Wahnsinn
Hermann Broch - Theorie des Massenwahns   
p-2siehe auch Identität, Zweifel, Egoismus, Persönlichkeit, Geist, Verstand, Irrationalität, Glaube, Schein, Realität

001 Wer nicht versteht, wird früher oder später verrückt.

002 "Niemals merkt man ihm an, daß er irgendwelche Erlebnisse gehabt hat, bei denen er Gefahr lief, den Verstand zu verlieren; alle tieferen Aspekte des moralischen Lebens sind ihm offenbar unbekannt."

003 Der Grund, weswegen wir das Falsche und Unwahre verurteilen liegt in der unerträglichen Vieldeutigkeit und Verwirrungen, die durch falsche Aussagen entstehen. Alle Übel der Lüge entspringen den Verwechslungen, die auch Folge von Mehrdeutigkeiten sind.

004 "... eine tiefsinnige Wahnvorstellung jener unerschütterliche Glaube, daß das Denken, an dem Leitfaden der Causalität, bis in die tiefsten Abgründe des Seins reiche."

005 "Jede Verfälschung der Wirklichkeit greift die Grundlagen unserer geistigen Existenz an."

006 Was man als psychopathologisch ansieht, hängt davon ab, was man für die Wirklichkeit hält.

007 Das Identitätsgefühl im Menschen ist auf seine Werte gerichtet.

008 Die feurige Eule des Wahns ist besonders gefährlich.

009 Nullum magnum ingenium sine mix tura dementiae fuit. (Es hat kein Genie ohne eine Beimischung von Wahnsinn gegeben)

010 Jeder, welcher in den vergänglichen Dingen die ewigen Ideen erkennt als wahnsinnig erscheint.

011 "Nicht das von Gesetzen geordnete, sondern im Gegenteil das anarchische Element des Eintauchens in die Freiheit von aller Bindung und in die Promiskuität alles Seienden stellt sich in jenem Leben dar, das in dem 'Abgrund' brodelt, in den der Mystiker zu tauchen berufen und verdammt ist."

012 "Die Idee von der Vertretbarkeit der Volksinteressen, an der die große Mehrzahl der Demokraten immer noch mit Zähigkeit und aufrichtigem Glauben festhält ist eine durch einen falschen Lichteffekt, einen 'effet de mirage', hervorgerufene Wahnidee."

013 "Der Glaube ist Stillstehen des Denkens, Ruhen der Gedanken in Gott. Wie der Mensch aber einmal beschaffen ist, kommt er nicht früher zum Glauben, als bis ihn sein Leben ihn tatsächlich zu dem Punkt hingeführt hat, wo einem 'der Verstand stillsteht'."

014 "Das Wagnis des Glaubens an das unbedingte Anliegen ist das größte Wagnis, das ein Mensch eingehen kann. Denn wenn sich dieses Unbedingte als bedingt erweist und der Glaube daran als trügerisch, so kann der Lebenssinn daran zerbrechen."

015 "Die Unruhe des Geistes wurzelt in der Einsamkeit des Ichs. Darin besteht die eigentliche 'Geistesbedürftigkeit' des Menschen - die ihn zum 'Gottsucher' und ihm nur in der religiösen Einstellung seines Lebens bewußt werden kann."

016 Ein Organismus, der auf die Befriedigung materieller Bedürfnisse reduziert ist, fällt bald seelenlos auseinander.

017 "Der Mensch muß gleichsam in seine latente Wahnsinnigkeit hineindringen selbst auf die Gefahr des Ausbruchs hin - und durch sie hindurch, um hinter sie zu gelangen: bis zu jenem Punkt, wo er ihrer wirklich Herr wird. Und da tritt er ein in ein Verhältnis zu Gott als einer geistigen Realität. Es gibt keine andere Rettung aus dem Verflochtensein ins Irreale, das jeden in Bann hält, als das innere Durchdringen bis zu diesem Punkt. Das aber vergesse man nicht: der Mensch steckt immer mitten drinnen in seinem geheimen Wahnsinn, solange sein Gottesverhältnis geistig auf 'Eigensinn' seiner Idee, seiner Vorstellung vom Göttlichen beruth. Vor Gott ist nicht nur kein Mensch ein Genie, vor ihm kann auch keiner 'neurotisch' oder wahnsinnig sein. Das wird man immer nur dann, wenn man geistig nicht vor Gott lebt, sondern vor dem Menschen."

018 Die Wahnsinnigen sind vom Teufel besessen.

019 Der Glaube, daß die eigene Sicht der Wirklichkeit die Wirklichkeit schlechthin bedeutet, ist eine gefährliche Wahnidee.

020 "Derselbe Mensch kann als Unternehmer die Umwelt vergiften und sich nach Feierabend im Naturschutzverein über den Rückgang der Artenvielfalt ereifern. Diese eingeschliffene Rollenschizophrenie macht die Widersprüchlichkeit unseres gesellschaftlichen Handelns erträglich."

021 "Ihr Erscheinen ist einem plötzlich hervortretenden Lichtstrahl ähnlich, selbst wenn sie das Resultat eines langen, vorbereitenden Prozesses des Denkens, des Experimentierens oder der Betrachtung sind. Die Empfindung des betroffenen Individuums gleicht dem Gefühl, herausgehoben zu sein über das alltägliche Dahinfließen des seelischen und geistigen Stromes. Für die Dauer dieses einen erleuchteten Augenblicks kommt es mit einem anderen Reich in Berührung. Eine derartige Erfahrung stellt einen tiefen Aufruhr des gesamten Seins dar. Oft liegt überhaupt keine bewußte, unmittelbar auf die tatsächliche Offenbarung bezogene Vorbereitung vor. Diese Idee, die Intuition oder, besser noch, diese Inspiration - dieser Ausdruck ist etymologisch am überzeugendsten - kann in einem Augenblick oder von einer Seite kommen, die man überhaupt nicht in Rechnung gestellt hatte. Sie kann alle vorhergehende Vorbereitungen und Tendenzen ignorieren, und so kann es geschehen, daß der philosophische oder wissenschaftliche Beweis im Nachhinein durchgeführt werden muß. Die Psychologie großer Erfindungen und Entdeckungen, künstlerischer oder philosophischer Entwürfe und religiöser Offenbarungen verfügt über umfangreiches Beweismaterial für diesen Einbruch des Geistes. Eine so gewaltige Erfahrung erweckt im Menschen das Gefühl, weniger ein spontaner Schöpfer, als vielmehr das auserwählte Instrument einer höheren Macht oder vielleicht nur der Schauplatz eines folgenschweren Ereignisses zu sein."

022 "Die Behandlungsmethode besteht darin, den Kontakt mit der aktuellen Krise immer weiter voranzutreiben, bis man den Sprung ins Unbekannte riskiert und sich mit der sich zeigenden schöpferischen Integration der Spaltung identifiziert."

023 Im Zen muß die Befreiung (Satori) 'plötzlich' über den Menschen kommen. Nicht stufenweise Übungen führen dazu, sondern harte Reden und rohes, schockierendes Benehmen des Zen-Meisters, die die Ich-Verkrustung des Menschen allein aufreissen können.

024 Der Wahnsinn ist der Abgrund der Fraglichkeit.

025 "Er war nun nicht besessen in der Weise, wie man gewöhnlich die Besessenheit zu nennen pflegt, in unfreiwilliger Verstrickung mit der feindlichen Macht, daher im Leibe blos gebunden; sondern die Seele hatte in voller Besonnenheit sich hingegeben, und von ihr aus wurde erst der Leib mit ihrem vollen Wissen und Willen eingenommen. So war er selber es gewesen, der das Malefiz geübt, während sein Verdacht auf anderen fortwährend haftete; wie er auch, indem er die Dämonen zu besitzen glaubte, von ihnen besessen wurde. Eben weil eine Umkehr seines ganzen Wesens erfolgte, war keine Ahnung seines Zustandes ihm geblieben an dem er durch Vergleichung sich zurecht zu finden vermocht. Der Grund seines Zustandes erschien ihm gut und recht, denn er glaubte sich vollkommen orientiert zu finden; seines Heiles war er in ihm gewiß."

026 Uneins mit sich selbst sein (ein schlechtes Gewissen haben)

027 Leid läutert die Sinne des Menschen von ihrer Abhängigkeit von den äußeren Dingen. Leid reinigt den Geist bis in seinen Wesenskern und befreit ihn von der Herrschaft des eigensüchtigen Ich. Beide Reinigungsfeuer schildert Johannes vom Kreuz als Nacht der Sinne und als Nacht des Geistes. Die Grenzen von Natur und Geist werden in diesen Läuterungen überschritten. Verluste an irdischen Gütern, Enttäuschungen durch Freunde und geliebte Menschen, Mißerfolge, Anfeindung und Verleumdung, Verlust des Ansehens und guten Namens, körperliche Krankheiten und seelische Verwirrung, durch Skrupel, Zweifel und Verzweiflung, Selbsterkenntnis bis auf den Grund: all dies vernichtet die Anhänglichkeit des Menschen an die Welt und an sich selbst. "Auf diese Weise zermürbt und vernichtet Gott die geistigen Substanz der Seele und hüllt sie in eine so tiefe und schwarze Finsternis ein, daß sie sich der Vernichtung und Auflösung durch einen schrecklichen Geistestod preisgegeben glaubt."

028 Es gibt kein Ich anders als in der Vorstellung.

029 "Weil unsere Individualität für uns der Typus aller Einheit überhaupt ist, so haben wir etwas wie eine geheime Neigung, an die Einheit unseres Geistes zu glauben."

030 Was vorher nur Widerspruch war, kann sich zur Konfusion steigern.

031 Wie wir im Leben vom Tod umgeben sind, so auch in der der Gesundheit des Verstandes vom Wahnsinn.

032 "Erkenntnis ohne Gnade, die lieblose und auf das Wort verzichtende Erkenntnis, ist geistige Verlorenheit. Sie weist den Weg zum Wahnsinn, vielleicht auch zum Verbrechen, gewiß zur Verwirrung."

033 "Wer das Leben des Geistes lebt, der wird zum Heimatlosen in dieser Welt nach dem Vorbilde seines Herrn: denn die Füchse haben ihre Gruben, die Vögel unter dem Himmel ihre Nester, der Menschensohn aber hat nicht, wo er sein Haupt hinlegen könnte."

034 Wenn die hervorgebrachte Wirkung keine Beziehung mehr zu ihrer Ursache hat, dann entsteht Auflösung.

035 Übersteigerte Phantasie ist eine Vorstufe zum Wahnsinn, desgleichen die Zerstörungswut.

040 Hypnose ist künstliche Verrücktheit.

036 Kaum ein Zustand kommt dem des Wahnsinnigen näher, als der des Betrunkenen.

037 "... der Vogel der Finsternis war durch seinen geöffneten Mund in die Tiefen des Herzens hinabgefahren."

038 Das Ich ist eine denkökonomische Einheit und hat nur praktische Bedeutung.

039 von Sinnen sein, fixe Ideen haben.

041 Cäsarenwahn oder Machtwahn (Paranoia als Krankheit der Macht)

042 die Unbezogenheit des Wahnsinnigen.

043 Die Ekstase als Außersichsein.

044 Es gibt nicht 'einen' menschlichen Charakterzug, der nicht den Keim des Wahnsinns in sich trüge.

045 Der Wille ist das Wort für den Menschen im Menschen.

046 Geisteskrankheiten sind überwiegend Gemütskrankheiten.

047 "Gott ist Menschenwerk und Wahnsinn".

048 Ein Mensch, der er selbst ist, sieht wie ein Wahnsinniger aus und benimmt sich wie ein solcher für diejenigen, die in der Welt der Illusionen leben.

049 "Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode."

050 Ein Grundzug geistiger Störung ist die zunehmende Entfernung des Kranken von der Wirklichkeit.

051 Durch Streitfragen entsteht Verwirrung.

052 "Aus Wahnsinn wird Vernunft, vorausgesetzt der Wahnsinn ist genügend reich und regelmäßig, um als Grundlage einer neuen Weltauffassung dienen zu können."

053 In einer Gesellschaft, in der die Entfremdung in ihren hauptsächlichen Strukturen verschwunden wäre, bestünde kein Bedürfnis nach Verrücktheit, diesem verzweifelten Versuch der Ent-Entfremdung.

054 In der Provinz gilt ein Original schon als halbverrückt.

055 Bedeutungs- oder Beziehungswahn

056 Soldaten, die infolge von Kampfhandlungen wahnsinnig geworden sind.

057 Die Aufgabe der Erziehung ist es, die Einheit unseres Bewußtseins immer wieder herzustellen, indem sie das Gute und die Pflicht in Einklang bringt.

058 Angst und Verzweiflung sind Formen der Zerissenheit.

059 Der Geist gewinnt seine Wahrheit nur, indem er in der absoluten Zerrissenheit zu sich selbst findet.

060 Schizophrenie als versagen der menschlichen Anpassung.

061 Der Abgrund des schlechthin Unbegreiflichen rückt in die Nähe des Wahnsinns.

062 Erotische Liebe ist eine Art der Erlösung vom Ich.

063 die auflösende Kraft des Geistes

064 Was in der Ekstase erlebt wird ist die Einheit des Ich.

065 Das Selbst bekommt Form und Festigkeit durch die Aneignung von Dingen.

066 Die Hölle ist eine geistige Verfassung.

067 Der Gläubige lebt, wie der Wahnsinnige, inmitten von Wesen und Dingen, die nur eine Verbalexistenz haben.

068 die Wahnsinnsperiode der Initiation bei den primitiven Völkern.

069 Der Wahn ist die Täuschung, die bloße Vorstellung einer Sache mit der Sache selbst für gleichbedeutend zu halten.

070 Im Falle der Nicht-Identifikation droht Privation, was soviel heißt wie soziale Isolation, bzw. Kommunikationsverlust.

071 Die Schule isoliert die Gesellschaft von ihren Problemen, genauso, wie es Gefängnisse und Irrenhäuser tun.

072 Nonkonformismus und Geisteskrankheit sind in unserer Gesellschaft zu Synonymen geworden.

073 Es gibt kein ein für allemal fertiges Selbst hinter den Tätigkeiten.

074 Für den östlichen Menschen gibt es so etwas wie Geisteskrankheit nicht.

075 Wir empfinden das Geordnete als gut und das Verwirrte und Chaotische als schlecht.

076 Jeder, der tut, was niemand tut und nicht tut, was jeder tut, steht in der Gefahr, für verrückt erklärt zu werden.

077 "Was Geisteskrankheit genannt wird, entpuppt sich als Name für das Produkt einer bestimmten Beziehung zwischen Unterdrücker und Unterdrückten."

078 "Die Liebe ist eine Geisteskrankheit, sie tritt ein durch das Auge und sie tritt aus durch das Geschlechtsglied; ihre Heilung besteht im Beischlaf."

079 Jesus galten die Geisteskranken als von Dämonen besessen. Dämonen und Engel haben in der Welt die Macht.

080 Von allen guten Dingen verlassen.

081 Verrücktheit ist eine soziale Vorstellung.

082 Die Aufgabe der Regierungen besteht darin, die Zersetzung der Ideen, der Gefühle und Interessen zu verhindern.

083 Je absoluter, desto beziehungsloser.

084 Habgier, Ehrgeiz und Wollust sind Arten des Wahnsinns.

085 Auf den Verlust des Lustprinzips folgt der Verlust des Realitätsprinzip.

086 Das schizophrene Symptom ist immer nur der Weg zur Person des Schizophrenen.

087 Mit dem Wort "Ich" rede ich zu mir selber.

088 "... der Wandel in seinem Leben, ... die Erfahrung des inneren Lichts, die ungewöhnlich stark und ausgeprägt auftrat, machen es zu Gewißheit, daß Pascal das kosmische Bewußtsein besaß. Es ist natürlich auch von ihm wie von Paulus und anderen gesagt worden, daß er wahnsinnig sei."

089 In die Verwirrung nistet die Macht.

090 "Verbleibe ich mit besten Grüßen Ihr hirnorganischer Prozess."

091 Das Glücksgefühl als ein scheinbar instinktiver Selbstschutz gegen Verwirrung.

092 Herrrschaft ist Entzweiung. Divide et impera (Teile und herrsche).

093 Die Momente der Beziehung zum Ganzen nähern sich immer mehr der Identität.

094 Die Gefängnisbauten trennt von den Irrenhäusern nur der Name.

095 Alles Nicht-Ich ist Objekt.

096 Arbeitsteilung ist identitätsschädlich (Entfremdung)

097 Ohne Orientierungsmöglichkeiten in Zeit und Raum und ohne die versichernde Bestätigung eines aktiven Außenweltbezugs entstrukturiert sich die Innenwelt.

098 Die gesamte tägliche Konservation sichert subjektive Wirklichkeit.

099 Die Existenz des Klassengegners stellt die Interessenidentität her.

100 Identität ist innere Stabilität.

101 Zweideutigkeiten sind immer verwirrend.

102 Der Wahnsinnige hat kein Sein, sondern ist nur noch ein Werden.

103 Mit dem Wissen kommt die Spaltung, die Unterscheidung von gut und böse.

104 "Die Paranoia ist der Schatten der Erkenntnis."

105 Spaltung des Bewußtseins in Subjekt und Objekt.

106 Begriffe wie Identität und Nichtidentität bilden die Basis unseres Denkens.

107 Die dreifache Verwirrung in Denken, Fühlen und Wollen.

108 Diejenigen, die die Macht weder regieren noch beseitigen kann, erklärt sie für verrückt.

109 Je größer die geistige Verwirrung, desto leichter fällt die Integrierung.

110 Die geistige Auffassung modifiziert die Wahrnehmung.

111 Die Unschuld wird nie wahnsinnig, nur die Schuld wird es.

112 der unreine Geist ist von der alten Schlange. Alle Zaubereien der Welt heißen Schlangenkünste.

113 Gegen 1900 wurde die Krankheitseinheit 'Schizophrenie' erfunden, bis dahin begnügte man sich mit Manie und Depression.

114 In der Hypnose zeigt sich die Spaltbarkeit der Identität.

115 "... der Wahn der öffentlichen Meinung."

116 Man ist auf die Begrünung von Normen angewiesen, wenn man bestimmen will, was Wahn ist und was nicht.

117 "Ich kann nicht arbeiten, nicht gehen, nicht stehen, nicht reden, sondern all dies scheint mir ein unnützes und der Welt überflüssiges Ding. Viele wundern sich darüber, und da sie die Ursache nicht verstehen, nehmen sie Anstoß. Und wahrlich, wenn nicht dies wäre, daß Gott mir beisteht, würde ich manches Mal von der Welt für toll gehalten werden; und dies ist, weil ich fast immer außer mir lebe."

118 Ungeduld ist eine der Höllenplagen.

119 "Verkaufe deine Gescheitheit und kaufe dafür Verwirrung; Gescheitheit ist bloß Meinung, Verwirrung dagegen unmittelbare Erkenntnis."

120 Der im Leben vorweggenommene Tod ist das Symbol des Wahnsinns.

121 Anomalität ist eine Unverhältnismäßigkeit.

122 Es gehört zur Natur des Geistes, Zweiheit und Zerissenheit hervorzubringen und sich mit dem Widerspruch herumzuschlagen.

123 Der Wahnsinnige ist nur auf das Gegenwärtige beschränkt.

124 Das zentrale Problem unserer Zeit ist es, seine Identität in einer Welt zu bewahren, in der es immer schwieriger wird, seine Individualität zu behalten.

125 Neurose als Weltverlust.

128 Verrücktheit ist eine Stufe der Entwicklung der Seele, die sich zum Geist erhebt.

126 Dauer ist das Kennzeichen des Ichs.

127 Der Wahn als heilige Krankheit der göttlichen oder teuflischen Besessenheit.

129 Der Wahn ist das Begriffssystem der Störung des sozialen Bezugsrahmens.

130 Affektionen sind verworrene Ideen.

131 verworren - ohne irgendeine Unterscheidung.

132 norma (lat. das Maß)

133 Das Ich ist raumzeitlich gebunden.

134 Die schlichte oder unmittelbare Erfahrung von Dingen in Zweifel zu ziehen ist entweder sinnlos, oder pathologisch.

135 Ein Zweifel an dem, was wir wahrnehmen ist ein Zweifel an der Wahrnehmung überhaupt.

136 Die Annahme einer grundlegenden Inkommensurabilität hat eine Zersplitterung der Realität zur Folge.

137 Wahnsinn ergibt sich, wenn das Handeln eines Menschen in entscheidendem Widerspruch steht zu seinem Denken.

138 Die Abstrakta sind wie ein süßes Gift, das Geistesverwirrung nach sich zieht.

139 Das Ichgefühl ist eine Täuschung, die Einheit des Individuums ist eine Täuschung.

140 Es ist ein schwärmerischer Wahn, Ideen für Wahrnehmungen zu halten.

141 der Wahnsinn der Allgemeinbegriffe.

142 Der Irrtum des Gleichen, des Beharrenden.

143 Der Weg von der Unmittelbarkeit bis zur vollendeten Entäußerung.

144 Persönlichkeitsstörungen sind ausschließlich pathische Zeichenprozesse.

145 Die verschiedenen Formen der Geisteskrankheit haben ihre Wurzel im Ego.

146 der ewig magisierte Bewußtseinszustand, übermagisiert bis in den letzten Alltagswinkel.

147 Die Logik beruth auf Voraussetzungen, denen nichts in der wirklichen Welt entspricht.

148 "Der gespaltene Mensch betritt die Bühne als Herr Völlig-Normal."

149 Das Phänomen der Persönlichkeitsspaltung stützt die Unmittelbarkeit der Idee dämonischer Einflüsse.

150 Der Wahnsinn, der sich aus der Absonderung ergibt.

151 Identifikation von Normalität und Allgemeinheit.

152 Mystiker sind nicht geisteskrank, da sie ihre transpersonalen Erfahrungen mit ihrem Alltagsbewußtsein zu integrieren wissen.

153 Schizophrenie ist eine spezielle Strategie, die einzelne Menschen erfinden, um in nicht lebenswerten Situationen zu überleben.

154 Geisteskrankheit ist eine gesunde Antwort auf eine kranke Welt.

155 "Es gibt keine schizophrene Person, sondern nur ein schizophrenes System."

156 "In meinem Geiste hatte sich alles losgerissen. Gefühlsgewohnheiten, Vorstellungen von Personen und Dingen, alles hatte sich aufgelöst und den Zusammenhang verloren und wogte zusammen zu einem anscheinend unentwirrbaren Chaos. Da war kein Sammelpunkt mehr, nichts war festgeblieben."

157 Die kartesianische Weltanschauung gilt als einzig gültige Beschreibung der Wirklichkeit. Alles andere gilt bei konventionellen Psychiatern als psychotisch.

158 Geisteskrankheit läßt sich nur durch ein Studium des gesellschaftlichen Systems verstehen.

159 "Im Kartesianischen Modus nehmen wir die Alltagswirklichkeit in Form von getrennten Objekten mehr, im dreidimensionalen Raum und in linearer Zeit. In der transpersonalen Form werden die gewöhnlichen Grenzen der Sinneswahrnehmung und des logischen Denkens transzendiert, und unsere Wahrnehmung verlagert sich von festen Objekten zu fließenden Energiemustern."

160 "Die Wirklichkeit in ausschließlich transpersonaler Form zu erleben ist mit unserem normalen Funktionieren in der Welt des Alltags unvereinbar und wer den Konflikt und Zusammenprall der beiden Formen erlebt, ohne imstande zu sein, sie zu integrieren, ist psychotisch."

161 "Da wird es also heißen: siehe alles ist bereit, siehe die Grausamkeit der Abstraktion macht die Endlichkeit in ihrer Täuschung als solcher offenbar, siehe der Unendlichkeit Abgrund Öffnet sich, der Nivellierung scharfe Sense läßt alle, jeden besonders, über die Klinge springen - siehe, Gott wartet! So spring zu in Gottes Arme."

162 Die geistigen Dunkelheiten der subjektlosen Zustände.

163 Alles Wissen ist nur ein eitler Wahn.

164 Exzessive Tugend kann sich zum Wahngebilde entwickeln.

165 willensunfähige Personen wie Kinder und Wahnsinnige

166 Der Verlust an Beiläufigkeit ist das Signal für einen Buch in den Routinen und eine potentielle Gefahr für die Gewißheit der Wirklichkeit.

167 Wirklichkeitsabsicherung ist ein sozialer Prozess.

168 Der Traum von den unbegrenzten Möglichkeiten ist ein Wahn.

169 "Wahnsinn, daß jedem Menschen Gewissensfreiheit gebühre."

170 Abweichungen von "offiziellen" Wirklichkeitsbestimmungen

171 Identität ist ein entscheidendes Element der Wirklichkeit, das der ständigen Absicherung bedarf.

172 "So wie die Sprache typisiert, so entpersönlicht sie auch."

173 Der Wahn des Rationalismus

174 "Statt Irrenhäuser benötigen wir Initiationsrituale, in denen die Person auf ihrer Reise durch den inneren Raum von Leuten geführt wird, die bereits dort gewesen und von dort zurückgekehrt sind."

175 Eine vollständige Identität gibt es bei niemandem.

176 Psychologische Statusfragen können nicht ohne Kenntnis der Wirklichkeitsbestimmungen entschieden werden, die in der gesellschaftlichen Situation des Individuums als Gewißheit gelten.

177 Für den Schizophrenen ist jeder Tag eine abgesonderte Insel ohne Vergangenheit und Zukunft.

178 Das Böse ist nur ein Wahnbegriff.

179 Das Ich leistet die Identität des Verstandes.

180 Psychiatrie = psyche (Geist); iatreia (heilen)

181 Das Ich ist eine bloß logische Einheit.

182 "Nicht der Zweifel, die Gewißheit ist das, was wahnsinnig macht."

183 Es ist eine Täuschung zu glauben, es gäbe ein dauerhaftes, sich selbst gleichbleibendes Ich. Seele und Bewußtsein vergehen und entstehen in jedem Augenblick neu. Es gibt kein beharrendes Ich in uns.

184 Geisteskrankheiten sind Krankheiten des transzendentalen Bewußtsein.

185 Die Flucht aus dem Zwiespalt der Seele in den Wahnsinn.

186 Ein Wahn besitzt keine Machtmittel, um sich Geltung zu verschaffen.

187 pathologische Selbsttäuschungen.

188 Genialität und Wahnsinn haben eine Seite, wo sie aneinander grenzen ja ineinander übergehen.

189 ''Quem deus vult perdere, primum dementat." (Wen Gott verderben will, dem nimmt er erst einmal den Verstand.)

190 der verdinglichte, gesunde Menschenverstand.

191 "... wer gebären muß, der ist krank."

192 Es besteht die Neigung, Menschen als krank zu bezeichnen, die in Wirklichkeit Nonkonformisten sind.

193 Schizophrene leiden an der Wahrheit.

194 Die Erfahrung der Zerissenheit ist unerträglich und drängt zu einer Einheit.

195 "Beim Buchdruck handelt es sich um einen Wahn; um eine verwandelnde und verzaubernde Droge, welche die Kraft besitzt; ihre Postulate und Annahmen allen Bewußtseinsebenen aufzuzwingen."

196 Die religiöse Mystik ist nur die eine Hälfte der Mystik. Die andere Hälfte hat keine gesammelten Traditionen, außer denen, welche die Textbücher des Wahnsinns zusammenstellen.

197 Der Abendländer verneint die Existenz von Bewußtseinsvorgängen, für die er keine Bezeichnung hat. Etwas, das jenseits der allgemeinen Vorstellung von Zeit, Raum und Persönlichkeit, kann für ihn kein Gegenstand der Erfahrung sein. Er verwechselt die ichlose Erfahrung mit Schizophrenie.

198 Die Erinnerung begründet die Einheit der Persönlichkeit.

199 Die Entzweiung unseres Bewußtseins weckt das Bedürfnis, welches von Wissenschaft, Philosophie und Religion befriedigt werden soll.

200 Wie sollen wir das Nichtidentische begreifen wenn nicht 'als' etwas.

201 Wo die Einheit des Bewußtseins fehlt, da fehlt auch der Tatbestand des Bewußtseins selber.

202 Es gibt keine unmittelbare Gesundheit im Geist eines Menschen.

203 "... so z.B. daß ich jetzt hier bin, daß ich, mit meinem Winterrock angetan, am Kamin sitze, daß ich dieses Papier mit den Händen betaste und ähnliches; vollends daß die Hände selbst, daß überhaupt mein ganzer Körper da ist, wie könnte man mir das abstreiten? Man müßte mich denn mit ich weiß nicht welchem Wahnsinnigen vergleichen."

204 "... die 'Unberechenbarkeit' im Sinn der fehlenden Deutbarkeit ist, mit anderen Worten, das Prinzip des 'Verrückten'."

205 "Zu sehr wohnt der mystischen Erfahrung, ihrer Natur nach, die Gefahr der Abirrung ins Unkontrollierte und Unkontrollierbare inne."

206 "Great wits to madness sure are near allied, and thin partitions do their bounds divide." (Dem Wahnsinnigen ist der große Geist verwandt, und beide trennt nur eine dünne Wand.)

207 Der esoterische Reinigungsakt wird als geistige und seelische Krise erfahren.

208 Der Wahnsinn ist die Entgleisung des Mystikers.

209 Die Spaltung der Persönlichkeit ist für Perls ein Teil der Menschennatur, ihr Zusammenbruch Zeichen eines Gleichgewichts.

210 "Ich bin" ist die Definition der menschlichen Identität, nicht "Ich bin Ich".

211 Es geht ein tiefer Riss durch die abendländische Kultur. Der moderne Mensch steckt in einer Identitätskrise.

212 Die Auflösung der Einheit des Ich ist eine der tiefgreifendsten Erfahrungen eines Menschen.

213 "Der Mensch krankt geistig an nichts anderem als der Dulosigkeit des Ichs."

214 Glaube besitzt heilende Kraft.

215 Der Wahn ist eine Krankheit des Denkens.

216 "Es gibt einen alten Wahn, der heißt Gut und Böse."

217 Wahn und Schein ist es, die Wahrheit erfassen zu wollen.

218 "Und vieles Schwere legte sich ihm über den Sinn..."

219 "Fast überall ist es der Wahnsinn, welcher dem neuen Gedanken den Weg bahnt."

220 Das Ich ist seiner Natur nach eine unlösbare Einheit, die entstehen oder verlöschen, aber nicht dem Prozess des Teilens oder Zusammenfügens ausgesetzt werden kann.

221 "Der Vorgang des Satori im Zen muß als 'ein Durchbruch eines in der Ichform beschränkten Bewußtseins in die Form des nichtichhaften Selbst begriffen werden."

222 "Das Sprechen, ja das Denken wird mir verhaßt: höre ich denn nicht hinter jedem Worte den Irrthum, die Einbildung, den Wahngeist lachen?"

223 Das Wähnen ist ein Trug der Sinne.

224 der subjektivistische Wahnsinn

225 Der Psychotiker versteht das Symbolische als Reales, er kann nicht zwischen symbolischer und realer Bedeutung unterscheiden.

226 Die Tiefe des Ich objektiviert sich nicht.

227 "Im Sein gibt es aber einen dunklen Grund. Das Denken ist mit diesem dunklen Grunde nicht identisch."

228 Alles Rationale ist etwas Allgemeines.

230 "Mystiker und Schizophrene befinden sich im selben Ozean; doch die Mystiker schwimmen, während die Schizophrenen ertrinken."

231 "Eins der großen Probleme alles personhaften Lebens ist das Auseinanderstreben der Bewußtseinsinhalte. Wenn ein einendes Zentrum fehlt, so kann die unendliche Vielfalt der begegnenden Welt und der inneren geistigen Vorgänge zur Zersplitterung oder gar völligen Auflösung der Persönlichkeit führen. Gegen diese ständige Drohung kann nichts anderes schützen als die zentrierende Kraft unbedingten Ergriffenseins."

zuschriften
Hinweis: Bei den nicht näher gekennzeichneten Textstellen handelt es sich um Passagen, die in verschiedenen Quellen mehr oder weniger sinngleich auftauchen, so daß nicht klar ist, wer von wem abgeschrieben hat.