Kategorien
Wilhelm Windelband - Das System der Kategorien
p-2siehe auch Logik, Denken, Abstraktion, Sprache, Allgemeinheit, Methode

001 "Alles Logische ist kategorial, alle Probleme des Logischen sind auch Kategorienprobleme."

002 Ohne Kategorien gibt es kein Denken.

003 "Die Gegenstandsform ist das logische Prinzip überhaupt. Das Material als solches ist das Alogische. Die Kategorie ist deshalb das logische Urphänomen."

004 Jede Kategorie ist ein künstlich geschaffener Einteilungsbegriff, der der Wissenschaft als denktechnisches Mittel dient, um bestimmte Empfindungen unter Dach und Fach zu bringen.

005 "Jede der Wahrnehmungen, die unsere Erfahrung ausmachen, enthält eine zur Einheit geordnete Mannigfaltigkeit von Empfindungsqualitäten: aber diese Ordnung ist niemals nur zeit-räumlichen Charakters, sondern stets zugleich eine kategoriale; und diese beiden Ordnungen sind nicht etwa nur so miteinander verbunden, daß jede für sich bestehen könnte, sondern sie bilden eine untrennbare Einheit anschaulich-kategorialer und eben nur deshalb gegenständlicher Gestaltung des mannigfachen Inhalts."

006 Das "Ding" oder die "Substanz" ist der allgemeinste aller Namen.

007 Die Kategorien sind keine Begriffe, sie sind Funktionen zu den Begriffen, sind Gesetze der Urteile. Begriff und Urteil sind aber auseinanderzuhalten. Der Begriff ist zwar ein potentielles Urteil, bleibt aber eine isolierte Fixierung. Die Kategorien  Sein, Existenz  sind konkret an der Wissenschaft gewonnen, als  Urteils formen gefunden (bei KANT wird zuerst von der logischen Funktion des Verstandes im Urteilen gehandelt und dann auf dieser Basis zu einer Entdeckung der Kategorien fortgeschritten). - Otto Alexander Friedrichs, Beiträge zu einer Geschichte und Theorie des Existentialurteils, Prenzlau 1906, Seite 28

008 Nur Begriffe sind einander gleich und können übertragen werden.

009 Kategorien sind die Bedingungen des Denkens, so wie Raum, Zeit und Kausalität die Bedingungen der Anschauung sind.

010 Durch die Anschauung ist ein Gegenstand gegeben, durch die Kategorie wird er gedacht.

011 Es gibt keine Trennung zwischen naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Kategorien. Streng genommen gibt es nur Geisteswissenschaften.

012 "Die Anzahl der (echten) Kategorien ist sehr klein, vielleicht gibt - es nur eine einzige Kategorie."

013 Mit seinen Kategorien bringt der Biologe alle physischen Verschiedenheiten und die Einzigartigkeit des Menschen zum Verschwinden.

014 Kategorien sind Urbilder.

015 Was wir brauchen ist Freiheit von der Gebundenheit an das Netz der Kategorien.

016 Kategorien simplifizieren.

017 Die Kategorien haben die Funktion, alle anderen Begriffe zu beherrschen und zu umfassen. Kategorien sind der beständige Rahmen des geistigen Lebens. Mit den Kategorien versuchte man Grundsteine zu legen.

018 Aufgabe der Philosophie ist es, zur Befreiung von der Herrschaft der Kategorien aufzufordern, die seit der griechischen Antike die Interpretationen unseres Denkens, Handelns und Hoffens beherrschen.

019 Alle Kategorien sind nur Einbildungen.

020 Kategorien sind keine Begriffe, sondern ermöglichen diese.

021 Das Ich ist auch nur eine Kategorie.

022 Kategorien sind die Formen des Verstandes.

023 Kategorien sind nützlich, nichts weiter.

024 "Es gibt ein grundlegendes Klassifikationsschema, das 'in' unsere Sprache eingebaut ist. Dieses eingebaute Klassifikationsschema leitet uns so, daß wir die Dinge beobachten, die wir ohne weiteres mit Namen, die wir kennen, beilegen können; während wir stark dazu neigen, alles andere zu übersehen. Wir sehen mit unseren Kategorien."

025 Zu jeder Einordnung werden klassifizierende Kategorien verwendet.

026 Die Kategorien sind nur eine Fortführung der Zählreihe.

027 "Der Kampf gegen die Allgemeinbegriffe ist sinnlos."

028 Die Wissenschaft arbeitet mit einer Vorstellung von Empfindungen, als wären sie schon Dinge, sie unterwirft die phänomenale Welt Kategorien.

029 Der Materialismus und seine Verständnislosigkeit für kategoriale begriffliche Reflexion.

030 Unwandelbarkeit der formalen Bestimmungen, insbesondere der Kategorien.

031 Einheit, Unterschied, Beziehung sind Kategorien, deren jede nichts an und für sich, sondern nur in Beziehung auf ihr Gegenteil existiert und die daher nicht ohne einander auskommen können.

032 Kategoriale Gesetze sind nicht isoliert verständlich, sie sind Beziehungsgesetze.

033 "Niemand scheint zu empfinden, daß er seinen Schnurrbart, die Schwingung seiner Nase oder die Länge seiner Arme gegen das wissenschaftliche Reden von "dem Haarwuchs", "dem Nasenbein", oder "dem Arm" verteidigen muß, um nicht seiner Individualität beraubt und zur bloßen Illustration allgemeiner Kategorien oder Prinzipien erniedrigt zu werden."

034 Es gibt keine Übereinstimmung von Erkenntniskategorien mit "Seins"-Kategorien.

035 Kategorien sind Schemata, entworfene Typen und es ist falsch, sie als Realitäten zu behandeln.

036 Die Kategorien sind bequem, alles, was man beobachtet, läßt sich subsumieren.

037 Was ansich existiert, ist nicht das, was für uns existiert.

038 "Wir haben keinen Begriff des absolut Unerkennbaren."

039 Der Unendlichkeitshorizont von Raum, Zeit und Kausalität.

040 "Schon die Identifikation einzelner Ereignisse verlangt Kategorien die allgemeine Gesetzesannahmen implizieren."

041 Einen Gegenstand zu benennen heißt, von seiner Einzigartigkeit und Individualität Abstand nehmen und in ihm den Repräsentanten eines Wesens, einer Kategorie zu erblicken.

042 Das letzte Subjekt war die Substanz, sie war die erste und wichtigste Kategorie.

043 Kategorien sind allgemeine Prinzipien.

044 In der Welt der Ethik haben die Kategorien der Erscheinungswelt (Kausalität) keine Geltung.

045 Die Dingkategorie ist ein "anthropomorpher Fetischismus"

046 Die Zeit ist, wie der Raum eine Abstraktion.

047 Der Wille ist nur ein Begriff, eine Kategorie.

048 Die Alltagswelt wird als Gebilde von Typisierungen und anonymen Kategorien erlebt.

049 Das Kategorische ist ein unbedingter Imperativ.

050 Die Schwäche des nicht-dialektischen Denkens ist die Zerrissenheit der Abtrennung der Verstandeskategorien von der bewegten Totalität der Welt.

051 Im Chinesischen zeigt sich ein Mangel an Andeutung von Kategorien.

052 "Jedes Urteil hat seiner Form nach Elemente des Falschen, insofern eben die kategorialen Formen fiktiver Natur sind."

053 Ohne kategoriale Vermittlung ist keine Erfahrung, d.h. keine gegenständliche Welt möglich.

054 Die Kategorien haben keinen theoretischen Wert, sondern nur praktischen: Ordnung, Mitteilung, Handeln.

055 Objektive Gültigkeit setzt voraus, daß die Verstandeskategorie zugleich Wirklichkeit ist.

056 Rationales Denken hat die Funktion zu unterscheiden, zu messen, zu kategorisieren.

057 Kategorien sind nicht zum Erfassen der Wirklichkeit tauglich.

058 Ohne die Anwendung der Kategorien ist kein Urteil möglich.

059 Die Zeit ist eine Kategorie der äußeren, als auch der inneren Erfahrung und deshalb ist Un-Zeitliches auch un-denkbar. Ohne Annahme einer durchgängigen "Regelmäßigkeit" des Geschehens, also in der Sukzession von Zuständen, ist nicht einmal Erfahrung möglich und es kann daher auch kein Erkennen und Verstehen geben.

060 Die Kategorien sind Hilfsvorstellungen, durch welche sich das Denken das Geschäft erleichtert und sich die Berechnung der Wirklichkeit erleichtert.

061 Die Kategorie ist eine Form, der sich die Erfahrung fügt, die aber nicht aus der Erfahrung stammt.

062 Alles Begreifen ist reine Subsumtion unter Kategorien.

063 "Ohne Worte keine Welt."

064 "Alle Philosophie, welche mit den Kategorien oder mit einer derselben unbefangen operiert, ist Dogmatismus."

065 Kategoriale Verallgemeinerung täuscht allgemeine Geltung vor.

066 Die Kategorien sind nützlich zum Ausrechnen der Welt.

067 Die Kategorien sind die Bedingung unserer Erfahrung.

068 Von Kategorien wird angenommen, daß sie keinen gemeinsamen Oberbegriff mehr haben.

069 Die wichtigste Kategorien sind die des Dings, der Eigenschaft und der Beziehung. Die Kategorie des Dings entspricht die Wortart des Substantivs, der der Eigenschaft die des Adjektivs und die verschiedenen Arten der Beziehung werden durch Verba ausgedrückt.

070 Alle Kategorien gründen sich auf logische Funktionen in Urteilen.

071 "Der Verstand vermag nichts anzuschauen und die Sinne nichts zu denken."

072 Jede Definition ist eine willkürliche Synthese von Einzelbestimmungen.

073 Kategorien haben nur durch unsere Sinnlichkeit eine bestimmte Bedeutung.

074 "Verstand ist das Vermögen der Begriffe."

075 Sobald der menschliche Geist begreifen will, muß er kategorisieren.

076 Die Bedeutung der Kategorien ist eher abstrakt intellektuell vermittelt, als sinnlich erfahren.

077 Unser Bewußtsein ist durch Kategorien geformt.

078 Die Kategorie des Dings und die Kategorie des Vorgangs fließen ineinander über.

079 Kategorien werden auf ein im Prinzip denkfremdes Material angewandt.

080 Das Recht ist für Radbruch und auch für Lask, nicht einfach kategorial geformter Stoff, sondern eine Wirklichkeit, die etwas bedeutet, d.h. sinnhaft auf Werte bezogen ist.

081 "Wahrheit und Sein sind beide im gleichen Sinne 'Kategorien' und offenbar korrelativ. Man kann nicht Wahrheit relativieren und an der Objektivität des Seins festhalten."

082 Das Wesentliche einer Person ist ihr Einmaligkeit, ihre Nicht-Kategorisierbarkeit.

083 "Die Kategorien geben überhaupt keine Gegenständlichkeit."

084 "Die Frage ist nicht von heute. Zu allen Zeiten schon war das Einzigartige der Prüfstein für die Kräfte der Logik."

085 "Der menschliche Intellekt verräumlicht das Universum, so Bergson, er tendiert dazu, das Fließen außer acht zu lassen und die Welt im Sinne statischer Kategorien zu analysieren."

086 "... zu sagen, daß das Wesen oder daß die Idee das Reale sei, hat seine Veranlassung darin, daß dem ungebildeten Denken die abstraktesten Kategorien, wie Sein, Dasein, Realität, Endlichkeit, die geläufigsten sind."

087 Jedes Urteil ist kategorisch.

088 Formal, d.h. kategorial

089 Im Begriff übt die Sprache eine Entlastungsfunktion aus. Der Begriff "Kappe" oder "Finger" repräsentiert eine Fülle von Merkmalen wie Größe, Härte, Schwere, Oberflächenbeschaffenheit oder Zweckdienlichkeit. Erfahrungen werden registriert und abgestellt, damit sie jederzeit auf Abruf verfügbar sind.

090 "Kausalität", "Gesetz" oder "Begriff" sind die Kategorien des objektivierenden Erkennens.

091 "Die Einschulung des Auges auf die Beobachtung der Wirkung qualitativ gleichartiger Ursachenkategorien und die stete Verwendung des gleichen begrifflich-methodischen Apparates bietet alle Vorteile der Arbeitsteilung."

092Unsere ganze Erkenntnis bezieht sich auf eine kategorial geformte Wirklichkeit. Die Art der Bildung der Begriffe ist eine Zweckmäßigkeitsfrage.

093 "... denn den bloße Begriff der 'Tatsache' setzen, heißt bereits das gesamte Gewebe und das vollständige System der logischen Kategorien implizite anerkennen."

094Es gibt kein unvermitteltes Wissen. Schon die einfachste Perzeption ist kategorial vorgeformt.

095 In der Unterscheidung Inhalt und Form wir das Gestaltete mit dem Ungestalteten konfrontiert.

096Wenn Sein mit Erkennbarkeit identifiziert wird, ist die Kategorie eines Dings ansich sinnlos.



Hinweis: Bei den nicht näher gekennzeichneten Textstellen handelt es sich um Passagen, die in verschiedenen Quellen mehr oder weniger sinngleich auftauchen, so daß nicht klar ist, wer von wem abgeschrieben hat.
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