Mehrheit
p-2siehe auch Wahl, Demokratie, Minderheit, Politik, Staat, Herrschaft, Quantität, Konformismus

001 "... ein solcher Wille einer Gesamtheit existiert nur in den Hirnen von Theoretikern, die nicht von der liebgewordenen Gewohnheit lassen können, sozialen Gebilden eine quasi-personenhafte Existenz zuzuschreiben." - Hans Albert, Ökonomische Ideologie und politische Theorie; Göttingen 1954, Seite 121

002 Jede Partei versucht die Mehrheit zu gewinnen, um mit ihr zu herrschen.

003 Das Vorrecht der Meisten basiert auf der "Seelen-Gleichheits-Lüge". - Friedrich Nietzsche, ohne weitere Quelle

004 Das Kennzeichen der Demokratie ist nicht der Wille der Mehrheit, sondern die Achtung vor der Minderheit.

005 Majoritätsmacht hat kaum oder gar nichts mit Selbstbestimmung.

006 Es gehört zum Wesen der Demokratie, daß die Minderheit gezwungen wird, sich der Mehrheit zu beugen.

007 Der Theorie der Repräsentativdemokratie entsprechend ist die Unterdrückung der knappen der Hälfte der Bevölkerung durch die knappe Mehrheit erlaubt.

008 Die Mehrheit zwingt zur Anpassung.

009 Die Tyrannei der Mehrheit gibt sich als Freiheit aus.

010 Im Staat steht stets eine Minderheit gegen eine Mehrheit.

011 "Wir dürfen uns niemals abfinden mit einer Gesellschaft, in der eine wachsende Minderheit von Alten, Frührentnern, Arbeitslosen, Behinderten, Gebrechlichen, Kranken, psychisch und physisch Überforderten, Drogen und Alkoholsüchtigen, Straffälligen oder Ausgeflippten nicht ohne mißfälliges Knurren ausgehalten wird von einer schrumpfenden Mehrheit derer, die japsend und keuchend im Rennen um den Erfolg gerade noch mithalten können, so lange, bis auch sie, früher als nötig, zur wachsenden Minderheit abgedrängt werden." - Erhard Eppler, Ende oder Wende - Von der Machbarkeit des Notwendigen, München 1976, Seite 66

012 Die Mehrheit ist eine Massenautorität.

013 "Abweichendes Verhalten wird tendenziell zum Mehrheitsverhalten." - Ivan Illich, Entmündigung durch Experten, Reinbek 1979, Seite 143

014 Das Mehrheitsprinzip kann keine Begründung von Herrschaft sein.

015 "Stimmenmehrheit ist kein Beweis angesichts von schwer zu entdeckender Wahrheiten, denn es ist weit wahrscheinlicher, daß ein Mensch allein sie findet, als ein ganzes Volk." - Rène Descartes, Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs, Stuttgart 1977, Seite 17

016 Die breite Masse wird über wesentliche politische Prozesse in Unwissenheit gehalten, daß sie nicht einmal ein Interesse daran hat, sich ein begründetes Urteil zu bilden. Wenn auch nur leidliches Interesse an der Politik läßt sich nur mit einem großen Aufwand an Propaganda aufrechterhalten. Von Zeit zu Zeit wird das Stimmvieh dann zu den Wahlurnen getrieben. Die Absurdität der vielgepriesenen Mehrheitsherrschaft wird nur allzu deutlich.

017 Mehrheiten herrschen und Minderheiten sind gezwungen sich zu fügen.

018 Für die Begründung des Mehrheitsprinzips gilt die Erwägung, wenn Mehrheit und Minderheit miteinander kämpfen würden, so würde die Mehrheit ihrer Zahl wegen siegen, und deswegen ist es sinnvoll, so daß sich die Minderheit von vornherein unterwirft.

019 Im Parlament wird meist über Sachen abgestimmt, die zum Zeitpunkt der Wahl noch gar nicht zur Debatte standen.

020 Die Herrschaft der Mehrheit ist nicht dasselbe, wie die Autonomie des Volkes.

021 "Da die Unterdrückerminderheit eine Mehrheit unterwirft und beherrscht, muß sie sie zerteilen und zerteilt zu halten, um an der Macht zu bleiben. Die Minderheit kann sich den Luxus nicht leisten, die Einigung des Volkes zu dulden, weil sie zweifellos eine ernste Bedrohung der eigenen Vorherrschaft bedeuten würde." - Paulo Freire, Pädagogik der Unterdrückten - Bildung als Praxis und Freiheit, Reinbek 1979, Seite 119

022 Ursprünglich war die Herrschaft der Mehrheit ein stillschweigendes Übereinkommen, keinen bewaffneten Kampf zu führen, den die Mehrheit ohnehin gewinnen würde.

023 Das Prinzip der Herrschaft der Mehrheit ist die Grundlage des demokratischen Glaubensbekenntnisses.

024 Das Paradox der Demokratie meint, daß sich die Mehrheit auch zur Herrschaft eines Tyrannen entscheiden kann.

025 "Der Anblick von 300 Millionen Menschen, die sich durch die Drohung von 300 Menschen einschüchtern lassen, ist für die Despoten und ihre Opfer in gleicher Weise demoralisierend." - Mahatma Gandhi, Satyagraha in 'Young India' 1930, Seite 238 in Theodor Ebert, Gewaltfreier Aufstand - Alternative zum Bürgerkrieg, Waldkirch 1980, Seite 211

026 "Sogenannte Objektiva, richtiger Kollektiva..." - Martin Buber, Das dialogische Prinzip, Heidelberg 1979, Seite 249

027 Mit dem Aufkommen der Demokratie wurde anstelle des Gewaltprinzips das der Mehrheitsbeschlüsse gesetzt, um einen dauerhaften Frieden zu ermöglichen.

028 Wer vom Herkömmlichen abweicht bekommt gewöhnlich die Rechtfertigungslast aufgebürdet und nicht wer, daran festhält.

029 "Oktroyiert ist 'jede' nicht durch persönliche freie Vereinbarung aller Beteiligten zustandegekommene Ordnung. Also auch der 'Mehrheitsbeschluß', dem sich die Mehrheit fügt." - Max Weber, Soziologische Grundbegriffe, Tübingen 1976, Seite 74

030 Die ursprüngliche demokratische Idee wird aufgegeben, wenn die Macht der Mehrheit der Bevölkerung zugesprochen wird, ohne einen Lernprozess vorauszusetzen.

031 "Der Konsensus des Kundigen als Kriterium der Wahrheit wird dann im operationalen Behaviorismus auf den Konsensus  aller  ausgedehnt. Damit kommt zum Tierexperiment die Befragungsmethode, zur objektiven die subjektive Erfahrung von  Jedermann.  Man kann ihn über schlechtweg alles fragen: über Politik und Gesellschaft, Religion und Moral; kann ihn fragen, was Wissenschaft sei und was man unter Aggression verstehe, aus welchen Gründen man sich scheiden lassen dürfe, ob man nicht schon Sechzehnjährige zu allen Filmen zulassen solle usw. Herr und Frau Jedermann wissen alles. Man muß sie nur nach den Spielregeln der Statistik befragen. Und muß  viele  von ihnen fragen, mindestens so viele, daß man Signifikanzen errechnen kann. Da Jedermann seine Meinung nicht immer in wünschenswerter Klarheit kundtun kann, formuliert man die Fragen so, daß er nur mit  ja  oder  nein  oder  unentschieden  zu antworten braucht. Oder man liegt ihm Sentenzen, deren Behauptung er anerkennen oder ablehnen kann, oder ein Polaritätsprofil vor auf dem er nur anzugeben braucht, ob der erfragte Gegenstand mehr den einen oder dem anderen Pol zuzuordnen sei. - - - Die Befragungsmethode zusammen mit der Statistik hat heutzutage in der Psychologie ihren festen Platz. Mit ihr setzt sich in der Wissenschaft das demokratische Prinzip oder das  Gesetz der großen Zahl  durch. Die Frage ist, ob man die so ermittelten Ergebnisse als reine  Istwerte  über Urteilsverteilungen und Textbestände anzusehen habe oder ob sie auch  Sollenswert sind, das heißt, ob die statistisch häufigste Meinung auch die gültige sein kann." - Ludwig J. Pongratz, Problemgeschichte der Psychologie, Bern/München 1984, Seite 320f

032 In konkurrenzintensiven Gesellschaften werden Minderheiten zur Zielscheibe von Mißtrauen und Feindseligkeiten durch die Mehrheit.

033 Das Mehrheitsprinzip darf niemals mehr als ein notwendiges Hilfsmittel sein, niemals aber ein Grundprinzip.

034 Die gesellschaftliche Mehrheit schließt bisweilen Bevölkerungsgruppen gewaltsam aus, um ihre eigene Identität bewahren zu können.

035 Die Herrschaft der Mehrheit ist eine Herrschaft der Mittelmäßigkeit.

036 Durch die Realisierung des Allgemeinen wird das Partikulare zum Verschwinden gebracht.

037 "Die Entfaltung und volle Reifung der Vernunft hängt ab von der Erlangung völliger Freiheit und Unabhängigkeit. Bis er beides erworben hat, wird der Mensch dazu neigen, das für wahr zu halten, was die Mehrheit seiner Gruppe als Wahrheit wahrhaben will." - Erich Fromm, Psychoanalyse und Erziehung, Ffm/Berlin/Wien 1978, Seite 65

038 "Man beginnt zu begreifen, daß die Herrschaft der Majoritäten bedeutet, alle Geschäfte eines Landes denen zu überlassen, die die Mehrheit für sich zu gewinnen wissen, d.h. den Kröten des Sumpfes im Parlament und in den Wahlversammlungen, mit einem Wort denen, die keine eigene Meinung haben." - Peter Kropotkin in Erwin Oberländer (Hrsg), Anarchismus, Freiburg/Br. 1972, Seite 245

039 Meinungsverschiedenheiten mögen wichtig oder unwichtig sein, sie werden immer nach dem Willen der Mehrheit entschieden.

040 Die Ideen mehrerer Minderheiten können auch gleichzeitig verwirklicht werden, ohne sich gegenseitig zu beeinträchtigen. Der Einzelne müßte nicht unbedingt nach den Vorstellungen der Mehrheit entsprechend handeln, wenn die Kooperation dem Konflikt vorgezogen würde.

041 Normalität wird stets im Interesse der herrschenden Mehrheit definiert.

042 Der Zweck der Normalitätskriterien ist es, die Interessen derjenigen zu schützen, welche die Mehrheit zu vertreten vorgeben.

043 Politische Freiheit ist Freiheit für die schwächere Partei.

044 Die Herrschaft der Mehrheit kann auch die Herrschaft des Pöbels sein.

045 Sprachliches wird immer auf quantitative Gegebenheiten zurückgeführt.

046 Jeder Mensch ist anders. / Alle Menschen sind gleich.

047 Wir folgen der Mehrheit, weil so zu verfahren für unser Leben als praktisch, nützlich und förderlich erscheint.

048 Mit "Volk" sind die nichtprivilegierten Bevölkerungsschichten gemeint, welche die Mehrheit der Bevölkerung bilden.

049 Das Nutzenprinzip hat nicht das Glück des einzelnen Menschen, sondern das Glück der Mehrheit im Auge.

050 Gewohnheit und Beispiel sind es, was unser Urteil bestimmt, nicht etwa Einsicht.

051 Die Anwendung des Prinzips der großen Zahl geschieht auf dem Weg der statistischen Interpretation.

052 "Demokratie ist Mehrheit, Mehrheit ist Herrschaft. Die Mehrheit ist das Gewand, unter dem der Nichtmensch den Dolch verborgen hält. Mehrheit ist die Hirnzelle derer, die nicht zu denken vermögen. Mehrheit ist das Szepter der Betrüger und Halunken." - B. Traven in Der Ziegelbrenner, Berlin 1976, Seite 95

053 In der Demokratie stimmt der Bürger auch dem Gesetz zu, das gegen seinen Willen geht.

054 Normal ist, was gesellschaftlich unauffällig ist.

055 Wir leben in einem Zeitalter, in dem Nichtübereinstimmung mehr auffällt, als Übereinstimmung.

056 "Die Worte werden den Dingen nach der Auffassung der Menge beigelegt." - Francis Bacon, Neues Organ der Wissenschaften, Darmstadt 1981, I-§43

057 Das Quantifizieren ist die rechnerische Art der Erkenntnis.

058 Demokratie ist nichts als die Tyrannei der Mehrheit über die Minderheit.

059 Weder das Volk, noch irgend eine Majorität, noch eine politische oder richterliche Instanz stehen höher, als das Gewissen.

060 Die Menge ist kopflos.

061 Wem es nur darauf ankommt, Mehrheiten zu gewinnen, kommt dabei nicht umhin, Probleme zu vergewaltigen, nur um eine möglichst breite Übereinstimmung zu erzielen.

062 "Die Mehrheit hat immer recht!" ist nur eine Abwandlung des Slogans: "Der Stärkere hat immer recht."

063 Durch die Übereinkunft alle Macht der Mehrheit zu überantworten, entstand die bürgerliche Gesellschaft.

064 Wo die ausdrückliche Zustimmung des Bürgers eines Gemeinwesens fehlt, wird einfach eine stillschweigende Übereinstimmung angenommen.

065 Ohne die Übereinstimmung der Mehrheit in den wichtigsten Fragen ist eine Gesellschaft nicht möglich.

066 "Wer den Zweck will, muß auch die Mittel wollen: der Zweck ist der Schutz seines Eigentums, das Mittel ist die Anerkennung des Mehrheitswillens als seines eigenen Willens." - C. B. MacPherson, Die politische Theorie des Besitzindividualismus, Ffm 1980, Seite 286

067 Es ist unmöglich, es allen Menschen recht zu machen.

068 "Es gibt Menschen, die es genießen, zu einer Menge zu gehören." - Burrhus F. Skinner, Futurum Zwei - Walden Two, Reinbek 1978, Seite 47

069 Die Minderheit verpflichtet sich, sich der Wahl der Mehrheit unterzuordnen.

070 Es wird ein Unterschied gemacht zwischen aboluter und einfacher Mehrheit.

071 In jeder parlamentarischen Debatte kommt schließlich der Punkt, an welchem nicht mehr Argumente gewogen werden, sondern bloß mehr Stimmen gezählt.

072 Erst wenn es Vieles gibt, gibt es Macht.

073 Das menschliche Zusammenleben wird erst ermöglicht, wenn sich eine Mehrheit zusammenfindet, die stärker ist, als jeder Einzelne und gegen jeden Einzelnen zusammenhält.

074 Im Mehrenkönnen zeigt sich Macht.

075 Die Mehrheit ist immer hammelhaft und stumpf.

076 Mehrheiten und Konsens sind ein Problem der Ordnung.

077 Durch ein System der Erziehung und ein Gefüge von Sanktionen wird ein einheitlicher Konsens hergestellt.

078 Eigentlich wird die Mehrheit beherrscht durch eine herrschende Minderheit.

079 Der Verlust der Freiheit von einigen, wird durch ein größeres Wohl für andere wettgemacht. Wahrheit und Gerechtigkeit dulden keine "vernünftigen" Kompromisse.

080 Die Allgemeinheitsbedingung der Moral schließt den allgemeinen Egoismus nicht aus.

081 Das ordinäre, begrifflich diskursive Erkennen ist jedem, der nur einigermaßen denken kann, erreichbar und faßlich.

082 "Die wirkliche Stärke liegt in den Untertanen, aber die öffentliche Meinung begründet die Stärke der Herren." - Denis Diderot, Enzyklopädie, München 1969, Seite 221

083 "Wenn die Seele im Urteil fehlt, flüchtet man sich in das Rechnen." - Viktor von Weizsäcker, Natur und Geist, München 1977, Seite 107

084 Diskussionsprozesse und Mehrheitsvoten sind ein Mittel zur Konfliktbewältigung.

085 "Sie geben doch zu, daß die meisten Menschen dumm sind?" - Sigmund Freud in Viktor von Weizsäcker, Natur und Geist, München 1977, Seite 120

086 Ein gewisses Maß an Übereinstimmung ist immer notwendig, damit eine Gesellschaft nicht auseinanderfällt.

087 Praktisch bedeutet der "Wille des Volkes" den Willen des zahlreichsten oder des aktivsten Teils der Bevölkerung, nämlich der Mehrheit.

088 Selbstbestimmung gehört nicht zu den Idealen der Mehrheitsapostel.

089 Die Mehrheit ist immer passiv.

090 Der politische Agitator ist bestrebt, so viele Menschen wie möglich für sich zu gewinnen.

091 "Man kann von einer einzigen Person wissen, ob sie Masse ist, oder nicht. Masse ist jeder, der sich nicht selbst aus besonderen Gründen - im Guten oder im Bösen - einen besonderen Wert beimißt, sondern sich schlichtweg für Durchschnitt hält, und dem doch nicht schaudert, der sich in seiner Haut wohlfühlt, wenn er merkt, daß er ist wie alle." - Josè Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, Reinbek 1956, Seite 9

092 Die meisten Menschen haben keine Meinung.

093 "Die Menge ist hilflos ohne Haupt." - Niccolo Macchiavelli, ohne weitere Quelle

094 "Der durchschnittliche Mensch entdeckt 'Gedanken' in sich, aber er kann nicht denken. Darum sind seine Gedanken in Wahrheit nur Triebe in logischer Verkleidung." - Josè Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, Reinbek 1956, Seite 53

095 "Herrschen bedeutet Vorherrschaft einer Meinung, also einer Geisteshaltung. Herrschaft bedeutet letzten Endes nichts anderes, als geistige Macht." - Josè Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, Reinbek 1956, Seite 95

096 "Was wir die objektive Bedeutung der Dinge nennen, das ist in praktischer Hinsicht ihre Gültigkeit für einen größeren Kreis von Subjekten." - Georg Simmel, Philosophie des Geldes, 1907, Seite 379

097 Das bloße Zusammenzählen bedingter Interessen steht im Gegensatz zur Idee des Guten.

098 Die Frage nach der Mehrheit geht auf die Kategorie der Quantität zurück, die Richtigkeit ist eine Erwägung der Qualität.

099 "Das bloße Zusammenzählen subjektiver Meinungen ist ohne grundsätzliche Bedeutung, sowohl für das Einsetzen des Begriffs, wie der Idee des Rechts." - Rudolf Stammler, Lehrbuch der Rechtsphilosophie, Berlin 1970, Seite 348

100 Das Prinzip des demokratischen Zentralismus ist die Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit.

101 "Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn; Verstand ist stets bei Wenigen nur gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder später, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet." - Sapieha in Friedrich Schiller, Demetrius I

102 Vom Willen der Mehrheit empfängt der Staat die Macht zur Ausübung von Gewalt.

103 Der Staatskörper ist der verkörperte Wille der Mehrheit. Die Mehrheit verleiht dem Staat seine Macht, ohne sie ist er machtlos.

104 Das Interesse einer Minderheit der Bevölkerung wird einfach als das Allgemeininteresse ausgegeben.

105 Kostspielige Dinge können niemals allen zugänglich sein.

106 Der Wille der Volksmehrheit ist jeder parlamentarischen Mehrheit übergeordnet.

107 "Er regiert nicht mehr zum Wohl des Staates, sondern zum Vorteil seiner Wiederwahl; er neigt sich vor der Mehrheit, und statt ihren Leidenschaften zu widerstehen, wie es seine Pflicht wäre, kommt er ihren Launen entgegen." - Alexis de Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika, München 1976, Seite 152

108 "In der Regel faßt das Denken des Volkes nur einfache Begriffe." - Alexis de Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika, München 1976, Seite 186

109 "Es gehört zum Wesen der demokratischen Regierungen, daß die Macht der Mehrheit unbedingt gilt, denn außerhalb der Mehrheit hält in den Demokratien nichts stand." - Alexis de Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika, München 1976, Seite 284

110 Die sittliche Herrschaft der Mehrheit gründet sich auf den Grundsatz, daß die Interessen der großen Zahl denen der kleinen vorgezogen werden.

111 Die Mehrheit ist Quelle der Macht.

112 "Nun befasst sich die Mehrheit mehr mit Geschäften, als mit Studien." - Alexis de Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika, München 1976, Seite 550

113 Die Zahl entscheidet über den Sieg.

114 "Gegen die Wahrheit gibt es kein Recht der Mehrheit." - Alexis de Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika, München 1976, Seite 896

115 Auch Mehrheitsbeschlüsse können den Interessenkonflikt nicht in befriedigender Weise lösen.

116 Die Stimmenmaximierung ist in Demokratien das Hauptziel der politischen Aktion.

117 Die Volkssouveränität ist das Prinzip des Mehrwillens als oberstes Gesetz.

118 Zum Regieren ist die Zustimmung der Mehrheit notwendig, nicht aber ihre Mitwirkung.

119 In den empirischen Wissenschaften kann niemals Wahrheit, sondern immer nur Wahrscheinlichkeit erzielt werden. Wahrscheinlichkeit gründet sich auf Häufigkeit, Mehrheit und Quantität.

120 Mehrheit und Konsens sind ansich noch nicht wertvoll.

121 Die Mehrheit wird über die öffentliche Meinung ermittelt.

122 "Nicht weil die Majorität immer recht hat, sind wir Demokraten, sondern weil demokratische Institutionen, wenn sie in demokratischen Traditionen wurzeln, bei weitem die unschädlichsten sind, die wir kennen." - Karl Popper, Auf der Suche nach einer besseren Welt, München 1989, Seite 170

123 Das Mehrheitsprinzip ist nichts als Wahldespotismus.

124 "Ebensowenig wie den Zwang zur Kulturarbeit, kann man die Beherrschung der Masse durch die Minderzahl entbehren, denn die Massen sind träge und einsichtslos, sie lieben den Triebverzicht nicht, sind durch Argumente nicht von dessen Unvermeidlichkeit zu überzeugen, und ihre Individuen bestärken einander im Gewährenlassen ihrer Zügellosigkeit." - Sigmund Freud, Gesammelte Werke XIV, Seite 328

125 Das allgemeine Wahlrecht ist das Recht der Mehrheit, ihren Willen der Minderheit aufzuzwingen.

126 Die Beherrschung der großen Mehrheit der Bevölkerung durch eine privilegierte Minderheit.

127 "Das allgemeine Stimmrecht darf nicht nur der Ausdruck eines Majoritäten-Willens sein: das ganze Land muß es wollen. Deshalb genügt schon der Widerspruch einer sehr kleinen Minorität, dasselbe als untunlich wieder beiseite zu stellen: und die 'Nichtbeteiligung' an einer Abstimmung ist eben ein solcher Widerspruch, der das ganze Stimmsystem zum Falle bringt." - Friedrich Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches - Ein Buch für freie Geister, Frankfurt 1982, Seite 559

128 Ein demokratischer Wandel braucht langwierige Überzeugungsarbeit und Gewinnung von Mehrheiten.

129 Die legale Vorstellung ist die: daß die Beherrschten über das geltensollende Recht durch Willenskundgebung frei bestimmen und daß die Zählung der Stimmen das dafür legitime Mittel sei (Majoritätsproblem).

130 "Die Natur ist nur Rohstoff, dasselbe gilt von dem Teil der Menschheit, der nicht an der Regierung beteiligt ist." - Bertrand Russell, Philosophie des Abendlandes, Wien/Zürich 1988, Seite 738

131 Das allgemeine Wahlrecht gewährleistet die Herrschaft der Mittelmäßigen.

132 Wo nicht mehr in Versammlungen unmittelbar die betreffenden Angelegenheiten beurteilt werden können, wird nur noch über Programme und Kandidaten abgestimmt.

133 Volksherrschaft ist Herrschaft der Mehrheit.

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