Armut
Adolf Held - Zur sozialen Geschichte Englands von 1760 - 1832
p-2siehe auch Besitz, Eigentum, Reichtum, Kapitalismus, Unterdrückung, Ausbeutung, Gerechtigkeit, Revolution

001 Die Armen sollten gar nicht lesen und schreiben lernen, weil sie das nur auf dumme Gedanken bringt.

002 "Oft hat es nicht die geringste Mühe, für die beschwerlichsten Arbeiten eine Herde dienstwilliger Sklaven zu finden, man hat in manchen Gegenden und zu manchen Zeiten nur ein Stück Brot zum Fenster hinauszuhängen, so kann man sie zu Hunderten daran hineinziehen."

003 Es hindern uns nur politische Gründe, die ganze Welt mit Nahrung und Kleidung zu versorgen.

004 Ausbeutung heißt, daß Armut das Resultat von Unterdrückung ist. Ausbeutung besagt, daß Armut nicht natürlich ist.

005 Was den Hunger betrifft, gibt es keine Unterschiede.

006 Nichts wäre vergeblicher und gefährlicher, als zu versuchen, die Menschheit durch politische Mittel von der Armut zu befreien.

007 Die Befreiung von Not und Elend hat Vorrang vor der politischen Freiheit.

008 "Das ist die majestätische Gleichheit vor dem Gesetz, daß es den Reichen wie den Armen gleichermaßen verbietet, Holz zu stehlen."

009 Die Unvermeidlichkeit von Hunger, Krankheit und schwerer Arbeit zu postulieren, gehört zum täglichen Geschäft derer, die aus den Leiden anderer Menschen ihren Profit schlagen.

010 Die Bürger, die weniger oder gar keinen Steuerbetrag zahlten, besaßen keinerlei politische Rechte.

011 Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer.

012 die "Mystik der Armut" der nachdenklicheren Beatniks.

013 Armut ist der Entzug des Lebensnotwendigen.

014 Armut ist zum großen Teil auch strukturell bedingt.

015 Armut verroht die Menschen.

016 "Hinter jedem Reichen steht ein Teufel, und hinter jedem Armen - zwei."

017 Das Elend, das unter den Menschen herrscht, ist kein Werk der Natur, sondern des Menschen.

018 Armut ist das Symptom, Knechtschaft ist die Seele der Krankheit.

019 "Hohe Mieten z.B machen es unmöglich für irgendjemanden, ein ordentlicher Armer mit einem "niedrigen" Lebensstandard zu sein. Man ist entweder im Sechstagerennen, oder man fliegt ganz aus der Gesellschaft raus."

020 "In Gesellschaftsformationen, in denen es möglich ist, mit Anstand arm zu sein, wählen Menschen mit höherer Bildung oft eine solche Armut, anstatt dem Gelde nachzujagen."

021 Verelendungstheorie: Der Wettbewerb zwischen den Kapitalisten zwingt diese zum Unterbieten der Preise, was wiederum zum ständigen Sinken der Löhne und zur absoluten Verarmung der Arbeiter führt.

022 Infolge des Geldes gibt es reiche und arme Menschen.

023 Der Kapitalismus ist die Quelle des Fortschritts wie des Elends.

024 Armut wird es immer geben auf der Welt.

025 Die Religion der Armut erhebt sich gegen die Laster der Reichen.

026 Alle Verkleidungen und Masken, die sich das Ich anhängt, können seine innere Armut nicht vertuschen.

027 "Armut und Reichtum machen die Menschen zu Sklaven."

028 Die Armut war gottgewollt und bot Gelegenheit zu guten Werken.

029 Die Abschaffung des Privateigentums wird die Menschheit von ihren beiden größten Übeln befreien - von der Armut und vom Reichtum.

030 Armut galt in der frühliberalistischen Theorie als selbstverschuldet.

031 Als "arm" werden Menschen bezeichnet, die hinter dem angepriesenen Ideal des Konsums zurückbleiben.

032 "Die Schule ist zur Weltreligion eines modernen Proletariats geworden und macht den Armen des technischen Zeitalters leere Erlösungsversprechen."

033 Die Verelendung ist eher eine geistige, als eine materielle, ökonomische.

034 Verschiedene Orden bekennen sich zum einfachen Leben in Armut.

035 Vor nicht allzu langer Zeit wurde den Leuten vorgemacht, daß Armut, Verbrechen und Krieg die unvermeidliche Bedingung und ein notwendiges Übel unserer Gesellschaftsordnung sind, gegen die zu revoltieren Wahnsinn wäre.

036 Keuschheit ist die Armut der Sinne, Gehorsam eine Armut des Willens.

037 "Die Armut ist der Vermittler zwischen Gott und dem menschlichen Geiste."

038 Die gewöhnlichen Konsequenzen und Wirkungen der Armut sind: Hunger, Durst, Kälte, Ermüdung und Entbehrung.

039 "Jeder hat Anspruch auf soviel vom Reichtum eines anderen, daß er vor äußerster Not bewahrt bleibt, wenn er keine andere Möglichkeit hat."

040 Die Armut ist das Problem der Politik, nicht das Glück. Glücklich zu werden ist Privatsache.

041 Geistige Verarmung äußert sich vorwiegend als Einschränkung der Anzahl von Unterscheidungsmöglichkeiten.

042 Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Armut und dem Gottsuchertum.

043 Die Armut des Geistes, die nichts will, die nichts weiß, die nichts hat.

044 "Das ist ein armer Mensch, der kein Genügen hat an allem, was Gott je erschuf."

045 "Armut ist göttlich. Gott ist das ärmste Ding, er steht ganz bloß und frei: Drum sag ich recht und wohl, daß Armut göttlich sei."

046 Profit ist der Hunger dessen, der keinen Hunger mehr hat.

047 "Völlige Armut hast du erreicht, wenn du dich nicht mehr entsinnen kannst, ob du einem etwas verdankst oder er in deiner Schuld steht; gerade so, wie du alle Dinge am letzten Tage deines Lebens wirst vergessen haben."

048 Äußere und innere Armut.

049 "Ein Mensch ist umso reicher, je mehr Dinge zu entbehren er sich leisten kann."

050 Solange der Proletarier sich gezwungen fühlt, sein Selbstbewußtsein an ein Äußeres zu hängen, werden wir auch immer mehr produzieren müssen.

051 Der Arme weiß am Morgen nicht, auf welche Weise er tagsüber seinen Hunger stillen soll und wo er nachts ein Obdach findet.

052 Das Elend ist ansich schon eine revolutionäre Größe.

053 Armut bedingt nicht notwendigerweise moralische Verkommenheit.

054 Ein großer Teil der Menschheit leidet an Hunger und stirbt daran.

055 Ausbeutung ist eine wesentliche Quelle der Armut.

056 Die Basis, auf der sich soziale Armut unausbleiblich einstellen muß, ist die bürgerliche Besitzordnung.

057 Ein Laib Brot gehört demjenigen, der ihn am meisten braucht, also dem Hungrigen.

058 Es bleibt ein dauernder quälender Hunger, der nicht auf der Empfindung von Armut beruht, sondern auf der Erkenntnis, daß wir alles schon haben und es doch nicht genießen können.

059 Hunger und Liebe halten das Getriebe der Welt zusammen.

060 Unterdrückung besteht, wenn der eine durch seine Arbeit und den Mangel am Notwendigsten zugrunde geht, während der andere im Überfluß schwelgt, ohne dafür etwas tun zu müssen.

061 Der Kapitalismus kann es sich gar nicht leisten, das Elend der Arbeiter unter ein bestimmtes Maß zu vermindern.

062 Die ethische Idee, daß kein Mensch hungern darf, wird angesichts der Weltlage kurz vor der Jahrtausendwende mit Füßen getreten.

063 "Alles Elend des Menschen erweist seine Größe. Es ist das Elend eines großen Herrn, das Elend eines enttrohnten Königs."

064 Der Überfluß des einen bedingt die Armut des anderen.

065 Das Kapital geht überall dahin, wo es arme Menschen gibt, die man ausbeuten kann.

066 Die Leute fürchten die Sklaverei weit weniger, als die Armut.

067 Armut muß nicht identisch sein mit Unfreiheit. Armut an sogenannten Lebensstandard heißt nicht notwendig dasselbe, wie Abhängigkeit vom Willen anderer.

068 Armut gilt immer noch als Zeichen sittlichen Mangels.

069 Heute sterben jährlich mehr Menschen durch Hunger, als jemals durch Kriege.

070 Der dritte Weltkrieg ist der zwischen reich und arm.

071 Die Überwindung des Mangels ist unerläßliche Voraussetzung für die Aufhebung von Wettbewerb und Konkurrenz.

072 Es sind nicht die Reichen, die die Armut der Armen schaffen, sondern die Armen sind es, die den Reichtum der Reichen schaffen.

073 "Es ist besser arm zu sein, als unwissend, denn der Arme entbehrt nur des Geldes, der Unwissende aber der Menschlichkeit."

074 Auf dieser Welt existiert grenzenloser Überfluß neben grenzenlosem Elend, ohne daß die Widersprüchlichkeit allzu sehr ins Gewicht fiele.

075 Profit auf der einen Seite ist gleichbedeutend mit Elend auf der anderen.

076 "Die Armut ist das Schicksal der außerordentlichen Männer und muß es ewig bleiben. Der Spinoza muß ewig seine Brillengläser schleifen, um die Notdurft seines Leibes zu befriedigen."

077 Den scheinheiligen Beteuerungen der ideologischen Dogmatiker nach entspringt das Elend aus der Überbevölkerung.

078 Die Armut ist die Wurzel allen Übels. Wer hungert und friert wird durch die Hartherzigkeit seiner Umwelt zum Diebstahl, Einbruch oder Raub geradezu gezwungen.

079 Einzig durch Beseitigung der Armut werden Verbrechen wirksam bekämpft.

080 Die psychische Verelendung bewegt das Proletariat zu Gehorsam und Widerstandslosigkeit.

081 Die Not kennt kein Gesetz außer sich.

082 "Das Verhältnis zwischen arm und reich ist das einzig revolutionäre Element in der Welt."

083 Die Armut wird vom Kapitalisten als einziges Mittel gegen die Trägheit deklariert.

084 Calvin wollte das Volk in Armut wissen, damit es gehorsam bleibe.

085 Ausbeutung und Elend sind der Ausdruck bestimmter Anwendungsformen von Geld.

086 "Die Revolution ist ein Sieg des Gehirns, die Gegenrevolution ein Sieg der Gedärme."

087 Nach Gottes unerforschlichen Ratschluss hat es immer Arme und Reiche gegeben.

088 Die Teufelsmaxime: Deine Not ist mein Nutzen.

089 Ein hungriger Magen hat eine größere Autorität, als sämtliche Theorien.

090 Das Elend ist ein Ungenügen an lebensnotwendigen Mitteln, die Armut dagegen ist relativ.

091 "Non paupertas dolorem efficit, sed cupiditas." (Nicht die Armut bedeutet Schmerz, sondern die Begehrlichkeit.)

092 Die Mutter der nützlichen Künste ist die Not, die Mutter der schönen der Überfluß.

093 Arm sein heißt unterdrückt sein.

094 "Denkst du, daß du kein Unrecht tust, wenn du für dich selbst behältst, was als Lebensunterhalt für viele dienen könnte? Es ist das Brot der Hungrigen, das du nimmst, die Kleidung der Nackten, jenes Geld, das die Erlösung der Armen darstellt."

095 Zum Existenzminimum gehören nicht nur Essen, Kleidung und Wohnung, sondern auch die Mittel, die ein Mensch braucht, um seine Fähigkeiten zu entfalten und verantwortlich an der Gestaltung der Gesellschaft teilzunehmen.

096 "Wenn die geschniegelten Halunken des Wettbewerbsevangeliums erklären, daß die Armen aufgrund ihrer Laster arm geworden seien, so glauben das die Armen bald selbst."

097 Die Diener der Kirche saßen an den Tafeln der Reichen und predigten den Armen Unterwürfigkeit.

098 Unser Reichtum heute ist die Armut der Zukunft.

099 Die materiell und kulturell gehobene Lebensweise einer geringen Minderheit wird durch das menschenunwürdige Elend der Masse der Bevölkerung erkauft.

100 "Wie kann ein Mensch, sofern ihm nicht jegliches Gewissen und jeder Verstand fehlt, überhaupt leben, während er am Existenzkampf der ganzen Menschheit nicht teilnimmt und sich darauf beschränkt, die Arbeit jener, die kämpfen - und dabei oft ihr Leben lassen müssen -, zu konsumieren und durch seine Ansprüche die Summe ihrer Mühsalen nur noch zu vergrößern?"

101 Die Merkmale der Armut sind in jeder Gesellschaft anders. Wer Schuhe anhat und nicht hungrig scheint, gilt in vielen Ländern nicht als arm.

102 Armut und Schmerz machen nicht schlecht, deshalb sind sie auch keine Übel ansich.

103 Armut, Alter, Tod und Krankheit werden von der öffentlichen Meinung gerne verdrängt und zur Privatsache erklärt.

104 "Es gibt sowenig menschliche Würde ohne Ende der Not, wie menschengemäßes Glück ohne Ende alter oder neuer Untertänigkeit."

105 Die Erwerbssorgen sind die schäbigsten aller Sorgen.

106 Armut und Sklaverei sind nur zwei Namen ein und derselben Sache, deren Wesen darin besteht, daß die Menschen ihre Kräfte größtenteils nicht für sich selbst, sondern für andere verwenden.

107 Kein Mensch kann sich bereichern, ohne daß ein anderer verarmt.

108 "Paradoxerweise hat eine Gesellschaft, die angesichts des Hungertodes in weiten Gebieten der Welt einen großen Teil ihrer Maschinerie ungenutzt läßt, die viele wichtige Erfindungen beiseite legt und zahllose Arbeitsstunden schwachsinniger Reklame widmet und der Produktion von Destruktionsinstrumenten - eine Gesellschaft, die diesen Luxus aufweist, hat die Nützlichkeit zu ihrem Evangelium gemacht."

109 Ein Staat, der auf das Sozialstaatsprinzip verpflichtet ist, darf keinen Bürger hungern oder betteln lassen.

110 "Die Gesellschaft kann nicht ohne Ungleichheit des Besitzes bestehen, die Ungleichheit nicht ohne Religion. Wenn ein Mensch vor Hunger stirbt neben einem, der übersatt ist, könnte er sich unmöglich damit abfinden, gäbe es nicht eine Macht, die ihm sagt: das ist Gottes Wille; hier auf Erden muß es Reiche und Arme geben, dort, in der Ewigkeit wird es anders sein."

111 Die ewige Drohung des Hungers wird als der beste Antrieb zu produktivem Verhalten hingestellt.

112 Reichtum ist nie das Produkt von persönlicher Arbeit, sondern immer der Arbeit anderer.

113 Wenn Millionen Menschen Hunger leiden und im Elend dahinvegetieren, ist das nicht deshalb, weil die Erde nicht genügend Produkte hervorbringt, sondern weil diese Produkte in der niederträchtigsten und sinnlosesten Weise verschleudert werden.

114 Jeder Besitz an überflüssigen Dingen ist ein Verbrechen, solange es noch einen armen Menschen gibt.

115 Erst im 18. Jahrhundert wurde allgemein daran gezweifelt, ob die Armut wirklich zu den Bedingungen gehört, die für den Menschen mit dem Leben auf der Erde gegeben ist und daß es nur Wenigen gelingen kann, sich von den Fesseln des Elends zu befreien, entweder durch hohen körperlichen Einsatz, oder durch außerordentliche Umstände oder einfach durch Betrug.

116 Die Mehrheit der Bevölkerung wollte sich nicht mehr mit dem als Schicksal beschiedenen Elend abfinden.

117 Herrschaft beruht auf dem Vorhandensein von Knappheit.

118 Der Hunger ist ein harter und unerbittlicher Despot.

119 La pauvrete, c'est l'esclavage! (Armut ist Sklaverei.)

120 Es kommt anscheinend mehr auf die Füllung der Nimmersatten an, als auf eine Ernährung der Hungernden.

121 "Geistig arm vielmehr ist der, der nichts will, nichts weiß und nichts hat..."

122 "Das Gesetz der Not: man will leben und muß sich verkaufen, aber man verachtet den, der diese Not ausnutzt."

123 "Wir wissen, daß die große Mehrheit, vielleicht zwei Drittel unserer Mitmenschen, unmittelbar mit Krankheit und vorzeitigem Tod konfrontiert sind; ihre Lebenserwartung beträgt die Hälfte der unseren, die meisten sind unterernährt, viele sind vom Hunger bedroht, viele hungern wirklich."

zuschriften
Hinweis: Bei den nicht näher gekennzeichneten Textstellen handelt es sich um Passagen, die in verschiedenen Quellen mehr oder weniger sinngleich auftauchen, so daß nicht klar ist, wer von wem abgeschrieben hat.