cr-4tb-1Johann Georg HamannJakob Sigismund BeckCarl Leonhard Reinhold    
 
JOHANN GOTTFRIED HERDER
Eine Metakritik
zur Kritik der reinen Vernunft


"HÄGSA, die bekannte Zauberin, sprach weiter: Folge nicht dem Rat, den dir der Alte gab, munterer Jüngling, am wenigsten seiner Schlußwarnung. Sein Rat fordert Mühe und Aufmerksamkeit, in welcher er selbst rastlos umherwandert; ich fordere nichts, ich bringe dir Geschenke. Hier nimmt dieses kleine  Rohr;  aus ihm bläst du Formen; Formen der Sinnlichkeit und jedes möglichen Denkens vor allem Denken. Merk' auf! ich blase: Raum und Zeit, Kategorien der absoluten Notwendigkeit, Postulate allen Denkens. Siehe, wie hoch sie steigen, sie transzendieren... - Hier einen  Kasten  voll schöner Bilder, den echten  kritischen Idealismus.  Stelle dein Lichtlein hinein; alle Gegenstände der Welt werden nach deinem Willen erscheinen; Dann sei rasch und gibt ihnen Namen! bis sie sich zuletzt in ein angenehm-beruhigendes Nordlicht auflösen. Schau her, ich zünde das Licht an."

"Kabalen und Zünfte können die Wahrheit aufhalten und beleidigen; nie aber unterdrücken und vernichten. Eine Zeitlang darf man das Lied singen:  Fair is foul and foul is fair,  die Stunde aber geht vorüber."

Vorrede

Auf einer Reise ins Tal der akademischen Weisheit entschlief vor dem Eingang desselben ein ermatteter Jüngling. Der allenthalben umherziehende, spähende  Gedanke,  HUGO (1) (so erzählt die alte nordische Chronik) trat im Traum vor ihn, und als er die redliche Gesichtsbildung des Jünglings ersah; (die Wünsche seiner Eltern umschwebten ihn) sprach der vielerfahrene Wandersmann also: "Du steigst, o Jüngling, in ein Tal, wo dir nebst vielen Reizen und Verführungen, die beste und gefahrvollste Göttergabe, der Baum der Erkenntnis bevorsteht. Er prangt in einem Dornengehege mit lockenden bittersüßen Früchten. Vernimm von mir, dem Wanderer HUGO, drei kurze Worte, und grabe sie dir wie Runen in dein Gedächtnis:

Zuerst. Lerne kennen, ehe du entscheidest.  Ohne Gegenstände grübelt man in einer hohlen Nuß, und füllt sie mit Spinnweben, oder höhlt sie weiter zu Staub aus. Ich ziehe umher und spähe; deshalb nennt man mich den sinnenden Wanderer HUGO.

Zweitens. Verstehe war du hörst.  Verstand kommt dir nicht zu; er wohnt in dir. Du kennst ODINs Spruch: "das Herz allein weiß, was im Herzen ist; der Verstand selbst ists, der errät und faßt, was der Verstand sagt." Ohne ihn sprechen zu dir keine Runen, so viel Weisheit sie auch enthalten mögen. Deinen Verstand zu üben, lerne: denn Lernen ist Übung. Vermochte ein anderer zu denken, warum nicht du? Und kannst du einem andern anders nachdenken, als mittels deiner eigenen Gedanken und Worte? Wider ihren Willen sind alle Selbstdenker Despoten; sie drängen was sie dachten, mit Macht auf. Auch das drängen sie auf, was ihre eigenste Gedankenweise, Trümmer der Zeit, in welcher sie zu dieser Gedankenweise strebten, kurz ein Angehänge ist, das dir als dein Eigentum zu tragen nicht ziemt. Wie du dein Gesicht vor fremden Gebärden bewahrst, so halte deinen Mund von nachsprechenden Worten rein. Verstehe, was du hörst.

Drittens. Dir selbst lerne, keinem andern.  Hörst du um ein Pult, von welchem Jahre hin ein lauter Vortrag geschah, dem niemand einreden durfte,  Wortgeister  zischen, poltern, ja dem Lehrer selbst gebiten, daß er sagt, was er nicht sagen wollte, bloß weil er sich an diese Wortschälle, die er umherwälzt, gewöhnte; siehst du  Schatten,  seine alten Jugendfreunde daherschleichen, die er unbesehen aufnimmt und einführt; (leicht erkennst du sie in den Worten, die unversehens wiederkommen, und die er am liebsten braucht;) vor diesen hüte dich am meisten. Ihm mögen sie zulässig sein; was sollen sie aber, wenn du in deine Welt zurückkehrst, Dir? Was würden die Deinigen, was deine Geschäfte sagen, wenn du mit einem Gewand solcher Art bekleidet, begleitet von diesen Larven, vor ihnen erscheinst? Denke, daß du dieses Tal verlassen mußt, daß du dir selbst, deiner künftigen Bestimmung, der Welt lernst. Es  ist  eine Welt mein Sohn, die du weder erschaffen hast, noch erschaffen kannst und sollst; lerne sie kennen, werde ihr brauchbar." Er legte den Finger an des Jünglings Stirn, blickte ihn väterlich an und wanderte weiter.

Im nämlichen Augenblick trat eine Unholdin vor den Schafenden, HÄGSA, (2) die bekannte Zauberin, die sich Weib des sinnenden HUGO nennt, obgleich seine böseste Feindin. Dreimal bezeichnete sie ihn mit schnellen Worten: "dies für die Sinnenwelt! dies für den Verstand! dies für die Verunft!" und sprach weiter:

"Folge nicht dem Rat, den dir der Alte gab, munterer Jüngling, am wenigsten seiner Schlußwarnung. Sein Rat fordert Mühe und Aufmerksamkeit, in welcher er selbst rastlos umherwandert; ich fordere nichts, ich bringe dir Geschenke. Hier nimmt dieses kleine  Rohr;  aus ihm bläst du Formen; Formen der Sinnlichkeit und jedes möglichen Denkens vor allem Denken. Merk' auf! ich blase: Raum und Zeit, Kategorien der absoluten Notwendigkeit, Postulate allen Denkens. Siehe, wie hoch sie steigen, sie transzendieren.. - Hier einen  Kasten  voll schöner Bilder, den echten  kritischen Idealismus.  Stelle dein Lichtlein hinein; alle Gegenstände der Welt werden nach deinem Willen erscheinen; (Dann sei rasch und gibt ihnen Namen!) bis sie sich zuletzt in ein angenehm-beruhigendes Nordlicht auflösen. Schau her, ich zünde das Licht an. - "Sofort erschienen Gesichte auf Gesichte; die rasche Gesetzgeberin der Natur nannte und nannte." Nun siehe, sprach sie, das wahre Bild der Vernunft, ein  mit sich selbst kämpfendes Nordlicht.  Siehst du die Speere, die Spieße, die gegeneinander rennen, verschwinden, und sich neu verwandeln? Sie sind das Regulativ der Vernunft, aus einem Brennpunkt der Imagination entspringend, auf einen Brennpunkt der Imagination jenseits aller Grenzen des menschlichen Wissens, die absolute Vollständigkeit, hinspielend. Erleuchte dieses Kästchen für die Geweihten; ihr Grauen vor der Dunkelheit wird sich zuletzt in ein angenehmes Staunen über den Imaginationsbrennpunkt der absoluten Allheit jenseits aller Grenzen der menschlichen Vernunft sanft verlieren. So weit warf noch niemand Geschoß und Pfeile; seitdem aber der Weg offen ist, (es ist jetzt der einzig offene Weg) schwingt jeder Zaunkönig sich mit allgütiger Vollmacht der absoluten Welt- und Wortallheit entgegen, überfliegend bei weitem den Erfinder des Weges. - Hier in drittes schönes Geschenkt, die vierfachgeflochtene  Disziplinargeißel  für die reine Vernunft: denn diese ist ohne allen Kanon. Durch sie, (gegen andere, nicht gegen dich geschwungen; denn du magst allgültige Dogmen und Hypothesen vortragen, so viel du willst!) durch sie wirst du furchtbar. - Und dann das prächtigste von allen, den Plan und Riß zur  Architektonik alles künftigen möglichen Erkennens und Wissens aller Seelenkräfte.  Umfang, Grund, Höhe, alles ist gezeichnet; keine Linie, keinen Zoll können sie weiter. Schau auf." Und es erschien die glänzendste  Fata Morgana.  Zerbrochene Säulen, umgekehrte Häuser, Paläste und Schiffe, zerrissene, schwebende Brücken, Gestalten aus dem Palast  Palagonia;  der Jüngling fuhr zusammen im Traum, voll widernden Schauers. "Das sind, sprach HÄGSA, die älteren philosophischen Systeme, wie man sie kritisch vorstellt und auch du vorstellen mußt; es macht Eindruck. Nun sieh weiter:" - Und es erschien die ganze neue  Architektonik.  (Hier fehlen der Chronik Blätter, bis HÄGSA fortfährt:) "Jetzt noch mit meinem Feenkuß ein kleines niedliches Andenken, ein  Messer  zum Zerspalten, voll magischer Kraft! Was je eine Feder schrieb, nicht etwa nur Worte; Silben, Buchstaben, Spinnengewebe möglich-unmöglicher, unmöglich-möglicher Gedanken kansnt du mit ihm zertrennen, zerschneiden; ja du  mußt.  Ganz ist jede Sache nur für den gemeinen Verstand; erst muß das philosophische Messer  a priori  sein Werk tun, damit man aus bloßen Begriffen urteile, wenn dem kritischen Idealisten einerseits das dinglose Ding, andernteils das Alldingvolle Unding erscheinen soll. (3) Doch du begreifst diese Geheimnisse noch nicht, schlafender Jüngling; ich schiede, und bleibe doch bei dir. Meine Jungfrauen werden meine Stelle vertreten." Ein Wink, und sie erscheinen.  Ungemut,  die stolze,  Modesucht,  die begeisterte, und ihre jüngste gewandteste Schwester, die  Kabale  erhoben tanzend sich in die Lüfte. So einen Zaubertanz sah niemand: denn was wir (sagt der Chronikschreiber) seit verschiedenen Jahren lasen, sind nur grobe Stellungen dieses Tanzes. "Schau", sprach HÄGSA, diese Huldinnen; sie werden dich zu einem Haus führen, woher dein Ruhm, der Ruhm selbst deiner ungeborenen Säuglinge, erschallen wird in alle Winde. Es heißt das  Buchstabenhaus,  von den hohen  Asen  die  Runenburg  genannt, wo alle meine Lieblinge absteigen. Gedenke meiner." Hier verschwand HÄGSA.

Was der erwachende Jüngling getan hat, wird der Vorrede zur  Metakritik der Urteilskraft,  d. h. zur Kritik der kritischen Kraft anvertraut werden. Jetzt sind wir nur noch bei einer Vorrede zur  Metakritik der Vernunftkritik,  d. h. des Kriteriums aller Kritik, ohne Kriterium, ohne Kanon und Regel.

 Metakritik  also; der Name erklärt sich selbst. "Der kritische Weg ist allein noch offen," und vor Ablauf des Jahrhunderts, wo alles beendet sein muß, soll jeder dazu das Seinige beitragen, sagt der Verfasser der Vernunftkritik selbst. (4)

Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft;  von einem Buch ist also die Rede, von keinem Verfasser. Noch weniger von eines Verfassers Gaben und Absicht; sondern von eines Buches Inhalt und Wirkung. Wer diese Begriffe verwirrt, und den Verfasser zum Buch, das Buch zum Verfasser macht, weiß weder von reiner Vernunft, noch von Kritik und Metakritik etwas.

Auch soll und kann, dieser Metakritik wegen, die  Kritik der reinen Vernunft,  der angenommene Kodex der kritischen Schule, in keiner Zeile geändert werden: denn es ist ein Denkmal der Zeit, ein Muster kunstreicher Buchstabendichtung. Auch der Schreibart nach ist es, (nach mehrerer Erkritiker entscheidendem Ausspruch) das höchste Vorbild philosophischer Ordnung und Kürze, Bündigkeit und Klarheit.

Die aus der "Kritik der reinen Vernunft" der Metakritik eingerückten Stellen sind also ihre notdürftige Basis. Mit Schrift unterschieden mußten diese Stellen werden, damit niemand sage, daß man dem Verfasser einen falschen Verstand andichtet oder im seine Gedanken raubt: denn hier spricht er selbst und zwar im Zusammenhang, ohne Zwischenrede. Den Kern seiner Schrift auszuheben, war der Metakritik größte Sorge.

Mit den bisherigen Kommentatoren der kritischen Philosophie hat sich die Metakritik ganz unverworren gelassen, und fast keinen davon hat ihr Verfasser gelesen. Seit länger als dreißig Jahren kannte er die Grundsätze, aus denen die Kritik der reinen Vernunft selbst entsprossen ist, in Keim und Blüten; also  solus et totus, pendet ab ore Magistri  [das Einzelne und Allgemeine wie es der Meister will - wp]

"Für wen diese Metakritik sein soll und sein wird?" Für die kritische Schule nicht; sie hat sich, wie sie selbst gesteht, in dieses System  hineinstudiert,  und muß seinen  cant  [Gaunersprache - wp] reden. Verbiete dem Raben, der den Imperativ mit Mühe gelernt hat, sein  salve  und er hat nichts mehr zu sagen.

Außer dieser Schule aber gibt es eine Nation; eine Nation unparteiischer Leser. Zu ihnen, Männern und Jünglingen, spricht mit kalter Zuversicht, (denn es wäre eine Beleidigung der Nation an ihrem Menschensinn zu verzagen) zu ihnen spricht der ihnen Innewohnende, ihr helleres Selbst, der Verstand also:
    "das ists mit den Formen und Denkformen, mit den Amphibolien und Antinomien, mit der Disziplinierung und Architektonik; lies. Die Dichtungen zerfallen, ehe du sie anregst; sie bestehen weder in sich, noch miteinander. Frage darüber dich selbst, deine Sinne, deinen Verstand, deine Vernunft; sie haben unverjährbare Rechte. Wollen jene in leere Formen, der Verstand in ein sinnloses Buchstabieren, die Vernunft in eine Betrügerin ohne Kanon, ohne End und Zweck, (als den endlosen Betrug selbst) transsubstanziiert sein? Als wirkliche, edle Kräfte, haben sie Regeln ihres Gebrauchs in sich, und eine andere Tendenze, als die ihnen der kritische Philosoph andichtet." -
Sollte der Verstand, wenn er so spricht, (durchgängig ein Antipode kritischer Übervernunft,) der keinen Verstand ohne eine Verständliches, kein Erkennen ohne ein Erkennbares, kein  prius  ohne ein  posterius  denkbar findet, und eben dadurch dem Verstand seine Priorität, der Sprache ihre Bedeutung, der Erfahrung ihre Unmittelbarkeit bewährt, dagegen jeden leeren Wortschaum, wie eine niedergelassene Schnuppe, oder wie die Staubfäden des Löwenzahns wegblöst, sollte er mit einer Stimme, die in jedem Verstand, in der gesamten Sprache, aus aller inneren und äußeren Erfahrung widerhallt, kein Gehör finden? Eine Nation ist keine Schule;, Kabalen und Zünfte können die Wahrheit aufhalten und beleidigen; nie aber unterdrücken und vernichten. Eine Zeitlang darf man das Lied singen:  Fair is foul and foul is fair,  die Stunde aber geht vorüber.

The charm's wound up [Der Reiz des Aufgewickelten - wp]. Zwölf Jahre hat die kritische Philosophie ihre Rolle gespielt, und wir sehen die Früchte. Welcher Vater (jeder frage sich selbst) wünscht, daß sein Sohn ein Autonom kritischer Art, ein Metaphysikus der Natur und Tugend, ein dialektischer oder gar Revolutionsrabulist nach kritischem Schlag werde? Nun seht umher und lest. Welches jüngere Buch, welcher Wissenschaft ist mehr oder minder mit Flecken dieser Art nicht bedeckt, und wie manche edle Talente sind (wir hoffen, nur auf eine Zeit) zugrunde gerichtet; auswärtige Nationen höhnen uns: "seid ihr da, ihr Deutsche, die ihr in manchem so weit wart? Ihr spekuliert, wie es irgendmöglich ist, daß euer Verstand werde? und wie Ihr etwa dazu gelangen möchtet? Ungewordene Nation, an wie andere Dinge solltest du denken."

Der Zauber ist vorüber. Daß man dieser Philosophie ein so zutrauendes günstiges Ohr lieh, geschah in großer und guter Erwartung. Sie versprach so viel; anmaßend drängte sie sich auf; was hat sie geleistet? Mit Protesten gegen allen Dogmatismus ist sie die absprechendste Gebieterin in einer Sprache geworden, die sich vorher keine Schule erlaubte. Außer ihr ist kein Heil, kein  plus  und  minus  menschlicher Bestrebung. Sie hat den Schatz gefunden, ihre gemeinsten Auswürfe sind Goldstücke der Wahrheit. Was sie nicht gesagt hat, gilt nicht, bis sie es sagte.

The charm's wound up. Verlacht werden die Ausflüchte: "man habe den Meister nicht verstanden; wallfahrten müssen man zu ihm, um den authentischen Sinn der Gesetzgeber der Natur, Vernunft und Tugend zu vernehmen." Wer verstanden werden will, schreibe verständlich, und hier hätte man verstehen können seit der ersten Zeile. Jetzt steht der Bau da; Pflicht ist es, und wie zu hoffen ist, heilbringende Pflicht, ihn zu durchgehen und mit strengster Unparteilichkeit zu prüfen. "Nichts kann den Fortschritt des Wissens mehr behindern als die schlechte Arbeit eines berühmten Autors, denn bevor man belehrt wird, muß man sich erst von der Irritation befreien", sagt MONTESQUIEU.

"Aber welche Anmaßung!" - Keine Anmaßung! Überzeugt, daß jeder spekulative Begriff verständlich gemacht werden kann und muß, weil ein nebliges Wortgespinst weder Kritik noch Philosophie ist; überzeugt, daß was wir von unserem Verstand wissen,  alle  wissen und sich deutlich machen können, daß also auch der sogenannten  ersten Philosophie,  (Metaphysik genannt,) nicht anders zu helfen ist, als daß sie, völlig sektenlos wie die Mathematik, rein von jedem unverständlichen Wortnebel, eine klare Exposition der ersten Begriff unseres Verstandes und unserer Vernunft, mithin wirklich  erste und letzte Philosophie,  eine reine  Sprache des anerkennenden Verstandes  werde; überzeugt hiervon, glaubt der Verfasser der Metakritik, nicht nur, daß jeder andere sie hätte schreiben  können,  sondern bescheidet sich auch, daß mancher andere sie besser, nicht aber redlicher als er, hätte schreiben  mögen.  Anmaßungen zu widersprechen ist keine Anmaßung; einer eitlen Dialektik, die uns unseres Verstandes entheben, statt desse aber uns ihre Wortschemen als vollendete höchste Resultate allen Denkens aufdrängen will, ihr entgegenzutreten, von ihrem Unrat die mißbrauchte Sprache zu säubern, und den Menschensinn darauf zu führen, was er ohne dialektische Biegung und Winkelhaken, seiner Erfahrung, seinem innersten Bewußtsein nach denkt und sagt; nicht Anmaßung ist dies, sondern Pflicht. Wer einer Nation ihre Sprache verkünstelt, (mit welchem Scharfsinn es auch geschieht,) hat das Werkzeug ihrer Vernunft verderbt und ihn  verleidet;  einer Menge von Jünglingen hat er ihr edelstes Organ verstümmelt, und den Verstand selbst, dessen Gebiet sich den Spekulationen nie abschließen kann, irregeleitet. Hätten wir aber eine größere Pflicht und Gabe, als den freien innigen Gebrauch unseres Verstandes?  Protestantismus  ist also die Metakritik; sie protestiert gegen jedes der Vernunft und Sprache ebenso unkritisch als unphilosophisch aufgedrängte  Satzungspapsttum;  sie protestiert gegen die dialektischen Nebelkünste der HÄGSA.  Laudandus  PLATO,  laudandus  ARISTOTELES; prae omnibus  veritas colenda urgenda, intime amanda. 




I.
Titel und Einleitung

 "Kritik der reinen Vernunft;"  (5) der Titel befremdet. Ein Vermögen der menschlichen Natur kritisiert man nicht; sondern man untersucht, bestimmt, begrenzt es, zeigt seinen Gebrauch und Mißbrauch. Künste, Wissenschaften, als Werke der Menschen betrachtet, kritisiert man, entweder in ihnen selbst oder in ihren Hervorbringungen; nicht aber Naturvermögen. (6)

Den Schülern des großen Mannes, der eine  "Kritik der reinen Vernunft, der Urteilskraft"  usw. schrieb, ist jedoch dieser Name so lieb geworden, daß sie nicht nur Kritiken über Natur- und Übernatur-Vermögen schrieben, sondern sich unterscheidend  kritische  Philosophen nannten, und alle, wenigstens die höchste Philosophie zuletzt, in eine Kritik dieser Vermögen setzten. Diese  kritische Philosophie,  sagt man, sei die einzig-mögliche, die einzig-wahre.

Wohlan dann! Eben der ungewohnte Name legt eine größere Pflicht auf. Jeder Richter, er richte Naturvermögen oder Kunstwerke, muß von einem  klar Gegebenen  aus gehen und nicht ruhen, bis dieses Gegebene deutlich bestimmt ist. Er muß nach einem  Gesetz  richten, dieses in seinen Urteilsgründen deutlich angeben und genau anwenden. Endlich muß sein Urteil selbst  klar, gewiß,  aus dem Gegebenen nach der ihm gegebenen Norm  entsprungen  sein; oder es wird  geläutert. 

Jede Läuterung unterwirft sich denselben Gesetzen; und da der Verfasser der Kritik der reinen Vernunft seine Schrift als das Werk anführt, "welches das reine Vernunftvermögen in seinem ganzen Umfang und Grenzen  darstellt,"  (7) so darf und kann es nicht anders als mit Prüfung, d. h. kritisch gelesen werden. Die Anmerkungen, die daher entspringen, können keinen bescheideneren Namen als  Metakritik,  d. h. Kritik der Kritik führen.

Wenn aber Vernunft kritisiert werden soll; von wem kann sie es werden? Nicht anders als von ihr selbst; mithin ist sie Partei und Richter. Und wonach kann sie gerichtet werden? Nicht anders als nach sich selbst? mithin ist sie auch Gesetz und Zeuge. Sofort erblick man die Schwierigkeit dieses Richteramtes.

Um uns diese zu erleichtern, stellen wir fest:

Erstens.  Von keiner als der  menschlichen  Vernunft ist hier die Rede. Wir kennen keine andere, besitzen keine andere; in der menschlichen Vernunft eine höhere, allgemeinere als die Menschenvernunft richten, hieße die Vernunft selbst transzendieren.

Zweitens.  Menschliche Vernunft können wir zwar in Gedanken und Worten zu einem gewissen Zweck von anderen Kräften unserer Natur fordern; nie aber dürfen wir vergessen, daß sie in ihr abgesondert von anderen Kräften nicht existiert. Es ist dieselbe Seele, die denkt und will, die versteht und empfindet, die Vernunft übt und begehrt. Alle diese Kräfte sind nicht nur im Gebrauch, sondern auch in ihrer Entwicklung, vielleicht auch in ihrem Ursprung einander so nah, so mitwirkend und verwickelt ineinander, daß wir nicht glauben dürfen, wir haben ein anderes Subjekt genannt, wenn wir eine andere Verrichtung desselben nannten. Mit Namen zimmern wir keine Fächer in unserer Seele; wir teilen sie nicht ein, sondern bezeichnen ihre Wirkungen, die Anwendung ihrer Kräfte, die empfindende und sich Bilder erschaffende, die denkende und sich Grundsätze erschaffende Seele sind  ein  lebendiges Vermögen in verschiedener Wirkung.

Drittens.  Die menschliche Seele denkt  mit Worten;  sie äußert nicht nur, sondern sie bezeichnet sich selbst auch und ordnet ihre Gedanken mittels der  Sprache.  Sprache, sagt LEIBNIZ, ist der Spiegel des menschlichen Verstandes, und, wie man kühn hinzusetzen darf, ein Fundbuch seiner Begriffe, ein nicht nur gewohntes, sondern unentbehrliches Werkzeug seiner Vernunft. (8) Mittels der Sprache lernten wir denken, durch sie sondern wir Begriffe ab und knüpfen sie oft haufenweise ineinander. In Sachen der reinen oder unreinen Vernunft also muß dieser alte, allgemeingültige und notwendige Zeuge abgehört werden, und nie dürfen wir uns, wenn von einem Begriff die Rede ist, seines Heroldes und Stellvertreters, des ihn bezeichnenden  Wortes,  schämen. Oft zeigt uns dieses, wie wir zum Begriff gelangt sind, was er bedeutet - woran es ihm fehlt. Konstruiert der Mathematiker seine Begriffe durch Linien; Zahlen, Buchstaben und andere Zeichen, obgleich er weiß, daß er keinen mathematischen Punkt machen, keine mathematische Linie ziehen kann und eine Reihe anderer Charaktere von ihm gar willkürlich angenommen sind; wie sollte der Vernunftrichter das Mittel übersehen, durch welches die Vernunft eben ihr Werk hervorbringt, festhält, vollendet? Ein großer Teil der Mißverständnisse, Widersprüche und Ungereimtheiten also, die man der Vernunft zuschreibt, wird wahrscheinlich nicht an ihr, sondern am mangelhaften oder von ihr schlecht gebrauchten Werkzeuge der Sprache liegen, wie das Wort  Widerspruch  selbst sagt.

Glaube niemand, daß die hohe Kritik der reinen Vernunft hierdurch erniedrigt, und die feinste Spekulation zur  Grammatik  werde. Es wäre gut, wenn sie in allem dies werden könnte: worauf auf LEIBNIZ mit seiner Charakteristik ausging. Dem großen Sprachkenner, Sprachenforcher, Sprachenvergleicher war, wie hundert seiner Bemühungen zeigen, die Bezeichnung unserer Begriffe in ihren  Ableitungen  sowohl als  Komplikation  die letzte und höchste Philosophie. Auch dem weisen LOCKE, (wie seine Nation ihn ehrenhaft nennt) war das Organon unserer Vernunft, die Sprache, nicht gleichgültig. Nicht nur das dritte Buch seines bescheiden sogenannten  Versuchs, den menschlichen Verstand betreffend,  handelt von der Natur, dem Gebrauch, der Bedeutsamkeit der Worte; sondern er bekennt selbst das Mangelhafte seines Versuchs auch deshalb, daß er zu spät an dieses unentbehrliche Mittel der menschlichen Erkenntnisse gedacht hat.
    "Als ich diesen Diskurs über den menschlichen Verstand begann und eine gute Weile nachher, kam mir nicht der mindeste Gedanke, daß Worte in Betracht zu ziehen dabei irgendwie nötig wäre; sobald ich aber die einfachen und die zusammengesetzten Idee unseres Verstandes durchwandelt hatte, und den Umfang sowohl als die Gewißheit unserer Erkenntnisse zu untersuchen anfing, fand ich eine so nahe Verbindung zwischen Erkenntnissen und Worten, daß, falls man nicht zuvor die Kraft und Bedeutungsart der Worte wohl bemerkte, über menschliche Erkenntnis äußerst wenig klar und gehörig gesagt werden kann. Zwar geht dies auf  Dinge  hinaus; größtenteils aber geschieht es so sehr durch  Worte,  daß von unseren allgemeinen Begriffen  Worte  kaum trennbar scheinen."
So LOCKE und ein scharfsehender Sprachforscher seiner Nation hat sogar den Gedanken geäußert, daß der Philosoph seinen  Versuch über den menschlichen Verstand  lieber einen  grammatischen Versuch,  einen  Traktat über Worte  hätte nennen mögen. "Nach ARISTOTELES' Urteil, sagt SKALIGER, war Grammatik nicht nur, was kein Gesunder leugnen wird, ein Teil der Philosophie, sondern sie selbst hielt er von der Grammatik untrennbar. Er, ARISTOTELES, bessert oft, oft untersucht und erklärt er Ausdrücke; oft schafft er solche. In einem fortgehenden Kommentar war er beflissen, die mancherlei Arten der Bedeutung der Worte uns wissen zu machen ..." - Von PLATO ist bekannt, welch hohen Wert er der Sprache beilegte, so daß er, um Begriffe zu erforschen, mehrmals, auch unglücklich, etymologisierte. Die Stoiker desgleichen. Überhaupt drückten die Griechen  Vernunft  und  Rede  mit  einem  Wort aus,  logos. 

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Es ist Zeit, vom Titel zum Buch selbst zu kommen, die  Einleitung  zeigt den Zweck desselben.

I. "Vom Unterschied der reinen und empirischen Erkenntnis."

Wenn gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle  aus  der Erfahrung. Denn,  es könnte wohl sein,  daß selbst unsere Erfahrungserkenntnis ein  Zusammengesetztes  aus dem sei, was wir durch Eindrücke empfangen, und dem, was unser eigenes Erkenntnisvermögen (durch sinnliche Eindrücke bloß veranlaßt) aus sich hergibt, welchen Zusatz wir von jenem Grundstoff nicht eher unterscheiden, als bis eine lange Übung uns darauf aufmersam und zur Absonderung desselben bekannt gemacht hat.

Bekannt ist es, daß mit gleichen oder ähnlichen Ausdrücken LEIBNIZ dies sagte. "Es frägt sich, heißt es in seinem lesenswerten Werk über LOCKE, ob die Seele an sich selbst eine unbeschriebene Tafel, und ob das, was in sie gezeichnet ist, lediglich von den Sinnen und aus der Erfahrung kommt? Oder ob sie selbst ursprünglich die Prinzipien vieler Notionen und Lehren enthält, welche die äußeren Gegenstände in ihr bloß erweckten? Ob alle Wahrheiten von der Erfahrung abhängen, oder ob es Wahrheiten gibt, die ein anderes Fundament haben? Denn wenn einige Ereignisse vor aller Probe, die man darüber macht, vorausgesehen werden können, so ist offenbar, daß wir dazu etwas unseren Teil beitragen. Die Sinne, so notwendig sie zu allen unseren wirklichen Kenntnissen sind, reichen doch nicht hin, um uns alle Erkenntnisse zu geben; immer geben sie nur Exempel, d. h. besondere oder individuelle Wahrheiten. Alle Exempfel aber, die eine allgemeine Wahrheit bekräftigen, wie zahlreich sie auch sein mögen, reichen nicht hin, um die allgemeine Notwendigkeit dieser Wahrheit zu begründen ..." Da LEIBNIZ in dieser Hinsicht alle von LOCKE vorgeführten Ideen mit seltener Geduld prüfte: so durfte EBERHARD mit Recht sagen, daß die LEIBNIZsche Philosophie eben sowohl eine Vernunftkritik als die neuere enthalte, (sie liegt in diesem Werk der Welt vor Augen,) obgleich daraus noch nicht folgt, daß durch sie alle neuere Kritik entbehrlich gemacht worden ist. (9) Die Vernunft wird sich kritisieren und  jede  Kritik derselben muß sich gefallen lassen, kritisiert zu werden, solange es Vernunft und Kritik gibt. War ihre Rechnung richtig, warum sollte sie sich scheuen, aufs Neue überrechnet zu werden?

Wenn aber eben diese Frage, die auch LEIBNIZ aufwarf, so ausgedrückt werden will: "ob es eine von der Erfahrung und selbst von allen Eindrücken der Sinne unabhängige Erkenntnis gibt?" und diese Erkenntnisse  a priori  mit der Bestimmung genannt werden, "daß sie schlechterdings von aller Erfahrung  unabhängig  stattfinden, und ihnen gar nichts Empirisches  beigemischt  ist;" (10) so enthält sie etwas, was in jener Frage nicht war. Dort wurde angenommen, daß sinnliche Eindrücke  veranlassen,  daß, wie LEIBNIZ sagt, äußere Gegenstände Begriffe  erwecken,  mithin diese Erkenntnisse und Begriffe, auch wenn sie in der zehnten höheren Potenz erscheinen, von allen Eindrücken der Sinne, von aller vorhergegangenen Erfahrung nicht ganz  unabhängig  wären; hier sollen sie es schlechterdings sein und nur dann, wenn sie es sind,  a priori  heißen. Es ist zu zweifeln, daß ein einziger solcher Begriff in unserer Seele stattfindet; wenigstens ist gewiß, daß das Wort  a priori  in keiner menschlichen Wissenschaft, selbst nicht in der Mathematik, diese Strenge mit sich führt. Sätze und Schlüsse erkenne ich in ihr  a priori,  d. h. kraft meiner Vernunft erkenne ich die in ihnen liegenden Wahrheiten durch sich selsbt an; obgleich ihr Material, Körper, Flächen, Linien, Figuren, durch welche ich den Begriff forme und in solche allein habe, auch wenn ich sie im Verstand konstruiere, mir nur als ein  posterius  gegeben waren. Im gemeinen Gebrauch bezieht sich das Wort  a priori  nur auf das  was folgt;  bloß in Beziehung hierauf heißt es  a priori:  denn aus dem Leeren schließt sich nichts. Woher dieses  prius  ist? ob eine  Erfahrung,  d. h. ein  inneres Datum  nach den Regeln meines Verstandes, oder  ein äußeres  nach Maßgabe meiner Sinne? wird damit nicht ausgemacht. Sich von sich selbst abhängig zu machen, d. h. sich aus aller ursprünglichen, inneren und äußeren Erfahrung hinauszusetzen; von allem Empirischen frei über sich selbst sich  hinaus zu denken,  vermag niemand. Das wäre ein  prius  vor allem  a priori;  damit hörte, ehe sie anfing, die Menschenvernunft auf.


II. "Wir sind im Besitz gewisser Erkenntnisse  a priori, 
und selbst der gemeine Verstand ist niemals ohne solche."
(11)

Solche Erkenntnisse sind nach diesem Buch  zuerst  "Sätze, die mit ihrer Notwendigkeit in strenger Allgemeinheit gedacht werden, und auch von notwendigen Sätzen abgeleitet sind; dergleichen sind alle Sätze der Mathematik." Auch aus dem gemeinen Verstandesgebrauch führt es den Satz an, "daß alle Veränderung eine Ursache haben muß. Hier enthält der Begriff einer  Ursache  so offenbar den Begriff einer Notwendigkeit der Verknüpfung mit einer Wirkung und einer strengen Allgemeinheit der Regel, daß er gänzlich verloren gehen würde, wenn man ihn von einer öfteren Beigesellung dessen, was geschieht, mit dem, was vorhergeht, ableiten wollte." - Dieses Exempel beiseite gelassen, gibt es allerdings unter der Form des  Notwendigen  und  Allgemeinen  ausgesprochene gemeine Wahrheiten in der menschlichen Seele und Sätze  der  Art in der menschlichen Sprache; woher aber ihre Notwendigkeit entspringt? wie weit ihre Allgemeinheit reicht? endlich, da alle allgemeinen Sätze sich zuletzt auf einfache Begriffe müssen zurückführen lassen, woher und welcher Art sind diese? kurz, das  primum  dieses  a priori  ist eben die Frage.

Außer den  Urteilen  findet die Kritik auch in  Begriffen  einen Ursprung  a priori,  wie z. B. im Begriff des  Raums,  der  Substanz  usw. Ob und wiefern dies wohl von aller Erfahrung  unabhängige  Begriffe sind? bleibt gleichermaßen die  Frage. 


III. "Die Philosophie bedarf einer Wissenschaften, welche die Möglichkeit,
die Prinzipien und den Umfang aller Erkenntnisse  a priori,  bestimmt."
(12)

Allerdings bedarf sie solche, und solange es Philosophie gab, hat man sich darum bemüht. Nicht  als ob  die Frage selbst, wie nämlich "Erkenntnisse  a priori  möglich sind? auf welchen Prinzipien sie beruhen? und von welchem Umfang sie sein können?" so hoch über uns hinaus läge: denn wirhaben ja  uns selbst  und dürfen unsere Erkenntnisse nur prüfen; sondern weil allgemeine Behauptungen hierüber wenig helfen, wenn nicht zugleich die Erkenntnisse gesondert und geordnet, in Reihen auf ihren Ursprung zurück- durch Stufen und Arten durchgeführt, in Symbolen, welcherlei diese auch sein mögen, gezeigt, und sodann aus der Natur des menschlichen Verstandes klar gemacht werde, was in ihnen ein  prius  oder  posterius  ist. Da nun derselbe  eine  menschliche Verstand in mancherlei Sprachen seine Begriffe anders konstruiert, d. h. bindet, trennt und andeutet, da mit den Zeiten sich die Bedeutung des Symbols ändert und jetzt diesem, jetzt jenem Nebenbegriff Raum gibt, da endlich gerade mit abgezogenen, allgemeinen Begriffen der Leersinn der Menschen am meisten spielt, so wird jene leichte Wissenschaft, welche die Möglichkeit, die Prinzipien und den Umfang aller Erkenntnisse  a priori  bestimmt, erschwert.


IV. "Vom Unterschied analytischer und synthetischer Urteile." (13)

Da auf diesen Unterschied, als auf den Schlüssel zum großen Geheimnis der transzendentalen Philosophie, alles ankommt (14), so läßt uns die Kritik darüber ausführlich hören.

Analytische Urteile sind diejenigen, in welchen die Verknüpfung des Prädikats mit dem Subjekt durch Identität, diejenigen aber, in denen diese Verknüpfung ohne Identität gedacht wird,  sollen  synthetische Urteile heißen. Die erstere könnte man auch  Erläuterungs-,  die anderen  Erweiterungsurteile  heißen, weil je durch das Prädikat nichts zum Begriff des Subjekts hinzutun; sondern diesen nur durch Zergliederung in seine Teilbegriffe zerfällen, die in selbigem schon, obgleich verworren, gedacht waren; dagegen die letztere zum Begriff des Subjekts ein Prädikat hinzutun,  welches in jenem gar nicht gedacht war,  und durch keine Zergliederung desselben hätte können  herausgezogen  werden. Zum Beispiel wenn ich sage: alle Körper sind ausgedehnt, so ist das ein analytisches, dagegen wenn ich sage: alle Körper sind schwer, ein synthetisches Urteil.

Erfahrungsurteile als solche sind insgesamt synthetisch. Es ist die Erfahrung, worauf sich die Möglichkeit der Synthesis des Prädikats der Schwere mit dem Begriff des Körpers gründet, weil beide Begriffe, obwohl einer nicht im andern enthalten ist, dennoch als Teile eines Ganzen, nämlich der Erfahrung, die selbst eine synthetische Verbindung der Anschauungen ist, zueinander, wiewohl nur  zufälligerweise  gehören.

Aber bei synthetischen Urteilen  a priori  fehlt dieses Hilfsmittel ganz und gar. Man nehme den Satz: alles, was geschieht, hat seine Ursache. Der Begriff einer Ursache liegt ganz  außer  jenem Begriff und jetzt zeigt etwas von dem was geschieht  Verschiedenes  an, ist also in dieser letzteren Vorstellung gar nicht enthalten. Wie komme ich denn dazu, von dem was überhaupt geschieht, etwas davon ganz Verschiedenes zu sagen, und den Begriff der Ursache, obwohl in jenem nicht enthalten, dennoch als dazu und sogar notwendig gehörig zu erkennen? Was ist hier das Unbekannte  = X,  worauf sich der Verstand stützt wenn er außer dem Begriff von  A  ein demselben Prädikat  B  aufzufinden glaubt, welches er gleichwohl damit verknüpft zu sein erachtet? Erfahrung kann es nicht sein, weil der angeführte Grundsatz nicht allein mit größerer Allgemeinheit, sondern auch mit dem Ausdruck der Notwendigkeit, mithin gänzlich  a priori  und aus bloßen Begriffen, diese zweite Vorstellung zur ersteren hinzufügt. Nun beruth auf solchen synthetischen, d. h. Erweiterungsgrundsätzen  die ganze Endabsicht unserer spekulativen Erkenntnis a prior:  denn die analytischen sind zwar höchst wichtig und nötig, aber nur um zu derjenigen Deutlichkeit der Begriffe zu gelangen, die zu einer sicheren und ausgebreiteten Synthesis, als zu einem wirklich neuen Erwerb erforderlich ist.


V. "In allen theoretischen Wissenschaften der Vernunft
sind synthetische Urteile  a priori  als Prinzipien vorhanden."

1.  Mathematische Urteile sind insgesamt synthetisch.  Dieser Satz scheint den Bemerkungen der Zergliederer der menschlichen Vernunft bisher entgangen, ja allen ihren Vermutungen  gerade entgegengesetzt  zu sein, ob er gleich unwiderstehlich gewiß und in der Folge sehr wichtig ist. Denn weil man fand, daß die Schlüsse der Mathematiker, alle  nach  dem Satz des Widerspruchs angesehen werden, aber nur so, daß ein anderer synthetischer Satz vorausgesetzt wird, aus dem er gefolgert werden kann, niemals aber ansich. Zuerst muß bemerkt werden, daß eigentliche mathematische Sätze jederzeit Urteile  a priori  und nicht empirisch sind, weil sie Notwendigkeit bei sich führen, welche aus Erfahrung nicht abgenommen werden kann. Will man aber dies nicht einräumen, wohlan, so schränke ich meinen Satz auf die reine Mathematik ein, deren Begriff es schon mit sich bringt, daß sie nicht empirische, sondern bloß reine Erkenntnis  a priori  enthält. Der Satz  7 + 5 = 12  scheint analytisch und ist synthetisch.

Ebensowenig ist  irgendein  Grundsatz der reinen Geometrie analytisch. Daß die gerade Linie zwischen zwei Punkten die kürzeste sei, ist ein synthetischer Satz. Denn mein Begriff von Geraden enthält nichts von Größe, sondern nur eine Qualität. Der Begriff des Kürzesten kommt also gänzlich hinzu und kann durch keine Zergliederung aus dem Begriff der geraden Linie gezogen werden. Anschauung muß also hier zu Hilfe genommen werden, mittels deren allein die Synthesis möglich ist.

2.  Naturwissenschaft  (Physica)  enthält synthetische Begriffe a priori als Prinzipien in sich.  Zum Beispiel der Satz: daß in allen Veränderungen der körperlichen Welt die Quantität der Materie unverändert bleibt, oder daß in aller Mitteilung der Bewegung, Wirkung und Gegenwirkung einander jederzeit gleich sein müssen. An beiden ist nicht allein die Notwendigkeit, mithin ihr Ursprung  a priori,  sondern auch daß sie synthetische Sätze sind, klar. Denn im Begriff der Materie denke ich mir nicht die Beharrlichkeit, sondern bloß ihre Gegenwart im Raum durch die Erfüllung desselben. Also gehe ich wirklich über den Begriff der Materie hinaus, um etwas  a priori  zu ihm hineinzudenken, was ich in ihm nicht dachte. Der Satz ist also nicht analytisch, sondern synthetisch und dennoch  a priori  gedacht; und so in den übrigen Sätzen des reinen Teils der Naturwissenschaft.

3.  In der Metaphysik sollen synthetische Erkenntnisse a priori enthalten sein,  und es ist ihr gar nicht darum zu tun, Begriffe, die wir uns  a priori  von Dingen machen, bloß zu zergliedern und dadurch analytisch zu erläutern, sondern wir wollen unsere Erkenntnis  a priori  erweitern, wozu wir uns solcher Grundsätze bedienen müssen, die über den gegebenen Begriff etwas hinzutun, was in ihm nicht enthalten war und durch synthetische Urteile  a priori  wohl gar so weit hinaus gehen, daß uns die Erfahrung selbst nicht so weit folgen kann, z. B. in dem Satz: die Welt muß einen Anfang haben und dgl. Und so besteht Metaphysik wenigstens ihrem Zweck nach  aus  lauter synthetischen Sätzen a priori.


VI. "Allgemeine Aufgabe der reinen Vernunft."

Die eigentliche Aufgabe der reinen Vernunft ist in der Frage enthalten:  Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?" 

Daß die Metaphysik bisher in einem so schwankenden Zustand der Ungewißheit und Widersprüche geblieben, ist  lediglich  der Ursache zuzuschreiben, daß man sich diese Aufgabe und  vielleicht sogar  den Unterschied der analytischen und synthetischen Urteile  nicht früher in Gedanken  kommen ließ. Auf der Auflösung dieser Aufgabe oder einem genugtuenden Beweis, daß die Möglichkeit, die sie erklärt zu wissen verlangt, in der Tag gar nicht stattfindet,  beruth nun das Stehen und Fallen der Metaphysik.  DAVID HUME, der dieser Aufgabe unter allen Philosophen  noch  am nächsten trat, sie aber sich bei weitem nicht bestimmt genug und in ihrer Allgemeinheit dachte, sondern bloß beim synthetischen Satz der Verknüpfung der Wirkung mit ihren Ursachen (Principium causalitatis) stehen blieb, glaubte herauszubringen, daß ein solcher Satz  a priori  gänzlich unmöglich ist, und nach seinen Schlüsse würde alles, was wir Metaphysik nennen, auf einen bloßen Wahn von vermeintlicher Vernunft = Einsicht hinauslaufen, was in der Tat bloß aus der Erfahrung erborgt und durch Gewohnheit den Schein der Notwendigkeit bekommen hat; auf welche, alle reine Philosophie zerstörend Behauptung er nie gefallen wäre, wenn er  unsere  Aufgabe in ihrer Allgemeinheit vor Augen gehabt hätte, da er dann auch eingesehen haben würde, daß nach seinem Argument es auch keine reine Mathematik geben könnte, weil diese gewiß synthetische Sätze  a priori  enthält, vor welcher Behauptung ihn alsdann sein guter Verstand wohl würde bewahrt haben.

In der Auflösung obiger Aufgabe ist zugleich die Möglichkeit des reinen Vernunftgebrauchs in Gründung und Ausführung aller Wissenschaften, die eine theoretische Erkenntnis  a priori  von Gegenständen enthalten, mitbegriffen, d. h. die Beantwortung der Fragen:
     "Wie ist reine Mathematik möglich?" 

     "Wie ist reine Naturwissenschaft möglich?" 
Von diesen Wissenschaften, da sie wirklich gegeben sind, läßt sich nun wohl geziemend fragen: wie sie möglich sind? denn daß sie möglich sein müssen, wird durch ihre Wirklichkeit bewiesen. Was aber Metaphysik betrifft, so muß ihr bisheriger schlechter Fortgang, und weil man von keiner einzigen, bisher vorgetragenen, was ihren wesentlichen Zweck angeht, sagen kann, sie sei wirklich vorhanden einen jeden mit Grund an ihrer Möglichkeit zweifeln lassen.

Nun ist aber diese Art von Erkenntnis in gewissem Sinn doch auch als gegeben anzusehen und Metaphysik ist, wenngleich nicht als Wissenschaft, doch als Naturanlage, (metaphysica naturalis)  wirklich.  Denn die menschliche Vernunft geht unaufhaltsam, ohne daß bloße Eitelkeit des Vielwissens sie dazu bewegt, durch eigenes Bedürfnis getrieben, bis zu solchen Fragen fort,  die durch keinen Erfahrungsgebrauch der Vernunft und daher entlehnte Prinzipien beantwortet werden können,  und so ist wirklich in allen Menschen, sobald sich in ihnen Vernunft bis zur Spekulation erweitert, irgendeine Metaphysik zu aller Zeit gewesen und wird auch immer darin bleiben. Und nun ist auch von dieser die Frage:
     "Wie ist Metaphysik als Naturanlage möglich?" 
d. h. wie entspringen die Fragen, welche sich die reine Vernunft aufwirft, und die sie, so gut als sie knn, zu beantworten, durch ihr eigenes Bedürfnis getrieben wird, aus der Natur der allgemeinen Menschenvernunft?

Da sich aber bei allen bisherigen Versuchen, diese natürlichen Fragen, z. B. ob die Welt einen Anfang habe, oder von Ewigkeit her sei? usw. zu beantworten, jederzeit unvermeidliche Widersprüche gefunden haben, so kann man es nicht bei der bloßen Naturanlage zur Metaphysik, d. h. dem reinen Vernunftvermögen selbst, woraus zwar immer irgendeine Metaphysik (es sei welche es wolle) erwächst, bewenden lassen, sondern es muß möglich sein, mit ihr es zur Gewißheit zu bringen, entweder im Wissen oder Nichtwissen der Gegenstände, d. h. entweder der Entscheidung über die Gegenstände ihrer Fragen, oder über das Vermögen und Unvermögen der Vernunft in Anbetracht ihrer etwas zu urteilen, also entweder unsere reine Vernunft mit Zuverlässigkeit zu erweitern, oder ihr bestimmte und sichere Schranken zu setzen. Diese letzte Frage, die aus der obigen allgemeinen Aufgabe fließt, würde mit Recht diese sein:
     "Wie ist Metaphysik als Wissenschaft möglich?" 
Die Kritik der Vernunft führt also zuletzt notwendig zur Wissenschaft; der dogmatische Gebrauch derselben ohne Kritik dagegen auf grundlose Behauptungen, denen man ebenso scheinbare entgegensetzen kann, mithin zum Skeptizismus.

Auch kann diese Wissenschaft nicht von größer abschreckender Weitläufigkeit sein, weil sie es nicht mit Objekten der Vernunft, sondern bloß mit sich selbst, mit Aufgaben, die ganz aus ihrem Schoß entspringen und ihr nicht durch die Natur der Dinge, die von ihr unterschieden sind, sondern durch ihre eigene vorgelegt sind, zu tun hat; da es dann, wenn sie zuvor ihr eigen Vermögen in Anbetracht der Gegenstände, die ihr in der Erfahrung vorkommen mögen, vollständig hat kennen lernen, leicht werden muß, den Anfang und die Grenzen ihres über alle Erfahrungsgrenzen versuchten Gebrauchs vollständig und sicher zu bestimmen.

Man kann also und muß alle bisher gemachten Versuche, eine Metaphysik dogmatisch zustande zu bringen, als  ungeschehen  ansehen; denn was in der einen oder der anderen Analytisches, nämlich eine bloße Zergliederung der Begriffe ist, die unserer Vernunft  a priori  beiwohnen, ist noch gar nicht der Zweck, sondern nur eine Veranstaltung zur eigentlichen Metaphysik, nämlich  seine Erkenntnis a priori synthetisch zu erweitern,  und ist zu diesem untauglich, weil sie bloß zeigt, was in diesen Begriffen enthalten ist, nicht aber wie wir  a priori  zu solchen Begriffen gelangen, um danach auch ihren gültigen Gebrauch in Anbetracht der Gegenstände aller Erkenntnis überhaupt bestimmen zu können. Es gehört auch nur wenig Selbstverleugnung dazu, alle diese Ansprüche aufzugeben, da die nicht abzuleugnende und im dogmatischen Verfahren auch unvermeidliche Widersprüche der Vernunft mit sich selbst jede bisherige Metaphysik schon längst um ihr Ansehen gebracht haben. Mehr Standhaftigkeit wird dazu nötig sein, sich durch die Schwierigkeit innerlich und den Widerstand äußerlich nicht abhalten zu lassen, eine der menschlichen Vernunft  unentbehrliche  Wissenschaft, von der man wohl jeden hervorgeschossenen Stamm abbauen, die Wurzel aber nicht ausrotten kann, durch eine andere der bisherigen ganz entgegengesetzte Behandlung endlich einmal zu einem gedeihlichen und fruchtbaren Wuchs zu befördern.
LITERATUR, Johann Gottfried Herder, Eine Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft, Bd. 1, Frankfurt und Leipzig 1799
    Anmerkungen
    1)  Hug, Hugo, Hugr  hieß in der nordischen Sprache der  Gedanke,  der innere  Sinn,  die  Neigung.  Er zog umher allenthalben spähend, leicht wie ein Gedanke.  Hugsa, Hägsa  heißt denken, geheim aussinnen, im Schild führen.
    2) Schwerlich hat das Wort  Hexe  den Ursprung, den ihr die kritische Philosophie (Anthropologie, Seite 42) anweist: "das jetzt deutschgewordene Wort  Hexe  kommt von den Anfangsworten der Meßformel bei der Einweihung der Hostie her, welche der Gläubige mit leiblichen Augen als eine kleine Scheibe Brot sieht, nach Aussprechung derselben aber mit geistigen Augen als den Leib eines Menschen zu sehen verbunden wird." Nach mehreren Dialekten der nordischen Sprache kommt der zum Scheuwort gestaltete Name wie der edelgebliebene HUGH, HUGO, wahrscheinlich von  hegen  her, d. h. im Sinn führen, in Gedanken hegen. Bösen Gedanken, einem bösen Blick und Wort schrieb man die Inkarnation zu, die die Macht im Stillen zu  behexen,  d. h. durch bösen Sinn heimlich zu schaden, so wie die Hexerei auch jeher  Gehege,  d. h. umschlossenen Kreis, Zauberzirkel mit einer geheimen Sinnesversendung liebte. Oder es kommt von der Schnelligkeit her, die man diesen Künstlerinnen zuschrieb: denn  Hag, Häg, Hägr  heißt ein gewandter, in Ausrichtung seines Werkes geschickter Künstler. Der wahrscheinliche Ursprung des  Hokuspokus  (eines viel neueren Wortes) ist seit TILLOTSON bekannt. Siehe seinen  Discourse against Transsubstantiation,  Glossarium.
    3) "Meißel und Schlegel können ganz wohl dazu dienen, ein Stück Zimmerholz zu bearbeiten, aber zum Kupferstechen muß man die Radiernadel brauchen. So sind gesunder Verstand sowohl als spekulativer, beide, aber jeder in seiner Art brauchbar; jener wenn es auf Urteile ankommt, die in der Erfahrung ihre unmittelbare Anwendung finden; dieser aber wo im Allgemeinen aus bloßen Begriffen geurteilt werden soll." Siehe Prolegomena, Seite 12 und 13. Und gegen wen wird dies gesagt? Gegen REID und BEATTIE; sie sollen den Meißel und Schlegel gebraucht haben; hoffentlich ist in der nachfolgenden Metakritik auch die Radiernadel angewandt und kann noch schärfer gebraucht werden.
    4) Kritik der reinen Vernunft, Seite 884, zweite Auflage.
    5) Zweite verbesserte Auflage, 1787.
    6) LOCKE, LEIBNIZ, HUME, REID u. a. folgten dem Sprachgebrauch, da sie ihre Werke  Essay concerning human understandig, Nouveaux Essais sur l'entendement humain, Treatise of human nature  usw. nannten. In anderen bestimmten Sprachen würde der Titel  Critica intellectus humani, Critique de la pure raison, Critic on human understandig  sogleich einen widrigen Begriff erwecken, da man nur von einem  critqueur  sagt: il critique la raison humaine.
    7) Prolog zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können, Vorrede Seite 14, Riga 1783.
    8) GEORG SULZERs Zergliederung des Begriffs der Vernunft: seine Anmerkungen über den gegenseitigen Einfluß der Sprache in die Vernunft, der Vernunft in die Sprache (Vermischte philosophische Schriften, Teil 1, Seite 246; Teil 2, Seite 168. Siehe auch LAMBERTs Semiotik.
    9) Über eine Entdeckung, nach der alle neue Kritik der reinen Vernunft durch eine ältere entbehrlich gemacht werden soll, von IMMANUELL KANT, Königsberg 1790.
    10) Kritik der reinen Vernunft, Seite 2 und 3
    11) Kritik der reinen Vernunft, Seite 3
    12) Kritik der reinen Vernunft, Seite 12
    13) Kritik der reinen Vernunft, Seite 13
    14) "Diese Einteilung ist in Anbetracht der Kritik des menschlichen Verstandes unentbehrlich und verdient daher  klassisch  zu sein. Prolegomena, Seite 30, 31.