Demokratie
W. Becker - Die mißverstandene Demokratie
siehe auch Politik, Wahl, Staat, Mehrheit, Regierung, Freiheit, Minderheit

001 "Wie ich kein Sklave sein möchte, so möchte ich auch kein Herr sein. Das drückt meine Demokratievorstellung aus. Was davon abweicht, ist in genauer Proportion zu dieser Abweichung nicht Demokratie."

002 Die Grundthese der Demokratie ist, daß es keine Klassen gibt, daß alle Menschen vor dem Gesetz gleichgestellt sind und über die gleichen Rechte verfügen.

003 "Demokratie bedeutet in den Augen von Politikern eine Regierungsform, das heißt: eine Methode, die Menschen das tun lassen, was ihre Führer wollen, während sie den Eindruck haben, sie täten, was sie selber wollen."

004 "Demokratie ist eine gerechte Staatsform, weil diese Staatsform individuelle Freiheit sichert. Das heißt aber, daß Demokratie eine demokratische Staatsform nur unter der Vorraussetzung ist, daß die Wahrung individueller Freiheit der höchste Zweck ist. Wenn anstatt individueller Freiheit wirtschaftliche Sicherheit als höchster Zweck vorausgesetzt wird, und wenn bewiesen werden kann, daß diese unter einer demokratischen Staatsform nicht gewährleistet wird, dann kann nicht mehr Demokratie, dann muß eine andere Regierungsform als gerecht angesehen werden."

005 "Nicht weil die Majorität immer Recht hat, sind wir Demokraten, sondern weil demokratische Institutionen, wenn sie in demokratischen Traditionen wurzeln, bei weitem die unschädlichsten sind, die wir kennen."

006 "Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, ausgenommen alle anderen Regierungsformen."

007 "Ich halte fest an der Ansicht, daß die Demokratie nicht mit Zwangsmethoden entwickelt werden kann. Der Geist der Demokratie kann nicht von außen aufgepfropft werden, er muß von innen heraus kommen."

008 Die Selbstverwaltung ist von allen bisher bekannten gesellschaftlichen Organisationsformen noch die demokratischste.

009 Die Frage ist nicht 'wer' herrschen soll, sondern 'wie' Herrschaft im Zaum gehalten werden kann.

010 Die auf dem Prinzip der Demokratie beruhende Politik steht unter dem moralischen Anspruch, ihre Ziele nicht nur hinsichtlich ihrer politischen Wirksamkeit, sondern auch hinsichtlich ihrer Humanität zu rechtfertigen.

011 Demokratie ohne Bildung ist unmöglich.

012 "Demokratie ist eine Versammlung reifer Menschen und nicht ein Haufen Schafe, die von einer kleinen Clique Neunmalkluger geführt werden müßten. Reife findet man aber nicht auf der Straße, sie muß erlangt werden."

013 "Eine auf der Grundlage der Gewaltfreiheit organisierte und geleitete Gesellschaft wäre die reinste Anarchie. Die nächste Annäherung an die reinste Anarchie wäre eine auf Gewaltfreiheit gegründete Demokratie."

014 Ein hohes Informationsniveau ist die entscheidende Voraussetzung für die Bildung einer echten Demokratie.

015 "Der Despotismus einer Minorität ist umso gefährlicher, wenn er als Ausdruck des sogenannten Volkswillens auftritt."

016 Demokratie beruht auf der Idee der Kommunikation und nicht auf Autorität oder Gewalt.

017 "Das fundamentale Recht, in welchem der Wille des Staates sich ursprünglich vollzieht, ist das Wahlrecht. Es ist jenes Recht, welches den Staat konstituiert, sofern nämlich der Staat seiner  Idee  gemäß als die Ordnung eines Rechts verstanden wird, die auf dem freien Willen derer basiert, die er, indem sie ihm unterworfen sind, in dieser ihrer Freiheit sichert und schützt. Ist nun aber, wie in Preußen, die Ausführung des politischen Fundamentalrechts der Wahl fehlerhaft, d. h. ist die Gleichheit des Rechts als Gleichheit des Anteils an der Konstituierung der Gesetze, denen alle in gleicher Weise zu gehorchen haben, nicht gewahrt, so ist die Konstitution des Staates selber verfehlt. Der Staat kann dann Machtstaat sein; als Rechtsstaat ist er nicht zustande gekommen." - Hermann Lübbe, Neukantianischer Sozialismus in Hans-Ludwig Ollig, Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Seite 242

018 Demokratie ist in erster Linie eine Form des menschlichen Zusammenlebens.

019 Die reine Demokratie muß als Identität von Regierenden und Regierten definiert werden.

020 "Im strengen Sinne des Wortes hat niemals eine echte Demokratie bestanden und wird auch niemals bestehen. Es ist gegen die Ordnung der Natur, daß die größere Zahl regiert und die kleinere regiert werde. Es ist nicht denkbar, daß das Volk unaufhörlich versammelt bleibe, um über die gemeinsamen Angelegenheiten zu beraten."

021 "Der Despotismus ist unmöglich, wenn die Nation aufgeklärt ist."

022 Die Forderung nach Allgemeingültigkeit ist ein wesentliches demokratisches Element. Allgemeingültig heißt prinzipiell jedem mitteilbar.

023 Nur ein freies Bildungswesen kann die Grundlage für eine echte Demokratie sein.

024 "Man hat nicht das Recht, sich heute Demokrat zu nennen, wenn man neben der vollständigen politischen Befreiung nicht in ebenso weitem Maße die ökonomische Befreiung des Volkes will."

025 Die Freiheit des Menschen als höchster Wert erträgt keine Regierung, gleich welcher Legitimation, auch nicht die Demokratie, da deren Realisierung auf der Herrschaft der Mehrheit auf repräsentativem Wege basiert.

026 "Die Zeitschrift 'Ethische Kultur' hatte Cohen angefragt, ob denn Menschen, die nicht intellektuell und moralisch gleichwertig sind, überhaupt gleichwertig an der Gesetzgebung zusammenwirken können. Ob nicht dadurch die Klügeren und Besseren durch die Masse der Minderwertigen unterdrückt würden? Das ist, in Form von Fragen, die bis auf Platon zurückreichende klassische Argumentation, welche die Eigenschaften des Staatsbürgers mit schulisch-beruflichen Qualitäten verwechselt und sie konsequenterweise wie diese unter eine mit politischen Wirkungen ausgestattete pädagogische Zensur stellen möchte. Cohen wies diese Gedanken zurück, indem er zugleich ihre Eignung aufdeckte, als Vorwand für die Verteidigung faktischer politischer Privilegien zu dienen. Differenzen politischer Moralität und Intellektualität seien kein sehr geeigneter Gegenstand für eine Staatsprüfung. Es sei nicht gerechtfertigt, im Hinblick auf Wahlrechte von  minderwertigen  Bürgern zu reden. Ablehnendes oder zustimmendes Urteil über politisches Handeln ist nicht nur eine Sache von Fachleuten; es steht ebenso denjenigen zu, die von den Resultaten solchen Handelns betroffen sind, also den Bürgern in ihrer Gesamtheit. Wer soll denn über die staatsbürgerliche Reife entscheiden? Etwa ein Zensus? Niemand habe ein Recht, bemerkt Cohen in einer bei ihm seltenen Anwandlung von Ironie, den gegenwärtig herrschenden Klassen eine geringere moralische Qualität zu unterstellen, obwohl die Klassen eine geringere moralische Qualität zu unterstellen, obwohl diese Klassen doch eine allzu leicht korrumpierende, ausgiebigere politische Veranlassung zum Unrecht besäßen. Rechte und Pflichten sind egalitär zu verteilen. Die angeblich  Minderwertigen  würden doch der allgemeinen Wehrpflicht für  würdig  befunden; ein ebenso allgemeines Wahlrecht genössen sie nicht: Der Staat des Vaterlandes darf einen Unterschied machen zwischen der gleichen Wehrpflicht und dem gleichen Wahlrecht. Gewiß fordere ein solches Wahlrecht politische Mündigkeit von den Berechtigten. Es gebe jedoch kein besseres Mittel der Bildung des Volkes zu dieser Mündigkeit als eben die Praktizierung des demokratischen Wahlrechts selbst. Es sei ein grundsätzlicher Irrtum, daß der Mensch reif und selbständig werden könnte und auf anderem Wege als durch seine selbständige Mitwirkung am Staate und in erster Linie an der Mitbegründung des Staatswillens." - Hermann Lübbe, Neukantianischer Sozialismus in Hans-Ludwig Ollig, Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Seite 242

027 "Die Demokratie ist nichts anderes, als die Tyrannei der Majoritäten, die abscheulichste Tyrannei von allen; denn sie stützt sich nicht auf die Autorität einer Religion, nicht auf dem Adel der Rasse, nicht auf dem Vorzug des Talents und des Reichtums: Sie beruht nur auf der Zahl und hat als Maske den Namen des Volkes."

028 Die repräsentative Demokratie existiert eigentlich nur im Augenblick der Wahl.

029 Politische Bildung muß die Erkenntnis vermitteln, daß der Konflikt die politische Grundsituation der Demokratie ist.

030 "In absolutistischen Systemen ist der Herrscher sichtbar und greifbar. Der wahre Despotismus der republikanischen Institutionen geht sehr viel tiefer, ist verninnerlicht, denn er beruth auf der allgemeinen Illusion von Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Darauf gründet sich die demokratische Tyrannei, und mit einer Kugel kann man sie nicht treffen. Im modernen Kapitalismus ist nicht so sehr die politische Unterdrückung der wahre Feind des Volkes, sondern vielmehr die ökonomische Ausbeutung. Die Politik ist nur ihr Handlanger. Deshalb muß der Kampf auf ökonomischem und nicht so sehr auf politischem Gebiet ausgetragen werden." - Alexander Berkmann in Emma Goldmann, Gelebtes Leben, Bd. 1, Berlin 1988, Seite 370

031 Die Demokratie ist auch nur ein Mittel, um das Volk zu betrügen.

032 Die direkte Demokratie muß anstelle der repräsentativen gesetzt werden.

033 Majoritätsmacht hat kaum oder gar nicht mit Selbstbestimmung zu tun.

034 Das Ideal der Einwohnerversammlung

035 Der Theorie der Repräsentationsdemokratie entsprechend ist eine Unterdrückung der knappen Hälfte der Bevölkerung durch die knappe Mehrheit erlaubt.

036 Der Anarchismus ist die konsequente Weiterentwicklung dessen, was mit Demokratie eigentlich gemeint ist.

037 Demokratie besteht darin, das Ganze über die Teile zu stellen.

038 Demokratien entarten zu einem Kollektivdespotismus.

039 "Das Grundprinzip der Demokratie ist die Auffassung, daß die allen Menschen gemeinsamen Wesenszüge, Bedürfnisse und Interessen Vorrang haben vor denen einzelner Organisationen, Institutionen oder Gruppen."

040 In der Demokratie ist die Minderheit gezwungen, sich der Mehrheit zu fügen.

041 Demokratie war der einstmals gefährliche Gedanke, daß die Autorität nicht von Gott abstammt, oder von der Kirche, bzw. von der Krone verliehen wird.

042 Die direkte Demokratie hat Übereinstimmung d.h letztlich Einstimmigkeit zum Ergebnis.

043 "....daß es daher weder angebracht ist, die freie Güterwahl des Konsumenten als seine Herrschaft über die Produktion, noch die freie Personenwahl des Staatsbürgers als seine Herrschaft über die Exekutive zu interpretieren."

044 Der Wille des Einzelnen ist nicht übertragbar und schon gar nicht der Wille eines ganzen Volkes.

045 Kein Mensch kann vertreten werden und es gibt auch keinen allgemeinen Willen.

046 Die bürgerliche Demokratie ist eine formale, sie greift nicht auf das Wirtschaftsleben über.

047 "Wer die demokratische Ideologie aufgibt, hat sich damit keineswegs gegen die Demokratie entschieden."

048 "Und wie die Freiheit beim Einzelnen, so ist die Souveränität des Volkes unübertragbar, unteilbar, unvertretbar, unbeschränkbar beim Volk."

049 Erst mit dem Aufkommen der Demokratie konnte an die Stelle der offenen Gewalt die versteckte Gewalt der Mehrheitsbeschlüsse treten.

050 Der Parlamentarismus macht aus der Herrschaft eine Institution.

051 Der klassische Demokratiebegriff ist unrealistisch.

052 Nur dort ist Demokratie möglich, wo der einzelne Bürger in überschaubarem Rahmen seine Angelegenheiten selbst beurteilen und daher über sie entscheiden kann.

053 Die Demokratie kommt der Freiheit am nächsten.

054 "Der große Besitz kann nur mit Gewalt aufrechterhalten werden, sei sie nun verschleiert oder offen."

055 Demokratie ist kein gesellschaftliches, sondern ein staatliches Prinzip.

056 Die Kapitalisten haben zu ihrem Schutz eine demokratische Maske aufgesetzt.

057 Das Vorherrschen der wissenschaftlichen Experten bedroht die Demokratie.

058 Die demokratische Verwaltung begünstigt immer die Vielen und selten die Wenigen.

059 Die Demokratie ist ein repräsentatives Regierungssystem.

060 Wahlen werden einzig noch abgehalten, um den undemokratischen Staatsgebilden ein pseudodemokratisches Deckmäntelchen umzuhängen.

061 Die Demokratie ist ein Anpassungssystem wie alle anderen auch.

062 Die Demokratie ist auch ein Staat.

063 Die Freiheit ist das höchste Gut der Demokratie, die unersättliche Freiheit richtet die Demokratie zugrunde.

064 Das Ideal der Demokratie kann nur die Anarchie sein.

065 Es werden keine Mehrheitsentscheidungen gefällt: Wenn nicht ein jeder einverstanden ist, muß eben nochmal diskutiert werden.

066 In einer Demokratie werden die Gesetze als Erzeugnis des Kollektivwillens betrachtet.

067 Das demokratische Wahlsystem ist ein bloßes Zählen von Köpfen. (Zähldemokratie)

068 Echte Demokratie ist nur in kleinen Gemeinschaften möglich, in denen jedes Mitglied an jeder Entscheidung teilnehmen kann.

069 Demokratie ist ein Wettkampf rivalisierender, sich aber ähnelnder Parteien um die Stimmen des Volkes.

070 "Wo es Vorrechte des Besitzes gibt, kann kein formales Gleichsetzen von Stimmen wirkliche Gleichheit schaffen."

071 Die wahre Demokratie ist eine Verneinung des Staates.

072 Der Wahlzettel in den Händen von Leuten, deren Erziehung absichtlich vernachlässigt wird und die daher auch kein vernünftiges und überlegtes Urteil fällen können, ist nur ein frommer Betrug, von dem einzig die Ausbeuter profitieren.

073 Die Demokratie weiß offiziell nichts von Besitzunterschieden.

074 Die Demokratie ist eine Parteienherrschaft.

075 In der repräsentativen Demokratie sind die Leute gezwungen, sich Entscheidungen zu fügen, die von Menschen eilfertig getroffen werden, die von den vorliegenden Problemen nicht viel Ahnung haben und auch nicht besonders an ihnen interessiert sind.

076 Der Begriff der Demokratie ist beliebig dehnbar.

077 Liberalismus und Demokratie sind für Marx nichts anderes, als eine bloße Verschleierung der Diktatur der Bourgeoisie.

078 Die Auflösung der persönlichen Würde in den Tauschwert ist die Ersetzung von zwischenmenschlichen Beziehungen durch die in Geld umrechenbare und auf dem Markt zu realisierende Leistung und bedeutet den Sieg der Quantität über die Qualität.

079 Die moderne Demokratie trennt die wirtschaftliche Entscheidungsgewalt von der politischen.

080 Der Prozess der allgemeinen Willensbildung muß unabhängig vom bürokratischen Apparat stattfinden.

081 Die Demokratie, so wie wir sie kennen, ist erst im 18. Jahrhundert von Locke und Rousseau entwickelt worden.

082 Demokratie besteht darin, daß die Macht nicht in geballten Organisationen liegt.

083 "Schon Eure Zahl ist Frevel!"

084 Die Demokratie ist die Verfassungsform eines Staates, die die Anpassung der Regierung an die Wünsche der Regierten ohne gewaltsame Kämpfe ermöglicht.

085 Die totalitäre Demokratie arbeitet mit der Verinnerlichung von Gleichschaltungsmechanismen, wie sie uns in der Form der Massenmedien tagtäglich aufgedrängt werden.

086 Jeder Bürger hat das Recht, kein Gesetz zu befolgen, dem er nicht ausdrücklich zugestimmt hat.

087 Demokratie ist das gleiche Recht für alle.

088 "Die Logik ist demokratisch, in ihr haben die Kleinen den Großen nichts voraus."

089 "Die demokratischen Einrichtungen sind Quarantäne-Anstalten gegen die alte Pest tyrannenhafter Gelüste: als solche sehr nützlich und sehr langweilig."

090 Ohne die Techniken der Massenbeherrschung könnten die Massendemokratien gar nicht mehr auskommen.

091 Unter den realen Machtverhältnissen des kapitalistischen Systems läßt sich eine Demokratie nur in Ansätzen verwirklichen.

092 Jedes Herrschaftssystem hat ein Interesse, brutale Gewalt durch bessere, "demokratischere" Herrschaftsmittel zu ersetzen.

093 Jede Großtechnik ist eminent demokratiefeindlich.

094 "Die Mehrheit hat immer recht" ist nur eine Umformung des Slogans: "Der Stärkere hat immer recht!"

095 Republik heißt Regierung des Volkes durch sich selbst.

096 Die Aufklärung war eine Demokratisierung der Erkenntnis und basierte auf der Idee, daß die Wahrheit prinzipiell jedem Menschen zugänglich ist.

097 Lebenssinnstiftende Wahrheiten sind konsenshaft nicht mehr feststellbar, so daß die Idee des Friedens ohne einen Bezug auf diese Wahrheiten definiert werden muß.

098 Ein demokratisches Bewußtsein bedeutet eine Gesellschaft, in der Menschen nicht mehr über andere Menschen herrschen.

099 Der Kommunismus ist die reine Demokratie.

100 Demokratie ist die Mitwirkung aller an der politischen Willensbildung.

101 In mystischer Demokratie ohne Herren und Knechte

102 Unmittelbare Demokratie bedeutet: Keine Übertragung von Autorität.

103 Demokratie bedeutet die Möglichkeit, an der Bestimmung des eigenen Lebensgeschicks sinnvoll teilzuhaben.

104 Das Wesen von Demokratie und Republik ist Gleichheit.

105 Eine demokratische Regierung leitet ihre rechtmäßige Macht von der Zustimmung der Regierten her.

106 Ohne Bürger keine Demokratie.

107 Allein die Existenz eines Parlaments ist noch lange kein Beweis für eine demokratische Ordnung.

108 Demokratie heißt permanenter Abbau von Herrschaft.

109 "In der wahren Demokratie ist die Trennung von privaten Angelegenheiten des Individuums und den allgemeinen Angelegenheiten des Gemeinwesens aufgehoben. In der wahren Demokratie muß der Staat untergehen."

110 Das Prinzip des demokratischen Sozialismus bedeutet Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit.

111 Wirtschaftsdemokratie heißt effektive Mitbestimmung der Arbeitnehmer auf allen Ebenen.

112 Das Bestehen einer wirksamen Opposition ist das deutlichste Merkmal eines freien Zustandes. Ohne den Begriff der Opposition kann auf die Dauer keine demokratische Politik existieren.

113 Das Ideal der Demokratie ist die Identität von Einzelnem und Ganzem.

114 Die Demokratie ist lediglich ein Spiel mit der öffentlichen Meinung.

115 Die Demokratie ist eine Methode der Überzeugung und nicht des Zwangs.

116 Menschen müssen die Möglichkeit haben Entscheidungen, die ihr Leben unmittelbar betreffen wirksam zu beeinflußen.

117 Die Mehrheit hat kein Recht, ihren Willen der Minderheit aufzwingen.

118 Die Demokratie ist verschleierte Gewaltherrschaft und vielleicht gefährlicher, als die offene Diktatur, weil sie den Menschen die Illusion von Freiheit gibt und dadurch länger bestehen kann.

119 Die öffentliche Erziehung zur Selbständigkeit ist das beste Mittel gegen den Mißbrauch von Macht.

120 In einer kleinen Republik kann das öffentliche Wohl stärker empfunden und besser erkannt werden.

121 Freiheit ist 'wie' jemand regiert, Demokratie 'wer' regiert.

122 Vom Gesichtspunkt der Erziehung und der Bildung her ist die Arbeiterschaft im Ganzen noch nicht reif für die Demokratie.

123 Einen demokratischen Untertanen kann es nicht geben.

124 Immer wieder werden die Prozesse der staatlichen und marktlichen Willensbildung miteinander verglichen.

125 "Liebe zur Demokratie bedeutet Liebe zur Gleichheit."

126 Die Demokratie beruht auf mechanischer Gleichheit, auf dem Prinzip der Zahl.

127 Die Polizei ist demokratisch legitim, das Militär ist mit Demokratie unvereinbar.

128 Mehrheitliche Demokratie bedeutet nicht Freiheit, sondern die Herrschaft einer größeren Gruppe.

129 Der konservative Geist des Bestehenden versucht sich gegen die demokratische Unbeständigkeit zu behaupten.

130 "Demokratie ist Mehrheit, Mehrheit ist Herrschaft. Die Mehrheit ist das Gewand, unter dem der Nichtmensch den Dolch verborgen hält. Mehrheit ist die Hirnzelle derer, die nicht zu denken vermögen. Mehrheit ist das Szepter der Betrüger und Halunken."

131 Es gehört zum Wesen der Demokratie, daß die Macht der Mehrheit unbedingt gilt.

132 Die demokratische Bewegung lebt vom allgemeinen und gleichen Wahlrecht.

133 Demokratie ist Wahl, Wahl ist Willensübertragung. Der Wille ist aber nicht übertragbar ohne Willensentäußerung. Hierin liegt die Problematik des Demokratieprinzips.

134 Eine direkte Demokratie erweist sich unter den gegenwärtigen Bedingungen, d.h mit einer unreifen und unfähigen Mehrheit der Bevölkerung als undurchführbar.

135 "Die demokratischste Methode ist diejenige Ordnung der Institutionen zur Erreichung politischer Entscheidungen, bei welcher einzelne die Entscheidungsbefugnis vermittels eines Konkurrenzkampfs um die Stimmen des Volkes erwerben."

136 Dort wo jeder jeden kennt ist auch Demokratie möglich.

137 "Demokratie ist ihrem Wesen nach massenhaft."

138 Über Werbung, bzw. Wahlkampf versuchen die Parteien auf dem Wahlstimmenmarkt zur Macht zu gelangen.

139 Revisionismus ist der Versuch Über die parlamentarische Demokratie zum Sozialismus zu gelangen.

140 Demokratie kann nur in kleinen Gesellschaften gelingen. Werden die menschlichen Gemeinschaften zu groß, müssen sie in kleinere Gruppen aufgeteilt werden, sonst verschwindet sowohl der menschliche, als auch der demokratische Geist.

141 Die westlichen Demokratien sind Börsenrepubliken.

142 "Die Demokratie beruht auf der Anerkennung der Wirklichkeit und Notwendigkeit gegensätzlicher Interessen."

143 Demokratie ist der Regierungstyp, welcher ohne Gewalt abgelöst werden kann.

144 Mehrheit und Konsens sind für sich selbst noch nicht wertvoll. Oberste Aufgabe der Demokratie ist deshalb der Minderheitenschutz.

145 Die seelenlose Gleichförmigkeit ist das formaldemokratische Prinzip.

146 "Keine Demokratie ohne Sozialismus, kein Sozialismus ohne Demokratie, das ist die Formel einer Wechselwirkung, die über die Zukunft entscheidet."

147 Der Anarchismus lehnt die Demokratie als eine Form der Staatlichkeit ab.

148 Mitbestimmung ist die Demokratie am Arbeitsplatz.

149 "Einen wirklichen Willen hat nur der 'einzelne' Konsument, und dieser bringt ihn in einer konkreten Machtsituation durch seinen Kaufakt zum Ausdruck. Der in der Souveränitätstheorie auftretende Wille der 'Gesamtheit' der Konsumenten ist dagegen eine ökonomische Konstruktion. Es kann ja keinem Zweifel unterliegen, daß die 'Souveränität des Konsumenten' das ökonomische Pendant zur 'Souveränität des Staatsbürgers' der demokratischen Ideologie ist, die in der Staatswissenschaft die gleiche Rechtfertigungsfunktion erfüllt wie jene in der Wirtschaftswissenschaft."

150 Für Plato kann die direkte Demokratie nur innerhalb einer Gemeinschaft praktiziert werden, der nicht mehr Menschen angehören, als ein Redner mit seiner Stimme erreichen kann.

151 "Der technokratische Konservatismus ist eine besonders subtile Form antidemokratischen Denkens und Handelns, weil er die Demokratie nicht Autorität abschafft, sondern etatistisch technokratisch aufhebt. Wenn alle Fragen Sachfragen sind, haben Partizipation und Interessenpluralismus ihre Bedeutung verloren."

152 Das Schlagwort der Demokratie heißt Freiheit.

153 Regierende Körperschaften geben vor, daß bereits Interessenidentität zwischen Regierenden und Regierten bestünde.

154 Der Sozialismus kann nur durch die Demokratie verwirklicht werden.

155 Demokratie ist die Herrschaft der manipulierten Mehrheit.

156 In einer Fernsehdemokratie hängen die Chancen einer Partei unvermeidlich von der persönlichen Anziehungskraft ihrer Kandidaten ab.

157 Der demokratische Gedanke heißt freie Selbstbestimmung.

158 "Die Idee von der Vertretbarkeit der Volksinteressen, an der die große Mehrzahl der Demokraten immer noch mit Zähigkeit und aufrichtigem Glauben festhält ist eine durch einen falschen Lichteffekt, einen 'effet de mirage', hervorgerufene Wahnidee."

159 "Die Idee der Demokratie verliert zunehmend ihre klassische Substanz. An die Stelle eines politischen Volkswillens tritt die Sachgesetzlichkeit, die der Mensch als Wissenschaft und Arbeit selbst produziert."

160 Demokratisierung bedeutet immer Herrschaftsabbau.

161 "Der Relativismus in der gegenwärtigen Wissenschaftstheorie ist also keinesfalls ein Beitrag, die relativ offene Gesellschaft noch offener zu machen, wie Feyerabend zu meinen scheint. Er würde, falls er sich, soziologisch gesprochen, durchsetzte, dazu beitragen, die Grundwahlen dieser offenen Gesellschaft zu gefährden. Es kann gezeigt werden, daß Respekt vor Objektivität, Wahrheit im Darstellungssinn oder, genauer gesagt, vor der Distinktion zwischen Wahrheitsansprüchen empirischer Aussagen einerseits und der politisch-sozialen Geltung von Normen (die von ihrer moralischen Gutheit-Gerechtigkeit unterschieden werden muß) andererseits eine Voraussetzung ist nicht nur für Wissenschaft, sondern auch für eine liberal-demokratische Lebensform. Diejenigen, die versuchen, diese Distinktion zu verundeutlichen, leisten, ob sie es wollen oder nicht, der Tendenz zum Totalitarismus Vorschub."

162 Politische Demokratie ist nicht wirtschaftliche Demokratie.

163 Für eine erfolgreiche Regierung "durch das Volk" und für ein geeintes Vorgehen der "Nation" bedarf es nicht nur einer gewissen Gleichförmigkeit der Gewohnheiten und Bräuche, sondern zusätzlich einer Identität der Ideen und Ideale, die durch eine gleichgeschaltete Öffentlichkeitspolitik tagtäglich reproduziert werden muß.

164 "Das Volk soll alles selber machen, was es hinlänglich selber machen kann."

165 Die Räte sind die einzig echte Form unmittelbarer Demokratie.

166Die Demokratie als Selbstherrschaft des Volkes kann nur als Herrschaft der Mehrheit verwirklicht werden.

167 Repräsentative Verwaltung und Lohnarbeit sind die Grundlagen der politischen Ordnung.

168 Die Demokratie scheint noch das geringste Übel zu sein.

169 Das Fundamentalproblem der Staatstheorie ist das Problem der Zähmung der politischen Macht.

170 Die Demokratie ist die Legitimationsmaske der Macht.


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