ra-1p-4J. RehmkeW. WindelbandC. HessemerF. WaismannW. Schuppe    
 
FRANZ STAUDINGER
Identität und Apriori
[Eine logisch-erkenntniskritische Untersuchung]
[2/4]

"Daß der Wahrnehmungsinhalt vom Objektgedanken zu unterscheiden ist, auf den er bezogen ist, ist leicht daraus zu ersehen, daß der Inhalt  weiß in einer subjektiven Vorstellung nicht selber als der Gegenstand, sondern nur als etwas zu einem Gegenstand Gehöriges angesehen wird. Indem so das Vorstellen ein Beziehen eines Inhaltes auf ein Objekt ist, ist es bereits ein elementares Urteilen, dessen Elemente nur ungesondert beisammen liegen und noch nicht, wie im reflektierten Urteil, in mehreren gesonderten Geistesakten geschieden sind."

"Wenn ich ein Buch oder ein Geldstück vor mich hingelegt habe, und ein Nachbar legt mir, während ich wegblicke, ein ununterscheidbar gleiches an dieselbe Stelle, so werde ich ganz unbedingt, wenn kein sonstiges Zeichen die Vertauschung kundgibt, den Gegenstand bei erneutem Hinsehen für denselben halten. Gerade der Irrtum zeigt in diesem Fall besser als ein positives Beispiel die psychische Nötigung und die Gesetzlichkeit des Bewußtseins an, das, was es ununterscheidbar findet, als identisch zu beziehen."

"Der Ungeübte sieht bei angestrengtester Aufmerksamkeit tausend Dinge nicht, die dem Kenner nach einem kurzen Augenblick zu Bewußtsein kommen."


3. Das Gesetz der Identität

Im psychischen Vorgang, welchen wir  Vorstellen  nennen, ist dreierlei zu unterscheiden: die Lebendigkeit des Vorstellens, der auf das Objekt bezogene Inhalt, und der Beziehungsgedanke oder Objektgedanke selbst. Diese drei Seiten bilden freilich keine Teile der Vorstellung, die am Objekt voneinander zu trennen wären, so wenig wie Form und Farbe Teile eines Objekts ausmachen. Sie sind vielmehr nur durch unser Vermögen, das in den Objekten Ungesonderte im Geist zu sondern, Besonderheiten in einer separaten Vorstellung aufzufassen, also nur durch unsere Fähigkeit der Analyse abzutrennen. Sie treten hier hervor, sobald man das Vorstellen selbst objektiv betrachtet, also sein eigenes vergangenes Vorstellen gleich einem Gegenstand ansieht.

Daß das Vorstellen ein lebendiges Geschehen ist, kann freilich ebensowenig definiert und bewiesen werden, wie die Tatsache einer Sinnesempfindung. Ebensowenig läßt es sich beweisen, sondern nur schauen, daß die Vorstellung einen Inhalt hat, den sie auf das Objekt bezieht, mag er nun das Objekt bloß bezeichnen sollen, wie das Wort, oder bestimmen, wie ein sinnlicher Wahrnehmungsinhalt. Daß dieser Inhalt ferner vom Objektgedanken zu unterscheiden ist, auf den er bezogen ist, ist leicht daraus zu ersehen, daß der Inhalt "weiß" in einer subjektiven Vorstellung nicht selber als der Gegenstand, sondern nur als etwas zu einem Gegenstand Gehöriges angesehen wird. Indem so das Vorstellen ein Beziehen eines Inhaltes auf ein Objekt ist, ist es bereits ein elementares Urteilen (RIEHL), dessen Elemente nur ungesondert beisammen liegen und noch nicht, wie im reflektierten Urteil, in mehreren gesonderten Geistesakten geschieden sind.

Von diesem Objekt gedanken,  oder der Beziehung auf den Gegenstand, welche im beziehenden Vorstellen enthalten ist, und von dem Inhalt, welchen dasselbe bezieht, muß das  Objekt selbst  scharf unterschieden werden. Dieses liegt niemals in der jeweiligen Vorstellung, sondern stets außerhalb von ihr. Ein gestriges Lachen, das ich zum Objekt einer gegenwärtigen Vorstellung mache, ist nicht in der gegenwärtigen Vorstellung enthalten. Sein Dasein ist ganz unabhängig davon, ob, und wie oft, und in welcher Weise ich es zum Objekt späterer Vorstellungen mache. Es ist in keiner Weise von diesen, diese sind vielmehr von ihm abhängig. Ebenso ist die jetzige Wahrnehmmung der Sonne nicht die Sonne selbst. Diese wird vielmehr ihrer Existenz nach gänzlich unabhängig davon gedacht, ob und wie oft ich sie wahrnehme. Es ist hier nicht der Ort, uns mit dem Phänomenalismus, der die Welt in einen Bewußtseinszusammenhang auflösen will, auseinanderzusetzen, und zu zeigen, daß die heute zum philosophischen Gemeinplatz gewordene Behauptung: "die Welt ist Vorstellung", ebenso einseitig ist, wie die dem naiven Realismus eigene Identifizierung unserer Vorstellungen mit einer wirklichen Außenwelt. Wir beschränken uns darum bloß darauf, von der einzelnen Vorstellung auszugehen, und in dieser Hinsicht wird auch der extremste Phänomenalist nicht leugnen, daß etwa der eben im Bewußtsein befindliche Inhalt "weiß" nicht der Schnee selber ist, auf den ich diesen Inhalt beziehe. Daß die Inhalte nicht als die Objekte selbst zu denken sind, wird auf das Schlagendste durch die Tatsache bewiesen, daß wir uns höchst peinlich berührt fühlen, wenn ein Licht vor uns aufblitzt, für das wir keinen Beziehungsort finden, oder wenn wir ein Ticken hören, eine Berührung fühlen, für die wir keine Ursache finden. Der Zwang, den gegenwärtigen Inhalt auf Etwas außerhalb von ihm zu beziehen, ist damit bezeichnet. Die Beziehung auf Etwas außerhalb der Vorstellung ist vorhanden, auch wenn wir gar nicht finden können, welches bestimmte Etwas wir als Objekt fassen sollen.

Diese Trennung  des Beziehungsortes selbst  von dem in der Vorstellung selber liegenden  Gedanken  an den Ort ist für alle Erkenntnislehre von grundlegender Wichtigkeit. Freilich wird dieser Sachverhalt in der Vorstellung selbst nicht objektiv wahrgenommen, sondern nur in einer neuen Vorstellung, dadurch, daß wir eine eben verflossene objektiv betrachten. Hierdurch tritt uns, und zwar ganz besonders deutlich beim abgeschlossenen Beziehungsort, die Tatsache vor Augen, daß der Objektgedanke in der jetzigen, und dessen Objekt in der früheren Vorstellung ganz verschiedene, gar nicht zusammenzuwerfende Dinge sind. Es ist einer der grundlegendsten Fehler KANTs, daß er diesen Umstand nicht beachtet und den transzendentalen Gegenstand als "Begriff von einem Gegenstand" und als "unbekannte Ursache der Erscheinungen" vermengt hat. Der erste ist bloß der allenthalben wiederkehrende Objektgedanke, der letztere der Ort, auf den sich jener - mit Recht oder mit Unrecht - zu beziehen vermeint. In der je gegenwärtigen Vorstellung tritt dieser Unterschied freilich nicht hervor. Der Objektgedane denkt ein Objekt, indem er sich darauf bezieht und ist damit der Richtigkeit dieser Beziehung subjektiv versichert; er meint das Objekt zu haben, indem er es denkt. Und wie andererseits ein Visier das visierte Objekt verdeckt, wenn es vom Auge aus gerade auf dasselbe gerichtet ist, so verdeckt uns auch der auf das Objekt gerichtete Inhalt das Objekt selbst, und scheint mit diesem zusammenzufallen. Der naiven Betrachtung sind darum leicht die Inhalte die Objekte selbst, während jene in ihrer gegenwärtigen Beziehung stets subjektiv sind. Nur dann werden sie selbst objektiv, wenn eine spätere Vorstellung sie zu ihrem Objekt macht; dann aber liegen sie wieder, wie oben gezeigt, außerhalb dieser späteren Vorstellung. Es ist darum unzweifelhaft falsch, wenn man die bewußte Beziehung auf Etwas nicht vom Bewußtsein dieser Beziehung unterscheiden will. (19) Beide sind ebenso gründlich unterschieden wie ein projiziertes Bild von den Linien, durch welche diese Projektion stattfand, was unser Beispiel, daß das heutige Bewußtsein der gestrigen Heiterkeit nicht diese Heiterkeit selbst ist, genugsam beweist.

Diese Trennung zwischen dem Objekt und dem Objektgedanken wird nun von der Identitätsbeziehung geradezu gebieterisch verlangt. Denn offenbar ist in jeder Vorstellung  a, b, c ... n  oder  a, a', a'' ... an  ein besonderer Objektgedanke. Wir haben so viele Objektgedanken von einem Gegenstand, wie wir Vorstellungen von ihm haben. Das Objekt selbst aber wird durch dieselben als ein und dasselbe, als etwas von der Zahl der darauf bezogenen Vorstellungen Unabhängiges gedacht. Eine Aberkennung dieses Sachverhaltes ist mit einer Leugnung der Identität gleichbedeutend. Welches Rätsel hierin auch für die erkenntniskritische Untersuchung liegen mag, die Tatsache selber steht außer Zweifel, und eine Leugnung derselben würde unsere Welt nicht als einen "Bewußtseinszusammenhang", sondern als ein buntes Vorstellungswirrwarr zurücklassen.

Unsere Aufgabe kann nun nicht so weit gehen, daß wir fragen: wie kommt das Bewußtsein dazu, Identität zu denken. Diese Aufgabe wäre ebensowenig zu lösen, wie die Frage, wie es kommt, daß es überhaupt Gedanken gibt. Sie kann einzig dahin gehen, daß wir die Bedingungen aufsuchen, unter welchen der Geist gezwungen ist, verschiedene Vorstellungen nicht auf verschiedene, sondern dieselben Gegenstände zu beziehen. Da nun, wie wir sahen, bei der strengen Identität die Inhalte, bei der Beziehungsidentität (des Zusammenhangs und der Vertretung, bzw. der Bedeutung) bloß Beziehungen auf Orte gehen, so haben unsere Fragen zu lauten: Unter welchen Bedingungen müssen wir Inhalte, und unter welchen Bedingungen müssen wir Beziehungen auf dasselbe Objekt gehen lassen?

Die Antwort auf die erste Frage ist höchst einfach: Diejennigen Inhalte, welche in jeder Hinsicht, also sowohl für sich, wie in ihren Synthesen mit anderen dem Bewußtsein ununterscheidbar erscheinen, werden mit einem psychischen Zwang auf das Objekt bezogen.

Wie unbedingt die Psyche hier gezwungen wird, kann man aus folgendem Beispiel ersehen. Wenn ich ein Buch oder ein Geldstück vor mich hingelegt habe, und ein Nachbar legt mir, während ich wegblicke, ein ununterscheidbar gleiches an dieselbe Stelle, so werde ich ganz unbedingt, wenn kein sonstiges Zeichen die Vertauschung kundgibt, den Gegenstand bei erneutem Hinsehen für denselben halten. Gerade der Irrtum zeigt in diesem Fall besser als ein positives Beispiel die psychische Nötigung und die Gesetzlichkeit des Bewußtseins an, das, was es ununterscheidbar findet, als identisch zu beziehen.

Hier allein ruht also das Identitätsgesetz:  Ununterscheidbar gleiche Vorstellungen bezeichnen unter allen Umständen dem Bewußtsein die Einheit der Gegenstände dieser Vorstellungen.

Daß, wie im obigen Fall, irrige Identitätsbeziehungen stattfinden, ficht das Gesetz selbst natürlich nicht im Mindesten in seiner Gültigkeit an. Sicherlich wird niemand den pythagoräischen Lehrsatz deshalb anfechten, weil ich die Seiten eines Dreiecks falsch gemessen habe und dadurch etwa 42 + 32 = 62 ansetze, oder weil ich ein Dreieck, dessen Seiten jenen Größen entsprechen, fälschlich für rechtwinklig gehalten und unter die Formel jenes Lehrsatzes gebracht habe. Der Irrtum, daß wir oft Inhalte für gleich ansehen, die es nicht sind, dieser Irrtum, der in der Entwicklung der Erfahrung und auch bei der höheren Ausbildung derselben oft genug vorkommt, beruth auf mangelhafter Beobachtung, Lücken in derselben, einer Schwäche des Auffassungsvermögens und dgl. Deshalb allein werden oft Inhalte als identisch bezogen, welche bei genauerer Untersuchung sehr ungleich erscheinen. Dieser genaueren Untersuchung bleibt es darum stets vorbehalten, zu fragen, ob die bisherige Identitätsbeziehung richtig ist. Eine solche Untersuchung geht also nicht darauf, ob die Identitätsbeziehung des Gleichen selbst stichhaltig ist, sondern nur darauf, ob die für gleich gehaltenen Inhalte die Probe aushalten.

Ist dem so, dann ist auch KANTs Unterscheidung der Identität reiner Begriffe von der Erfahrungsidentität nicht stichhaltig. Wenn bei letzterer die besonderen Inhalte zwar ununterscheidbar sind, aber ihrer Synthesis nach zu verschiedenen Stellen im Raum gehören, so ist eben damit das Bewußtsein einer Verschiedenheit, welche die Identitätsbeziehung aufhebt, verbunden. Der Satz von der  identitas indiscernibilium [Identität des Ununterscheidbaren - wp] bleibt dadurch ganz unangetastet als Grundgesetz unseres Geistes bestehen.

Dieses Gesetz der strengen Identität liegt aber auch den Beziehungsidentitäten zugrunde. Scheinbar ist freilich ein mächtiger Unterschied. Denn bei der strengen Identität bedingt die Gleichheit der Inhalte erst die identische Beziehung. Bei der Beziehungsidentität liegt aber diese identische Beziehung schon vor, und zwingt sogar ganz verschiedene Inhalte in ihren Dienst.

Dennoch herrscht hier dasselbe Grundgesetz unseres Geistes. Der Gesamtort ist ja hier bereits festgestellt und hat seine Beziehung erhalten.

Nur in einer Hinsicht liegt dennoch ein Rätsel vor. Die allgemeine blasse Gesamtvorstellung eines Blattes ist nicht mehr inhaltlich gleich mit der späteren Gesamtvorstellung, innerhalb deren bereits Rippen, Spitze, Zacken am Rande, Behaarung und dgl. unterschieden sind. Die letzte Vorstellung ist weit reicher, vielfarbiger, als die erste, in der nur eine unbestimmte Blattform ins Bewußtsein trat. Dennoch werden diese ganz verschiedenen Gesamtvorstellungen nicht, wie es nach dem Identitätsgesetz sein müßte, auf verschiedene Gegenstände, sondern auf denselben Gegenstand bezogen.

Dieses Rätsel löst sich, wenn wir den Fortgang der Synthesis betrachten und zeigen, daß das Bewußtsein hier überall nach dem Gesetz der strengen Identität weiterschreitet. Habe ich in einer ersten Vorstellung das Blatt nur der Form und Farbe nach ohne irgendwelche hervortretenden Unterschiede vorgestellt, so geht eine gleiche Wahrnehmung nach dem Gesetz der Identität auf denselben Ort. Entdecke ich jetzt bei noch gegenwärtiger zweiter Wahrnehmung innerhalb derselben eine Besonderheit, etwa die Behaarung, so muß ich deren Separatvorstellung auf die Grundvorstellung, damit aber auch auf deren Ort beziehen. Die Vorstellung wird also zwar bereichert, aber da diese Bereicherung auf dem Boden der gleichen Wahrnehmung stattfand, so muß auch die gleiche Beziehung bleiben.

Wir treffen hier auf ein zweites Grundgesetz unseres Geistes, wonach die durch das Vermögen der Abstraktion auf einer Grundvorstellung gefundenen Sondervorstellungen auf jene und damit auf deren Beziehungsorte zurückbezogen werden müssen. Dies wollen wir im Gegensatz zum Idenitätsgesetz  das Beziehungsgesetz  nennen. Aufgrund des letzteren muß die neue Separatvorstellung auf deren Grundvorstellung und damit auf den Ort derselben bezogen werden. Dieser Ort aber ist zuvor, ehe die neue Separatvorstellung auftauchte, als derselbe bestimmt worden, auf den die erste Wahrnehmung ging. Somit wird auch die nunmehr bezeichnete zweite Wahrnehmung auf denselben Ort bezogen. Würde ich gleich beim Auftauchen der zweiten Wahrnehmung die Behaarung bemerken, so würde ich zweifelhaft werden, ob ich denselben Gegenstand vor mir habe, oder ob die Besonderheit vorhin unbemerkt geblieben war. Waren aber beide Wahrnehmungen  anfänglich  gleich, so wird, wenn nicht anderweitige Gründe einen Zweifel wachrufen, ohne weiteres dem Identitätsgesetz gemäß verfahren.

In gleicher Weise geht es beim Eintreten weiterer Separatvorstellungen zu. Dieselben erhalten durch die Beziehung auf die vorherige Grundvorstellung auch eine Beziehung auf deren Gegenstand und werden dadurch Staffeln zu einer neuen, synthetisch erweiterten Identität. Wie sich auf diese Weise erstmalig trübe und unbestimmte Gesamtvorstellungen zu einer ungemein bestimmten und mannigfaltigen Vorstellung erweitern können, weiß in Jeder, der sich des erstmaligen Eindrucks erinnert, den ein jetzt befreundeter Mensch bei der ersten Begegnung machte, oder der die Auffassung eines Gegenstandes, den er flüchtig angesehen hatte, mit der Vorstellung vergleicht, die er nach erworbener genauerer Erkenntnis davon hat. So himmelweit diese Vorstellungen verschieden sind, so ist doch ihre Identität durch eine fortwährende Analyse auf dem Boden gleicher Vorstellungen und deren nachherige Synthese verbürgt.

Freilich ist diese Synthese niemals in allen Einzelheiten gegenwärtig. Oft tritt ein einzelner Punkt in den Vordergrund des Bewußtseins, während die übrigen Separatinhalte zurücktreten; oft auch tritt die Gesamtvorstellung mehr hervor und die Einzelheiten treten zurück, oder doch nur hier und da flüchtig ein wenig hervor. Allein auch wenn die Gesamtvorstellung als solche im Vordergrund steht, so ist sie nicht mehr die alte blasse Gesamtvorstellung. In jedem Fall färben die zurücktretenden Vorstellungsbestandteile die neue Wahrnehmung (20), wie die zurücktretenden Obertöne einen Ton zum Klang färben.

Die Synthesis in Bezug auf einen Beziehungsort, wo innerhalb des bereits allgemein abgegrenzten Umfangs derselben immer neue Bestandteile hervortreten, ist nun freilich nicht die einzige. Oft wird der Beziehungsort selbst aufgrund der gleichen Identitätsbeziehung synthetisch erweitert. Ich sehe etwa von meinem jetzigen Standort aus eine Straße, die sich da oben am Berg hinaufzieht, weiß aber nicht, ob diejenige, auf welcher ich mich befinde, zu jener hinführt. Jetzt entdece ich ein Haus, von dem aus ich jene mit dem Auge verfolgen kann, und weiß aus früherer Erfahrung, daß meine Straße zu demselben hinführt. Der vorher gewußte Zusammenhang des Hauses mit einer Straße und die Wahrnehmung, daß das Haus mit der neu wahrgenommenen Straße zusammenhängt, ergibt sofort das Bewußtsein, daß meine Straße mit jener zusammenhängt. Das Haus, welches sowohl für jene wie für diese Straße gleichsam ein identischer Separatort ist, bildet den Identitätsgrund, welcher auch die beiden, vorher dem Bewußtsein als zwei verschiedene Straßen erscheinenden Gegenstände in eine Einheit synthetischen Zusammenhangs verknüpft. Im Grunde ist bei jeder an einer längeren Strecke hingleitenden Bewegung des Auges, bei jedem Tasten an einer Wand her dasselbe Identitätsbewußtsein wirksam und schafft, daß wir die Teile, die wir zuerst sahen und fühlten, auch nach dem Verschwinden ihrer Wahrnehmung mit den letztwahrgenommenen synthetisch verknüpfen. Daß auch die zeitliche Synthesis auf diesem Gesetz ruht, brauche ich bloß anzudeuten.

Für diese Fälle ist also jedenfalls KANTs Gedanke, daß die Analysis eine Synthesis voraussetzt, und daß diese jene erst ermöglicht (21), falsch und gerade das Gegenteil richtig. Sein Satz gilt nur für die rein subjektive Synthesis, vermöge deren sich gegenwärtige Vorstellungen auf vergangene beziehen können. Sein Übergang von dieser subjektiven Synthese zur objektiven, d. h. zur objektiven Einheit der Apperzeption, ist ein ganz unvermittelter Sprung (22). Doch dies nur beiläufig.

Die Identität des Zusammenhangs fußt also in jedem Fall auf strenger Identität, und eine synthetische Erweiterung im Gesamtort oder des Gesamtortes selbst ist nur auf dem Boden irgendeiner strengen Identität möglich. Ist diese einmal vorhanden, so tritt die Beziehungsidentität in ihr Recht, vermittelt durch das Bewußtsein mehrerer, auf denselben Ort bezogenen Separatvorstellungen. Hier gilt nun die psychische Forderung, den Beziehungsort streng festzuhalten. Sie gründet auf dem rein psychologischen Vermögen, daß wir einen Inhalt konstant festhalten  können  und dies darf nicht mit den Gesetzen der Beziehung und der Identität vermengt werden. Ohne dieses Vermögen freilich wäre ein Beziehungsgesetz und Identitätsgesetz nicht vorhanden; allein etwas anderes ist das Vorhandensein gewisser Umstände, und noch etwas anderes das, was unausbleiblich folgt, wenn diese Umstände in eine bestimmte Verbindung treten. Nur das letztere kann man Gesetz nennen. Darum sind die Fähigkeiten zu abstrahieren und Vorstellungen festzuhalten, mögen sie auch auf anderen uns unbekannten Gesetzen ruhen, als solche nur Tatsachen, nicht Gesetze; daß aber gleiche Vorstellungsinhalte, so oft sie auftreten, als identisch bezogen werden, oder daß Vorstellungsinhalte, die von einem vorher bewußten Ort abstrahiert sind, auf diesen zurück bezogen werden müssen, trägt das Merkmal der Gesetzlichkeit an sich.

Sind nun vermöge dieser, freilich sehr selbstverständlich erscheinenden Geistesgesetze synthetische Zusammenhänge und Beziehungsidentitäten entstanden, so ist der Übergang von diesen zu einer Vertretungs- und Bedeutungsidentität einfach. Da es bei diesen nicht auf den Inhalt, sondern bloß auf die Beziehung ankommt, so kann jede Vorstellung, welche bereits die bewußte Beziehung auf einen bestimmten Ort hat, zur Vertretung derselben dienen. Und aus eben diesem Grund können stattdessen ganz willürliche Zeichen, die das Bewußtsein für eine Beziehung bestimmt hat, den gleichen Dienst tun.

Daß man zur Vertretung in der Praxis nicht jeden beliebigen Inhalt, sondern ganz bestimmte Separatvorstellungen benutzt, liegt, wie schon angedeutet, darin, daß an verschiedenen Orten mannigfache gleiche Separatvorstellungen vorkommen. Diese sind deshalb, weil sie eine Beziehung auf gar Mancherlei haben, nicht zur Vertretung des Einzelnen geeignet. Man wählt darum solche Beziehungen, die möglichst eindeutig sind, d. h. die nur eine Beziehung auf ganz bestimmte Gegenstände haben. Daß dies möglich ist, und wie weit dies möglich ist, darüber entscheidet allein die Erfahrung. Wenn ich die oben geschilderten Kennzeichen eines Blattes nur an einem einzigen Blatt fände, so würde jede Separatvorstellung nur dieses eine Blatt vertreten, wie gewisse Gesichtszüge und Bewegungen nur auf die eine mir bekannte Person bezogen werden.

Nachdem wir so die Identitätsbeziehung auf ihre grundlegenden Gesetze zurückgeführt und dabei den wesentlichen Unterschied zwischen Inhaltsidentität und Beziehungsidentität auf ein gemeinsames Prinzip zurückgeführt haben, sind wir imstande, die dritte Hauptart der Identität, die des Begriffs zu untersuchen.


4. Die begriffliche Identität und
ihr Beziehungsort im Ich

Welche Ansicht man auch vom Wesen des Begriffs haben mag, so scheint doch darin keine Meinungsverschiedenheit zu herrschen, daß er ein Einheitsort ist, auf den Vorstellungen, die in irgendeiner Hinsicht gleich sind, als identisch bezogen werden. Auf den Begriff "blau" beziehen sich die von den verschiedensten Objekten abgezogenen Separatvorstellungen, welche einen dem Bewußtsein gleichen Wahrnehmungs-, bzw. Empfindungsinhalt haben. Dem Begriff "Dreieck" werden alle Formen zugeteilt, bei denen drei Linien in drei Winkeln zusammenstoßen. Es müssen also stets irgendwelche Gleichheiten, sei es verschiedener Grundstellungen, sei es verschiedener Separatvorstellungen, im Bewußtsein vorhanden sein, wenn dieselben auf diejenige Einheit bezogen werden sollen, die wir Begriff nennen.

Ist aber diese Tatsache unzweifelhaft, so herrscht umso mehr Unklarheit über das, was denn dieser Identitätsort selber sein soll. Diese vor allem erforderliche Frage finde ich nirgends beantwortet, kaum aufgeworfen. Von der metaphysischen Anschauung, nach der Begriffe gleichsam selbständige Geistesgebilde sind, bis zur Theorie MILLs, welcher die Lehre vom Begriff in eine Lehre von den Namen der Dinge auflöst, finden wir mannigfaltige Zwischenstufen, die aber teils, wie bei WUNDT, mehr die Entstehung der Begriffe betonen, teils wie bei SIGWART, Bestimmungen des Begriffs, z. B. die Konstanz, angeben, teils sie ihrem rein-psychologischen Wesen nach, wie bei RIEHL, als Fertigkeiten, bestimmte zusammengehörige Urteile zu reproduzieren, auffassen und dgl. mehr. Die alte Anschauung, daß der Begriff gleichsam ein allgemeines schematisches Gebilde ist, schwindet freilich immer mehr. Diese unbestimmten Totalbilder, sind, wie WUNDT mit Recht betont, nirgends zu finden. Wir haben stets bestimmte Vorstellungen und kein Allgemeinbild etwa von einem Dreieck überhaupt. Aber auch WUNDTs Lehre, daß diese Einzelvorstellungen den Begriff vertreten, genügt nicht. Denn wir wissen dadurch nicht, was der Begriff seiner psychischen und weiter seiner logischen Art nach sein soll. Wir müssen die Frage darauf richten, wo der Beziehungspunkt ist, der uns den Begriff, trotzdem wir stets nur einzelne Vorstellungen haben, begreiflich macht.

Da dieser Beziehungsort nicht in Dingen und Ereignissen, wie die vorigen Identitäten, liegen kann, so muß er im Bewußtsein liegen. Hier muß eine innere Beziehung zu finden sein, welche uns verständlich macht, daß wir das Gleiche an äußeren Dingen und Ereignissen, wie an inneren Vorgängen einheitlich zusammenfassen, und die verschiedenen Bestimmungen mit dem Bewußtsein der Identität vereinigen können.

Wir müssen zu diesem Zweck die Beziehungen der Vorstellungen, die sie nicht auf Objekte, sondern aufeinander haben, und deren inneren Gesamtort, das Ich, betrachten.

Richten wir unser Auge bloß auf die Tatsache, daß unzählige Vorstellungen mannigfaltigster Art aufeinander folgen und merkwürdige Gebilde von Objekten geben, so bleibt das Bewußtsein, wie es HUME will, ein Bündel von Vorstellungen, deren Beisammensein und deren Beziehung auf Objekte nur noch rätselhafter wird. Wenden wir uns umgekehrt von einer platonischen Einheit des Bewußtseins, die aller Subjektivität entkleidet ist, zu den Vorstellungen, so bleibt es einerseits völlig unbegreiflich, wie denn dieses subjektive Vorstellen zu einer solchen Gesetzmäßigkeit komt; und zu was braucht andererseits dieses allgemeine "Bewußtsein überhaupt", das aus einem Inbegriff von Gesetzen besteht, die bereits in ganz bestimmter Weise auf Erscheinungen gehen, noch unser armes, psychisches Bewußtsein, welches sich so mühsam abquält, jene Gesetzmäßigkeit irrtumsfrei zu erkennen?

Unsere Methode muß hiergegen wieder ihren Ausgangspunkt von der Beziehung der Vorstellungen auf Objekte nehmen, nicht von den Vorstellungen als solchen und nicht von einem mysteriösen "Bewußtsein überhaupt", welches das von vornherein feststehende Objekt wäre.

Nun sind aber bei unserer jetzigen Untersuchung die Objekte nicht äußerlich vorgestellte Dinge und Ereignisse, sondern die Vorstellungen selbst, welche in der jedesmal gegenwärtigen Vorstellung betrachtet werden. Die Beziehung gegenwärtiger auf vergangene Vorstellungen ist darum der Ausgangspunkt unserer Untersuchung.

Wir haben hier bereits gesehen, daß das Identitätsbewußtsein, sofern es auf irgendwelche Objekte geht, zugleich das Bewußtsein einschließt, es seien bereits vorher Vorstellungen auf dieses nämliche Objekt gegangen. Somit verbinden sich in ein und demselben Geistesakt zwei Beziehungen, die auf das Objekt und die auf vorangegangene Vorstellungen desselben. Diese letztere ist freilich nicht gesondert bewußt. Sie wird es erst dann, wenn wir auf sie das Augenmerk besonders richten. Sobald wir dies aber tun, finden wir, daß jede Vorstellung deren wir uns erinnern können, irgendwelche Beziehungen auf weiter vorangehende hat, daß die gegenwärtigen, sich jener erinnernden Vorstellungen eben damit auch Beziehungen zu jenen erhalten und daß so die gesamte Vorstellungswelt auch subjektiv nicht in ein Bündel, sondern einen stetigen Zusammenhang vereinigt wird.

Damit findet aber implizit genau dieselbe Synthesis in Bezug auf den subjektiven Bewußtseinszusammenhang statt, die wir im vorigen Abschnitt in Bezug auf sonstige Objekte geschildert haben, diejenige Synthesis nämlich, welche den Bewußtseinszusammenhang selbst synthetisch erweitert. Wir sahen, daß z. B. ein Haus, welches einer Straße zugleich mit einer anderen angehört, einen Zusammenhang der Straßenteile selbst im Bewußtsein konstituiert. Das Haus bildet den Identitätspunkt, welcher die Verknüpfung zweier vorher im Bewußtsein getrennter Teile zu einem einheitlichen Zusammenhang bedingte. In Bezug auf das Subjekt nun sind die Vorstellungen selbst diese Identitätspunkte. Wenn die Vorstellung  b  sich auf die Vorstellung  a  bezogen hatte und eine folgende Vorstellung  c  sich wieder auf die Vorstellung  b  bezieht, so ist damit ein einheitlicher Bewußtseinszusammenhang von  a  bis  c  gegeben, dem die einzelnen Vorstellungen als besondere Identitätsorte angehören. Bei jeder äußeren Wahrnehmung, bei jedem Durchfliegen eines vergangenen Ereignisses findet zugleich eine solche innere Synthesis statt, sonst wäre es nicht möglich, daß wir nach dem Überschauen einer Bergkette, nach dem Lesen einer Geschichte ein Bewußtsein des Gesamtzusammenhangs hätten. Diese innere Synthesis entgeht uns nur darum, weil wir, in Objekte vertieft, gemeinhin nur auf diese und nicht auf die immanente Beziehung der Vorstellungen aufeinander unsere Aufmerksamkeit richten.

Hierzu ist, wie bei der Betrachtung der äußeren Objekte, Achtsamkeit und Übung erforderlich. Wenn wir durch eine Bildergallerie wandern, so fällt von jeder Einzelheit eines Bildes der Lichtstrahl ins Auge und der Gesamteindruck ist durch jede dieser Einzelheiten mitbestimmt Dennoch aber haben wir, wenn wir die Säle verlassen, nur oberflächliche und unbestimmte Gesamteindrücke und können vielleicht kein einziges Bild auch in den Einzelheiten beschreiben. Ganz anders ist es, wenn wir bei den einzelnen Bildern verweilen, dieselben analysieren, die Stellung der beobachteten Einzelheiten zu anderen betrachten, zu wiederholten Malen das Gesehene von Neuem überblicken. Jetzt wird ein ganz anderes und bleibenderes Bewußtsein des Ganzen bestehen bleiben, und wenn wir zu Ende sind, können wir das ganze Bild im Geiste vor uns aufrollen. Allein um dies zu können, bedarf es eben einer bereits erworbenen Kraft, auf das Einzelne aufzumerken, einer längeren Übung im Analysieren und Zusammenfassen der Einzelheiten. Der Ungeübte sieht bei angestrengtester Aufmerksamkeit tausend Dinge nicht, die dem Kenner nach einem kurzen Augenblick zu Bewußtsein kommen.

Bei der Beobachtung unseres Inneren sind wir nun freilich in der Regel noch weit ungeübter als dort. Wir betrachten Objekte und bemerken darüber die Gedankenbahnen gar nicht, die hierbei im Inneren von Vorstellung zu Vorstellung gehen. Wie lange dauert es, bis ein Kind, nachdem es schon eine leidliche Kenntnis seiner Umgebung hat, weiß,  daß  es sieht, hört, denkt, daß es ein Ich ist! Und gar viele Menschen, welche ihre Außenwelt auf das Schärfste zu beobachten gewohnt sind, erlahmen sofort bei der Zumutung, sie möchten, von dieser Beobachtung, häufig abspringend, das ins Auge fassen, was eben in ihrem Geist vorging. Manche Philosophen sind ja sogar dadurch zu dem wunderlichen Irrtumm gekommen, eine Selbstbeobachtung sei nicht möglich (23). Als ob die einfachste Erinnerung des früher Geschehenen nicht schon eine gewisse, wenn auch höchst elementare Selbstbeobachtung einschließen würde! Das Vergangene wird ja dadurch nicht gegenwärtig, sondern bloß von einer gegenwärtigen Vorstellung ins Auge gefaßt, d. h. beobachtet. Freilich ist dabei die analysierende Kraft des Bewußtseins oft nicht groß genug, um das Vergangene ebenso zu analysieren, wie man die Einzelheiten eines Bildes analysiert, um also die bloßen Gedankenbahnen von den äußerlich objektiven Vorstellungsbestandteilen zu unterscheiden. Allein die eben jetzt vergangene Vorstellung können wir bei einiger Aufmerksamkeit ziemlich genau vergegenwärtigen, und es wird bei wachsender Übung, sofort nach einem Gedanken vom sonstigen Objekt abzuspringen und den Gedanken selbst zu beobachten, immer mehr gelingen, die begangenen Irrtümer der Beobachtung auszuscheiden, gerade so wie dies auch bei äußerer Beobachtung der Fall ist; es wird dann möglich sein, immer schärfer die einzelnen Fäden des Gedanken- und Vorstellungsverlaufs in Separatvorstellungen aufzufassen.

So viel ist, wie wir denken, jedenfalls unzweifelhaft, daß wir stets während alles objektiven Erkennens uns zugleich auf vorangegangene Vorstellungen beziehen und hierdurch eine Erkenntnis objektiver Zusammenhänge erst möglich machen. Ist aber dies der Fall, dann ist auch hier implizit eine stetige  innerliche  Synthesis vorhanden; denn jede Beziehung auf äußere Objekte faßt vorangegangene Vorstellungen ebenso mit der gegenwärtigen zusammen, wie eine Beziehung auf einen abgegrenzten Gegenstand, ohne daß wir dessen gesondert bewußt werden, zugleich dessen Umgebung mit auffaßt. Diese ungesonderten Mitbeziehungen in separaten Vorstellungen zu einem gesonderten Bewußtsein zu bringen, ist eben die Aufgabe eines erweiternden Erkenntnisstrebens.

Fassen wir jedoch diese implizit vor sich gehenden innerlichen Beziehungen gesondert ins Auge. Damit sehen wir die Bahnen, die von einer Vorstellung zur anderen, zur nächstliegenden, wie zur entferntesten gehen, selber als objektive und in unserem Innern wirkliche Gestalten, und bemerken, daß dadurch Beziehungen stattfinden, die über ganze Reihen von Vorstellungen, ja über Zeiträume hinweggehen, die wie der feste Schlaf und die Ohnmacht für unser waches Bewußtsein keinerlei Beziehungspunkte enthalten, dennoch aber die Gegenwart mit den vor diesen leeren Zeiträumen liegenden Vorstellungen in einen einheitichen Zusammenhang bringen. Diesen Zusammenhang nennen wir "Ich". Es ist der auf dem obigen Weg der Synthesis zustande gebrachte Beziehungsort, in dem alle Vorstellungen in der Zusammenhangsidentität stehen, dadurch, daß sie mir insgesamt als "meine" Vorstellungen gelten.

Diese Identitt des Ich als Bewußtseinszusammenhang ist aber aufgrund des realen Identitätsgesetzes entstanden. Die Gedankenbahn, die von der jetzigen auf die vorangegangene Vorstellung geht, ist, bloß als Beziehung auf Vergangenes, identisch mit der, die von der vorigen auf die dritte geht, und ebenso ist ein identischer Zusammenhang über Zeiträume hinaus gesetzt, wo das Bewußtsein keine Vorstellungen findet. Der betrachtete Inhalt ist hier nichts als das Bewußtsein der Beziehungen selbst. Die reale Identität besteht aber eben darin, daß sich ein jetziger, dem vorangegangenen gleicher Inhalt nicht auf einen anderen, sondern auf denselben Gegenstand bezieht, und damit behauptet, es bestehe unangesehen der Lücke zwischen unseren Wahrnehmungen ein realer Zusammenhang im Gegenstand selbst. Ganz genau ebenso setzt das Bewußtsein damit, daß es sich über Vorstellungslücken hinweg auf vorausgehende Vorstellungen als die seinen bezieht, die Anwendung dieses Identitätsgesetzes voraus. Es sagt aus, es sei ein realer Zusammenhang, welcher es möglich macht, daß auch die zeitlich ganz getrennten Vorstellungen ein und demselben Ort angehören (24).

Diese Realität wird keineswegs durch die von RIBOT u. a. bemerkte Tatsache aufgehoben, daß sich zuweilen nach krankhaften Zuständen gleichsam ein neues Ich entwickelt, welches sich in keinem Punkt auf das frühere beziehen kann, und daß sogar zuweilen auch dieses neue Ich nach einem weiteren Anfall verschwindet, um einer erneuten Beziehung auf das erste Ich Platz zu machen. Diese letzte Beziehung knüpft über die Bewußtseinskluft, die für das dritte Bewußtsein leer erscheint, ganz nach unserem Satz an das erste an und setzt dieses mit sich in einen Bewußtseinszusammenhang, der eben damit auch einen realen Zusammenhang voraussetzt. Ich behaupte damit keineswegs, daß das Ich ein Zusammenhang ist, der  bloß aus  Bewußtsein  besteht.  Es wird vielmehr gar nichts über die Art des realen Zusammenhangs ausgesagt. "Die Identität des Bewußtseins meiner selbst in verschiedenen Zeiten ... beweist gar nicht", daß nicht ein Wechsel im Substrat vorgegangen ist. (25) Die Tatsache, daß von unserem Leib vermöge des Stoffwechsels nach wenigen Jahren kein Atom mehr das alte ist, belegt diese Tatsache. Trotzdem ist, trotz KANT, nicht bloß eine logische, sondern eine numerische, reale Identität vorhanden, wenn wir auch nicht wissen, ob dieselbe bloß durch den trotz allen Wechsels fortbestehenden leiblichen Zusammenhang, oder, wie manche Metaphysiker glauben, durch eine immaterielle Ichmonade hergestellt ist.

Dieses Ichobjekt ist also, sofern wir von solchen tieferliegenden und vielleicht stets unlösbaren Fragen absehen, genau als derselbe reale Zusammenhang zu fassen, den irgendein äußeres Objekt, ein Baum oder ein Berg zeigt. Es ist nur der eine wesentliche Unterschied, daß jene Objekte ausschließlich objektiv sind, daß sich dagegen im Ich stets eine jetzige lebendige Vorstellung auf vergangene bezieht, und dadurch alles Vergangene mit sich, und sich mit allem Vergangenen in eine Einheit zusammenschließt. Das Ich ist also darin einzigartig, daß es nicht bloß Objekt, sondern Subjekt-Objekt ist (26), vermöge dessen die Gesamtheit seiner Beziehungen  Ich  genannt werden kann.

Wäre nun dieses Ich der einzige Beziehungsort für alle Vorstellungen, so gäbe es nur eine innere Identität in Bezug auf das Ich. Allein die meisten Vorstellungen beziehen sich zugleich auf äußere Objekte, und haben hier ihre Identitätsorte. Wir finden in dieser Hinsicht Vorstellungen, deren Inhate ununterscheidbar gleich sind, die also auf dieselben äußeren Objekte gehen müssen. Wir finden ferner Vorstellungen verschiedenen Inhalts, die wir analytisch von jenen Orten ablösen und synthetisch an ihnen verknüpfen müssen. Wir finden drittens, daß unter jenen Vorstellungen, die ihrer Synthese nach verschieden sind, gar manche dem Separatinhalt nach gleich sind. All das finden wir rein empirisch, und hier kann kein Apriori bewirken, daß Vorstellungen in einer bestimmten Weise zusammengeordnet werden.

Das aber ist richtig, daß diese objektiven Synthesen, sowie das subjektive Bewußtsein von Gleichheiten an verschiedenen Objekten nicht stattfinden, wenn nicht die betreffenden Vorstellungen im Bewußtsein selber verunden würden. Diese subjektive Synthesis macht ja das Bewußtsein des Objekts aus, und liegt insofern der Erkenntnis von Objekten zugrunde, wenn auch der  Grund, daß  sie in einer bestimmten Weise objektiv verbunden werden, anderwärts gesucht werden muß.

Durch diese innere Synthese treten nun die auf denselben Gegenstand bezogenen Vorstellungen auch untereinander im Subjekt in eine engere Verbindung. Dem Ort des Objekts entspricht ein Ort im Ich, darin diese Vorstellungen vereinigt werden müssen.

Wie dieser Ort aussehen mag, bleibt freilich dunkel. Es wäre denkbar, daß gewisse Nervenzellen, gleich den verschiedenen Teilen der Grundmembran auf bestimmte Eindrücke abgestimmt wären, und daß diese, bei einem inneren oder äußeren Reiz, entsprechende Nervenbahnen, die zu benachbarten Zellen führten, erregten, daß die einmal gewohnten Eindrücke eine gewisse Festigung der betreffenden Erregungen hervorbrächten und dgl. mehr. Freilich wäre das Bewußtsein selbst damit nicht erklärt; aber wir haben jedenfalls das Recht, uns den unbekannten Sachverhalt auf solche Weise zu versinnbildlichen.

Wäre nun die Sache derart, daß die synthetisch verbundenen Objektvorstellungen für jedes Objekt ganz einzigartige Inhalte aufweisen würden, so entspräche jeder Objektvorstellung eine bestimmte innere Synthese, und jede innere Synthese wäre zugleich eine bestimmte Objektvorstellung. Da wir aber, auch hier nur durch die empirische Tatsache belehrt, bei verschiedenen Objekten vielfach gleiche und gleichartige Separatinhalte antreffen, und da diese Gleichheiten  als solche  bewußt werden, ja da verschiedene Gesamtobjekte als gleich erscheinen, so liegt letzterem Bewußtsein offenbar noch eine andere innere Synthese zugrunde, der als solcher  keine  äußere Synthese an Objekten entspricht. Wenn ich das Blau der Campanula [Glockenblume - wp] mit dem Blau des Himmels als gleich erkenne, so setzt dies einen inneren Ort voraus, worauf sich beide identisch beziehen. Nehmen wir im Bild an, die Nervenzelle  O  sei der Ort, welcher durch dieses Blau gereizt wird. Wenn nun ein Blau vom Himmel, ein Blau von der Blume, von einem Tuch etc. ins Bewußtsein tritt, so geschähe dies durch eine stete Reizung desselben identischen Ortes, von dem aus dann Bahnen zu den anderen Separatvorstellungen bzw. Gesamtvorstellungen führen. In irgendeiner Weise muß jedenfalls der gleiche Eindruck eine identische Stelle oder Beziehung im Bewußtsein selbst treffen, damit er als gleich bewußt werden kann.

Das Bewußtsein aber,  daß  zwei Inhalte gleich sind, ist in jedem Fall etwas Abgeleitetes. Das ursprüngliche ist die identische Beziehung. Das ununterscheidbar Gleiche geht auf denselben Ort, hat also im Bewußtsein schon eine dem entsprechende Synthesis, ehe wir uns bewußt sind, daß verschiedene gleiche Vorstellungen der Vorstellung objektiver Identität zugrunde liegen. So oft die Sonne aufgeht, habe ich eine verschiedene Sonne, die vom Bewußtsein in eins gesetzt wird, ohne daß ich auch nur merke, daß dieser Einheit eine Synthese vieler gleicher Wahrnehmungen zugrunde liegt. Es ist zumindest vorschnell geurteilt, wenn man behauptet, das Bewußtsein des Bewußtseins von Etwas sei dieses Etwas selbst, und die entgegengesetzte Behauptung sei sinnlos (27). Dann müßte eben auch das Bewußtsein davon, daß ich gestern bewußt gelacht habe, jenes Lachen selbst sein. Das unmittelbare Gleichheitsbewußtsein, das in der Identitätsbeziehung liegt, ist noch lange nicht das Bewußtsein,  daß  Etwas gleich ist. Das letzere entsteht erst durch ein bewußtes Hin- und Hergehen des Geistes von einer Vorstellung zur anderen. Ein Weißes, das ich auf einem Berg sehe, werde ich ohne Weiteres als  Schnee  ansehen, und erst der bewußte Vergleich und das dabei auftauchende Bewußtsein von Unterschieden wird diese Ineinssetzung zerstören und in die Überzeugung umwandeln: Jenes Weiße sieht dem Schnee nur gleich. Das Weiß als solches, d. h. die gegenwärtige Separatvorstellung weiß, werde ich aber auch nach jener Trennung nicht notwendig als ein anderes Weiß ansehen. Ich sage: Es ist dasselbe Weiß, aber doch kein Schnee! Die Identität des Inhalts bleibt, wenn auch die Identität des Beziehungsortes aufgegeben werden mußte, und es bedarf einer Reflexion auf die Verschiedenheit der Vorstellungen selbst, um uns zu überzeugen, daß deren Inhalte ansich nur gleich, nicht identisch sind. Wie schwer dies ist, besonders bei abstrakteren inneren Identitäten, zeigt die platonische Auffassung des Begriffs, in der der Inhalt ebenso als der eine, stets sich gleich bleibende aufgefaßt und als solcher gleichsam zu einem realen Objekt wird, wie der Gegenstand einer äußerlich objektiv realen Identität aus dem gleich bleibenden Inhalt der verschiedenen Wahrnehmungen zu bestehen scheint.

Diese innere Synthesis des Gleichen, vermöge deren dasselbe als einheitlich erscheint, liegt nun dem, was wir suchten, dem Begriff, als Beziehungsort zugrunde, oder vielmehr, sie ist der Begriff selbst. Wir pflegen nun freilich diejenigen wiederkehrenden, innerlich identischen Synthesen, die sich zugleich auf identische sonstige Objekte beziehen, nicht Begriffe zu nennen, sondern nur diejenigen, denen verschiedene gleiche Objekte oder verschiedene gleiche Separatinhalte von solchen zukommen.  Begriff ist danach eine innerlich identische Synthese von Gleichheiten, die nicht auf ein identisches Objekt, sondern auf verschiedene Objekte bezogen werden. 

Danach liegt der Beziehungsort der begrifflichen Identität nirgends als im Subjekt selbst und die Objektivität des Begriffs besteht einerseits darin, daß wir die innere Identität selbst zu einem Objekt erheben, andererseits darin, daß die zu ihr in eins gesetzten Vorstellungen sich auf andere Objekte beziehen. Dabei ist festzuhalten, daß in letzterer Hinsicht niemals der Begriff als solcher sich auf Objekte bezieht. Dies ist nur in jenen, oben angeführten Beziehungen der Fall, wo die innere Synthesis als solche ein bestimmtes Objekt vorstellt. In allen anderen Fällen, denen eben, wo wir von Begriffen zu reden pflegen, beziehen sich die einzelnen Vorstellungen selbst auf doppelte Orte, nämlich einerseits auf den inneren Identitätsort des Begriffs, andererseits auf die Objekte, von denen sie analysiert worden sind.

Damit fällt die ganze platonische und platonisierende Begriffslehre, wonach der Begriff etwas Allgemeines gegenüber den besonderen Objekten darbietet, in sich zusammen. In ihrer alten Form, wonach der Begriff wesenhafte, übernatürliche Objekte bezeichnet, ist ja wohl - ausgenommen in der Kirchenlehre - diese Auffassung überwunden. Allein die Realität des Begriffs als etwas über den Objekten Stehendes wird doch noch stark genug betont. So, wenn COHEN im Anschluß an KANT den Gegenstand als "Etwas überhaupt" denkt, da es doch nur einzelne Gegenstandsvorstellungen gibt. Freilich insofern, als diese insgesamt Gegenstände bezeichnen, werden sie zum Begriff "Gegenstand" vereinigt; letzterer aber hat als solcher gar keine Beziehung, die einzelnen Inhalte werden vielmehr auf ihn selbst bezogen. So kann dieser Begriff "Gegenstand überhaupt" auch keine äußere objektive Realität verschaffen. Die objektiv realen Beziehungen gehen ihm vielmehr voraus und machen diese subjektive Identität des Abstraktionsbegriffs "Gegenstand" erst möglich. SCHOPENHAUER hat völlig recht, wenn er KANT einwirft, er habe nicht untersucht, was ein  Begriff  ist. Wenn er selbst gleich mit der Erklärung, daß sie Vorstellungen von Vorstellungen sind, eine ziemlich unverständliche Auskunft gibt, so darf ihm doch COHEN nicht entgegnen, KANT habe ja den Begriff aus den Kategorien und dem Urteil abgeleitet. Das ist eben keine Ableitung, oder doch eine solche, die den Begriff aus Etwas ableitet, was selbst Begriff ist, oder Begriffe voraussetzt. Solange man den Begriff als Etwas ansieht, das als solches auf Objekte geht und daran partizipiert, bzw. gar dieselben ermöglicht, so lange man ihm über dem subjektiven Bewußtsein eine objektive Heimat in einem Bewußtsein überhaupt zuschreibt, hat man, wie ich fürchte, den Begriff nicht erklärt, sondern seine Erklärung in ein Gebiet zurückgeschoben, welches, um mit WUNDT zu reden, hinreichend dunkel ist, um beliebige Behauptungen wagen zu können.

Auf die begriffliche Identität, wie wir sie fassen, als den inneren Bewußtseinsort, auf welchen sich gleiche Vorstellungen unmittelbar beziehen, bzw. die innere Synthese, dadurch sie als "gleich" bewußt sind, lassen sich nun dieselben Gesichtspunkte anwenden, die wir bei den beiden anderen Identitätssorten gefunden hatten.

Wir haben strenge Identität, insofern die dem Bewußtsein als inhaltsgleich erscheinenden Separatvorstellungen vereinigt werden. So die Vorstellung  blau. - Von den hierin auftauchenden Verschiedenheiten "hellblau", "dunkelblau" etc. sehen wir hier ab. - Der Begriff  Linie  bezeichnet gar nichts anderes als die Separatvorstellung einer Flächengrenze, alles Andere fällt nicht in den Begriff. Der Begriff  Dreieck  bezeichnet nur die abstrahierte und separat vorgestellte Tatsache, daß drei Linien in drei Winkeln zusammenstoßen. Der Begriff  Beziehung  ist nur der Einheitsort für die Separatvorstellungen eines vielfältig gleichartigen Verfahrens unseres Geistes den Objekten gegenüber, usw.

Eine Zusammenhangsidentität besteht darin, daß wir in der Vorstellung des Dreiecks Linien und Winkel gesondert vorstellen und hinsichtlich des Gesamtortes synthetisch verbunden denken können.

Die Identität der Übertragung zeigt sich in der, freiich erst nachher genauer zu behandelnden Tatsache, daß z. B. eine einzelne Eigenschaft, das Säugen lebendiger Jungen, den Begriff  Säugetier  vertritt, wobei die unzähligen Mannigfaltigkeiten der Säugetiere bloß als Beziehung der Separatvorstellungen, nicht des Begriffs selbst, zurückbleiben.

Eine besondere Rolle aber spielt gerade beim Begriff die Identität der Bedeutung, die durch Wort und Zeichen ausgedrückt wird. Freilich geht unser begriffliches Denken nicht, wie Manche glauben, einzig in Worten vor sich. Wer die Beziehung einer Vogelfeder zu ihrer Hautstelle mehrere Male an verschiedenen Federn als die gleiche erkannt hat, hat einen Beziehungsbegriff gebildet, für den ihm vermutlich das Wort fehlt. Ich mmöchte im Gegenteil behaupten, daß uns Worte nur für einen minimalen Teil unserer Begriffe zu Gebote stehen, daß sich das Verhältnis des begrifflichen Denkes zum Wortdenken ähnlich verhalten mag, wie das Verhältnis der Begriffsnamen zu den eigentlichen Eigennamen. Überall, wo wir im Kleinen wie im Großen zwei Bestimmungen als gleichartig ansehen, ist ein Begriff vorhanden, und wer wollte für all diese unendlichen Mannigfaltigkeiten gleichartiger innerer und äußerer Bestimmungen, die wir auffassen, Worte finden? Die Worte bilden nur die gemeine Heerstraße unseres Denkens, bzw. die Ruhepunkte, die sie daselbst machen.

Hierfür sind sie nun einerseits von unermeßlichem Wert. Ganz abgesehen, daß wir ohne dieselben nur Weniges mitteilen könnten, dienen sie dem Denken selbst als Halt und Fixierungsmittel, und weil die Sprache in gar vieler Hinsicht bei der Erziehung des Einzelnen der inneren und äußeren Beobachtung vorangeht, leitet sie an, eine Menge von Unterschieden und Ähnlichkeiten zum Bewußtsein zu bringen, auf welche das sich selbst überlassene Vergleichen des Einzelnen niemals gekommen wäre.

Andererseits hemmt aber auch der Sprachgebrauch wieder die Einsicht in die Gleichheit und den Unterschied mancher Inhalte und Beziehungen (28). Die Sprache fördert nur bis zu einer gewissen Stufe. Dann aber hält sie zurück, weil sie eben weniger biegsam und entwicklungsfähig ist als das Denken, und den Geist zwingt, die getrennten oder neu gebildeten Begriffe immer noch mit den alten, die Unterschiede verdeckenden Worten, oder durch umständliche Umschreibungen zu bezeichnen. Der Vergleich verschiedener Sprachen kann hier mancherlei helfen und trennen lehren, was vorher verbunden war. (29) Auch erschwert die damit zusammenhängende Tatsache, daß bei gar vielen Ausdrücken der  Eine  etwas Anderes denkt als der Andere, die Verständigung. Und das ist keineswegs bloß beim gemeinen Mann der Fall. Fast nirgends vielleicht ist so viel Klage über Mißverhältnisse wie in der Philosophie. Man denke nur an "Das Verständnis Kants"!

Die genannten Unterabteilungen des Begriffs sind jedoch, so wichtig sie in anderer Hinsicht sind, für unsere folgende Untersuchung von unwesentlicher Bedeutung. Wir lenken unser Augenmerk, nachdem wir das Letzte bloß der Vollständigkeit halber hinzugefügt haben, auf einige andere, freilich mit den genannten zusammenhängende Unterscheidungen.
LITERATUR - Franz Staudinger, Identität und Apriori, Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie, Bd. 13, Leipzig 1889
    Anmerkungen
    19) Ein Kritiker meiner, KANTs Erkenntnislehre betreffenden Schrift "Noumena", hat diese Unterscheidung (Literarisches Zentralblatt, 1884, Nr. 32) für mißlich erklärt. Das Obige wird zeigen, daß ihre Leugnung weiß mißlicher ist.
    20) Vgl. WUNDT, Logik, Seite 25.
    21) KANT, Kr. d. r. V. (Ausgabe KEHRBACH), Seite 94, 658, 660.
    22) KANT, a. a. O., Seite 664f
    23) Vgl. dagegen FRANZ BRENTANO, Psychologie vom empirischen Standpunkte I, Seite 34f.
    24) BRENTANO, a. a. O., Seite 204f.
    25) KANT, a. a. O., Seite 309, wo in der Anmerkung eine treffliche Erörterung hierzu gegeben ist.
    26) Dies ist auch das Berechtigte am Gedanken NEUDECKERs (Das Grundproblem der Erkenntnistheorie, Seite 57f), von der realen Identität von Subjekt und Objekt. Den Einzelausführungen kann ich freilich nicht folgen.
    27) RICHARD von SCHUBERT-SOLDERN, Grundlagen einer Erkenntnistheorie, Seite 107.
    28) Vgl. zu diesem und dem Folgenden: SIGWART, Logik I, Seite 54.
    29) So bin ich auf die verschiedenen Identitätsbeziehungen wesentlich dadurch gekommen, daß ich, anläßlich der Lektüre einer verdeutschungswürdigen Broschüre, versuchte, das Wort  Identität zu verdeutschen. Da sah ich, daß die Worte  Einheit, Inhaltseinheit, Beziehungseinheit etc. nur besondere Seiten und Formen der "Identität" bezeichnen.