Pflicht
Wilhelm Windelband - Vom Prinzip der Moral
p-2siehe auch Ethik, Verhalten, Zwang, Moral, Tugend, Freiheit

001 Ohne ethische Rechtfertigung kann auch das Verbrechen zur Pflicht werden.

002 "Erkenntnis ist in der Tat eine Aufgabe, ja die Hauptaufgabe des Menschen, sogar die einzige, die ihn von den übrigen Lebewesen unterscheidet, denn alle seine weiteren Aufgaben leiten sich eigentlich von dieser ersten ab."

003 der ethische Wert des Verstehens und die moralische Pflicht, um "Verstehen" zu ringen.

004 "Es genügt nicht, fleissig zu sein; das sind ja auch die Ameisen; 'wozu' seid ihr fleissig?"

005 Die Mörder vom Eichmann-Typ erklärten sich für nicht schuldig, weil sie nur ihre Arbeit verrichteten, ihre Pflicht taten.

006 "Eine ganze Reihe von äußerst wichtigen Verpflichtungen und Relationen sind unabhängig von einer Übereinstimmung zweier gleichwertiger Willenskundgebungen entstanden. Was man noch  Vertrag  nennt, wie die  Schalter-Verträge,  Abkommen mit dem Gas- und Elektrizitätswerk, Beförderungsabkommen, Arbeitsverträge, öffentliche Lasten, kollektive Arbeitskonventionen, sind nur einseitige Zustimmungen zu vorher festgelegten Rechtsordnungen ohne eigentliche Willenskundgebung des  Vertragschließenden;  dieser nimmt nur noch ein Statut an, das ihm auferlegt wird und das er nicht mehr ändern kann. Er beugt sich nur noch, da er seine Integration einer bereits konstituierten Gruppe verdankt." - Georges Gurvitch, Grundzüge der Soziologie des Rechts, Darmstadt und Neuwied 1974, Seite 101

007 Innere Disziplin, statt äußerer Zwang.

008 Äußerliche Fakten können uns nicht dazu verpflichten, irgendwelche moralischen Pflichten anzunehmen.

009 "Was zerstört schneller, als ohne innere Notwendigkeit, ohne eine tiefe persönliche Wahl, ohne 'Lust' arbeiten, denken, fühlen? als Automat der 'Pflicht'? Es ist geradezu das 'Recept' zur decadence, selbst zum Idiotismus."

010 "Das Eigentum ist nicht mehr ein  ius utendi et abutendi  [Recht zu gebrauchen und zu zerstören], sondern eine soziale Funktion, eingeschränkt durch die Pflicht, die Sache, die man besitzt, in produktiver Weise zu benutzen; so kann man das Eigentum, das kein Subjekt mehr hat, das sein Eigentümer wäre, zugunsten sozialer Zwecke geltend machen." - Georges Gurvitch, Grundzüge der Soziologie des Rechts, Darmstadt und Neuwied 1974, Seite 101

011 Die Logik ist die Form der geistigen Disziplin.

012 Pflichten können nicht aus Fakten deduziert werden.

013 Moralische Verantwortung ist ihrem Wesen nach individuell.

014 Das Pflichtgefühl ist ein abstraktes Gefühl, das auf ähnliche Weise entsteht, wie andere abstrakte Begriffe.

015 Pflicht ist das, was die Moral ausmacht.

016 Erziehung ist vorwiegend Erziehung zur Verantwortlichkeit.

017 Menschsein ist Verantwortlichsein.

018 "Etwa neun Zehntel der dem Kinde gegebenen Weisungen und Befehle beziehen sich auf materielle Fragen."

019 "Verantwortlichsein heißt gerechterweise strafbar sein."

020 Verantwortlichkeit individualisiert sich im Laufe der Entwicklung.

021 Verantwortung ist unteilbar.

022 Geistige Disziplin wird zur Gewohnheit keinem unfruchtbaren Gedanken nachzudenken.

023 Ohne Regeln keine Pflichten.

024 Rechte und Pflichten müssen im Ausgleich sein.

025 Der Geist findet seine Mündigkeit in der Übernahme von Pflichten.

026 Die Begriffe von Recht und Pflicht sind korrelativ. Jedem Recht steht die entsprechende Pflicht gegenüber.

027 Normalisierung durch Disziplinierung.

028 Das Gute und die Pflicht sind nicht voneinander zu trennen.

029 "Disziplin erzeugt Angst und Angst erzeugt Feindseligkeit."

030 Selbstdisziplin kommt von innen und ist die einzige Disziplin, auf die es ankommt.

031 Pflicht und Verantwortung sind etwas Verschiedenes, wenn nicht sogar etwas Gegensätzliches.

032 Freiheit setzt Verantwortung voraus.

033 "Die Freiheit ist das Gleichgewicht der Rechte und Pflichten."

034 "Die Moral des Zwangs ist die Moral der reinen Pflicht."

035 Sämtliche Rechte entstehen aus Pflichten.

036 Verantwortung beinhaltet freie Wahl.

037 Jedes Herrschaftssystem besitzt eine Reihe von Disziplinierungsmittel.

038 Macht bedingt Verantwortung.

039 Ohne die nötige Disziplin ist der Geist seinem Hang zu Spekulationen wehrlos ausgeliefert.

040 Die Politik entzieht dem Einzelnen die Verantwortung.

041 Rechte und Pflichten sind Funktionen der Gerechtigkeit.

042 Der Grundsatz der Freiheit ist unmittelbar mit dem Grundsatz der Verantwortung verbunden.

043 Vorrecht, nicht Recht ist der Gegensatz der Pflicht. Wer seine Recht wahrnimmt, erfüllt damit seine Pflichten.

044 Moral ist immer die Disziplinierung des individuellen Trieblebens.

045 Der Begriff der Obligation ist das erste Charakteristikum der Sittlichkeit, nicht das Gute.

046 Disziplin und Freiheit ergänzen sich harmonisch.

047 Pflicht ist die "objektive Notwendigkeit einer Handlung aus Verbindlichkeit".

048 Unsere Pflichten anderen gegenüber gründen sich auf die moralische Gleichheit aller Menschen.

049 Magiegläubige behaupten die unbegrenzte Macht des disziplinierten menschlichen Willens.

050 Arbeit erfordert Disziplin.

051 Keine Rechte ohne Pflichten, keine Pflichten ohne Rechte.

052 Der Individualismus enthebt den Menschen seiner Verantwortung, der Kollektivismus nimmt ihm die Freiheit.

053 die Idee der Pflicht

054 Kein Sollen aus dem Sein (Humesches Gesetz)

055 Seine Pflicht zu tun ohne Rücksicht auf die Folgen.

056 Ein Versprechen ist eine Verpflichtung.

057 Eltern müssen als Erwachsene für die Welt einstehen.

058 Wenn Pflicht und Glück miteinander kollidieren, hat die Pflicht den Vorrang.

059 Pflicht ist immer Systempflicht.

060 Herrschaft wird häufig durch Verantwortung legitimiert.

061 "Mensch-sein bedeutet Bewußt-sein und Verantwortlich-sein."

062 Ethik als Lehre des Lustvollen (Güterlehre) und Ethik als Lehre vom Gesollten (Pflichtlehre).

063 Verantwortung ist das, worauf es in der Ethik ankommt.

064 "Verantwortung heißt jeweils: Verantwortung gegenüber einem Sinn."

065 Alle Pflichten kann man in einem anderen Wort zusammenfassen: Arbeit.

066 Pflicht ist von 'pflegen' abgeleitet.

067 Jedes Herrschaftssystem verfügt über eine Reihe von Disziplinierungsmaßnahmen und Strafsanktionen, die auf präventive Verhinderung oder direkte Unterdrückung von Konflikten abzielen.

068 Leugnen der Freiheit ist Leugnen der Verantwortlichkeit. Es gibt keine Taten, sondern nur Ereignisse. Alles geschieht einfach, niemand ist verantwortlich.

069 Zucht kann nicht sein, wo nicht auch Unzucht ist.

070 Die Natur ist das Reich des Unverantwortlichen.

071 Das Sollen des Idealen als Pflicht, Verpflichtung, oder gar Verschuldung.

072 Fragen der Verantwortlichkeit haben Vorrang vor dem Problem der Freiheit.

073 Sollenssätze können nur aus Sollenssätzen abgeleitet und nicht auf Tatsachen gegründet werden.

074 Nur die Moral vermag die verpflichtende Kraft des Rechts zu begründen.

075 Reiner Wissenschaft ist nur die Frage zugänglich was 'ist', nicht die Frage, was sein soll.

076 Die Pflicht der Gerechtigkeit

077 Jede Pflicht gibt auch ein Recht.

078 Handlungen sind frei und darum verantwortlich.

079 Strafwürdigkeit gründet sich auf das subjektive Bewußtsein von Freiheit und Verantwortlichkeit.

080 "Der Mensch ist freiheitsfähig und freiheitspflichtig."

081 Verantwortung gegenüber Werten.

082 Frei ist der Mensch nur, wenn er einem Gesetz gehorcht, das er sich selbst gegeben hat.

083 "Wer einen Meister hat, mag sich ihm übergeben, seine leibliche Person; seine Verantwortung nicht."

084 "Das Gesetz muß vor der Lust hergehen, damit sie empfunden werde."

085 Bestimmte Menschen sind normbewußt, streben nach Weisung und Disziplin, verabscheuen alles Unbestimmte, sie wollen, daß ihr Leben nach einem strengen Plan abläuft und daß ihr Verhalten stets von einem System solider, unverrückbarer Regeln getragen wird.

086 Die Pflicht läßt sich nicht vom Guten ableiten.

087 Die Mutter ist Hauptträger der sozial bedeutsamen Disziplinierung.

088 Wir erfreuen uns der Freiheit, wo aber bleibt die Verantwortlichkeit.

089 Der hypnotisierte Mensch 'will' machen, was er 'soll'.

090 Unverstandenes ist nicht verantwortbar.

091 Die natürliche Verantwortlichkeit verlangt, daß man das, was man verbraucht auch ersetzt.

092 "Wie kann man sich selbst kennenlernen? Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln. Versuche, deine Pflicht zu tun und du weißt gleich, was an dir ist. Was aber ist deine Pflicht? - Die Forderung des Tages."

093 "Glückseligkeit ist die Folge der Pflichtbeobachtung."

094 "Das Bewußtsein läßt sich wie ein Papagei dressieren, nicht aber das Unbewußte."

095 Aufgrund ihrer Anonymität ist die öffentliche Meinung eine Macht ohne Verantwortlichkeit.

096 Schul-, Wehr-, Steuerpflicht

097 Nach der chinesischen Auffassung hat jeder Mensch eine eigene Verantwortung, sich durch entsprechenden Umgang mit seinem Körper gesund zu erhalten. Krankheit gilt als Signal, daß der Einzelne seine Sorgfalt vernachlässigt hat.

098 Wir leben in der dauernden Spannung zwischen einem Bedürfnis nach Unabhängigkeit und der Verantwortlichkeit für andere Menschen.

099 Wissenschaft ist im strengen Sinn nicht verantwortungsfähig. Es ist ein untauglicher Versuch hier Verantwortlichkeit zu schaffen.

100 "In gewisser Hinsicht ist der Markt die Institutionalisierung des Individualismus und der Nichtverantwortlichkeit."

101 Der letzte Satz, den Tolstoi - auf französisch - in sein Tagebuch eintrug, lautete: "Tu, was du tun mußt, es komme..." Er hatte nicht mehr die Kraft, den Satz zu vollenden: "was wolle."

102 Der Geist des Kapitalismus ist der Gedanke an die Berufspflicht.

103 Determinismus und sittliche Verantwortlichkeit sind unvereinbar. Moral setzt Freiheit, d.h. den Dispens von der Kausalität voraus.

104 "Es ist die erste und heiligste Pflicht des Menschen, Geld zu verdienen."

105 Der Grund allen Seins liegt im Sollen, d.h. in der Zwecktätigkeit des Bewußtseins.

106 Der Schluß allein von dem was 'ist' oder sein wird, unmittelbar auf das, was sein 'soll' - d.h. was durch seinen Wert ausgezeichnet ist - ist unmöglich.

107 Pflicht, Gewissen und Über-Ich sind innere Autoritäten.

108 Für seine Wahl muß man die Verantwortung tragen.

109 Was unsere Handlungen moralisch macht, das ist das Gefühl der Pflicht, das uns zum Handeln veranlaßt.

110 Der Konflikt zwischen zwei Pflichten entsteht, weil in derselben Situation zwei Normen gleichzeitig Anwendung finden können und es unmöglich ist, beiden zu folgen.

111 Moral als allgemeine Verbindlichkeit.

112 Die Übertragung von Rechten ist es, die Pflichten erzeugt.

113 Das erste Gebot der Pflichten gegen sich selbst ist: "Erkenne dich selbst!"

114 Weniger die Pflicht, als die Neigung.

115 Freiheit darf nicht als Aufforderung zur Unverbindlichkeit verstanden werden.

116 Das Bestehen ein Rechtes impliziert das entsprechende Vorhandensein einer Pflicht.

117 Die natürlichen Neigungen führen zum Konflikt mit den Pflichten.

118 Rechtspflicht wird äußerlich, Tugendpflicht durch Selbstzwang gesetzt, durch die innere Gesetzgebung des guten Willens. Legalität und Moralität sind damit völlig getrennt.

119 "Die Pflicht ist insofern nicht Beschränkung der Freiheit, sondern nur Abstraktion derselben, d.h. der Unfreiheit."

120 Schuldisziplin

121 Desorganisation ist an Verantwortungslosigkeit nicht notwendigerweise gekoppelt.

122 Verantwortlichkeit ist eine Abstraktion. Die Wirklichkeit hat nichts zu tun mit solchen Formeln.

123 "Auch pünktlich sind die Chinesen in hohem Maße, gesetzt, man läßt ihnen reichlich Zeit dazu."

124 Militärdisziplin

125 Wir haben es mit zwei Arten des Wissens zu tun: die eine enthält, was 'ist', die andere, was sein 'soll'.

126 Das Sollen steht in Beziehung zum Wünschen und Wollen und kann zu einer Forderung, ja zu einem Befehl führen.

127 Die Disziplin macht das Wesen der Armee aus.

128 "Was in allen möglichen Fällen 'Recht' oder 'Unrecht' sei, muß man der Regel nach Wissen können, weil es unsere Verständlichkeit betrifft, und wir zu dem, was wir nicht wissen können, auch keine Verbindlichkeit haben."

129 Wollen und Sollen widersprechen sich meist.

130 Dem Recht des Staates seinen Bedarf zu decken, oder, wie es so schön heißt, seine Aufgaben zu erfüllen, entspricht eine Pflicht des Staatsbürgers: die Steuerpflicht.

131 "Das Pflichtgefühl ist das Gefühl von der tiefen Identität, die zwischen Denken und Handeln besteht."

132 Jeder Vertrag beruth auf Verbindlichkeit.

133 Nicht ein einfaches 'Ich will', sondern ein 'Ich soll und darum will ich'.

134 "Verantwortlichkeit ist das Erfüllen eines Vertrages."

135 Unsere Pflichten - das sind die Rechte anderer auf uns."

136 Pflichtbewußtsein und Disziplinproblem

137 Die Wissenschaft geht auf das, was 'ist', die Moral auf das, was sein 'soll'.

138 Die heiligsten Pflichten einer Frau sind diejenigen als Gattin und Mutter.

139Fehlt die Freiwilligkeit, fehlt die Verantwortlichkeit.

zuschriften
Hinweis: Bei den nicht näher gekennzeichneten Textstellen handelt es sich um Passagen, die in verschiedenen Quellen mehr oder weniger sinngleich auftauchen, so daß nicht klar ist, wer von wem abgeschrieben hat.