ra-1p-4tb-1B. ErdmannE. MinkowskiF. WaismannF. MauthnerJ. Rehmke    
 
WILHELM WINDELBAND
Über Gleichheit und Identität

"Gleichheit, qualitative wie quantitative, ist eine Denkform der Reflexion, welche nur für die Vorstellungsinhalte als solche ohne jede gegenständliche Beziehung gilt."

"Die traditionelle Formel des sogenannten Identitätsprinzips A = A ist die letzte Grundbedingung für alles Denken überhaupt und insbesondere für alle Kategorien. Denn keine Beziehung ist zu denken, wenn nicht die Momente, die sie verknüpfen soll, je eindeutig in sich bestimmt sind. Aus diesem logischen Prinzip der absoluten Position folgt für alles soziale, empirische Denken das methodologische Prinzip der eindeutigen Bestimmung des Wortsinns, während die Erkenntnistheorie die Lösung der Frage nach dem Recht, womit wir annehmen, daß das, was wir denken, eben dasselbe sei, was wir einen Augenblick zuvor dachten, wohl immer in der Richtung der Lehre von der Apperzeption wird suchen müssen."

"Wie nun auch im einzelnen Fall das Verhältnis zwischen Gleichheit und Ungleichheit bestimmt sein mag, welche beide zusammen in einem Vergleichungsurteil unter allen Umständen gedacht werden müssen - der Grund dieses Urteils beruth auf einem unmittelbaren Erlebnis der Intuition. Es ist eine der letzten, auf nichts weiter zurückführbaren Voraussetzungen unseres Denkens, daß wir mit voller Sicherheit aufzufassen vermögen, was in den Inhalten unseres Bewußtseins gleich und was darin verschieden ist. Gegen meine Behauptung, daß der Inhalt der einen von meinen Vorstellungen mit dem einer anderen gleich bzw. ungleich ist, gibt es keine Instanz und kein Kriterium, woran appeliert werden könnte. Diese Unterscheidungen und Gleichsetzungen sind die elementaren Momente des Denkens."

"Was die moderne Logik mit dem durch Lotze üblich gewordenen Terminus Gelten meint oder meinen sollte, ist dies: kein Abbild, keine Aufnahme oder Wiedergabe, keine Wiederholung eines Gegenstandes oder eines gegenständlichen Verhältnisses, sondern nur eine im Denken selbst begründete Beziehung zwischen seinen Inhalten. Es ist von weittragender Bedeutung, daß diese erkenntnistheoretische Wertung der Gleichheit sich auf das ganze System der daraus abzuleitenden reflexiven Kategorien erstreckt."


In der Festschrift für SIGWART (Tübingen 1900) habe ich einen Entwurf zum System der Kategorien versucht, der sich auf der Unterscheidung reflexiver und konstitutiver Kategorien aufbaute. Vom kantischen Prinzip der Synthesis aus, das in gleicher Weise das logische Wesen des Begriffs wie des Urteils ausmacht, wurde der Grundunterschied entwickelt, daß die Beziehungen, die im Urteil vollzogen und im Begriff festgehalten werden, entweder solche sind, welche die Vorstellungselemente erst durch das beziehende Denken und nur in diesem gewinnen, oder solche, welche zugleich als wirkliche Verhältnisse der Gegenstände gedacht werden. Diese Unterscheidung war prinzipiell auf die von KANTs formaler und transzendentaler Logik orientiert, die dabei freilich einige Verschiebungen erfuhr; sie traf im Ergebnis, wenigstens zum Teil, mit der Art zusammen, wie EDUARD von HARTMANN die Kategorien des reflexiven Denkens denen des "spekulativen" Denkens gegenübergestellt hat: ihr systematischer Leitgedanke aber war der Aufweis der intimen Analogien, welche durchgängig zwischen den beiden Klassen der Kategorien bestehen. Diese Zusammenhänge festzustellen, war mir bei jener vorläufigen Veröffentlichung das Wichtigste: sie hatten sich mir aus Erwägungen über das Verhältnis der beiden logischen Systeme des Kritizismus ergeben. KANT hatte die Gemeinschaft beider in der "Tafel der Urteile" gefunden, aus der sich ihm die "metaphysische Deduktion" der Kategorien ergab (1). Je mehr die Künstlichkeit und Unhaltbarkeit dieser Verknüpfung von formaler und transzendentaler Logik eingesehen wird, umso bedeutsamer erhebt sich die Frage, worin dann die von der Einheit des logischen Denkens unweigerlich verlangte Zusammengehörigkeit des analytischen und des synthetische, des formalen und des erkenntnistheoretischen Systems zu suchen sein soll. Meine Auffassung dieses Verhältnisses möchte ich in den folgenden Überlegungen an einem besonderen, allerdings dem grundlegenden Verhältnis reflexiver und konstitutiver Kategorien darlegen.


I.

An der fundamentalen Voraussetzung für alle Synthesis, der Funktion der Unterscheidung, entwickelt sich als deren Grenzfall die Grundkategorie der reflexiven Reihe, die Gleichheit: ihr korrespondiert auf der Seite der gegenständlichen Beziehungen, der konstitutiven Kategorien, die Identität, welche in diesem Sinne nichts anderes bedeutet als  seiende Gleichheit.  Sie tritt da ein, wo das Denken eine Mehrheit gleich befundener oder vorausgesetzter Inhalte trotz ihrer zeitlichen Unterscheidung auf eine beharrende gegenständliche Einheit bezieht.

Nur wenn man in dieser Weise die Identität auf das Sein bezieht, die Gleichheit aber von dieser Beziehung unabhängig macht, kann man eine verständige Unterscheidung zwischen den beiden Ausdrücken gewinnen, die in der alltäglichen Sprache miteinander und mit der "Selbigkeit"  promiscue [ohne Unterschied - wp] angewendet werden. "Das Gleiche", "Dasselbe", "das Identische" - diese Bezeichnungen werden in der gewöhnlichen Rede meist miteinander vertauschbar gebraucht. Deshalb aber ist auch die philosophische Terminologie darüber keineswegs einheitlich. So behandelt z. B. von HARTMANN die Identität oder "Dieselbigkeit" als den "höchsten Grad der Gleichheit" (2), stellt also beide damit in ein nur graduelles Verhältnis: andererseits betont COHEN gern den prinzipiellen Unterschied beider Termini (3), indem er Identität als Bejahung und Sicherung des logischen Inhalts (4) bestimmt und Gleichheit nur als einen mathematischen Begriff gelten lassen will. (5)

Demgegenüber scheint mir die klarste und schärfste Definition noch immer die von ARISTOTELES zu sein, von der abzugehen kein zwingender Grund vorliegt. Im Abriß der Terminologie, der als viertes (alias fünftes) Buch der sogenannten  Metaphysik  erhalten ist, entwickelt er unter den Begriffen der Relation (pros ti) und zwar zunächst der numerischen (6): "Das Gleiche, das Ähnliche und Dasselbe werden in Bezug auf das Eine ausgesagt. "Dasselbe" nämlich ist das, dessen Wesen  eines  ist, "ähnlich" das, dessen Qualität  eine  ist, und "gleich" das, dessen Quantum eines ist. Die  enotes (7), die numerische Einheit oder Selbigkeit, die damit als der Oberbegriff über der Identität und den beiden Arten der Gleichheit erscheint, drücken wir im Deutschen am besten durch "ein und dasselbe" aus. Ein und dasselbe ist der Inhalt der (als Funktionen) verschiedenen Vorstellungen, die wir auf die eine ihnen als Gegenstand entsprechende Wirklichkeit, auf das "identische" Ding (ousia) beziehen: ein und dasselbe sind die Eigenschaften oder die Größen, auf die wir reflektieren, wenn wir irgendwelche Inhalte in irgendeiner Hinsicht  gleich  nennen. Eben daraus erklärt es sich, daß die um begriffliche Schärfe unbekümmerte Sprache dieses "ein und dasselbe" beliebig bald als  identisch,  bald als  gleich  bezeichnet.

Die dreiteilige Koordination  tauto, homoion, ison, [Identität, Ähnlichkeit, Gleichheit - wp], der an anderer Stelle (8) die entsprechende Teilung des Mehrfachen (plethos) in  heteron, anomoion, anison [Andersheit, Unähnlichkeit, Ungleichheit - wp] hinzugefügt wird, ist bei ARISTOTELES auf die drei Kategorien  ousia, poion, poson [Seiendheit, Beschaffenheit, Quantität - wp] bezogen. Das damit gemeinte Verhältnis von  homoion  und  ison  wird besonders klar durch eine Stelle in den "Kategorien" (9), wo das  ison  als das  idion tou posou  [gleiche Menge - wp] dargelegt wird, und wo es ausdrücklich heißt, daß es auf andere als quantitative Bestimmungen nicht angewendet werden sollte. Diesem spezifisch quantitativen Begriff der Gleichheit entspricht auch völlig die bekannte Verwendung, die er bei ARISTOTELES für die Definition und die Einteilung der Gerechtigkeit gefunden hat (10). Im Deutschen aber haben wir diese Beschränkung der Bedeutung von "gleich" auf die Quanta nicht; wir nennen auch die  poia,  die Eigenschaften gleich, und wir haben andererseits kein eigenes Wort für das "Ein und dasselbe in der Qualität", was ARISTOTELES mit  homoion  meint. Wir müssen daher  homoion  und  ison,  um der von unserem Philosophen betonten Beziehung auf die Kategorien gerecht zu werden, mit "qualitative und quantitative Gleichheit" übersetzen. Daher ist es nicht ganz zutreffend und unter Umständen irreführend,  homoin  hier mit "ähnlich" wiederzugeben (11). Diesen Sinn hat das Wort freilich in der gewöhnlichen Sprache, und demgemäß zweifellos oft auch bei ARISTOTELES; ja er registriert selbst (12) die verschiedenen möglichen Bedeutungen: "Gleich werden Dinge genannt, die in jeder Beziehung von demselben affiziert werden, weiter Dinge, die mehr von demselben als von Verschiedenem affiziert werden, und Dinge, deren Qualität  eine  ist." Daß das letztere gelten soll, wenn es sich um die begriffliche Gegenüberstellung zum  tauto  und zum  ison  handelt, lehren die oben erwähnten Stellen. Diese Bedeutung der qualitativen Gleichheit hat das Wort bei ARISTOTELES auch sonst, wo es im eigentlichen Sinne terminlogisch verwendet wird. Es mag genügen, an den (beim Bericht über ANAXAGORAS geprägten) Begriff des chemischen Elements zu erinnern:  homoiomeres,  womit der Stoff gemeint ist, der bei jeder Teilung in quantitativ verschiedene, qualitativ dagegen nicht etwa "ähnliche", sondern gleiche Teile zerfällt. (13)  Homoiotes  also als qualitative Gleichheit sollte nicht mit Ähnlichkeit wiedergegeben werden, weil wir unter "ähnlich" für gewöhnlich etwas ganz anderes, nämlich vorwiegende (wie oben ARISTOTELES selbst das  homoion  im weiteren Sinn erklärt) oder relative Gleichheit verstehen. Im letzteren Sinn gilt uns bekanntlich die Ähnlichkeit auch für Quanta, wenn z. B. in der Panimetrie [Geometrie der Ebene - wp] und Stereometrie [Geometrie im dreidimensionalen Raum - wp] Figuren wegen der Gleichheit nicht ihrer Größen, sondern ihrer Größenverhältnisse als ähnlich bezeichnet werden (14).

Mit ARISTOTELES sollte man also "Identität" als gegenständliche Kategorie aufrechterhalten: nur mit dem Unterschied, daß das Gegenständliche für ihn metaphysische, für das moderne, kritische Denken dagegen eine transzendentale Bedeutung hat. Gleichheit dagegen, qualitative wie  quantitative,  ist eine Denkform der Reflexion, welche nur für die Vorstellungsinhalte als solche ohne jede gegenständliche Beziehung gilt.

Beide aber, Identität und Gleichheit, sind Kategorien, d. h. Beziehungen, die eben deshalb eine Mehrheit, zumindest also zwei aufeinander zu beziehende Inhalte voraussetzen und nur an diesen ihren Erkenntniswert entfalten. Jedes Moment dieser Mehrheit muß vom anderen irgendwie unterschieden und deshalb in sich völlig bestimmt sein. Will man diese unverrückbare Fixierung jedes Moments im Denken noch wieder als logische Identität bezeichnen, wie es namentlich COHEN im Anschluß an die traditionelle Formel des sogenannten Identitätsprinzips "A = A" mit besonderer Emphase hervorhebt (15), so ist dagegen nichts einzuwenden; wir haben darin die reine einfache  enotes  und das, was man im Deutschen als reine "Selbigkeit" (16) bezeichnen könnte: aber das ist die letzte Grundbedingung für alles Denken überhaupt und insbesondere für alle Kategorien. Denn keine Beziehung ist zu denken, wenn nicht die Momente, die sie verknüpfen soll, je eindeutig in sich bestimmt sind. Aus diesem logischen Prinzip der absoluten Position folgt für alles soziale, empirische Denken das methodologische Prinzip der eindeutigen Bestimmung des Wortsinns (17), während die Erkenntnistheorie die Lösung der Frage nach dem Recht, womit wir annehmen, "daß das, was wir denken, eben dasselbe sei, was wir einen Augenblick zuvor dachten" (18), doch wohl immer in der Richtung der Lehre von der transzendentalen Apperzeption wird suchen müssen, die KANT daraus als Postulat entwickelt hat. Aber diese "Identität" des Selbstbewußtseins ist keine Kategorie, sondern die allgemeine Bedingung des kategorialen Denkens überhaupt (19). Deshalb sollte man aber auch diesen Grundakt der "Sicherung" und der "Affirmation" [Bejahung - wp] (20) nicht als Identitätsurteil oder gar als "identisches Urteil" bezeichnen. Es ist charakteristisch, daß die Formel  A = A,  die dann nach der bekannten, für zahlreiche logische Irrtümer verantwortlichen Schematisierung gern in die andere  A = A  übergeführt worden ist, dazu Anlaß gegeben hat, die Identität einen Begriff zu nennen, "der aus der Vergleichung eines Dings (lediglich) mit sich selbst entspringt". (21) Diese Selbstvergleichung als der unglückliche Versuch, auch das noch zu vergleichen, was die Voraussetzung allen Vergleichens bildet, erinnert einigermaßen scholastisch an die Aseität [aus-sich-selbst-sein | wp] oder die  causa sui [Ursache seiner selbst - wp], die Selbstverursachung dessen, was Voraussetzung des ursächlichen Zusammenhangs ist. Die Verdoppelung des  A,  zu dem Zweck, beide nachher identisch zu setzen, übersieht, daß dabei gerade die beiden  A  voneinander unterschieden werden: so löst sich das Urteil in eine endlose Dialektik auf. Im wirklichen Denken kommt das sogenannte identische Urteil eigentlich nur als eine rhetorische Form vor, deren Sinn in irgendeinem unausgesprochenen Nebengedanken steckt: Recht ist Recht (d. h. und soll es bleiben), Mensch ist Mensch (d. h. was auch immer er sonst ist),  sunt pueri pueri [Kinder sind Kinder - wp] (d. h. puerilia tractant [und Kinder machen kindisches - wp]).


II.

Hiermit hängt es zunächst zusammen, daß das  Gleichheitsurteil  nur über solche Inhalte gefällt werden kann, die voneinander unterschieden werden. Gleichheit ist ein Verhältnis, worin Verschiedenes zueinander steht. (22) Selbst wenn zwei Vorstellungsinhalte als völlig gleich beurteilt werden sollen, müssen sie zumindest als Vorstellungszustände noch voneinander unterschieden werden. Aber das Maß dessen, was in den verglichenen Vorstellungen gleich sein muß, und dessen, was dabei in ihnen ungleich sein darf, ist keineswegs eindeutig bestimmt und selbstverständlich: es hängt in jedem besonderen Fall vom Standpunkt der Reflexion ab (23), und die Entscheidung darüber ist nicht mehr logischen, sondern lediglich methodologischen Charakters. In der demographischen Statistik werden, worauf ich schon früher aufmerksam machte (24), eine Menge Fälle (von Verbrechen, von Selbstmorden, von Heiraten usw.) als "gleich" registriert, die schließlich nur an einem polizeilichen Merkmal gleich sind, im übrigen aber die bedeutsamsten Verschiedenheiten ihrer sachlichen Merkmale aufweisen. Es wäre daher nicht richtig, wollte man etwa meinen, das Gleichheitsurteil bezieht sich auf die "Selbigkeit" der wesentlichen Merkmale, unbekümmert um die Verschiedenheiten des Unwesentlichen. Zumindest gilt das nicht, wenn man wesentlich und unwesentlich als sachlich eindeutige Bestimmungen ansieht. Vielmehr ist es bei der Vergleichung jedesmal der Gesichtspunkt der Reflexion, der darüber entscheidet, was  für sie  wesentlich oder unwesentlich sein soll. Genauso ist es ja auch beim Zählen, das die Gleichheit der Objekte voraussetzt. Jedes Kind lernt, daß es nur Gleichbenanntes zusammenzählen darf:  3  Äpfel und  4  Birnen sollen nicht addiert werden, aber als Früchte machen sie doch zusammen  7  aus.

Aus dieser Verschiedenheit des Gleichen folgt weiterhin die Forderung größter Vorsicht, die bei allen Argumentationen eingehalten werden sollte, welche aus der Gleichheit irgendwelcher Gegenstände andere Gleichheiten an ihnen oder für sie deduzieren wollen. Eine solche Ableitung ist immer nur beweiskräftig, wenn gezeigt werden kann, daß der Reflexionsgesichtspunkt, unter dem die erste Gleichsetzung gilt, auch für die zweite maßgebend bleibt: ist das nicht der Fall, so schwebt die ganze Beweisführung in der Luft. Eine große Zahl politischer und sozialer Theorien allerlei Tendenz leidet an diesem Grundfehler, daß aus der oben behaupteten "natürlichen Gleichheit" der Menschen ohne weiteres Gleichheiten ihrer Rechte oder ihrer Aufgaben und Pflichten abgeleitet werden sollen. Derartige Argumentationen würden immer nur dann stichhaltig sein, wenn mit voller Sicherheit nachgewiesen werden könnte, daß die Gleichheiten, die verlangt werden, in einem unmittelbaren oder mittelbaren Zusammenhang mit denjenigen Gleichheiten stehen, von denen die Ableitung ausgehen soll (25). Will man sich von diesen Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten und zugleich von den Folgen der Willkürlichkeit des Reflexionsstandpunkts, wonach "gleich" und "ungleich" prädiziert wird, ein deutliches Bild machen, so durchdenke man die bekannte historische Antinomie.  Thesis:  alle Menschen, gleichviel welcher Rasse sie angehören, sind von Natur gleich; also gebührt ihnen das Gleiche an politischen und sozialen Rechten.  Antithesis:  die Rassen sind von Natur ungleich; damit ist ihre rechtliche und gesellige Ungleichheit begründet. Ähnliches gilt auch vom religiösen Gesichtspunkt der "Gleichheit aller Menschen vor Gott", sofern daraus naturrechtliche Konsequenzen haben gezogen werden sollen.

Wie nun aber auch im einzelnen Fall das Verhältnis zwischen Gleichheit und Ungleichheit bestimmt sein mag, welche beide zusammen in einem Vergleichungsurteil unter allen Umständen gedacht werden müssen - der Grund dieses Urteils beruth auf dem unmittelbaren Erlebnis der Intuition. Es ist eine der letzten, auf nichts weiter zurückführbaren Voraussetzungen unseres Denkens, daß wir mit voller Sicherheit aufzufassen vermögen, was in den Inhalten unseres Bewußtseins gleich und was darin verschieden ist. Gegen meine Behauptung, daß der Inhalt der einen von meinen Vorstellungen mit dem einer anderen gleich bzw. ungleich ist, gibt es keine Instanz und kein Kriterium, woran appeliert werden könnte. Diese Unterscheidungen und Gleichsetzungen sind die elementaren Momente des Denkens. Aber jene intuitive Sicherheit und Richtigkeit des Vergleichsurteils gilt deshalb auch nur für jeden einzelnen Akt des individuellen Bewußtseins, und sie wird ebensowenig durch die Möglichkeit der sachlichen Unrichtigkeit wie durch die erfahrungsmäßige Korrigierbarkeit in Frage gestellt. Denn die Urteile, die wir über Gleichheit und Ungleichheit von "Gegenständen" fällen, sind doch eben tatsächlich nur Urteile über unsere Vorstellungen von den Gegenständen, und ihre "sachliche" Richtigkeit oder Unrichtigkeit hängt somit an der Frage, ob diese Vorstellungen adäquat sind oder nicht. Mit recht hat SIGWART (26) darauf hingewiesen, daß angesichts der Grenzen, die der Unterscheidungsfähigkeit der menschlichen Sinne gesteckt sind, die Beobachtung streng genommen niemals sachlich gleiche, sondern nur "ununterscheidbare" Größen zu messen imstande ist, und er hat daraus die Methoden zum Ausgleich und zur Überwindung der Beobachtungsfehler entwickelt: aber für jede einzelne Beobachtung fällt eben doch die Ununterscheidbarkeit mit der subjektiven Gleichheit der Vorstellungsbilder zusammen. Man kann sich das auch an anderen Beispielen deutlich machen. Wenn wir zwei verhältnismäßig kleine Objekt zuerst als gleich, etwa an Größe und Gestalt, beurteilt haben und uns nun mit Hilfe eines Mikroskops von ihrer Ungleichheit überzeugen, so liegt die Sache doch eben so, daß wir das erstemal wirklich gleiche, nachher aber wirklich ungleiche Vorstellungsinhalte gehabt haben. Wenn die Unterscheidungsfähigkeit für Sinnesqualitäten, wie Farben und Töne, durch Übung und Ausbildung der Anlage, durch Bedürfnis und Interesse bis zu einer erstaunlichen Höhe gesteigert werden kann, so beruth das eben doch darauf, daß wir feiner wahrzunehmen, d. h. differenziertere Vorstellungsbilder zu gewinnen lernen. Das läßt sich auch bis in die Psychogenesis der logischen Prozesse verfolgen. Jene unbestimmten Allgemeinvorstellungen (27), das "erste Allgemeine" in der Seele (28), womit alles Denken und Sprechen beginnt, sind doch nur der Ausdruck davon, daß im Apperzeptionsvorgang bei aller Mannigfaltigkeit der Reize im Bewußtsein zunächst nur das stetig wiederkehrende Gleiche aufgefaßt (und bezeichnet) wird, so daß die naiven Rekognitionen und Benennungen, die dem entwickelten und differenzierten Bewußtsein so wunderlich vorkommen, in der Tat der Ausdruck des Erlebnisses sind. Alles in allem, das Bewußtsein kann sich über Gleichheit bzw. Ungleichheit seiner Vorstellungsinhalte nicht täuschen; es wäre nicht auszudenken, woher darin ein Irrtum kommen sollte: Vergleichsurteile werden erst unrichtig, wenn sie nicht mehr die Vorstellungen, sondern die Gegenstände betreffen sollen. Darin wird HUME recht behalten: wenn es auch völlig irrig ist, wie er (29) bei seiner ersten einseitig empiristischen Auffassung der Mathematik jede Berichtigung des natürlichen Gleichsetzens über das hinaus, was wir mit Instrumenten und künstlichen Mitteln erreichen können, für eine bloße Fiktion, ebenso nutzlos wie unverständlich, erklärt. Er vergißt nichts weniger als die Hauptsache, daß nämlich die Gleichheitsurteile der Mathematik nicht auf Vergleichungen von Impressionen, sondern auf Konstruktionen, Definitionen und begrifflichen Deduktionen beruhen.

Kann aber so, indem wir eine Täuschung über die Gleichheit bzw. Ungleichheit bei Vorstellungsinhalten für ausgeschlossen, dagegen bei "Gegenständen" für möglich erklären, überhaupt von Richtigkeit oder Unrichtigkeit von Vergleichungsurteilen gesprochen werden, so führt das dazu, den Begriff der reflexiven Kategorien, die sich ja alle aus der Wechselbeziehung von Vergleichen und Unterscheiden entwickeln (30), nach einer wichtigen Hinsicht zu erläutern. Die Gleichheit bedeutet allerdings kein reales (konstitutives) Verhältnis zwischen den Gegenstände: aber das Gleichheitsurteil ist trotzdem ganz und gar vom Inhalt der Vorstellungen abhängig. Es ist Sache der Reflexion und damit bis zu einem gewissen Grad sogar der Willkür des einzelnen Urteilens, was verglichen werden soll: aber die Behauptung von Gleichheit oder Ungleichheit ist, aller Willkür entzogen, lediglich durch die verglichenen Inhalte bestimmt. Wenn ich im Gebirge aufmerksam gemacht werde und dann selbst finde, daß die Kontur eines Berges mit dem Profil einer historischen Persönlichkeit, z. B. NAPOLEONs, ähnlich oder gleich ist, so besteht in diesem Fall auch nicht der Schatten einer realen Beziehung zwischen beiden "Gegenständen": die Ähnlichkeit ergibt sich lediglich für das reflektierende Bewußtsein, in welchem die Vorstellungen von beiden zufällig zusammenkommen. Nicht immer braucht die Beziehungslosigkeit der beiden "gleichen" Gegenstände so ausgesprochen zu sein; vielmehr ist gelegentlich die Gleichheit durch reale Zusammenhänge vermittelt, wie im Verhältnis eines Bildes zu seinem Original, oder wie in der Ähnlichkeit der Individuen ein und desselben Geschlechts: im letzteren Fall läßt sich sogar die Gleichheit zu einer (realen) Identität des organischen Wesens ausdeuten. (31) Aber der Sinn der Gleichheit ansich ist von solchen Nebenmöglichkeiten der realen Vermittlung unabhängig: es gehört niemals zu den Realbestimmungen des Einen, mit dem Andern gleich oder ähnlich zu sein. Allein selbst in einem so reinen Fall, wie bei jener Gleichsetzung der Silhouetten eines Berges und eines Gesichts, ist doch das Urteil darauf begründet, daß sich in beiden sonst noch so verschiedenen Vorstellungskomplexen dieselbe stark hervortretende Linie findet: sie macht in diesem Fall die "Selbigkeit" aus, jene aristotelische  enotes  (HUMEs sagt gelegentliche "samenesse" dazu), die bei jeder Art von Gleichheit ebenso erforderlich ist wie bei der Identität.

Darin sind nun eine Anzahl von Grundverhältnissen des kategorialen und spezielle zunächst des reflexiven Denkens in typischer Weise enthalten. Erstens zeigt sich, daß die Kategorie (der Gleichheit) weder im einen noch im andern der verglichenen Inhalte noch in deren bloßer Summe enthalten ist, sondern die Urteilform des reflektierenden Denkens ausmacht. Man nennt das seit KANT die Apriorität der Kategorie: sie hatte schon PLATON im Auge, wenn er im  Theaetet  den Nachweis führte (32), daß Gleichheit und Ungleichheit (ebenso übrigens wie Identität und Verschiedenheit) (33) durch kein Organ des Leibes empfunden, sondern von der "Seele" selbst gedacht werden, und wenn er im  Phaedon (34) zur Begründung der Lehre von der  anamnesis  die Idee der Gleichheit, die niemals ungleich sein kann, von den gleichen Dingen, wie Hölzern oder Steinen, unterscheidet, die, indem sie doch zugleich auch ungleich sind, nach der Gleichheit nur "streben", aber sie niemals ganz erreichen (35): woraus dann gefolgert wird, daß die Seele die Idee (auto to ison), die sie in den Dingen nicht finden kann, aus dem früheren Leben mitgebracht haben muß. Daß KANT diese psychologisch-metaphysische Priorität in die transzendentale verwandelt, braucht nicht näher ausgeführt zu werden: der  logische  Sinn der Sache ist derselbe geblieben.

Das Zweite ist, daß die Anwendung der Kategorie durch die Vorstellungsinhalte selbst bedingt ist: die Beziehung, die im Vergleichungsurteil gedacht wird, ist ein  Verhältnis der Vorstellungsinhalte zueinander,  das darum noch nicht (und darin eben besteht der Unterschied zwischen reflexiven und konstitutiven Kategorien) ein reales Verhältnis der Gegenstände zueinander bedeutet. Und fragen wir, worin dabei das Verhältnis der Vorstellungsinhalte zueinander besteht, so ist es eben dies, daß in beiden "Einunddasselbe", jenes aristotelische  en,  enthalten und zum Sinn des reflektierenden Denkens gemacht worden ist. Die reflexiven Kategorien sind Beziehungen der Vorstellungsinhalte ohne Rücksicht auf die Gegenstände. Betrachtet man deshalb das Denken als Bewußtseinsvorgang unter dem Gesichtspunkt der Psychologie, so nimmt die Gleichheit die Bedeutung einer wirklichen Beziehung zwischen Bewußtseinszuständen, d. h. einer psychischen Identität, an. Als solche figuriert sie in der Theorie der Assoziation. Wenn in dieser - um die Ausdrücke der klassischen Assoziationstheorie, der HUME'schen, anzuwenden (36) - die Gleichheit bzw. Ähnlichkeit zu denjenigen Relationen gerechnet wird, die niht nur "philosophische", sondern auch "natürliche" sind, wenn sie ein Prinzip der Assoziation, d. h.  ein psychischer Faktor  sein soll, so kann sie nicht erst dem reflektierenden Denken entspringen, sondern muß ein wirkliches Verhältnis der "Ideen", wir sagen jetzt lieber der Vorstellungsinhalte, bedeuten. Eine Vorstellung soll eine andere, mit der sie noch nie im Bewußtsein zusammen war, reproduzieren,  weil  sie mit ihr gleich oder ähnlich ist. Die Gleichheit muß also als psychisch wirksames Verhältnis schon vorhanden sein, ehe die beiden Vorstellungen im Urteil verglichen werden können. Das besagt. als psychischer Faktor, als seelisch tätiges Prinzip kann die Gleichheit nur in der realen Selbigkeit, d. h. in irgendeiner Art von Identität bestehen. Was eine solche Identität zwischen einem unbewußt reproduzierbaren und einem im Bewußtsein neu auftauchenden Vorstellungsinhalt als reales Gebilde bedeuten soll, wie diese psychische oder psychophysische Identität im besonderen vorzustellen oder gar empirisch nachzuweisen sei, müssen wir den theoretischen Erwägungen überlassen, zu denen sich ja die Psychologen manchmal noch neben ihren Experimenten entschließen.

Diese Verhältnisse sind geeignet, ein deutliches Licht auf die prinzipielle Verschiedenheit von psychologischer und logischer Betrachtung des "Denkens" zu werfen. Denn drittens ergibt sich nun aus den obigen Darlegungen die Art und der Sinn des  Wahrheitswertes,  der den Gleichheitsurteilen zukommt. Er besteht nicht in der Übereinstimmung mit einem Gegenstand, auch nicht mit einem psychischen Gegenstand. Denn er betrifft nichts als ein Verhältnis, das von den aufeinander im Urteil bezogenen Inhalten  gilt.  Wir haben darin vielleicht die einfachste, aber gerade darum einleuchtendste Form desjenigen, was die moderne Logik mit dem durch LOTZE (37) üblich gewordenen Terminus "Gelten" [lotzgelt] meint oder meinen sollte: kein Abbild, keine Aufnahme oder Wiedergabe, keine Wiederholung eines Gegenstandes oder eines gegenständlichen Verhältnisses, sondern "nur" eine im Denken selbst begründete Beziehung zwischen seinen Inhalten. Es ist von weittragender, hier nicht mehr zu verfolgender Bedeutung, daß diese erkenntnistheoretische Wertung der "Gleichheit" sich auf das ganze System der daraus abzuleitenden reflexiven Kategorien erstreckt, und zwar gleichmäßig auf beide Reihen, auf die Kategorien der Quantität, die aus dem Zählen des Gleichen im Verhältnis des Ganzen zu seinen Teilen erwachsen, und auf die "diskursiven" Denkformen der Gattungsbegriffsbildung und des analytischen Schließens, die sämtlich in der "Reflexion auf das Gleiche" als das Ergebnis der "Komparation" und der "Abstraktion" begründet sind. (38) Alles in diesen Kategorien ablaufenden Urteile haben diese rein logische Bedeutung des Geltens an sich, und erst durch zum Teil verwickelte Umgestaltungen erstrecken sie sich aus dem idealen Bereich des Geltens in die realen Gebiete des Seins und des Geschehens hinüber. Damit aber wandeln sie sich gerade in konstitutive Kategorien.


III.

Aus der Gleichheit wird auf diese Weise die  Identität.  Wo diese in dem oben entwickelten transzendentalen Sinn gedacht wird, handelt es sich immer darum, daß verschiedene Vorstellungen auf ein und denselben Gegenstand, auf ein und dieselbe, sei es metaphysische, sei es empirische Realität bezogen werden (39). Der einfachste Fall ist dabei der, daß die verschiedenen Vorstellungen inhaltlich gleich sind. Doch ist das durchaus nicht unbedingt erforderlich; ja, diese Urform ist nicht einmal die häufigste, und sie ist keineswegs die wichtigste und wertvollste Anwendung der Kategorie. Aber selbst in den extremsten und interessantesten Formen, bei denen von einer Gleichheit der auf das Identische bezogenen Vorstellungen überhaupt keine Rede mehr ist, bleibt doch in der Kategorie selbst die Voraussetzung bestehen, daß alle die dadurch verknüpften Vorstellungen trotz weitestgehender Ungleichheit ihres Inhalts auf ein und dieselbe "immerdar sich selbst gleiche" Wirklichkeit bezogen werden, selbst wenn diese identische Realität in keiner Weise inhaltlich bestimmt werden kann. Die "reale Gleichheit" ist dann nur gedacht und vorausgesetzt, aber nicht als solche erkannt: sie bleibt ein Postulat, das sich aber für unser Weltdenken als unentbehrlich erweist.

So steht die Identität in einer bunten Mannigfaltigkeit von Beziehungen zur Gleichheit. Wie wenig sogar eine vollständige, ununterscheidbare Gleichheit der Vorstellungsinhalte mit einer Identität zusammenfällt, erfahren wir z. B. an den Schlägen der Uhr oder sonst an rasch aufeinanderfolgenden Tönen eines Instruments, die mit voller Sicherheit auf verschiedene, einander objektiv folgende Schallereignisse gedeutet werden: ebenso zählen wir nebeneinanderliegende, völlig gleiche Kugeln als verschiedene Dinge. Man wird zunächst sagen, es bestünden doch eben Verschiedenheiten, das eine Mal solche der Zeit, das andere Mal solche des Raumes, der Lage usw.: aber die zeitliche Verschiedenheit trifft auch für zwei diskrete, aber unmittelbar aufeinanderfolgende Gesichtseindrücke zu, die wir mit derselben Sicherheit auf einen identischen Gegenstand beziehen; und ebenso werden wir an der Identität eines solchen Gegenstandes dadurch noch nicht irre, daß wir ihn hintereinander in verschiedenen Lagen und räumlichen Verhältnissen wahrnehmen. An der Gleichheit der Eindrücke allein hängt also niemals die Annahme der Identität. Sie ist vielmehr eine kategoriale Voraussetzung, die wir an die gedankliche Verarbeitung der Eindrücke heranbringen. Deshalb hat LIEBMANN (40) in einer sehr anschaulichen Darlegung dieser Verhältnisse die Identität unter die "Interpolationsmaximen der Erfahrung" gerechnet. Die mehr oder weniger sichere Anwendung dieser Maxime hängt aber in ausgedehntem Maß von unserem gesamten Weltvorstelen und Erfahrungswissen ab. Auch wenn es richtig sein sollte, daß es in der (empirischen) Wirklichkeit nicht zwei völlig und restlos gleiche Dinge oder Ereignisse gibt (wie es LEIBNIZ (41) gern hervorgehoben hat), so bringt doch die begrenzte Unterscheidungsfähigkeit der Sinne eine Menge subjektiv gleicher, d. h. ununterscheidbarer Eindrücke zuwege, die deshalb Anlaß zu vielen Irrtümern in der Behauptung der Identität sein müssen. Daher ist ist bei der Rekognition von Gegenständen, die zeitweilig unserer Wahrnehmung entzogen waren, die allergrößte Vorsicht erforderlich. Ob ein Messer, das man uns vorlegt, identisch ist mit dem unsrigen, das uns abhanden gekommen ist, wird nur bei ganz besonderen Merkmalen mit einiger Wahrscheinlichkeit zu beurteilen sein. Wenn aber an der Taschenuhr, die ich darauf prüfen soll, sich auf der Innenseite des Deckels in kleiner Schrift genau dieselben drei mehrstelligen Ziffern zeigen, die an meiner Uhr nach den Reparaturen eingraviert waren, so werde ich mit voller Sicherheit die Identität behaupten. Allein die enorme Unwahrscheinlichkeit, daß ich mich in diesem Fall täuschen sollte, beruth nicht sowohl auf der Gleichheit der Eindrücke als vielmehr auf meiner Kenntnis der Usancen [Gebräuchlichkeiten - wp] und auf den Überlegungen und Kausalschlüssen, die sich darauf gegründet haben. Diese Argumente würden in diesem Beispiel sogar zur Behauptung der Identität führen, wenn etwa grobe Veränderungen, die von mechanischen Stößen oder chemischen Flecken herrührten, das äußere Bild des Gegenstandes wesentlich verschieden von dem meiner Erinnerung erscheinen ließen.

So weit ist schon das alltägliche Leben davon entfernt, Gleichheit und Identität miteinander zu verwechseln: am besten aber wird ihre Verschiedenheit durch die Möglichkeit wissenschaftlicher Theorien wie des modernen Atomismus (42) verdeutlicht. Ihm gelten sämtliche Atome desselben Stoffs, und prinzipiell zuletzt sämtliche Atome des von der Hypothese vorausgesetzten Urstoffs als völlig gleich: zwei Atome sind deshalb lediglich durch die Örter verschieden, die sie einnehmen, und durch die daraus sich ergebenden Verschiedenheiten der Beziehung zu anderen Atomen. Aber der Ort ist kein konstantes Merkmal des Atoms und ist als stetig wechselnd keine seiner dauernden Eigenschaften. Ein Atom Sauerstoff bleibt ganz dasselbe, obe es im Bach zu Tal stürzt oder im Teich ruht, ob Dunst aufsteigt oder sonst in der Luft umtreibt, ob es im Atem eingesogen oder im Blut dem organischen Glied zugeführt wird: und es ist in jeder dieser Lagen durch jedes beliebige andere zu ersetzen! Das heißt: die Atome unterscheiden sich voneinander lediglich durch ein Merkmal, das für ihr Wesen das allergleichgültigste und zufälligste ist. Hierin steckt in der Tat eine ernst begriffliche Schwierigkeit für den Atomismus, und LEIBNIZ hat nicht verfehlt, darauf überall da (43) aufmerksam zu machen, wo er den Vorzug seiner Monadologie am  Principium identitatis indiscernibilium [Satz der Identität des Ununterscheidbaren - wp] (44) deutlich machen und die Erforderlichkeit einer inneren und wesentlichen Verschiedenheit der "Substanzen" dartun wollte. Diese theoretischen Gegensätze hat KANT in der "Amphibolie der Reflexionsbegriffe" mit großer kritischer Deutlichkeit auseinandergelegt (45).

Kehren wir aber zu den Annahmen der Identität zurück, die der empirische Verstandesgebrauch aufweist, so ist es wohl zweifellos, daß wir dazu all jener vermittelnden Schlüsse aus unseren sonstigen Erleben und Wissen nicht bedürfen. glauben, sobald uns irgendein Gegenstand in kontunuierlicher Wahrnehmung gegeben ist. Das beweist, worauf es in der konstutiven Kategorie der Identität wesentlich ankmmt: auf die Beziehung einer Mannigfaltigkeit von Vorstellungen auf ein und dieselbe  beharrende  Wirklichkeit. Dies ist das zeitliche, in der kantischen Bedeutung "sinnliche" Moment, das in jeder konstitutiven Kategorie (im Unterschied von den reflexiven) steckt. Die beharrende Realität macht das wesentliche an der Identität aus, im Gegensatz einerseits zu der Mannigfaltigkeit der darauf bezogenen Vorstellungen und andererseits objektiv zur Mannigfaltigkeit der mit dem Identischen in einem zeitlichen Wechsel verbundenen Nebenbestimmungen. Die Verschiedenheit der Vorstellungen kann dabei entweder (und diesen einfachsten und elementaren Fall nahmen die obigen Beispiele ins Auge) nur in den wiederholten Vorstellungsakten gleichen Inhalts bestehen, oder sie kann auch in den Vorstellungsinhalten, entsprechend den gegenständlichen Veränderungen des Identischen, vorliegen. In dieser Hinsicht erweist sich die Annahme der Identität von der  Begründung  durch Gleichheit, die nur einen Spezialfall bildet, unabhängig, und das Maß dessen, was in verschiedenen Vorstellungen gleich sein muß, um mit der Annahme ihrer gegenständlichen Identität vereinbar zu bleiben, ist außerordentlich verschieden und nicht formal eindeutig bestimmbar, sondern methodologisch festzustellen.

In unserer Auffassung der physischen Wirklichkeit hängt die Identität bald am Stoff, bald an der Form. Ein Stück Wachs bleibt dasselbe, so verschieden die Formen sein mögen, in die ich es knete: die Identität wird durch die zusammenhängende Masse der Materie gebildet. In anderen Fällen kann die Materie wechseln, wenn nur die Form dieselbe bleibt. Das alte Beispiel des heraklitischen Flusses, der derselbe bleibt, weil stets ebensoviel Wasser zufließt wie abfließt, ist schon der einfachste Fall dieser Identität der Form bei kontinuierlicher und deshalb unmerklicher Veränderung der Materie. Noch mehr ist diese Kontinuierlichkeit und Unmerklichkeit des Austausches im "Schiff des Theseus" entscheidend (46), an dem im Laufe der Jahrhundertee Stück für Stück bei der Reparatur vertauscht wird, und das den Athenern doch, selbst nachdem so alle Teile ergänzt sind, das alte heilige Schiff bleibt. Das bedeutsamste Beispiel schließlich bietet der organische Stoffwechsel dar, vermöge dessen die Materie im Lebewesen so stetig ausgetauscht wird, daß nach einer Anzahl von Jahren kein Atom mehr in ihm dasselbe ist, während seine Identität lediglich in der beharrenden Form zu suchen ist. Und auch die Gleichheit der Form ist dabei nur in unbestimmter Allgemeinheit, nicht mit exakter Vollständigkeit maßgebend. Verlust oder Verkümmerung einzelner Glieder heben die Identität des Organismus nicht auf. Wenigstens in gewissen Grenzen: aber ist der enthauptete Frosch, der für die Physiologie so wichtig ist, noch "dasselbe Wesen" wie zuvor?

Aber der Organismus führt uns noch weiter. Verfolgen wir ihn in seiner Entwicklung bis zu seiner letzten Gestalt, vom Nußkern bis zum Baum, vom Embryo bis zum Greis, so ist auch in seiner Form, soweit sie Gegenstand unserer Wahrnehmung ist, nichts, was sich gleich bliebe: und doch ist es dasselbe, identische Individuum, das uns in dieser Mannigfaltigkeit von Erscheinungen entgegentritt. Hier ist die Identität, den Eindrücken nach, die uns zu ihrer Annahme veranlassen, von der Gleichheit völlig abgelöst und scheint ganz auf die kontinuierliche Allmählichkeit der Wandlungen angewiesen zu sein. Und ist es dann anders mit der Identität eines Volkes? Nach etwa 100 Jahren ist jedesmal die Masse der Individuen, aus denen es besteht, völlig ausgetauscht, im Laufe seiner Geschichte schnürt es Stämme von sich ab und assimiliert sich neue; im Wandel der Generationen wechselt es vielleicht sein Land, jedenfalls seine äußeren Lebensformen, seine staatliche, verfassungshafte Gestaltung, seine Interessen und Tätigkeiten; ja selbst sein Eigenstes, seine Sprache, ist vermöge ihrer inneren Lebendigkeit und ebenso ihrer äußeren Geschicke in stetiger Umbildung begriffen: wo ist das Identische in seiner historischen Erscheinung, um dessen willen es durch die Jahrtausende hin "dasselbe Volk" genannt werden darf? Und wo reißt etwa eine solche Identität ab? Sind die heutigen Griechen, wie es die Namensbezeichnung nahelegen möchte, noch "dasselbe Volkswesen" wie die alten?

Alle derartigen Fragen, die eine sachliche Lösung verlangen, beweisen, daß die Kategorie der Identität in ihrer Anwendung durch die Gesichtspunkte der besonderen Wissenschaften in der verschiedensten Weise determiniert wird. Wenn wir als unwesentliche Eigenschaften eines Gegenstandes, eines Dinges, eines "Wesens" diejenigen bezeichnen, welche aufgehoben oder mit andern vertauscht werden können, ohne daß seine Identität damit in Frage gestellt ist, wesentliche dagegen die, mit denen die Identität steht und fällt, so kann dieser Unterschied  in concreto  niemals formal logisch, sondern nur methodologisch bestimmt werden, indem jede Wissenschaft nach ihren Erkenntnisaufgaben die Gesichtspunkte der Auswahl des für sie Wesentlichen und damit Identischen normiert. So kann man sich, indem man die obigen Beispiele durchläuft, leicht davon überzeugen, wie verschieden das Prinzip der Identität sich für Physik, Chemie, Biologie, Geschichte spezifiziert.

Trotzdem bleibt im Postulat der Identität, auch wo es sich in der Deutung einer Fülle von ungleichen Vorstellungsinhalten entwickelt, mit der Annahme der Selbigkeit diejenige einer beharrenden Gleichheit des wesentlichen Inhalts aufrechterhalten, selbst wenn sie sachlich angegeben werden kann. Dies tritt besonders an dem Beispiel zutage, mit dem man die Reihe der obigen zu krönen hätte: an der Identität des Ich. Wir können keinen einzigen Inhalt angeben, der ihm dauern aktuell zugehören würde: selbst die Vorstellung des eigenen Leibes ist nur im Sinne einer unmerklichen Allmählichkeit der Umwandlung als konstant zu betrachten, alle übrigen Vorstellungen aber, Kenntnisse, Ansichten, Überzeugungen, alle Gefühlsweisen und Willensrichtungen unterliegen einem heraklitischen Fluß: selbst die konstanteren unter ihnen, die den "Charakter" des Individuums ausmachen, können unter Umständen völlig gegen entgegengesetzte ausgetauscht werden: wir wunderns uns darüber vielleicht, aber wir betrachten die Identität der Persönlichkeit dadurch so wenig für gefährdet, wie durch die totalen Umgestaltungen des seelischen Inhalts, die unter Umständen bei geistiger Erkrankung auftreten. Und doch genügen uns die assoziationspsychologischen Darlegungen (47), wodurch die  "Jllusion der persönlichen Identität begreiflich gemacht werden soll, so wenig, daß das Postulat dieser Identität auch der deutlichen Einsicht gegenüber, daß ihm durch keine inhaltliche Erkenntnis des konstant Gleichen genügt werden kann, aufrechterhalten zu werden pflegt.

Der konstitutive Sinn der Kategorie der Identität entwickelt sich, wie schon diese kurzen Bemerkungen zeigen, zunächst in der Richtung der Denkformen der Dinghaftigkeit und der Substanz (48): aber die Identität erstreckt ihre Bedeutsamkeit auch in die andere Reihe der konstitutiven Kategorien, die der Kausalität. Hierüber seien zum Schluß noch einige Hinweise gestattet.

Schon das sogenannte Kausalitätsbedürfnis, womit wir zu jedem Neuen, das wir erleben, eine Ursache suchen, beruth psychogenetisch auf der Grundvoraussetzung von der Identität der Welt mit sich selbst. Das  thaumatein  [Verwunderung, Staunen - wp] erwächst daraus, daß etwas anderes geworden ist (49), und die Frage,  woher  das Neue kommt, setzt voraus, daß es, wenn auch in anderer Erscheinungsform, vorher schon dagewesen sein muß. Auf irgendeine, wenn auch meistens sehr unklare Weise wird also zwischen Ursache und Wirkung trotz ihrer Verschiedenheit, trotz des seit den Okkasionalisten und HUME anerkannten Mangels eines analytischen Zusammenhangs ihrer Inhalte, eine reale Identität gesetzt, und darin besteht der synthetische Charakter der Kategorie. Aus diesen Verhältnissen versteht es sich am einfachsten, daß die Kausalität des Ungleichartigen dem Nachdenken eine größere Schwierigkeit des Begreifens zu machen pflegt, als die des Gleichartigen. Andererseits aber fühlt sich das Identitätsbedürfnis im kausalen Denken am bestehen beruhigt, wenn es Ursache und Wirkung nicht nur in das Verhältnis qualitativer, sondern uch in das quantitativer Gleichheit setzen kann. Daher die Prävalenz des Prinzips "causa aequat effectum" [Ursache gleich Wirkung - wp] in der naturwissenschaftlichen Theorie. Typisch ist in dieser Hinsicht die cartesianische Vorstellungsweise des physischen Kausalprozesses, wonach es  dieselbe,  der Materie ein für allemal in einem unabänderlichen Quantum gegebene Bewegung ist, die bei der Berührung von Druck und Stoß partiell von Körper auf Körper übergeht. Dieses Prinzip der Erhaltung der Bewegung ist ebenso wie das von der Erhaltung der Substanz (in KANTs "Analogien der Erfahrung") oder wie das heutige der Erhaltung der Energie nur eine methodologisch in der Anpassung an die Erfahrungswissenschaft ausgearbeitete Spezifikation des Postulats der Identität der Welt mit sich selbst in allem Wechsel ihrer Erscheinungen, des alten eleatischen Prinzips.

Aber noch in einer anderen Richtung gräbt sich das allbeherrschende Postulat der Identität in das kausale Denken ein. Je ungleichartiger Ursache und Wirkung sind, je mehr das Fehlen ihres analytischen Zusammenhangs zutage tritt, umso deutlicher wird es, daß das bloße Zeitverhältnis, auch wenn es sich noch so oft tatsächlich wiederholt, die Notwendigkeit nicht begründen kann, die zu den unerläßlichen Merkmalen der Kategorie der Kausalität gehört. In diese Lücke tritt nun die Gleichmäßigkeit der sich wiederholenden Zeitfolgen, um als Prinzip der Identität im Geschehen die Notwendigkeit auszudrücken (50). Indem die Regelmäßigkeit, d. h. die Abhängigkeit jedes besonderen Geschehens von "einer Regel" in den Begriff der Kausalitätskategorie aufgenommen wird, so daß  ex definitione [der Definition entsprechend - wp] alles Geschehen als gesetzmäßig gedacht wird (51), verwandelt sich das Gleiche, das in der Mannigfaltigkeit der Tatsachen des Geschehens reflexiv als dessen Gattungsbegriff gedacht wird, in die reale Identität, die den Zusammenhang von Ursache und Wirkung bestimmt. Der Allgemeinbegriff des Geschehens "gilt" nicht mehr bloß im Sinne der reflexiven Kategorie für alle darunter begriffenen einzelnen Tatsachen, sondern er wird als bestimmende Gegenständlichkeit im Sinne einer konstitutiven Kategorie gedacht. Sobald wir im Begriff des  Gesetzes  eine gegenständliche Abhängigkeit des besonderen Geschehens von der "allgemeinen Regel" denken (und nur unter dieser Voraussetzung scheint das erfolgreiche Voraussehen von zukünftigen Erlebnissen begründet), haben wir die reflexive Gleichheit in die konstitutive Identität verwandelt. Wir können freilich den "Gesetzen" weder eine dinghafte noch eine funktionelle Realität im Sinne einer empirischen Weltvorstellung zuschreiben: aber wir können ihren Erkenntniswert ebensowenig auf jenes "Gelten" im Sinne der reflexiven Gleichheitsbegriffe des diskursiven Denkens einschränken. Wir müssen für diese Art des  ontos on [seiendes Sein - wp] (52) auch eine besondere Art des Wahrheitswertes ausfindig machen, ähnlich, wie sie PLATON für seine  ousia  als den Inbegriff der "geltenden" Gattungsbegriffe des Seins in Anspruch genommen hat. Was eine solche metaphysische Realität zu bedeuten hätte, soll hier nicht weiter verfolgt werden. Es genügt festzustellen, daß die uralten und ewig neuen Probleme, die zwischen Nominalismus und Realismus hin und her gewälzt werden, sich auf die einfache Formel bringen lassen: ob, wieweit und mit welchem Recht sich reflexive Beziehungen der Gleichheit in konstitutive Beziehungen der Identität umdeuten lassen.
LITERATUR - Wilhelm Windelband, Über Gleichheit und Identität, Sitzungsbericht der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Jahrgang 1910, Heidelberg 1910.
    Anmerkungen
    1) Vgl. KANT, Kritik der reinen Vernunft, Ausgabe B, § 26, Seite 159, Werke Bd. III, Seite 124
    2) EDUARD von HARTMANN, Kategorienlehre, 1896, Seite 198.
    3) HERMANN COHEN, Logik der reinen Erkenntnis, 1902, Seite 84f, 291, 416.
    4) COHEN, a. a. O., Seite 80f
    5) COHEN, a. a. O., Seite 189.
    6) ARISTOTELES, Metaphysik, 1021a, 10. Näher ausgeführt, mit ausdrücklicher Bezugnahme auf diese Bestimmungen in den  diaipetheis,  findet sich dasselbe auch in der Metaphysik 1054a, 29.
    7) Vgl. ARISTOTELES, Metaphysik, 1018 a, 7 (e tautotes enotes tis estin).
    8) ARISTOTELES, Metaphysik, 1054a, 31.
    9) ARISTOTELES, Kategorion, 6a, 26.
    10) Im fünften Buch der Nikomachischen Ethik; vgl. besonders daselbst 1131a, 11. Es ist aber besonders hervorzuheben, daß eben deshalb diese Ableitung bei ARISTOTELES nur für  eine  Art der Gerechtigkeit gilt (vgl. ebd. 1130b, 5f).
    11) Auch in der vortrefflichen Übertragung der Metaphysik von ADOLF LASSON (Jena 1907) ist, offenbar wegen des Mangels eines geeigneten deutschen Wortes "Ähnlichkeit" gewählt (Seite 191 und 307).
    12) ARISTOTELES, Metaphysik, 1018a, 15.
    13) Gelegentlich sei darauf hingewiesen, daß man die begrifflichen Formen, in denen der bekannte große kirchenpolitische Streit um das [?] ausgefochten wurde, völlig mißverstehen würde, wenn man in der Zusammensetzung  homoousios [Wesensgleichheit - wp] mit  homoion  auf Ähnlichkeit statt auf quantitative Gleichheit deuten wollte.
    14) Vgl. ARISTOTELES, Metaphysik 1054b, 3.
    15) COHEN, a. a. O., Seite 78f.
    16) Der Ausdruck "Einerleiheit", der dafür wohl gelegentlich vorgeschlagen worden ist, scheint mir wegen seines mitschwingenden Nebensinns nicht glücklich.
    17) Vgl. SIGWART, Logik II, Seite 34f
    18) Vgl. KANT, Kritik der reinen Vernunft, Ausgabe A, Seite 103, Werke IV, Seite 79.
    19) Das tritt mit großer Klarheit in KANTs  Transzendentaler Deduktion der reinen Verstandesbegriffe namentlich in der ersten Auflage, zutage.
    20) Vgl. COHEN, a. a. O., Seite 81
    21) Vgl. BOLZANO, Betrachtung über einige Gegenstände der Elementargeometrie, Seite 44, zitiert bei COHEN, a. a. O., Seite 85
    22) So hat auch BOLZANO a. a. O. definiert: "Die Verschiedenheit teile ich in die zwei kontradiktorischen Spezies: Gleichheit und Ungleichheit. Somit setzt Gleichheit die Verschiedenheit voraus."
    23) Vgl. von HARTMANN, Kategorienlehre, a. a. O., Seite 199
    24) In der eingangs erwähnten  Festschrift,  Seite 52.
    25) Formallogisch ausgedrückt: die begründende Gleichheit muß die Bedeutung eines Gattungsbegriffs haben, aus dem in irgendeiner Weise die zu begründende Gleichheit abgeleitet werden kann.
    26) SIGWART, Logik II, § 89, Seite 366f.
    27) Vgl. STEINTHAL, Abriß der Sprachwissenschaft I, Seite 118f, 401f und SIGWART, Logik I, § 7, Seite 7.
    28) Vgl. LOTZE, Logik, 1874, § 14f.
    29) HUME, Treatise II (Übersetzung LIPPS, Seite 67); vgl. übrigens, was für HUMEs Entwicklung bedeutsam ist,  Enquiry,  Abschnitt IV und VII.
    30) Vgl. meine Abhandlung in der SIGWART- Festschrift, a. a. O., Seite 52f.
    31) Vgl. ARISTOTELES, Nikomachische Ethik VIII, 14, 1161b, 31: eidi de tauto pos kai en dieremesis. Der Grieche hatte in den Gymnasien wohl täglich Gelegenheit, diese "Identität" des Familienwesens im Bau wie in der Bewegung von Vätern und Söhnen oder von Brüdern zu beobachten.
    32) PLATON, Thaetet. 185 c
    33) Vgl. auch PLATON, Sophistes, 254d
    34) PLATON, Phaedrus, 74f
    35) PLATON, ebd. 75a und 75b.
    36) HUME,  Treatise III,  Seite 1.
    37) LOTZE, Logik (1874), § 316f.
    38) Die Termini nach KANT, Logik, (hg. JÄSCHE), § 6.
    39) Wie sehr es sich dabei wesentlich um eine Beziehung zur Realität handelt, geht auch daraus hervor, daß, wo diese fortfällt, wie es tatsächlich für die Mathematik gilt, der Unterschied von Gleichheit und Identität aufhört. Das hat ARISTOTELES, Metaphysik 1054a, 35, angedeutet. Vgl. auch bei COHEN, a. a. O., Seite 291.
    40) OTTO LIEBMANN, Die Klimax der Theorien, 1884, Seite VII
    41) LEIBNIZ, Nouveaux Essais II, 27, 3. (Ausgabe Erdmann, Seite 278); siehe auch "Briefe an Clarke", 4, 4. E., Seite 755.
    42) Der antike Atomismus kommt hier nicht in Betracht; denn seine  atomoi  sollten zwar qualitativ gleich (in der einzigen Eigenschaft der Raumerfüllung oder Undurchdringlichkeit), aber quantitativ ungleich, von verschiedener Gestalt und Größe sein.
    43) LEIBNIZ, Nouveaux essais II, 27, 3. Erdm. 277; "Briefe an Clarke" 5, 24. E., Seite 765.
    44) Briefe an Clarke, 4, 5. E., Seite 755f. Vgl.  Monadologie,  § 9. E., Seite 705.
    45) KANT, Kritik der reinen Vernunft, Ausgabe A, Seite 271f und 281f; Werke IV, Seite 175f und 181f.
    46) Ein von LEIBNIZ gern herangezogenes Beispiel: Epistola ad Wagnerum, ERDMANN-Ausgabe, Seite 466.  Nouveaux essais II,  27, 4. E., Seite 278. Vgl. OTTO LIEBMANN, Gedanken und Tatsachen I, Seite 237.
    47) Vgl. z. B. HUME, Treatise IV, 6 und Anhang.
    48) Vgl. meine Abhandlung "Vom System der Kategorien" in der oben genannten Festschrift, Seite 56.
    49) Vgl. WILHELM HEUER, Kausalität und Notwendigkeit, Heidelberg 1907, Seite 25f.
    50) Eine Hindeutung auf dieses Verhältnis gibt TRENDELENBURG. Logische Untersuchungen II, Seite 188.
    51) KANT, Kr. d. r. V., Zweite Analogie der Erfahrung, Ausgabe A, Seite 189, Werke IV, Seite 128; sehr viel deutlicher und besser Ausgabe B, Seite 232, Werke III, Seite 166.
    52) Vgl. LOTZE, Logik (1874), § 317f.