ra-1ra-3 W. StarkM. Horkheimervon MohlH.-J. LieberH. Marcuse    
 
WERNER POST
Kritische Theorie und
metaphysischer Pessimismus

[Zum Spätwerk Max Horkheimers]
[1/3]

"Inzwischen hat sich gerade jener Apparat, dessen Zerstörung selbst Ziel dieser Aktivitäten der Kritischen Theorie war, der Alternativen bemächtigt und sie in minimalistischer Version integriert. Diese zumindest vorläufige Niederlage hat zu sehr verschiedenen Formen auch von Resignation geführt; dazu zähle ich Dogmatismus, Reprivatisierung in künstlichen Paradiesen, irrationalistische Ausbrüche, Glorifizierung von Gewalt, repressive Disziplinierung durch rigorose Organisation und neue Bürokratie, die Unterdrückung von Diskussion und die Herabsetzung theoretischer Arbeit sowie narzißtische Wehleidigkeit angesichts der Erfahrungen realer Ohnmacht."


Einleitung

Die Konsequenzen, die MAX HORKHEIMER in seinem Spätwerk aus den historischen Entwicklungen seit spätestens Kriegsende für die Kritische Theorie gezogen hat, rufen ein widersprüchliches Echo hervor. Bei Freunden und Anhängern der Kritischen Theorie provozierten sie Befremden, Enttäuschung und bisweilen pointierte Ablehnung. Das Spätwerk verhalte sich resignativ, enthalte einen elitär-aristokratischen Pessimismus, übe Verrat an den kritischen Intentionen der frühen Schriften und verzichte in einem unvertretbaren Ausmaß auf Vermittlung zur Praxis. Der gallische Hahn habe sich in die Eule der Minerva verwandelt.

Aber in wessen Dämmerung fliegt sie? Mir scheint, daß solche Pauschalkritik zwar Symptome feststellt, sie aber vorschnell als Regression deutet. Die einfache Gegenüberstellung der frühen Kritischen Theorie spricht dieser einen normativen Charakter zu, ohne die Frage nach den Aporien und den vielleicht objektiven Gründen für einen Wandel, wie er sich in HORKHEIMERs und, wenn auch nicht identisch, ADORNOs späten Schriften manifestiert, zu prüfen. Gerade im Selbstverständnis der Kritischen Theorie können Wandel oder Kontinuität keine Kriterien ansich sein. Wenn die vorliegende Schrift mitunter apologetische Züge anzunehmen scheint, so bezieht sich das zum einen auf diese Vorurteile bei den Verächtern unter ihren Gebildeten, zum andern auf Versuche, den Pessimismus, die Ratlosigkeit oder auch gelegentliche Verzweiflung der späten Schriften als Widerlegung der früheren Kritik zu betrachten und daraus eine Bestätigung fragwürdiger eigener Thesen abzuleiten. Freilich soll durch die Abwehr solcher Vorurteile, für die die Kritische Theorie nicht immer verantwortlich zu machen ist, denen sie aber möglicherweise in ihrer Spätform hin und wieder Vorschub zu leisten scheint, nicht der Eindruck erweckt werden, die Kritische Theorie insgesamt sei unangreifbar oder ihre Entwicklung bis ins letzte Wort stringent und notwendig. Es ist mir sehr wohl bewußt, daß in dieser Schrift versäumt wird, einige Begriffe und Prämissen der späten Kritischen Theorie genauer zu erörtern, so beispielsweise die Theorie-Praxis-Vermittlung, die geschichtsphilosophischen Implikationen, die Gesellschaftsanalyse, die Positivismus-Deutung, das Verhältnis von Materialismus, Metaphysik und Theologie, den Theologie-Begriff selbst, die über KANT hinausreichende Deutung der Erscheinungswelt als Kontingenz, wenn nicht gar Defizienz [Unvollständigkeit - wp]. Eine solche Erörterung, die zur Präzisierung der Intentionen der Kritischen Theorie wichtig wäre, müßte den Rahmen dessen sprengen, was mit dieser Arbeit beabsichtigt.

Aus diesem Grund habe ich auch darauf verzichtet, einen eigenen kritischen Appendix an die Explikation des Themas anzufügen. Wenn die Kritische Theorie sich als eine so radikal selbstkritische Theorie begreift, daß sie nicht nur jede Positivität strikt ablehnt, sondern darüber hinaus im Spätwerk nicht davor zurückschreckt, ihre Selbstauflösung als Augenblick der Wahrheit zu bezeichnen, dann scheint es unmöglich zu sein, sie selbst noch einmal zum Gegenstand einer Darstellung, die doch Interpretation und damit Kritik enthält, zu machen, weil damit eine metakritische Position bezogen würde. Wenn die vorliegende Arbeit sich nicht anmaßt, eine Weiterführung der Kritischen Theorie zu sein, sondern Darstellung, liegt darin gewiß ein Element von Distanz. Aus diesem Grund auch bedarf es keiner ausdrücklichen Einzelkritik, vielmehr mag der Hinweis genügen, daß die Darstellung selbst, soweit sie korrekt ist, Stringenz und Lücken demonstrieren soll.

Aber damit ist das Problem der Darstellung noch nicht erledigt; es wirft seine Schatten bis in die literarische Form, die freilich nicht als Äußerlichkeit abgetan werden darf. Wer die Schriften HORKHEIMERs und ADORNOs liest, weiß, wie sehr sie von der Form leben, in der sie sich dem jeweiligen Gegenstand stellen. Die Kritische Theorie hat kein Hauptwerk, in dem ihre Kategorien, Prinzipien, Prämissen und Resultate als System zusammengefaßt und präsentiert werden. Ihre kennzeichnende literarische Gattung besteht deswenig nicht zufällig in Aufsatz, Essay, Aphorismen und am konkreten Sujet orientierter Monographie.

Systemdenken bleibt suspekt, weil es entweder Unversöhnbares zur Synthese zu bringen sucht oder aber Synthese und Versöhnung als bloß formale Identitätskategorien betrachtet. In dieser Argumentation kommt das materialistische Element der Kritischen Theorie zum Vorschein: Der Anspruch der Vernunft wird nicht schon durch seine idealistische, ontologische oder szientifische Engführung so eingelöst, daß Vernunft wirklich und Wirklichkeit vernünftig geworden wäre. Identitäts- und Systemdenken stellen somit den Versuch dar, die Dislozierung [Verteilung - wp] von Wirklichkeit und Wahrheit ideologisch zu verbrämen. Seit der "Dialektik der Aufklärung" spätestens haben HORKHEIMER und ADORNO, auf MARX ebenso wie auf KANT, HEGEL, SCHOPENHAUER, die französische Aufklärung, NIETZSCHE und FREUD sich stützend, die Widersprüche innerhalb des modernen Vernunftbegriffs analysiert. Die auf technische Verfügungsmöglichkeiten zielende einzelwissenschaftliche Erkenntnis hat neben der Freisetzung von Rationalität auch einen Instrumentalismus hervorgerufen, der die auf Glück, Wahrheit, Freiheit und Sinn bedachten Vernunftansprüche in den Gegensatz zur Wissenschaft manövrieren mußte. Solange dieser Gegensatz besteht, bleibt die Aufklärung unbefriedigt.

Gab es in der frühen Kritischen Theorie noch Ansätze, verbliebene Partikel von Vernunft innerhalb der wissenschaftlich-gesellschaftlichen Rationalität gegen deren instrumentalistische Hypostasierung zu mobilisieren und daran konkrete Hoffnungen für die Überwindung politischer Krisen im Präfaschismus zu knüpfen, so sind solche Hoffnungen angesichts der Nachkriegsentwicklung und der wachsenden Unvermeidbarkeit technokratischer Entwicklungen weitgehend geschwunden.

Im System- und Identitätsdenken äußert sich nach Auffassung der Kritischen Theorie nicht nur der Versuch, alles Individuelle, Besondere, Unglück, Leiden in ein totales Allgemeines zu integrieren, sondern darüber hinaus das instrumentelle Erkenntnisideal auf Geschichte und Gesellschaft auszuweiten und zu verabsolutieren. Spätestens hier zeigt sich, daß Instrumentalismus das ideologische Pendant zu Ausbeutung und Profitinteresse in der politischen Praxis bildet, wobei Ideologie und Praxis Hand in Hand arbeiten. Je dominanter diese Tendenzen werden, desto hermetischer riegelt sich die Kritische Theorie gegen eine Integration in diesen Prozeß ab. Eine in so hohem Maß verblendete Gesellschaft, wie sie sich der Kritischen Theorie darstellt, kann nicht mehr als Adressat und Träger der Vernunftansprüche gelten; HORKHEIMER und ADORNO scheinen in ihren Spätschriften zwischen schwachen Hoffnungen auf resistente Formen der Subjektivität des Individuums und der pessimistischen Perspektive zu schwanken, daß innerhalb der Erscheinungswelt nur noch im Status radikaler Negation Wahrheit zu finden sei, die sich damit aber zur Selbstauflösung getrieben sieht. Bei HORKHEIMER verbindet sich mit dieser Perspektive, direkter noch als bei ADORNO formuliert, eine allen rationalen Rechtfertigungen bewußt trotzende metaphysische Sehnsucht nach einem absolt Anderen zur Wirklichkeit, bei dem einzig die Postulate der Vernunft noch aufgehoben sein könnten. Schon aus diesen Voraussetzungen ergibt sich, daß damit kein simpler Rekurs in eine religiös-konfessionelle Theologie oder traditionelle Dogmatik stattfindet, wie ebensowenig ein so formulierter Pessimismus mit jenem bornierten Defätismus [Hoffnungslosigkeit - wp] übereingeht, der jeder Anstrengung zu Verbesserungen sein Sinnlosigkeitsverdikt vorhält.

Nach dieser radikalisierten Dialektik scheint die Kritische Theorie sich gleichwohl selbst zur Stummheit verurteilt zu haben, da sie in den Sog gerät, sagen zu müssen, was sie nicht sagen kann. So nimmt ihre Reflexion die Figur einer Kreisbewegung an, mit der sie sich an und um ein Zentrum bewegt, das wie beim Bilderverbot nicht dingfest gemacht werden kann. Bei einem solchen Sachverhalt verbietet sich eine literarische Form von selbst, in der eine systematische Konstruktion vorgetäuscht wird. Für eine Darstellung der Kritischen Theorie hat das zur Folge, daß sie unmöglich wird, wenn sie sich dieser Form nicht weitgehend anzupassen versucht.

Es sei noch ein Wort zum Pessimismus gestattet. Jene Studenten und Intellektuellen, die in den letzten Jahren den vielleicht bedeutendsten Versuch unternommen haben, die restaurative Entwicklung in Hochschule und Gesellschaft nach Kriegsende zu durchbrechen, stützten sich nicht selten auf die Kritische Theorie und waren zumeist der Meinung, von ihr im entscheidenden Moment im Stich gelassen worden zu sein. Inzwischen hat sich gerade jener Apparat, dessen Zerstörung selbst Ziel dieser Aktivitäten war, der Alternativen bemächtigt und sie in minimalistischer Version integriert. Diese zumindest vorläufige Niederlage hat zu sehr verschiedenen Formen auch von Resignation geführt; dazu zähle ich Dogmatismus, Reprivatisierung in künstlichen Paradiesen, irrationalistische Ausbrüche, Glorifizierung von Gewalt, repressive Disziplinierung durch rigorose Organisation und neue Bürokratie, die Unterdrückung von Diskussion und die Herabsetzung theoretischer Arbeit sowie narzißtische Wehleidigkeit angesichts der Erfahrungen realer Ohnmacht. In einer solchen Situation müßte es möglich sein, die pessimistischen Perspektiven der Kritischen Theorie ernsthafter als in Schwarz-Weiß-Mustern zu diskutieren, Konsequenzen zu ziehen oder Alternativen zu entwickeln. Lediglich an Strategie und Taktik geknüpfte Erwartungen scheinen eher selbst ein Index für Resignation als deren Alternative zu sein.

Der unmittelbare Anstoß zur vorliegenden Arbeit geht auf Gespräche mit Professor MAX HORKHEIMER vom April 1970 in Montagnola zurück. Ich habe mich jedoch an keiner Stelle unmittelbar auf sie bezogen, wenngleich die Auswahl bestimmter Themen und Akzente aus ihnen hervorgegangen ist. In einem weiteren kurzen Gespräch im September 1970 konnten einige Korrekturen angebracht werden.


1. Der womöglich letzte philosophische Versuch, Welt und Gedanke in einem logisch stringenten System zur Einheit zu bringen, hat bei HEGEL nicht nur seine höchste Form gefunden, sondern zugleich auch seine Unmöglichkeit offenbart. Nicht von ungefähr tauchen in der Nachfolge HEGELs die bekannten Versuche auf, Philosophie ganz oder tendenziell aufzuheben. Das Scheitern der HEGELschen Philosophie beruth nicht auf partiellen Akkomodationen [Anpassungen - wp], wie schon MARX gegen die junghegelianische Kritik feststellte, es beruth auch nicht auf einigen logischen Ungereimtheiten systeminterner Art, sondern auf der Unverträglichkeit des Gedankens der Negativität in der Dialektik mit dem des Systems. Der Widerspruch des Besonderen hebt sich nicht auf in das versöhnte Allgemeine des Ganzen, weil das System des Ganzen versöhnen will, was keine Macht der Welt versöhnen kann: den Schmerz des Negativen, und das ist das Leiden in Geschichte und Natur. So muß HEGELs Versöhnung eine begriffliche Versöhnung bleiben.
    "Die Versöhnung, die Identität der Gegensätze, die der Gedanke erreicht, ist nicht die wirkliche Versöhnung, ob sie sich im gegenwärtigen oder im zukünftigen Zustand der Geschichte ereignet. Die geniale Gewalt, mit der  Hegel,  der letzte große Systematiker der Philosophie, die Positivität des Absoluten gerettet hat, indem er die Qual und den Tod in dasselbe hineinnahm, scheitert am Umstand, daß die Einsicht trotz allem ans lebendige Subjekt gebunden ist und mit ihm untergeht." (1)
Dieses Scheitern indiziert mehr als eine vielleicht zu überwindende Unangemessenheit von Denken und Intention: wo Übel, Leiden und Böses in der Philosophie so wenig ausgeklammert werden wie in der Dialektik HEGELs, schlägt die Unmöglichkeit realer Versöhnung um in die Aufkündigung jedweden Identitätsdenkens. Die seit ARISTOTELES bestimmende Denkfigur der  adaequatio rei et intellectus [Übereinstimmung von Erkenntnis und Sache - wp] wird gestürzt; Dialektik wird "das konsequente Bewußtsein von Nichtidentität" (2). Ähnlich wie KANT nach der verbleibenden Möglichkeit von Metaphysik fragte, schwindet jetzt das Vertrauen in die Möglichkeit von Philosophie und Wahrheit. Wenn heute dem Denken, wie in der Kritischen Theorie jedes affirmative Verhältnis zur Realität untersagt bleibt, dann nimmt es die "Signatur des Widerspruchs" (3) an, dann gibt es keine Instanz der Wahrheit mehr, weil eine solche Instanz schon Identität und Affirmation enthalten müßte. Denken, das immer auf Identifizierung zielt, löst sich zumindest tendenziell selbst auf. Daß eben dies in philosophischer Reflexion vor sich geht - wenn auch keineswegs allein durch sie verursacht -, besiegelt die Unmöglichkeit von System und Versöhnung. "Die Philosophie, die bei sich selbst, bei irgendeiner Wahrheit, Ruhe zu finden meint, hat daher mit Kritischer Theorie nichts zu tun." (4) Von daher erhält Dialektik eine schwindelerregende Bewegung, deren Mittelpunkt nicht, wie traditionell, doch in - unausgesprochenen - Axiomen oder Erstprinzipien liegt, sondern in der Hingabe an das Konkrete, das Besondere, das Kleinste. Wo dieses Verfahren als bodenlos inkriminiert wird, entsteht der Zwang, eine "eindeutige Position" zu beziehen, eine Position, die verbindlich sein will, ein Bezugssystem kennt und damit jene Sicherheit verbürgen will, die anders als affirmativ nicht denkbar ist.

Die Destruktion von System und Identität begründet sich nicht allein durch formallogische und erkenntniskritische Argumente; Sekuritätsbedürfnis und Desinteresse am konkreten Besonderen wiederholen vielmehr gesellschaftlich produzierte Notwendigkeiten.

2. Die labile Form solcher Dialektik, die, obgleich Philosophie, dennoch ihre eigene Aufhebung immer auch einschließt, mag dazu geführt haben, sie als eine bloße Interpretationsfigur zu betrachten, deren selbstreflexive Verschlungenheit wie der gordische Knoten nicht mehr entwirrt, sondern nur noch praktisch-tätig durchhauen werden kann.

Traditionelle Theorie trägt, nach dem Urteil der Kritischen, naive Züge; die intendierte völlige Nicht-Naivität der Kritischen Theorie resultiert aber gerade aus der total gewordenen Ungleichheit von Vernunft und Wirklichkeit; der einfache Rekurs auf Praxis, der in aktionistischen oder theoriefeindlichen Tendenzen zum Vorschein kommt, fällt in jenen Zustand zurück, in dem Utopie und Wirklichkeit noch real vermittelbar erschienen.

Wenn aber ein solcher Dualismus von der Kritischen Theorie konstatiert wird, dann, so wird eingewandt, muß der Nachweis dafür erbracht werden, daß diese Verfallstendenz der gesellschaftlichen Praxis keine bloße Emanation [Hervorgehen - wp] einer aus Enttäuschung blinden Phantasie darstellt, die von sich behauptet, sie bedürfe keiner anderen Kriterien mehr als der von ihr selbst entwickelten - was nur durch die Disqualifizierung aller denkbaren Einwände gestützt wird. So müßte die Realität für die Unzulänglichkeit der Theorie büßen, nicht umgekehrt, wie die Kritische Theorie es will. Sie müßte demnach darauf angewiesen sein, die prästabilierte [vorgefertigte - wp] Disharmonie von Ich als ideologiekritisch reflektierendem Subjekt und dem ideologieverfallenen Faktischen als Konstante zu rechtfertigen, also sich selbst noch einmal einer Metakritik zu unterziehen: "Die kritische Reflexion hingegen bewegt sich unentschieden zwischen beidem und erhält selbstvergessen nur sich selber." (5)

Bezieht sich dies vor allem auf die frühe Kritische Theorie, so fehlt es auch nicht an polemischen Argumenten gegen die spätere "Kritik der instrumentellen Vernunft"; wenn in der Kritischen Theorie zumindest noch die Andeutung einer gesellschaftlich konstruktiven Praxis zu erkennen gewesen sei - schon damals mehr Jllusion als wirkliches Organisationsmodell -, so übe das Spätwerk HORKHEIMERs endgültig Verrat an seinen frühen kritischen Impulsen:
    "Horkheimer indessen ging den Weg zum Pessimismus, der sich an  Schopenhauer orientiert, und endete in einer Apologie des Bestehenden, für die er, in krasser Umkehrung der Tatsachen, sogar  Marx in Anspruch nehmen möchte ..." (6)
Letztlich sei die Kritische Theorie, kapitulierend vor den je neuen Irrationalitäten der Gesellschaft, von MARX und HEGEL auf KANT zurückgefallen; damit in einem Regreß befindlich, der zu nachträglichen Rechtfertigung der bürgerlichen Gesellschaft führt. (7) Vermißt wird am Spätwerk HORKHEIMERs die "konkrete Negation", die unmittelbar auf Praxisveränderung abzielende Kritik, was freilich schon in der frühen Kritischen Theorie "seltsam realitätsfern" anmutend begann und darauf verweist, daß Kritische Theorie keine materiellen Leistungen in der gegenwärtigen Gesellschaft aufzuweisen habe; die späte Kritik biete sich dar als krisenbewußter Konservatismus, der schon frühe Wurzeln hat, insofern auch in den programmatischen Aufsätzen der dreißiger Jahre ein Bruch zwischen gesellschaftskritischem Anspruch und entsprechender Aktivität der Kritischen Theorie zu konstatieren sei. (8)

Ein "Zeichen der Hoffnung" scheint es dagegen für andere zu sein, daß
    "beim Gründer der Frankfurter Schule, bei  Max Horkheimer, ein Bewußtsein über den Zusammenhang zwischen dem Glauben an Gott und der geschichtlichen Macht eines sich an die Wahrheit bindenden und ihr verpflichteten Gewissens meldet." (9)
So unbestreitbar ähnliche Aussagen bei HORKHEIMER zu finden sind, so problematisch bleibt es freilich, diese als Frucht des Spätwerks gegen die frühe Kritische Theorie und gegen ADORNOs Dialektik abzusetzen, wenn man etwa die These von der Unvernünftigkeit der Geschichte zugleich als anstößig empfindet. (10) Auch hier wird die MARXsche Lösung der konkreten Negation der "abstrakten Forderung, daß es eine Änderung geben müsse" (11), entgegengehalten, um den Widerspruch von Absicht und Durchführung der negativen Dialektik zu markieren.

Vom aristotelischen Theoriebegriff und einer Problematisierung der Subjekt-Natur-Relation in der Kritischen Theorie ausgehend, wird ferner ein drohender Rückfall auf die Ebene einer objektivistischen Naturontologie konstatiert (12). Der Pessimismus der Spätwerke, der freilich auch schon in den dreißiger Jahren anklingt, sei die Frucht des allzu optimistischen Appells an das auf diese Weise überstrapazierte Freiheitsvermögen des Subjekts; gestehe man sich dessen Unerfüllbarkeit ein, müsse der latente Umschlag ins Gegenteil, wie in den Spätwerken HORKHEIMERs, explizit werden. Wenn jedoch in der "Dialektik der Aufklärung" der Geist dazu aufgerufen wird, der Macht endlich zu entraten, in der Hoffnung, daß dadurch die Natur zu sich selbst kommt, so setzt dies eine "objektivistische Ontologie voraus, die ein subjektunabhängiges Selbstsein der Natur lehrt" (13). Damit sei nicht nur eine - unfreiwillige - Annäherung an die Subjektivismuskritik HEIDEGGERs zu erkennen, sondern eine Ermächtigung der Geschichte. Auf diese Weise wird das Ende der Kritischen Theorie deutlich:
    "Wenn Geschichtsphilosophie solchermaßen zusammenschrumpft, hat die Kritische Theorie ausgespielt. Den Abschied von ihr demonstriert  Horkheimer unfreiwillig, indem er den  grundlegenden Unterschied zwischen dem Idealen und dem Realen mit dem von  Theorie und Praxis  gleichsetzt und schließlich gar verkündet, das Insistieren auf der  Einheit von Theorie und Praxis sei der marxistischen Lehre mit der scholastischen gemeinsam." (14)
Die Rede vom unaufhaltsamen Verfall im Spätwerk HORKHEIMERs sei ohnehin ein Versinken in reiner Kontemplation. Die Natur als umgreifendes Subjekt bilde das Surrogat für ein entschwundenes Absolutes; letztlich sei Kritische Theorie Erbe der christlichen Theologie und zumindest als Geschichtsphilosophie auch nur als Theologie möglich, wenn man nicht einem neopositivistischen Rationalismus das Wort reden will.

3. Diese ausgewählten Stellungnahmen bieten einander ausschließende Heilmittel an, wenngleich alle Empfehlungen und Kritiken einen Fixpunkt, liege er nun in der Theorie oder in der Praxis, auszumachen suchen. Gerade aber die Fixierung auf ein Programm zählbarer Theoreme erfüllte den Tatbestand, über Unendliches endlich zu verfügen, damit das Unendliche zu verendlichen; vielmehr konstituiert sich Dialektik in der Kritischen Theorie gerade daraus, daß keiner der Erkenntnisgegenstände ganz besessen wird. Sie will sich der Objekte nicht bemächtigen, sondern sich in sie versenken; das Subjekt spannt das ihm Entgegenstehende nicht in vorgefertigte Kategorien ein, sondern sucht sich ihm in einer Entäußerung anzunähern, mimetisch, nicht spiegelreflexiv. Dies bedeutet die Aufkündigung der Herrschaft der Idee, des Begriffs, des verfügenden Subjekts, der abschlußhaften Philosophie.
    "Was Philosophie zur riskierten Anstrengung ihrer eigenen Unendlichkeit veranlaßt, ist die unverbürgte Erwartung, jedes Einzelne und Partikulare, das sie enträtselt, stelle gleich der  Leibnizschen Monade jenes Ganze in sich vor, das als solches stets wieder ihr entgleitet; freilich nach prästabilierter Disharmonie eher als Harmonie." (15)
Im mimetischen Charakter der philosophischen Erkenntnis liegt nicht nur die Verweigerung gegenüber dem Absolutismus der Methode, sondern auch ihre Affinität zur Kunst. Eben diese mimetische Eigenart erhält paradoxerweise auch die Möglichkeit spekulativen Denkens, insofern sich im Durchbrechen des den Gegenständen vorgebauten Methoden-Kordons eine subjektive Freiheit verwirklicht. Der hierbei aufscheinende Widerspruch von notwendiger methodischer Gebundenheit in Philosophie und Sprache mit dem spontanen Ausdrucksdrang des Subjekts belastet das erkennende Ich.
    "Denn Leiden ist Objektivität, die auf dem Subjekt lastet; was es als sein Subjektivstes erfährt, sein Ausdruck, ist objektiv vermittelt." (16)
Spekulativen Charakter nimmt das Denken primär nicht durch die Themen an, auf die es sich richtet, durch eine vermeintliche Tiefe mit einem entrückten oder bedeutungsvollen, an ein Friedhofszeremoniell erinnernden Gestus, sondern gerade im Durchbrechen der approbierten [genehmigten - wp] Reglements durch mimetische Annäherung ans Einzelne und Kleine, ohne verbriefte Garantie auf hieb- und stichfeste Resultate, die solches Denken nachträglich zumindest noch rechtfertigte (17).

Die Reglementierung des Zugangs zur Erscheinungswelt will den Anschein von Objektivität erwecken, als stecke in den Begriffen und Erfahrungsmeßwerten die Wirklichkeit selbst. Nicht nur, daß die Welt der Erscheinung zum Nonplusultra verklärt wird, vielmehr wird so auch der Zugang zu ihr noch einmal kodifiziert. Im Widerstand gegen diese Verpflichtung, sich dem Gegebenen zu unterwerfen, bringt das Subjekt zu Sprache und Freiheit. Die Fähigkeit zum Durchstoßen des Vorhangs aus konventioneller, verdinglichter Objektivität gewinnt das Subjekt im Protest gegen die Ausklammerung jener Leiden, mit der die vermeintliche logische Stringenz erkauft wird. Philosophie folgt somit "dem Ausdrucksdrang des Subjekts. Das Bedürfnis, Leiden beredt werden zu lassen, ist die Bedingung aller Wahrheit." (18)

Dieser Satz, den ADORNO formuliert hat, durchzieht gleichwohl als ein Leitmotiv die gesamte Kritische Theorie, in subtilster Erkenntnstheorie ebenso wie in geschichtsphilosophischen und soziologischen Schriften; selbst noch die Kritik an vergangenen, überholten Gestalten der tradierten großen Philosophie und Theologie bleibt frei von triumphalen Zügen und enthält Spuren von Trauer; so unnachsichtig die ideologiekritischen Arbeiten - in Empörung über das Unrecht, das Ideologien decken - auch urteilen, so frei von rechthaberischer Zufriedenheit bleibt noch HORKHEIMERs Erkenntnis, daß Wahrheit und Wirklichkeit, Möglichkeit und Faktisches, wie schon bei KANT, nicht identisch wurden oder sind. Glück bleibt ohne Schmerz nur fade, trügerische Harmonie. Selbst die Konstituierung des Individuums bleibt gebunden an den Schmerz der Negation, und keineswegs einer bloß begrifflichen:
    "Die wirklichen Individuen unserer Zeit sind die Märtyrer, die durch Höllen des Leidens und der Erniedrigung gegangen sind bei ihrem Widerstand gegen Unterwerfung und Unterdrückung, nicht die aufgeblähten Persönlichkeiten der Massenkultur, die konventionellen Würdenträger. Diese unbesungenen Helden setzten bewußt ihre Existenz als Individuen den terroristischen Vernichtungen aus, die andere unbewußt durch den gesellschaftlichen Prozeß erleiden. Die namenlosen Märtyrer der Konzentrationslager sind die Symbole der Menschheit, die danach strebt, geboren zu werden. Aufgabe der Philosophie ist es, was sie getan haben, in eine Sprache zu übersetzen, die gehört wird ..." (19)
Konzentrationslager werden in der Philosophie, sofern sie überhaupt vorkommen, häufig und gern nur als ethisches Problem qualifiziert; so verdiente die Philosophie das Schicksal, das ihr wohl unvermeidlich droht - aber gerade eine solche Philosophie hat aufgrund ihrer Botmäßigkeit noch am ehesten Überlebenschancen. Daß Auschwitz noch bis in den letzten Winkel der Erkenntnistheorie präsent ist, macht den kritischen Charakter der Kritischen Theorie aus und erläutert unmißverständlich, was materialistische Dialektik von Theorie und Praxis heißt.

4. In HORKHEIMERs 1937 verfaßtem programmatischen Aufsatz "Traditionelle und kritische Theorie" (20) sind diese Elemente schon versammelt. Kritische Theori zielt nicht bloß ab auf eine Vermehrung des Wissens, sosehr sie mit den Einzelwissenschaften korrespondiert, "sondern auf die Emanzipation des Menschen aus versklavenden Verhältnissen". (21) Versklavung manifestiert sich in gesellschaftlich produzierter praktischer Unfreiheit, in entsprechenden Ideologien, in die traditionelle Formen von Theorie eingegangen sind, und im Verhältnis zur außermenschlichen und menschlichen Natur.

Die Unrechtsverhältnisse der Gegenwart kann Kritische Theorie aufzeigen, auf den Begriff bringen, kritisieren, sie kann auf diese Weise auch Impulse zu seiner Bekämpfung geben - jedoch keine Organisationsmodelle und direkten Handlungsanleitungen; sie kann mit einer sozialistischen Revolution sympathisieren, ohne sich jedoch auf sie so zu fixieren, daß sie Bedenken gegen deren womöglich unvermeidliche Deformation aufgäbe - am wenigsten die Trauer über jenes Unrecht, das in der Geschichte seine blutigen Spuren hinterlassen hat und irreparabel bleibt.

Wichtige Elemente dessen, was HORKHEIMER als "Traditionelle Theorie" bezeichnet, finden sich bereits im Anfang der neuzeitlichen Philosophie, exemplarisch bei DESCARTES und FRANCIS BACON. Alle Wissenschaft soll sich am Exaktheits- und Methoden-Ideal der Mathematik und der Naturwissenschaft orientieren. DESCARTES sucht ein einheitliches Deduktionsprinzip, um schrittweise die gesamte Ordnung der Welt, von einfachen bis zu den kompliziert zusammengesetzten Gegenständen, abzuleiten. Die in sich noch so indifferente Wirklichkeit soll einem einzigen Allgemeinprinzip subsumiert werden. Dieses Verfahren wird dort konsequent fortgesetzt, wo der Vielheit mit Hilfe von mathematischen Zeichensystemen Einheit aufoktroyiert wird.

BACONs induktive Methode beinhaltet nur scheinbar das Gegenteil, sie ist vielmehr nur das Gegenstück. Unmißverständlich heißt es bei ihm:  tantum possumus, quantum scimus; [soweit wir können, soweit wissen wir - wp] Wissen ist Macht, das Interesse am guten Leben reduziert sich auf den Willen zur Herrschaft; mittels der Induktion soll es gelingen, wiederum allgemeine Prinzipien zu gewinnen, ein Organon, mit dessen Hilfe die transzendentale Absicht auf eine Unterwerfung der Gegenstände kodifiziert werden kann. Schon der immanente Widerspruch, daß für Induktion selbst kein induzierbares Prinzip mehr unterlegt wird, weist auf vortheoretische Interessen hin, besser: auf den Zusammenhang von gesellschaftlichen Prozessen mit Theorie. Insofern diese technische Rationalität eine schlechte Metaphysik überwindet und zugleich den gesellschaftlichen Lebensprozessen dient, bleibt ihre Legitimität unbestritten; erst dann, wenn sie als Apotheose [Vergottung - wp] von Vernunft schlechthin auftritt, setzt Ideologiekritik ein. Ein solcher Rationalismus überschreitet damit seinen Anwendungsbereich nicht nur unzulässig, sondern er nimmt in der undurchschauten Reproduktion gesellschaftlich herrschender Produktions- und Lebensformen wesentliche Charakterzüge eben jener Metaphysik an, die er doch abschaffen wollte: er unterschlägt den Zeitkern der Wahrheit in aller Theorie ebenso wie das Element der Kritik, welches mit einer Bestandsaufnahme des Gegebenen eine Orientierung am besseren Leben verbindet. Objektivität, die darauf verzichtet, preßt entweder die Wirklichkeit in ein System oder reduziert die Theorie auf faktisch Bestehendes: jedenfalls entsteht eine Dichotomie von Vernunft und Gegenstand, deren Adäquation unvermeidlich einen Zwangscharakter annimmt. Die materialistische Dialektik der Kritischen Theorie will sich ebenso von der totalitären platonisch-idealistischen Bestimmung der Wirklichkeit durch den Gedanken, wie vice versa [umgekehrt - wp], vor der konformistischen Anpassung des Denkens ans  Gegebene  hüten: eine solche Identität wäre der Stillstand der Dialektik. In der traditionellen Theorie steht immer
    "auf der einen Seite das gedanklich formulierte Wissen, auf der anderen ein Sachverhalt, der darunter befaßt werden soll, und dieses Subsumieren, dieses Herstellen der Beziehung zwischen der bloßen Wahrnehmung oder Konstatierung des Sachverhalts und der begrifflichen Struktur unseres Wissens heißt seine theoretische Erklärung." (22)
Daß diese Erkenntnisweise weder auf den Beginn der neuzeitlichen Wissenschaft, noch auf eine rein innerszientifische Struktur beschränkt ist, demonstriert HORKHEIMER ausführlich und wiederholt am Beispiel des logischen Empirismus, Positivismus und Pragmatismus. Daß beispielsweise die Erfolgskontrolle als Wahrheitskriterium gilt, daß die reine Tatsachenfeststellung für wertneutral gehalten wird, beweist nichts weniger als deren Objektivität: darin offenbart sich die komplexe Verflechtung der Wissenschaft mit der gesamtgesellschaftlichen Ordnung. Wie Wissenschaft als Produktivkraft fungiert, so lebt auch der Gelehrte als Wissenschaft betreibendes Individuum innerhalb gesellschaftlicher Abläufe, die ihm nicht äußerlich bleiben.
    "Die Tatsachen, welche die Sinne uns zuführen, sind in doppelter Weise gesellschaftlich präformiert: durch den geschichtlichen Charakter des wahrgenommenen Gegenstands und den geschichtlichen Charakter des wahrnehmenden Organs. Beide sind nicht nur natürlich, sondern durch menschliche Aktivität geformt." (23)
Die Parzellierung des Erkennens in der Wissenschaft und die selbstherrliche Dominanz der Theorie können den Anschein der Natürlichkeit annehmen; ihre Selbstverständlichkeit beruth jedoch auf der Abstraktion aus dem arbeitsteiligen Verfahren des wissenschaftlichen Betriebs. Die verschiedenen gesellschaftlichen Funktionen sind Besonderungen der allgemeinen Auseinandersetzung der Gesellschaft mit der Natur. Theorie wird dann zu einem ideologischen Surrogat, wenn sie sich selbst als autonome Sphäre mißversteht; der Anspruch von Objektivität, der mit dieser Ablösung einherzugehen pflegt und sich zumeist methodologisch rechtfertigt, erhebt sich keineswegs über die konkreten historischen Bedingungen, sondern verliert seine Objektivität paradoxerweise gerade mit diesem Anspruch. Die Kritische Theorie insistiert [besteht - wp] demgegenüber auf einem Interesse an vernünftigen Zuständen, das in der Erkenntnis dessen, was ist, auch die Möglichkeit dessen, was sein könnte, aufbewahrt.

Es hieße Eulen nach Athen tragen, wenn in diesem Zusammenhang noch eigens auf die MARXsche Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Ökonomie verwiesen würde. (24) Ebenso wichtig dürfte aber die Rolle der kantischen Kritik sein (25); gerade sie offenbart in idealistischer Form die der bürgerlichen Gesellschaft immanente Spannung. Die Erscheinungswelt, welche vom empirischen Ich wahrgenommen wird, kann überhaupt nur wahrgenommen werden, weil das transzendentale Subjekt sie vor allem Wissen des Individuums schon präformiert hat. Die Gegenstandswelt jedenfalls stellt sich dar als "subjektive Bestimmtheit, von der das Individuum nichts weiß" (26); das sinnliche Material besteht somit nicht aus einer blinden Folge von nicht hintergehbaren Tatsachen, sondern wird als Erscheinungswelt vom transzendentalen Subjekt definiert. Damit verliert jede Form des Tatsachenfetischismus oder, weniger polemisch, der Verabsolutierung erfahrungswissenschaftlichen Denkens das Recht, sich durch KANT rechtfertigen zu lassen. Alles kommt vielmehr darauf an, die bei KANT nicht ganz aufgehellte Beziehung von transzendentalem und empirischen Ich zu prüfen und gleichsam den realen Ort der intelligiblen Welt ausfindig zu machen oder aber den Überschuß dessen, was der intelligible Bereich in Differenz zur Welt der Phänomene bezeichnet.

Nach HEGEL und MARX leuchtet sowohl ein, daß KANT selbst von Dunkelheit und Schwierigkeiten bei der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe sprach, als auch, daß jene allgemeine Subjektivität sich in der gesellschaftlichen Aktivität nicht mehr bloß als Summe geistiger Faktoren wiederfindet. Die janusköpfige Gleichzeitigkeit von Zielgerichtetheit und Rätselhaftigkeit ist ein von KANT nicht aufgelöster Widerspruch, der in einem entfremdeten Nebeneinander von individuellem und gesellschaftlichen Leben seine historische Basis besitzt. Die materialistische Kritik richtet sich hier auf der Ebene der Theorie gegen jene Blindheit, die selbst auf praktische Zwänge zurückgeht, dessenungeachtet jedoch diese bloß reproduziert und damit rechtfertigt; gegen Ideologie also. Insofern die Kritische Theorie materialistisch denkt, ist ihr bewußt, daß die Widerlegung von Ideologien keineswegs auf theoretischer Ebene allein entschieden werden kann, sondern "nur wenn, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles" (27); nur wenn das Gegebene nicht das Ende aller Möglichkeiten bleibt, kann jene Transparenz entstehen, in der Ideologien sich selbst erübrigen.

Kriterien für jenes Interesse der Kritischen Theorie, schlechte Verhältnisse zu überwinden, finden sich weder in abstrakten, pragmatischen oder wertphilosophischen Prinzipien noch im Vertrauen auf eine soziale Klasse; "die Kritische Theorie hat ... keine spezifische Instanz für sich als das mit ihr selbst verknüpfte Interesse an der Aufhebung des gesellschaftlichen Unrechts. Diese negative Formulierung ist, auf einen abstrakten Ausdruck gebracht, der materialistische Inhalt des idealistischen Begriffs der Vernunft" (28). Vernunft also besteht im Kampf gegen Unrecht; eine allgemeine Klassifikation dessen, was Unrecht ist, gibt die Kritische Theorie nicht, weil es in verschiedenen Epochen verschiedene Gestalt annimmt und angenommen hat. Ebensowenig gibt es eine vergrübelte Suche nach Klassifikationskriterien dafür, wie Unrecht transzendental zu deduzieren wäre: warum das Böse böse ist, läßt sich rational so wenig befriedigend erfassen wie das Wesen des Guten; die im Aufspüren von vermeintlichen Welträtseln sich verlierende Suche nach solchen Kriterien führt nicht nur dazu, das faktisch bestehende Unrecht durch ein abstrakt kontemplatives Verhalten zu stabilisieren, sondern läßt sich bereits mit dieser Suche auf eine Fragestellung ein, die nur von jenem Denken aufgebracht werden kann, dem Glück und Unglück des Individuums für die Konstitution von Theorie bedeutungslos geworden ist. Das Verlangen nach Glück für das Individuum und gutem Leben für die Gesellschaft erscheint der Kritischer Theorie so legitim und einsichtig wie die Erfahrung und Zufügung von Leiden als empörend. Das Interesse am glücklichen Leben gilt somit als evident, als a priori einsichtig.

Schon MARX sprach davon, daß "die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen." (29) Diese Zuversicht klingt in der Kritischen Theorie an, jedoch beschränkt sie ihre Hoffnung maßgeblich auf den Bereich der gegenwärtigen und künftigen Gesellschaft; und auch hier wird vorsichtig die Kategorie "Möglichkeit" (30) verwandt. Bei aller Möglichkeit trägt auch in der frühen Kritischen Theorie schon die konkrete Hoffnung auf Änderung gedämpfte Töne; die heutige Kritik kann gewiß zu Recht klare Unterschiede zwischen der frühen und späten Kritischen Theorie reklamieren; aber Pessimismus ist den frühen Schriften keineswegs fremd: er bezieht sich auf die Unbegründbarkeit des Verlangens nach Glück, auf die Leiden der Natur, die Schmerzen der Gegenwart des Glücks. Bei allem Optimismus, den der Materialismus im Hinblick auf mögliche gesellschaftliche Verbesserungen hegt, "trägt er also einen pessimistischen Zug an sich. Das vergangene Unrecht ist nicht wiedergutzumachen. Die Leiden der verflossenen Geschlechter finden keinen Ausgleich." (31)

Angesichts dieser unkorrigierbaren, unwiederholbaren Geschichte distanziert sich der kritische Materialismus auch von jener Unterstellung, die ihn mit einem Vulgärmaterialismus in eins setzen will: der Materialismus verabsolutiere die vergänglichen Güter und Genüsse; umgekehrt braucht er, bei seiner Empfindlichkeit gegen Unrecht und seinem Gefühl grenzenloser Verlassenheit in allem, was Erlösung und absoluten Sinn betrifft, keineswegs dem Wahnsinn zu verfallen, "wenn auch eine metaphysische Trauer in den Schriften der großen Materialisten zu spüren ist." (32)

Von einem "ruchlosen Optimismus", wie ihn SCHOPENHAUER  "Hegel und seiner Rotte" nicht immer zu Unrecht vorwarf, kann in HORKHEIMERs Materialismus auch im frühen Stadium keine Rede sein. Dafür war die Sensibilität für unabwendbare Leiden zu ausgeprägt.

5. Die Kritik der theoretischen Besänftigung und der praktischen Ursachen solchen Leidens läßt sich in allen Stücken der Kritischen Theorie auch als durchgehendes Thema erkennen. Wo eine Theorie Lösungen parat hält, die Unrecht ausklammern oder es mit einem wie auch immer motivierten Sinn zu verharmlosen trachten, setzt Ideologiekritik ein.

Unrecht und Leiden fügt sich freiwillig und vernünftigerweise niemand selbst zu; ihre Ursachen liegen vielmehr in Gewaltverhältnissen. Gewalt und Herrschaft üben Menschen gegenseitig über sich aus, bedingt durch die Notwendigkeit, sich der Natur zu bemächtigen; in jenen Epochen der Menschheitsentwicklung, die MARX als "Vorgeschichte" bezeichnet, waren gesellschaftliche Organisationsformen unvermeidlich, in denen Herrschaft und Abhängigkeit die soziale Ordnung bestimmten; diese reproduzierten damit von der Gattungserhaltung ausgehende Notwendigkeiten. Dies alles rechtfertigt weder solche Gewaltverhältnisse, noch wird durch eine solche Erklärung auch nur ein Deut der daraus resultierenden Not gelindert; in einer Epoche jedoch, in der sowohl die Produktivkräfte wie die menschliche Vernunft eine Aufhebung dieser Zwänge ermöglichen, verliert die Perennierung historisch überkommener Gewaltverhältnisse jegliche Legitimation. In der Praxis aber realisieren sich immer noch wildwüchsig-zielstrebig Einzelinteressen von Individuen, Gruppen und herrschenden Cliquen ohne erkennbare vernünftige Perspektive für die Gesamtgesellschaft. Besitzverhältnisse und Machtverteilung verschaffen sich Legitimation durch Berufung auf Traditionen, die längst zur Ideologie geronnen sind; gerade deshalb wird traditionelle Theorie in eine herrschaftsstabilisierende Funktion hereingezogen; sie erfüllt diese Aufgabe keineswegs immer ausdrücklich und direkt, so wenig direkt deshalb Theorie auch als "Abbild" und Spiegelreflex der Wirklichkeit betrachtet werden kann (33), sondern durch die Tatsache, daß sie sich in das Spiel von Angebot und Nachfrage einläßt, zum Tauschobjekt auf dem Markt wird und besonders in ihrer szientifischen Tendenz sich an die Einzelinteressen bindet. In der monadologischen Stellung des erkennenden Subjekts klingt noch die Position des starken Mannes, des autarken Besitzbürgers und seiner Macht wie seine Isolierung im Kampf um Selbsterhaltung an.

Die Postulate von Freiheit und sinnvollem Leben aus der bürgerlich-idealistischen Philosophie, welche doch zuvor Erkenntnis und Anstrengung des Begriffs erst in Bewegung setzen, werden bei den heutigen Nachfahren der traditionellen Theorie zugunsten des oerpationellen Denkens ausgeklammert oder aber dadurch depraviert, daß man sie mit dem Bestehenden identifiziert, um die ausgebliebene Übereinstimmung von Idee und Wirklichkeit wenn schon nicht praktisch, dann doch theoretisch zu erzwingen. Wie einstmals die unerschlossene Natur die menschliche Gattung mit ihren blinden Zwängen bedrohte, so hat die gegenwärtige Gesellschaft den Charakter einer zweiten Stufe von blindem Naturzwang angenommen, weil es nicht gelang, aus der Arbeitsteilung und der Aufsplitterung des Wissens zu jener Transparenz zu gelangen, die im Begriff der Vernunft enthalten ist.

Die ideologiekritische Methode des Materialismus sucht zumindest in den dreißiger Jahren das in der Gesellschaft existente, aber isolierte, rationale Selbstverständnis mit dem Irrationalismus der gesamtgesellschaftlichen Perspektivlosigkeit zu konfrontieren. Rationalität, die nicht  nur  unter operationellen Gesichtspunkten denkt, müßte schon in methodologischen Reflexionen darauf stoßen, daß sie ihre Legitimation einem emphatischen Begriff von Wahrheit verdankt, der über die Kontrolle der Richtigkeit logischer Operationen und empirischer Tatsachenerfassung hinausgeht.

Dem widersprüchlichen Ineinander von Rationalismus und Irrationalismus, Zielstrebigkeit und Blindheit der separierten Einzelnen im gesellschaftlichen Prozeß entspricht eine Egalisierung der Individuen, die nach den marktkonformen Tauschgesetzen zu Funktions- und Interessenträgern depotenziert werden, ein Vorgang, den MARX beschrieb als das Zur-Ware-Werden des Produzenten. Dieser Vorgang der Quantifizierung der Qualitäten und der Gleichsetzung des Unvergleichbaren verdirbt den Gedanken der  egalité,  indem an die Stelle der nicht realisierten gemeinsamen Vernunftinteressen die prinzipielle Austauschbarkeit gesetzt wird: Menschen werden zu Repräsentanten irgendeines Typs; es dominiert das Gesetz des Standards, das noch gestattet, beispielsweise die Zweckmäßigkeit von Rettungsfahrzeugen bei Autounfällen mit den volkswirtschaftlichen Unkosten eines Getöteten aufzurechnen. (34) Das wissenschaftliche Substrat einer solchen Gleichmacherei besteht in der Herrschaft jener Logik, in welcher das Besondere und die Einzelheit ihren individuellen Charakter verlieren müssen, um auf Allgemeines bezogen werden zu können: Alles Besondere ist Fall des Allgemeinen. Es wäre platt, daraus eine Ablehnung des logischen Denkens zu folgern: die Funktion der Logik hat sich gewandelt, sie dient nicht mehr Zwecken vernünftiger Organisation und Orientierung gegen irrationale Hierarchien, sondern etabliert sich selbst als Herrschaftstheorie der Gleichmacherei.

6. Im Unterschied zur späteren "Kritik der instrumentellen Vernunft" sieht die frühe Kritische Theorie noch Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderung, ohne daß freilich daraus eine Gewißheit und entsprechende Strategien abgeleitet würden. Die größte Hoffnung stützt sich auf jenes Interesse, das gleichsam die Stelle der transzendentalen Subjektivität der praktischen Vernunft einnimmt: das Streben nach Emanzipation und freier Vergesellschaftung.
    "Solange das Denken nicht endgültig gesieght hat, kann es sich nie im Schatten der Macht geborgen fühlen. Es erfordert Unabhängigkeit, ... denn das Ziel einer vernünftigen Gesellschaft, das heute freilich nur in der Vernunft aufgehoben scheint, ist in jedem Menschen wirklich angelegt." (35)
Sogleich wird jedoch angemerkt, daß sich mit dieser Theorie kein Heilsanspruch verknüpft; es handelt sich nicht um eine "befriedigende Affirmation". Die Einlösung hoffnungsvoller Prognosen liegt nicht auf theoretischer Ebene, sondern erfordert Anstrengung mit Willen und Bewußtsein: sie kann scheitern, sie kann sich nicht auf messianische Verheißungen stützen. Vollends irrt jener Ökonomismus, der sich allein auf die mechanische Entfaltung wirtschaftlicher Widersprüche verlassen zu können glaubt: Politik, Demokratie, Kultur und Theorie hängen ab vom Stand der Produktionsverhältnisse, doch ist diese Abhängigkeit Gegenstand von Kritik, keineswegs Dogma oder Programm.

Eigentum, Profit und Klassen-Antagonismus spielen schon in dieser Phase der Kritischen Theorie nicht mehr die Rolle, die MARX ihnen zugeschrieben hatte; ihre aktuelle Wirksamkeit ist aber nicht aufgehoben, sondern nur verdeckter. Stattdessen konstatiert HORKHEIMER eine Tendenz, daß sich Herrschaft und Eigentum an Produktionsmitteln trennen; dies führt zu einer Verselbständigung von Management, Magnaten und Führercliquen, die gegen jeden liberalistischen Individual-Willen auch des Unternehmers noch Profitdenken und Sachzwänge durchzusetzen vermögen: "Am Ende des Prozesses steht eine nicht mehr von selbständigen Eigentümern, sondern von industriellen und politischen Führercliquen beherrschte Gesellschaft." (36) Mit dem Verschwinden des Rechtstitels für Eigentum schwinden auch die entsprechenden liberalen Individualtugenden; somit entsteht jenes Massenbewußtsein, das immer mehr als Funktion der herrschenden Apparater reagiert.

Die Anzahl der Anhänger einer auf Veränderung zielenden Kritischen Theorie kann darum kaum über kleinere Gruppen hinausgehen, die sich der Tendenz zur Gleichschaltung und Verdummung entziehen. Erfolg der Kritischen Theorie kann sich durchaus als Mißverständnis oder Scheinsieg erweisen.

Ein einheitliches, genau zu bezeichnendes Subjekt für eine Umwälzung der Gesellschaftsordnung nennt HORKHEIMER nicht. Idealistisch ist seine Argumentation deswegen jedoch keineswegs; materialistisch rechnet er vielmehr mit den Wünschen nach Genuß und Gütern. In den Vergesellschaftungsformen der Vergangenheit diente der Arbeitsprozeß der Steigerung des Gebrauchs und Besitzes von Gütern, mit wechselndem Erfolg; nie war es möglich, alle oder auch nur die Mehrzahl der Produzierenden an den erarbeiteten Gütern so reichlich zu beteiligen, wie es für einzelne Gruppen oder Klassen gelang. In der Kritischen Theorie konstatiert HORKHEIMER jedoch ein subkutanes [unter der Haut - wp] Bewußtsein an Philosophie und Religion - welche zuerst und oberflächlich die ungleiche Verteilung theoretisch reproduzierte - vom Recht auf Genuß für die Mehrheit. Dies hat nicht nur zur Sprengung aller bisherigen Klassenorganisationen geführt - die doch soviel Zweckmäßigkeit und Produktivität für sich geltend machen konnten -, sondern auch zur Erfahrung des Widerspruchs in der gegenwärtigen Gesellschaft. Die Forderung nach einer vernunftgemäßen Organisation des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft läßt sich nicht rückgängig machen; als Idee kontrastiert sie mit der konkreten Erfahrung. Der daraus resultierende Widerspruch kann explosive Potenzen freisetzen.
    "Indem nun in der neueren Geschichte von jedem Individuum gefordert ist, daß es die Zwecke des Ganzen zu den eigenen macht und diese im Ganzen wiedererkennt, besteht die Möglichkeit, daß die ohne bestimmte Theorie und als Resultante disparater Kräfte eingeschlagene Richtung des gesellschaftlichen Arbeitsprozesses, an deren Wendepunkten zuweilen die Verzweiflung der Massen ausschlaggebend war, ins Bewußtsein aufgenommen und zum Ziel gemacht wird. Das Denken spinnt dies nicht aus sich heraus, es wird vielmehr seiner eigenen Funktion inne." (37)
Ort, Zeit, Subjekt, Strategie und Taktik der für notwendig und möglich gehaltenen Umwälzung, die sich freilich nicht mit akzidentellen [nebensächlichen - wp] Reparaturen zufriedengeben will, weil diese doch nur das perfekte Funktionieren des Vorhandenen bezwecken, sind nicht genau identifizierbar; es gibt nicht einmal nur diese Unsicherheit, sondern die totalere, ob eine solche radikale Veränderung überhaupt stattfinden wird. Die konstitutive Bedeutung der Lehre von MARX darf nicht den Blick dafür trüben, daß sich die Kritische Theorie nicht monistisch auf MARX festgelegt hat, ihn sich vielmehr in differenzierterer Form anverwandelt; manche Spekulationen und Hoffnungen, die MARX noch hegen konnte, erscheinen den materialistischen Nachfahren als Irrtum oder Jllusion, vor allem die bei MARX immer wieder durchscheinende Gesetzmäßigkeit des Geschichtsablaufs und die Notwendigkeit von Krisen mit revolutionärem Abschluß - was auch bei MARX in einem unaufgelösten Widerspruch zum proklamierten Recht der Individuen und freien Vergesellschaftung steht.

Im Unterschied zu MARX' Zeiten findet sich der Materialismus, soweit er sich der Kritik der politischen Ökonomie bedient, in einer spätkapitalistischen Gesellschaft vor, deren spezifische Tendenz in der Verlagerung der Herrschaft vom Privateigentum auf Manager, Monopole, Oligarchien und Führercliquen besteht; der Besitz an Produktionsmitteln bringt entsprechende Informationsprivilegien mit sich. Diese Situation begünstigt nicht nur materielle, sondern ebenfalls kulturelle Abhängigkeit und Manipulation; das Spiel der doppelten Wahrheit: der einen für die Eingeweihten und der anderen für die vermeintliche Öffentlichkeit, führt zur Dislozierung des Bewußtseins: wie ehedem das Proletariat ausgepowert war, so ist es jetzt die herrschaftsabhängige Mehrheit der Menschen, weil ihr der eigene falsche Zustand als so wünschenswert interpretiert wird,, wie die Machthaber ihn empfinden.

Der Wille zur Veränderung kann deswegen nur in dem Maße geschichtswirksam werden, wie es gelingt, die konkreten Erfahrungen von Leiden und Unrecht gegen die herrschaftsorientierten Ideologien abzusetzen und bewußt zu machen. Dies wiederum kann nur im Kontext des mit Beginn der Neuzeit aktualisierten Freiheits- und Wahrheitsbegriffs und seinem an Mündigkeit orientierten Vernunftinteresse geschehen, in dessen Horizont die materiellen Entbehrungen keineswegs mehr einzig als schicksalsverhängte Notwendigkeit und religiös-moralisch sanktionierte Askese erscheinen, sondern als Elend, Frustration, Unrecht.

In diesem Zusammenhang erscheint auch die rapide Polarisierung von Macht in wenigen Händen und breiter Ohnmacht auf der anderen Seite, die im Machtmonopol des faschistischen Führers und der Gleichschaltung der Massen ihre konsequente Vollendung fand, als jene Katastrophe, welche die vielfache Verschleierung und den Wahnsinn der realen Verhältnisse schlagend demonstriert. Daß daraus radikale Konsequenzen gezogen würden, war die Hoffnung, von der die kritische Theorie ihren revolutionären Willen ableitete.

Ein bei den Benachteiligten zumindest  latentes  Bewußtsein von Ohnmacht und vorenthaltenen Rechten bildete also eine der Voraussetzungen, an welche die Kritische Theorie der dreißiger Jahre vorsichtige Erwartungen knüpfte; wenn dieses Bewußtsein aber betäubt, irregeleitet oder gänzlich gleich- oder ausgeschaltet wurde, wofür es trotz Wirtschaftskatastrophe und Nationalsozialismus - also einer nahezu klassischen, zur Reflexion zwingenden Krisenphase - durchaus von der Kritischen Theorie registrierte Indizien gab, dann konnte es wohl nur für wenige Hellsichtige eine Idioten- oder Outsider-Rolle geben, sofern sie nicht ohnehin verfolgt und in die Liquidierung alles Andersartigen einbezogen wurden und als Märtyrer starben. Tendenziell wurden im Sieg des Faschismus alle Exponenten der Vernunft zu Opfern.

Wenn dies zutrifft, war damit auch jene Tradition liquidiert, welche den überkommenen Begriff und Gehalt von Vernunft mit den gegenwärtigen Erfahrungen wie eine Nabelschnur verband. Daß die Mobilisierung aufklärerischer Energien das Scheitern der Vernunft nicht verhindern konnte, mußte massive Zweifel an Programm und Struktur der Aufklärung selbst provozieren, die ohnehin schon bestanden, aber in der öffentlich verbreiteten Verhöhnung der Vernunft kaum artikuliert werden konnten. Wenn es zudem gelang, politische und ökonomische Krisen, wie sie sich in der Zeit der Weimarer Republik bedrohlich gehäuft hatten, anders als durch eine sozialistische, von Proletariern mit Intellektuellen gemeinsam vollbrachte Revolution zu beenden, wenn der Faschismus erträglicher erschien als jene oder auch nur die früheren Verhältnisse, dann gab es keine reale Basis für einen Umsturz mehr. Wenn es nicht einmal mehr gelang, den militärischen Sieg über den Faschismus zu einer Neuorganisation der Gesellschaft auszunutzen, welche den Interessen der Vernunft entspricht, dann bedeutete dies nicht eine bloße Enttäuschung zeitweiliger revolutionärer Hoffnungen, sondern warf die Frage auf, "warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt" (38), warum sich die Aufklärung, statt in den technischen und organisatorischen Möglichkeiten der Mitte des 20. Jahrhunderts Mittel und Bedingungen zu sehen, mit denen ein vernünftiger Zweck der Geschichte erarbeitet werden könnte, sich selbst als Aufklärung in den Arm fällt und zu zerstören droht.

7. Hier setzen auch die "Dialektik der Aufklärung" (1944) und die "Eclipse of Reason" (39) ein. Beide Werke ziehen Konsequenzen nicht nur aus der zerschlagenen Hoffnung auf eine Revolute gegen den Faschismus, sondern ebenso aus dem Entstehen neuer politischer und gesellschaftlicher Machtverhältnisse nach dem Ende des HITLER-Reiches. Jenes Neue, das damit angebrochen ist, läßt sich nicht mehr allein mit den Kategorien des Marxismus und der frühen Kritischen Theorie beschreiben, geschweige denn verändern. Es zeigt sich, daß der Faschismus doch nicht der Inbegriff allen Unrechts gewesen sein muß, sondern zugleich womöglich nur die Ouvertüre zu einer globalen Apokalypse, die keineswegs der Gaskammern, des unverhohlenen Kults der Gewalt und des atomaren Schlags bedarf, sondern in einer schleichenden Aufhebung der Vernunft und einem durch zumindest subjektives Einverständnis legitimierten Zwang des Allgemeinen sowie der damit verbundenen Austauschbarkeit des Konkreten und Individuellen vor sich geht.

Die Einlösung vergangener Hoffnungen rückt damit ferner denn je. Die Kritik der Kritischen Theorie, vor allem die marxistische und sich immanent materialistisch verstehende, macht es sich zu leicht, wenn sie in diesem Wandel nicht viel mehr als einen Verrat an früheren Zielen und einen Rückzug ins Refugium kontemplativen Denkens sieht. Eine auf Wahrheit sich richtende Theorie kann nach materialistischem Selbstverständnis nicht bei einmal konstatierten Erkenntnissen absolut ausharren; täte sie es dennoch, spreizte sie sich zu schlechter Metaphysik auf, welche den Zeitkern von Wahrheit leugnet, und stellte sich selbst als Substanz der Geschichte gegenüber. Daß eine solche nichtfixierte dialektische Theorie die Gefahr in sich trägt, statt Erkenntnis nur Mutmaßungen zu formulieren, ist so wahr wie eine andere Form von Philosophie - zumindest im Selbstverständnis der Kritischen Theorie - unmöglich. Wenn deren Skepsis im Hinblick auf einen Fortschritt nun zugenommen hat, ist es unmaterialistisch, die Frage nach dem  fundamentum in re [reale Grundlage - wp] dieser Wandlung zu übergehen. Sofern man schon diesen Terminus gebrauchen will und Praxis überhaupt als Argument herangezogen werden kann, hat die geschichtliche Entwicklung bestimmte Prognosen falsifiziert; der Kritischen Theorie wäre eher bei einem unveränderten Beharren auf früheren Positionen der Vorwurf der Inkonsequenz und Blindheit zu machen als wegen einer Änderung.

Im Übrigen handelt es sich, wie noch zu zeigen ist, kaum um eine so radikale Zäsur, daß die leitenden Interessen der Kritischen Theorie generell aufgegeben worden wären. Die Kritik vielmehr hat radikalere Formen angenommen, und dies verschärft in der Tat das Problem, wie auf die kritisierte Praxis direkt einzuwirken ist, ohne sich ihr zu akkomodieren [anzupassen - wp]. Man könnte die gewandelte Kritische Theorie, die ihren größten Gegensatz "Positivismus" nennt, mit einem schlechten Wort "Negativismus" nennen, um die Radikalität der Negation zu bezeichnen, wenn in diesem Wort nicht schon wieder der "-ismus" als System erscheinen würde; System aber erforderte eine Totalität, welche die Negation partikularisierte, sie als  pars destruens [zerstörender Teil - wp] in der Wahrheit des Ganzen wieder aufhebt, jenes Ganzen, das, nach der bekannten Umwendung des HEGELschen Diktums durch ADORNO, das Unwahre ist. Der Totalität haftet allemal noch der nicht nur verbale Beigeschmack des Totalitären an, sondern ebenso die Subsumierung des Benachteiligten, Besonderen, Vereinzelten unter ein erdrückendes Ganzes, gerechtfertigt durch die verschiedenen Spielarten der List der Vernunft. Sperrt sich aber die Wirklichkeit gegen die Vernunft in jenem Unmaß, daß die "Dialektik der Aufklärung" konstatiert, dann kann negative Dialektik nicht zu einer bestimmten, konkreten Dialektik überspringen, ohne nicht doch wieder eine heimliche Optien auf eine versöhnte Totalität zu leisten: eine solche findet keinen Grund in der Erfahrung und kann auch als spekulative nur jene Identität erzeugen, welche schließlich doch ihren Frieden mit der Geschichte macht. Teleologie wie Theodizee [Rechtfertigung Gottes - wp] produzieren immer jenen Schein von Harmonie, auf den desillusionistisches Denken verzichten muß. Wenn somit positive Setzungen konkreter gesellschaftlicher Organisationsmodelle von der Negativen Dialektik verlangt werden - und darauf läuft der Vorwurf der Praxisfremdheit hinaus -, so müßte sie sich selbst aufgeben, weil sie auch darin noch der Totalität der gesellschaftlichen Irrationalität nicht entgehen könnte. So gerät die Kritische Theorie in diesem Stadium in einen Schwebezustand: Sie muß die totale Veränderung wünschen, ohne diese konkretisieren zu können. Eine direkte politische Handlungsanweisung gar erschiene ihr als Fesselung der eigenen Bewegung.
    "Aus Kritischer Theorie Konsequenzen für politisches Handeln zu ziehen ist die Sehnsuch derer, die es ernst meinen; jedoch besteht kein allgemeines Rezept, es sei denn die Notwendigkeit der Einsicht in die eigene Verantwortung. Eine unbedachte und dogmatische Anwendund Kritischer Theorie auf die Praxis in der veränderten historischen Realität vermöchte den Prozeß, den sie zu denunzieren hätte, nur zu beschleunigen." (40)
So kann ADORNO folgerichtig davon sprechen, daß Theorie selbst an die Stelle der "vertagten Praxis" getreten ist; der Augenblick der Verwirklichung von Philosophie wurde versäumt, "vielleicht reichte die Interpretation nicht aus, die den praktischen Übergang verhieß"; (41) die einstmals schon als überholt erschienene Philosophie muß zum Residuum der Vernunft werden, indem sie freilich die mißlungene Veränderung der Welt bewußt erhält; sie nimmt die Form des Anti-Systems an und wacht mißtrauisch darüber, daß niemand ihre erinnerte Vernunft mit der Wirklichkeit versöhnlerisch identifiziert. Der verpaßte Augenblick ihrer Verwirklichung läßt sich nicht jederzeit nachholen; so mag es notwendig sein, daß sie sich gegenüber der Veränderung von Praxis abstinent verhält: Wer dennoch meint, sie müsse jederzeit ihre Verwirklichung nachholen, verfällt womöglich selbst ideologischen Reflexen.

Der Kritischen Theorie wie der Negativen Dialektik wird vorgeworfen, daß sie eine Dichotomie [Zweiteilung - wp] zwischen ideologiekritisch reflektierendem Subjekt und ideologieverfallener Faktizität konstruierten; dabei werde weder diese Disharmonie in die eigene Denkbewegung eingeholt noch die Idelologieverfallenheit der sozialen Wirklichkeit exakt lokalisiert; diese vielmehr werde als solche deswegen vor allem so interpretiert, um die Valenz der eigenen Theorie nicht aufgeben zu müssen. (42) Eine solche Argumentation kann sich zweifellos auch auf soziologische Theorien berufen, welche mit methodisch exakteren Analysen zu weitaus weniger verheerenden Folgerungen gekommen sind als etwa die "Dialektik der Aufklärung" oder die "Kritik der instrumentellen Vernunft". Doch dies enthält nur die halbe Wahrheit. Denn zu jenen einzelwissenschaftlichen Gesellschaftsanalysen verhält sich die negative Dialektik metatheoretisch: weil jene in gerade den Reproduktionszusammenhang eingegangen sind, der als System-Totalität bereits klassifiziert ist. Dies freilich soll nicht mit einer Verachtung der empirisch oder deduktiv gewonnenen Ergebnisse gleichgesetzt werden, im Stile einer wohlfeilen Kulturkritik oder gar bloßer vorurteilsverfallener Besserwisserei, sondern muß erschlossen sein aus einer komplexen Analyse von historischer Entwicklung und gesellschaftlichen Fakten.

Daß nach dem Zusammenbruch der faschistischen Herrschaftssysteme die von der Kritischen Theorie erhoffte Katharsis ausblieb, wurde schon erwähnt. Die sich als Inkarnation des Sozialismus - für HORKHEIMER immer noch der Begriff "inhaltlich gefüllter Demokratie" - verstehende Sowjetunion hat seit der Zeit des Stalinismus kaum etwas unterlassen, um den Sozialismus zu diskreditieren; der etablierte Kommunismus geht eher mit dem Kapitalismus und Imperialismus eine Mesalliance [Fehlverbindung - wp] ein, welche die Mängel beider Systeme noch steigert, als daß er gegenwärtig eine reale Alternative zum Bestehenden böte. Die Anfälligkeit des Kapitalismus wurde durch ein Krisenmanagement minimalisiert, der revolutionäre Elan gebrochen. Die Abhängigen und objektiv Benachteiligten haben sich zu energischen Anwälten des sozialen Status quo gemacht. Die Aufspaltung der Welt in waffenstarrende Machtblöcke erfordert für Rüstung und Vernichtungsinstrumente riesige Aufwendungen, die so nicht nur besseren Zwecken entzogen werden, sondern selbst noch Prioritäten für eine politisch-gesellschaftliche und wissenschaftliche Tätigkeit setzen. Unterdessen wächst der Lebensstandard und hilft, den Widerstand in Tat und Wort, in Individuen und Klassen zu integrieren, ohne jene Möglichkeiten des Glücks zu realisieren, die im materiellen Wohlstand freigesetzt werden könnten; stattdessen werden Proselyten [Anhänger - wp] für eine neue Welt gemacht, deren Endzweck immer wieder in den Mitteln zu dieser Herstellung aufgeht. Demokratie "tendiert ... als freiheitliche Staatsform dazu, unzweckmäßig und deshalb zum Schein zu werden." (43), weil aufgrund des Zwangs zum Spezialistenwissen die Transparenz von Entscheidungen nicht mehr gewährleistet werden kann. Diese Verhältnisse bleiben psychologisch und politisch nicht folgenlos. Einer tendenziell totalen Verwaltung stehen in zunehmender Ohnmacht die Einzelnen gegenüber, gezwungen, sich dem Druck des Stärkeren zu unterwerfen und in jene Schablone zu schlüpfen, die als Etikett der Persönlichkeit, Freizeit oder Spielwiese des Individuellen für sie bereitgehalten wird: vollendet wäre dies das unpolitische Rädchen, welches das Getriebe in Gang hält.

Diese Andeutungen mögen genügen, den gesellschaftlichen Wandel, wie er sich als Phänomen der heutigen Kritischen Theorie darstellt, zu skizzieren. Studien wie die über "Autorität und Familie in der Gegenwart" (44) konkretisieren sozialpsychologisch die allgemeine Theorie der Gesellschaft.

In Profitstreben, Leistungsdruck und Effizienzdenken bleiben die Strukturen des Kapitalismus präsent. Die Subsumierung der Produkte unter das marktwirtschaftliche Tauschgesetz hat längst die Individuen erfaßt und Kultur zum Kulturbetrieb denaturiert. Die Herrschaft des Einen, der Totalität, über die Mannigfaltigkeit von Mensch und Natur geht über in eine perverse Mimesis [Nachahmung - wp]: in die Angleichung des Beherrschten ans Herrschende. - Was die Kultur anbetrifft, so distanzieren sich HORKHEIMER wie ADORNO von kulturpessimistischen Lamentationen; Kultur war in der Vergangenheit ein Privileg, erkauft durch Zubringerfunktionen der Untergebenen: ein Widerspruch in Kultur selbst, der nicht zu ihrer apotheotischen [verherrlichenden - wp] Verklärung paßt. So gäbe es keinen Grund zur Kritik, wenn Kultur in ihrer traditionellen Gestalt zu existieren aufhörte, "trüge nicht der Ausverkauf der Kultur dazu bei, die ökonomischen Errungenschaften in ihr Gegenteil zu verkehren." (45)

8. Das für die "Dialektik der Aufklärung" kennzeichnende Problem enthält zugleich eine Aporie [Widerspruch - wp]: Die Selbstzerstörung der Aufklärung. Die These heißt: Aufklärung, einstmals aus dem Mythos und dessen Kritik entstanden, fällt wieder in den Mythos zurück; Wissenschaft in positivistischer Form, welche das Erbe der Aufklärung für sich reklamiert, nennt ADORNO den "Mythos dessen, was ist", eine aufgefklärte Gegenaufklärung; der Regreß des Denkens zum Mythos geschieht nicht einfach durch eine exakte Analyse oder naturwissenschaftliche Erkenntnis als solche, sondern durch einen Tatsachen-Fetischismus, der weder seine Implikationen noch seine Konsequenzen reflektieren will und damit das Verhältnis zur Wirklichkeit jenem Tauschgesetz unterstellt, das bei MARX die Produkte und die Produzenten zu Waren macht. Wie der vorgeschichtliche Fetischismus mit seinem  quid pro quo [dieses für jenes - wp] eine - freilich ohnmächtige - Gewalt über die Naturzwänge zu gewinnen trachtete, so versucht jene Wissenschaft, sich der Wirklichkeit zu bemächtigen. Damit übernimmt sie das Element der Gewalt aus den realen Herrschaftsverhältnissen und reproduziert es in der transzendentalen (allerdings nicht immer bewußten) Absicht auf eine Verwendbarkeit allen Wissens. Wissenschaft jedoch bleibt kein bloßes Überbauphänomen, sondern wurde längst die vielleicht wichtigste Produktivkraft der hochindustriellen Gesellschaft; als solche beschränkt sich ihre Struktur keineswegs auf den Bereich der Methodologie, vielmehr schlägt sie zurück auf die gesamte gesellschaftliche Praxis, der sie sich auch verdankt. Wissenschaftlicher Fortschritt und gesellschaftliche Regression verbinden sich so zu einer widerspruchsvollen Einheit; keineswegs nämlich bestreitet die Kritische Theorie die Nützlichkeit des Zuwachses an verwendbarem Wissen. Diese bildet die materielle Voraussetzung zur Herbeiführung jenes Reichs der Freiheit, auf welches die Aufklärung von jeher hoffte; insofern enthält Wissenschaft  eo ipso [schlechthin - wp] Fragmente von Aufklärung, die historisch schon in der Destruktion eines metaphysischen Dogmatismus und anderen Ideologien zum Austrag kamen. Aber als technische Verfügungsgewalt gibt sie eben nur immer größere Mittel an die Hand, die nicht nur einen Freiheitsraum schaffen, sondern ihn ebenso verhindern können. Dies muß dann geschehen, wenn - wie von der Kritischen Theorie konstatiert - die mit der Aufklärung implizierten Vernunftziele den Mitteln untergeordnet werden, wenn Vernunft also zum Instrument zur Erreichung von profitablen Zwecken regrediert [sich zurückentwickelt - wp]. Damit hat sich wieder jenes Gewaltverhältnis etabliert, zu dessen Aufhebung die Aufklärung sich einst berufen fühlte.

Daß ihr dies nicht gelang, ist, so wollen die "Kritik der instrumentellen Vernunft" und die "Dialektik der Aufklärung" zeigen, kein zufälliges Mißgeschick; seit BACON schon werden Macht und Wissen identifiziert, dagegen ist "das unfruchtbare Glück aus Erkenntnis ... lasziv [unanständig - wp] für  Bacon wie für  Luther". (46) Im Übrigen gleicht die Aufklärung dem Mythos mindestens darin, daß in beiden die Souveränität über das Dasein zum Leitmotiv erhoben wird. Bezahlt wird dieser Antagonismus mit der Entfremdung von Begriff und Wirklichkeit: Manipulationsfähigkeit gilt als Siegel für das Erkennen, insofern im Prinzip das Viele sich stets auf Weniges, optimal auf Eines, zurückbeziehen läßt; Geschichte und Menschen lassen sich als Faktoren subsumieren, in Variationen des immer Gleichen. Machenkönnen ist Beweis des Wissens, Erfolgskontrolle tritt an die Stelle von Wahrheit. Wahrheit selbst wird gemacht. Nichts Neues unter der Sonne; was anders ist, wird gleichgemacht: Sonderfall eines Allgemeinen. Der Identitätszwang gegenüber allem, mag es qualitativ noch so verschieden von anderem sein, verhindert jene andere Identität, auf welche die Aufklärung es nicht minder anlegen wollte: die Identität des Individuums und der Qualitäten mit sich selbst, Identität von Sein und Bewußtsein, wobei die Vernunft das Sein bestimmt und nicht mehr umgekehrt.

Das Zerbrechen der Naturzwänge durch die Inthronisierung jenes autonomen Subjekts, welches sein Wissen total instrumentalisiert, führt in Wahrheit nicht zu dem erwünschten Abbau von naturbedingter Heteronomie, sondern zur Restitution der Naturzwänge auf neuer Ebene, zur zweiten Natur, deren Gewaltstruktur eine neue Ohnmacht herbeiführt - durch die Anstrengung, die erste Natur zu domestizieren. Die Natur rächt sich, so könnte man sagen, wäre sie ein Subjekt, an ihren Bezwingern dadurch, daß sie deren Sieg in einer perfiden Dialektik von Herr und Knecht zu einer Niederlage umformt und die Sieger, statt gegen die Natur, nun gegen sich selbst Gewalt anwenden und erleiden müssen. Der Preis besteht im Verlust von Sinn und Vernunft, jener Ziele also, die - wie auch immer des Näheren bestimmt - die Intentionen der Aufklärung mitbestimmten.

Entsprechend nimmt die Kritik von Metaphysik die Züge einer Tabuisierung an: Sinnlosigkeitsverdaht gegenüber allem, was den instrumentellen Konsens anzweifelt; daraus kann der Metaphysik in geläuterter Form eine kritische Funktion zuwachsen, von der sich die beginnende Aufklärung nichts träumen ließ. Sie ist unter Umständen geeignet, die - mit MARX gesprochen - Reduktion des Lebens zum Lebensmittel, die Einzwängugng der Vernunft auf die bloße Selbsterhaltung zumindest durch alternative Postulate zu irritieren - freilich ohne die Garantie dafür, daß selbst dies nicht integriert wird und damit zur Stabilisierung des Faktischen dient: für die klassische Form der Metaphysik als Teil traditioneller Theorie trifft dies ohne hin zu. Das Produkt der Aufklärung, die zu früh vergaß, ihre eigene Zwiespältigkeit zu reflektieren, ist ein absurder Fortschritt: Dem Machtzuwachs an Beherrschung der Umwelt korrespondiert die Regression in unvernünftige Zustände. Unrecht und Leiden werden ungleich besser beherrschbar und in nie dagewesenem Maß neu produzierbar. Fortschritt und Aufklärung zeigen sich erbarmungslos, sie implizieren mit unvermeidlicher, in ihnen angelegter Logik ihre permanente Fortsetzung zugleich mit ihrer Aufhebung. Ihr Ende besteht in der Alleinherrschaft des Faktischen, im Absolutismus einer Zweck-Mittel-Rationalität ohne Entkommen, in der freiwillig übernommenen prinzipiellen Gleichschaltung aller und in der Identifizierung dieses Massenbetrugs mit Vernunft.

Die Selbstliquidation der Aufklärung wird entscheidend gefördert durch die Instrumentalisierung von Sprache und Form. Worte wie  Freiheit, Vernunft  und  Wahrheit  können ungeniert von ihren Verächtern gebraucht werden, ohne daß sich dieser Mißbrauch als solcher nachweisen läßt. Zu so einem Nachweis bräuchte man Kriterien, die Falsch und Richtig klar zu unterscheiden erlauben; die Prüfung von Urteilen und Begriffsbestimmungen fällt gemeinhein in den Bereich von Logik und Erkenntnislehre. Es zeigt sich nun, wie abstrakt eine solche Unterscheidung verfährt, wenn sie auf die Ebene der reinen Theorie eingegrenzt bleibt. Logik und Erkenntnislehre verdanken ihre Einsichten und Kriterien weder einer Offenbarung noch eingeborenen Ideen, sondern dem historisch entwickelten Stand des Bewußtseins. Das pragmatistische Beispiel der Erfolgskontrolle bei der Prüfung von Hypothesen illustriert, wie aus dem Mangel an verbindlichen Kriterien eine Tugend gemacht wird: die Kategorie des Profits wird in die Logik transponiert [übertragen - wp]. Die Prüfung von Protokollsätzen beruft sich in der Entscheidung über Richtig oder Falsch schließlich auf individuelle Erfahrungen und Mehrheitsurteile - ganz gleich, ob sich in ihnen Vernunft,  common senses  oder gesundes Volksempfinden niederschlägt. Damit wird jene Differenz, die zwischen Sprache und Wirklichkeit besteht, ebenfalls der Räson der Identität geopfert, sei sie nun empiristisch oder nominalistisch. Folgerichtig verzichtet die neuere Logik möglichst auf Worte und Begriffe, die allemal den Makel der Mehrdimensionalität aus der Umgangssprache an sich tragen, und ersetzt sie weitgehend durch Zeichen und mathematische Symbole. Die "Dialektik der Aufklärung", die  cum ira et studio [mit Haß und Eifer - wp] mitunter dazu neigt, die methodische Legitimität einer solchen Verfahrensweise pauschal zu verwerfen, übersieht andererseits durchaus nicht, daß es der mathematischen Logik mit großem Scharfsinn gelingt, Richtigkeitskriterien für Zuordnungen von Begriffen zu entwickeln; die notwendige Allgemeinheit dieser Kriterien ist jedoch so abstrakt, daß etwa ihre analytischen Urteile tendenziell inhaltsleer und tautologisch werden, Reduplikation des ohnehin Bestehenden. Die Formalisierung der Sprache wiederholt im Übrigen abermals die Subsumierung von qualitativ Verschiedenem unter ein quantifizierendes Allgemeines.

Damit wird die Widerborstigkeit der Sprache gegen ihr völliges Gleichwerden mit dem bloßen Ansich der Erscheinungswelt zu brechen versucht. Der Materialismus bemüht sich dagegen, einem Wort HORKHEIMERs zufolge, einerseits um Toleranz, daß alles sein muß, wie es ist, zugleich um Protest dagegen, daß alles so ist, wie es sein muß. In dieser Dialektik geht die Analyse mit der Kritik überein; auf die Sprache bezogen: die Notwendigkeit eindeutiger Begriffe vernichtet nicht ihren Beiklang, dessen Diskant [hohe Stimmlage - wp] ebensowenig wie noch die Flageolettöne [Oberschwingungen - wp].

So jedenfalls lautet die Absicht. Sie gerät aber in einen Zirkel, je mehr die Formalisierung von Sprache auf die Worte selbst zurückschlägt und die Resonanz der gewachsenen Sprache beeinträchtigt. Die Vokabeln werden dann so austauschbar wie Produkte und Arbeitskräfte, sie sagen alle dasselbe und variieren nur das Thema des einen Leitmotivs, der Macht des instrumentellen Denkens. Die traditionalen Gehalte solcher Begriffe wie  Freiheit  und  Wahrheit,  sofern man sie starr, in welcher philosophischen und künstlerischen Form auch immer, aufrechtzuerhalten versucht, wirken nur noch komisch. Selbst  Revolution, Protest  und maoistische Parolen sind davor nicht sicher; sie erscheinen als modischer Slogan in Schaufenstern der Textilkaufhäuser und in Versandhauskatalogen. Kann sich schon eine mögliche Organisation von praktischem Widerstand der Integrationskraft der vorgefundenen Praxis kaum entziehen, so droht das Wort der Kritik sich ebenso in der verdinglichten Sprache zu verheddern.
    "Dieselbe Stimme, die über die höheren Dinge des Lebens wie Kunst, Freundschaft oder Religion predigt, empfiehlt dem Hörer, eine bestimmte Seifenmarke zu wählen. Broschüren darüber, wie man seine Redekunst verbessert, Musik versteht, wie man erlöst wird, sind im selben Stil geschrieben wie jene, die die Vorteile von Abführmitteln preisen. ... Einmal war es das Bestreben von Kunst, Literatur und Philosophie, die Bedeutung der Dinge und des Lebens auszudrücken, die Stimme all dessen zu sein, was stumm ist, der Natur ein Organ zu leihen, ihre Leiden mitzuteilen oder, wie wir sagen könnten, die Wirklichkeit bei ihrem richtigen Namen zu nennen." (47)
Die Forderung nach Transparenz und Gleichberechtigung für die demokratische Gesellschaft hat sich selbst  ad absurdum  geführt: die Unterschiede sind ohnehin belanglos geworden. Bis in die Architektur von Büros und Wohnungen mit großen Glaswänden zeigt sich, daß niemand mehr Eigentümliches zu verbergen braucht: weil er nichts mehr hat. Das Gerede von der "Persönlichkeit" korrespondiert dieser Nivellierung. Solche Zustände und Formen, gesellschaftliche Tendenzen sich verdankend, wirken auf diese verfestigend zurück. Für den Ausgleich von Aggressionen und Heimwehgefühlen in einer Welt ohne Unterschlupf wird durch eine anpassungsorientierte Psychotherapie ebenso wie durch  panis et circenses [Brot und Spiele - wp] gesorgt.

Dennoch liegen in der Sprache, die sich gegen ihre zweckrationale Einengung sträubt - die Probleme der Sprachanalyse, des Spracherwerbs und der Formalsprachen mit der unvermeidlichen Rückkopplung an die Umgangssprache, welche damit die wahre Metasprache bildet, demonstrieren dies in jüngster Zeit -, und in der Kunst, deren Material kaum vollständig in den Verwertungsproze einbezogen werden kann, gewisse Möglichkeiten der Widersetzlichkeit. ADORNO hat dies insbesondere für die Musik geltend gemacht. Doch bezahlen diese Formen die Abweichung vom gewöhnlichen Gebrauch mit Extravaganz und einem Mangel an Kommunikabilität. Literatur, Musik und andere Formen, die sich den Klischees widersetzen, gelten deshalb nicht zur Unrecht als elitär, hermetisch, schwer verständlich und schlecht verkäuflich. Ihre Funktion ist darum wohl eher residual [restwertig - wp]; sie stützt die Widersetzlichen ab und hilft ihnen zu überwintern.
LITERATUR: Werner Post, Kritische Theorie und metaphysischer Pessimismus, München 1971
    Anmerkungen
    1) MAX HORKHEIMER, Die Aktualität Schopenhauers, in "Kritik der instrumentellen Vernunft", Seite 261
    2) ADORNO, Negative Dialektik, Seite 15
    3) ADORNO, ebd.
    4) HORKHEIMER, Traditionelle und Kritische Theorie, Nachtrag in "Kritische Theorie", Bd. II, Seite 200
    5) RÜDIGER BUBNER, Was ist Kritische Theorie?, in  Philosophische Rundschau, 16. Jahrgang, Heft 3/4, 1969, Seite 229
    6) HANS HEINZ HOLZ, Impuls und Verfall der Kritischen Theorie, Zum 75. Geburtstag von Max Horkheimer am 14. 2. 1970, in  Frankfurter Rundschau vom 13. 2. 1970.
    7) Vgl. ähnliche Argumentationen zu ADORNOs Theorie: Die neue Linke nach Adorno, hg. von W. F. SCHOELLER, München 1969; darin H. H. Holz, Mephistophelische Philosophie, Seite 176 - 192.
    8) Vgl. MICHAEL WESTARP, Kritische Theorie in der Sackgasse, Weg und Werke von Max Horkheimer, in  Merkur, 24. Jahrgang, Heft 5 (1970), Seite 477-484.
    9) GÜNTER ROHRMOSER, Das Elend der Kritischen Theorie, Freiburg 1970, Seite 104
    10) ROHRMOSER, a. a. O., Seite 52
    11) ROHRMOSER, a. a. O.
    12) MICHAEL THEUNISSEN, Gesellschaft und Geschichte, Berlin 1969
    13) THEUNISSEN, a. a. O., Seite 18
    14) THEUNISSEN, a. a. O., Seite 19
    15) ADORNO, Negative Dialektik, Seite 23
    16) ADORNO, Negative Dialektik, Seite 27
    17) Es wäre undialektisch, hier zu unterstellen, daß System und Methode immer und überall nur falsche Tiefe und unwahre Erkenntnis bringen; gerade ADORNO und HORKHEIMER haben stets betont, wie ergiebig und unvermeidlich die großen philosophischen Systeme gewesen sind; fraglich ist allerdings, ob das Ausbleiben großer Systeme nach HEGEL zufällig ist bzw. warum dessen Imitationen so schulmeisterlich provinziell geraten sind.
    18) ADORNO, Negative Dialektik, Seite 27
    19) HORKHEIMER, Aufstieg und Niedergang des Individuums, in  Kritik der instrumentellen Vernunft, Seite 152
    20) HORKHEIMER, Kritische Theorie II, Seite 137-200.
    21) a. a. O. Seite 194
    22) a. a. O., Setie 142
    23) a. a. O., Seite 149
    24) Vgl. dazu das informative Nachwort von ALFRED SCHMIDT, in "Kritische Theorie", Bd. II, Seite 335-358; ebenfalls A. SCHMIDT, Der Begriff der Natur in der Lehre von Marx, Ffm 1962.
    25) Angesichts der souveränen Kenntnisse HORKHEIMERs in der Philosophie der Neuzeit erscheint mir die gegenwärtig häufig zu beobachtende Enttäuschung über die zunehmende Distanz von MARX unverständlich; schon die frühe Kritische Theorie ist zwar materialistisch und greift in der Gesellschaftsanalyse ebenso wie in der Hoffnung auf radikale Veränderungen durchaus auf MARX zurück, ohne sich aber auf seine Theorie zu fixieren. Wichtige Elemente des orthodoxen Marxismus, wie die revolutionäre Kraft des Proletariats, der Klassenantagonismus, die Geschichtstheorie usw. werden aufgegeben oder nur noch modifiziert beibehalten; die gesamte Konzeption der Kritischen Theorie sperrt sich von ihrem erklärten Selbstverständnis her gegen eine Vereinnahmung durch ein wie auch immer schulmäßig verpflichtendes Denken. Umso erstaunlicher erscheint deshalb, daß für die Gesellschaftstheorie der späten Kritischen Theorie häufig die MARXschen Kategorien der Kritik der Politischen Ökonomie stillschweigend als noch gültig vorausgesetzt zu werden scheinen.
    26) ADORNO, Negative Dialektik, Seite 389
    27) ADORNO, Negative Dialektik, Seite 389
    28) HORKHEIMER, Traditionelle und kritische Theorie, a. a. O. Seite 190
    29) KARL MARX, Brief an Ruge vom September 1843, zitiert nach MARX, Frühe Schriften, Bd. I, hg. von HANS-JOACHIM LIEBER und PETER FURTH, Stuttgart 1962, Seite 450
    30) Vgl. HORKHEIMER, Traditionelle und kritische Theorie, a. a. O. Seite 161
    31) HORKHEIMER, Materialismus und Metaphysik, in "Kritische Theorie I", Seite 47; vgl. ebenfalls: Traditionelle und kritische Theorie, Nachtrag, a. a. O. Seite 199
    32) HORKHEIMER, Zu Theodor Haeckers  Der Christ und die Geschichte, in "Kritische Theorie I", a. a. O., Seite 372
    33) Vgl. ALFRED SCHMIDT, Nachwort zu HORKHEIMER, Kritische Theorie, a. a. O., Seite 354
    34) Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 21. 8. 1970, Nr. 18 (dpa-Meldung): Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat eine Nutzen-Kosten-Analyse von Sicherheitsprogrammen angefertigt. "Dem Nutzen-Kosten-Vergleich wird in der Untersuchung u. a. zugrunde gelegt, daß durch einen im Verkehr tödlich verunglückten Menschen ein wirtschaftlicher Folgeschaden von rund 120 000 DM entsteht. Dabei sind beispielsweise Hinterbliebenenrente und der Produktionsausfall berücksichtigt." Fatal hieran erscheint nicht nur das unverhüllte Aussprechen des finanziellen Äquivalents menschlicher Produktivkraft, sondern mehr noch die Tatsache, daß es offenbar unumgänglich ist, aufgrund solcher Rechenoperationen die Notwendigkeit maximaler Unfallrettungsmöglichkeiten plausibel zu machen.
    35) HORKHEIMER, Traditionelle und kritische Theorie, Nachtrag, a. a. O., Seite 199
    36) a. a. O., Seite 184
    37) a. a. O., Seite 161
    38) ADORNO, Dialektik der Aufklärung, Seite 1
    39) HORKHEIMER, Eclipse of Reason, New York 1947; deutsch in: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, Ffm 1967
    40) HORKHEIMER, "Kritische Theorie I", a. a. O., Vorwort zur Neuauflage, Seite IX
    41) ADORNO, Negative Dialektik, Seite 13
    42) Vgl. RÜDIGER BUBNER, Was ist Kritische Theorie?, in  Philosophische Rundschau, a. a. O.
    43) HORKHEIMER, Brief an den Verlag S. Fischer, in "Kritische Theorie II", a. a. O., Seite VIII
    44) Kritik der instrumentellen Vernunft, Seite 269-287; vgl.  Autorität und Familie, in "Kritische Theorie I", Seite 277-360.
    45) ADORNO, Dialektik der Aufklärung, Seite 5
    46) ADORNO, Dialektik der Aufklärung, Seite 10
    47) HORKHEIMER, Die Revolte der Natur, in "Kritik der instrumentellen Vernunft", Seite 100f