt: nicht zu abschließenden Ergebnissen (das hieße, zu einem Punkt, wo es kein Vorwärtskommen mehr gibt), aber doch in einheitlicher Richtung weiter und weiter, so daß zwar jede gefundene Lösung einer Frage wieder zu neuen Fragen führt, aber doch ein immer festeres und breiteres Fundament gesicherter Erkenntnis gewonnen wird.

Aber freilich war zu allen Zeiten und ist auch heute in vielen Philosophierenden ein anderer Trieb stärker als der nach strenger Wissenschaft, nach unbedingt probehaltiger Wahrheit. Man will - darin eben sucht man den Unterschied von Philosophie und Wissenschaft - um jeden Preis zum Ziel kommen. Man will Gewißheit; nicht die bloße Gewißheit ewigen Fortschreitens, welche die leidige Gewißheit, nicht am Ziel zu sein noch jemals dahin gelangen zu können, einschließt, sondern die Gewißheit des erreichten oder wenigstens erreichbaren Ziels; Gewißheit, nicht besserer und besserer Erkenntnis, sondern vollendeten Seins. Man will Wissenschaft, Methode, aber nur als Mittel; um die Wege der Erkenntnis hat sich die Philosophie allzeit bemüht, sie hat stets auch "über das Denken nachgedacht"; aber nur um zum Sein zu kommen. Ein Fortgang ins Unendliche mag der Eigenart der positiven Wissenschaft gemäß sein und darum ihr auch genügen, er mag dann aber auch die Sache der Wissenschaft bleiben; das Verlangen der Philosophie (sagt man) ist ein weit höheres, über Wissenschaft schlechthin hinausgehend. Diese Stimmung ist gerade gegenwärtig wieder viel verbreitet; sie bildet, auch unausgesprochen, den geheimen Untergrund eines sonst schwer erklärlichen Widerstrebens gegen nur "kritische" Philosophie; ganz offen spricht sie sich vielfach aus in dem immer lauter erhobenen Ruf nach einer neuen "Metaphysik" - wenn nicht nach der bloßen Wiederauffrischung irgendeiner alten, nenne sie sich nach ARISTOTELES, Sankt THOMAS oder HEGEL.

Doch bleibt diese Abneigung gegen eine nur "kritische" Philosophie nicht bloß in einer tiefen Verworrenheit, sondern in einem leicht aufzudeckenden inneren Widerspruch befangen. Man widerstrebt den Abstraktionen einer bloßen Methodik, weil in ihr die Fülle des Lebens verloren geht. Aber gerade in der Methode, d. h. im ewigen Fortgang der Erkenntnis, ist eine konkrete Fülle, während jeder Versuch, das vermeintliche Ziel des vollendeten Seins abseits der Methode der Wissenschaft auf einmal zu erfassen, unfehlbar in hohle Abstraktionen zurückführt. Der "Kerl, der spekuliert", ist der Metaphysiker, nicht der kritische Philosoph.

Das "Sein ansich" will die Metaphysik erfassen; als Wissenschaft vom "Seienden, als seiend" wird sie von ihrem Begründer, ARISTOTELES, definiert. Was aber ist denn "Sein", wenn nicht ein Begriff, der reinste vielleicht, aber auch der leerste von allen? Es ist nur der von allem Inhalt entblößte Allgemeinausdruck des Zu-erkennenden überhaupt; des ideellen Ziels, auf das das Erkennen, überhaupt und als solches, gerichtet ist. Jedenfalls nur für ein Denken gibt es sein "Sein", d. h. einen Sinn der Aussage, daß etwas ist; umgekehrt: nur daß etwas ist, will sich aussagen, mit Sinn aussagen, also denken lassen. Beide, Denken und Sein, bestehen nur und bedeuten etwas in unaufheblicher Wechselbeziehung zueinander; und beide bleiben, so ohne nähere Bestimmung, gleich leer, ohne Inhalt. Hängt man in diesem bloßen abstrakten Gegenverhältnis von Sein und Denken fest, so wird es im Grunde auch gleichgültig, welches von beiden voransteht; mit dem Denken (überhaupt) ist das Sein (überhaupt), mit dem Sein das Denken notwendig zugleich gesetzt. Ganz anders, wenn man unter Denken den ewigen Prozeß versteht, in dem das Sein, welches es sich zum Gegenstand setz, überhaupt erst seine konkrete Bestimmung erhält. Dann wird das Sein zu einer Funktion des Denkens; nämlich es stellt dann für jeden neuen Schritt des Denkprozesses sich anders dar; es "ist" gar nicht mehr, wenn "Sein" den Ausschluß des Werdens bedeuten soll; sondern das Sein löst sich dann ganz im MWerden; die auf jeder Stufe erreichte Seinsbestimmung wird zum bloßen Durchgangspunkt in einem ewigen Fortschritt von Bestimmung zu Bestimmung.

Also allein im ewigen Fortgang, im Prozedere, in der "Methode" der Erkenntnis wird das sein konkret. Das Sein ist der "Gegenstand", d. h. es ist das X in der Gleichung der Erkenntnis. Sein ganzer Sinn, als solches X (das, was erkannt werden soll), ist in jeder allgemeinsten wie bestimmtesten Anwendung allein verständlich aus dem Gesetz der Gleichung, nämlich der Erkenntnis; jeder Ansatz, der diesem X irgendeinen bestimmten Wert zuteilt, bezeichnet nur eine Etappe auf der unendlichen Bahn der Erkenntnis, die, als ganze, durch deren eigenes, ursprüngliches Gesetz unausweislich vorgezeichnet ist. So bleibt das Sein allerdings das Ziel, aber das nur ideelle Ziel, gleichsam der unendlich ferne Puntk, der im Grunde nur ein anderer Ausdruck ist für die immer identische Richtung des unendlichen Weges der Erkenntnis, nicht aber einen erreichbaren Endpunkt bezeichnet, in dem sie zu einem unbedingten Abschluß käme. Die Jllusion eines in sich abgeschlossenen und bestimmten, und dann rückwärts den Weg der Erkenntnis bestimmenden Seins, als des Zielpunktes derselben, ist in der Tat ganz analog der trüglichen Vorstellungen eines "unendlich fernen Punktes der Geraden als eines in sich, eben als Punkt, bestimmten Endes der Bahn - die doch vielmehr unendlich sein soll. Jede Behauptung eines "absoluten" Seins, als verschieden von der Methode der Erkenntnis, würde in der Tat dem unendlichen Prozeß des Erkennens ein Ende setzen, das heißt aber, ihn als solchen - zunichte machen.

Man hat im Hinblick auf das Problem des Sozialismus das gute Wort geprägt, daß "der Weg alles, das Ziel nichts" ist. Das trifft genau auch hier zu. Ein erreichtes oder überhaupt erreichbares, also endliches Ziel des Strebens würde dem Streben selbst und damit dem Leben, ein Ende setzen, es verneinen; seine echte Bejahung kann nur im unendlichen Fortbestand ja Wachstum des Strebens selbst liegen. Unendlichkeit liegt ansich im Begriff des Strebens, das ja Richtung besagt; eine Richtung besteht (wie gesagt) als solche ins Unendliche fort. Im Streben aber allein ist Leben und konkrete Fülle; dagegen führt jede Vorstellung eines erreichten oder einmal zu erreichenden Ziels, eben weil ein solches auf dem unendlichen Weg der Erkenntnis gar nicht liegt, notwendig zuletzt in die leere Abstraktion eines Seins zurück, das nicht gegeben noch jemals gegeben werden könnte, also wie aus der blauen Luft des Gedankens hergezaubert werden muß. Der Zauber mag, wenn der Zauberer geschickt genug ist, eine starke Suggestivkraft beweisen; zuletzt bleibt es alles eitel Lug und Trug, der selbst moralisch dadurch nicht entschuldigt wird, daß es mehr Selbstbetrug als ein Betrug anderer ist.

Das ist die Antwort des "Kritizismus" auf den immer wiederkehrenden Vorwurf, daß er mit seiner abstrakten Methodik das Leben entleert und in die unfruchtbare Öde einer bloßen Begriffswelt führt. Ein neuestes Scheltwort dafür ist "Panmethodismus". Der Kritizismus nimmt diesen Vorwurf ruhig auf sich; er verwandelt ihn in Lob; denn wirklich ist "der Weg alles, das Ziel nichts". Es ist kein anderer als der Weg der Wissenschaft; Wissenschaft aber erstreckt sich, wie wir schon sahen, auf das Ganze der menschlichen Kultur, des menschlichen Lebens überhaupt; also kann der kritischen Philosophie durch den bestimmten und ausschließlichen Bezug auf Wissenschaft von der Fülle des Lebens nichts verloren gehen. Abstraktionen braucht sie freilich, gerade um der ganzen Konkretion des "Seins" gedanklich Herr zu werden. Aber ihre Abstraktionen woll keine Trennungen bedeuten; es sind nur Diskretionen innerhalb der Kontinuität durchgehender Wechselbeziehungen, und zwar unbegrenzt sich entwickelnder. In diesen beiden Grundmerkmalen: der Wechselbezüglichkeit (Korrelativität) und der unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeit, stellt sich eben das wissenschaftlich dar, was man als Leben und Tat, als Reichtum und Fülle konkreten Seins, gegenüber der Leere, Armut und Totenstarre solcher Abstraktionen, die vielmehr Trennungen bedeuten würden, mit Recht fordert und vermißt.

Dagegen liegt der Grundirrtum alles philosophischen "Dogmatismus" genau darin, daß er aus bloßen Abstraktionen Trennungen macht; daß er einzelne Denkbegriffe aus dem Wechselbezug und der Entwicklung herausreißt und für sich, abgelöst ("absolut") hinstellt; damit gehen sie dann notwendig ihrer Methodenbedeutung, das heißt aber ihrer schöpferischen Kraft und folglich der Fülle des Lebens verlustig, die sie allein dann zu entfalten vermögen, wenn man sie in die ewig sich entwickelnde Wechselbezüglichkeit mitten hineinstellt. Was auf einen solchen Abweg verleitet, ist aber nichts anders als jenes trügerische Verlangen nach einem absoluten Abschluß. Man mißversteht die Forderung des "Prinzips", indem man sich darunter einen absoluten Anfang denkt, vor dem nichts als das Nichts ist; statt des unerschöpflichen Quells oder Ursprungs und des immer neuen Hervorquellens oder der schöpferischen Hervorbringung aus diesem, die wir unter dem alten Philosophiewort "Methode" mitverstehen.

Der Dogmatismus denkt das Sein in sich vollendet, ein für allemal fertig, ja in dieser Vollendung im Grunde auch uns "gegeben". Wir haben es, meint er, und haben in ihm zugleich die "Prinzipien", als die Urfaktoren, aus denen es vollständig zu errechnen sein muß; es kommt nur darauf an, diese auch in ganzer Reinheit herauszuschälen. Das ist vor allem die klare Meinung des immer noch gründlichsten; darum für die ganze Folgezeit maßgeblich gebliebenen Dogmatikers der Philosophie: ARISTOTELES. Damit aber wandelt sich die ganze Arbeit der Philosophie in eine bloße Abstraktion; nach KANTs Ausdruck in bloß "analytische" Leistung, die im Ergebnis durchaus nichts herausbringen kann, als was im Datum stillschweigend oder ausdrücklich schon enthalten war, allenfalls nur es "deutlich macht"; so wie, nach einem naheliegenden Vergleich, das Mikroskop zum Objekt durchaus nichts hinzutut, sondern nur seine Teile, die in dem dem unbewaffneten Auge sich darbietenden Gesamtbild ineinanderflossen, bestimmt auseinandertreten läßt und damit freilich für uns erst sicher erkennbar macht. Stellt dagegen KANT die Behauptung auf, daß alle echte, förderliche Erkenntnis "synthetisch" sein, d. h. über den erst erreichten Stand der Erkenntnis (der im "Subjekt" des Urteils sich darstellt) hinausführen, Neues erbringen muß, so erkennen wir den tiefen, in der Tat die ganze Lage der Philosophie verwandelnden Sinn dieser Korrektur darin, daß der Gegenstand der Erkenntnis nicht starr, abgeschlossen, sondern als ewiger Prozeß, als Werden, nicht stehendes Sein zu denken ist; wie auch HEGEL seinen Leitbegriff des "Prozesses" aus der kantischen Methodik der Synthesis, der synthetischen Vereinigung entwickeln konnte. "Verstehen" ist nicht Stillstehen, sondern gerade in den Schöpferprozeß des Denkens verflüssigen. Allein was Folge und Entwicklung im Denken hat, eröffnet ein Verständnis; unverständlich, verstandtötend ist dagegen alles, was dem Denken ein absolutes Halt! zumutet; denn sein Leben ist Bewegung, Fortgang, "Methode". Zwar muß die Richtung des Fortgangs fest sein; eben dies liegt deutlicher im griechischen Wort "Methode", als in dem sonst nicht weniger bezeichnenden lateinischen: Prozeß, Procedere; die "Methode" bedeutet nicht bloß den Weg und den Fortgang auf ihm, sondern, als "Nachgehen", zugleich die immer identische Wegrichtung. Darin liegt aber nichts von Beschränkung, denn, nochmals gesagt: eben die Richtung besteht als solche fort ins Unendliche. Also vertritt gerade die Methode den nie unterbrochenen Fortgang, begründet also den "synthetischen", nicht den "analytischen" Charakter der echten Erkenntnis.

Einen glücklichen Vergleich für diesen Charakter der Erkenntnis als unendlichen Fortgangs hat der Philosoph der Entwicklung, HERBERT SPENCER, geprägt. Er stellt das Wachstum der Erkenntnis dar unter dem Bild einer Kugel mit ins Unendliche wachsendem Radius. Mit dem erzeugen Strahl (Radius) wächst zugleich Inhalt und Umfang der Kugel; jener drückt den Inbegriff des Erkannten, dieser, als Grenze des Erkannten gegen das Nichterkannte, den Umfang der Probleme aus, die der Erkenntnis in jedem gegebenen Stadium gestellt sind. Dadurch wird sehr gut veranschaulicht, daß der Fragern, also scheinbar des Nichtgewußten, nicht weniger, sondern immer mehr wird. Es wird dadurch aber zugleich der tiefe Sinn des sokratischen Satzes ganz deutlich, daß das Wissen des Nichtwissens der erste und der entscheidende Schritt zum Wissen ist. In diesem Wort war in der Tat die fortan unverlierbar der Menschheit errungene kritische Wendung der Philosophie zum erstenmal zu einem klassischen Ausdruck gebracht. Das Wissen des Nichtwissens bedeutet die Erkenntnis des Problems; das Problem aber ist, ganz wörtlich, der Vorwurf, also die Vorausnahme der Lösung; es ist genau was die Mathematik durch das X der Gleichung ausdrückt; deren sichere Formulierung schon die Garantie der Lösung einschließt. Aber das große X der Erkenntnis, welches der "Gegenstand" heißt, bedeutet allerdings nicht ein, sondern das Problem, und garantiert, als ewiges Problem, keine andere Lösung, als die im ewigen Fortgang der ganzen gewaltigen Rechnung der Erkenntnis besteht. Da gibt zwar jedes erreichte Stadium die zulänglichen Antworten auf die Fragen des nächstvorausgegangenen und aller vorausgegangenen, aber stellt damit zugleich neue und immer größere Fragen für ein folgendes und immer für ein folgendes Stadium der Erkenntnis ohne Ende. Also gibt es einen zweifellos sicheren Fortgang der Erkenntnis und ein unausweichliches Gesetz dieses Fortgangs, aber freilich nie eine solche Lösung, die nicht zugleich neue, größere Probleme in sich schließen würde. Der "Verstand" steht nirgends still.

Zwar wird noch immer vielfach daran Anstoß genommen, daß unter dem Begriff der "Methode" überhaupt ein sicheres Gesetz des Erkenntnisfortschritts angenommen, also die unendliche Bahn der Erkenntnis voraus - wie man sagt "a priori" - bestimmt gedacht wird. Das sieht einer unbegründeten Vorwegnahme, ja einer neuen Verendlichung der Erkenntnis gleich. Aber, sofern wir das allzuviel mißverstandene Wort "a priori" überhaupt gebrauchen, so verstehen wir darunter nichts Anstößigeres als die Bedingungen jener durchgängigen Einheit, die doch der Erkenntnis grundwesentlich ist, da ohne ihre Voraussetzung "Erkenntnis" nicht einmal als Aufgabe bestände; nebst allem, was daraus fließt. Der Sache nach kann aber keiner umhin, ein a priori in einem solchen Sinn vorauszusetzen, und wäre es nur in der ärmlichsten Form des "Satzes des Widerspruchs". Wir glauben allerdings die Einheitsbedingungen der Erkenntnis reicher und positiver, in KANTs Sinn "synthetisch" und nicht bloß "analytisch", fassen zu können und zu müssen; der Satz des Widerspruchs ist zwar kein unrichtiges oder entbehrliches, aber ebenso gewiß auch nicht das zulängliche, nicht das ursprünglich schöpferische Prinzip der Erkenntnis. Es wäre ausreichend allenfalls nur (und kaum) zur nachträglichen Prüfung schon gewonnener Erkenntnis; einer solchen Nachprüfung aber bedarf es gar nicht, solange sich die schaffende Arbeit der Erkenntnis streng nur ihrem eigenen, positiven Gesetz gemäß vollzieht. Die ausschließliche Begründung der Erkenntnis auf den Satz des Widerspruchs setzt im Grunde voraus, daß man die Erkenntnis schon hat; sie überspringt nichts Geringeres als die Genesis der Erkenntnis, das Wissen-schaffen. Dies will das "synthetische" a priori ausdrücken. Darin aber liegt durchaus keine Abwendung vom allein sicheren Weg der Erfahrung. "Daß alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfängt, daran ist gar kein Zweifel": so lautet der erste Satz der "Kritik der reinen Vernunft"; nur "entspringt" sie darum nicht auch alle aus ihr. Die Einheitsbedinungen der Erkenntnis sind natürlich nirgendwo anders zu suchen und anzutreffen als in der Tat der Erkenntnis selbst, die "Erfahrung" heißt; aber eben als die konstituierenden Bedingungen jener Einheit, die für Erfahrung, als Erkenntnis, unerläßlich ist; insofern, und nur insofern, liegen sie der Erfahrung, eben als Bedingungen, logisch voraus. Dann aber wird es unentrinnbar zur Aufgabe, diese Einheitsbedingungen in einem System erschöpfend darzustellen; erschöpfend, nicht gerade als bestimmt begrenzte Zahl erster Sätze oder Begriffe, aber als geschlossenen Zusammenhang, vergleichbar einem Kreis, in dem es unendliche Richtungen gibt, und der dabei doch in sich einer und ganz ist durch den immer gleichen und gleichartigen, und zwar ausschließlichen Bezug aller in ihm gegebenen Richtungen zu dem einen Zentralpunkt, von dem sie alle ausstrahlen. Auch dieser Zentralpunkt - der "Logos selbst" nach PLATO, die "synthetische Einheit" nach KANT, der "Ursprung" nach COHEN - ist nicht als Punkt im schlechten Sinn des Ausschlußes aller Mannigfaltigkeit zu denken; sondern in ihm, als gemeinsamem letzten Quell der unendlichen Richtungen des Erkennens, muß sich gerade deren ganze Unendlichkeit konzentrieren, so daß von einer nicht bloß äußeren, sondern zugleich inneren Unendlichkeit der Erkenntnis zu reden ist. Diese Unendlichkeit ist es gerade, welche die geforderte durchgängige Einheit des Zusammenhangs der Erkenntnis verwirklicht. Sie also vor allem verstehen wir mit in dem Wort "Methode"; so und nur so vermag es uns die Aufgabe der Philosophie im Ganzen zu bezeichnen.

Noch eine wichtige Folge für die Art der Begründung philosophischer Prinzipien will ich gleich hier, wenn auch vorgreifend, berühren. Man gewinnt von der Mathematik, besonders der euklidischen Geometrie her, die nun schon seit Jahrtausenden unschätzbare Dienste als allgemeine Schule des begründenden Denkens leistet, zu leicht die Vorstellung, als gebe es nur einen streng geradlinigen Gang der Begründung von Wahrheiten. Ein solcher müßte freilich zuletzt, sei es auf einen einzigen, oder doch auf eine bestimmte, kleinste Zahl gegeneinander durchaus unabhängiger Grundsätze führen. So sehen wir gegenwärtig die Mathematiker mit größter Anstrengung bemüht, das Ganze ihrer Wissenschaft auf die denkbar kleinste Zahl letzter, "notwendiger und hinreichender" Voraussetzungen streng deduktiv zu gründen, deren unbedingte wechselseitige Unabhängigkeit zu beweisen man die peinlichste Sorgfalt anwendet. Einige Philosophen haben diese Forderung auf die Philosophie übertragen und dadurch dieser endlich die so lange vermißte wissenschaftliche Strenge und Sicherheit verschaffen wollen. (2) Aber der Versuch selbst hat schon jetzt erwiesen, daß man auf diesem Weg genau nur zu Prinzipien, und zwar wiederum mathematischen Prinzipien, der Mathematik, schlechterdings zu nichts anderem gelangt. Und dabei bleiben die so gewonnenen letzten Grundsätze selbst absolut begründungslos, wie im Leeren stehen; ihre Aufstellung wird durch gar nichts anderes gerechtfertigt, als daß sie eben erforderlich sind zur Begründung alles Weiteren. So aber kommt man über die wechselseitige Begründung, die man umgehen wollte, doch nicht hinaus; die Meinung von einer starren Geradlinigkeit der philosophischen Begründung der Wissenschaft ist also, man darf wohl sagen, durch den Versuch selbst widerlegt.

Stattdessen sahen wir uns schon oben vielmehr auf die Annahme einer sogar durchgängigen Wechselbezüglichkeit gerade der echten philosophischen Prinzipien geführt, gemäß welcher eben nicht ein einziger oder einige wenige, ansich beziehungslos nebeneinander stehende letzte Sätze den ganzen Bau der Erkenntnis tragen, sondern die Pfeiler gleichsam alle gegeneinander streben und sich gegenseitig halten und stützen müssen, jeder um aller anderen willen notwendig und selbst ohne sie nichts. Der durchgehende Fehler des Absolutismus, an dem die dogmatische Philosophie aller Zeiten krankt, stellt sich unter diesem Gesichtspunkt so dar: daß man, statt diese durchgängige Wechselbezüglichkeit der letzten Prinzipien zu erkennen, stets ein einzelnes, aus der Beziehung zu den übrigen gelöstes Prinzip an die Spitze stellte und dann gleichsam verlangte, daß aus ihm alles Weitere in einem geradelinigen Gang der Begründung hervorfließen soll. So gilt dann dem Einen als Prinzip die Materie, dem Anderen die Form, dem das Sein, einem anderen die Erkenntnis, und das Objekt oder das Subjekt, das Körperliche oder das Geistige, das Sein oder das Sollen, Verstand oder Wille, Ursache oder Zweck usw.; während in Wahrheit das Sein nur das Sein der Erkenntnis, die Erkenntnis nur die Erkenntnis des Seins, die Form nur die Form der Materie, die Materie nur die Materie der Form ist, und so durchwegs. So verhalten sich auch das a priori und das a posteriori, das Prinzip und das Abgeleitete; so ganz allgemein die zentrale und die peripherische Richtung des Erkennens, die Richtung der Verallgemeinerung und die der Besonderung, der Kontinuität und der Diskretion; Philosophie und Wissenschaft; Philosophie und Kulturarbeit. Das alles sind Wechselbeziehungen, die als solche unaufheblich sind und auch unaufgehoben bleiben sollen; überall erweist es sich gleich verhängnisvoll, den einen oder anderen Terminismus der Beziehung zu isolieren und in dieser Isolierung als absolut zu setzen. Regelmäßig zeigt sich dann, daß man über die jedesmalige Grundsetzung ohne logischen Fehler nicht hinauskommt, ja sie selbst ohne inneren Widerstreit nicht zu behaupten vermag, da man die Relativität, die man los werden wollte, in irgendeiner Form hinterher doch wieder anzuerkennen genötigt wird, damit aber den behaupteten absoluten Charakter des Prinzips der Sache nach wieder preisgibt. (3)

Doch ist diese formale Unzulänglichkeit der Begründung nicht einmal der ernsteste Fehler eines solchen Vorgehens. Darüber setzt man sich leicht hinweg, indem man in Betrachtungen, die sich gleichsam auf der äußersten Grenze unserer Erkenntnis bewegen, sich nur zu bald entwöhnt, die gleichen Anforderungen an logische Strenge zu erheben, wie in ihrem inneren Bereich, in der konkreten Fortarbeit der Wissenschaften. Die verhängnisvollste Folge jenes verkehrten Beginnens ist vielmehr eben die, daß man die äußere wie die innere Unendlichkeit der Erkenntnis vergißt und durch die Aufstellung eines letzten Prinzips den Verstand stillzustellen unternimmt. Dagegen setzt dann die immer fortwirkende Tat der Erkenntnis sich mit allem Recht zur Wehr und straft ein solches Stillstellen alsbald durch das Faktum selbst Lügen. Daraus entspringt dann leicht eine geradezu feindliche Stellung der Wissenschaft und der schöpferischen Kulturarbeit überhaupt gegen die Philosophie, die nach beiden Seiten ernste Gefahren in sich birgt: für jene die Gefahr, der zentralen Vertiefung, deren Forderung das ewige Recht der Philosophie bleibt, ganz verlustig zu gehen; für die Philosophie selbst aber die noch ernstere, den sicheren Zusammenhang mit der schaffenden Arbeit der Wissenschaft und der Kultur zu verlieren, ohne den sie nicht nur keinen Schritt vorwärts zu tun, sondern auch da, wo sie zu stehen glaubt, sich keinen Augenblick zu behaupten vermag. Denn außerhalb der Arbeitswelt der Wissenschaft und der gesamten Kultur gibt es keinen Ort, wo sich stehen ließe. "Im Anfang war die Tat."; nur aus ihr kommt und auf sie richtet sich zuletzt die Besinnung; nur darin liegt schließlich ihr ganzer Wert, daß sie aus der Tat geboren und notwendig zu ihr zurückstrebend, sie zur vollen Tiefe und Selbstsicherheit des Tatbewußtseins erhebt und damit ihre Energie und Freudigkeit auch bei der fortwährenden Erschwerung ihrer Aufgabe lebendig erhält und steigert.

Diese Besinnung also ist es, welche die kritische Philosophie anstrebt. Und darum stellt sie an die Spitze die Forderung des festen, unaufhebbaren Bezugs ihrer ganzen Aufgabe auf die ewig fortwirkende Arbeit der Wissenschaft und dadurch der gesamten Kultur. Das und nichts anderes bedeutet uns: die Philosophie als "Methode".
LITERATUR - Paul Natorp, Philosophie - Ihr Problem und ihre Probleme [Einführung in den kritischen Idealismus], Göttingen 1911
    Anmerkungen
    1) Vgl. NATORP, Philosophie und Pädagogik, Seite 240 (die ganze Darlegung Seite 235f, auch 284f).
    2) In konsequentester Durchführung bei Bertrand Russell, The Principles of Mathematics, Vol. I, 1903.
    3) Vgl. auch hierzu das Gespräch "Über Philosophie und philosophisches Studium", a. a. O., besonders Seite 224 und 227f.