Konservatismus
J. Eötvös - Die herrschenden Ideen des 19. Jahrhunderts
p-2siehe auch Werte, Fortschritt, Ordnung, Autorität, Reform, Revolution, Ideologie, Politik

001 "Was sich nie und nirgend hat begeben, das allein veraltet nie."

002 Konservatismus ist als Prinzip die Erhaltung der gegebenen Zustände.

003 Das Allgemeine ist zeitlos, ewig und von aller Veränderung unberührt.

004 "Doch alle Lust will Ewigkeit - will tiefe, tiefe Ewigkeit!"

005 Die Ruhe zu bewahren, nicht aber Konflikte in ihren Ursachen zu beseitigen.

006 Werte sind umso höher zu bewerten, je dauerhafter sie sind.

007 Das sog. Unbewußte, psychische, die Seele des Menschen ist kein beständiger Untergrund, sondern bildet sich gleichsam unablässig, ohne festen Bestand zu erreichen.

008 Das Problem der Harmonie von Ordnung und Freiheit, von Bewegung und Stabilität.

009 "Das Eine - sich wandelnd ruth es."

010 "Derselbe Glaube an historische  Schicksalsgesetze,  der prinzipiell jede politische Überlegung überflüssig macht, da die Entwicklung sowieso die ihr vorgezeichnete Bahn einhält, ist auch bei dem Hegelschüler Karl Marx zu finden. Vielleicht scheint es absurd, den Marxismus mit dem Konservatismus unter einen Hut bringen zu wollen. Aber die Struktur des Gedankens ist in beiden Fällen so ziemlich die gleiche. In beiden Fällen ist der Grundgedanke der, daß das vernünftige und mögliche Ziel der Politik nicht vom Historisch-Notwendigen verschieden ist. Der wesentliche Unterschied ist eigentlich nur der, daß während der Konservatismus die Geschichte derart deutet, als habe sie ihre immanente vernünftige Tendenz in ihren wesentlichen Zügen bereits realisiert, der Marxismus die Ansicht verficht, daß wir uns in einem dialektischen Entwicklungsprozeß auf einem dem Ziel entgegengesetzten Vorstadium befinden." - Alf Ross, Kritik der sogenannten praktischen Erkenntnis, Kopenhagen und Leipzig 1933, Seite 418

011 "Der Begriff allein ist es, wodurch die Dinge in der Welt Bestand haben."

012 Die Bezeichnung der Zahlen durch Ziffern, der Laute durch Buchstaben - alles Konvention.

013 Das sich Wiederholende scheint wichtiger, als das Spezielle, das Einmalige.

014 "Nicht das Allgemeine, Ewige, Gesetzmäßige und Bestandhafte ist das eigentlich Seiende, sondern das, worauf es ankommt ist das geschichtlich Einmalige, Situationsgebundene, aus irrationaler, freiheitlicher Entscheidung zum Durchbruch Gelangende."

015 Die Religion ist eine konservative Macht.

016 Die Allgemeinbegriffe spiegeln das Immergleiche.

017 Zwei Vorstellungen, die der Geist nicht mehr unterscheidet, werden in der gleichen Bezeichnung zusammengefaßt.

018 Der Empirismus ist das Gefängnis der Vergangenheit.

019 Sexualverdrängung ist der Grundpfeiler der konservativen Ideologie.

020 Das höchste Wissen ist das Wissen vom Unveränderlichen.

021 Gerade deshalb, weil ein Zeichen beliebig ist, gibt es für dasselbe kein anderes Gesetz, als das der Überlieferung.

022 Der Überbetonung von direkter Gewalt liegt der konservative Gedanke zugrunde, daß die Sozialstruktur im Grunde befriedigend sei.

023 Die Sprache ist eine Gewohnheit, ein Brauch.

024 Die konservative Haltung entspringt einer tiefen Einsicht in die Ursprünge des Bösen im Individuum und der dadurch gestörten Ordnung in der Gesellschaft und daraus folgend einer ebenso tiefen Überzeugung von der Notwendigkeit von Stabilität und Ordnung um beinahe jeden Preis

025 Frieden auf der sog. politischen Ebene wird gewissermaßen auf Kosten extremer Konflikte im Innern des einzelnen Menschen erkauft.

026 Das Überleben ist das einfachste aller Kriterien.

027 Das höchste Prinzip ist unbewegt.

028 Unvergänglichkeit ist das Wesen der Wahrheit.

029 Die Individuation beginnt dort, wo das Akzeptieren des fertig Gegebenen aufhört.

030 Das Recht ist Instrument zur Sicherung der Macht.

031 Gewöhnung ist eine konservative Macht.

032 Eine jede tiefe Befriedigung bestimmt den Menschen zum Verweilen.

033 Die Errungenschaften von Zivilisation und Kultur müssen bewahrt werden.

034 Es ist nur leicht übertrieben zu sagen: wir sehen mit unserer Sprache.

035 Die reaktionäre Ideologie versteckt massive Machtinteressen hinter angeblich naturnotwendigen Aggressionskontrollen.

036 Wer an der Macht ist, will an der Macht bleiben.

037 Die Idee des Guten ist etwas ewig Gleichbleibendes.

038 Das Zeitlose ist ewig unveränderlich.

039 Gewohnheiten werden zu Besitz und ihr Verlust bedroht die Sicherheit des Inhabers.

040 Nur das Alte, Erprobte ist sicher.

041 Jeder Gebrauch eines Wortes setzt eine große Zahl nicht aktueller, in das Wort aber eingegangene Gedanken voraus.

042 Die wesentliche Leistung der Sprache ist das "Festhalten von Hinsichten".

043 memoria - die behaltende Kraft

044 Wertkonservatismus - Strukturkonservatismus.

045 Wechsel und Veränderung sind nur in der Zeit möglich.

046 Die Autorität der logischen Regeln beruht darauf, daß die Welt so ist, wie sie ist.

047 Absolute Aussagen haben die gewünschte Beständigkeit.

048 Eine Philosophie der Identität der Gegensätze dient einer Rechtfertigung der bestehenden Ordnung.

049 "Wir stehen auf der Spitze einer Pyramide von Vergangenheit und bemerken es nur nicht, weil wir besessen sind vom objektiven Denken."

050 Wer das Bestehende für vernünftig und gut erachtet, für den ist Macht gleich Recht.

051 Der Konservative sucht seine wissenschaftliche Stütze bei einer Psychologie der Instinkte.

052 Unser Denken verhärtet sich, während die Tatsachen beweglich sind.

053 Für den Konservativen ist das menschliche Streben von übergeordneten, wenn nicht göttlichen, dann natürlichen Gesetzen geregelt und begrenzt.

054 "Die Sprache ist von allen sozialen Einrichtungen diejenige, welche am wenigsten zur Initiative Gelegenheit gibt. Sie gehört unmittelbar mit dem sozialen Leben der Masse zusammen, und diese ist natürlicherweise schwerfällig und hat vor allem eine konservierende Wirkung." 

055 Man sagt immer noch "die Sonne geht auf".

056 Durch das sogenannte Schließen wird nichts Neues erschlossen.

057 Die Sprache ist das grobe Werkzeug der konservativen Masse.

058 "Nicht die Tatsachen gründen sich auf Gesetze, sondern die Bequemlichkeit unseres Denkens gründet Gesetze auf Tatsachen, wie sie Begriffe auf Wahrnehmung gründet."

059 Die Totalität der Wirklichkeit ist jeder Veränderung entrückt und absolut unveränderlich.

060 Ständige Arbeit wird leichter durch Gewöhnung.

061 Der Streit zwischen denen, die die bestehende Sozialordnung verteidigen und denjenigen, die eine neue Form der sozialen Organisation vorschlagen.

062 Der Geist des Bewahrens steht gegen die demokratische Unbeständigkeit.

063 Der Despot denkt nur an die Erhaltung seiner Macht.

064 Die Macht zu erhalten ist schwieriger, als sie zu gewinnen.

065 Organisationen neigen auch dann weiterzubestehen, wenn sie gar keine Funktion mehr haben oder ihre früheren Funktionen überlebt haben.

066 Stillstand bedeutet Tod.

067 Individualität im Sinne einer inneren Einheit eines bleibenden und unveränderlichen Ichs.

068 Stabilität ist wechselseitige Gleichheit der Abhängigkeiten.

069 Jede neue Wahrheit ändert die Sprache, aber die Sprache will sich nicht ändern lassen.

070 Der Sprachgebrauch und seine logischen Gewohnheiten.

071 die konservierende Macht der analogischen Sprachen.

072 das Ruhebedürfnis des menschlichen Geistes.

073 Das auszeichnende Merkmal der Sprache ist die Bequemlichkeit der Zeichen.

074 Der Begriff der Bequemlichkeit ist der des geringsten Kraftaufwandes.

075 Erhalten heißt den Zerfall der Einzelmomente verneinen.

076 Regeln werden aufgestellt, wenn ähnliche Fälle sich tendenziell wiederholen.

077 Wir sehen oft Tätigkeiten und Kräfte, wo in Wirklichkeit nur Zustände sind.

078 Irrtum und Wahrheit des logischen Denkens setzen ein Erleben voraus für das dauernde ../../b-u-t/221149/wbdin.html">Dinge wesentlich sind.

079 Widerspruch von Bestand und Wandel

080 Bewußtsein ist waches Bewußtsein und waches Bewußtsein ist potentiell zählendes  Bewußtsein. Die Anzahl aber ist Sinnbild der Unwandelbarkeit.

081 Trachten nach Wohlleben ist die Mutter der Knechtschaft.

082 Der tägliche Gang der Geschäfte wird weder unterbrochen noch gestört.

083 Jede Setzung beruht auf Unterscheidung. Es gibt keinen Begriff der Flüchtigkeit ohne den der Beständigkeit, nicht den der Veränderung ohne den der Beharrung. Dauer ist eine Frage der Zeit.

084 Wenn uns ständig bewußt wäre, daß nichts bleibt, wie es ist, würden wir uns kaum die Mühe machen, etwas zu benennen und ihm eine Identität beizulegen.

085 Ähnlichkeiten feststellen, Unterschiede vernachlässigen.

086 Wir geben häufig wiederkehrenden Situationen Namen.

087 Unsere Sprache fixiert den Glauben und die Wirklichkeit dauernder Gegenstände.

088 Die Erhaltung von Herrschaft mittels Stabilisierung.

089 Das Neue gestaltet sich als Opposition zum Bestehenden.

090 Jede Quelle, aus der wir Sinn und Bedeutung schöpfen, wirkt als stabilisierender Faktor.

091 "Der menschliche Verstand zieht in das, was er einmal als wahr angenommen hat, weil es von alters her gilt und geglaubt wird oder weil es gefällt,  auch alles andere hinein, um jenes zu stützen und mit ihm übereinstimmend zu machen."

092 Weil du etwas bist, deshalb mußt du dich erhalten.

093 Wo eine Einheit besteht kann kein Teil verbessert werden, ohne das Ganze des Systems zu gefährden.

094 Das Ich bezeichnet eine haltbare Position, innerhalb eines fließenden geistig-seelischen Geschehens, das üblicherweise Identität oder Persönlichkeit genannt wird.

095 Stabilität ist eine fixe Idee.

096 Ökonomie macht die Leute konservativ.

097 Das Vorhandensein fester Körper beruth auf der Stabilität der Atome.

098 Jede Macht erhebt den Anspruch fortzubestehen und sich zu vererben.

099 Die Befriedigung ist ihrer Natur nach zutiefst konservativ.

100 Gewohnheit als Wiederholung der gleichen Handlungen.

101 Das Festhalten, das Behalten, der Besitz.

102 Besitz als Mittel um seinen Status zu festigen.

103 Ordnung und Fortschritt wurden immer als miteinander unverträglich angesehen.

104 Der Konservative hat die Tendenz, das ihn Umgebende als etwas der Weltordnung zugehöriges zu betrachten und demzufolge als etwas Aproblematisches zu empfinden.

105 Die Tyrannei der Gewohnheit.

106 Alle organischen Triebe sind konservativ auf Wiederherstellung von Früherem gerichtet.

107 Konservatismus ist die Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Illusionen.

108 "Die wichtigste Erzeugungsstätte der ideologischen Atmosphäre des Konservatismus ist die Zwangsfamilie."

109 Das Bestehende zwingt die Menschen nicht bloß durch physische Gewalt und materielle Interessen, sondern auch durch übermächtige Suggestion.

110 Die Vergnügungen gehören zur unveränderlichen Ordnung der Dinge. Sie existieren unveränderlich.

111 Die sich verändernde Welt wird dem Stehenbleibenden fremd.

112 Gefühle gelten als geradezu beispielhaft für Unbeständigkeit, Unberechenbarkeit und Widersprüchlichkeit.

113 "Es ist höchst verwerflich, die Gesetze über das, was ich tun soll, von demjenigen herzunehmen oder dadurch einzuschränken zu wollen, was getan wird."

114 Wer die herrschende Meinung angreift ist von vornherein mit der Beweislast belegt.

115 Das "../../b-u-t/221149/wbdin.html">Ding" ist nur der ersehnte Ruhepunkt unseres Denkens, ihm entspricht keine Wirklichkeit.

116 Daß es dauernde ../../b-u-t/221149/wbdin.html">Dinge gibt ist lediglich ein irrtümlicher Glaubenssatz.

117 Ein seiendes Ding gibt es nur in der menschlichen Optik.

118 Ideologien sind Ideenkomplexe, die sich um die Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung bemühen.

119 Die Sprache verfestigt die Gefühle, indem sie ihnen Namen gibt.

120 Dauer ist das Kennzeichen des Ich, ist das Kennzeichen aller Dinge.

121 Funktion der Sprache ist eine Stabilisierung von Bewußtseinsvorgängen, indem sie seelisches Geschehen an Symbolen festmacht und dadurch äußere Existenz gewinnen läßt.

122 Unsere Wahrnehmung besitzt die Fähigkeit die Konstanten der Sinneswelt auszublenden, wie etwa das Ticken einer Wohnzimmeruhr.

123 Gewohnheit ist eine wichtige Ökonomie des bewußten Denkens.

124 Isoliert betrachtet ist so mancher Gegenstand unveränderlich.

125 Das Wegfallen des Gewohnten wird schmerzlich empfunden.

126 Gewohnheit entfernt sich aus dem Bereich kritischer Überprüfung.

127 Hält man das Weltall für harmonisch und unumstößlichen Gesetzen unterworfen, folgt, daß die irdische Ordnung die gleichen Züge tragen muß.

128 "the deep slumber of decided opinion"

129 Alles Lebendige wandelt sich.

130 Konservative politische Kräfte neigen dazu, Monopolansprüche von Sinnwelten zu unterstützen.

131 Traditionelle Wirklichkeitsbestimmungen behindern sozialen Wandel.

132 In der Überlieferung einer schon vorhandenen Sprache tritt dem Menschen die Gewalt eines schon vorgeformten Stoffes entgegen.

133 "Wir müßten erkennen, daß es in der Natur keine statischen Strukturen gibt. Es gibt zwar Stabilität, die jedoch eine Stabilität dynamischen Gleichgewichts ist."

134 Sozialer Wandel pflegt mit Konflikten einherzugehen.

135 Die Positivisten sind die ideologischen Statthalter des Bestehenden.

136 Das Wild-Beliebige und das Allgemein-Beständige.

137 Die Verwaltung hat vor allem die Aufgabe der "Ordnung", d.h. der bestehenden Herrschaftsverhältnisse.

138 Beständiges Gleichgewicht zwischen revolutionären und konservativen Tendenzen.

139 die Verfestigung durch Institutionen.

140 "Sie haben keinen Begriff davon, liebster Heine, wie man durch den Besitz von schönem Porzellan im Zaum gehalten wird."

141 Die gesellschaftliche Ungleichheit ist unabänderlich.

142 "Halten Sie sich an das Alte, denn dieses ist gut und unsere Vorfahren haben sich dabei gut befunden, warum sollten wir es nicht? Es sind jetzt neue Ideen in Schwung, die ich nie billigen kann, nie billigen werde. Enthalten Sie sich von diesen und halten Sie sich an das Positive, denn ich brauche keine Gelehrten, sondern brave Bürger. Die Jugend zu bilden liegt ihnen ob. Wer mir dient, muß lehren, was ich befehle. Wer das nicht kann, oder mir mit neuen Ideen kommt, der kann gehen, oder ich werde ihn entfernen."

143 Ein konservatives Sich-Abfinden mit der gegebenen gesellschaftlichen Realität.

144 "In dieser Unveränderlichkeit ewiger Normen in der Natur spiegelt sich die grundsätzliche, keine individuelle Ausnahme leidende Allgemeingültigkeit des modernen Rechtssatzes."

145 "Für die Scholastiker war die Ruhe - bzw. eine ewig gleichmäßige, d.h. ruhige Bewegung - der normale Zustand der Dinge, die zeitlich begrenzte Bewegung, die Abweichung der Ordnung. Ihr Sozialideal war ein statischer Zustand der Gesellschaft, in dem sich die Menschen zwar in vorgeschriebenen Bahnen bewegen, aber so, daß diese Bewegung selbst ein Element des Gleichgewichts ist, also ohne nach etwas Weiterem, Höherem zu streben; einem jeden ist sein Stand angeboren."

146Der Eindruck der Stabilität beruth nur auf der Grobheit unserer Sinne.

147 "Ein Satz muß mit alten Ausdrücken einen neuen Sinn mitteilen."

zuschriften
Hinweis: Bei den nicht näher gekennzeichneten Textstellen handelt es sich um Passagen, die in verschiedenen Quellen mehr oder weniger sinngleich auftauchen, so daß nicht klar ist, wer von wem abgeschrieben hat.