Schein
H. C. Andersen - Des Kaisers neue Kleider
p-2siehe auch Manipulation, Ideologie, Erfahrung, Wahrnehmung, Empfindung, Gefühl, Irrationalität, Verstand, Ideologie

001 Das beste Mittel zur Unterwerfung von Menschen ist die Unterwerfung ihres Geistes, und diese ist dort am wirksamsten, wo die dazu verwendeten Lehren der menschlichen Illusionsbedürftigkeit entgegenkommen.

002 Soziomorphe, technomorphe, biomorphe oder ähnliche Gedankengebilde vermindern als Form der "Weltverklärung" den Druck der Realität, indem sie ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln.

003 Die Skeptiker und Kyniker behaupteten mit dialektischen Mitteln, daß alles Erkennen überhaupt niemals zur Wahrheit, sondern nur zu einem Scheinwissen führen könne; sie endeten in einem schrankenlosen Relativismus und Konformismus. Denn wenn es keine objektive Wahrheit gibt, so ist das Vernünftigste, sich den jeweils herrschenden Glaubensvorstellungen und Sitten anzupassen.

004 "Der naive Empirismus versucht das Unmögliche: die Wirklichkeit zu beobachten, ohne vorgefaßte Meinungen, bis sich der Stoff von selbst ordnet und wissenschaftliche Gesetze gebiert. Damit gibt man sich natürlich einer Illusion hin, der man nur dadurch einen Schein von Objektivität gibt, daß man die gleichwohl vorhandenen aprioristischen Ideen sorgfältig zu verbergen sucht; ohne solche wäre man selbstverständlich gar nicht zu "Resultaten" gekommen."

005 Das Denken ist das Illusionsinstrument des Menschen.

006 Das Wort ist nur das Abziehbild der wirklichen Sache, ihr Schein und ihr Schatten.

007 Der Schein ist nur trügerisch, solange er unbestimmt ist.

008 Das Zeichen ist etwas, das für etwas anderes steht, es steht anstelle der bezeichneten Sache.

009 Freude und Schmerz sind so groß, wie sie gefühlt werden, d.h. so groß, wie sie uns erscheinen.

010 Die Phänomenologie betrachtet die Erscheinung der Wirklichkeit im Bewußtsein.

011 Wir sind gezwungen in Bildern und Gleichnissen zu sprechen, die zwar nicht genau treffen, was wir meinen und Widersprüche produzieren, trotzdem können wir uns mit diesen Bildern den Sachverhalten irgendwie nähern.

012 Der Teufel hat den ersten Menschen getäuscht.

013 Der Gleichnischarakter der Sinnenwelt ist vergänglich, nur ein Spiegel und Schleier und damit Verhüllung der Wirklichkeit.

014 Der Mystiker durchschaut alle äußeren Formen, Gesetze und Anschauungen als uneigentlich.

015 Die Menschen identifizieren sich allzuleicht mit einer Idee, die sie von sich haben und sind so zwischen ihrem Bild und der Realität gespalten, zwischen dem, was sie zu sein meinen, und dem, was sie sind. Hieraus ergibt sich der Konflikt zwischen dem, was sie sein sollten und dem, was sie sind.

016 Wer sich selbst täuscht, muß auch andere täuschen.

017 Es ist vergeblich sich gegen die Künste der Täuschung wenden zu wollen,
durch die sich die Menschen nur allzugern täuschen lassen.

018 Wir dürfen uns von den Bezeichnungen der Dinge nicht täuschen lassen. Es kommt darauf an, die Idee, die wir betrachten, vom Zeichen zu trennen, das ihr entsprechen soll.

019 Die sicherste Art zu lügen ist, die Wahrheit zu sagen.

020 Die menschliche Symbolbildung ist metaphorisch, eine Abstraktion, ein "als ob".

021 Es ist eine Art Schock, wenn man mit der Tatsache konfrontiert wird, daß die Welt, an die zu glauben man erzogen worden ist, gar nicht existiert, wenn man erkennt, daß die Wirklichkeit nur aus Bildern und Erscheinungen besteht, die bei Berührung platzen.

022 Man produziert Schein und Täuschung, wenn man subjektive Grundsätze als objektive unterschiebt.

023 Wer allgemeine Sätze über die Erfahrung hinaus gebraucht, erzeugt Illusionen.

024 Die Erscheinungswelt ist die Realität. Es hat keinen Sinn, hinter sie zurückzufragen. Es gibt nichts Wahres. Alles ist Erscheinung.

025 "Nicht die Nähe zur "ungestellten Realität", sondern gerade die Inszenierung der Wirklichkeit kennzeichnet den Film. Das Fernsehen setzt diese Praxis in ungleich größerem Ausmaß fort. Alle Bilder, die den Anspruch erheben, Realität wiederzugeben, zeigen nicht diese, sondern nur Inszenierungen der Realität." - Hickethier/Bleicher, Die Inszenierung der Information im Fernsehen, in Willems/Jurga, "Inszenierungsgesellschaft", Berlin 1998, Seite 370

026 Die Absicht zu täuschen beweist Bosheit oder ist eine reine Verteidigungsmaßnahme.

027 Zu Illusionen neigt besonders der Ohnmächtige.

028 In der Folter erscheinen fünf Minuten wie eine Ewigkeit.

029 Durch Lügen und Täuschung verbergen die Menschen ihre Absichten.

030 Es gibt eine Gesellschaft, weil die Leute in ihren Köpfen ein Bild dieser Gesellschaft tragen.

031 Kinder und Naive nehmen das Ding für die Sache.

032 Der Schein des Prestige.

033 Raum, Zeit und Kausalität sind Kategorien, die nicht den Dingen, sondern dem menschlichen Geist eigen sind.

034 Wir lernen, unsere wahren Gefühle zu verbergen.

035 Sobald die unmittelbare Handlung durch die Macht des Wortes und der Einbildung ersetzt und ergänzt wird, läßt sich der Geist durch eine Anzahl Illusionen und Perspektiven leiten.

036 Der Schein ist die Verdoppelung des Bestehenden.

037 Das Denken ist ein "Nehmen-als" in Abwesenheit der realen Situation

038 Alles Wissen ist nur Abbildung.

039 Zwischen Schein und Sein gibt es keine Grenze.

040 Probleme werden geleugnet um eine scheinbare Zufriedenheit aufrechtzuerhalten.

041 Der erkennende Mensch beginnt als naiver Realist, d.h. bei der Doktrin, daß die Dinge das sind, was sie scheinen.

042 In Bezug auf die sittlichen Gesetze ist die Erfahrung die Mutter des Scheins.

043 "Wo ein Mensch aus Fleisch und Blut am Werk ist, haben wir damit zu rechnen, daß er Irrtum und Täuschung, Mißbrauch und Mißverständnis seiner Befugnisse ausgesetzt ist, daß er seiner su und dem Gesetz seines individuellen Selbst unterworfen ist."

044 Aus Bildern und Metaphern lassen sich keine Schlüsse ziehen.

045 Der Unterschied von Objektivität und Subjektivität ist der von Wirklichkeit und Scheinbarkeit.

046 Erwartung ist Wahrscheinlichkeit.

047 Täuschung kommt von Ähnlichkeit.

048 Es ist der Gebrauch der Worte, der vielfältige Verwirrung stiftet.

049 Auch die Schmeichelei bringt Eintracht hervor.

050 Mit Worten kommen wir niemals über die bildliche Darstellung der Welt hinaus.

051 In den höchsten Regionen des denkenden Geistes wechselt sich die Gefahr des Scheins mit der Gefahr der Mystik ab.

052 Für den Skeptiker erkennen wir die Wirklichkeit nur am Schein.

053 Die Illusion der Willensfreiheit und des Ichgefühls.

054 Die Welt ist nur einmal da, aber wir zerspalten sie in Erscheinung und Wirklichkeit.

055 "Wir können auch Fehler in der feindlichen Armee künstlich auslösen, durch das, was Sundse 'Erweckung des Scheins' nannte."

056 Allgemeinheit ist das Prinzip der Wahrnehmung, hierin liegt auch die Gefahr der Täuschung.

057 Das Gesetz der Erscheinung ist, daß Unterschiede gemacht werden, wo keine sind.

058 Ansich und Erscheinung sind inkommensurabel.

059 Mit allen Analogien wird nur ein Scheinbegreifen erzeugt.

060 Die Null ist ein fiktives Vorstellungsgebilde.

061 Gleichsetzung eines Wirklichen mit einem Unwirklichen ist das Wesen der Fiktion.

062 Alles Objekt ist Erscheinung.

063 Wir unterliegen Trug und Täuschung, wenn wir die logischen Beziehungen für den unmittelbaren Ausdruck der Wirklichkeit halten.

064 Ohne Blendwerk verliert das Leben allen Reiz.

065 Die zahllosen Illusionen des schönen Scheins machen das Leben erst lebenswert.

066 Der Philosoph muß als seinen eigentlichen Feind den Schein bekämpfen.

067 Wer das Ich in den Vordergrund seines Denkens schiebt, verfällt ohne sein Zutun, verschiedenen und verderblichen Täuschungen.

068 Der Egoismus gibt uns Täuschungen hin, weil er oft nur das sieht, was er sehen will.

069 Alles, was wir sehen, wird zuerst als Gedanke gesehen.

070 Glück und Fortschritt bürgerliche Illusionen.

071 Gegensatz von Schein und Sein.

072 Schein ist das Wesen der Zeit.

073 Einbildung entsteht da, wo der Intellekt dem Willen zu gefallen sucht.

074 der Schein der Individuation.

075 Die Sinneswelt hat kein Sein, sondern ist ein unaufhörliches Werden.

076 Moralisches Handeln ist vom Schein der Dinge unabhängig.

077 "Nemo potest personam diu ferre fictam." (Niemand kann lange eine Maske tragen.)

078 In gesellschaftlichen Beziehungen besteht das Interesse nicht getäuscht zu werden.

079 reales factum - irreales fictum

080 Narciss liebte sein Bild mehr, als sein Leben.

081 die Höllenfahrt der Selbsterkenntnis

082 Die Täuschung liegt nicht in der Empfindung, sondern im Urteil der Wahrnehmung.

083 Einzeldinge sind nichtige Scheinwesen.

084 Die Menge urteilt nach dem Äußeren, weil sie allein dafür Sinn hat.

085 Warum sollte man nicht angenehme Täuschungen oder erbauliche Mythen der Wahrheit vorziehen.

086 Der Mensch zieht fast immer die Täuschung, die seinen Wünschen und Interessen entgegenkommt, der Wahrheit vor.

087 Alle Erkenntnis durch Erfahrung und die Sinne ist nichts als Schein.

088 der Aschermittwoch, an dem alle Masken fallen

089 "Die Täuschung aber kommt eben von dem, woher das Werden kommt. Das Werden aber kommt von dem Entgegengesetzten, mithin auch die Täuschung."

090 Zweifel am Augenschein, an der Gewohnheit.

091 ein äußerliches, verwirrendes Schauspiel

092 "Heuchelei ist ein Tribut des Lasters an die Tugend."

093 Die Welt der Kausalgesetze gegen die Welt der Erscheinung und Täuschung.

094 "Die ideologische Funktion des Staates ist die Verhüllung der Klassenherrschaft."

095 Das Reich der Erscheinungen ist das eigentliche Gebiet des Wiß- und Kennbaren.

096 Wir alle glauben an die Untäuschbarkeit der inneren Wahrnehmung.

097 Das gesamte Feld der Wahrnehmungstäuschungen liegt zwischen dem eigentlichen Denken und der reinen Empfindung.

098 Alle Täuschungen sind nur irrige Urteile.

099 "Konfusion ist mächtiger, als das Schwert."

100 "Sinne und Leidenschaften reden und verstehen nichts als Bilder."

101 Die Absicht, in weltanschaulichen Belangen zu täuschen, ist ein wesentliches Merkmal dessen, was heute als Ideologie gilt. Die Hauptdomäne der Ideologie ist die Politik.

102 Die Meinung der meisten Menschen stützt sich auf oberflächliche Erfahrungen.

103 Wir haben es unmittelbar nur mit Bewußtseinstatsachen zu tun.

104 Schein ist nur das, was eine Wirklichkeit widerspiegelt, wo keine ist. Wo wir uns der Scheinhaftigkeit unserer Erkenntnis bewußt sind, verschwindet auch das täuschende Moment.

105 Die Wörter der Sprache bedingen eine substanzialisierende Fälschung.

106 "Ein Hund bellt einen Schatten an, und tausend Hunde nehmen es für die Wirklichkeit."

107 Kritik ist die Kunst der Beurteilung, mit dem Zweck uns vor Täuschung und Irrtum zu bewahren.

108 Die Lüge ist eine auf Täuschung beruhende Aussage.

109 Materielle Dinge sind nichts anderes, als das Produkt unseres Messens und Teilens. Da alles Messen aber eine bloße Abstraktion ist, ist die Welt des Maßes und der Materie eine Welt der Illusion. Alles Maß ist ein Produkt des Denkens aus praktischen Gründen.

110 Die Trennung von Subjekt und Objekt im Bewußtsein ist eine durch die Sprachform erzeugte Täuschung.

112 "Die Jagd auf die Heuchler ist prinzipiell endlos und vergeblich."

113 "Die dreidimensionale Welt des perspektivischen Raumes ist es nämlich, die tatsächlich eine abstrakte Illusion darstellt; eine Illusion, die auf der scharfen Trennung des Gesichtssinns von den anderen Sinnen beruth."

114 Die Erscheinung ist das, was sich unseren Sinnen darbietet.

115 Viel Täuschung und Irritation geschieht durch Worte, aber auch viel Verstehen.

116 Die Sprache ist das wichtigste Instrument des zwischenmenschlichen Verkehrs. Zu leicht aber wird das bloße Wort irrtümlich für die Sache genommen. Bacon nannte diese Irrtümer "idola fori" - Trugbilder des Marktes.

117 Der Irrtum, daß abstrakte allgemeine Ideen Wirklichkeit 'sind' und daß Objekte außerhalb des Bewußtseins existieren.

118 "Ich versuche, soviel ich kann, mich von den Täuschungen frei zu machen, in die wir uns selbst dadurch zu versetzen geneigt sind, daß wir Wörter als Sachen gelten lassen."

119 Die Spannung zwischen Maske und Wirklichkeit.

120 Durch Schein und Täuschung wird betrogen.

121 die Verblendung des Augenblicks.

122 Quantitative Unterschiede sind nur oberflächlich.

123 "Der erfolgreiche Arrivist der Arbeiterklasse macht sich überall bemerkbar, wo er kann, wenn möglich bildet er sich weiter, stets ist er mit den Behörden einverstanden und betont es, er ist Parteikandidat. In der Partei schmeichelt er, scharwenzelt herum, spielt sich auf. Aber vor allem darf er keine Hemmungen haben gegenüber denen, die unten stehe und gegenüber seinen Konkurrenten. Der Kampf ist hart."

124 Die Flucht aus einer nüchternen Welt in eine Traumwelt.

125 Der Idee entspricht nichts Wirkliches.

126 Unterdrückt und ausgebeutet werden die Menschen entweder durch Gewalt oder durch List.

127 "In Wahrheit ist das beständige Entstehen neuer Wesen und Zunichtewerden der vorhandenen anzusehen als eine Illusion, hervorgebracht durch den Apparat zweier geschliffener Gläser (Gehirnfunktionen), durch die allein wir etwas sehen können: sie heißen Raum und Zeit, und in ihrer Wechseldurchdringung Kausalität. Denn alles, was wir unter diesen Bedingungen wahrnehmen, ist bloße Erscheinung; nicht aber erkennen wir die Dinge, wie sie an sich selbst, d.h. unabhängig von unserer Wahrnehmung, sein mögen."

128 Die Dialektik ist die Logik des Scheins.

129 "Aber der Teufel hatte die Karten so sonderbar gemischt, daß man über die Intentionen nichts mehr Sicheres sagen kann."

130 "Und alles ist wahr, soweit es ist, und Falschheit gibt es nicht, es sei denn man halte für seiend, was doch nicht ist."

131 "Man liebt die Wahrheit wohl, aber so, daß wer etwas anderes liebt, als sie, nun auch will, daß eben das die Wahrheit sei, und, weil er sich nicht täuschen lassen will, nun auch nicht zugeben will, daß er auf falschem Wege ist."

132 "... denn alsdann ist alle unsere Einsicht, durch vermeinte objektive Gültigkeit unserer Urteile, nichts als lauter Schein".

133 Über den empirischen Gebrauch hinaus werden die Kategorien zu Blendwerken des Verstandes.

134 Die logische Notwendigkeit ist eine Illusion.

135 Alle Schlüsse über die unmittelbare Erfahrung hinaus sind Trug und ohne Grund.

136 "Es gibt eine gewisse Unlauterkeit in der menschlichen Natur, nämlich eine Neigung, seine wahre Gesinnung zu verhehlen und gewisse angenommene, die man für gut und rühmlich hält, zur Schau zu tragen."

137 Irrtümer zu verhindern ist nur die Kehrseite der Entdeckung von Wahrheiten.

138 "Der reine Geist ist die reine Lüge."

139 "Wer allein hat Gründe sich wegzulügen aus der Wirklichkeit? Wer an ihr leidet."

140 Die Hoffnung, die sich nie erfüllt, ist das Übel aller Übel.

141 Die Lüge des Ideals.

142 "... denn es gibt keine intelligible Welt..."

143 "Abstraktion ist nur Fiktion."

144 Ruhe ist eine Täuschung.

145 "Die gefährlichste Art der Täuschung beruth darauf, als anerkannte Gewißheit hinzustellen, was doch keine ist."

146 Vertrauen darf keine Dummheit sein und die Einigkeit kein Trugbild.

147 Die politische Fiktion, die öffentliches Wohl genannt wird.

148 "Der Mensch glaubt immer leicht an das, was er wünscht und was seinen Interessen nicht widerspricht. Einerlei, wie intelligent und gebildet er ist, seine Eigenliebe und sein Wunsch, mit seinem Nachbarn zu leben und ihre Achtung zu geniessen, werden immer bewirken, daß er das glaubt, was ihm angenehm und nützlich ist."

149 "Diese angeblichen politischen Rechte, die das Volk ausübt, sind also nur eine leere Fiktion."

150 Lüge und Fiktion in humoristischen Geschichten.

151 "Alles Wohlwollen ist bloße Heuchelei, Freundschaft ist Betrug, Gemeinsinn eine Posse, Treue eine Falle, um Glauben und Vertrauen zu gewinnen; und während wir alle im Grunde nur unsere persönlichen Interessen verfolgen, tragen wir diese schönen Masken, um die andern in Sicherheit zu wiegen und sie dann um so eher unseren Tücken und Machenschaften auszusetzen."

152 Gewöhnlich kommt es mehr auf Einbildung, als auf Urteilskraft an.

153 Die Kunst zu überreden besteht darin, durch den schönen Schein zu betrügen.

154 "Jede Verfälschung der Wirklichkeit greift die Grundlagen unserer geistigen Existenz an."

155 Kein Wissen, sondern Illusion.

156 "In zwei Zuständen nämlich erreicht der Mensch das Wonnegefühl des Daseins, im 'Traum' und im 'Rausch'."

157 Der laute Lärm des Tages und die betäubende Geschwätzigkeit der Einbildung.

158 das Gespenst des Dings-ansich

159 "Die außermenschliche, unpersönliche Wahrheit ist allem Anschein nach nichts weiter als eine Illusion."

160 "Was uns täuscht, ist nicht unser Sinn, sondern unser Verstand."

161 Wenn wir einen geraden Stab schräg ins Wasser halten und ihn an der Eintauchstelle geknickt sehen, so wird die Knickung nicht durch eine Lichtbrechung vorgetäuscht, sondern der Knick ist tatsächlich als optische Wahrnehmung vorhanden.

162 "Bei der Selbstbeobachtung handelt es sich ja gar nicht darum, daß wir frei 'sind', sondern darum, daß wir uns frei 'fühlen'. man mag diese Art von Freiheit immerhin als eine Illusion bezeichnen. Dann ist aber überhaupt jedes Gefühl eine Illusion."

163 "Ohne Unwahrheit weder Gesellschaft noch Kultur. Der tragische Konflikt. Alles Gute und Schöne hängt an der Täuschung: Wahrheidt tödtet, ja tödtet sich selbst (insofern sie erkennt, daß ihr Fundament der Irrtum ist)."

164 "Mischen wir einen Tropfen Tinte mit reinem Wasser. Das Wasser wird rasch grau. Doch für einen Beobachter, dessen Sinne hinreichend scharf sind, um nicht nur die makroskopische Flüssigkeit, sondern auch jedes einzelne Molekül wahrnehmen zu können, wird die Flüssigkeit niemals grau. Daß das Wasser 'grau geworden' ist, ist eine auf der Grobheit unserer Sinne beruhende Illusion."

165 Die Erscheinung muß von der Realität unterschieden werden.

166 Der gesunde Menschenverstand geht davon aus, daß sich alle seine Begriffe letzten Endes auf wirkliche Einzelwesen beziehen, d.h. auf sinnlich wahrnehmbare Größen.

167 Es ist jedermanns wirkliche Überzeugung, daß visuelle Sinneswahrnehmungen durch die Augen entstehen.

168 "Nicht Individuen, sondern mehr oder weniger idealische Masken; keine Wirklichkeit, sondern eine allegorische Allgemeinheit."

169 "Der Phantast verleugnet die Wahrheit vor sich, der Lügner nur vor anderen."

170 "Tiefdenkende Menschen kommen sich im Verkehr mit anderen als Komödianten vor, weil sie sich da, um verstanden zu werden, immer erst eine Oberfläche anheucheln müssen."

171 "Wahrscheinlichkeit, aber keine Wahrheit: Freischeinlichkeit, aber keine Freiheit."

172 Die Kunst des Scheins wird steigen unter der Herrschaft der Konkurrenz.

173 Raum und Zeit sind metaphysische Illusionen.

174 "Die Welt des Physikers stellt sich dem Beschauer dar als Schattenspielaufführung des Bühnenstücks Alltagsleben. Der Schatten meines Ellbogens ruht auf dem Schattentisch, während die Schattentinte über das Schattenpapier fließt. Das freimütige Gewahrwerden, daß die physikalischen Wissenschaften es mit einer Welt von Schatten zu tun haben, gehört zu den bedeutendsten Fortschritten der jüngsten Zeit."

175 "Der Gebrauch der undifferenzierten Kollektivbegriffe, mit denen die Sprache des Alltags arbeitet, ist stets Deckmantel von Unklarheiten des Denkens oder des Wollens, oft genug das Werkzeug bedenklicher Erschleichungen, immer aber ein Mittel, die Entwicklung der richtigen Problemstellung zu hemmen."

176 Der farbenreiche Eindruck, den ein Beobachter von einer Erscheinung gewinnen kann, liefert nicht den geringsten Schlüssel zu deren physikalischen Existenz.

177 Die Seele erschöpft die Spannungsenergien durch Spekulationen.

178 "Leg' ab allen bloßen Schein, zerbrich die Schale, auf daß der Kern frei und fruchtbar werde."

179 "Nicht die Dinge, sondern die Meinungen über Dinge, die es gar nicht gibt, haben den Menschen so verstört."

180 Reine Objektivität ist eine Illusion.

181 Wir können nie die Natur direkt beobachten, sondern immer nur mit unseren Abstraktionen 'über' die Natur beschäftigen.

182 "Alle Wissenschaft wäre überflüssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge unmittelbar zusammenfielen."

183 "Die Frage nach Schein und Wirklichkeit hat für Mach allen Sinn verloren."

184 Nach Mauthners Ansicht ist der Wortaberglaube nicht nur ein Zeichen von Verdummung, sondern auch ein Mittel zur Unterdrückung: die jeweils herrschenden Mächte stützen sich auf Kräfte, die, wenn alles gesagt und getan ist, nur im Worte existieren ('Gnade Gottes', 'Wille der Nation' usw.)."

185 "Die meisten Menschen leiden an dieser geistigen Schwäche, zu glauben, weil ein Wort da sei, müsse es auch das Wort für etwas sein; weil ein Wort da sei, müsse dem Wort etwas Wirkliches entsprechen."

186 Es wimmelt nur so von Scheintheorien und Scheinproblemen.

187 "Abstrakte Worte spotten der Kontrolle; sie sind die großen Papiernoten eines bankrotten Staates."

188 "Das ist ja der Schwindel aller Mystifikation a la Blavatsky, daß sie einem Gewortetes als volle Realität aufbindet."

189 "Man pflegt in der populären Denk- und Redeweise der Wirklichkeit den Schein gegenüberzustellen. Was berechtigt uns aber, 'eine' Tatsache den anderen gegenüber für Wirklichkeit zu erklären und die andere zum Schein herabzudrücken?"

190 Es gibt keine Wahrheit und keine Gültigkeit 'ansich' sondern nur immer die subjektiv-psychologische Tatsache, daß etwas als wahr 'erscheint'.

191 der Schlangenbetrug der Sprache.

192 Der Augenblick hat nur imaginären Sinn.

193 "Man findet Menschen, die alle möglichen Weltbilder als Kostüm benützen."

194 Wie selbstverständlich leben wir in einem Schleier abstrakter Allgemeinheiten.

195 Dasein ist nach Hume keine Idee. Wäre Dasein eine Idee, so würde die Grenze aufgehoben sein zwischen Wirklichkeit und Erdichtung.

196 "Die mit dem Charakter der Wahrnehmung auftretenden Bewußtseinsakte verlaufen so, als ob die von der realistischen Hypothese angenommene Welt der stofflichen Dinge wirklich bestünde. Aber über dieses 'als ob' kommen wir nicht hinweg, für mehr als eine ausgezeichnet brauchbare und präzise Hypothese können wir die realistische Meinung nicht anerkennen; notwendige Wahrheit dürfen wir ihr nicht zuschreiben, da neben ihr noch andere unwiderlegbare idealistische Hypothesen möglich sind."

197 "Insofern die Qualität unserer Empfindungen uns von der Eigentümlichkeit der äußeren Einwirkung, durch welche sie erregt ist, eine Nachricht gibt, kann sie als 'Zeichen' derselben gelten, aber nicht als ein Abbild. Denn vom Bilde verlangt man irgendeine Art der Gleichheit mit dem abgebildeten Gegenstande. Ein Zeichen aber braucht keine Art der Ähnlichkeit mit dem zu haben, dessen Zeichen es ist. Die Beziehung beschränkt sich darauf, daß das gleiche Objekt, unter gleichen Umständen zur Einwirkung kommend, das gleiche Zeichen hervorruft, und daß also ungleiche Zeichen auch immer ungleicher Einwirkung entsprechen wenn also unsere Sinnesempfindungen in ihrer Qualität auch nur 'Zeichen' sind, deren besondere Art ganz von unserer Organisation abhängt, so sind sie doch nicht als leerer Schein zu verwerfen, sondern sie sind eben Zeichen von 'Etwas', sei es etwas Bestehendem oder Geschehenem, und was das Wichtigste ist, das 'Gesetz' dieses Geschehens können sie uns abbilden."

198 Wissen beginnt mit der Zerstörung von Täuschungen, mit Ent-Täuschungen.

199 Die Sprache bringt dazu, Namen für gar nicht existierende Gegenstände zu erfinden und diesen Gegenständen Realität zuzuschreiben. Der Wortrealismus schafft Pseudo-Objekte.


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