ra-2 Freimaurervon SchmalzSchleiermacherB. G. Niebuhr    
 
THEODOR von SCHMALZ
Über des Herrn B. G. Niebuhrs Schrift
wider die meinige, politische Vereine betreffend

"Mit Glück habe ich angefangen durch Publizität zu vernichten, was Publizität sicherer vernichtet, als die Polizei, ehe denn ihre gesammelten Anzeigen zur Reife juristischer Beweise gediehen sind."

"Kennzeichen der Bündler: 1) Schmähungen deutscher Regierungen unter Deklamationen gegen Frankreich; 2) Streben nach Einheit der Regierung Deutschlands durch Krieg und Aufstand; 3) Verunglimpfung derer, welche eine besonnenere Ansicht der Dinge aussprechen. 4) ferner noch Despotisieren, wo solche Menschen einmal zu befehlen haben; 5) Spiel mit Pedanterien in wichtigen Angelegenheiten; 6) andere zu Opfern ermahnen und denen sich selbst entziehen."

Es bedarf nur weniges über die Schrift des Herrn B. G. NIEBUHR gegen mich. An der Sache hat ihm minder gelegen, als daran, Schmähungen gegen meine Person zu sagen. Da nun jeder rechtliche Mann weiß, wie ein rechtlicher Mann dergleichen empfindet, so bedarf es darüber keiner Erklärung, und Erwiderung wäre tief unter meine Würde. Ich bin seit 27 Jahren in allen preußischen Ländern so bekannt, daß Herr NIEBUHR mir die Achtung des Publikums nicht rauben kann. Darum stelle ich auch keine Klage gegen ihn an, deren Folgen er sonst im § 614 - 620 und 921 des Allgemeinen Landrechts im Titul von Verbrechen und Strafen lesen kann. Nicht ein Wort also von Persönlichkeiten; aber von der Sache, von seiner Schrift, soll umso ernsthafter die Rede sein.

Mit seinem eigenen Gleichnis zu beginnen: Allgemeines Gerücht dauert fort, daß in einem Land die Pest ist; die Einwohner sind in Furcht; im Ausland will man Anstalten treffen. Da schreibt ein Mann, der nebst seinem Freund als angesteckt verschrieen ist: "die Pest ist leider da, aber nicht zu fürchten; denn sie steckt nur Schwächlinge an, welche sie nicht unter Gesunde verbreiten könne; die Kennzeichen der Angesteckten sind auch diese und jene; er also und sein Freund sind nicht angesteckt." Gesetz einmal, es fände sich wirklich, daß das Gerücht von der Pest ganz leer gewesen war; könnten vernünftige Menschen es dulden, wenn Schwächlinge (denn wer könnte es anders?) jenen Mann mit Pasquillen [Schmähschriften - wp] angriffen, als habe er die Schwächlinge verleumdet? Und wie vollends, wenn gleichwohl die Pest wirklich da gewesen wäre?

So schwer Herr NIEBUHR es glauben mag, so wäre doch möglich, daß seinem Scharfblick (1) etwas entgeht. Aber das sehe ich nicht, mit welchem Recht er von mir fordern kann, daß ich den Beweis des Daseins jener Vereine führe, oder die Namen ihrer Mitglieder nennen sollte. Nicht mit Namen, sondern mit der Sache hatte ich zu tun. Ein Schriftsteller aber, welcher über notorische Dinge seinen Unwillen ausbrütet, oder über allgemein-geglaubte, hat aus keinem Grund gerade den Beweis des Daseins dieser Dinge zu führen. Denn sind sie nicht da - desto besser, daß sein Unwille umsonst, seine Besorgnis vergeblich gewesen ist. Bin ich denn der, welcher das Gerücht von jenen Vereinen zuerst erhoben hat? Ganz Berlin, alle preußischen Provinzen, ganz Deutschland nehme ich zu Zeugen, daß es lange und dauernd bestand. Müßiges Stadtgeschwätz verstiebt nach wenigen Wochen. Ich bin ja nicht einmal der Erste, welcher in Schriften über und gegen diese Vereine schrieb. Schon der August 1814 des politischen Journals hat sogar Statuten derselben bekannt gemacht. Und ich soll nun beweisen, was alle Welt schon glaubte? Und soll Namen nennen? Wer nach einem langen Gerücht von falscher Münze im Umlauf, die Kennzeichen derselben angibt: soll man den schmähen, daß er nicht die falschen Münzen beim Namen genannt hat?

Der Streitpunkt kann also nur sein: Ob ich Gründe habe, zu glauben, daß solche Verbindungen bestehen, wie ich behauptet habe? und ob ich etwa unvorsichtigerweise (denn Absicht traut mir niemand zu, der mich kennt) mich so ausgedrückt habe, daß ein Verdacht auf brave, schuldlose Männer geworfen wurde? Jene Gründe will ich darlegen, diese Beschuldigung widerlegen.

Herr NIEBUHR leugnet das Dasein solcher Vereine, und mit einem Ingrimm, der schon ahnen lassen muß, daß er für eine schlimme Sache streitet. Die Existenz des vormaligen Tugendbundes ist, wie der Rezensent meiner Schrift in den  Göttinger Gelehrten Anzeigen  bezeugt, auch geleugnet; und Herr NIEBUHR selbst gesteht sie nur mit einer Art von Feierlichkeit, doch unwilig, daß daran wieder erinnert wird. Darauf schmäht er sehr hart (sich seiner Lehre Seite 25 erinnernd, daß man alles nach den Quellen beurteilen soll) und verunglimpft diesen Bund, an welchem doch Männer sehr warm hingen, welche ich sehr hochachte, wenngleich ich mit dem Bund selbst unzufrieden war, und nachher Ursache erhielt, es noch mehr zu sein.

Jenen Bund nun nennt Herr NIEBUHR "ein widersinniges Machwerk", "eine Mißgeburt", "einen Staat im Staate", "eine gefährliche Konstitution". Ist es aber übergroße Leichtgläubigkeit zu fürchten, in eine gefährliche Konstitution könnten wohl auch gefährliche Menschen genommen sein und hätten dann mit leichtsinnigen, an dergleichen Verbindungen nun einmal gewöhnte Menschen sie insgeheim fortgesetzt? Er will zwar Seite 17 glauben machen, der Mitglieder eigener Ekel, Überdruß und Sättigung hätte den Bund aufgelöst. Allein es ist notorisch, daß ihn die Regierung aufhob. Hat nun eine geheime Gesellschaft niemals fortgedauert, wenn die Regierung sie aufgehoben hat? Haben die Jakobiner geendet mit der Schließung ihres Clubs?

Herr NIEBUHR behauptet dreist - nachdem der Bund 1810 durch seine Auflösung erloschen war (durch seinen Tod gestorben?), habe er in keiner Form fortgelebt. Ist ihm das wirklich ernst? Er muß sehr unkundig sein in allem, was um uns her vorgegangen ist, wenn er wirklich nicht weiß, was 1812 eine solche Verbindung vorhatte. - Doch damals auch, wie vor 1810, mochte die reine Absicht, gegen des Vaterlandes Feinde gerichtet, eine billige Entschuldigung finden, wenngleich die Unvorsichtigkeit im Handeln, welche den König und das Vaterland in große Gefahr stürzen konnte, immer Tadel verdient. Damals hat, soviel ich weiß, niemand jenen oder anderen Verbindungen strafbare Zwecke zugetraut und sehr achtenswerte Männer haben teilgenommen, - die gewiß jetzt an diesem Verein nicht teilnehmen - wenngleich ich glaube, daß sie auch damals dennoch irrten und unrecht taten, indem Maßregeln des Staates schlechthin nie Gegenstand einer Privatverbindung, noch weniger einer geheimen, sein dürfen. Wie dann auch, was aus dem Unrechten entspringt, immer wieder zum Unrechten führt, so hörte man doch auch wohl damals klagen, daß oft Männern von jenen Weh getan wurde, die nicht zu ihnen gehören wollten; oft auch den Unwillen besonnener Männer darüber, daß "die stürmische Leidenschaftlichkeit und Ungeduld die Minuten, bis Preußen sich gegen Frankreich erhebt" (Seite 20) bisweilen wohl mit ungebührlichen Ausdrücken zählte.

Nachdem aber Paris erobert und der Tyrann gestürzt war: fiel jeder entschuldbare Vorwand, weil der, daß auch noch nicht alle Gefahr vorüber ist, doch zu handgreiflich nichtig ist. Aber nun erhob sich erst das Gerücht von solchen Bünden mit verstärkter Kraft. Auch wurde der Zweck derselben laut genannt, gar ein anderer, als die bisherigen, nämlich eine Vereinigung des ganzen Deutschlands unter  eine  Regierung, womöglich sogar unter eine republikanische; und dafür Krieg der Deutschen gegen Deutsche, Aufstand, Zerrütung aller bestehenden Verhältnisse (2).

Während des Wiener Kongresses erschienen eine Menge Aufsätze in diesem Sinne, alle auswärtigen und deutschen Höfe der Reihe nach schmähend. Und als ob sie alle Verwicklungen des so vielfach sich durchkreuzenden Interesses klarer als alle Minister übersehen, zerhieben sie die Knoten mächtig. "Lizenzen partieller Pressefreiheit", meint Herr NIEBUHR. Er meint auch selbst (Seite 29), daß es danach zwar wohl so aussieht, als wenn eine Partei für jene Grundsätze existiert, aber es doch absurd ist zu glauben, daß sie planmäßig handelt, - welche Logik bei ihm nicht zu verwundern ist, weil, wer so konfus schreibt, schwerlich klarer denkt.

Aber noch frecher tadelten sie die Höfe und ihre Minister wegen des Resultats des Wiener Kongresses, wegen des deutschen Bundes. Auch Herr NIEBUHR scheut sich nicht (Seite 25), sie zu beschuldigen der "Versagung all dessen, wovon unser "aller Deutschen Sicherheit, Wohlstand und Abwehr der Barbaren abhängt." Welche Bosheit oder Schwäche der Höfe und ihrer Minister wird damit so frech angeklagt. Sie versagten Sicherheit und Wohlstand? Sie wollten Barbarei einbrechen lassen? Ist das Herrn NIEBUHR Ernst, oder ist es nur Unbesonnenheit der Leidenschaftlichkeit, oder Unbeholfenheit im Ausdruck, oder eine  captatio benevolentiae  [fishing for Wohlwollen - wp] der nicht existierenden Herren des nicht existierenden Vereins?

Auch ist es nicht wahr, daß Deutschlands uralte Zerteilung durch den deutschen Bund noch mehr befestigt wird. Seit Jahrhunderten unter Kaiser und Reich, wieviele Bündnisse der Deutschen mit Auswärtigen gegen Kaiser und Reich! Vielmehr muß allen die Hoffnung einleuchten, daß Fürsten, welche eines Kaisers Oberherrschaft unwillig trugen, desto fester an einem freien Bund hängen (gleich den Kantonen der Schweiz) und erkennen werden, wie nötig sie einander sind, wie wenig sie voneinander, wie alles sie zu fürchten haben, wenn noch einmal das linke Rheinufer und ihre Eintracht verloren würde. - Und gesetzt, ein Kaiser und Reich wären wirklich wünschenswerter, als der Bund, welcher Wahnsinn ist es dann, das Gute zu schmähen, weil das Bessere unmöglich ist? Ich möchte doch auch den Plan sehen, wie ein Kaiser zu konstituieren ist, welcher mit Macht alle deutschen Völker zusammenhalten könnte, ohne die einzelnen Regierungen zu vernichten. Und wäre nicht jeder Deutsche ein undeutscher, meineidiger Verräter, welcher wünschen könnte, daß sein Fürst zum Pair [Mitglied des preuß. Herrenhauses - wp] würde? Vollends aber eine Republik! Die unseligen Schwätzer! Sie sind es, die Deutschland zerreißen, durch ihr gleißnerisches Klagen, durch die lügenhafte Schmähung "daß uns versagt wird, worauf unser aller Sicherheit, Wohlstand und Abwehr der Barbarei beruth." Sie sind Schuld, daß, was jedes deutsche Herz blutend macht, der herrliche 18. Oktober nicht in allen deutschen Ländern gefeiert wird.

Nicht minder streben sie nach Konstitutionen, welche die Macht der Fürsten vernichten sollen; wie heuchlerisch sie sich auch sonst stellen. Denn sie insinuieren [unterstellen - wp] tückisch genug: "in einem Staat, wo die Souveränität ungeteilt dem Monarchen gehört - ist kein Leben und keine Freiheit" (Seite 9) oder ist bei Herrn NIEBUHR auch das nur absolute Unbeholfenheit des Ausdrucks?

Doch zur Hauptsache. Daß die Ideen, der Zweck jener Bünde, ausgebreitet werden werden, gesteht Herr NIEBUHR selbst, verbreitet sie selbst und daß sie auf Wegen ausgebreitet werden, die nicht immer so zutage liegen, glaube ich, glauben so viele verständige Männer aus gleich anzuführenden Gründen.

Wenn ich nun strebe, diese an den Tag zu ziehen, so schreit Herr NIEBUHR: ich hätte bei der Behörde denunzieren sollen. Nun so stark er ist, im Wissen dessen, was nicht ist - weiß er, daß ich es nicht getan habe? In meiner Schrift sind Worte (Seite 12) von mir mit der Note  ipsissima verba  [O-Ton - wp] begleitet. Sie sind aus dem Brief, einem höchst merkwürdigen Brief eines ausländischen Bundesgenossen, der an einen hiesigen zu schreiben geglaubt hatte. Dieser Brief wurde mir mitgeteilt, mit der Bitte, ihn nach der Lesung desselben einer schon unterrichteten Behörde zuzusenden. Das ist auch geschehen.

Übrigens glaube ich, daß es meiner Denunziation nicht bedurfte. Das Gerücht wurde ja allgemein herumgesprochen und in Schriften. Ich darf also annehmen, daß die Behörden wirklich "nicht lässig sind, sondern sammeln und beobachten", wie Herr NIEBUHR es wünscht. Ich habe auch Ursache zu glauben, daß die Behörden bereits viele wichtige Sachen haben, daß ihnen der Eid der Verbundenen seltsam mit glänzendem Namen des Altertums durchwebt, nicht unbekannt, der Gegenrevers des Bundes mit schönen vergeltenden Versprechungen nicht unbekannt, ein Verzeichnis geheimer Namen der Mitglieder im Bund bekannt ist. Und wenn dauerndes Gerücht sogar die Wölfin des  Romulus  zu Ehren bringt! soll dennoch was unterrichtete Leute in Berlin, in allen Provinzen, in ganz Deutschland sagen und glauben, ganz leer und nichtig sein?

Im  politischen Journal,  August 1814,  sind die Statuten eines solchen Vereins gedruckt,  mit dem Siegel der preußischen Kammer. Warum hat Herr NIEBUHR nicht damals das  politische Journal  geschmäht? Warum erst jetzt? Warum mich?

Was mich aber besonders bewogen hat, meiner Verteidigung gegen die BREDOWsche Chronik, den Zusatz gegen die Vereine zu machen? (Den Vorwurf, daß man sich wichtig machen will, hat von jeher die Bosheit Männern gemacht, die ein Nützliches taten, was ihr zuwider war.)

Ein hochverehrter Reisender, ein Ausländer, erzählte mir im August dieses Jahres, als er auf seiner Reise durch Deutschland Berlin besuchte, wie das Gerücht solcher Bünde überall Haß und Mißtrauen gegen Preußen in ganz Deutschland erregt, weil jene sich rühmen, in Preußen ihr Zentrum unter dem Schutz bedeutender Männer zu haben. Ein hoher Fremder von einem deutschen Hof bestätigte dies bei seinem hiesigen Aufenthalt.

Um die nämliche Zeit erhielt ich die Schrift "Preußens rheinische Mark" in welcher Zweck und Dasein des Bundes ganz schamlos ausgesprochen ist (3), von einem Initiierten, das verbürgt die ganze Schrift. Gerade aber in den Tagen, in welchen sie hier erschien, wurden hier auch in mehreren Abschriften den Leuten Briefe zugesteckt mit dem allerschändlichsten Mißbrauch eines dem Vaterland hochteuren Namens, welche keine andere Absicht hatten als gegen Männer in den höchsten Ämtern der Staatsverwaltung die äußereste Erbitterung aufzureizen. Die Unechtheit der Briefe hätten jeden Unbefangenen auffallen sollen: aber die heimliche Art der Verbreitung warf einen Schein von Wichtigkeit um sich, welcher doch manchen täuschte.

Heißt es nun "Kometen mit Kriegsverläufen zusammenstellen" wenn ich das gleichzeitige Erscheinen jener schändlichen Schrift und dieser Briefe für Manöver einer Rotte von Schurken hielt?

Da schrieb ich jenen Zusatz, alle wohl vorausgesehene Schmähschriften und Schmähreden im Voraus verachtend, um an das Licht der Publizität ein Gezücht zu ziehen, das am Licht stirbt und nur im Finstern brütet. Und vor dem Ausland woll ich uns von der Schmach reinigen, als ob bedeutende Männer bei uns ein solches Unwesen schützten.

Uns Preußen leuchtet es ohnehin ein, daß es lächerlich ist, hier revolutionieren zu wollen. Die Zusammensetzung unseres Staates und der Geist der Regierung und des Volkes, die nirgendwo herzlicher und kräftiger aneinandergeknüpft sind, hindern das absolut. Aber dem Ausland ist es weniger fühlbar, als uns; und das haben sie wollen glauben machen, welche Wunder sie, und nur sie, bei uns 1813 gewirkt hätten. Und am Ende, wer weiß, ob das Unwesen, wenn es länger im Finstern fortschleichen könnte, nicht doch einiges Unheil anrichten möchte?

Das Ausland aber mußte sehen, wie unsere Landsleute, - und ich habe erfreuliche Beweise, daß bei das gesehen haben, - daß eine Partei keine bedeutenden Männer zum Schutz haben kann, welche ich, der einzelne Mann (aber doch in einer Lage, worin ich des Terrains nicht ganz unkundig sein kann), mit meines Namens Unterschrift öffentlich anzugreifen wage. Mit Glück habe ich angefangen durch Publizität zu vernichten, was Publizität sicherer vernichtet, als die Polizei, ehe denn ihre gesammelten Anzeigen zur Reife juristischer Beweise gediehen sind. Mit  solchen  Schriften; wie die NIEBUHRsche, kommt man eben mir dafür am besten zu Hilfe. Man macht die Sache bekannter und überzeugt die Welt zugleich, daß man für die Nicht-Existenz der weißen Frau mit solcher Erbitterung streiten würde. Also nur mehr solche Schriften! und umso NIEHBUHRscher desto besser; dann werden auch leichtsinnige Menschen sich schämen, einer Sache zugetan zu sein, welche so verteidigt wird.

Ich hätte aber ehrenwerte Männer in Verdacht gebracht? (4) Gerade die habe ich von allem Verdacht gereinigt. Das verleumderische Geklatsche von mündlich nachhelfenden Erläuterungen verdient keine Antwort. Gerade aber hier wäre es des Herrn NIEBUHR Sache gewesen, Namen zu nennen - wie er von mir verlangt. Als Kennzeichen der Bündler (warum ist denn dieses Wort so anstößig?) habe ich genau diese und nur diese angegeben:
    1) Schmähungen deutscher Regierungen unter Deklamationen gegen Frankreich

    2) Streben nach Einheit der Regierung Deutschlands durch Krieg und Aufstand;

    3) Verunglimpfung derer, welche eine besonnenere Ansicht der Dinge aussprechen.

    4) ferner noch Despotisieren, wo solche Menschen einmal zu befehlen haben;

    5) Spiel mit Pedanterien in wichtigen Angelegenheiten;

    6) Andere zu Opfern ermahnen und denen sich selbst entziehen.
Wer nun in diesem Bild erkannt wird, den habe ich wirklich gemeint. Zeige man mit Fingern auf ihn. Auch mögen bedeutende Männer, an welche sie sich etwa drängen sollten, sie daran erkennen, auf daß jene sich nicht etwa frech rühmen, ihre Freunde zu sein. Der Ingrimm gegen mich selbst zeigt aber ihre Ohnmacht und Mangel des Schutzes. Wer schützen kann, kann wohl das Bestreben jener nicht billigen, und was wollte er mit den Menschen selbst?

Noch lächerlicher ist der Vorwurf, als habe ich unsere Mitbürger beunruhigt oder gar der Regierung Verdacht gegeben. Das Gegenteil ist klar. Beruhigt habe ich und der Wahrheit gemäß die ganze Clique als ohnmächtig und verächtlich dargestellt.

Indem ich nachblättere - denn den will ich sehen, der die Schrift des Herrn NIEBUHR zweimal lesen kann - was noch Berührung verdient, finde ich folgendes:

1. Daß Herr NIEBUHR schwerfällig schreibt, haben wir gewußt; aber er liest auch schwer. In Göttingen hat man gefunden (Göttinger Gelehrte Anzeigen vom Oktober 1815 am Ende), daß ich von unserem Volk Dank verdient habe, weil ich die bewunderungswürdige Erhebung desselben im Jahre 1813 in ihr glänzendes Licht gestellt habe. Herr NIEBUHR findet, mit unwürdiger Verzerrung meines Bildes, aß ich unser glorreiches Heer irgendwelchen Spritzenleuten gleichgestellt habe. Wenn ich sagte: "Keine Begeisterung, überaus ruhiges und desto kräftigeres Pflichtgefühl", so hatte ich kurz vorher gesagt von einer  solchen  Begeisterung, und dabei  solches  auch noch gesperrt gedruckt, wie jene Schreiber aufgeregt zu haben ruhmredig gelogen. Habe ich nicht an unserem Volk, an unserem Heer gerade die edelste Begeisterung laut gepriesen? Oder gibt es in irdischen Dingen eine edlere Begeisterung, als gerade das kräftige Gefühl der Pflicht gegen König und Vaterland? Nimmer soll uns das abgestritten werden.

2. Es ist eine absichtliche Verfälschung, wenn er angibt, ich hätte den Haß der Franzosen als Kennzeichen der Bundesgenossen aufgestellt. In meiner Schrift stehen offenbar und unmittelbar nach den Worten: "Haß gegen Frankreich", die: "doch verbunden mit den schmählichsten Beschuldigungen aller deutscher Regierungen." Eine edle Art zu streiten!

3. Den Freiherrn von STEIN achte ich viel zu hoch, als daß ich ihn so beiläufig hätte verteidigen wollen, wie Herr NIEBUHR (Seite 18); die jetzigen Bünde, von denen ich (und nicht vom alten Tugendverein) rede, haben gewiß den höchsten Unwillen des Herrn von STEIN.

4. Wie die Stelle über National-Repräsentation (Seite 26 und 27) hierher kommt, begreife ich nicht. Soll es aussehen, als wäre sie gegen Behauptungen von mir gerichtet? - Es sind in der Hauptsache meine eigenen Grundsätze.

5. Möge Herr NIEBUHR sich selbst die Stellen suchen, in welchen Wut gepredigt ist. Er hat mehr Zeit in Parteischriften zu blättern als ich. Viele Leser werden mit mir sich mehrerer solcher Aufsätze erinnern. Ich dachte aber ganz klar zu predigen heißt weniger mit dürren Worten sagen, als: entfernt zu verstehen geben, auf den Gedanken leiten. Es mag einen herrlichen Weg abgeben, zu ganz neuen historischen Entdeckungen zu gelangen, wenn man die Quellen so interpretiert, daß man nicht auf den Gebrauch der Redensart sieht, sondern die einzelnen Worte drückt. Unter Soldaten aber sind doch auch einige gerade nicht Sprachforscher, und die Stelle des Herrn NIEBUHR (Seite 31) nach welcher auch diese verstehen sollen:  Sich gebrauchen  heiße altdeutsch so viel, als  sich beweisen  (welches doch auch noch eines Nachweises bedurft hätte), diese Stelle wäre lächerlich, wenn sie nicht durch die gleichfolgende Blasphemie gräßlich werden würde. Das soll mich dann wohl sogar der Irreligiosität verdächtig machen.

6. Von der Stufung der Universität sprach ich, wie jedermann sieht - weil ich gegen die Bredowische Chronik zu zeigen hatte - daß ich, nicht aus Halle entwicken, sondern, wie ich auf Befehl hierher gekommen wäre, daß ich hier nicht auf gut Glück gelebt, sondern schon vor der Stiftung der Universität hier das Amt eines Lehrers verwaltet habe. Herrn SCHLEIERMACHER, Herrn FICHTE hatte ich dabei nicht zu erwähnen, weil von ihnen jene Chronik nicht gesagt hatte, was von mir, auch weil ihre Vorlesungen hier für ein größeres Publikum, die meine für eigentliche Studierende bestimmt waren. (5)

Zuletzt muß ich noch ein absichtliches Falsum des Herrn NIEBUHR rügen. Er sagt, ich hätte mich gerühmt, die hiesige Universität eingerichtet zu haben, um mich auf seine Art zu bewitzeln und dabei läßt er das Wort  eingerichtet,  mit Gänsefüßen drucken, als mein Wort. Ich habe aber gesagt, was Wahrheit ist, daß ich, als erster Rektor, die ersten  Einrichtungen  für die Universität besorgt habe.' Jedermann sieht den Unterschied, daß ein General befiehlt und der Adjudant die Befehle besorgt; und wie unverzeihlich es ist, dem Adjudanten, welcher erzählt, er habe sie besorgt, nachsagen, daß er sich des Befehlens gerühmt habe.

Kann man nun einem Mann, der verfälscht, glauben, wenn er etwas zu wissen leugnet?

Ahnend, wie gegen das  respondere decebit  [es gilt gleich zu antworten - wp] auf dem Titel der Indezenz [Mangel an Feingefühl - wp] seiner Schrift absteche, hat er sie besser charakterisiert, als er, ein zweiter  Basil,  sie schloß: la calomnie, la calomnie! [Verleumdung, Verleumdung! - wp]

Aus welchem Gemüt diese Schrift hervorgegangen ist, spricht sich am deutlichsten auf Seite 8 aus, wo Herr NIEBUHR einem Gegner geradezu anwünscht, daß er verrückt werden möchte. Ich wünsche Herrn NIEBUHR das Gegenteil.

LITERATUR: Theodor von Schmalz, Über des Herrn B. G. Niebuhrs Schrift wider die meinige, politische Vereine betreffend, Berlin 1815
    Anmerkungen
    1) Das ist eine in der Anwendung sehr lahme Distinktion, welche er zwischen Verein, Partei und Sekte macht. Name und Sache schwanken immer ineinander hinüber und herüber. Was waren z. B. die Jakobiner? und die Bonapartisten im Herbst 1814? Wenige Hauptverbundene,  viele  Parteinehmer, welche vorbereiteten, und schließlich alle von der Sekte beim Handeln zum Handeln fortgerissen.
    2) Siehe das höchst merkwürdige, nur erst jetzt mir zu Gesicht gekommene dritte Heft der  Neuesten Ereignisse,  Berlin 1815, Seite 90 - 117, welches ich zu vergleichen dringend bitte.
    3) Vornehmlich Seite 91 bis 95 derselben.
    4) Damit hat Herr NIEBUHR sich selbst wohl wichtig machen wollen, bei wichtigen Männern, als habe er sie verteidigt?
    5) Dann wären aber doch auch des Herrn Geheimrat WOLF Vorlesungen zu erwähnen gewesen. Warum nannte sie Herr NIEBUHR nicht?