System
p-2siehe auch Struktur, Relation, Regierung, Einheit, Institution, Macht, Herrschaft


001 Wer Systeme macht, muß die zahllosen Lücken durch eigene Erfindung ausfüllen und mehr oder weniger irrational phantasieren.

002 Das System muß durch das Nicht-System korrigiert werden.

003 Das politische System funktioniert auf der Basis des Machtausgleich zwischen verschiedenen Gruppen.

004 "Suchen kann man nur in einem System: Also gibt es unbedingt etwas, was man nicht suchen kann."

005 "Keiner denkt mehr frei, der ein System hat."

006 Den Ideologien wohnt eine Tendenz zur begrifflichen Isolierung inne, die alle Wirklichkeit ins System integrieren möchte, so daß außerhalb des Systems keine ihm gefährliche Realität existiert.

007 die systematische Abgeschlossenheit dogmatischen Wissens

008 Die Setzung des Prinzips entscheidet das System von Anfang bis Ende.

009 Eine Struktur ist ein System von Beziehungen.

010 "System ist ansich schon ein Hindernis der Wahrheit, wie Gewohnheit der Natur widerspricht."

011 Das Wesen aller Herrschaft besteht darin, daß wir das endlos Mannigfaltige unter wenige abstrakte Begriffe zusammenfassen um daraus ein System zu ordnen, um die Dinge in der Gewalt unserer Erkenntnis zu haben, so daß das Geschehen der Gegenwart erklärt und das Zukünftige bestimmt werden kann.

012 Verachtenswert ist die Bejahung eines autoritären Systems, weil sie eine elende Vernachlässigung der Urteils- und Entschlußkraft bedeutet.

013 Eine Methode lehrt uns, unsere Fragen systematisch zu stellen.

014 Alle politischen Systeme sind dem Irrtum verfallen, Gesetze wären Ausdruck des Willens eines Souveräns, etwa dem eines Diktators oder eines Volkes. Ein Gesetz ist aber und kann auch gar nicht Ausdruck eines Willens sein, sondern allenfalls Ausdruck einer Tatsache.

015 "Die Systemumwelt läßt sich in gewissem Maß dadurch vereinfachen und immobilisieren, daß bestimmte Formen der Erlebnisverarbeitung (Wahrnehmungsgewohnheiten, Wirklichkeitsdeutungen, Werte) institutionalisiert werden. Eine Vielzahl von Systemen wird an gleiche oder korrespondierende Auffassungen gebunden, so daß dadurch die Unendlichkeit ansich möglicher Verhaltensweisen reduziert und die Komplementarität des Erwartens sichergestellt wird." - Niklas Luhmann, Zweckbegriff und Systemrationalität, Ffm 1973, Seite 183

016 Die Einheit macht das System.

017 "Vollständigkeit ist der Tod der Wissenschaft."

018 Die Vergleichung entspricht der menschlichen Systemsucht.

019 Kein System ist insich abgeschlossen und absolut.

020 Das Schema tritt an die Stelle der lebendigen Wechselwirkung.

021 Jede Lehre will ein logisches System sein.

022 Beschreibung ist stets Vereinfachung.

023 Die Zeichen der Sprache haben nur im Kontext des Systems einen Sinn.

024 Das Sprachsystem ist die Institutionalisierung der Symbolvermittlung.

025 Die Gewalt des Systems ist strukturelle Gewalt.

026 Alles Systematische braucht Eindeutigkeit.

027 Ob Zentralisation oder Dezentralisierung, alles bleibt System.

028 Ordnung als herrschendes Prinzip der politischen Systeme.

029 Irrationalität ist die Grundlage für das Funktionieren und die Aufrechterhaltung des Systems.

030 Der Mensch sinkt zur bloßen Funktion eines politisch-sozialen Systems ohne eigenen Wert herab.

031 Soziale Systeme entstehen immer, wenn Menschen miteinander in Beziehung treten.

032 Zu verallgemeinern ist ein System schaffen.

033 Alle Systemmacher haben eine gewisse Tendenz zum Wahnsinn.

034 Die Weltanschauung ist ein System von Werten, die als Fakten verpackt sind.

035 Die kapitalistische Ordnung, wie wohl auch die autoritär-sozialistische Ordnung, sind gar nicht ernsthaft interessiert, die Verderbtheit auszumerzen, denn sie leben davon.

036 Für das kapitalistische System ist die Ausbeutbarkeit des Menschen im Sinne der Profitmaximierung der einzig bedeutsame Wert. Wer dafür nicht verwertbar ist, ist eigentlich ohne Existenzberechtigung.

037 Kapitalistisch-sozialistische Systemkonkurrenz

038 "Die Systemmacherei ist in der substantivischen Welt zuhaus, der Welt der Mystik."

039 Systematisierung ist das Streben nach größtmöglicher Allgemeinheit.

040 Das System oder die Macht

041 Alle Systeme haften immer an bestimmten Voraussetzungen, die sich bestreiten lassen.

042 Systematisierungsfragen sind Zweckmäßigkeitsfragen.

043 Die Zusammenstellung des Wissens zu einem System hemmt den ferneren Fortschritt.

044 Der Wille zum System enthält immer schon ein Stück Unwahrheit.

045 Systeme bilden sich aus Einheiten.

046 Der Begriff der Freiheit ist mit dem des Systems unverträglich.

047 Das System braucht die Anpassung, wie auch den Widerspruch, um integrieren zu können.

048 Der Kampf des Anarchismus ist der Kampf gegen alle Systeme des Universums.

049 Alles was funktioniert hat System.

050 Bedürfnis eines zusammenhängenden, systematischen Wissens

051 "Das Problem setzt das System voraus, das System das Problem."

052 "Das allein wirklich strenge Gesetz ist dasjenige, das auf systematische Festlegung verzichtet."

053 Goldene Worte von Frieden und Freiheit werden von einem System gesprochen, dessen Börse auf die Ermordung der Kennedys und M.L. Kings positiv reagiert und dessen Banken alle Diktaturen dieser Welt stützen.

054 Das Schulsystem hat sich zum Garanten des Systems gemacht und unterbindet in Form und Inhalt die Emanzipation des Menschen.

055 Beruth die Mitgliedschaft im System auf Geld oder auf Geselligkeitsbedürfnissen, gegebenenfalls unterstützt durch eine stark verallgemeinerte professionelle Ethik oder eine Dienstideologie, so kann der Systemzweck auf dieser Grundlage flüssig variiert werden, ohne daß das System in Gefahr kommt, bei allzu scharfen Wendungen Mitglieder abzuschleudern, deren Motive konstant bleiben. Die Elastizität des Systems wird dadurch erreicht, daß die Motivation der Mitglieder auf einen chronischen Mangel, insbesondere auf Geldbedarf, gestützt wird, der so generalisiert ist, daß seine Befriedigung mit einer Vielzahl unterschiedlicher Systemzustände vereinbar ist. Deren Änderung hat dann keine Rückwirkung auf die Motivationsstruktur des Systems. Ein System, das seine Mitglieder zweckindifferent motivieren kann, gewinnt dadurch intern eine hohe Differenzierungsfähigkeit, da bei der Arbeitsteilung auf die Motivationskraft der Aufgaben wenig Rücksicht genommen werden muß, und extern eine hohe Anpassungsfähigkeit, die es ihm ermöglicht, etwaigen Änderungen in der Nichtmitglieder-Umwelt, dem Markt, der Politik, den kulturellen Interessen oder der technischen Entwicklung zügig zu folgen, sich rasch und ohne Substanzverluste umzustellen. Insgesamt scheint somit die Trennung von Motiv und Zweck eine Grundbedingung zu sein für die Bildung von hochkomplexen Systemen mit beträchtlicher interner Variabilität. - Niklas Luhmann, Zweckbegriff und Systemrationalität, Ffm 1973, Seite 140f



056 Die Öffentlichkeit ist ein Teil des Systems und nicht ihr Gegenpart.

057 Der Begriff der Struktur ist identisch mit dem des Systems.

058 System heißt Zusammenfügung.

059 Tendenz der Einzelerscheinung des Lebens die Autonomie zu nehmen und sie in einem System zu zentralisieren.

060 Kapitalistische, wie sozialistische Staaten sind Produktions- und Bürokratiesysteme.

061 Verlangen nach der Gewißheit eines allgemeinen Prinzips, durch das sich das Vielfältige der Erscheinungen erklären läßt.

062 Das bestehende soziale System durch das Entziehen freiwilliger Zusammenarbeit am Funktionieren zu hindern, um es gegebenenfalls völlig zu lähmen.

063 "Es ist die Pflicht derjenigen, die den verdorbenen Charakter des Systems erkannt haben, es ohne Zögern zu zerstören."

064 Die gewaltfreie Aktion betrachtet den Gegner als Gefangenen des eigenen Herrschaftssystem.

065 Konformismus Ergebnis einer abgeschlossenen Welt.

066 Das System der Sprache besteht darin, konstituive Einheiten zu setzen, mit dem Zweck eine Synthese zwischen Idee und Tatsache zu bewerkstelligen.

067 Der Anspruch auf System ist der Anspruch auf Herrschaft.

068 "Die Ideologie ist real geworden, die Realität ideologisch."

069 Erhaltung des Systems heißt Stabilisierung bestehender Herrschaftsverhältnisse.

070 Klassifikation und Systematisierung von sinnlicher Wahrnehmung zum sprachlichen Ausdruck.

071 Anarchismus als Kampf gegen jede Art systematischer Einheit, gegen zentralisierende Uniformität.

072 Die Bekämpfung der Generalisierung als Bekämpfung des Denkens in seinem Charakter als System.

073 Jedes System läuft Gefahr, seine Struktur in Frage stellen zu müssen, wenn es ein neues Mitglied anerkennt.

074 Der Widerspruch ist im Prinzip des Systems mitgesetzt.

075 Es gibt zwei Typen von Denker: Problemdenker und Systemdenker.

076 Systemköpfe unterdrücken mit organisierter Gewalt unsere Freiheit.

077 System ist seine Geschlossenheit.

078 Bewegung ist nur ein Begriffsgebilde, eine Vorstellung, mit der wir die Veränderungen der Welt in ein geordnetes System zu bringen versuchen.

079 Komplexitätsreduktion durch Systeme und Systemtheorien

080 Systemausdehnung heißt Niedergang der Selbständigkeit.

081 Die Bedingung für den Erfolg beider Systeme ist die Existenz eines mächtigen Gegners. Die Furcht vor dem Gegner ist das entscheidende Moment.

082 Das Denken des Anarchismus ist nicht nur systemlos, sondern systemfeindlich.

083 Der Preis zur Gewährung der Mitgliedschaft im Establishment ist das fraglose Akzeptieren von Autorität.

084 Theorien sind Gedankensysteme.

085 Jedes demonstrative Infragestellen des Systems wird als Gewalt interpretiert.

086 Struktur des Hauses, Struktur des Organismus

087 Die Vervollkommnung des Systems besteht in seiner Formalisierung zur Eigengesetzlichkeit, die zur Unabhängigkeit von der Umwelt tendiert.

088 Der Kampf um die Reindividualisierung und Rehumanisierung erscheint systemfeindlich.

089 "Philosophen sind Gewalttäter, die keine Armee zur Verfügung haben und sich deshalb die Welt in der Weise unterwerfen, daß sie sie in ein System sperren."

090 Der Staat ist nichts weiter, als eine Systematisierung von Gewalt.

091 Systemherrschaft als Institutionalismus, Verwaltungszentralismus, Wirtschafts- und Technikzwänge.

092 Alles systematische Denken hat die Tendenz auf die Totalität der Prinzipien hin.

093 Emanzipation, damit der Mensch nicht mehr Produkt der Verhältnisse, sondern die Verhältnisse Produkt des Menschen werden.

094 Das Systembild der Gesundheit ist ständige Aktivität und ständiger Wandel.

095 Übergang vom Konflikt zur Gewalt

096 Man kann das System nicht treffen, sondern allenfalls seine auswechselbaren Repräsentanten.

097 Es gibt eine Weltanschauung, derzufolge das Paradox höher ist, als jedes System.

098 "Wer das Wort zerstört, kann auch das System zerstören."

099 Statt auf Grundbausteine und Grundsubstanzen konzentriert sich die Systemlehre auf grundlegende Organisationsprinzipien.

100 Systemeigenschaften werden zerstört, wenn ein System auseinandergenommen und wenn es physisch oder theoretisch in Einzelteile zerlegt wird. obwohl wir in jedem System Einzelteile unterscheiden können, ist das Ganze doch immer etwas anderes, als die bloße Summe seiner Teile.

101 "Ich mißtraue allen Systematikern und gehe ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit."

102 Die Lehre des Zen ist eine Absage an 'jedes' System.

103 Vergewaltigung der Wirklichkeit im Interesse einer Systemkonsequenz.

104 "Jede Systematik wirkt geradlinig, steht immer als eine einreihige Folge da, schließt sich vielleicht einlinig zu einem Kreise. Die Sache aber ist fast nie so. Während die Sache vieldimensional ist, ordnet man in jedem Augenblicke eindimensional; während sie problematisch viele Zentren hat, ordnet man, indem man vielleicht viele eindimensionale Reihen aus einem Zentrum entwickelt, während die Sache konkret und unendlich ist, wird sie in ordnender Formung abstrakt und endlich. Man hilft sich dadurch, daß man an die einzelnen Glieder Nebenreihen, also weitere Dimensionen anlegt, daß man mehrere Zentren zueinander in Beziehung setzt und aus jedem eine Strahlenkugel von Reihen sich entfalten läßt. Aber man bleibt immer mehr oder weniger an letzthin räumliche Schemata gebunden, während die Sache vielleicht jedem noch so verwickelten System von Gliedern, Dimensionen, Orten inkommensurabel ist. Unsere Ordnung ist eine Gewaltsamkeit und dann vielleicht wieder ein Einschränken dieser Gewaltsamkeit."

105 Newton glaubte, daß das Weltsystem absolut geschlossen sei und sich nach streng mechanischen Gesetzen entwickelt habe.

106 Für die Systemtheorie sind alle Phänomene in der Welt miteinander verbunden und voneinander abhängig.

107 Kritik ist negativ, das System ist positiv.

108 "Es gibt keinen Determinismus in menschlichen Angelegenheiten. Der Faktor des Menschlichen ist es, der die Berechnungen aller neuen Theorien- und Systemfanatiker umwirft und den Urhebern der Gesetze, Institutionen und sozialen Allheilmittel ein Schnippchen schlägt."

109 In Systemen denken heißt in Vorgängen denken.

110 "Die Schließung von Glaubenssystemen ist also nicht ein Gebot der Logik oder irgendeiner anderen objektiven Instanz, sondern ein Diktat des Willens und der Interessen und Bedürfnisse, die hinter ihm stehen, ihre Offenheit ist, so könnte man sagen, selbst eine Frage der Moral."

111 Das bürgerliche Gesetzbuch gilt über allen politischen Systemwechsel hinaus.

112 Der niemals vollständig integrierte Einzelne und einer mächtigen, auf Integration abzielenden Allgemeinheit, dem System.

113 Das partikulare Interesse steht abstrakten Systemanforderungen gegenüber.

114 Identifikation mit einer Gruppe bedeutet immer Identifikation mit ihrem Wertsystem.

115 Politik ist die Tendenz, das Mannigfaltige zur Einheit zu bringen.

116 Die Arbeiter sind bloße Anhängsel des Maschinensystems.

117 Wo es eine Ordnung gibt, da ist eine Vielheit von Menschen zu einer Einheit zusammengefaßt.

118 Da politische Herrschaftsformen alle Macht in den Händen einer Minderheit konzentrieren, anstatt die Macht zur basisdemokratischen Selbstregierung der Bevölkerung überzuleiten, müssen alle Parteien und Ideologien in einem politischen System enden, welches die Herrschaft des Menschen über den Menschen erweitert, ausbaut und verfeinert.

zuschriften
Hinweis: Bei den nicht näher gekennzeichneten Textstellen handelt es sich um Passagen, die in verschiedenen Quellen mehr oder weniger sinngleich auftauchen, so daß nicht klar ist, wer von wem abgeschrieben hat.