tb-2E. MachM. SchelerE. LuckaJanik/Toulmin    
 
RUDOLF THIELE
Zur Charakteristik
von Machs Erkenntnislehre

[2/2]

"Die Elemente Machs sind ein Erstes in dem Sinn, daß sich alles auf sie zurückführen läßt oder sich aus ihnen aufbaut, nicht aber so, daß sie das Zuerst-Bemerkte darstellen. Sie sind Produkte einer absichtlichen Analyse oder, wie Mach auch sagt, einer Abstraktion. Ihre Isolierung hat bereits in ihren Anfängen eine gewisse Summe von Erfahrungen zur Voraussetzung und erfolgt weiterhin unter der Leitung eines wissenschaftichen Interesses, sie ist auf dem vollkommen naiven Standpunkt des primitiven Menschen kaum denkbar."

"Eine Farbe ist ein physikalisches Objekt, sobald wir z. B. auf ihre Abhängigkeit von der beleuchtenden Lichtquelle (anderen Farben, Wärmen, Räumen usw.) achten. Achten wir aber auf ihre Abhängigkeit von der Netzhaut, so ist sie ein psychologisches Objekt, eine Empfindung. Nicht der Stoff, sondern die Untersuchungsrichtung ist in beiden Gebieten verschieden."

"Die Worte psychisch und physisch bezeichnen keine Charaktere, die den Elementen ansich zukommen, sie enthalten vielmehr ein Moment der naiv-praktischen, bzw. bewußt-wissenschaftlichen Stellungnahme. An die Stelle des materialen Gegensatzes zwischen Psychischem und Physischem tritt ein funktionaler Gegensatz."


II.Die Elementenlehre.
Psychisches und Physisches.

1. Der Begriff des "Elementes" bei MACH in allgemeiner erkenntnistheoretischer und phänomenologischer Hinsicht hat sich uns bereits aus den Erörterungen des vorigen Kapitels ergeben. Wir haben uns deutlich gemacht, daß MACH unter den Elementen die Bestandsstücke des unmittelbar Gegebenen versteht, das für seinen Positivismus mit dem Wirklichen überhaupt zusammenfällt. Damit ist klar geworden, daß es nur eine Art von Elementen gibt, daß die Elemente ihrer Natur nach "gleichartig" sind. (1) Ein Grund, warum man sie in ihrer Gesamtheit, aber auch warum man die einen oder anderen von ihnen eher psychische als physisch nennen sollte, ist schlechterdings nicht angebbar.
    "Farben, Töne, Wärmen, Drücke, Räume, Zeiten usw. sind in mannigfaltiger Weise miteinander verknüpft und an dieselben sind Stimmungen, Gefühle und Willen gebunden." (2)
Diese Farben, Töne usw. sind es nun, die nach MACH den Bestand der unmittelbar vorgefundenen Wirklichkeit bilden; sie sind, wie er vom Standpunkt seines Positivismus sagt, "die eigentlichen realen Elemente der Welt" (3). Daß die mitgeteilte Übersicht über die Elemente nicht vollständig zu sein beansprucht, geht schon aus der Formulierung hervor. Auf eine wirklich erschöpfende Aufzählung und systematische Einteilung der Elemente nach ihren qualitativen Besonderheiten, die in einer tatsächlich ausgeführten Phänomenologie natürlich die Grundlage für alle weiteren Untersuchungen zu bilden hätte, hat MACH verzichtet; vielmehr begnügt er sich in dieser Hinsicht mit Andeutungen (4). Es ist jedoch klar, daß die Elemente MACHs, abgesehen von ihrem besonderen erkenntnistheoretischen Charakter, sich mit dem decken, was die Psychologie in allgemeinster Wendung als elementare "Inhalte" bezeichnet. Und weiter scheint zunächst deutlich, daß MACH unter seinen Elementen die "intellektuellen" und die "emotionalen" Inhalte der Psychologie in gleicher Weise befaßt. Tatsächlich aber glaubt er, wie aus unzweideutigen Äußerungen hervorgeht (5), die emotionalen Inhalte auf weniger analysierte, diffuse, unscharf lokalisierte Sinnesempfindungen zurückführen zu können (6), so daß also die Gefühle nicht den Elementen zuzurechnen sind. Näher auf diese Aufzählung und Klassifikation der Elemente einzugehen liegt für uns kein Grund vor, da sie bei MACH eben nichts besonders Charakteristisches bietet. Nur zwei Momente werden uns noch weiter unten beschäftigen müssen: Zunächst die Frage, wie sich MACH zu der von der Psychologie vorgenommenen Unterscheidung von "Empfindungen" und "Vorstellungen" (7) verhält, da diese Unterscheidung auch von hoher erkenntnistheoretischer Bedeutung ist. Und sodann die ja ersichtlich eine Schwierigkeit enthaltende Tatsache, daß MACH zu seinen Elementen neben den Farben, Tönen usw. auch die "Räume" und "Zeiten" rechnet.

Zuvor aber muß die Bestimmung des Elemtarbegriffs noch nach einer anderen Seite hin ergänzt werden. Wir haben gesehen, daß MACH für seine besonderen Zwecke dem Wort "Element" einen Sinn beilegt, den man mit ihm sonst nicht verbindet, indem er durch diesen Ausdruck Bezeichnungen wie "Vorstellung" und "Erscheinung" für die Bestandsstücke des unmittelbar vorgefundenen Wirklichen vermeiden will. Aber auch die ursprüngliche Wortbedeutung von "Element", die auf die Einfachheit, Unzerlegbarkeit des so bezeichneten Gegenstandes geht, ist bei MACH erhalten. Die Elemente sind für ihn "letzte Bestandteile" (8), "die einfachsten Bausteine der physikalischen (und auch der psychologischen" (9). In welchem Sinn die Psychologie von einfachen, unzerlegbaren Inhalten spricht, müssen wir hier als bekannt voraussetzen. Die einen Klang oder ein Geräusch zusammensetzenden Töne (im Sinne HELMHOLTZ'), an denen sich zwar noch verschiedene Eigenschaften oder Merkmale (Qualität, Intensität usw.) unterscheiden lassen, die aber nicht weiter in einzelne tonale Bestandteile zerlegt werden können, geben ein naheliegendes Beispiel für einfache Sinnesinhalte ab. MACH schreibt seinen Elementen Einfachheit oder Unzerlegbarkeit in einem ganz gleichen Sinn zu. So betrachtet er z. B. die Grundfarben (d. h. die sechs "Urfarben" HERINGs) im Unterschied von den übrigen Gliedern des Farbensystems als elementar (10). Wenn MACH von den Elementen sagt, daß sie Bestandteile sind, "die wir bisher nicht weiter zerlegen können" (11), so daß "eine weitere Auflösung bisher noch nicht gelungen ist" (12), so will er damit zum Ausdruck bringen, daß er die Reduktion des vorgefundenen Mannigfaltigen auf einfachste Bestandteile noch nicht für abgeschlossen hält. Das mag unter anderem ein Grund sein, warum er auf eine vollständige systematische Aufstellung der Elemente einen so geringen Wert legt. Diese Reduktion denkt sich MACH übrigens nicht auf dem Weg einer rein psychologischen Zergliederung des Erlebnisinhaltes zu Ende geführt, sondern unter Leitung von Methoden der Physiologie. In diesem Sinne gebraucht er gelegentlich die Wendung, daß die "Physiologie" uns die "eigentlichen realen Elemente der Welt" erschließen wird (13).

Völlig klar und im Bewußtsein ihrer erkenntnistheoretischen Tragweite vollzogen ist die Unterscheidung zwischen Empfindung und Vorstellung erst bei HUME. Die Gegenüberstellung der "impressions" und "ideas" oder "thoughts" als der beiden charakteristisch verschiedenen Unterarten der "perceptions" bildet geradezu einen der Grundfaktoren von HUMEs Erkenntnislehre. Deutlich angelegt jedoch und ebenfalls bereits erkenntnistheoretisch gewendet, findet sich diese Unterscheidung schon bei BERKELEY im Gegensatz der "real things" und "images of things" oder "more properly termed ideas" (14). Den einzigen Unterschied zwischen den beiden Arten von (einfachen) Perzeptionen, soweit er als ein rein phänomenaler, erscheinungsmäßiger in Betracht kommt - eine andere Unterscheidung ist durch die Verschiedenheit ihres Ursprungs gegeben -, sieht HUME in den "different degrees of force and vivacity" [verschiedenen Graden von Kraft und Lebendigkeit - wp] (15), die sie besitzen. Die ideas werden gegenüber den impressions als "less forcible und lively" [weniger kräftig und lebendig - wp] (16), als "more feeble perceptions" [schwächere Wahrnehmungen - wp] charatkerisiert. (17) Im Übrigen sind sie diesen in inhaltlicher Beziehung völlig gleichartig: die (einfachen) Ideen sind "copies of our impressions" (18). Auf die vielen neueren Versuche, den Unterschied zwischen Empfindung und Vorstellung sei es als einen qualitativen, sei es als einen intensiven zu bestimmen, haben wir nicht einzugehen. Erwähnt soll nur noch werden, daß THEODOR ZIEHEN das unterscheidende Merkmal zwischen den beiden Arten psychischer Inhalte, unter starker Herausstellung des rein phänomenologischen Moments, in der den Empfindungen eigenen "sinnlichen Lebhaftigkeit" (19) sieht, dabei mit Recht betonend, daß dieser Unterschied nur erlebt, nicht aber irgendwie definiert werden kann.

Der Gegensatz, den die Psychologie zwischen Empfindungen und Vorstellungen statuiert, durchzieht in entsprechender Weise bei MACH die Mannigfaltigkeit der Elemente. Daß sich aber MACH der erkenntnistheoretischen Wichtigkeit dieses Gegensatzes voll bewußt geworden ist, wird man kaum behaupten dürfen; jedenfalls gewinnt er im Gefüge seiner Lehre keine rechte Bedeutung. MACH bedient sich der Ausdrücke Empfindung und Vorstellung, wo er beide einander gegenüberstellt, ganz im Sinne der gewöhnlichen psychologischen Terminologie. (20) Den Unterschied zwischen den beiden Arten von Inhalten bzw. Elementen findet er, abgesehen von der besonderen Weise ihrer Verknüpfung, hauptsächlich in der geringeren Intensität und der Flüchtigkeit der Vorstellungen gegenüber den Empfindungen.
    "In der Tat besteht im normalen psychischen Leben ein sehr starker Unterschied zwischen beiden Arten psychischer Elemente." (21)
Es ist ausdrücklich von "Sinnesempfindungen" und "Vorstellungen" die Rede. Und weiter:
    "Ich sehe eine schwarze Tafel vor mir. Ich kann mir mit der größten Lebhaftigkeit auf dieser Tafel ein mit scharfen weißen Strichen gezogenens Sechseck oder eine farbige Figur vorstellen. Ich weiß aber, pathologische Fälle abgerechnet, immer, was ich sehe, was ich mir vorstelle." (22)
Der Unterschied wird nun näher charakterisiertund schließlich heißt es:
    "Die Vorstellungen unterscheiden sich in normalen Fällen von den Empfindungen wohl durch ihre geringere Intensität, vor allem aber durch ihre Flüchtigkeit." (23)
Empfindungen und Vorstellungen unterscheiden sich ferner durch die Art ihrer Verknüpfung. Die Vorstellungen stehen nämlich untereinander in einem assoziativen Zusammenhang, die Empfindungen als objektive Gegebenheiten, als Elemente im Sinne MACHs gefaßt natürlich nicht; (24) auch hierbei ist der phänomenale Unterschied von Empfindung und Vorstellung selbstverständlich Voraussetzung. MACH unterscheidet also innerhalb der Mannigfaltigkeit des Gegebenen zwei charakteristisch verschiedene Arten von Elementen. Die den "Empfindungen" der Psychologie entsprechenden Elemente bezeichnet er häufig durch die großen Buchstaben A B C ..., die den Vorstellungen entsprechenden durch α β γ (25).

Wir haben bereits gesehen, daß MACH in seiner Aufzählung der Elemente neben den Farben, Tönen usw. auch "Räume" und "Zeiten" erwähnt, was zunächst ganz unverständlich ist. Um über diesen Punkt Klarheit zu gewinnen, müssen wir auf die Lehren von Raum und Zeit bei MACH näher eingehen. Wir haben es dabei in diesem Zusammenhang nur mit dem phänomenalen Raum und der phänomenalen Zeit zu tun, mit dem Raum und der Zeit der unmittelbaren Anschauung. Auf die Untersuchungen MACHs über die Begriffe des "physikalischen" Raums und der "physikalischen" Zeit und seine Tendenz, die Raum-Zeitgrößen aus den Gleichungen der Physik völlig zu eliminieren, werden wir bei späterer Gelegenheit zu sprechen kommen. Wir haben bei unseren Erörterungen natürlich keine Veranlassung, auf die vielen psychologischen und sinnesphysiologischen Einzelheiten, die MACH in diesen Untersuchungen vorbringt und denen sein Interesse an diesem Gegenstand in erster Linie zugewandt ist, näher einzugehen.

Physiologisch (und psychologisch) betrachtet sind Raum und Zeit nichts anderes als "besondere Arten von Empfindungen" (26). "Sofern wir räumlich wahrnehmen, beruth dies nach unserer Auffassung auf Empfindungen" (27), eben den "Raumempfindungen", die aufgrund einer physiologisch-entwicklungsgeschichtlichen Hypothese auch als "Organempfindungen" den spezifischen "Sinnesempfindungen" gegenübergestellt werden (28). Ähnliches gilt von den Zeitempfindungen. Raumempfindungen und Sinnesempfindungen können nur "miteinander" auftreten; (29) genauer gesprochen: die Raumempfindungen sind stets an Sinnesempfindungen gebunden, während es umgekehrt auch Sinnesempfindungen gibt, die "ohne eine deutliche Raumempfindung" auftreten (30). Dagegen begleitet die Zeitempfindung jede andere Empfindung (31). Wir sehen zunächst, daß MACH das Wort "Empfindung" hier in einem ganz allgemeinen und unbestimmten Sinn gebraucht. Man wird sich mit Recht fragen dürfen, ob denn die Raum- und Zeitempfindungen, was doch für die übrigen von der Psychologie als Empfindungen bezeichneten Inhalte charakteristisch ist, auch ein qualitativ und intensiv in sich abgestuftes System bilden. Nun spricht MACH ja in der Tat von einem System von "stetig abgestuften Ortsqualitäten"; (32) ober er aber diese "Ortsqualitäten", d. h. die verschiedenen unterscheidbaren Raumwerte des Seh- bzw. des Tastraumes, als ein Analogon zu den Qualitäten der "Sinnesempfindungen" auffaßt, wird, ebenso wie die Rolle der Intensität, nicht recht ersichtlich. Von Raum- und Zeitempfindungen zu sprechen muß man also, wenn dieser Begrif nicht genauer festgelegt wird, als das bei MACH geschehen ist, zumindest als bedenklich bezeichnen. Übrigens läßt die Begriffsbestimmung der Psychologie gerade in diesem Punkt fast allgemein die gehörige Präzision vermissen. Indessen ist klar, daß MACH jedenfalls einen Unterschied macht zwischen den Empfindungen einerseits und Raum und Zeit andererseits; die Unterscheidung zwischen Organempfindung = Raumempfindungen und Sinnesempfindungen ist, ob sie nun zutreffend ist oder nicht, jedenfalls in der Absicht vollzogen, der unmittelbaren Tatsache einer charakteristischen Verschiedenheit zwischen diesen beiden Gegebenheiten gerecht zu werden. Die Nebeneinanderstellungen von Farben, Tönen, Räumen und Zeiten darf also, wo sie sich bei MACH findet, als in gewisser Hinsicht provisorisch angesehen werden (33).

Weiter ist zu bemerken, daß MACH nicht von einer Raum- oder Zeitempfindung schlechthin, sondern, wie wir gesehen haben, von einzelnen Raumempfindungen und Zeitempfindungen, von "Räumen" und "Zeiten" spricht und diese als "Elemente" bezeichnet. Das erinnert uns an die bekannte Lehre von den räumlichen und zeitlichen minima perceptibilia, die besonders von BERKELEY und HUME vertreten worden ist, und wir können uns in der Tat am besten Klarheit über die Auffassung MACHs verschaffen, wenn wir von dieser Lehre ausgehen. Für BERKELEY und HUME zerfällt der Wahrnehmungs- ebenso wie der Vorstellungsraum, gleichgültig ob er dem Gesichtssinn oder dem Tastsinn angehört, in eine Mannigfaltigkeit letzter nicht weiter unterteilbarer Raumelemente, die als "minima" oder "points" ("minima visibilia" und "minima tangibilia" (34) bezeichnet werden, und die natürlich nur unter gewissen Bedingungen als solche zum Bewußtsein kommen. Ähnliches gilt, deutlich ausgesprochen nur bei HUME, auch für die Zeit. Diese minima besitzen selbstverständlich noch räumliche bzw. zeitliche Eigenschaften; sie sind eben die kleinsten wahrnehmbaren und vorstellbaren und, das steht für diese Denker völlig außer Frage, auch denkbaren Räume bzw. Zeiten. Raum und Zeit in extenso gehen aus diesen Elementen hervor, indem diese sich aneinanderlagern, indem sie "in a certain disposed" [in einer gewissen Weise angeordnet - wp] sind (35).

Ganz ähnlich liegen nun die Dinge bei MACH. Die einzelnen Raum- bzw. Zeitelemente sind in der Anschauung nicht weiter zerlegbar, das geht aus dem Elementbegriff mit den angegebenen Vorbehalten ohne weiteres hervor. Und sie bilden, im Unterschied zu den anderen Elementen (den "Sinnesempfindungen"), eine bestimmte Ordnung, die man eben nur als räumliche bzw. zeitliche Ordnung bezeichnen kann. MACH spricht von "benachbarten, unterscheidbaren ... Ortsqualitäten"; (36) weiter hebt er hervor, daß
    "Zeit und Raum physiologisch nur ein scheinbares Kontinuum darstellen und höchstwahrscheinlich aus diskontinuierlichen, aber sich nicht scharf unterscheidbaren Elementen zusammensetzen." (37)
Diese Elemente ordnen sich zusammen und bilden "ein festes bleibendes Schema oder Register" (38), in welches die jeweilig gegebenen Sinnesqualitäten eingeordnet werden, ohne die es allerdings gar nicht in Erscheinung treten kann. (39) Das gilt für die Raumelemente und die Zeitelemente in gleicher Weise (40). Damit ist klar, daß auch bei MACH Raum und zeit gegenüber den spezifischen Sinnesempfindungen ihre eigentümliche Stellung behalten.

Die "Elemente" sind ein Erstes in dem Sinn, daß sich alles auf sie zurückführen läßt oder sich aus ihnen aufbaut, nicht aber so, daß sie das Zuerst-Bemerkte darstellen, daß sie den Ausgangspunkt bilden auch für die unreflektierte Betrachtung der Welt. Im Gegenteil sie sind Produkte einer "absichtlichen Analyse" (41) oder, wie MACH auch sagt, einer "Abstraktion". (42) Ihre Isolierung hat bereits in ihren Anfängen eine gewisse Summe von Erfahrungen zur Voraussetzung und erfolgt weiterhin unter der Leitung eines wissenschaftichen Interesses, sie ist "auf dem vollkommen naiven Standpunkt des primitiven Menschen kaum denkbar". (43) Dem naiven Bewußtsein erscheint jedes Ding zunächst als ein einheitliches Ganzes; die verschiedenen Sinnessphären angehörenden Komponenten werden zunächst noch nicht gesondert (44). Erst allmählich und unter dem Einfluß mannigfaltiger Erfahrungen vollzieht sich diese Trennung. Das Sichtbare löst sich vom Tastbaren, sobald bemerkt wird, daß mit den Bedingungen der Sichtbarkeit nicht notwendig auch zugleich die Bedingungen der Tastbarkeit erfüllt sein müssen (Spiegelbild) (45). Ähnlich lösen sich auch die übrigen Sinnesqualitäten voneinander. Aber die Analyse geht noch weiter; das Sichtbare zerfällt in Farbe und Gestalt.
    "Zwei Dinge können von gleicher Farbe aber ungleicher Gestalt sein; sie können von verschiedener Farbe und gleicher Gestalt sein. Hierdurch teilen sich die Gesichtsempfindungen und Raumempfindungen, die wohl voneinaner unterschieden, wenn auch nicht voneinander isoliert dargestellt werden können." (46)
Unter den Farbempfindungen treten dann weiter die Grundfarben hervor, (47) und so schreitet die Analyse fort bis zu den letzten nicht weiter zerlegbaren Elementen. Den Ausgangspunkt für diese ganze Entwicklung bildet also der unmittelbare volle Erlebniszusammenhang. Und dieser ist auch für das unbefangene Bewußtsein das Primäre - im Sinne eines schlechthin Vorgefundenen - in jedem Augenblick: Wir sehen unter gewöhnlichen Umständen "keine Farben und Formen, sondern die Körper im Raum". (48)

Die so auf dem Weg einer Analyse oder "Abstraktion" gewonnenen Elemente sind also die einzelnen qualitativ verschiedenen Seiten, die das Gegebene darbietet, das nicht etwa als die Summe all dieser Elemente zu charakterisieren ist, sondern ansich ein einheitliches Ganzes bildet, in keiner Weise einem musivischen Bild vergleichbar. Die Elemente sind keine besonderen Existenzen; sie kommen "isoliert" (49) gar nicht vor. sie haben mit Atomen oder mit Monaden durchaus nichts gemein (50).

Wollen wir uns aufgrund des Vorgeführten noch einmal ganz kurz vergegenwärtigen, wie sich für MACH das Gegebene (das für ihn der Inbegriff des Wirklichen überhaupt ist) darstellt, so können wir sagen: das Gegebene ist eine räumlich-zeitlich geordnete inhomogene Mannigfaltigkeit. Die verschiedenen qualitativen Seiten, die das Gegebene aufweist, und die es in ihrer räumlich-zeitlichen Anordnung als ein Inhomogenes erscheinen lassen, sind die Elemente.

2. Die Elemente stehen untereinander in den mannigfachsten Verknüpfungszusammenhängen. Diese Zusammenhänge nun sind von ganz verschiedener Art, je nachdem sie die Sinnesoberfläche überschreiten oder nicht. Unter der Sinnesoberfläche oder Sinnesperipherie wollen wir hier den Inbegriff der sensorischen Endorgane des Nervensystems verstehen, d. h. die Gesamtheit all derjenigen Gebilde, die, nach gewöhnlicher Auffassung, als Aufnahmeapparate für die die Sinnesreize abgebenden physikalischen Bewegungen in Frage kommen. Welche näheren Vorstellungen man sich über die Natur des Reizvorganges macht, ob man ihn überhaupt, in Übereinstimmung mit der herrschenden Anschauung, als Bewegungsvorgang auffassen will oder nicht, ist für das Folgende belanglos. Jedenfalls besitzt, wie sich zeigen wird, die Sinnespheripherie eine eigentümliche Bedeutung. MACH selbst spricht nicht von einer Sinnesperipherie, sondern stattdessen von der "räumlichen Umgrenzung U unseres Leibes" (51), die er im allgemeinen mit der Körperhaut gleichzusetzen scheint (52). Indessen wird aus den nachstehenden Erörterungen deutlich werden, daß die von mir vorgeschlagene Abänderung eine Präzisierung von MACHs Auffassung bedeutet, die am Grundgedanken MACHs jedenfalls nichts ändert. Es soll jedoch im Folgenden, unter Beachtung der angegebenen Modifikation, das bequeme Symbol "U" beibehalten werden.

Wir wollen nun die unter dem Gesichtspunkt der U zuzuschreibenden Funktion sich ergebenden möglichen Abhängigkeitsverhältnisse der Elemente aufstellen, indem wir uns dabei zunächst nicht streng an die Ausführungen MACHs halten, da sie nicht ganz systematisch und in terminologischer Hinsicht nicht ganz konsequent sind, und erst nachher zeigen, daß unsere Aufstellung mit der von MACH beabsichtigten der Sache nach übereinstimmt. Wir haben folgende Abhängigkeiten oder Beziehungen der Elemente zu unterscheiden:
    1.
      a) Beziehungen zwischen den Elementen außerhalb U (den A, B, C ...) (53): physikalische Abhängigkeiten.

      b) Beziehungen zwischen den Elementen innerhalb U (den K, L, M ...). Versteht man mit Mach unter U die Körperoberfläche, so kann man diese Abhängigkeiten als physiologische bezeichnen. Nimmt man dagegen die U-Grenze in dem von uns vorgeschlagenen Sinn, so fallen alle diejenigen Lebensvorgänge mit unter a, die sich in den von sensiblen Nervenenden frei bleibenden Regionen des Körpers, z. B. innerhalb des Lumens der Gefäße usw., abspielen (54), und es bleiben unter b ausschließlich die Vorgänge innerhalb der nervösen Substanz (einschließlich der nervösen Endorgane): neurophysiologische Abhängigkeiten.

      Die beiden unter a und b getrennt aufgeführten Arten von Abhängigkeiten, die gemeinschaftlich dadurch charakterisiert sind, daß sie die Sinnesoberfläche nicht überschreiten (d. h. außerhalb oder innerhalb derselben verbleiben), wollen wir zusammenfassend als physikalische Abhängigkeiten im weiteren Sinn bezeichnen oder auch, da die Unterscheidung von a und b für das Folgend ohne Bedeutung sein wird, schlechthin als: physikalische Abhängigkeiten.

    2. Beziehungen zwischen den Elementen außerhalb von U und denen innerhalb von U, Beziehungen, welche die U-Grenze überschreiten: psychophysiologische Abhängigkeiten.
Diesen beiden unter 1 und 2 aufgeführten Arten von Beziehungen, bei denen die U-Grenze eine maßgebliche Rolle spielt, ist eine dritte Art an die Seite zu stellen, bei der das nicht der Fall ist. Es sind das die besonderen Abhängigkeiten zwischen denjenigen Elementen, die den Vorstellungen (und eventuell auf den emotionalen Inhalten) der Psychologie entsprechen. Hierher gehören die assoziativen und möglicherweise noch andere Arten von Zusammenhängen zwischen den Vorstellungen. Also
    3. Beziehungen zwischen den in psychologischer Wendung als Vorstellungen zu bezeichnenden Elementen (den α, β, γ (55): psychologische Abhängigkeiten.

    Ausdrücklich findet sich bei Mach diese Dreiteilung nirgends; (56) doch geht aus seinen Ausführungen mit Deutlichkeit hervor, daß er die genannten drei Arten von Abhängigkeiten kennt und anerkennt. Zweifelhaft könnte es allerdings zunächst scheinen, ob Mach auch die dritte Art von Beziehungen, die wir als psychologische bezeichnet haben, als eine besondere gelten läßt, da er sie (aus Gründen, die sich gleich zeigen werden) nicht mit den beiden anderen zusammen nennt. Doch heißt es ausdrücklich: "Die Vorstellungen hängen ... untereinander wieder in anderer Weise zusammen (Assoziation, Phantasie) als die sinnlichen Elemente A B C ... K L M ...", (57). "Der (assoziative) Zusammenhang der Vorstellungen ist allerdings ein anderer als jener der Empfindungen" (58) usw. Die Abhängigkeiten, die wir oben als physikalische bezeichnet haben, werden von Mach ebenso genannt; die von uns als psychophysiologisch bezeichneten Abhängigkeiten heißen bei Mach gewöhnlich "physiologische", doch steht, wie gesagt, die Terminologie bei ihm nicht fest.
Von höchster erkenntnistheoretischer und phänomenologischer Bedeutung ist die Beachtung der Verschiedenartigkeit der physikalischen und der psychophysiologischen Abhängigkeiten. Denn der Unterschied dieser beiden Arten von Beziehungen begründet den Gegensatz von physikalischer und psychologischer Betrachtungsweise, von Physik und Psychologie, beide Begriffe im weitesten Sinn genommen. Die Elemente A B C ... zeigen eine "Doppelabhängigkeit" (59), sie erweisen sich als abhängig "von Elementen außerhalb U und von Elementen innerhalb U." (60)
    "Die Bestandteile meines Befundes im Raum hängen ... nicht nur im allgemeinen voneinander ab, sondern insbesondere auch von den Befunden an meinem Leib, und dies gilt mutatis mutandis [unter vergleichbaren Umständen - wp] auch von den Befunden eines jeden." (61) Genauer:

    "Wir haben ... die räumliche Umgrenzung U unseres Leibes immer vor Augen und sehen, daß die Befunde außerhalb U ebensowohl voneinander, als auch von den Befunden innerhalb U abhängen." (62)
Die erste Art der Abhängigkeit ist, wie wir gesehen haben, eine physikalische, die zweite, ganz anders geartete, die Grenze U überschreitende" (63) eine psychophysiologische ("physiologische"). Je nachdem nun ein Element als Glied eines physikalischen oder eines psychophysiologischen Zusammenhangs auftritt, je nachdem wir auf die eine oder auf die andere Art der Abhängigkeit reflektieren, und nur insofern dies der Fall ist, bezeichnen wir dasselbe Element A, B, C das einemal als "physikalisches Objekt" (64), "physikalisches Merkmal" (65), das anderemal aber als "psychologisches Objekt" (66) oder als "Empfindung" (67). Das ist der spezifische Sinn, den das Wort "Empfindung" bei MACH gewinnt.
    "Eine Farbe ist ein physikalisches Objekt, sobald wir z. B. auf ihre Abhängigkeit von der beleuchtenden Lichtquelle (anderen Farben, Wärmen, Räumen usw.) achten. Achten wir aber auf ihre Abhängigkeit von der Netzhaut (den Elementen K L M ...), so ist sie ein psychologisches Objekt, eine Empfindung. Nicht der Stoff, sondern die Untersuchungsrichtung ist in beiden Gebieten verschieden." (68)
Und in einer ähnlichen Wendung: Die
    "Elemente zeigen sich sowohl von außerhalb U, als auch von innerhalb U liegenden Umständen abhängig. Insofern und nur insofern letzteres der Fall ist, nennen wir diese Elemente auch Empfindungen." (69)
Damit die hier vorgetragene Auffassung MACHs noch deutlicher wird, möge noch ein etwas näher ausgeführtes Beispiel für den Unterschied der physikalischen und der psychologischen Betrachtungsweise folgen.
    "Wir betrachten zunächst den gegenseitigen Zusammenhang der Elemente des Komplexes A B C ..., ohne auf K L M ... (unseren Leib) zu achten. Jede physikalische Untersuchung ist von dieser Art. Eine weiße Kugel fällt auf eine Glocke; es klingt. Die Kugel wird gelb vor der Natrium-, rot vor der Lithiumlampe. Hier scheinen die Elemente (A B C ...) nur untereinander zusammenzuhängen, von unserem Leib (K L M ...) unabhängig zu sein. Nehmen wir aber Santonin ein, so wird die Kugel auch gelb. Drücken wir ein Auge seitwärts, so sehen wir zwei Kugeln. Schließen wir die Augen ganz, so ist gar keine Kugel da. Durchschneiden wir die Gehörnerven, so klingt es nicht. Die Elemente A B C ... hängen also nicht nur untereinander, sondern auch mit den Elementen K L M ... zusammen. Insofern, und nur insofern, nennen wir A B C ... Empfindungen ..." (70)
Aber: das betrachtete Element als solches wird "in seiner Natur nicht geändert, ob wir unsere Aufmerksamkeit auf die eine oder auf die andere Form der Abhängigkeit richten". (71) Und so kann MACH dann sagen: "Ich sehe daher keinen Gegensatz von Psychischem und Physischen, sondern einfache Identität in Bezug auf diese Elemtente." (72) Es verschwindet für diese Betrachtungsweise die "Kluft zwischen Körpern und Empfindungen, zwischen außen und innen, zwischen der materiellen und geistigen Welt". (73) Allein die Untersuchungsrichtung (74), die auf die eine oder auf die andere Seite der "Doppelabhängigkeit" gehende Betrachtung ist es, die uns dasselbe Element entweder als ein physikalisches oder als ein psychisches, eine Empfindung, bezeichnen läßt. Übrigens braucht es sich dabei nicht gerade um eine wissenschaftliche Untersuchung zu handeln. Auch das naive Bewußtsein auf der Stufe der praktischen Weltanschauung unterscheidet natürlich bereits die beiden Formen der Abhängigkeit, die Erkenntnis der Doppelabhängigkeit der Elemente ist, wie später zu erörtern sein wird, die Bedingung für die Möglichkeit der Abgrenzung des Ich gegen die Umwelt.

Damit ist klar, daß MACH an die Stelle des materialen Gegensatzes zwischen dem Psychischen und dem Physischen, den man gewöhnlich behauptet, einen, so können wir sagen, funktionalen Gegensatz treten läßt. So stellt sich dieses Verhältnis der phänomenologischen Betrachtung dar. Mit dieser Bestimmung glaubt MACH den Dualismus des Psychischen und Physischen "auf das Wesentliche zurückgeführt und zugleich von traditionellen abergläubischen Auffassungen gereinigt zu haben". (75)

Nicht überflüssig wird es erscheinen, wenn wir uns noch kurz vergegenwärtigen, welche Auffassung des Verhältnisses von Reiz und Empfindung sich auf diesem Standpunkt ergibt. Denn obgleich die Beantwortung dieser Frage in den vorangegangenen Ausführungen schon enthalten ist, dürften noch einige Unklarheiten geblieben sein. (76) Selbstverständlich ist jedenfalls, daß für diese ganze Anschauungsweise ein "äußerer", "materieller" Gegenstand als Sinnesreiz nicht in Frage kommen kann. Solche Gegenstände egal zu welchen Zwecken heranzuziehen war in den bisherigen Erörterungen dieses Kapitels noch keine Veranlassung; und die folgenden Kapitel werden ausführlich darlegen, daß MACH deren Existenz überhaupt bestreitet. Damit ist aber klar, daß von einem Reizvorgang im Sinne der gewöhnlichen physiologischen und psychologischen Denkweise bei dieser Orientierung noch gar nicht die Rede sein kann. Besteht dann aber überhaupt noch, so werden wir uns fragen, ein Grund oder auch nur eine Möglichkeit, von einer Zuordnung von Reiz und Empfindung zu sprechen? Ja und nein. - Damit eine bestimmte Empfindung, etwa die Empfindung des Gelb der Natriumflamme, zustande kommt, ist es nötig, daß eine Reihe von Bedingungen erfüllt ist. Daß gewisse Bedingungen erfüllt sind heißt aber zunächst nichts anderes, als daß sich gleichzeitig mit der Gelbempfindung, und zwar erfahrungsgemäß in einer konstanten Verbindung mit ihr, bestimmte andere Empfindungen finden oder finden lassen. So zeigt sich z. B. bei Anwesenheit dieser Gelbempfindung im Spektroskop die charakteristische Doppellinie, die der Fraunhoferschen Linie D im Absorptionsspektrum der Sonne entspricht; am Fresnelschen Spiegel oder hinter dem Beugungsgitter finden sich Interferenzstreifen von bestimmtem Abstand, woraus sich unter Berücksichtigung der übrigen maßgebenden Umstände die Wellenlänge des Natriumlichts auf 589 μμ berechnen läßt usw. Zu diesen Bedingungen außerhalb der U-Grenze kommen noch solche hinzu, die innerhalb U liegen. Das Sinnesorgan, weiterhin die sensorischen Nerven und die entsprechenden Teile des nervösen Zentralorgans müssen intakt sein, d. h. sie müssen bestimmte Merkmale aufweisen (z. B. darf die Kontinuität des Nerven nicht unterbrochen sein usw.), damit die Empfindung zustande kommen kann. Ändern sich die äußeren oder inneren Umstände, indem etwas das Nervensystem toxischen Einflüssen unterstellt wird, so ändert sich auch bzw. verschwindet die Empfindung. Will man nun die Gesamtheit der äußeren (außerhalb U liegenden) Umstände, an deren Vorhandensein das Auftreten der Empfindung gebunden ist und die sich, wie das gegebene Beispiel erkennen läßt, auch quantitativ darstellen lassen, als Reizlage bezeichnen, so ist gegen einen solchen Sprachgebrauch natürlich nichts einzuwenden. Jedenfalls aber weicht diese phänomenologische Beschreibung des Verhältnisses von "Reiz" und "Empfindung" von der sonst in der Physiologie gebräuchlichen Auffassung beträchtlich ab. (77)

Wollen wir den Hauptpunkt der vorangehenden Erörterungen noch einmal kurz zum Ausdruck bringen, so können wir sagen: die Worte "psychisch" und "physisch" bezeichnen keine Charaktere, die den Elementen ansich zukommen, sie enthalten vielmehr ein Moment der naiv-praktischen, bzw. bewußt-wissenschaftlichen Stellungnahme. An die Stelle des materialen Gegensatzes zwischen Psychischem und Physischem tritt ein funktionaler Gegensatz.
LITERATUR - in Benno Erdmann (Hg), Abhandlungen zur Philosophie und ihrer Geschichte, Heft 45, Halle/Saale 1914
    Anmerkungen
    1) Analyse der Empfindungen, Seite 255 (siehe auch Seite 17 und 253); Mechanik, Seite 459.
    2) Analyse der Empfindungen, Seite 1f
    3) Populärwissenschaftliche Vorlesungen, Seite 243.
    4) Vgl. zu der oben mitgeteilten Aufstellung der Elemente noch Populärwissenschaftliche Vorlesungen, Seite 239; Erkenntnis und Irrtum, Seite 8; Mechanik, Seite 459.
    5) Analyse der Empfindungen, Seite 17, Erkenntnis und Irrtum, Seite 22.
    6) Er findet sich also in einer Übereinstimmung mit der bekannten Theorie von JAMES und LANGE.
    7) Oder "Wahrnehmungsvorstellungen" und "abgeleitete" (Erinnerungs-, Einbildungs-, abstrakte) Vorstellungen (BENNO ERDMANN). Der psychologische Sprachgebrauch ist schwankend.
    8) Analyse der Empfindungen, Seite 4
    9) ebd. Seite 34
    10) Über die Frage, ob die Grundfarben als die einfachen "Bestandteile" der übrigen (als zusammengesetzt betrachteten) Farbe (Populärwissenschaftliche Vorlesungen, Seite 243, Erkenntnis und Irrtum, Seite 12, Anm.) aufzufassen sind, oder ob man sie mit +von KRIES als bloße ausgezeichnete Punkte einer Mannigfaltigkeit zu charakterisieren hat (Archiv für Anatomie und Physiologie, 1882, Ergänzungsband, Seite 46), deren eigentümliche Stellung im Farbensystem, wie G. E. MÜLLER es näher ausführt, dadurch gegeben ist, daß beim Durchlaufen der Farbenreihe bei den Grundfarben der Eindruck auftritt, als ob die "qualitative Empfindungsänderung ihre Richtung wechselt" (Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, 1896, Bd. 10, Seite 69), bestehen unter den Psychologen noch Meinungsverschiedenheiten. Doch dürfte die letztere Ansicht die zutreffendere sein.
    11) Analyse der Empfindungen, Seite 4
    12) Analyse der Empfindungen, Seite 34, vgl. auch Seite 24; Grundlehre von den Bewegungsempfindungen, Seite 113f; Erkenntnis und Irrtu, Seite 12, Anm. und 44.
    13) Populärwissenschaftliche Vorlesungen, Seite 243 (vgl. Erkenntnis und Interesse, Seite 12, Anm.)
    14) vgl. Anmerkung 26
    15) HUME, Treatise, a. a. O., Seite 396 (siehe auch Seite 311f) und Enquiry, Seite 13 (Edition Green and Grose)
    16) HUME, Enquiry, Seite 13
    17) HUME, Enquiry, Seite 14
    18) HUME, Enquiry, Seite 14 (siehe auch Treatise, Seite 396)
    19) ZIEHEN, Leitfaden der physiologischen Psychologie, achte Auflage, 1908, Seite 140.
    20) Über den speziellen Sinn des Wortes "Empfindung" bei MACH vgl. später, im zweiten Teil dieses Kapitels.
    21) Analyse der Empfindungen, Seite 163. Von mir gesperrt. Der Ausdruck "psychische" Elemente wird später Aufklärung finden.
    22) Analyse der Empfindungen, Seite 163.
    23) ebd. (vgl. auch Analyse der Empfindungen, Seite 164 und 209, wo von einem "Schattenhaften und Vergänglichen der Vorstellung gegenüber der Sinnesempfindung" gesprochen wird. Analyse der Empfindungen: "es lassen sich alle Übergänge von der Empfindung zur Vorstellung nachweisen" und Erkenntnis und Irrtum, Seite 22. - Zuweilen scheint es, als ob MACH den intensiven (oder qualitativen) Unterschied von Empfindung und Vorstellung ganz negieren und nur die Art der Verknüpfung für die Unterscheidung maßgebend sein lassen will, so besonders Analyse der Empfindungen, Seite 16f; Erkenntnis und Irrtum Seite 22. Doch sind diese Stellen nicht ganz klar.
    24) Analyse der Empfindungen, Seite 169f; Erkenntnis und Irrtum, Seite 11 und 22
    25) Analyse der Empfindungen, Seite 7
    26) Analyse der Empfindungen, Seite 284.
    27) Analyse der Empfindungen, Seite 150.
    28) ebd. Seite 151 oben; Erkenntnis und Irrtum, Seite 345.
    29) Analyse der Empfindungen, Seite 151; Erkenntnis und Irrtum Seite 345, 350, 390.
    30) Analyse der Empfindungen, Seite 200.
    31) ebd. Man denke an das bekannte Analogon bei KANT.
    32) Erkenntnis und Irrtum, Seite 390 (siehe auch Seite 345).
    33) vgl. Erkenntnis und Irrtum, Seite 447 (Abschnitt 17 Anfang).
    34) BERKELEY, Essay towards a new theory of vision, § 54, 62, 80; Principles § 132.
    35) HUME, Treatise, Seite 341 (Raum), 344 (Zeit).
    36) Erkenntnis und Irrtum, Seite 390
    37) ebd. Seite 447f
    38) ebd. Seite 390. Vgl. auch Mechanik, Seite 464: "Raum und Zeit sind wohlgeordnete Systeme von Empfindungsreihen".
    39) Erkenntnis und Irrtum, Seite 345. Das soll sich auch gegen KANT richten (ebd. Seite 350).
    40) Erkenntnis und Irrtum, Seite 432
    41) Analyse der Empfindungen, Seite 160
    42) ebd. Seite 4, Anm. HUME bezeichnet diesen Prozeß als "distinction of reason" [Bestimmung durch Vernunft - wp], d. h. eine Trennung von Eigenschaften, die in der Natur nicht trennbar sind, wie die Gestalt einer Kugel von ihrer Farbe (Treatise I, Seite 332 und 379). Der Ausdruck "Abstraktion" ist dafür schlecht gewählt.
    43) Erkenntnis und Irrtum, Seite 12, Anm.
    44) Erkenntnis und Irrtum, Seite 12, Anm.
    45) Analyse der Empfindungen, Seite 84
    46) ebd.
    47) ebd. Seite 3
    48) ebd. Seite 170. Vgl. auch Seite 160: "Wir sehen nicht optische Bilder in einem optischen Raum, sondern wir nehmen die uns umgebenden Körper mit ihren mannigfaltigen sinnlichen Eigenschaften wahr".
    49) Erkenntnis und Irrtum, Seite 460
    50) In einem anderen Zusammenhang erscheinen sie allerdings als metaphysisch hypostasiert [vergegenständlicht - wp]. Vgl. später. - Trotzdem aber wird man MACH als einen Vertreter der "atomistischen" Psychologie in dem Sinne bezeichnen müssen, in dem diese Richtung von WILLIAM JAMES bekämpft wird (vgl. JAMES, Principles of Psychology, 1891, besonders Kapitel IX "The stream of thought", Bd. I, Seite 224).
    51) Erkenntnis und Irrtum, Seite 8f und 18 (vgl. auch Leitgedanken, a. a. O., Seite 14)
    52) vgl. Analyse der Empfindungen, Seite 16.
    53) siehe Anmerkung 25
    54) Solche Vorgänge würden sich nach unserer Definition außerhalb der Sinnesoberfläche oder der U-Grenze abspielen. Ebenso würde auch ein von einer Anästhesie [Betäubung - wp] befallener Körperteil außerhalb U liegen.
    55) siehe Anmerkung 25
    56) Auch die Unterscheidung in der "Allgemeinen Bemerkung", Geschichte und Wurzel des Satzes von der Erhaltung der Arbeit, 1872 (Neudruck 1909), Seite 57, deckt sich nicht mit der oben getroffenen.
    57) Analyse der Empfindungen, Seite 29
    58) Analyse der Empfindungen, Seite 169 (vgl. auch Erkenntnis und Irrtum, Seite 11 und 22).
    59) Erkenntnis und Irrtum, Seite 18
    60) ebd.
    61) ebd. Seite 8
    62) ebd.
    63) Leitgedanken, a. a. O., Seite 14
    64) Analyse der Empfindungen, Seite 13, 14, 34 und öfter.
    65) Leitgedanken, Seite 15. Auch "physikalisches" oder "physisches Element", Analyse der Empfindungen Seite 36 und 51; Erkenntnis und Irrtum, Seite 10.
    66) Analyse der Empfindungen, Seite 14. Auch "psychisches Elemente", Analyse der Empfindungen Seite 36, 51; Erkenntnis und Irrtum, Seite 10.
    67) Analyse der Empfindungen, Seite 13, 14, 36, 255; Erkenntnis und Irrtum Seite 90, 21; Sinnliche Elemente und naturwissenschaftliche Begriffe, PFLÜGERs Archiv für die gesamte Physiologie, Bd. 136, 1910, Seite 263f.
    68) Analyse der Empfindungen, Seite 14
    69) Erkenntnis und Irrtum, Seite 8f
    70) Analyse der Empfindungen, Seite 12f. Man kann den Sachverhalt wohl nicht klarer und schöner zum Ausdruck bringen, als es in diesen Worten MACHs geschehen ist. Vgl. auch Analyse der Empfindungen, Seite 35f, 48, 51, 193, 253, 255, 301, 305; Erkenntnis und Irrtum, Seite 21, 54f.
    71) Analyse der Empfindungen, Seite 36.
    72) Analyse der Empfindungen, Seite 36
    73) Analyse der Empfindungen, Seite 13 (vgl. auch Analyse der Empfindungen, Seite 58, 253, 277.
    74) Analyse der Empfindungen, Seite 14
    75) Analyse der Empfindungen, Seite 298
    76) Daß eine alte und fest eingewurzelte Denkgewohnheit gerade an dieser Stelle vielfach Schwierigkeiten in der phänomenologischen Betrachtungsweise erblicken läßt, die tatsächlich nicht vorhanden sind, habe ich oft im Gespräch erfahren.
    77) Daß sich auch mit dieser Betrachtungsweise die Annahme eines psychophysischen Parallelismus vereinigen läßt, könnte als eine paradoxe Behauptung erscheinen. Tatsächlich aber ist MACH ein Vertreter dieser Ansicht, die er als eine wertvolle Arbeitshypothese hochschätzt. Wie und in welchem Sinn das möglich ist, geht aus folgenden Worten (Analyse der Empfindungen, Seite 51) hervor, die als völlig klar one weitere Erläuterung hier Platz finden sollen: "Wenn ich ein grünes Blatt sehe, was durch gewisse Gehirnprozesse bedingt ist, so ist jenes Blatt in seiner Form und Farbe allerdings verschieden von den Formen, Farben usw., die ich am untersuchten Gehirn finde, wenn auch alle Formen, Farben usw., ansich gleichartig, ansich weder psychisch noch physisch sind. Das gesehene Blatt, als abhängig gedacht vom Gehirnprozeß, ist etwas Psychisches, während dieser Gehirnprozeß selbst im Zusammenhang seiner Elemente etwas Physisches darstellt. Und für die Abhängigkeit der ersteren unmittelbar gegebenen Elementengruppe von der durch eine (vielleicht komplizierte) physikalische Untersuchung sich erst ergebenden zweiten Gruppe besteht das Parallelismusprinzip."