Anarchismus
siehe auch Macht, Revolution, Ordnung, Zwang, Staat, Herrschaft, Regierung, Gesetz, Gerechtigkeit

001 "Man muß kein Anarchist sein, aber den Anarchismus kennen - das muß man."

002 Der Anarchismus ist die Weigerung das Allgemeine zu denken.

003 "Zur tiefsten Ursache jedes Herrschaftssystems gehört es, daß alle und jede Politik letzten Endes Religion ist und als solche danach strebt, den Geist des Menschen in den Ketten der Abhängigkeit festzuhalten."

004 "Der Ausdruck "arche", wahrscheinlich von Anaximander eingeführt, der um 546 v.Chr. starb, erscheint in der vorsokratischen Philosophie in verschiedenen Formen. Er wurde verwendet, um den "Ursprung" zu. bezeichnen, den "Anfang" im Allgemeinen, die ursprüngliche Materie oder was immer die Substanz war, von der, wie man vermutete, sich alles ableitete, "Prinzip" oder "Essenz", "wirkliche Ursache" oder das Prinzip des Erkennens. Was alle diese divergierenden Lösungen vereinte, die in der mannigfaltigen Bedeutung von "arche" wurzelten, war eine brennende Begierde, einen gemeinsamen Angelpunkt zu finden, von dem aus alles verstanden werden konnte."

005 "arche" = griech. Anfang, Prinzip, Ursprung; "an-arche" = ohne Ursprung, ohne Anfang, ohne Prinzip.

006 Der Dadaismus ist eine Haltung, die auf Zerstörung jedes "Ismus" gerichtet ist.

007 Der Anarchist will keine Macht, duldet aber auch nicht, daß andere sie sich nehmen.

008 "Wenn es möglich wäre, die Macht durch die Macht abzuschaffen, hätte der Anarchismus keine Daseinsberechtigung."

009 "Es müßte ja alles drunter und drüber gehen, wenn jeder tun könnte, was er wollte! Wer sagt denn, daß jeder alles tun kann?"

010 Instabilität und Unregelmäßigkeit sind die wesentlichen Merkmale der Lebensphänomene, sie werden verfälscht, sobald man sie mit Gewalt in den starren Rahmen quantitativer Beziehungen presst.

011 Der erkenntnistheoretische Anarchist hält es paradoxerweise für vernünftig, alle fixierbaren Standards von Rationalität zu verwerfen.

012 Die Menschheit durch politische Mittel von der Armut zu befreien ist nicht nur vergeblich, sondern gefährlich.

013 Es ist nicht möglich, die Freiheit mit Mitteln zu verwirklichen, die selbst nicht freiheitlich sind. Deshalb kann man vom Staat keine Entwicklung der Moral erwarten.

014 "Bei den zentralisierten, großen Nationen ist der Gesetzgeber genötigt, den Gesetzen eine Gleichförmigkeit zu verleihen, die der Vielgestaltigkeit der Orte und der Sitten nicht entspricht; da er die Besonderheiten nicht kennt, kann er nur allgemeine Regeln aufstellen; die Menschen müssen sich dann der Gesetzgebung anpassen, weil die Gesetzgebung sich nicht den Bedürfnissen und Sitten der Menschen anpasst; dies ist eine bedeutende Ursache von Wirren und Nöten."

015 Im universalistischen Denken erkennt der Anarchist das allgemeine Wesen seines Feindes.

016 Wer nur selber nicht beherrscht werden möchte ist noch lange kein Anarchist.

017 Der Anarchismus ist die Verwirklichung der Freiheit durch die Freiheit.

018 "Gewiß ist Sprachkritik untrennbar zu dem gehörig, was ich meinen Anarchismus und Sozialismus nenne, und ich wüßte auch gar nicht, wie es anders sein könnte."

019 Es gibt keine Institution, die jemals 'richtige', d.h. objektiv verbindliche Wertentscheidungen namens der Gesamtgesellschaft zu treffen vermag.

020 Der Ausgangspunkt des Anarchismus ist der Einzelmensch, das konkrete Individuum.

021 "In absolutistischen Systemen ist der Herrscher sichtbar und greifbar. Der wahre Despotismus der republikanischen Institutionen geht sehr viel tiefer, ist verninnerlicht, denn er beruth auf der allgemeinen Illusion von Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Darauf gründet sich die demokratische Tyrannei, und mit einer Kugel kann man sie nicht treffen. Im modernen Kapitalismus ist nicht so sehr die politische Unterdrückung der wahre Feind des Volkes, sondern vielmehr die ökonomische Ausbeutung. Die Politik ist nur ihr Handlanger. Deshalb muß der Kampf auf ökonomischem und nicht so sehr auf politischem Gebiet ausgetragen werden." - Alexander Berkmann in Emma Goldmann, Gelebtes Leben, Bd. 1, Berlin 1988, Seite 370

022 Der Anarchismus als Theorie der Spontaneität.

023 Der Anarchismus ist die Befreiung der Tat aus dem Gefängnis der Theorie.

024 Anarchismus als Negation der politischen Autorität, aber Organisation der ökonomischen Ordnung.

025 Anarchismus ist die Lehre von der Freiheit als der Grundlage der menschlichen Gesellschaft.

026 Nur der naive Anarchist lehnt alle Maßstäbe ab.

027 Es ist das Schicksal des Anarchismus nie zu siegen, aber immer wieder aufzuleben.

028 Der Krieger ist anarchisch, der Soldat nicht.

029 Der Anarchismus führt zum Kommunismus und der Kommunismus zum Anarchismus.

030 Anarchistische Praxis ist die Zerstörung von Theorie.

031 Der Anarchismus ist die Verneinung der Rechtmäßigkeit jeden Anspruchs auf Autorität.

032 Für den philosophischen Anarchismus ist jede Regierungsform nicht legitim.

033 "Die Grundhaltung allen echten Anarchismus ist religiös."

034 "Vernünftige Leute respektieren ehrliche Überzeugungen."

035 Der Anarchismus ist eine soziale und keine politische Bewegung.

036 Der Anarchist erkennt keine Gesetze an, weil sie lediglich auf dem Recht des Eigentums beruhen.

037 Zwischen dem Staat und dem Menschen besteht ewiger Krieg.

038 Die Methode des Anarchismus heißt "Hier und Jetzt".

039 Der große Irrtum des Anarchismus besteht darin, daß er die Bestialität des Menschen nicht sieht und das Bedürfnis des Zwangs leugnet.

040 Der Anarchismus ist immer nur auf dem Weg zu seiner Realisierung.

041 Die anarchistischen Grundsätze von Freiheit sind keinem Wandel der Zeit unterworfen und gelten, solange es Menschen geben wird.

042 Dem Gerechten gilt kein Gesetz.

043 Das Problem des Anarchismus ist das gleiche wie das der Freiheit.

044 Der Anarchismus steht für die Befreiung nicht nur einer Klasse, sondern der ganzen Menschheit von wirtschaftlicher, politischer und moralischer Versklavung.

045 Die Gleichgültigkeit am politischen Geschehen wirkt anarchisch.

046 "Wenn es für dich weder Gut noch Böse geben wird, dann erst wirst du lieben... "

047 Der anarchistische Gelehrte verneint die Überlegenheit der allgemeinen Theorie.

048 Der Anarchismus ist die konsequente Weiterentwicklung des demokratischen Gedankens.

049 "Keiner denkt mehr frei, der ein System hat."

050 Die Sprache ist das Hauptinstrument jeder Art von Legitimation.

051 Jeder Anarchist ist ein Sozialist, aber nicht jeder Sozialist ist notwendigerweise ein Anarchist.

052 Regierung ohne Gewalt ist undenkbar.

053 Das Prinzip der Freiheit ist es, daß die Regierten mit den Regierenden identisch sind.

054 Befreiung von geistiger Unterdrückung

055 Zerbrich deine geistigen Fesseln - free your mind.

056 Der größte Fehler des Anarchismus ist sein Name.

057 Arche - das Prinzip (Anarchie = ohne prinzipiellen Ursprung und Anfang)

058 Chaos ist eine Vielzahl unverbundener Erscheinungen.

059 Jedes Land, das eine Regierung hat, ist ein besetztes Land.

060 anarchische Struktur der Realität

061 Die Einheitlichkeit steht im Gegensatz zum Wirrwarr der Einzelheiten.

062 Anarchie bedeutet nicht kein Gesetz, sondern kein Herrscher.

063 Für die gerechte Sache gilt kein Gesetz.

064 Der wirkliche Kampf ist nicht der politische, sondern der, der aller Politik ein Ende setzt.

065 Für den Anarchismus heißt Revolution der Moment, in dem die Struktur der Autorität aufgebrochen ist, so daß sich eine freie Ordnung entwickeln kann.

066 "Der Anfang aber ist unentstanden."

067 "Das Recht des Staates auf Kriegführung wird in Japan nicht anerkannt."

068 "Jeder Staat muß freie Menschen als mechanisches Räderwerk auffassen und das soll er nicht, deshalb soll er aufhören."

069 Der Anarchismus verneint jede Form des Privilegs und der Vorherrschaft.

070 das Chaos der Wertungen, die Anarchie der Wertsysteme.

071 Allgemeine Geltung ist der Zwang zur Konformität.

072 Zufall ist mit Gesetzlosigkeit identisch. Es gibt keinen besseren Gegensatz zur Kausalität.

073 Der Liberalismus ist eine Resignationsform des Anarchismus.

074 Es herrscht ein unüberbrückbarer und tödlicher Kampf zwischen den verschiedenen Werten, unter welchen der Mensch zu wählen hat. Was für den einen Gott ist, kann für den anderen mit dem gleichen Recht der Teufel sein.

075 Der Anarchismus hat, allen Gerüchten zum Trotz - Theorie.

076 Der Grundsatz der Freiwilligkeit verbietet keine Delegation.

077 Anarchismus ist die Praxis schlechthin. Für den Anarchismus gibt es keine theoretischen Probleme, sondern nur die praktischen.

078 Abweichungen von den offiziellen Wirklichkeitsbestimmungen

079 Systematisierungsfragen sind Zweckmäßigkeitsfragen.

080 Objektive Normen sind mit der menschlichen Freiheit unvereinbar.

081 Gewohnheiten, Überzeugungen und Entschlüsse können durch Logik geklärt und geordnet, aber nicht gerechtfertigt werden.

082 Das Chaos gebiert Erebos und Nyx.

083 Zufall ist mit Gesetzlosigkeit identisch, es gibt keinen größeren Gegensatz zur Kausalität.

084 die Gesetzlosigkeit des Herzens

085 Ungehorsam gegen den Gemeinwillen scheint ein ungleich größeres Vergehen, als der Ungehorsam gegen Herrschaft.

086 Anarchismus heißt Kampf gegen die Ächtung politisch oder ideologisch Andersdenkender.

087 "Die Sprache legt auch dem Anarchisten den Strick des Gesetzes um den Hals."

088 Alle Werturteile sind letztlich irrational, insofern keine Prinzipien denkbar sind, anhand derer man Konflikte zwischen unversöhnlichen Stellungnahmen entscheiden könnte.

089 In der Natur gibt es keine fertigen Gebilde, nichts Rundes, nichts Abgeschlossenes. Rund und geschlossen sind nur Wörter, Bilder, Zeichen.

090 Die Gegner des Anarchismus werfen ihm vor, er habe sich als theoretisch unzulänglich erwiesen und sei zudem politisch unwirksam.

091 das Principium = der Anfang, "arche" als Prinzip und Ursprung in Einem.

092 In Fragen der Wissenschaft darf es keine andere als die sachliche Autorität geben, die auch unmittelbar einsichtig ist.

093 Es gibt Messungsmaßnahmen, die miteinander unvereinbar sind.

094 Anarchismus ist eine moralische Haltung. Die Moral ist der Schlüsselbegriff anarchistischer Theorie.

095 In Spanien kämpften die Anarchisten immer an zwei Fronten: gegen die Faschisten und gegen die Marxisten.

096 Man muß Anarchismus und Herrschaftslosigkeit vor allem als Methode begreifen.

097 Die schwarze Romantik rückt das Zerrissenheitsproblem in den Vordergrund.

098 "Diejenigen, die von der menschlichen Dummheit leben, kultivieren dieselbe in einem so hohen Maße, daß man unfähig wird, die einfachsten Dinge noch klar zu erkennen."

099 Die Bildung, die in unseren staatlichen Schulen mitgeteilt wird ist ein ewiges Bemühen, alternde Begriffe zu retten.

100 "Der Staat beruth auf der Sklaverei der Arbeit. Wird die Arbeit frei, so ist der Staat verloren."

101 Die vom Despotismus begangenen Fehler sind verhängnisvoller und schwerer wiedergutzumachen, als die von der Freiheit begangenen Fehler.

102 Die Abschaffung des Staates ist die logische Folge der Abschaffung der Politik.

103 Freiheit kann nur durch Freiheit geschaffen werden.

104 Bakunin auf die Frage, was er tun würde, wenn die Anarchie einst eingerichtet ist: "Alles wieder einstürzen."

105 "Es gibt keinen Determinismus in menschlichen Angelegenheiten. Der Faktor des Menschlichen ist es, der die Berechnungen aller neuen Theorien und Systemfanatiker umwirft und den Urhebern der Gesetze, Institutionen und sozialen Allheilmittel ein Schnippchen schlägt."

106 "Nachdem Dogmatismus unvermeidlich zum Krieg führt, scheint mir der Verzicht auf Dogmatismus die erste Voraussetzung für eine glückliche Welt zu sein."

107 Der Anarchismus lehnt die Mehrheitsdemokratie als ein Form der Staatlichkeit ab.

108 Die soziale Frage beschränkt sich nicht auf die ökonomische Frage.

109 Schöpferische Tätigkeit ist das Resultat eines Prozesses, in dem geläufige Strukturen ein Stadium vorübergehender Desorganisation durchlaufen.

110 "Jede politische Organisation ist notwendigerweise die Herrschaftsorganisation zugunsten einzelner Klassen und zum Nachteil der Massen, und wenn das Proletariat die politische Macht ansich reissen wollte, müßte es auch zu einer herrschenden und ausbeutenden Klasse werden. Deshalb ist die Vernichtung jeder politischen Macht die erste Pflicht des Proletariats."

111 "Ich mißtraue allen Systematikern und gehe ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit."

112 "Das Bestreben, alles unter einen Hut zu bringen, jede gesellschaftliche Betätigung einem zentralen Willen zu unterwerfen und diesem mechanisch einzugliedern, liegt aller und jeder Macht zugrunde."

113 "Politische Herrschaft strebt immer nach Uniformität. In ihrer blöden Sucht, alles gesellschaftliche Geschehen nach bestimmten Grundsätzen ordnen und lenken zu wollen, ist sie stets darauf erpicht, alle Gebiete menschlicher Betätigung einer einheitlichen Schablone zu unterwerfen. Damit gerät sie in einen unlösbaren Gegensatz mit allen schöpferischen Kräften des höheren Kulturgeschehens, das stets nach neuen Formen und Gestaltungen Ausschau hält, infolgedessen an das Mannigfaltige und Vielseitige des menschlichen Strebens ebenso gebunden ist, wie die politische Macht an die Schablone und die starre Form."

114 Jede geheime Verbindung, steht entsprechend der Natur der Dinge, über dem Gesetz.

115 Letztlich gibt es keine Unparteilichkeit.

116 Das eigentliche Wesen der Politik ist die Sache der Freiheit gegen Zwangsherrschaft jeder Art.

117 "Was heute (1934) am gesellschaftlichen Horizont Europas und der Welt heraufzieht, ist die Diktatur des Ungeistes, der da glaubt, die ganze Gesellschaft auf das Räderwerk einer Maschine einstellen zu können, deren Gleichgang alles Organischen erstickt und die Seelenlosigkeit der Mechanik zum Prinzip erhebt."

118 Daß die Staatsgewalt dazu berufen sei, die sittlichen Eigenschaften des Menschen zu heben, ist ein Wahnglaube.

119 Die Wolfsmacht des Urzustandes regiert in der Zone des nackten Überlebens.

120 Überzeugungen kann man nicht beweisen.

121 "Ohne Regel kann man nicht einmal auf der Straße aneinander vorbei."

122 Das schöpferische Chaos ist das beste Erkenntnisklima für freie Menschen.

123 Dem Anarchismus wird ein einheitliches Paradigma abgesprochen.

124 "Denn wo nichts mehr feststeht und kein Grund mehr ist, da gerade werden wir unsere Pfähle einrammen."

125 Das Anarchische ist das Ungeformte.

126 Krisen als Zeiten fruchtbarer Anarchie.

127 Die Macht ist etwas Positives, Kontrolle etwas Negatives.

128 Anarchie ist eine geistige Einstellung.

129 Das Urproblem der Menschheit liegt für den Anarchismus in der Optik, mit der die gesamte Wirklichkeit betrachtet wird.

130 Indifferentismus ist der Verzicht auf alle Dogmen.

131 Niemals wird Anarchie eine Sache der Massen sein.

132 Regellosigkeit ist nur sinnvoll, wenn es eine Regel gibt.

133 "Der Staat muß weg! Bei der Revolution tue ich auch mit! Untergrabt den Staatsbegriff, stellt die Freiwilligkeit und das geistig Verwandte als das für ein Bündnis einzig Entscheidende auf - das ist der Anfang einer Freiheit, die etwas wert ist! Ein Wechsel der Regierungsform ist weiter nichts als eine Pusselei mit Graden - ein bißchen mehr oder ein bißchen weniger - Torheit alles zusammen. Ja, lieber Freund, es gilt bloß, sich von der Ehrwürdigkeit des Eigentums nicht schrecken zu lassen. Der Staat hat seine Wurzeln in der Zeit, er wird seinen Gipfel in der Zeit haben."

134 "Wer die demokratische Ideologie aufgibt, hat sich damit keineswegs gegen die Demokratie entschieden."

135 Die Lehre des Zen ist eine Absage an jedes System.

136 Dem Chaos der zehntausend Dinge entrangen sich die Doppelheiten: Licht-Dunkel, oben-unten etc.

137 "Versteht man unter 'Anarchie' nicht schlechthin Ordnungslosigkeit, sondern nur die Idee einer zwangsfreien , nichtstaatlichen Ordnung, dann kann man das Naturrecht als eine 'anarchische' Ordnung bezeichnen. Tatsächlich ist jede anarchistische Theorie nichts anderes, als eine Naturrechtslehre. Die Voraussetzungen des Anarchismus sind die spezifischen Bedingungen der Naturrechtslehre."

138 Anarchie als Gegenstück zu allen Vertretungen von Allgemeinem.

139 "Sie würden nicht von mir erwarten, an 'irgendein' System zu glauben."

140 die anarchischen Schichten der Seele

141 Das Chaos der Freiheit zu schaffen und zu ertragen, indem allein Entwicklung möglich ist.

142 Die Anarchie weckt den Geist und verbreitet Unternehmungslust in der Gesellschaft.

143 "Surrealismus wird dann zum häretischen Marxismus, einer spezifischen Form des Anarchismus."

144 Das mystische Eine untersteht keinen Regeln.

145 "Anything goes" ist die Lieblingsphilosophie der Wölfe und Haie.

146 "Die Liebe ist unfehlbar. Sie begeht keine Irrtümer, weil alle Irrtümer ein Mangel an Liebe sind."

147 "Alles fällt auseinander, das Zentrum nichts mehr hält - die reine Anarchie ist losgelassen auf die Welt."

148 Nur unter Gleichen ist ein wahrhaftes Zusammenwirken möglich.

149 Das Urchaos ist da, wo Zeit und Raum keine Rolle spielen.

150 Anarchie setzt geistige Emanzipation voraus.

151 unhistorisch heißt anarchisch.

152 Der reine Naturzustand ist der Kriegszustand.

153 Nur die Universalisierung der Welt konnte den Blick für die anarchische Struktur der Realität verbauen.

154 Das Gleichheitsprinzip ist das Grundprinzip der Anarchie.

155 Träume sind gesetzlos.

156 "Der große Irrtum des Anarchismus besteht darin, daß er die Bestialität der Menschen nicht sieht, daß er das Bedürfnis des Zwangs leugnet, daß er dieses Bedürfnis darum überwunden zu haben glaubt, weil er die logischen Grundlagen und die Legitimität der einzelnen Herrschaftsformen erschüttert hat."

157 Klarheit gibt es nur im Lande des Scheins und der Worte. Wo das Leben beginnt, hört die Systematik auf.

158 Das Ideal einer herrschaftsfreien Gesellschaft ist moralisches Leitziel jeder Erziehung.

159 Unordnung ist schlimmer als Ungerechtigkeit.

160 Da diese Welt aus einer chaotischen Fülle von Einzeldaten besteht, braucht man Normen, um sie zu regeln.

161 Alles was unberechenbar ist, untergräbt das Fundament der festen Ordnung.

162 Ordnung ist besser als Unordnung.

163 Relativierbarkeit als Anarchie der Werte

164 "Tatsachen verwandeln sich nicht unversehens in Begriffe und Theorien; außerhalb des Systems von Begriffen und Theorien gibt es keine wissenschaftlichen Tatsachen, nur das Chaos. Ein unabdingbares apriorisches Element findet sich in aller wissenschaftlichen Arbeit. Man muß Fragen stellen, bevor man sie beantworten kann. Alle Fragen sind Ausdruck unseres Interesses an der Welt; sie sind im Grunde Wertungen. Wertungen sind daher notwendig in das Gedankengebäude mit eingeschlossen, wenn wir die Wirklichkeit beobachten und die theoretische Analyse vorantreiben; sie bilden mehr als das Gerüst, wenn wir aus Tatsachen Wertungen und politische Forderungen ableiten."

165 Die Kategorie des Einzelnen ist der Politik so entgegengesetzt wie nur möglich.

166 "Ein System also kann Sprachkritik nicht sein; ihrem Wesen nach nicht."

167 Die Idee des Vertrags schließt Herrschaft aus.

168 Die ungeformte Materie dieser Welt war ein Gott namens Chaos.

169 Herrschaftsfreiheit ist eine simple Selbstverständlichkeit des Denkens.

170 Interessenkonflikte und Konflikte durch unterschiedliche Bedürfnisse gibt es und wird es immer geben.

171 Anarchie ist die Inkommensurabilität von Normen.

172 Die Psyche ist ein schwer definierbares Chaos von Antrieben und Motivationen, die sich überlagern, aufheben und verstärken.

173 Im Unbewußten währen alle Zeiträume nur den gleichen, kurzen Augenblick.

174 Unordnung hat eine aufrüttelnde und schöpferische Wirkung.

175 Das Geordnete wird als gut, das Verwirrte und Chaotische als schlecht betrachtet.

176 "Wo es kein Eigentum gibt, oder wo es nicht den Wert von der Arbeit zweier oder dreier Tage ausmacht, braucht man keine Regierung."

177 Die zu messende Wirklichkeit ist nicht statisch, sondern fließt.

178 "Wenn etwas so und nicht anders geschieht, so ist darin kein Prinzip, kein Gesetz, keine Ordnung."

179 die Anarchie aller tieferen Überzeugungen

180 Freiheit und Anarchie sind Problem, nicht Lösung.

181 "Das allein wirklich strenge Gesetz ist dasjenige, das auf systematische Festlegung verzichtet."

182 Jede individuelle Existenz hat geheime und nicht mitteilbare, anarchische Schichten, die nicht vergesellschaftungsfähig sind.

183 Das Regellose ist das eigentlich Wirkliche im Wirklichen, ist an den Dingen die unergreifliche Basis der Realität, der nie aufgehende Rest, das, was sich mit größter Anstrengung nicht im Verstand auflösen läßt.

184 "Die Masse glaubt an die Illusionen. Der Denker, der hinter das Geheimnis des Lebensirrtums oder der Lebenslüge gekommen ist, geht zugrunde, wenn er ein Schwächling ist. Nur der Stärkste hält die Wahrheit aus, daß es keine Wahrheit gibt."

185 Die Grundlage einer freien Gesellschaft ist die moralische Autonomie ihrer Mitglieder.

186 "Der Anarchismus ist nun zunächst - ebenso wie der Liberalismus - eine grundsätzlich individualistische Strömung und demzufolge ein Gegner aller Institutionen, welche die individuelle Freiheit des Handelns einschränken, die individuellen Differenzen unterdrücken. Zu diesen gehört in erster Linie aber der Staat."

187 Unser ganzes Dasein setzt sich aus Momentpunkten zusammen, wo einer sofort dem anderen Platz macht und so weiter.

188 Besitzt das Individuum ein Recht auf Selbstbestimmung, dann ist alle fremde Regierung Tyrannei.

189 "Auf denn, laßt uns gehn in die Irre, allwo allein die Wahrheit ist, die Weisheit, die Erlösung und das Leben."

190 Wir müssen uns entschließen, die Unbestimmtheit als positives Phänomen aufzufassen.

191 Die Liebe kann man nicht zwingen.

192 Die unauslöschliche Individualität der Gegenwart.

193 Es kann keine Ebene geben, von der aus ein bestimmter Denkstil gegenüber anderen als wertvoller ausgezeichnet werden könnte.

194 "Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, ausgenommen alle anderen Regierungsformen."

195 "Anything goes. Make up the rules as we go along."

196 Der Anarchist besitzt eine wahrhafte Originalität und benützt keine Theorien.

197 Das Genie setzt sich über alle Regeln hinweg.

198 Die grundlegenden Werthaltungen sind unaufhebbar vielfältig. (Anarchie der Wertsysteme)

199 "Die Grenze der Wertfreiheit fällt mit der Grenze der kritischen Diskussion zusammen."

200 "In der wahren Demokratie geht der politische Staat unter."

201 In mystischer Demokratie - ohne Herren und Kirche.

202 Das wirkliche Leben besteht aus den durch die Unvereinbarkeit von Gegensätzen hervorgerufenen Spannungen, wobei jeder dieser Gegensätze notwendig ist.

203 So etwas wie Staaten wird es dann nicht mehr geben, es wird andere Ordnungen geben.

203 "Der wahrhafte Friede ist nicht ein Friede zwischen den Staaten, zwischen den Staaten kann es keinen Frieden geben."

204 "... dann wird kein Staat mehr sein, es sei denn im Verein der Staatsfreunde, die dann nach Herzensdummheit unter sich Staat spielen mögen."

205 "a pollon" (gegen Vieles) Gott der Ordnung.

206 "Vielleicht bleibt die Masse zuerst gleichgültig und glaubt den Klugen, welche die Tat verrückt finden, aber bald jauchzt sie den Verrückten heimlich zu und tut es ihnen nach. Während die ersten von ihnen die Zuchthäuser füllen, setzen bereits andere deren Werk fort. Die Kriegserklärungen gegen die heutige Gesellschaft, die aufrührerischen Taten, die Racheakte vermehren sich. Die allgemeine Aufmerksamkeit wird rege, der neue Gedanke dringt in die Köpfe und gewinnt die Herzen. Eine einzige Tat macht in wenigen Tagen mehr Propaganda als tausend Broschüren. Die Regierung wehrt sich, sie wütet erbarmungslos, aber hierduch bewirkt sie nur, daß weitere Taten von einem oder mehreren begangen werden und treibt die Empörer zum Heldenmut. Eine Tat gebiert die andere; Gegner schließen sich dem Aufruhr an, die Regierung wird uneins, Härte verschärft den Streit, Zugeständnisse kommen zu spät, die Revolution bricht aus." - Karl Diehl, Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus, Jena 1922, Seite 102

207 "Erkennen, daß die Auflösung der Klassen, die Auflösung der Staatsmacht und die Auflösung der Parteien der Weg ist, den die gesamte Menschheit gehen wird."

208 Der Urgrund als Ungrund.

209 Herrschaft im umfassenden Sinn ist Setzung, Anwendung und Erzwingung von Normen.

210 Jede Zentralregierung verehrt Gleichförmigkeit. Die Gleichförmigkeit erspart ihr die Prüfung unzähliger Einzelheiten.

211 Die Gefahren der Verdinglichung und der Gestaltlosigkeit.

212 Der Identität wohnt der Kampf inne, ohne Kampf gibt es keine Identität.

213 Zur wirklichen Freiheit gehört die Freiheit der Narren und Heiligen.

214 "Die Eigengesetzlichkeit alles Geistigen darf nie ignoriert werden."

215 Das Problem ist, wie eine herrschaftsfreie Arbeit realisiert werden kann.

216 Wirklichkeit gibt es nur in der Gegenwart.

217 "Die Kämpfe, um anders zu schreiben, sprechen, ja auch nur anders denken zu dürfen, als es der Staat durch die Akademie, die Universität und die Kirche verordnet hat? Und die Kämpfe, Unterricht im Lesen erteilen zu dürfen."

218 "Das nichtkapitalistische System impliziert das regierungslose System."

219 "Anarchie ist eine Regierungsform oder Verfassung, in welcher das öffentliche und private Gewissen allein zur Erhaltung der Ordnung und Sicherstellung aller Freiheiten genügt..."

220 Mannigfaltigkeit bis an die Grenze von Anarchie und Chaos und Einheitlichkeit bis an die Grenze des Ameisenstaates.

221 Die Herrschaftslosigkeit ist in der Tat ein altes und hohes Menschheitsideal.

222 Gänzliche Indifferenz ist die Mutter des Chaos und der Nacht.

223 die Anarchie der Urtriebe

224 "Löst man die objektive Welt von den Perspektiven ab, in denen sie sich erschließt, so kann man überall in ihr nur noch 'Jetzte' finden."

225 Verwendung der Staatsgewalt zur Behauptung oder Vertilgung von Ansichten und Meinungen.

226 In der Gesellschaft der Zukunft wird jede Tätigkeit ebenso tief befriedigend und ebenso zwanglos sein, wie die künstlerische Tätigkeit heute.

227 "Die Wahrheit der Mystik besteht darin, daß sie keiner konkreten Religion letzte Wichtigkeit beimißt und darum das System der Symbole, in der jede Religion lebt, zu überschreiten vermag. Die Indifferenz gegenüber dem konkreten Ausdruck des Unbedingten macht die Mystik tolerant..."

228 Die Anarchie ist die einzige Alternative und der einzige Widerpart der Macht, der Macht, die, mit Ausnahme der Anarchisten, sämtliche politischen Strömungen erringen wollen.

229 "Des Urabgrunds geheimnisvolle Sicht; Ein dunkler Ozean sich endlos dehnt / Ohne Begrenzung und Dimension, Wo Länge, Breite, Höhe, Zeit und Ort / Verloren sind, und wo die alte Nacht / Sich mit dem Chaos in die Herrschaft teilt, Die diesen Vorderfahren der Natur / Inmitten des Getöses steter Kriege in immerwährendem Anarchentum / Als Reich des Durcheinander fortbesteht."

230 ... nicht ins Chaos oder in Wahnphantasien, sondern zu einer Gestalt.

231 Für einen kreativen Menschen bedeutet Unordnung potentielle Ordnung.

232 Der Kampf gegen den Dogmatismus nimmt nur allzuleicht selbst dogmatische Formen an.

zuschriften
Hinweis: Bei den nicht näher gekennzeichneten Textstellen handelt es sich um Passagen, die in verschiedenen Quellen mehr oder weniger sinngleich auftauchen, so daß nicht klar ist, wer von wem abgeschrieben hat.