Fortschritt
Ernst Troeltsch - Die Logik des historischen Entwicklungsbegriffs
p-2siehe auch Reform, Revolution, Konservatismus, Mensch, Moral, Ethik

001 die Idee "Fortschritt"

002 In der Kunst ist kein Fortschritt möglich.

003 Fortschritt ist immer revolutionär.

004 "Blinder Glaube und blinde Unterwerfung unter die Autorität und Mangel an Vertrauen in die eigene Kraft, Mißachtung der eigenen Bedeutung und der Zwecke, die wir verwirklichen können dies sind die Haupthindernisse für den menschlichen Fortschritt."

005 Ein grenzenloser Fortschritt kann nur ein sinnloser Fortschritt sein.

006 Wahrheiten können nicht übernommen werden, sondern müssen ständig wiederentdeckt und neugeformt werden werden. Dies ist das Gesetz des geistigen Wachstums.

007 Fortschritt ist kein Gesetz der Natur.

008 Das Prinzip der Homogenität hat in unserem Denken viele und langandauernde Irrtümer erzeugt, die Anwendung der Spezifikation als Denkmethode hat aber etwas bewirkt, das als Fortschritt bezeichnet werden kann.

009 Die Negativität als bewegendes und erzeugendes Prinzip der Erkenntnis.

010 "Jede Generation muß um ihrer Freiheit willen ihre eigenen Erfahrungen machen, aber nicht notwendigerweise das Rad nochmal neu erfinden."

011 Die negativen Elemente der Opposition sind Notwendigkeit und Bedingung für das Fortschreiten.

012 Fortschritt als zunehmende Verwirklichung von Freiheit und Gerechtigkeit.

013 Das Recht ist zu statisch, zu sehr auf der Seite dessen, was verfällt, und zu wenig auf der Seite dessen, was sich entwickelt.

014 Ein Fortschritt des Wissens bedeutet nicht notwendigerweise die Fortbildung der gesellschaftlichen Ordnung.

015 Der grundlegende Gegensatz zwischen dem Entwicklungsmäßigen und dem Zuständlichen.

016 Glück und Fortschritt sind bürgerliche Illusionen.

017 Fortschritt als Verbesserung von Leistung, Produktivität und Qualität.

018 Entwicklung bedeutet heute nicht menschliche Entwicklung, sondern wissenschaftlich-technische.

019 Fortschritt wird mit oft Überfluß gleichgesetzt.

020 Fortschritt als Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse.

021 Ideologie des Fortschrittsglaubens.

022 Fortschritt als Entwicklung der menschlichen Individualität und nicht zunehmende Vermassung der Menschen.

023 Das Problem der Harmonie von Ordnung und Freiheit, von Bewegung und Stabilität.

024 Menschlichkeit (Humanismus) als Ziel des Fortschritts.

025 Fortschritt heißt die psychologische und kulturelle Seite auseinanderzuhalten.

026 Ohne Gegensatz kein Fortschritt.

027 Wechsel oder Veränderung ist nur in der Zeit möglich.

028 Jedes Entwicklungsstadium hat Gegensätze in sich, die unleidliche Konflikte erzeugen.

029 Technischer Fortschritt in Form von Maschinierung, Automation, Chemisierung, Elektrifizierung und Elektronifizierung.

030 "Wenn eine Lehre einmal erklärt ist, ist sie schon ein in Begriffe gefasster Leichnam, mag sie noch so hervorragend ausgelegt worden sein. Das erfahrene Faktum ist die Grundlage, auf der Lehren und Dogmen entstehen. Es kann niemals durch Lehren und Dogmen eingeengt werden und ist immer neu, lebendig und kreativ."

031 Naturzustand versus Kulturzustand

032 Fortschritt als Dezentralisierung.

033 In einer Welt ohne Raum, Zeit und Kausalität wäre es sinnlos von Geschichte, Entwicklung oder gar Fortschritt zu reden.

034 Quantitativ-technischer Fortschritt kontra qualitativ-moralische Erneuerung.

035 Fortschritt als Ergebnis einer gegen die Natur gerichteten Aktivität.

036 Fortschritt oder Zivilisation als Zentralisation

037 Der Fortschritt der Menschheit vom tierischen zum menschlichen Dasein.

038 "Der Fortschritt der Menschheit beruht auf der Arbeit, der Wissenschaft und dem Recht."

039 Der Fortschritt unseres Zeitalters ist ein Fortschritt der Maschine.

040 Eure wissenschaftlichen und technischen Fortschritte haben eure moralische Entwicklung weit hinter sich gelassen.

041 Fortschritt vollzieht sich nicht in einer geraden Linie.

042 Kein sozialer Fortschritt ohne einen moralischen, d.h. die Reform des Bewußtseins sollte der Veränderung der materiellen Umstände vorangehen.

043 Die Logik des Kapitals ist es, bestrebt sein zu wachsen.

044 Demokratie kann nicht mit Zwangsmitteln errichtet werden.

045 Fortschritt ist keine allgemeinmenschliche Kategorie, sondern die Folge eines spezifischen Umgangs einer Wettbewerbssituation zwischen sozialen Gruppen.

046 Für das Absolute gibt es kein Wachsen mehr.

047 Auf rationale folgen mystische Zeitalter.

048 "'Veränderung' ist etwas Wissenschaftliches, 'Fortschritt' etwas Ethisches."

049 Heute wird der wissenschaftliche Fortschritt gleichgesetzt mit der Ersetzung der menschlichen Initiative durch einen programmatischen Apparat.

050 Der progressive Denker sieht die Welt von der Norm aus, der konservative Denker versucht das Seiende von seiner Bedingtheit aus zu erfassen.

051 Das Dogma vom unbegrenzten Fortschritt

052 Fortschritt ist ein Werturteil.

053 "Die Auflösung der Klassen, die Auflösung der Staatsmacht und die Auflösung der Parteien ist der Weg, den die gesamte Menschheit gehen wird."

054 Die Zusammenstellung des Wissens in einem System hemmt den ferneren Fortschritt.

055 "Ohne Gegensätze kein Fortschritt."

056 Die Idee des Fortschritts in gerader Linie ist ein Gespinst der Einbildung, durch keine Analogie in der Natur begründet.

057 Die Geburt des Neuen ist der Tod des Alten.

058 Nur der Tod ermöglicht uns neues Wachstum. Darum muß überall dort, wo Wachstum stattfindet, auch Sterben stattfinden.

059 Es gibt Kämpfe und Konflikte, die töten und solche, die der Menschheit weiterhelfen.

060 "Halten Sie sich an das Alte, denn dieses ist gut und unsere Vorfahren haben sich dabei gut befunden, warum sollten wir es nicht? Es sind jetzt neue Ideen in Schwung, die ich nie billigen kann, nie billigen werde. Enthalten Sie sich von diesen und halten Sie sich an das Positive, denn ich brauche keine Gelehrten, sondern brave Bürger. Die Jugend zu bilden liegt ihnen ob. Wer mir dient, muß lehren, was ich befehle. Wer das nicht kann, oder mir mit neuen Ideen kommt, der kann gehen, oder ich werde ihn entfernen."

061 Fortschritt wird in der Arbeitsproduktivität gesehen.

062 Der wirtschaftliche Fortschritt wird mittels niederer menschlicher Triebe wie Geiz und Habgier erreicht.

063 Die totalitärste Ideologie ist die Lehre vom sogenannten ständigen wirtschaftlichen Wachstum.

064 Es kann niemals Stabilität geben, wo man ständig Steigerung anstrebt.

065 Unter Fortschritt versteht man heute fast nur den materiellen.

066 Es gab überhaupt keinen anderen Fortschritt, als den von der Technik erzeugten.

067 Der technische Fortschritt wird beinahe ausschließlich von wirtschaftlichen Überlegungen bestimmt.

068 Nur Unterscheidung und Kampf ermöglichen eine Entwicklung.

069 fortschrittlich als zukunftsweisend.

070 Der Fortschritt der Wissenschaft ist heute äußerst fragwürdig.

071 Mehr Wert auf die Durchbildung der Persönlichkeit legen, als auf den einseitigen Fortschritt im Wissen.

072 Statt der Entwicklung der industriellen Produktion und der materiellen Güter soll die Entwicklung des Menschen im Mittelpunkt stehen.

073 Der große Weg der Entwicklung der Menschheit ist die Emanzipation des Menschen von geistiger und ökonomischer Versklavung.

074 Das Neue ist das Unerwartete.

075 Die Dialektik ist die bewegende Kraft aller Momente des Bewußtseins.

076 Das Analogielose ist das schlechthinnige Novum.

077 Verbundenheit des kapitalistischen Fortschritts mit einer Erniedrigung der Menschheit, der Fortschritt wird durch diese Erniedrigung erkauft.

078 Der Fortschritt der Erkenntnis ist an Konkurrenz gebunden.

079 Im Zusammenwirken von Kepler, Galilei, Bacon und Descartes bildete sich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die mathematische Naturwissenschaft als Erkenntnis der Ordnung der Natur nach Gesetzen.

080 Die Geschichte des menschlichen Fortschritts ist die Geschichte des Kampfes gegen die Sklaverei.

081 Aller Fortschritt menschlicher Entwicklung ist zugleich Bewußtseinsfortschritt.

082 das alte quantitative Wachstum

083 Unendlicher Regress und kein Fortschritt

084 Der ganzen Menschheit steht der Übergang zu einer neuen Bewußtseinslage bevor.

085 Das herkömmliche Fortschrittsverständnis ist auf Wissenschaft, Technik und Industrie gegründet.

086 "Kreativität ist das Prinzip des Neuen."

087 Wir machen zwar große Fortschritte in der Automatisierung, der Computer-Technik und der Raumforschung, aber keine vergleichbare moralische Entwicklung.

088 Der Sinn des Lebens liegt in der Gestaltung, in der Entwicklung.

089 Kein sozialer Fortschritt ohne einen moralischen, d.h. die Reform des Bewußtseins sollte der Veränderung der materiellen Umstände vorangehen.

090 "... fast überall ist es der Wahnsinn, welcher dem neuen Gedanken den Weg bahnt."

091 Die ganze Welt wird sich vom Körperlichen zum Geistigen hin entwickeln.

092 "Noch im 18. Jahrhundert, in dem diese Kategorie (des Fortschritts) eine große Bedeutung hatte, wurde nicht zuerst an die Vervollkommnung eines technischen Apparates gedacht, sondern an die fortschreitende Aufklärung der Geister, an die Veredlung der Sitten und an den Siegeszug der Idee der Freiheit und der Gleichheit. Diese Ideen sind nach und nach fadenscheinig geworden, und auf Fortschritt reimt sich heute nur noch Technik."

093 Brecht sah in der Atombombe das klassische Endprodukt der wissenschaftlichen Leistungen.

094 Der Fortschritt negiert das Bestehende.

095 "Jede wahre Revolution muß mit der Moral anfangen. Es kann keinen Fortschritt geben, wenn man nicht die Lebensregeln verändert."

096 "Die Revolution muß alle Dämme zerbrechen, die das Leben hemmen, sie muß Bindungen lösen, die die soziale und geistige Entwicklung der Menschheit verhindern, aber wenn sie statt der alten Dämme nur neue errichtet, neue Fesseln schmiedet gleich welcher Farbe, so bahnt sie keinen Weg zur Freiheit, sondern sie ersetzt nur eine Tyrannei durch eine andere."

097 Das Chaos der Freiheit zu schaffen und zu ertragen, indem allein Entwicklung möglich ist.

098 Wenn der Sozialismus ein ewiges Werden ist, sind seine Mittel sein Ziel.

099 Sozialismus als niedrigste, Kommunismus als höchste Entwicklungsstufe: "Jedem nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung", heißt es im Sozialismus. "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen", im Kommunismus.

100 Erziehung als ein Prozess der Sozialisierung.

101 "Die Kategorie des Fortschritts ist primär eine soziale Kategorie."

zuschriften
Hinweis: Bei den nicht näher gekennzeichneten Textstellen handelt es sich um Passagen, die in verschiedenen Quellen mehr oder weniger sinngleich auftauchen, so daß nicht klar ist, wer von wem abgeschrieben hat.