Sprache
Friedrich Max Müller - Das Denken im Licht der Sprache
  siehe auch Abstraktion, Bedeutung, Kategorie
 
  001 Alle Vorstellungen von Spracheinheiten sind nur bequeme Abstraktionen.

002 Die Sprache ist das Gedächtnis der Sinneseindrücke.

003 Art ist, was einen besonderen Begriff ausmacht, was ein Wort verdient. Art ist Wort. Artunterschied ist Wortunterschied. Für die Übergänge gibt es keine besonderen Worte, weil man 'noch' keine braucht.

004 Sprache ist eine operativ wirksame Fiktion.

005 Das auszeichnende Merkmal der Sprache ist ihre große Bequemlichkeit.

006 Die Beziehung zu Zeit, Person und Raum ist die grammatische Form der Sprache.

007 Der Zweck der Sprache ist Beeinflußung, Willens- oder Gedankenlenkung.

008 Wäre der Mensch nur Verstand so würde er nur in Begriffen denken.

009 Sprache ist konventionelle Nachahmung durch Menschen.

010 Sprachgesetze sind wie andere Gesetze nur Bräuche.

011 Wir sind und bleiben, trotz aller Freiheit, Sklaven der Sprache.

012 Die Realität geht immer über die gewöhnliche Sprache hinaus.

013 Worte können niemals eine letzte Wahrheit ausdrücken.

014 Gegensätze sind Abstraktionen im Reich der Gedanken und deshalb relativ.

015 Wahrheit gibt es nur in der Sprache.

016 In Wirklichkeit handelt es sich bei der Frage des Wesens um den Gebrauch von Wörtern.

017 Es sind im Grunde nur Wörter, was die Metaphysiker als Erkenntnis von der Welt ausgeben.

018 Worte sind Symbole, die nicht riechen, lächeln oder bluten.

019 Die Sprache hat eine stark bindende Kraft zwischen Menschen innerhalb einer Gruppe.

020 Gefühl von 'und', Gefühl von 'aber', Gefühl von 'grün', von 'warm'.

021 Verdoppelung der Realität durch den Begriff.

022 Im Mittelalter schrieb jede Landschaft ungefähr so, wie sie sprach, da es keine gemeinsame Schriftsprache gab.

023 Wirklichkeit ist gesetzlos, in der Sprache wie in aller Natur.

024 Sowenig wie zwei Menschen das gleiche Leben leben, sprechen sie eine gemeinsame Sprache.

025 Der Begriff besitzt im konjunktiven Lebenszusammenhang stets verändernde Tendenz.

026 Die Sprache ist eine Institution.

027 Wo Begriffe einen unwandelbaren Sinn besitzen, also ein für allemal definiert werden können, ist eine überkonjunktive Erfahrungsebene vorhanden.

028 Die Geheimsprache lernt der Schamane von den Geistern.

029 Begriffe werden hauptsächlich isoliert von der Wechselwirkung des konkreten Geschehens erörtert.

030 Nichts entgeht dem Verschleiß, nicht einmal die Begriffe.

031 Durch Phrasenschwall verhüllte Gewaltanwendung.

032 Begriffe sind nur von ihren Inhalten her sinnvoll und die Namen sind sekundär, das Benannte primär, was bedeutet, daß es kein Primat von Theorie und Wissenschaft gibt.

033 Der wirkliche Zweck ideologischer und propagandistischer Reden sind der Profit und die Macht.

034 Wir sagen wenn, und, dann, weil, deshalb während sich der gemeinte Gegenstand in zahlreichen Richtungen 'verhält'.

035 Wir unterliegen bei Wörtern mit dem Suffix "-schaft-" Gesellschaft, Wirtschaft, Herrschaft - der Suggestion einer selbstverständlichen und dynamischen Einheit.

036 Wir verstehen die Wirklichkeit in der Sprache, weil wir die Wirklichkeit in der Sprache gelernt haben.

037 Wir benennen die Gegenstände, um sie denken zu können.

038 Die Idee Schwan enthält folgende Bestandteile: weiße Farbe, roter Schnabel, langer Hals, etc.

039 Die Bedeutung der Wörter liegt in den Ideen.

040 Mitteilung ist der Hauptzweck der Sprache.

041 Die Sprache ist das fundamentalste aller Gemeingüter.

042 Die Sprache repräsentiert den Massengeist.

043 Die Sprache ist ein oberflächliches Muster tieferer Bewußtseinsprozesse.

044 Auf einer bestimmten Stufe der Hierarchie hört die gemeinsame Sprache auf.

045 Wer in der modernen Welt nicht die Sprache der Begrifflichkeit spricht, ist überhaupt nicht öffentlichkeitsfähig.

046 Es gibt gewisse Grenzen der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten.

047 Sprache als Ware und Steigerung des Konsums von Wort und Bild durch die Massenkommunikationsmittel.

048 Mit Hilfe der Sprache organisiert der Mensch seine Erfahrung nach Einheiten.

049 Jeder Mensch gehört zu einer und nur zu einer Sprachgemeinschaft.

050 Der gewohnheitsmäßige Gebrauch der Sprache bringt einen inneren Zwang mit sich.

051 Begriffe sind bewußtseinsabhängig und psychologisch, nicht logisch.

052 Durch die Entwicklung der Sprache wurde ein ganz neuer Typ von Allgemeinvorstellung möglich.

053 In der Sprache ist eine Aktivität möglich, die in der faktischen Dingwelt nichts verändert.

054 Individuen sind unfassbar für das Denken, die Überlegung, selbst für das menschliche Wort.

055 Begriffe beziehen sich zwar auf Sinneserlebnisse, sind aber im logischen Sinn niemals aus diesen ableitbar.

056 Blitz und Donner gab es lange vor den Menschen, die sich Begriffe von ihnen bilden.

057 Die Sprache ist kein Bestand, sondern ein Prozess.

058 Die Griechen haben die Welt systematisch unter die Herrschaft des Begriffs gestellt.

059 Für den Araber ist die Sprache in erster Linie der Ausdruck dessen, was der Sprecher sagen 'will', für den Griechen Ausdruck dessen, was 'ist'.

060 Alles, was spezifisch menschlich ist, hängt von der Sprache ab.

061 Der Begriff leistet die Intregation der Allgemeinheit.

062 Jedes Wort, das allgemein und absolut betrachtet wird und die individuelle Bedeutung vernachlässigt, nimmt ein Eigenleben an.

063 Die Sprache ist nichts, woran Eigentum behauptet werden kann.

064 Die Sprache ist Gemeineigentum und eine soziale Macht zwischen den Menschen.

065 Worte berauschen, betäuben, führen zum Selbstmord.

066 Denken ist der logische Gebrauch der Sprache.

067 Das abstrakteste Wort ist das vieldeutigste.

068 Es gibt kein Verbum in der menschlichen Natur. Das Verbum ist eine Zusammenfassung unter menschliche Zwecke.

069 Die Sprache kann nichts weiter, als Vorstellungen wecken. Eine vernünftige Einstellung zur Sprache will auch nichts weiter.

070 Hinter jedem Begriff steckt ein Vorstellungsvorrat.

071 Die Selbsttäuschung der Allgemeinvorstellung.

072 Die einzig annähernd wirkliche Sprache ist die Sprache des jeweiligen Moments.

073 Der Revolutionär wird genährt vom Zusammenbruch der großen, bürgerlichen Allgemeinvorstellungen von Klasse, Eigentum, Hierarchie, Autorität und Staat.

074 Indem wir sprechen, denken wir in Gegenständen.

075 Das ganze Zen ist dazu bestimmt, die Sprache anzuhalten.

076 Es ist unsinnig die Gesellschaft in Frage stellen zu wollen, ohne die Grenzen der Sprache zu berücksichtigen.

077 Die Sprache ist ein in sich zusammenhängendes System von Beziehungen, eine Struktur.

078 Jeder Begriff gewinnt seinen Sinn erst im Zusammenhang.

079 Das Sprechen der Sprache ist der Teil einer gemeinschaftlichen Tätigkeit, einer Art des Lebens in Gesellschaft, eine Lebensform.

080 Zum Genuß der Freiheit ist es nötig, daß jeder sagen kann, was er denkt.

081 Der sagbare Weg ist nicht der beständige Weg.

082 Einen Begriff definieren heißt, seinen Geltungsbereich einschränken.

083 Schreiben ist eine Erfindung der Bleichgesichter und die Quelle von Irrtum und Streit.

084 Kommunikation durch Handlungen kann unmöglich Zeiten haben, die sind nur in der Sprache möglich.

085 Die Staatsgesetze ähneln mehr den grammatischen, als den physikalischen.

086 Der unendliche Zirkel der Sprache.

087 Ein Satz kann vieles unbestimmt lassen, aber was er unbestimmt läßt, muß angegeben werden.

088 Die Logik ist Gesetz und Prinzip der Sprache.

089 Wer spricht, gesteht seine Ohnmacht ein.

090 Die erste intellektuelle Aufgabe, die sich dem Kleinkind stellt, ist das Erlernen der gesprochenen Sprache.

091 Für das Kind bedeutet ein Wort zu erlernen Kontrolle und Gewalt über ein Stück Welt zu Erlangen.

092 Es ist nichts auf der Welt allgemein außer den Namen, denn jedes Ding ist individuell und einzeln.

093 Die Voraussetzung aller logischen Schlüsse ist die gleichbleibende Bedeutung der Wörter.

094 Je allgemeiner ein Begriff, desto leerer ist er.

095 Die Freiheit der Schrift, der Worte der Gedanken ist es, die Gewaltanwendung verhüten oder abschwächen könnte.

096 Die Sprache des Unbewußten ist eine Bildersprache.

097 Ein Symbol ist der Versuch eine Sache auszudrücken, für die man noch keinen Begriff gefunden hat.

098 Demütigungen, seelische Grausamkeit und Verletzung der Gefühle durch den Gebrauch der Sprache.

099 Wären wir gasförmige Wesen, dann hätten wir keine Vorstellung von Raum und Größe.

100 Alle Abstraktion besteht im bloßen Wegdenken.

101 Sprache ist ihrem Wesen nach materiell.

102 Praktisch beruht unsere ganze Sprache darauf, daß wir feste Körper sehen und benennen. Wären wir flüssige Wesen, träfe das nicht zu.

103 Das Symbol hilft uns die Verbindung herzustellen zwischen der sichtbaren Welt und der unsichtbaren.

104 Die Sprache ist ganz und gar von der Macht, sogar die Form der Macht.

105 Die Waffen des Teufels sind das Begehren und die Sprache.

106 Die Sprache schafft die Eiswüste der Abstraktionen.

107 Jeder Satz hat einen Gegensatz.

108 Gott ist namenlos, denn von ihm kann niemand etwas sagen, noch verstehen.

109 Unsere Sprache ist eine Isolierungssprache, ihre Bezeichnungen und Definitionen sind Abgrenzungen.

110 Begriffe können erst dann richtig verstanden werden, wenn auch ihr Gegenteil verstanden wurde.

111 Die Charakterisierung eines Seelenvorgangs durch ein Wort, oder durch einen Begriff, scheitert an der Armut unserer Sprache, weil es nicht möglich ist, unaufhörlich Strömendes als feste Form zu benennen.

112 In der Sprache herrscht immer Mehrdeutigkeit. Wir erklären Wörter wieder mit anderen Worten und je mehr Worte zur Definition verwendet werden, umso unklarer wird die ganze Angelegenheit.

113 Beim Nichtsein sind wir an der äußersten Grenze dessen angelangt, was Sprache ausdrücken kann.

114 Wir werden Gott nicht los, weil wir immer noch an die Grammatik glauben.

115 Worte trennen ständig. Werte fangen ständig etwas ein, das eigentlich viel komplexer ist.

116 Alle Begriffe enthalten theoretische Elemente.

117 Jedes Wort hat ein Janusantlitz, es ist Geist und Buchstabe zugleich.

118 Gewisse Denkstrukturen lassen sich nicht beliebig von einer Sprache in die andere übertragen.

119 Die Natur passt nicht in die Begriffsschublade der Wissenschaftler.

120 Unterschiede in der Grammatik führen zu Unterschieden in der Logik.

121 Verbegrifflichung ist die Methode intellektueller Herrschaft.

122 Es gibt soviele Logiken, wie es Sprachen mit verschiedenem Bau gibt.

123 Der Bedeutungsgehalt eines Wortes besteht ausschließlich in seinem denkbaren Bezug zur Lebensführung.

124 Der Buddhismus hält das wesentliche für unaussagbar, deshalb hat die Logik keine Vorhangstellung.

125 Heidegger spricht nicht die Sprache, sondern wird von der Sprache gesprochen.

126 Sprache kann Wirklichkeit nur klassifizieren, nicht begreifen.

127 Der Wortaberglaube ist unausrottbar.

128 Die Grundlage aller Sprache ist die Verbindung von Vorstellung und Sprachlaut im Gehirn.

129 Die Sprache ist ein Einteilungsschema der Wahrnehmungen.

130 Die Sprache ist unersetzlich für die Ordnung der Sinneseindrücke.

131 Die Sprache ist geistiges Verkehrsmittel.

132 Die Kunst zu denken ist eigentlich nichts weiter, als eine wohlgeordnete Sprache.

133 Die Sprache legt auch dem Anarchisten den Strick des Gesetzes um den Hals.

134 Die Begriffe sind nur ein Ideal.

135 Die Sprache ist die verwurzeltste aller Konventionen.

136 Wenn es keine Bezeichnung gibt ist das Denken ausgeschaltet.

137 "Namen nennen es nicht, es ist das Einzige."

138 Es ist ein logischer Fehler über die Klasse in der Sprache der Elemente zu sprechen.

139 Die Verschiedenheit der Sprache ist eine Verschiedenheit der Weltansichten.

140 Die Sprache handelt nur vom Besitz und seinen Beziehungen.

141 Der Zufall der kleinen persönlichen Erfahrung bestimmt, was sich der Einzelne bei den Wörtern vorstellt.

142 Worte sind Erinnerungen, und niemals haben zwei Menschen dieselbe Erinnerung.

143 Atome sind ein sprachlicher Ausdruck für die Grenze unserer Sinneswahrnehmung.

144 Begriffe sind Götter, die als Schattenbilder unsere Seele bevölkern.

145 Namen sind Stellvertreter.

146 Die Sprache ist das Medium des begrifflichen Denkens.

147 "Die Einseitigkeit des Empirikers und seine Halsstarrigkeit gegen den Kritizismus rührt vorzüglich daher, daß seine Seele in lauter Worte so eingeklemmt ist, daß sie nicht die geringste Bewegung machen kann, um eine neue Ansicht zu gewinnen. Es ist zu hoffen, daß, wenn es glückt, diese Palisaden zu durchbrechen, ihr Geist seine ursprüngliche Freiheit fühlen und sich üben wird, sie gebrauchen zu lernen." - Wilhelm Mackensen, Grundzüge einer Theorie des Abstraktionsvermögens, Halle a. d. Saale 1799, Seite 41

148 Die Sprache setzt konstitutive Einheiten.

149 der herrschende Sprachgebrauch.

150 Sprachzwecke: Manipulation, Verwirrung, Beschwichtigung, Täuschung, Ablehnung, Suggestion, Tarnung, Unterdrückung, Dominanz, Abhängigkeit.

151 Ähnlichkeit liegt im Begriffsbereich, nicht im Wahrnehmungsbereich.

152 Die Welt ist ohne Sprache. Sprachlos würde auch, wer sie verstünde.

153 Gegensätze sind der Fluch der Sprache. Man muß sich nicht nur von den Gegensätzen befreien, sondern von den Sätzen überhaupt.

154 Worte nehmen immer mehr die Stelle von Empfindungen ein.

155 Sprache muß neu wahrgenommenes alt aussprechen.

156 Sobald ich etwas durch ein Wort ersetzt ausgedrückt habe, findet eine Entfremdung statt und die volle Empfindung ist bereits durch das Wort ersetzt.

157 Das Beste zerschmilzt und zerrinnt, wenn man es zu Sprache ballen will.

158 Worte sind abstrakte Zeichen für Arten und Gattungen, niemals für Individuen.

159 Die Symbolsprache ist eine Sprache mit eigener Grammatik und Syntax die man verstehen muß, wenn man die Bedeutung von Mythen, Märchen und Träumen verstehen will.

160 Unsere Sprachgewohnheiten produzieren Wahrnehmungen.

161 Das Gesetz des Menschen ist das Gesetz der Sprache.

162 Die Sprache der Azteken hat nur ein Wort für Schnee, Regen und Hagel.

163 Die Sprache ist das Prinzip der Klassifikation.

164 Es gibt Sprachen, in denen ist es unmöglich sich "in die Sonne zu setzen."

165 Der Begriff ist die Befassung des Verschiedenen unter Gleiches.

166 Gesprochene Worte sind in jedem Fall Ausdruck für etwas psychisches, mögen sie inhaltlich betreffen, was sie wollen.

167 Die abstrakten Begriffe sind der Stolz der Rationalisten.

168 Aus dem Labyrinth der Sinnesdaten wählen wir willkürlich gewisse Gruppen aus und ordnen ihnen Begriffe zu.

169 Übereinkommen werden durch sprachliche Prozesse erreicht, oder sie werden nicht erreicht.

170 Die Logik ist ein Katalog von Regeln, der die Widerspruchsfreiheit beim Gebrauch der Sprache garantieren soll.

171 Einen Gegenstand benennen heißt, von seiner Individualität und Einzigartigkeit Abstand nehmen und in ihm den Repräsentanten einer Kategorie erblicken.

172 Es gibt keine Erfahrung ohne Sprache.

173 Sprache, Arbeit und Eigentum als Medien der Integration.

174 Sprache ist der erste Hebel zur Aneignung.

175 Der Rationalismus ist wesentlich begriffsrealistisch.

176 Beschreibung ist stets Vereinfachung.

177 Man sagt immer noch: die Sonne geht auf.

178 Wenn jedes Ding auf der Welt seinen Eigennamen hätte, gäbe es keine Sprache mehr.

179 Die Fingerbewegungen beim Stricken sind zu kompliziert, als daß wir sie ohne das Zweckwort "stricken" auffassen könnten.

180 Begriffe sind potentielle Urteile.

181 Die formale Logik ist nur dann sinnvoll, wenn es allen Menschen gemeinsame abstrakte Begriffe gibt.

182 Ob Individuen Eigennamen tragen oder nicht, hängt von unserem Interesse ab.

183 Die Bequemlichkeit unseres Denkens gründet Begriffe auf Wahrnehmung.

184 Mit der Sprache trägt der Mensch Ordnung in die Natur.

185 Die Mystik hat keine Grammatik.

186 Die Sprache besteht aus allgemeinen Namen und Allgemeinheit bedeutet immer Undeutlichkeit.

187 In der Sprache objektivieren wir unsere Sinneseindrücke.

188 Der Begriff ist die Zusammenfassung des Gemeinsamen.

189 Wenn ein Ereignis genügend reich ist, um einen Einzelnamen zu verdienen, gebrauchen wir diesen als bequeme Abkürzung.

190 Die Sprache enthält vielfach Worte, die nur Bejahung oder Verneinung ausdrücken.

191 "Das Denken ist Dingheit und Dingheit ist Denken."

192 Der Geist besitzt die Neigung, alles fließende Geschehen in Substanzen, d.h. Begriffe umzudichten.

193 Ein Gesetz ist ein begriffliches Gebilde.

194 Die Begründung für die Verbegrifflichung der Dinge heißt Zweckmässigkeit.

195 "Worte, Worte, Worte..."

196 Man darf terminologische und reale Probleme nicht verwechseln.

197 Begriffe sind Denkformen.

198 die Gewalt der Rede, die zwingende Macht der Überzeugung.

199 Die Übersetzung der Wirklichkeit in Sprache beraubt die Wirklichkeit ihrer dynamischen Qualität und ersetzt Bewegung durch Metapher.

200 Allein durch die Tatsache, daß der Mensch spricht, hat er seine eigene Weltanschauung. Die Sprache ist immer eine Art Weltanschauung in embryonaler Form.

201 Sprachkritik oder Denkkritik oder Erkenntniskritik.

202 Die Bedeutung ist die Seele des Worts.

203 Wir könnten keine Begriffe bilden, wenn wir nicht ähnliche Empfindungen für gleiche Empfindungen halten würden.

204 Denken ist nichts anderes, als die Verbindung von Namen durch das Wörtchen ist. Das Pferd ist ein Säugetier.

205 Aus Scheinbegriffen entstehen Scheinprobleme.

206 Begriffliche Relationen sind unräumlich und unzeitlich.

207 Die Grammatik als Theorie der Sprache.

208 Stimmen wir erst einmal über die Wirklichkeit überein, ist ein Disput über Worte unnötig.

209 "Omnis determinatio est negatio."

210 Wir bilden Begriffe, indem wir von den verschiedenen Eigenschaften der Dinge einige fallenlassen.

211 Alle Abstraktion besteht im bloßen Wegdenken.

212 "Eine Neigung der Köpfe zum Operieren mit solchen abstrakten und zu weit gefassten Begriffen hat sich zu fast allen Zeiten gezeigt: Sie mag zunächst auf einer gewissen Trägheit des Intellekts beruhen, dem es zu beschwerlich ist, das Denken stets durch die Anschauung zu kontrollieren. Solche zu weiten Begriffe werden dann allmälig fast wie algebraische Zeichen gebraucht und wie diese hin und her geworfen, wodurch das Philosophieren zu einem bloßen kombinieren, zu einer Art Rechnerei ausartet, welche (wie alles Rechnen) nur niedrige Fähigkeiten beschäftigt und erfordert. Ja zuletzt entsteht hieraus ein bloßer Wortkram."

213 Urteilen besteht im Vergleichen zweier Begriffe, das Schließen im Vergleichen zweier Urteile.

214 Die Ursache aller Übel ist die Unfähigkeit die allgemeinen Begriffe auf einzelne Dinge anzuwenden.

215 Alle Wissenschaften sind Systeme von Begriffen und reden stets von Gattungen.

216 Die allgemeinen Begriffe entheben uns der zeitraubenden Mühe, uns mit unzähligen Einzelfällen befassen zu müssen.

217 In der Abstraktion werden ganze Sätze in einem Wort zusammengefaßt.

218 Der Begriffsrealismus versucht alles Subjektive zu objektivieren.

219 Wille, Gefühl, Verstand, Phantasie - alles bloße Sammelnamen.

220 Begriffe gewinnen wir durch das Identifizieren des Nichtgleichen.

221 Die verbale Welt ist die Welt der menschlichen Zwecke.

222 Die Macht der Worte als Logokratie.

223 Transzendent ist das, was über die menschlichen Begriff hinausgeht.

224 Keine Sprache kann logisch erlernt werden, erlernt wird immer nur der Sprachgebrauch.

225 Die drei Welten der Sprache sind adjektiv, subjektiv und verbal.

226 Eine Sprache, die die Welt nicht erkennend spaltete, haben wir nicht.

227 Die Sprache hat deskriptive, imparative und emotive Funktionen.

228 Wir lösen sprachlich, was sachlich nicht gelöst und möglicherweise nicht lösbar ist.

229 zur Sprache bringen

230 "Sprechen ist eine regelgeleitete Form des Verhaltens."

231 Sprache drückt einen drängenden Wunsch nach Machbarkeit, Planung und Entmystifizierung aus.

232 Eine Sprache verstehen heißt eine Technik beherrschen.

233 "...weil die Kleider unserer Sprache alles gleich machen."

234 die Bedeutung der Sprache für die geistige Ökonomie.

235 "Klassische Begriffe beziehen sich auf wirklich Existierendes. Aus dieser These folgt natürlich, daß sich die klassische Ebene und die Quantenebene voneinander radikal unterscheiden und daß es nicht möglich ist, den Übergang von der einen zur anderen so ohne weiteres zu analysieren. Der Übergang ist und bleibt ein unteilbarer Sprung."

236 Von dem ersten Momente an ist die Erzeugung der Sprache ein synthetisches Verfahren."

237 Die Sprache ist der große Übergangspunkt von der Subjektivität zur Objektivität.

238 "Jede Sprache setzt dem Geist gewisse Grenzen, schließt, insofern sie eine gewisse Richtung gibt, andre aus."

239 Die Wörter sind die Zeichen der Begriffe, Begriffe sind Ideen.

240 "Alle übrigen Wörter des Satzes sind gleichsam tot daliegender zu verbindender Stoff, das Verbum allein ist der, Leben enthaltende und Leben verbreitende Mittelpunkt."

241 Arbeit ist die Entäußerung und Hingabe des Subjekts an die Objektwelt, so auch die Sprache.

242 Trennung von wissenschaftlicher Gegenstandsproblematik und philosophischer Sinnproblematik (Signifikant : Signifikant)

243 Die Sprache konstituiert Gegenständlichkeit, sie "wortet''.

244 Je ursprünglicher die Sprache, desto weniger Abstraktionen, desto mehr Gefühle.

245 Die Bildung der menschlichen Sprache ist das Meisterstück des menschlichen Geistes.

246 Die Sprache trat aus der Wildheit in die politische Ruhe.

247 Nicht nur gut ist ein undefinierbarer Ausdruck, kein Ausdruck ist definierbar.

248 "Die Sprache gehört ihrer Entstehung nach in die Zeit der rudimentärsten Form von Psychologie: wir kommen in ein grobes Fetischwesen hinein, wenn wir uns die Grundvoraussetzungen der Sprach-Metaphysik, auf deutsch: der Vernunft, zum Bewußtsein bringen. Das sieht überall Täter und Tun: das glaubt an Willen als Ursache überhaupt; das glaubt ans 'Ich', ans Ich als Sein, ans Ich als Substanz und projeziert den Glauben an die Ich-Substanz auf alle Dinge - es schafft erst damit den Begriff '../../b-u-t/221149/wbdin.html" target="_blank">Ding' Das Sein wird überall als Ursache hineingedacht, untergeschoben; aus der Konzeption 'Ich' folgt erst abgeleitet, der Begriff 'Sein'. Am Anfang steht das große Verhängnis von Irrtum, daß der Wille etwas ist, das wirkt - daß Wille ein Vermögen ist. Heute wissen wir, daß er bloß ein Wort ist."

249 "Ich fürchte, daß wir Gott nicht los werden, weil wir noch an die Grammatik glauben."

250 "Unsere eigentlichen Erlebnisse sind ganz und gar nicht geschwätzig. Sie könnten sich selbst nicht mitteilen, wenn sie wollten. Das macht, es fehlt ihnen das Wort. Wofür wir Worte haben, darüber sind wir auch schon hinaus. In allem Reden liegt ein Gran Verachtung. Die Sprache scheint es, ist nur für Durchschnittliches, Mittleres, Mitteilsames erfunden. Mit der Sprache vulgarisiert sich bereits der Sprechende."

251 Sprache verobjektiviert.

252 Die klassischen Begriffe gelten auf der atomaren Ebene nicht. Es gibt keine Objekte.

253 Mit einem Begriff meinen wir nichts weiter, als eine Klasse von Operationen; der Begriff ist bedeutungsgleich mit der entsprechende Klasse von Operationen.

254 "Die Philosophie ist der Mißbrauch einer eigens zu diesem Zwecke erfundenen Terminologie."

255 Begriffe haben einen subtilen Einfluß auf die Denkweise.

256 Das Bindungsmittel zwischen den Menschen ist die Sprache.

257 "Die Menschen glauben nämlich, ihre Vernunft führe die Herrschaft über die Worte; allein nicht selten beherrschen gegentheils die Worte den Sinn so, daß dadurch die Philosophie und die Wissenschaften zu unnützer Sophisterei herabgesunken sind. Denn die Worte werden meist im Sinne des Haufens geprägt und begrenzen die Dinge der gemeinen Fassungskraft gemäß; will nun ein geschärfter Verstand einer tiefere Beobachtung jene Grenzen versetzen, um sie der Natur anpassender zu machen: so empören sich die Worte dagegen."

258 "Die Sprache übersetzt alle unanschaulichen Verhältnisse ins Räumliche."

259 Ein dem Menschen eigener Denkzwang hat die Neigung disjunktive (sich ausschließende) Begriffe zu bilden.

260 "Das Wort erstirbt schon in der Feder."

261 Es ist ein komplizierter logischer Vorgang, der beispielsweise durch das Wörtchen "obwohl" symbolisiert wird.

262 Individuelle Lebendigkeit gehorcht nicht dem toten Begriff.

263 "Ein Gedanke heißflüssig Lava! Aber jede Lava baut um sich herum eine Burg, jeder Gedanke erstickt sich zuletzt selbst in Gesetzen."

264 Die Form des Begriffes ist die Form des Gesetzes, der Allgemeinheit der Objektivität.

265 Verhexung des Verstandes durch die Sprache.

266 Sinnesdaten können nicht getrennt werden vom Prozess ihrer Beschreibung.

267 die Tyrannei des Nennens von Dingen

268 Tatsachen sind Begründungen oder Begriffe, aber nicht Tatsachen.

269 "Nicht nur Ausdrücke wie 'Gerechtigkeit' und 'ausgleichende Gerechtigkeit' sind Namen, sondern auch so ein komplexer Ausdruck wie etwa 'Die Möglichkeit einer Definition des Kunstwerks durch viele verschiedenartige Beispiele und deren nachträgliche Kennzeichnung' ist ein Name."

270 Die Entwicklung der Sprache wirkt auf den Geist zurück.

271 der Sumpf scholastischer Wortstreitigkeiten.

272 Die Sprache ist das Hauptinstrument jeder Art von Legitimation.

273 "Der entscheidende Punkt ist die Theorie dessen, was durch Sätze gesagt werden kann - d.h. durch Sprache - (und was gleichbedeutend damit ist, was gedacht werden kann) und was durch Sätze nicht gesagt, sondern nur gezeigt werden kann; darin besteht, wie ich glaube das Grundproblem der Philosophie."

555 Es gibt keinen Diskurs, indem nicht auch Herrschaft wäre.

275 "Bewahre uns Allah, vor dem Ozean der Namen."

276 Das Verständnis des Phänomens Sprache ist entscheidend für das Verständnis der Wirklichkeit der Alltagswelt.

277 "In der Tat, der Philosoph ist ein Mensch, der die versteckten Risse im Aufbau unserer Begriffe spürt, dort wo andere nur dem ausgetretenen Pfad der Alltäglichkeit vor sich sehen."

278 Sprache hat die Kraft, das "Hier und Jetzt" zu transzendieren.

279 Jede symbolische Sinnwelt ist potentiell problematisch.

280 Das Kind lernt zuerst zu sein, wen man es heißt.

281 Sprache ist das wichtigste Instrument der Sozialisierung.

282 "Sprache versorgt mich mit Vorfabrikationen für die ständige Objektivation meiner zunehmenden Erfahrung."

283 Das Gespräch verleiht Objekten, die vorher fließend und undeutlich waren, Konturen.

284 Das Allgemeine ist nichts, als der Name.

285 Namen wie Denken, Fühlen und Wollen sind eben Namen.

286 Allergewöhnlichste Verwechslung von Wort und Begriff.

287 Alle Begriffe sind im Grunde theoretische Begriffe, ja ganze Theorien.

288 "die Apostel der Umgangssprache"

289 "Je weiter sich der Mensch vom Sinnlichen entfernt, desto mehr unterliegt er dem Irrtum, und die Sprache ist die wichtigste desselben. Sobald die Worte als adäquate Bilder von Dingen genommen, oder mit wirklichen anschaulichen Dingen verwechselt werden, während sie doch nur willkürliche, mit Vorsicht zu gebrauchende Zeichen für gewisse Ideen sind, ist das Feld zahlloser Irrtümer erschlossen."

290 Die Alltagssprache kann kaum mit wissenschaftlichen Theorien in Einklang gebracht werden.

291 die Kraft der Synthesis der Wortbildung

292 Namen sind das Wortregister eines Kindes.

293 Poesie ist in ihren Schönheiten unübersetzbar.

294 "Die Gedanken sind Söhne des Himmels, die Worte Töchter der Erde."

295 Verdienste Luthers für die deutsche Sprache.

296 Die Sprache ist der Spiegel des menschlichen Verstandes.

297 Die Sprache ist das Medium unseres Selbstgefühls und geistigen Bewußtseins.

298 "Das Wort ist der Herold des Begriffs"

299 "Nur die Sprache hat den Menschen menschlich gemacht, indem sie die ungeheure Flut seiner Affekte in Dämme einschloß und ihr durch Worte vernünftige Denkmale setzte"

300 "Das Wort ist ihnen Geheimnis, Wunder und Zeichen, ein Einsäuseln ins Ohr, ein Graben das Ohrs zum Kanal der geheimen Weisheit."

301 "Keine Sprache drückt Sachen aus, sondern nur Namen: auch keine menschliche Vernunft also erkennt Sachen, sondern sie hat nur Merkmale von ihnen, die sie mit Worten bezeichnet."

302 Unsere Begriffe sind Kopien unserer Impressionen.

303 Täuschung durch Worte.

304 Empfindungen werden mit 'einem' Namen bezeichnet und infolge hiervon als 'ein' Ding betrachtet.

305 Täuschungen entstehen, wenn wir Wörter als Sachen gelten lassen.

306 Die Gewalt ist ihrem Wesen nach stumm.

307 Der menschliche Geist braucht Begriffe, wenn er überhaupt funktionieren soll.

308 Das Wort war Quelle und Ursprung aller Entdeckung. Es war der einzige Schlüssel zum Wissen und der Gedanke allein - in Warten oder in Ziffern - konnte alle Türen zum Weltverständnis öffnen. Darin bestand die Macht der Wörter und Zahlen.

309 Wir dürfen uns nicht von Worten narren lassen.

310 "Man muß sich bewußt sein, daß nicht-alphabetische Völker sich viel stärker mit der Welt identifizieren, in der sie leben, als es die alphabetischen Völker dieser Erde tun. Je alphabetischer die Menschen werden, desto stärker sind sie darauf bedacht, sich von ihrer Umwelt zu lösen."

311 "Und je ungenauer die Wörter sind, desto größer ist die Delegierung, einfach deshalb, weil sie dann auf mehr Einzelfälle angewendet werden können. Dies ist das einzige wichtige Charakteristikum der Wörter in einem Gesetzesentwurf und einer Rechtsinterpretation."

312 Der Verdinglichungsdrang der terministischen Logik.

313 Die Alltagssprache ist eine Sprache des Marktes.

314 Die Sprache ist keineswegs das Hauptwerkzeug kritischer Wahrnehmung, sondern ein bloßer Verpackungsbehelf.

315 Die Sprachkritik trennt die Alltagssprache von der Wissenschaftssprache.

316 Kritik der Sprache ist Kritik der sprachlichen Denkformen.

317 Frege nannte den Satz einen zusammengesetzten Namen.

318 "Die meisten Fragen und Sätze der Philosophen beruhen darauf, daß wir unsere Sprachlogik nicht verstehen. Und es ist nicht verwunderlich, daß die tiefsten Probleme eigentlich keine Probleme sind."

319 "Alle Philosophie ist Sprachkritik." (Allerdings nicht im Sinne Mauthners).

320 Alle theoretischen Probleme sind als Sprachprobleme zu behandeln, das war die linguistische Wende in der Philosophie.

321 die Verbegrifflichung der Wirklichkeit.

322 Denken ist an die Sprache gebunden.

323 Weniges ist für Konfuzius für Frieden und Rechtschaffenheit so verderblich, wie die Verwirrung der Namen und Begriffe. Als Konfuzius einmal gefragt wurde, welche Maßnahmen im Staate er ergreifen würde, wenn er Macht hätte zu bestimmen, antwortete er: Sicherlich die Richtigstellung der Begriffe!

324 Die Prozesse der visuellen Wahrnehmung sind keiner Beschreibung zugänglich. Die Sprache hat keine Ausdrucksform für das, was nicht bewußt ist.

325 "So ist unsere Sprache aufgebaut: 'Der Stein ist hart.' usw. Und diese Redeweise ist gut genug für den Marktplatz. 'Das ist eine neue Sorte.' 'Die Kartoffeln sind verfault.' 'Die Eier sind frisch."

326 "Die Sprache versichert durch die Syntax von Subjekt und Prädikat ständig, daß 'Dinge' irgendwie Qualitäten und Attribute 'haben'.

327 Der Kategorie des Dings entspricht die Wortart des Substantivs, der der Eigenschaft die des Adjektivs, die verschiedenen Arten der Beziehung werden durch Verba ausgedrückt.

328 Die Wörter der Sprache bedingen eine substanzialisierende Fälschung.

329 "Wer das Wort zerstört, kann auch das System zerstören."

330 "Die Verflüssigung des Begriffs aktiviert das Denken."

331 "Ob wir leiden, ob wir selig werden können, ob wir als einzelne existierende Menschen unsterblich sind, darum bekümmert sich der Begriff nicht. Denn der Denker ist auf dem Wege, kein Mensch mehr zu sein, er überläßt uns das Schlimmste und geht stolz aus einer Existenz, die so wenig das Interesse der Abstraktheit berührt."

332 Logik ist nur die Lehre vom Denken in Begriffen, nicht vom Erkennen durch Begriffe.

333 Die Sprache konnte zu einem metaphysischen Problem erst dann und dort werden, wo das Hilfszeitwort "sein" in der Sprache auftrat. Im Lateinischen z.B. kannte die Wortgruppe ''hic leo" (hier Löwe) ohne weiteres als "Hier ist ein Löwe" verstanden werden. Die Frage, ob ein vor Augen stehendes Ding "ist", stellte sich nicht.

334 Worte sind die Gefäße unseres Geistes.

335 Die Trennung von Subjekt und Objekt ist eine durch die Sprachform erzeugte Täuschung.

336 "...mit einer Sprache zu kämpfen, die von Philosophen verderbt, von Staats-, Religions - und anderen Gläubigen gemißbraucht und einer grenzenlosen Begriffsverwirrung fähig gemacht worden war."

337 "Alle Dinge bedürfen eines Namens, daß sie nicht schlüpfrig dem Zugriff entgleiten. Denn der Name erst macht das Ding."

338 Wörter bezeichnen immer ein Allgemeines, denn nichts in der Wirklichkeit entspricht. Aus der Verkennung dieses Umstands ergeben sich die meisten Irrtümer.

339 Jede Begriffsbildung ist ein Urteilen.

340 Ein Begriff wie "Zitrone" oder "Berg" repräsentiert als ein Etikett ein Fülle von Merkmalen der Größe, Härte, Schwere, Oberflächenbeschaffenheit und Zweckdienlichkeit. Im Begriff werden Erfahrungen registriert um jederzeit auf Abruf zur Verfügung zu sein.

341 "Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache."

342 Keiner denkt bei denselben Worten das, was der andere denkt.

343 Die Sprache ist das Instrument unseres Geistes.

344 "Lebt das Wort, so wird es von Zwergen getragen; ist das Wort tot, so können es keine Riesen aufrechterhalten."

345 Wir sprechen und denken in Gegenständen.

346 Das Aussprechen bringt alles in Relativität.

347 "Würde man das Sein erkennen können, so würde man die Erkenntnis nicht mitteilen können."

348 "Reden ist übersetzen."

349 Was einmal Leben war, wird ein Haufen toter Begriffshülsen.

350 "Empfindung" und "Denken" sind selbst nur eine sprachliche Figur.

351 Was durch die Sprache zu erlangen ist, ist nicht die höchste Wahrheit.

352 Die älteste Sprache war Musik. Die älteste Schrift war Malerei.

353 Die Sprache ist nicht nur Hauptkommunikationsmittel zwischen den Menschen, sondern auch der Mittelpunkt des Mißverständnisses.

354 "Wir mögen, jeder nach seinem Geschmack die Welt als stofflich oder geistig oder beides oder keins von beiden betrachten: tatsächlich besagen diese Wörter nichts."

355 Dualismen werden durch die Begrifflichkeit erzeugt.

356 Die Sprache schafft die Unterscheidungen.

357 Die Wirklichkeit entspricht nicht der Form unserer Sprache und Logik.

358 Das esoterische, nicht duale Erkennen ist grundsätzlich vom exoterischen symbolischen Erkennen zu unterscheiden.

359 Das symbolische Denken ist unverzichtbar, vorausgesetzt wir verwechseln es nicht mit der Wirklichkeit.

360 "Schweigen ist das letzte Wort."

361 Der Verstand erkennt durch Begriffe.

362 Das diskursive Denken ist an den Ausdruck gebunden, vor allem an die Sprache.

363 Die Erkenntnisse der Wissenschaft bedürfen der allgemeinen Begriffe.

364 "Die Besitznahme ist teils die unmittelbare körperliche Ergreifung, teils die Formierung, teils die bloße Bezeichnung."

365 Die Sprache ist das Medium der Idee.

366 "Man kann sich kaum der Ansicht entschlagen, daß es gewissermaßen fleissige und faule Wörter gibt, nämlich Wörter, die in unserem täglichen Werkeltag mitarbeiten, und andere, die nur im philosophischen Seminar in Erscheinung treten."

367 "Alles Sprachliche kann immer mißverstanden werden. Daß wir uns so oft verstehen, beruth größtenteils auf dem guten Willen: auf dem Wunsch zu verstehen."

368 Unsere Sprache ist von Theorien durchsetzt.

369 Der Gültigkeitsbereich der üblichen Raum-Zeit-Begriffe ist auf das Beobachtbare beschränkt, auf atomare Dimensionen sind sie nicht anwendbar.

370 Im atomaren Bereich werden raumzeitliche Begriffe illegitim verwendet.

371 Gibt es keine Gleichheit, gibt es keine Gesetzmäßigkeit und keine Sprache.

372 Universalien wie "Zange" oder "Hammer".

373 "Aus dem Begriff des Ich und der Quantität lassen sich durch Gegensetzung und Gleichung alle übrigen Begriffe ableiten."

374 "Die Sprache der Medizin macht es den Pharmakraten leicht, über den Mißbrauch von Frauen zu sprechen, ohne den Mißbrauch selbst zu erkennen. Gesundheitsprofis haben den Begriff 'Experiment' durch den Begriff 'Entwicklung' ersetzt, oder durch: 'Therapie', 'Behandlung', 'Sonderprogramm', 'Dienstleistung'. Forschungsobjekte nennen sie entsprechend 'Patientinnen'. Durch diese stillschweigende Sprachregelung gestatten sich Ärzte wie auch Behörden zur Kontrolle dieser Ärzte gegenseitig, Experimente an Frauen durchzuführen und zu billigen. Sie halten die Fiktion der ausschließlich heilsamen Beziehung zwischen Forschern und ihren Versuchsobjekten am Leben und beginnen vermutlich allmählich, selbst daran zu glauben. Würde nun ein Mitglied dieser Gruppe die Dinge beim Namen zu nennen, wäre das wechselseitige Einverständnis in Gefahr."

375 "In guter Literatur - gut, soll das heißen, auf der privaten Ebene - weichen die stumpfen Ungenauigkeiten konventioneller Sprache den subtileren und eindringlicheren Ausdrucksformen. Der Ehrgeiz des literarischen Künstlers ist es, vom Unaussprechlichen zu sprechen, in Wörtern das mitzuteilen, zu dessen Übermittlung Wörter nie bestimmt waren. Denn alle Wörter sind Abstraktionen und stehen für solche Aspekte einer gegebenen Klasse von Erlebnissen, die erkennbar einander gleich sind. Diejenigen Elemente der Erfahrung, die, einzigartig abweichend, anders als durchschnittlich sind, bleiben außerhalb des Pferchs gemeinsamer Sprache."

376 "Wir haben Wörter, um den 'Vordergrund' zu beschreiben, die Oberflächenrealität, aber keine für die Beschreibung des 'Hintergrunds' der darunterliegenden Wahrheiten. Wir haben Wörter, die die Medizin als Heilkunst beschreiben, aber keine, um sie als Methode gesellschaftlicher Kontrolle oder politischer Herrschaft kenntlich zu machen."

377 "Worte sind immer einfacher, als die rohe Wirklichkeit, die von ihnen in ein Schema gebracht wird; wären sie das nicht, so wäre jede Erörterung und jedes gemeinsame Handeln unmöglich."

378 "In vollkommener Reinheit hört die Sprache auf eine Sache der Wörter zu sein und verwandelt sich in Mathematik."

379 "The real metaphysical problem is the word."

380 "die Denkvorschriften der Sprache"

381 "Die Sprache kann nur benennen, nicht erklären; es gibt keine Real-, sondern nur Nominal../../b-u-t/221149/wbdef.html" target="_blank">definitionen."

382 "Für das irdische Wirtshaus natürlich, für das Mitteilungsbedürfnis ist sie ja brauchbar, für das Schwatzvergnügen der Wirtshausgäste und für die Zurufe an den Speisenträger. Da kommt man mit der Sprache recht weit."

383 "So kann die Philosophie nichts weiter sein wollen, als kritische Aufmerksamkeit auf die Sprache."

384 "In der Logik ist das Wort frech geworden."

385 Im Tractatus (4.014) glaubt Wittgenstein, anders als Mauthner, an eine Beziehung zwischen der Struktur der Wirklichkeit und der Struktur der Sprache. Mauthner dagegen leugnet jede Beziehung zwischen Sprachstruktur und Wirklichkeitsstruktur.

386 Mach kritisierte das substantielle Denken in Form von Dingbegriffen.

387 Begriffe sind Elementarfaktoren unserer Erkenntnis. Im Begriff spiegelt sich eine bestimmte Problemlage; er repräsentiert in relativ knapper sprachlicher Form ein Theorem.

388 "So zeigt denn die gesamte Sachlage einen Beziehungsreichtum, dem kein vereinzelter Terminus gewachsen ist."

389 "Der Glaube an die objektive Wesenheit und an die objektive kraft des Zeichens, der Glaube an Wort- und Bildzauber, an Namen - und Schriftzauber, bildet ein Grundelement der mythischen Weltansicht."

390 "Es gibt - wenn man von der Wissenschaft selbst absieht - keine Kulturerscheinung, die sich als begriffsbildender Faktor auch nur annähernd mit dem Recht vergleichen ließe."

391 Unsere Begriffe sind lediglich Produkte der Abstraktion und bloße Denkgebilde.

392 "'Methode', '../../b-u-t/221149/wbbeg.html" target="_blank">Begriff', und '../../b-u-t/221149/wbgeg.html" target="_blank">Gegenstand' bilden eine bedeutsame Trias, die die Gesamtheit logisch-erkenntnistheoretischer und denkpsychologischer Probleme umspannt."

393 Aus der logischen Beurteilung nach Begriffen läßt sich niemals eine unmittelbare Folgerung auf das Gefühl der Lust oder Unlust ziehen.

394 Die Unmöglichkeit, die Wirklichkeit, 'so wie sie ist', in Begriffe zu fassen, führt zur Behauptung der Irrationalität der empirischen Wirklichkeit.

395 Der Begriffsrealismus gilt als überwunden.

396 Wenn wir von einem Gegenstand sprechen, zum Beispiel von einem Tisch, so meinen wir etwas, was verschieden ist von den Inhalt der Beobachtungen, die wir an dem Tisch machen. Wir können den Tisch sehen, wir können ihn betasten, wir spüren seine Festigkeit, seine Härte, wir empfinden ein Schmerzgefühl, wann wir uns an ihm stoßen usw. Aber von einem Ding, was außer oder hinter allen diesen Sinnesempfindungen ein selbständiges Dasein führt, wissen wir nichts. Daher ist im Lichte des Positivismus der Tisch nichts anderes als ein Komplex derjenigen Sinnesempfindungen, die wir mit dem Worte Tisch verbinden. Nehmen wir alle Sinnesempfindungen fort, so bleibt schlechterdings nichts übrig. Die Frage, was ein Tisch 'in Wirklichkeit' ist, hat gar keinen Sinn. Und so geht es mit allen physikalischen Begriffen überhaupt. Die ganze uns umgebende Welt ist nichts anderes, als der Inbegriff der Erlebnisse, die wir von ihr haben. Ohne dieselben hat die Umwelt keine Bedeutung.

397 "Nachdem es sich einmal herausgestellt hat, daß wir, um die Messungsergebnisse verstehen zu können, die anschaulichen Voraussetzungen der klassischen Physik aufgeben müssen, bleibt für die theoretische Forschung gar kein anderer Weg übrig als zu neuartigen abstrakten Begriffsbildungen zu schreiten. Dieser Zug zur Entwicklung ist zwangsläufig, an ihm wird keine Macht der Welt etwas ändern."

398 "Hätten wir also die Wirklichkeit mit Begriffen 'abzubilden', so ständen wir als Erkennende vor ein prinzipiell 'unlösbaren' Aufgabe, und so wird es denn, wenn irgend etwas, das bisher geleistet ist, überhaupt den Anspruch machen darf, Erkenntnis zu sein, auf für den immanenten Wahrheitsbegriff wohl dabei bleiben müssen, daß Erkennen nicht Abbilden durch Beschreibung der 'Phänomene', sondern 'Umbilden', und zwar, wie wir hinzufügen können, im Vergleich zum Wirklichen selbst, immer 'Vereinfachen' ist."

399 Das Problem der wissenschaftlichen Objektivität ist eine Frage der Methode und betrifft das Verhältnis zwischen Begriff und Begriffsbildung und Erfahrung.

400 Die Wirklichkeit kann auf kein Begriffssystem zurückgeführt werden,

401 Das Konkrete in seiner Einzigartigkeit und Unergründlichkeit markiert die Grenzen der Begriffsbildung.

402 "Denn alle sprachliche Darstellung muß der Eindimensionalität des Zeitablauf gehorchen, während das System der Sache selbst vieldimensional ist."

403 Es stand die reine Objektivität der reinen Verstandesbegriffe in Frage.

404 "Ein unaufhaltbarer Antagonismus existiert zwischen dem, was wirklich ist, und dem, was durch das begriffliche Denken bewältigt werden kann. Versucht man, die Wirklichkeit in einen wissenschaftlichen Begriff zu bringen, so zeigt sich sogleich deren Irrationalität. Die Wirklichkeit, so wie sie ist, geht in keinen Begriff ein. Das lebendigste Objekt, worauf irgendein Erkennen sich richtet, hört auf, real zu leben, soweit es begriffen ist. Der Dualismus von Wirklichkeit und Begriff ist niemals aufzuheben. Seine Überwindung würde zugleich die Wissenschaft selbst überwinden."

405 "Die unübersehbare Mannigfaltigkeit des Individuellen verwirrt uns, solange sie nicht durch die Begriffsbildung überwunden ist."

406 "Die Bedeutung der Sprache für die Entwicklung der Kultur liegt darin, daß in ihr der Mensch eine eigene Welt neben die andere stellte, einen Ort welchen er für so fest hielt, um von ihm aus die übrige Welt aus den Angeln zu heben und sich zum Herren derselben zu machen. Insofern der Mensch an die Begriffe und Namen der Dinge als an 'aeternae veritates' (ewige Wahrheiten) durch lange Zeitstrecken hindurch geglaubt hat, hat er sich jenen Stolz angeeignet, mit dem er sich über das Tier erhob: er meinte wirklich in der Sprache die Erkenntnis der Welt zu haben. Der Sprachbildner war nicht so bescheiden zu glauben, daß er den Dingen eben nur Bezeichnungen gebe, er drückte vielmehr, wie er wähnte, das höchste Wissen über die Dinge mit den Worten aus; in der Tat ist die Sprache die erste Bemühung um die Wissenschaft. Der Glaube an die erfundene Wahrheit ist es auch hier, aus dem die mächtigsten Kraftquellen geflossen sind. Sehr nachträglich - jetzt erst - dämmert es den Menschen auf, daß sie einen ungeheuerlichen Irrtum in ihrem Glauben an die Sprache propagiert haben. Glücklicherweise ist es zu spät, als daß es die Entwicklung der Vernunft, die auf diesem Glauben beruht, wieder rückgängig machen könnte.

Auch die Logik beruth auf Vorraussetzungen, denen nichts in der wirklichen Welt entspricht, zum Beispiel auf der Voraussetzung der Gleichheit von Dingen, der Identität desselben Dings in verschiedenen Punkten der Zeit: aber jene Wissenschaft entstand durch den entgegengesetzten Glauben (daß es dergleichen in der wirklichen Welt allerdings gebe). Ebenso steht es mit der Mathematik, welche gewiß nicht entstanden wäre, wenn man von Anfang an gewußt hätte, daß es in der Natur keine exakt gerade Linie, keinen wirklichen Kreis, kein absolutes Größenmaß gebe."

408 "Original. - Nicht daß man etwas Neues zuerst sieht, sondern daß man das Alte, Altbekannte, von jedermann Gesehene und Übersehene 'wie neu' sieht, zeichnet die eigentlich originalen Köpfe aus."

409 "Das Wort und der Begriff sind der sichtbare Grund, weshalb wir an die Isolation von Handlungen-Gruppen glauben: mit ihnen 'bezeichnen' wir nicht nur die Dinge, wir meinen ursprünglich durch sie das 'Wahre' desselben zu erfassen."

410 "Als ob nicht alle Worte Taschen wären, in welche bald dies, bald jenes, bald mehreres auf einmal gesteckt worden ist."

411 "Gefahr der Sprache für die geistige Freiheit: Jedes Wort ist ein Vorurteil."

412 Bei der Materie handelt es sich um eine Abstraktion, als um etwas nicht im vollen Sinne Wirkliches, deshalb kann keine Wissenschaft von der Materie logisch befriedigend ausfallen.

413 "Ich glaube z.B. nicht mehr, daß die Gesetze der Logik Gesetze sind, die 'das Verhalten der Dinge selber' bestimmen - ich halte sie inzwischen für Gesetze, die ausschließlich unsere Sprache betreffen."

414 "Um es deutlich zu sagen, eine Sprachreform - als Heilung von den leeren Symbolen und vom Verbalisieren - ist nur möglich, wenn wir die Strukturen der Poesie und der Literatur erlernen und wenn wir schließlich selber Poesie hervorbringen und die Umgangssprache poetisch machen."

415 "Schließlich aber muß man sich immer wieder klarmachen, daß die Wirklichkeit, von der wir sprechen können, nie die Wirklichkeit 'ansich' ist, sondern eine gewußte Wirklichkeit oder sogar in vielen Fällen eine von uns gestaltete Wirklichkeit. Wenn gegen diese letzte Formulierung eingewandt wird, daß es schließlich doch eine objektive, von uns und unserem Denken völlig unabhängige Welt gebe, die ohne unser Zutun abläuft oder ablaufen kann und die wir eigentlich mit der Forschung meinen, so muß diesem zunächst so einleuchtenden Einwand entgegengehalten werden, daß doch schon das Wort 'es gibt' aus der menschlichen Sprache stammt und daher gut etwas bedeuten kann, das gar nicht auf unser Erkenntnisvermögen bezogen wäre. Für uns 'gibt es' eben nur die Welt, in der das Wort 'es gibt' einen Sinn hat."

416 Die Wörter 'Materie', 'Kraft', 'Struktur von Raum und Zeit' scheinen nur verschiedene Seiten des gleichen Geschehens zu bezeichnen.

417 "So wie alles Erkennen und Bezeichnen, und damit die ganze Sprache auf der Wiederholung beruht, d.h. auf der Möglichkeit, unter verschiedenen Umständen etwas 'Gleiches' zu finden, so nimmt auch die wissenschaftliche Ordnung der Welt von der Wiederholung, von der Gesetzmäßigkeit ihren Ausgang. Ganz allgemein basiert schon der mit der Sprache unternommene Versuch, etwas 'Objektives' darzustellen, auf der durch den Erfolg gerechtfertigten Voraussetzung, daß eine feste Kette von Ursache und Wirkung vom 'Objekt' zu uns und, wenn wir handeln, von uns zum Objekt führe. Denn ohne diese feste Kausalkette könnte nicht von einer 'Wahrnehmung' auf einen bestimmten 'Vorgang' geschlossen werden, und jeder Verständigung über das, was geschieht, wäre die Grundlage entzogen.

Dieser Situation wird die klassische Physik insofern gerecht, als sie die Darstellung objektiver Vorgänge in Raum und Zeit von Anfang an mit der Voraussetzung der völligen Determiniertheit dieser Vorgänge verbindet. Sie entwirft das Bild von räumlichen, von der Außenwelt abgeschlossenen materiellen Systemen, deren zeitlicher Ablauf für alle Zukunft aus ihrem gegenwärtigen Zustand bestimmt ist.

Im Gegensatz zu dieser Idealisierung führt der Zustandsbegriff der Quantentheorie in der Frage der Determiniertheit der Naturvorgänge eine völlig neue Situation herbei. An die Stelle des 'abgeschlossenen' Systems als etwas in Raum und Zeit vor sich gehenden tritt hier die Gesamtheit möglicher Vorgänge in Raum und Zeit, die sich beim 'Beobachten' des Systems, als bei seiner 'Verbindung' mit der Außenwelt, abspielen. Vollständige Determiniertheit könnte hier höchstens dann erwartet werden, wenn außer dem Zustand des Systems auch die Einzelheiten des zur Beobachtung notwendigen Eingriffs als gegeben angesehen werden könnten. Die genaue Kenntnis dieser Einzelheiten wäre aber wiederum nur dann durch eine genaue Beobachtung der den Eingriff verursachenden Beobachtungsmittel zu erreichen, wenn diese Beobachtung nicht selbst wieder von einem unkontrollierbaren Eingriff abhinge - in anderen Warten: man stößt hier auf einen regressus ad infinitum, der verhindert, daß die Forderung nach Determiniertheit der Naturvorgänge sinnvoll gestellt werden kann."

418 Wörter wie 'Leben' oder 'Liebe' müssen den Prozess der "Verschärfung der Begriffe" durchmachen.

419 "Denn alles Geistige, sei es in der Sprache, der Wissenschaft oder der Kunst, beruth auf der Verwendung und auf der Kraft von Symbolen."

420 Die Alltagssprache ist ganz und gar mit dem Begriff der Zeit durchdrängt. Man kann ein Verbum (Zeitwort) überhaupt gar nicht anders anwenden als in der einen oder anderen Zeitform.

421 Wahrheit scheint von vornherein als Satzwahrheit in einem Sprachsystem definiert zu sein.

422 Unser Gemeinschaftsgefühl ist zu einem nicht unwesentlichen Teil auf unsere Sprachfähigkeit zurückzuführen.

423 Texte sind nichts anderes als verwobene Sinneinheiten.

424 "Es gibt kein Denken ohne Worte."

425 "Es kann kein Willensakt als unter der Form eines Gedankens gegeben sein."

426 "Etwas mit Worten beschreiben, und das mit Augen Gesehene sind irrationale Größen zueinander. Die Wahrnehmung ist nämlich ein Kontinuum, die Beschreibung kann es nicht sein. Die Aufgabe, durch Beschreibung den Gegenstand richtig darzustellen, kann nur auf verschiedene, nie auf dieselbe Weise gelöst werden. Es ist darin immer eine Verwandlung das Kontinuums, des konkreten Gegenstandes, in den diskreten, - in eine aus einzelnen Sätzen bestehende Beschreibung, worin immer ein Urteil des Beschreibers mit enthalten ist, und notwendig einiges nicht beschrieben, übergangen, anderes zusammengezogen wird, weil sonst die Beschreibung eine unendliche werden müßte. Es gleicht diese Verwandlung eines Kontinuums der Verwandlung einer Fläche in einen einzelnen Punkte."

427 "Die Schrift für das allgemeine Leben ist analog dem Gelde."

428 "Die Sprache ist nicht gemacht, die Bestimmtheit des Einzelnen zu geben, aber der Dichter zwingt sie dazu, und daß er dies erzwingt, ist seine Meisterschaft. Die Sprache besteht aus der Kombination fest gewordener Elemente, sie kann also auch eigentlich das in sich Wechselnde darstellen, der Dichter zwingt sie aber dazu auf indirekte Weise, und dies ist eben seine Meisterschaft."

429 die Grenzen der klassischen Begriffe.

430 Statische Begriffe der Erhaltung

431 Wir versuchen, die Vorstellungen einer überholten Weltsicht auf eine Wirklichkeit anzuwenden, die sich in solchen Begriffen nicht länger verstehen läßt.

432 Das übertriebene Vertrauen in sprachliche Ausdrücke war der Grund für die vielen Schwächen der Philosophie und Physik bei den Griechen wie auch bei den mittelalterlichen Denkern.

433 "Die grundlegende Geistestätigkeit ist das 'begriffliche Erfassen"'.

434 Die Einheit der Schrift mußte erst geschaffen werden.

435 "Wir theilen die Dinge nach Geschlechtern ein, wir bezeichnen den Baum als männlich, die Pflanze als weiblich: welche willkürlichen Übertragungen!"

436 Der Bau der Begriffe "dieser ist nämlich eine Nachahmung der Zeit-, Raum- und Zahlenverhältnisse auf dem Boden der Metaphern."

437 "Das Quantum, indem es als eine gleichgültige Grenze gewonnen wird, ist die Seite, an der ein Dasein unverdächtig angegriffen und zugrunde gerichtet wird. Es ist die List des Begriffes, ein Dasein an dieser Seite zu fassen, von der seine Qualität nicht ins Spiel zu kommen scheint..."

438 "Die Worte liegen uns im Wege! - Überall, wo die Uralten ein Wort hinstellten, da glaubten sie eine Entdeckung gemacht zu haben. Wie anders stand es in Wahrheit! - sie hatten ein Problem gerührt, und indem sie wähnten, es 'gelöst' zu haben, hatten sie ein Hemmnis der Lösung geschaffen. - Jetzt muß man bei jeder Erkenntnis über steinharte verewigte Worte stolpern, und wird dabei eher ein Bein brechen, als ein Wort."

439 Keine Sprache bildet eine fertig vorgefundene Welt ab, sondern wir haben es immer mit Welten zu tun, die schon sprachlich erzeugt sind.

440 "Wir drücken unsere Gedanken immer mit den Worten aus, die uns zur Hand sind. Oder um meinen ganzen Verdacht auszudrücken: wir haben in jedem Momente eben nur den Gedanken, für welchen uns die Worte zur Hand sind, die ihn ungefähr auszudrücken vermögen."

441 "Das Sprechen, ja das Denken wird mir verhaßt: höre ich denn nicht hinter jedem Worte den Irrtum, die Einbildung, den Wahngeist lachen?"

442 "Was ist Originalität? Etwas 'sehen', das noch keinen Namen trägt, noch nicht genannt werden kann, ob es gleich vor aller Augen liegt. Wie die Menschen gewöhnlich sind, macht ihnen erst der Name ein Ding überhaupt sichtbar. - Die Originalen sind zumeist auch die Namengeber gewesen."

442 In der Logik werden bloß Begriffe geschoben.

443 "Das absolut Verschiedene ist aber das, wofür man keine Kennzeichen hat..."

444 "Der Begriff gleicht einem toten Behältnis, aus welchem man nicht mehr herausholen kann, als man anfangs hineingelegt hat, die Idee hingegen entwickelt sich in dem, welcher sie erfaßt hat, sie gleicht einem lebendigen, sich entwickelnden, mit Zeugungskraft begabten Organismus, welcher hervorbringt, was nicht in ihm eingeschachtelt lag."

445 Die Kritik der Sprache stürzte den Glauben an den gesunden Menschenverstand, "den Glauben daran, daß die Welt für den Verstand verständlich sei, den Glauben also an eine Begreiflichkeit oder Begrifflichkeit der Welt."

446 Worte ansich sind weder wahr noch falsch.

447 "Wir kennen nur die Nominalessenzen nicht die Realessenzen der Dinge."

448 der Schlangenbetrug der Sprache.

449 Den Begriffen entsprechen keine Dinge.

450 "Die Eingeweihten haben etwas zu erleben, nichts zu lernen. Das Gebot, die Geheimnisse nicht zu verraten, konnte darum so leicht erfüllt werden, weil keine Worte zu verraten waren."

451 "...Wortleichen, die man zu begraben vergessen hat."

452 die sprachkritische Einsicht, daß das Wort der Sache nachgeschickt wird.

453 Der gewöhnliche Alltagsverstand nimmt wortwörtlich.

454 Der Kampf zwischen Nominalismus und Wortrealismus ist nicht nur der gewaltigste Geisteskampf der in seinen Anfängen zweihundert Jahre hinter Abälard zurückreicht, er ist auch heute noch nicht geschlichtet, wenn man ihn nicht durch die Sprachkritik als beigelegt ansehen will.

455 Der Terminus 'Begriff' ist heute so umstritten wie je.

456 Immer generellerer Geltungsbereich eines Begriffes bedeutet immer höheren Abstraktionsgrad.

457 der 'hiatus irrationalis' zwischen Begriff und Wirklichkeit.

458 Das logische Problem der Beziehung zwischen Begriff und Begriffenen wurde so nicht in seiner methodischen Tragweite erkannt.

459 'Kausalität' 'Gesetz' und 'Begriff' sind die Kategorien des objektivierenden Erkennens.

460 Nomologisches Wissen ergibt sich aus Begriffen und Regeln die an Hand der Kausalitätskategorie entwickelt wurden.

461 Die Art der Bildung der Begriffe ist überaus weitgehend eine Zweckmäßigkeitsfrage.

462 Jede inhaltliche Begriffsbestimmung ist eine Abgrenzung gegen andere Begriffe und schließt damit eine Verneinung ein.

463 Die Einschulung des Auges auf die Beobachtung der Wirkung qualitativ gleichartige Ursachenkategorien und die stete Verwendung des gleichen begrifflich - methodischen Apparates bietet alle Vorteile der Arbeitsteilung.

464 "... denn alle Begriffe von Wissenschaften sind zunächst Begriffe von Aufgaben und Problemen."

465 Alles wissenschaftliche Erkennen nimmt notwendig eine 'sprachliche' Gestalt an.

466 "Solange wir nur das denken, was uns unmittelbar gegeben ist, müssen wir auch den Unterschied denken, der das Gegebene selber von 'allen' Wortbedeutungen trennt, mit denen wir es bezeichnen. Diesen Unterschied können wir nie beseitigen, solange wir überhaupt Worte gebrauchen, um einen Inhalt zu benennen."

467 "Was aber sind Begriffe anderes als gedankliche Formulierungen und Schöpfungen? Anstatt uns die wahre Form der Objekte zu zeigen, vermitteln sie uns nichts weiter als Gedankenformen. Alle Ordnungsschemata, die die Wissenschaft zur Klassifizierung, Organisation und Zusammenfassung der Phänomene der wirklichen Welt entwickelt, sind demzufolge nur willkürliche Kunstgriffe - windige Fabrikate des Geistes, die nicht die Natur der Dinge, sondern die Natur des Geistes zum Ausdruck bringen."

468 Der Wortaberglaube ist "nicht nur ein Zeichen von Verdummung, sondern auch ein Mittel zur Unterdrückung: die jeweils herrschenden Mächte stützen sich auf Kräfte, die, wenn alles gesagt und getan ist, nur in Worten existieren ('Gnade Gottes', 'Wille der Nation' usw.)."

469 "Der Wortaberglaube ist unausrottbar."

470 "Vernunft ist Sprache; an diesem Markknochen nage ich und werde mich zu Tode darüber nagen."

471 Die scholastischen Systematiker glaubten an die Fähigkeit der Vernunft, die Wirklichkeit in Begriffen zu erfassen.

472 "Die geläufige Terminologie ist bereits ideologisch; und solche terminologischen Mängel weisen auf tiefer liegende methodische Fehler hin."

473 "Tatsachen verwandeln sich nicht unversehens in Begriffe und Theorien; außerhalb des Systems von Begriffen und Theorien gibt es keine wissenschaftlichen Tatsachen, nur das Chaos. Ein unabdingbares apriorisches Element findet sich in aller wissenschaftlichen Arbeit. Man muß Fragen stellen, bevor man sie beantworten kann. Alle Fragen sind Ausdruck unseres Interesses an der Welt; sie sind im Grunde Wertungen. Wertungen sind daher notwendig in das Gedankengebäude mit eingeschlossen, wenn wir die Wirklichkeit beobachten und die theoretische Analyse vorantreiben; sie bilden mehr als das Gerüst, wenn wir aus Tatsachen Wertungen und politische Forderungen ableiten."

474 "Der Objektivierungsdrang und seine Objekthaftigkeit ist das entscheidende Merkmal des westlichen Geistes. Es ist der Begriff, der das Objekt im westlichen Sinne möglich macht, genau wie der Begriff selbst auf der objektivierten Struktur des westlichen Geistes beruth."

475 Die Sprache bringt dazu, Namen für gar nicht existierende Gegenstände zu erfinden und diesen Gegenständen Realität zuzuschreiben. Der Wortrealismus schafft Pseudo-Objekte.

476 "Gewiß ist die Sprache nicht die einzige oder letzte Grundlage unserer Weltauffassung und darf keinesfalls mit dem Denken gleichgesetzt werden..."

477 "Was ich sage, das meine ich nicht, und was ich meine, vermag das Wort nicht zu sagen."

478 Die Körperwelt und das Seelenleben sind im Grunde nur zwei verschiedene Bewußtseinsarten ein und derselben Wirklichkeit. Es handelt sich um eine rein begriffliche Zweiheit.

479 "Wie die Körperliche, so ist auch die seelische Welt nur eine abstrakte Begriffsbildung der Erkenntnis; sie sind beide etwas gedanklich Geschaffenes, begrifflich herausgelöst aus dem einheitlichen Tatbestand unseres Erlebens, Reflexionspunkte, aber nicht Arten von Realität."

480 "Die Erkenntnis erschafft erst den Gegenstand, in ihr entsteht er erst, als eine Begriffsbildung zur Logisierung des sinnlich Gegebenen."

481 Der Begriff ist die Bedeutung des Wortes.

482 Für die traditionelle Theorie war die Geltung der Allgemeinbegriffe durch die Hypothese der Gleichheit von Begriff und realer Wesenheit vermittels der Verdinglichung des Begriffs und der Rationalisierung des Dinglichen gestützt.

483 Der Begriff ist ein 'psychisch' Reales.

484 Die Subjekt-Objekt-Relation, wie sie in der Wahrnehmung gegeben ist, war ursprünglich der Prototyp, nachdem auch die Struktur des begrifflichen Erkennens gedacht wurde. Diese Analogie behielt solange ihren Sinn, als der Begriffsinhalt in der Sphäre des irgendwie gegenständlich 'Gegebenen' verblieb. Hier ist er aber von Ockham herausgehoben worden. Der Begriff besitzt nur mehr als psychischer Akt Realität, dessen Inhalt nicht mehr als 'gegeben' bezeichnet werden kann und der in keiner Weise mehr Objekt im bisherigen Sinn ist.

485 Begriff und Objekt verhalten sich zueinander wie der Schrei zum Schmerz oder wie der Rauch zum Feuer.

486 Der unerschöpfliche Ursprung wird Brahman geheißen. Dieses läßt sich weder beschreiben, noch definieren. Brahman ist das Unendliche, welches das Endliche gebiert. Alle menschlichen Begriffe sind endlich, da sie mindestens den Gesetzen der Grammatik unterliegen, sofern sie sich sprachlich fassen lassen. Daher können sie den Ursprung der Wirklichkeit niemals bestimmen. Brahman bleibt jenseits von Namen und Form.

487 "Die buddhistische Lehre von der Leere (Sunya Vada) weist jede Aussage über das Daseiende als verkehrt ab, sowohl die Aussage "etwas ist", als auch die entgegengesetzte "etwas ist nicht". Keinerlei Aussage stimme mit der Wirklichkeit überein, weil der Urgrund der Welt sich weder als Etwas, noch als Nicht-Etwas erweisen läßt. Er entzieht sich der begrifflichen Formulierung; und nur derjenige, welcher jenseits dieser Begrifflichkeit gelangt, dabei aber die Schritte zu ihrer Überwindung in einzelnen kennt, wird die echte Erleuchtung erlangen."

488 Alle unsere Begriffe sind wertgeladen.

489 "Erkenntnis beruth auf Bezeichnung, auf der Darstellung, auf der Sprache. Deshalb muß sich eine Untersuchung der Erkenntnis an der Sprache vollziehen."

490 Es gibt kein Wissen von Gott, es gibt keine Möglichkeit, das prinzipiell Jenseitige in diesseitigen Kategorien zu begreifen. Die Wissenschaft dagegen ist durch den auf das System angelegten Begriff gekennzeichnet.

491 Den Stoff zu aller Erkenntnis liefern unsere Empfindungen; in ihnen liegen die 'Data' zu der ansich leeren Begriffsform.

492 Die Zahlen sind die einfachsten und allgemeinsten Begriffe, die wir haben, und der Unterschied der Zahlen, der zahlenmäßige Unterschied, ist der klarste und bestimmteste, den wir kennen.

493 Jeder Begriff ist ein 'Problem'.

494 "'Stoff', 'Kraft', 'Ursache', 'Veränderung', 'Bewegung'. Wer diese Begriffe als selbstverständlich betrachtet, und es unternimmt aus ihnen, gleich wissenschaftlichen Bausteinen, den Weltbegriff zu konstruieren, verfährt zum mindesten voreilig, und setzt sich der Gefahr aus, von der 'Kritik der Begriffe', dieser wissenschaftlichen Baupolizei, gezwungen werden, sein ganzes Gebäude wieder abzutragen."

495 'Unmittelbar' meint: noch nicht begrifflich bearbeitet.

496 Abstrakte Begriffe werden unvermerkt zu real-existenten Wesen, wo nicht scharf zwischen 'realer' und 'mentaler' Existenz unterschieden wird.

497 Bewußtsein setzt Sprache voraus.

498 Unsere Begriffe richten sich nicht nach den Gegenständen, sondern die Gegenstände nach unseren Begriffen. Wir nehmen die Welt nicht wahr, wie sie in Wirklichkeit ist, sondern wie sie aufgrund unserer Bewußtseinsstruktur erscheint.

499 Die allergewöhnlichste Verwechslung von Wort und Begriff.

500 Die falsche Spitzfindigkeit der Logik und aller ihrer Modi geht wesentlich auf sprachliche Motive zurück.

501 "Das Geltungsprinzip des Objektgedankens ist die gemeinsam logische Wurzel von 'Wirklichkeiten' wie von Begriffen."

502 "Gravitation", "Elektrizität" sind vollkommene Rätsel, wenn sie etwas anderes sein wollen als Begriffe von Gesetzmäßigkeiten sensibler Vorgänge. Alle physikalischen Begriffe enthalten nur Abstraktionen und keine Realitäten."

503 "Denn in der herkömmlichen Theorie der Begriffsbildung wird das 'Allgemeine', das den Inhalt des Begriffs ausmacht, immer erst nachträglich aus dem Besonderen, das als solches vor aller begrifflichen Bestimmung als 'gegeben' gilt, entwickelt und genommen. Es bildet demnach ein sekundäres Produkt, das gleichsam in einer ganz anderen Ebene liegt als die primären anschaulichen Elemente, an welche die Begriffsbildung anknüpft. In der Beziehung dieser beiden Ebenen zueinander ergeben sich alsdann all jene Schwierigkeiten, die in dem mittelalterlichen Kampf um die Realität der 'Universalien' ihren bekanntesten und prägnantesten Ausdruck gefunden haben, die aber, in anderer Fassung und Formulierung noch bis tief in die Philosophie hinein weiterwirken. Sind indessen die echten, wissenschaftlich fruchtbaren Begriffe als Ausdruck von Relationen erkannt, so schwindet die eigentliche Schwierigkeit: denn die 'Relation' ist nichts Vermitteltes und Nachträgliches, was zu dem anschaulichen 'Bestand' hinzutritt, sondern sie bildet eine konstitutive Bedingung dieses Bestandes selbst."

504 Die schlichte Wortbedeutung ist bereits eine Form der Begriffsbildung.

505 "Die Macht des Wortes dominiert über den Gedanken."

506 Über die Abstraktion "Opfer" werden Kapital und Arbeit gleichgeordnet. (Strukturelle Gleichwertigkeit von Sparen und Arbeit - psychologischer Kostenbegriff)

507 Der Gesang ist die Essenz der Sprache.

508 Die Mystiker nehmen den Geist wichtiger als das Wort.

509 Es gibt keine von der Diskussion über die Sprache losgelöste Diskussion der empirischen Gegebenheiten. Wir sprechen immer auch über die Sprache, wenn wir über Dinge sprechen.

510 "Und wirklich ist ja aller Glaube in seinem letzten und tiefsten Grunde Glaube an das 'Wort'."

511 "Widersprüche gibt es nur in der Sprache, nur durch die Sprache. Die Natur, wie sie nur einmal da ist, ist auch einheitlich. Diese Einheit können wir nicht entdecken, wenn wir denken oder sprechen, diese Einheit können wir fühlen, wenn wir leben, ungetrennt von der Natur, wie Kinder im Mutterleibe der Natur. Man kann das auch Mystik nennen, erkenntniskritische, sprachkritische Mystik "

512 Die Bedeutung ist "die Seele des Wortes".

513 "Das Sprechen oder das Denken, kurz: die Vernunft, spielt bei der Tierart Mensch die Rolle des Instinkts."

514 "Sprachkritik war mein erstes und ist mein letztes Wort. Nach rückwärts blickend ist Sprachkritik alles zermalmende Skepsis, nach vorwärts blickend, mit Illusionen spielend, ist sie eine Sehnsucht nach Einheit, ist sie Mystik."

515 "Überall, wo echte Kunst waltet begreift ein Genie die eine Welt ohne Begriffe, ohne Sprache."

516 "Die Grammatik ist autonom und keiner Wirklichkeit verantwortlich."

517 "Die Grammatik verhält sich zur Sprache ähnlich wie die Festsetzung des Meters als Längeneinheit zur tatsächlichen Ausführung einer Messung oder auch wie die Einstellung eines Fernrohres zu der Beobachtung, die man macht, wenn man durch das Fernrohr hindurchschaut."

518 "Es gibt gar nicht 'das' Problem der Philosophie, wohl aber gibt es Probleme der Philosophie, d.h. sprachliche Verwechslungen, die ich aufklären kann. Die Philosophie bezieht ihr Pathos von dem Pathos der Sätze, welche sie zerstört. Sie stürzt Götzen, und die Bedeutung dieser Götzen ist es, welche ihr die Bedeutung gibt."

519 "Man sucht krampfhaft nach einem Etwas, das das Wort bezeichnen soll, man bevölkert die Welt mit ätherischen Wesen, den schattenhaften Begleitern der Substantive. Typisch hierfür sind die Worte 'das Sein', 'die Seele', 'das Ich' etc; aber auch Verba gehören hierher, z.B. das Zeitwort 'existieren', das eine Art schattenhafte Tätigkeit zu bezeichnen scheint, die sich an jedem Ding finden soll."

520 Durch tote Buchstaben fühlt sich niemand ernstlich gebunden.

521 "Die Bedeutung eines Wortes ist der Zweck, den es hat; d.h. seine Wirkung."

522 Begriffe sind konventionelle Fiktionen.

523 "Wir betrachten die Sprache nicht unter dem Gesichtspunkt eines Mechanismus, sondern unter dem eines Kalküls, eines Vorgehens nach Normen."

524 Die Sprache dient praktischen Zwecken.

525 "Aber es muß doch etwas geben, das diesem Substantiv entspricht."

526 "Das Substantiv verführt zum Suchen nach einer Substanz."

527 "Wenn Körper nur einen Augenblick lang existieren und dann sofort wieder verschwinden, so würden wir sie kaum mit Namen benennen. Die Form des Verbs scheint besser geeignet zu sein, das Ereignishafte solcher Fälle zum Ausdruck zu bringen."

528 "'Namen' sind genaugenommen Symbole für etwas Komplexes."

529 Wir bringen die Sprache nie mit der Wirklichkeit zusammen, sondern verbinden immer nur ein Zeichen mit einem anderen.

530 Viele Fragen handeln nur scheinbar vom Wesen oder der Struktur der Wirklichkeit und sind nur durch den Nebel hervorgerufen, der um unsere Begriffe ist.

531 "Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache."

532 "Im Grund beschreibe ich mit den Worten 'ich glaube' den eigenen Geisteszustand."

533 "Die Ereignisse der Philosophie sind die Entdeckung irgendeines schlichten Unsinns und Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenze der Sprache geholt hat. Sie, die Beulen, lassen uns den Wert jener Entdeckung erkunden."

534 "Die Sprache ist ein Labyrinth von Wegen. Du kommst von 'einer' Seite und kennst dich aus; du kommst von einer anderen zur selben Stelle, und kennst dich nicht mehr aus."

535 "Eine ganze Wolke von Philosophie kondensiert zu einem Tröpfchen Sprachlehre."

536 "Wir reagieren reflexartig auf geläufige Wörter. Ohne die unaufhörliche Betonung von Wörtern wie 'mich' und 'meint kein rein automatischer, unüberlegter Egoismus."

537 "die Siebenmeilenstiefel des Begriffs"

538 'Substanz' ist ein bloßes Wort, bar jeden Inhalts. Der Begriff der 'Seele' ist nicht weniger abstrakt als der der 'Materie'.

539 Wissenschaft stellt möglichst viele Fakten durch möglichst wenige Begriffe dar.

540 "Verbalisieren heißt 'in Worte fassen'."

541 Die pathologischen Aspekte des Verbalisierens.

542 Kant nennt diejenigen Begriffe, die über die Erfahrung hinausgehen 'transzendent'.

543 "... ob nämlich den Sprachworten 'Gott', 'Seele', 'Wille' irgend etwas in der Wirklichkeit entspreche, so ist für den Sprachkritiker die Antwort gewiß: nein."

544 Begriffe sind denkökonomische Leistungen.

545 Die Verworrenheit hat und hemmt noch immer den Fortschritt der Erkenntnis.

546 In den Begriffen handelt sich allein um die gemeinsamen Merkmale der Individuen.

547 Die Abstraktion ist daher die Methode der "Aufsuchung der Prinzipien".

548 Jeder sprachliche Ausdruck hat Vor - und Nachteile.

549 Die Mystiker hatten schon geahnt, wie unzureichend die Sprache für die Erkenntnis Gottes ist.

550 Die Sprachkritik begreift die Menschenvernunft und die Menschensprache als eine und dieselbe Erscheinung.

551 Die symbolische Ordnung ist die Ordnung der Sprache.

552 "In der Sprache wird das Reale negiert und das Symbolische gestiftet."

553 "Die Sprachwirkung ist die ins Subjekt eingeführte Sprachwirkung."

554 Neurotisches Leiden entsteht als Widerspruch zwischen realem Handeln und einem sprachlich kodifizierten Normensystem.

555 Sprache ist von Grund auf metaphorisch und daher interpretationsbedürftig im Sinne eines "das soll heißen".

556 "Lacan verkündet das Ende der Repräsentation: Die Sprache repräsentiert nicht, sie existiert - als Körper, Geste oder als Schweigen."

557 Einziger Zweck jeder Sprache ist es, etwas mitzuteilen.

zuschriften
Hinweis: Bei den nicht näher gekennzeichneten Textstellen handelt es sich um Passagen, die in verschiedenen Quellen mehr oder weniger sinngleich auftauchen, so daß nicht klar ist, wer von wem abgeschrieben hat.