Gesetzlichkeit
Wilhelm Windelband - Zum Begriff des Gesetzes
p-2siehe auch Recht, Ordnung, Allgemeinheit, Methode, Anarchie, Individuum, Natur, Wissenschaft, Moral

001 Jede Gesetzmäßigkeit ist lediglich eine ideale Forderung.

002 "Gesetze sind nur ein Bild der Wirklichkeit, sie drücken die natürliche Ordnung nicht besser aus, als ein Wort die Sache."

003 Substanz ist weniger Realität, als ein Gesetz.

004 "Und je genauer die Wörter sind, desto größer ist die Delegierung, einfach deshalb, weil sie dann auf mehr Einzelfälle angewendet werden können. Dies ist das einzige wichtige Charakteristikum der Wörter in einem Gesetzesentwurf und einer Rechtsinterpretation."

005 Es gibt keine Gesetzmäßigkeit des Wirklichen ohne ein Zeichensystem.

006 "'Tatsachen' enthalten Universalien, und wo Universalien gelten, liegt immer gesetzmäßiges Verhalten vor."

007 Mit einem Schlage beseitigte Mill die der klassischen Lehre innewohnende Hoffnungslosigkeit, die die Menschen dazu verdammen schien, einem in den kapitalistischen Privatunternehmen zum Ausdruck kommenden Naturgesetz zu gehorchen, das Armut und Ungerechtigkeit zu verewigen schien.

008 "In voller Klarheit erkennen wir nur ein einziges Gesetz - das der Beharrung und der Gleichförmigkeit. Auf diesen einfachen Gedanken suchen wir alle anderen zurückzuführen, und in dieser Zurückführung allein besteht für uns die Wissenschaft."

009 Das Prinzip der Gesetzmäßigkeit ist lediglich ein verkürzte Variante des Prinzips der Identität.

010 Da wir nur in der Zeit, sukzessive, beobachten können, so läuft in Wirklichkeit das empirische Gesetz auf ein Gesetz der Sukzession von Erscheinungen hinaus.

011 "Wenn es zuweilen den Anschein hat, als seien die von uns formulierten Gesetze unmittelbar auf die Wirklichkeit anwendbar, so beruth das ausschließlich auf der Grobheit unserer Sinne und auf der Unvollkommenheit unserer Untersuchungsmittel, die uns nicht erlauben, all die feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Erscheinungen wahrzunehmen."

012 "Das Gesetz ist eine ideale Konstruktion, die nicht das ausdrückt, was wirklich geschieht, sondern das, was geschehen 'würde', wenn gewisse Bedingungen erfüllt wären."

013 "Gravitation", "Elektrizität" sind vollkommene Rätsel, wenn sie etwas anderes sein wollen, als Begriffe von Gesetzmäßigkeiten sensibler Vorgänge. Alle physikalischen Begriffe enthalten nur Abstraktionen und keine Realitäten."

014 "Gesetzmäßigkeit ist nur eine besondere Form der Allgemeinheit: Allgemeinheit einer Beziehung, gegenüber der Allgemeinheit eines Merkmals. Der Gedanke der Gesetzmäßigkeit wurzelt ganz in der Eigenart des Denkens, Allgemeinheit zu sehen und zu suchen. Der Gesichtspunkt des "alle" ist überhaupt nur dem Denken eigen; und in ihm hat der Gedanke des Gesetzes als eines gleichen Verhältnisses in allen Fällen allein seinen Grund. Gesetzmäßigkeit ist im Grund nichts anderes, als das Denken selber, als die spezifische Art und Weise, in der das Denken sich geltend macht. Gesetzmäßigkeit heißt, daß ein Verhältnis in einer bestimmten Art von Fällen identisch ist. Die Statuierung eines solchen "multiponiblen" Verhältnisses enthält aber genau dasselbe wie das Phänomen eines allgemeinen Begriffs überhaupt."

015 Jeder, der ein ethisches Urteil fällt ist in gewissem Sinne ein Gesetzgeber oder Richter, je nach dem Allgemeinheitsgrad des betreffenden Urteils.

016 Wenn nichts wahr ist und die Welt ohne Vorschrift, dann ist alles erlaubt.

017 Der Herrschaft des Gesetzes, ganz gleich wie beschränkt, ist immer noch unendlich sicherer, als eine Herrschaft ohne Gesetz.

018 Es gibt kein Gesetz, das mit Sicherheit und von vornherein für jede ausdenkbare Situation gilt.

019 Vor dem Gesetz gibt es keine Privilegien, sondern es herrscht politische Gleichheit.

020 Der gesetzliche Rahmen führt einen Faktor der Sicherheit und Gewißheit in das soziale Leben ein.

021 Wer an Gesetzen interessiert ist, der muß sich den generalisierenden Wissenschaften zuwenden.

022 Die paradoxe Weisheit lautet: Nur wer unter dem (seinem eigenen) Gesetz steht, ist so frei er will.

023 Die Welt ist ein Stufenreich, indem jede Stufe des Seienden ihre besonderen Formen, Gesetze und Prinzipien hat.

024 Uralter Kampf zwischen Gesetzlichkeit und Gewaltsamkeit.

025 Nicht das Gesetz schafft die wahre Gemeinschaft der Menschen, sondern die Liebe.

026 Wo das Problem der Individualisierung nicht beachtet wird, identifiziert man das Recht mit dem Gesetz.

027 Jede Lebensregel, durch die sich ein Mensch durch sein Gewissen verpflichtet fühlt, ist ein Gesetz.

028 Der Gegenstand der Gesetze ist immer allgemein. Gesetze sind Akte des Gemeinwillens.

029 Ein Gesetz darf niemals der Vernunft widersprechen; und nicht der Buchstabe, d.h. der Wortlaut macht das Gesetz, sondern die Absicht des Gesetzgebers. Die Auslegung der Gesetze hängt deshalb vom Interpreten ab und so wird der Interpret zum Gesetzgeber.

030 Gesetze sind außerhalb der Realität.

031 Gesetzlichkeit wird nur allzuleicht mit Objektivität verwechselt.

032 Die irrtümliche Meinung, daß Gesetze, im Gegensatz zu Regeln, nicht von Menschen gemacht werden, sondern entdeckt werden.

033 Bezieht sich der Allgemeinwille auf Einzelnes, wird er ungerecht.

034 "Salus publica prima lex esto." (Das Allgemeinwohl soll das erste Gesetz sein.)

035 Gesetze haben dafür zu sorgen, daß nur äußere Handlungen mit Strafe belegt werden.

036 Alle Gesetze sind politisch.

037 Das Gesetz muß die öffentliche und persönliche Freiheit gegen die Unterdrückung der Regierungen schützen.

038 Eine Theorie ist grundsätzlich nichts anderes, als ein Gesetz.

039 Ein Gesetz ist immer ein Mißbrauch der Macht.

040 Im Bereich des Geschichtlichen kann es keine Gesetze geben.

041 Jede gesellschaftliche Institution benötigt eine, wie auch immer geartete, Legitimation. Dies gilt nicht nur für Regierungen, sondern auch für Gewerkschaften, Fabriken oder Universitäten.

042 Wenn es nur göttliche Gesetze gibt, dann gibt es nur Sünden und keine Verbrechen.

043 Gesetze, als Ziel der wissenschaftlichen Tätigkeit sind Relationen und diese lassen sich nur durch das erfassen, was Comte das "beziehliche Denken" nannte.

044 Das Gesetz der Verteilung ist das älteste Gesetz.

045 Damit man sich nicht immer zankt, muß es Regeln geben.

046 Der Despotismus will alles nach wenigen Regeln zwingen.

047 Das moralische Gesetz in uns ist die Stimme des Gewissens.

048 Die Definition der Gleichheit im klassischen Liberalismus ist die politische Gleichheit vor dem Gesetz. Diese beruth auf der Unterscheidung zwischen der Herrschaft von Gesetzen und der Herrschaft von Menschen.

049 Man kann zwar Straftaten verfolgen, aber nicht Sünde, zwar Rechte durchsetzen, aber nicht Rechtschaffenheit.

050 Wenn neue Fälle auftreten erweist sich das neue Gesetz immer als ungenügend, so muß man ständig neue Gesetze machen.

051 Die grundlegende Eigenschaft der menschlichen Vernunft ist der Begriff der Gerechtigkeit, d.h. der Gleichberechtigung.

052 Das Wesen der Billigkeit liegt darin, das Gesetz da zu berichtigen, wo es durch seine allgemeine Fassung mangelhaft ist.

053 Die Bibel lehnt das Gesetz des Menschen ab.

054 Was sollen Gesetze für den, der selbst denkt und selbst für sich verantwortlich ist.

055 Wer die Gewalt hat, steht über dem Gesetz.

056 Es werden eine Menge Gesetze gegeben, die das Verbrechen erzeugen, und dann einige wenige, die es bestrafen.

057 "Regierung" und "Gesetz" sind bloße Formen sprachlicher Bezeichnung, keine gegenständlichen Dinge; und als solche sind sie ihrer Natur nach einer zahllosen Vielfalt unterschiedlicher Definitionen, Ausdeutungen und Anwendungen unterworfen.

058 Der Staat macht soviele Gesetze, wie er Interessen antrifft, und da die Interessen unzählig sind, muß die Gesetzgebungsmaschine ohne Unterlass arbeiten.

059 Das Gesetz ist ein verhältnismäßig junges Gebilde. Die Menschheit hat viele Jahrhunderte lang ohne irgend ein geschriebenes Gesetz gelebt.

060 Die Macht der Auslegung von aus Worten bestehenden Verordnungen zu besitzen, das bedeutet, unbegrenzte Macht zu besitzen.

061 Das Gesetz und die verdrängte Begierde sind ein und dasselbe - das wars, was Freud entdeckte.

062 "Ordnung ist die zum Gesetz gemachte Unordnung."

063 Der Geist der Gesetze ist überall verschieden.

064 "Die Gesetze gleichen den Spinnweben, denn fällt etwas Leichtes und Schwaches hinein, so wird es festgehalten, etwas Größeres aber schlägt durch und kommt heil davon."

065 Das Gesetz als Allgemeines schließt mit Notwendigkeit ein Element des Zufalls ein, und seine Anwendung auf einen auf einen besonderen Fall muß unzulänglich sein und Ungerechtigkeit und Härte verursachen.

066 Sitten sind tiefer wurzelnde Gesetze.

067 Juristisches Denken scheut strittige Punkte und stützt sich gern auf das, was allgemein gebilligt wird und unverfänglich ist.

068 Eine ewige Erfahrung lehrt, daß jeder Mensch, der Macht hat, gezwungen wird sie zu mißbrauchen.

069 Gesetze regeln das Verhalten des Bürgers, die Sitten das Verhalten des Menschen.

070 Wer alles durch das Gesetz zu regeln wünscht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach eher Verbrechen erzeugen, als ihre Beseitigung erwirken.

071 "Gesetzmäßigkeit ist die jüngste Mythologie, die der Mensch in die Natur gelegt hat. Es ist der Grundirrtum der modernen Naturwissenschaft, daß sie Notwendiges und Gesetzlichkeit miteinander verwechselt. Beide Begriffe sind menschliche Bilder menschlich ursächlicher und menschlich zeitlicher Auffassungen der Natur. Die Gesetzmäßigkeit ist ein veraltete Metapher, gut genug für Laboratorien und andere Küchen, elend für die Welterklärung."

072 Wir müssen uns fragen, ob die schlechten Konsequenzen der Einrichtung gesetzlichen Zwangs und der Einmischungsmechanismen nicht schwerer wiegen, als das Gute, das durch sie bewirkt werden kann.

073 "An die Stelle der Gesetze werden wir Verträge setzen. Es wird keine von einer Majorität oder sogar einstimmig erlassenen Gesetze geben, jeder Bürger, jede industrielle Vereinigung wird sich ihre eigenen Gesetze geben."

074 Herrschaft ist zusammengesetzt aus der gesetzgebenden, der ausübenden und der rechtsprechenden Gewalt.

075 Das ungerechte Gesetz ist überhaupt kein Gesetz.

076 Die Liebe hat kein Gesetz, sondern ist das Gesetz selber.

077 Gerechtigkeit ist das Fundament des Gesetzes.

078 Wie kann es ein allgemeines Gesetz geben, wenn es keinen allgemeinen Menschen gibt.

079 Der revolutionäre Akt ist seiner Natur nach nicht justiziabel.

080 Nur die dummen Leute gehen zum Stehlen, die schlauen haben dafür die Gesetze.

081 "Ich will den Vertrag und nicht Gesetze; damit ich frei bin, muß das ganze soziale Gebäude auf Grundlage des gegenseitigen Vertrages umgebaut werden."

082 Gewisse Verhaltensregeln werden nicht durch das Gesetz, sondern durch die öffentliche Meinung festgelegt.

083 Der einzige Zweck des Gesetzes ist Abschreckung.

084 Die Not kennt kein Gesetz außer sich.

085 Darum darf dieser Gott keinen Namen tragen, weil jeder Name Ausdruck einer Ordnung ist, eines Gesetzes, einer Gesetztheit, einer Gesetzlichkeit.

086 Das Gesetz will den Gegensatz als ruhende Seiten auffassen.

087 Unterordnung unter ein allgemeines Gesetz ist ein Vollzug, der noch nicht als Praxis bezeichnet werden kann.

088 Die politische Organisation beruth auf der Gleichheit vor dem Gesetz.

089 "Bei den zentralisierten großen Nationen ist der Gesetzgeber genötigt, den Gesetzen eine Gleichförmigkeit zu verleihen, die der Vielgestaltigkeit der Orte und der Sitten nicht entspricht; da er die Besonderheiten nicht kennt, kann er nur allgemeine Regeln aufstellen; die Menschen müssen sich dann der Gesetzgebung anpassen, weil die Gesetzgebung sich nicht den Bedürfnissen und Sitten anpasst; dies ist eine bedeutende Ursache von Wirren und Nöten.''

090 Die Mehrheit besitzt das Vorrecht, das Gesetz zu machen.

091 In der Praxis der Rechtsprechung ergeben sich Fälle, welche nach den bestehenden Gesetzen nicht behandelt werden können. Sie werden unter analoge Fälle gerechnet und geradezu gewaltsam unter gewisse Gesetze subsumiert.

092 Mit Gesetzen wird nichts erklärt.

093 Wenn man an einer Tatsache etwas Gleichförmiges entdeckt, redet man gleich von einem Gesetz.

094 Bei einem Gesetz handelt es sich um kein Erkennen, keine Erklärung, sondern bloß um ein Wissen von der Vielheit.

095 Das Gesetz ist weiter nichts, als die Zusammenfassung konstanter Relationen, wobei von den Zufälligkeiten und scheinbaren Unregelmäßigkeiten im Einzelnen abgesehen wird.

096 Gesetze sind Erfindung.

097 Die sinnliche Wahrnehmung verschafft uns keine Erkenntnis von Gesetzen, das tut nur der ordnende Verstand.

098 theoretische Erklärungen anhand von Gesetzmäßigkeiten

099 nomos/norma Gesetz und Regel sind fast identisch.

100 "... ist Sicherheit des Eigentums der Angel, um den sich die ganze Gesetzgebung dreht, worauf sich die meisten Rechte der Staatsbürger beziehen."

101 Das Gesetz beherrscht als Allgemeines das Besondere.

102 In der Versöhnlichkeit verliert das Gesetz seine Form.

103 Die Gesellschaftsordnung kann nicht aus den Naturgesetzen abgeleitet werden, sondern ist ein ständiges Produkt menschlichen Handelns und Tuns.

104 Das Gesetz ist um des Menschen willen gemacht und nicht des Gesetzes wegen.

105 "Ein Gedanke heißflüssig, Lava! Aber jede Lava baut um sich herum eine Burg, jeder Gedanke erstickt sich zuletzt in Gesetzen."

106 Der Begriff der Gesetzgebung setzt eine Machtüberlegenheit seitens des Gesetzgebenden voraus.

107 Die gesetzliche Autorität liegt beim Gesetzgeber, die moralische bei der Öffentlichkeit der Gesellschaft.

108 Strikte Trennung zweier Gesetzestypen: Naturgesetze - und Regeln menschlichen Verhaltens. Jene beruhen auf Erkenntnis, diese auf Entscheidung. Praktische Fragen, die sich auf den Sinn von Normen beziehen, sind wissenschaftlich unentscheidbar. (Dualismus von Tatsache und Entscheidung)

109 Zur Anwendung von Gesetzen bedarf es einer vorherigen Tatsachenfeststellung, diese kann aber nur in einem Verfahren erreicht werden, in dem diese Gesetze schon angewendet werden.

110 Wo Verstand ist, ist Gesetz.

111 Gesetz im Sinne von moralischem Gebot, Regelmäßigkeit in der Natur, oder logische Regel.

112 Es liegt in der Natur der Dinge, daß geheime Verbindungen über dem Gesetz stehen.

113 Durch den Staat wurde der Dorfgemeinde die Befugnis genommen, Recht zu sprechen und Gesetze zu geben.

114 Die Natur unterliegt Gesetzmäßigkeiten und läßt sich durch Beschwörung nicht beeinflußen.

115 Zufall ist mit Gesetzlosigkeit nicht identisch.

116 Wo keine allgemeine Gewalt ist, ist kein Gesetz, und wo kein Gesetz ist, gibt es keine Ungerechtigkeit.

117 "Den Täter haben wir, das ist die Hauptsache, die Tat wird sich schon finden."

118 Da alle Gesetze nur allgemeine Prinzipien darstellen können, müssen sie ausgelegt werden.

119 "Die Frage ist, wie Gesetze des Gegenstandes zu Gesetzen 'für' jemanden werden können?"

120 Noch mehr Reglementierung bedeutet noch mehr Bürokratisierung.

121 "Man mache ein Gesetz und schon ist mehr Gerechtigkeit bewirkt. Dies ist ein Irrglaube, weil papierene Gesetze als solche ein Nichts sind. Über Wert oder Unwert entscheidet die Praxis, die, wenn sie die Gesetze nicht umzusetzen vermag, bei allem gesetzlichen Gerechtigkeitsstreben größtes Unrecht gerade wegen solcher Gesetze bewirken muß. Sachzwänge und die Behauptung, komplizierte Sachverhalte erforderten eben komplizierte Regelungen, sind nichts als billige Alibis, Kapitulation oder Resignation, alles politisch verheerend."

122 Die mathematische Naturwissenschaft galt als Erkenntnis der Naturordnung nach Gesetzen.

123 Das Gesetz ist eine Ordnung.

124 Legalität ist nichts anders, als sich nicht erwischen zu lassen.

125 Statt des Wortes "Gesetz" kann man auch "Formel" sagen.

126 Die Natur hat ihr eigenes Gesetz. Dies ist erst mit dem Moralgesetz nicht identisch.

127 Die Gesetzlosigkeit des Herzens.

128 Gesetz oder Willkür ist eine nur scheinbare Alternative.

129 Verfassung heißt durch Gesetze eingeschränkte Macht.

130 Im Gesellschaftsvertrag wird die Nation zum Ursprung aller Legalität und zur Quelle des Rechts.

131 "Bis zum 19. Jahrhundert lag die Aufgabe der Gesetze primär darin, Eigentum zu schützen, nicht Freiheit zu garantieren, denn die Freiheit mit allen ihren Rechten und Privilegien war grundsätzlich durch Eigentum garantiert."

132 Ein Gesetz ist nichts anderes, als eine Relation zwischen Dingen, also etwas durchaus Relatives.

133 Das Positive ist gesetzt, es 'gilt'.

134 Es gibt zweierlei Arten von Gesetzen: Gesetze der Natur und Gesetze des Rechts.

135 "Die Staatsgesetze können sich also auf die Gesinnung nicht erstrecken wollen, denn im moralischen bin ich für mich selbst, und die Gewalt hat hier keinen Sinn."

136 In jedem Gesetz findet sich eine Lücke.

137 "An die Stelle der Gesetze würde man die Verträge setzen. Kein allgemeines Gesetz, nicht einmal wenn es mit Einstimmigkeit beschlossen wäre."

138 Eine Regierung wird kaum Gesetze zu ihrer eigenen Abschaffung erlassen.

139 Alle Gesetze zu verneinen, bedeutet das Absolute zu proklamieren.

140 "Das Bestehen eines Rechts impliziert das entsprechende Vorhandensein einer Pflicht, und wer Pflicht sagt, meint Zwang, Verpflichtung und somit zur Erhebung zur Gesetzeskraft, und Gesetzeskraft verlangt Strafe."

141 Die Gesetze erhalten ihre Weihung nicht durch die Überzeugung der Menschen, sondern durch die Gewalt der Waffen.

142 "Es ist selbstverständlich, daß es kein legales Mittel der Emanzipation geben kann, wo doch das Gesetz ausschließlich dazu bestimmt ist, den Zustand zu verteidigen, der zerstört werden soll."

143 Die Scheidelinie zwischen dem Revolutionär und dem Legalitätsgläubigen.

144 Die Unterdrückung wird vom Gesetz und positiven Recht ausgeübt.

145 Das Gesetz ist unmittelbar und dauernde Resultante der Gewalt.

146 "Die Gesetzgebung durch Naturbegriffe geschieht durch den Verstand und ist theoretisch. Die Gesetzgebung durch den Freiheitsbegriff geschieht von der Vernunft, und ist bloß praktisch."

147 Atomgruppen sind viel zu klein, um exakte statistische Gesetzmäßigkeiten erkennen zu lassen.

148 "Gesetze sind wenn-dann-Beziehungen, aber keine weil-Beziehungen."

149 Der Begriff der Ursache war Vorläufer des Gesetzesbegriffs.

150 "Weil sie auf Gesetzesaussagen und somit auf eine völlige Reduktion des Qualitativen auf das Quantitative abstellen, liegt den Naturwissenschaften nichts an den Eigentümlichkeiten des Wirklichen als solchen."

151 "Die Naturwissenschaften lösen das Problem des 'hiatus irrationalis' also dadurch, daß sie von der Besonderheit des Wirklichen abstrahieren. Dieser abstrahierenden Vorgehensweise korrespondiert eine nomologische Auffassung der Natur."

152 "Da das unbedingte Gesetz für den Menschen der freie, nur durch das Pflichtbewußtsein motivierte Wille ist, kann auch das Endziel des sozialen Lebens nur in der Vereinigung des pflichtmäßigen Wollens aller in der Gemeinschaft frei wollender Menschen bestehen."

153 Die 'legale' Vorstellung ist die, daß die Beherrschten über das geltensollende Recht durch Willenskundgebung frei bestimmen und daß die Zählung der Stimmen das dafür legitime Mittel sei. Das ist das Majoritätsprinzip.

154 "Es gibt keine historischen Gesetze."

155 "Eindeutigkeit gegenständlicher Gegebenheiten aber ist ein anderer Ausdruck für Gesetzlichkeit."

156 "Gesetz ist nichts Sachhaltiges, also nichts Wahrnehmbares."

157 Die Strafe hat den Zweck, den Menschen zur Beachtung des Gesetzes zu zwingen.

158 Für Locke besteht politische Macht darin, das Recht und Gesetze zu geben.

159 "Es gibt keine Wissenschaft vom 'Einmaligen' und 'Besonderen', die es mit Rücksicht auf seine Einmaligkeit und Besonderheit darstellt. Es gilt vielmehr, 'alle' Objekte 'allgemeinen' Begriffe, womöglich Gesetzesbegriffen unterzuordnen."

160 Nomologische Wissenschaft sieht im Gesetz das einigende Prinzip, als auch das wesentliche Forschungsziel.

161 "Die Schöpfung ist durch kein Gesetz zu erreichen."

162 "So wenig es Größe schlechthin, außer als diese oder jene Größe 'gibt', so wenig 'ist' es eine bestimmte Größe außer in Hinblick auf ein umfassendes Größensystem. Und auch das naturwissenschaftliche Experiment lehrt, indem es überall auf bestimmte Größen und Zahlen hinführt, nichts anderes, als daß die 'Erfahrung' gerade in ihrer 'Besonderheit, doch zugleich durch und durch gesetzlich 'geregelt' ist."

163 "Der Gegenstand bedeutet positiv das 'Gesetz'; er bedeutet die beharrende Einheit, wozu die wechselnde Mannigfaltigkeit der Erscheinung gedanklich geeint und festgestellt wird."

164 .Das Prinzip der Kausalität gleicht einem Trieb unseres Verstandes, alles Geschehen als gesetzmäßig, d.h. als begreiflich zu betrachten.

165 Ohne Gerichte bleiben die Gesetze ohnmächtig.

166 Das Böse hat kein Sein. Es gibt nur "Ich-tue-Böses"

167 "Insofern die Qualität unserer Empfindungen uns von der Eigentümlichkeit der äußeren Einwirkung, durch welche sie erregt ist, eine Nachricht gibt, kann sie als 'Zeichen' derselben gelten, aber nicht als ein Abbild. Denn vom Bilde verlangt man irgendeine Art der Gleichheit mit dem abgebildeten Gegenstande. Ein Zeichen aber braucht keine Art der Ähnlichkeit mit dem zu haben, dessen Zeichen es ist. Die Beziehung beschränkt sich darauf, daß das gleiche Objekt, unter gleichen Umständen zur Einwirkung kommend, das gleiche Zeichen hervorruft, und daß also ungleiche Zeichen auch immer ungleicher Einwirkung entsprechen. Wenn also unsere Sinnesempfindungen in ihrer Qualität auch nur 'Zeichen' sind, deren besondere Art ganz von unserer Organisation abhängt, so sind sie doch nicht als leerer Schein zu verwerfen, sondern sie sind eben Zeichen von 'Etwas', sei es etwas Bestehendem oder Geschehenem, und was das Wichtigste ist, das 'Gesetz, dieses Geschehens können sie uns abbilden."

168 Die menschlichen Gesetze berühren die Natur nicht. Die Annahme, daß die Erscheinungen in strenger, exakt bestimmbarer Gleichförmigkeit verlaufen, ist unbegründet.


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