Minderheit
Georg Jellinek - Das Recht der Minoritäten
p-2siehe auch Politik, Demokratie, Minderheit, Unterdrückung, Staat, Einheit, Individuum, Vielfalt


001 "Wir sprechen von Randgruppen - und welcher Rand ist damit gekennzeichnet? Der Rand des Produktionsprozesses natürlich. Die Vokabel erfaßt die Alten, die Asozialen, die Hilflosen, die Konsum- oder Produktionsverweigerer in dem Augenblick, wo sie, eben vom gesellschaftlichen Bulldozer erfaßt, an den Rand des zivilisatorischen Müllbergs geschoben werden."

002 Es gibt keine wirkliche Begründung, warum die Minderheit der Mehrheit gehorchen sollte.

003 Demokratie heißt, daß die Minderheit unterdrückt wird.

004 Daß die Mehrheit der Bevölkerung ihr wahres Interesse noch nicht begriffen hat, liegt an einem Mangel an politischer Bildung.

005 Der konservative Ideologe hält das Volk nicht zur schöpferischen Gestaltung im politischen Bereich in der Lage, ebensowenig zur politischen Führung, die immer nur Sache einer kleinen Minderheit sein kann.

006 Jede Diktatur ist im Prinzip eine Minderheitsregierung.

007 "Bisher waren es zwei innig verbundene Faktoren, die das Menschengeschlecht auf seinem Weg behindert haben: erstens die Unbewußtheit, Dumpfheit und geistige Beschränktheit der großen Masse im Gegensatz zu einer kleinen Zahl der Privilegierten, die mit allen physischen und geistigen Mitteln, unter Benutzung freilich gerade von großen Teilen der blöden Masse, eben diese Masse geknechtet und unterdrückt hat bis auf den heutigen Tag."

008 Alle Revolutionen waren zuerst einmal das Werk einer kleinen, eifrigen Minderheit.

009 Die Armen sind die Außenseiter der Gesellschaft, auch wenn sie sich in der Mehrzahl befinden.

010 Es war bisher immer nur eine kleine Minderheit, die von sich aus ein bleibendes Interesse an mehr Demokratie hatten.

011 Alle Minderheiten werden gern als Außenseiter diskriminiert.

012 Die Minderheiten werden stets mit Mißtrauen und Sanktionen verfolgt.

013 Je kleiner eine Minorität ist, desto begründeter ist oft ihre Meinung.

014 Alle Revolutionen werden durch Minderheiten ausgelöst. Das wäre auch nicht weiter schlimm, wohl aber die Etablierung dieser Minderheit als Diktatur. Das ist das Ende jeder Revolution.

015 "Wir dürfen uns niemals abfinden mit einer Gesellschaft, in der eine wachsende Minderheit von Alten, Frührentnern, Arbeitslosen, Behinderten, Gebrechlichen, Kranken, psychisch und physisch Überforderten, Drogen und Alkoholsüchtigen, Straffälligen oder Ausgeflippten nicht ohne mißfälliges Knurren ausgehalten wird von einer schrumpfenden Mehrheit derer, die japsend und keuchend im Rennen um den Erfolg gerade noch mithalten können, so lange, bis auch sie, früher als nötig, zur wachsenden Minderheit abgedrängt werden."

016 Es müssen Einrichtungen geschaffen werden, die dafür sorgen, daß auch Andersmeinende zu Wort kommen.

017 Minderheiten müssen vor den Vorurteilen der Mehrheit geschützt werden.

018 Alles Neue hat einmal klein angefangen.

019 Es gehört zum Wesen der Demokratie, daß die Minderheit gezwungen wird, sich der Mehrheit zu fügen.

020 Jede Minderheit sieht sich einem starken Gegner mit starken Integrationskräften und Unterdrückungsapparaten gegenüber.

021 "Lob der Aussenseiter: Dieweil nun mal der Spezialist/ nur Herr in engen Grenzen ist,/ drum wirkt die Schicht, die forschend denkt,/ sehr häufig wunderlich beschränkt./ Es fehlt dem zielenden Geschick/ der allgemeine Überblick./ Und also sind die Außenseiter/ sehr häufig größer und gescheiter."

022 Es ist immer nur eine kleine Minderheit, die wirklich Vernunft hat.

023 Die Mehrheit verschafft sich auf Kosten der Minderheit Vorteile und setzt ihren Willen durch.

024 Die Andersdenkenden werden immer als für das System lebensgefährlich angesehen.

025 Die Gesellschaft strebt immer nach der Uniformität aller, während sich die Minderheiten zu ihrem Anderssein bekennen.

026 "Der Mensch hat eher nicht vollkommene Seligkeit: bis daß die Einheit hat verschluckt die Anderheit."

027 Die d von Normalität und Abweichung ist für Durkheim keine essentielle, sondern eine über die Durchschnittsbildung vermittelte.

028 "Die Menge geht unveränderlich ihren Schlendrian, die Minderheit dagegen bringt die Menschheit voran."

029 Die Mehrheit glaubt, fehlgeleitete Minderheiten auf den rechten Weg zurückzwingen zu können.

030 Es ist ein Grundzug der Konkurrenzgesellschaft das eigene Selbstwertgefühl durch die Mißachtung anderer zu heben.

031 Immer mehr Minderheiten fordern ihr Selbstbestimmungsrecht.

032 Minderheiten werden wegen ihrer freien Ansichten von der Gesellschaft geächtet.

033 Kinder sind die wichtigste Gruppe der Schwachen.

034 Wer vom Herkömmlichen abweicht, bekommt gewöhnlich die Rechtfertigungslast aufgebürdet und nicht, wer daran festhält.

035 Politische Freiheit ist die Freiheit für die schwächere Partei.

036 Jedes System läuft Gefahr, seine Struktur in Frage stellen zu müssen, wenn ein neues Mitglied anerkannt wird.

037 Wer versuchen will Konflikte zu leben, muß Fremdes aushalten können.

038 Der Durchschnittsbildung gilt das Allgemeine als normal und das Ungewöhnliche als krankhaft.

039 "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden."

040 "Zwischen der revolutionären Diktatur und dem Staatsprinzip gibt es nur äußerliche Unterschiede. In Wahrheit wollen beide das Gleiche: die Beherrschung einer Mehrheit durch eine Minderheit im Namen der angenommen Dummheit der ersteren und der angenommenen höheren Intelligenz der letzteren. Deshalb sind beide gleichermaßen reaktionär."

041 Hinter der Abstimmung steht die Kugel des Soldaten bereit, um die geschlagene Minderheit in die Unterwerfung zu zwingen."

042 "Was nennt ihr den gesetzlichen Zustand?" Ein Gesetz, das die große Masse der Staatsbürger zum fronenden Vieh macht, um die unnatürlichen Bedürfnisse einer unbedeutenden und verdorbenen Minderzahl zu befriedigen."

043 Alle Besonderheiten fallen der wissenschaftlichen Abstraktion zum Opfer.

044 Jede Veränderung ist zuerst Abweichung.

045 Die Majoritätsherrschaft stützt sich auf den Grundsatz, daß die Interessen der Mehrheit denen der Minderheit vorgehen.

046 "Die Fremdheit wird erst weichen, wenn Ideologie und Eigentum vergessen sein werden."

047 Der Terror ist die Kampfform, zu der eine Minderheit Zuflucht nimmt, die sich nur durch ihre geistige Kraft und das Bewußtsein ihres Rechts und nur durch die Erkenntnis behaupten kann, daß die Mehrheit von übermächtiger physischer Stärke ist.

048 Alle Gesellschaften zerfallen in Eliten und Massen und der politische Prozess ist stets ein Kampf entschlossener Minderheiten um die Vorrangstellung.

049 Kostspielige Dinge können niemals allen Menschen zugänglich sein.

050 Die Stimme der Mehrzahl der Menschen wird als die Stimme aller angesehen.

051 Die materiell und kulturell gehobene Lebensweise einer kleinen Minderheit wird durch das menschenunwürdige Elend der Masse der Bevölkerung erkauft.

052 Das Prinzip des Minoritätenschutzes ist ein moralisches Prinzip.

053 Der Unangepasste ist der Aggression seiner Umwelt ausgesetzt.

054 "Ebensowenig kann man die Beherrschung der Masse durch die Minderzahl entbehren, denn die Menschen sind träge und einsichtslos, sie lieben den Triebverzicht nicht, sind durch Argumente nicht von dessen Unvermeidlichkeit zu überzeugen."

055 Die Beherrschung der großen Mehrheit der Bevölkerung durch eine privilegierte Minderheit.

056 "Es ist die Sache weniger Außenseiter, dieses kritische Bewußtsein in Opposition zu den erfolgreichen und vielprämierten Schlafmittelproduzenten wach zu erhalten."

057 "Das allgemeine Stimmrecht darf nicht nur der Ausdruck eines Majoritäten-Willens sein: das ganze Land muß es wollen. Deshalb genügt schon der Widerspruch einer sehr kleinen Minorität, dasselbe als untunlich wieder beiseite zu stellen: und die 'Nichtbeteiligung' an einer Abstimmung ist eben ein solcher Widerspruch, der das ganze Stimmsystem zum Falle bringt."

zuschriften
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