cr-4 John LockeDavid HumeGeorge BerkeleyHumes Lehre vom Wissen    
 
WILHELM EMIL WALZ
Hume - Locke - Berkeley

"Hume bedauert, daß viele Philosophen ihren Scharfsinn für Dinge verwendet haben, die die Mühe nicht lohnen, weil sie über die Grenzen der menschlichen Erkenntnis hinausgehen. Er erklärt deshalb den Vorwurf für berechtigt, daß ein großer Teil der metaphysischen Untersuchungen nicht wahre Wissenschaft, sondern entweder das Ergebnis nutzloser Anstrengungenn menschlicher Eitelkeit, welche in Gegenstände eindringen will, die dem Verstand unzugänglich sind, oder das Werk eines listigen Aberglaubens."

"Wir sehen, daß der Nachfolger Lockes, Berkeley, mit einem großen Teil dieser Begriffe aufräumte, wenn ihn auch seine Frömmigkeit und seine Stellung als Theologe vor den letzten Konsequenzen abgehalten hat. Anders war dies bei Hume. Er war der tiefsinnige Philosoph, der vor keinem Ergebnis zurückschreckte, selbst wenn es sonderbar erschien oder der Volksmeinung widerstritt. Darum kannte er keine äußeren Rücksichten und schreckte auch nicht vor den äußersten Konsequenzen zurück."

I. Einleitung
§ 1. Idealismus und Realismus

Wer die Geschichte der Philosophie an seinem geistigen Auge vorüberziehen läßt, erkennt bald, daß es fast durchweg nur zwei große Typen oder Standpunkte für die theoretische Weltbetrachtung gibt, den  Realismus der die Realität, d. h. das Bestehen der Außenwelt auch unabhängig vom jedesmaligen Bewußtsein, in welchem sie dasteht, behauptet, und den  Idealismus der daran festhält, daß die ganze räumlich ausgebreitete Welt nie und nirgends besteht außer im Bewußtsein und daher nur ideal, d. h. nur Vorstellung, nur die Form ist, unter welcher das Seiende in meinem Bewußtsein erscheint; denn aus diesem bin ich noch nie, ist noch nie jemand herausgekommen. (1) Nur die reiche Fülle von Nuancen und Schattierungen, von Verschlingungen und Verwicklungen, sowie die vielfachen Inkonsequenzen der Autoren haben es nach LAAS (2) ermöglicht, daß mit zwei Fäden und zwei Grundfarben ein so schillerndes Gewebe hergestellt wurde. Nach DEUSSEN führt der erste dieser beiden Standpunkte notwendig zum Materialismus, und alle diejenigen, welche sich Realisten, Positivisten, Empiristen, Empirio-Kritizisten, Idealrealisten nennen, müßten, wenn sie konsequent wären, zum Materialismus  sans phrase  [ohne Umschweife - wp] übergehen, welcher für den empirischen, den Naturwissenschaften eigenen Standpunkt die allein berechtigte und widerspruchslos in sich zusammenhängende Weltanschauung sei und bleibe.

Mit Recht bezeichnet es DEUSSEN als die Hauptfrage der Philosophie: wie komme ich zu einer Anschauung der Außenwelt? und verlangt, daß die naturwissenschaftliche Erklärung auch hier wie überall den Ausgang bildet. Doch erklärt er, daß die empirische Materialität des ganzen Vorganges es nicht ausschließt, daß er und alle seine Momente nur die Art sind, wie ich den ganzen Prozeß in meinem Bewußtsein vorstelle, nicht wie er ansich und außerhalb meines Bewußtsein sein mag. Aus diesen Sätzen geht deutlich hervor, wie von der Beantwortung dieser Hauptfrage, d. h. also der Frage nach der Entstehung unserer Erkenntnis der Standpunkt bzw. die Weltanschauung jedes Philosophen abhängt.

Im folgenden haben wir es mit DAVID HUME (1711 - 1776) zu tun, speziell mit seiner Erkenntnistheorie. Wir werden also in die englische Philosophie des XVIII.. Jahrhunderts hineinversetzt, in jene Entwicklungsgeschichte des Empirismus, als dessen Begründer allgemein FRANCIS BACON gilt, während HUME als dessen Vollender und zugleich Zerstörer anzusehen ist.

Wir werden hier zunächst anhand der Darstellung seiner Erkenntnislehre jeweils einen Blick darauf werden, inwiefern er in den einzelnen Punkten von seinen Vorgängern, speziell von BERKELEY und LOCKE, abhängig ist, also sein Verhältnis zu seinen Vorläufern darlegen. Sodann werden wir die verschiedenartige Beurteilung, die seinem Standpunkt widerfahren ist, vorführen, endlich HUME als den Begründer des modernen Positivismus und Nominalismus kennenlernen. Doch wollen wir unserer Arbeit noch eine Charakteristik des HUMEschen Philosophierens überhaupt, die für die Beurteilung seines Standpunktes wichtig ist, vorausschicken.


§ 2. Charakteristik des Humeschen Philosophierens

Wenn man die verschiedenen Beurteilungen, die die Lehre HUMEs von seiten der neueren Philosophie-Historiker erfahren hat, vergleichend zusammenstellt, so ergibt sich ein auffallendes Resultat. Alle stimmen zwar darin überein, daß HUME der größte und vielseitigste Denker Englands war. Sobald sie aber auf seinen philosophischen Standpunkt zu sprechen kommen, gehen sie trotz der Klarheit seiner Gedanken, die uns in allen seinen Schriften entgegentritt, in ihrem Urteil weit auseinander, indem ihn die einen für einen ausgebildeten Skeptiker, die andern für einen Positivisten oder Realisten halten. Wie ist das möglich? J. H. von KIRCHMANN hat eben wohl größtenteils Recht, wenn er sagt, daß HUME kein Philosoph war, der sich nur in seine Stube einschloß und "über seinen Büchern brütete oder nur Studenten im Hörsaal vor sich sah" (3). Seine vorherrschende Leidenschaft zur Philosophie wurde vielmehr durch mancherlei Umstände, wie seinen wiederholten Aufenthalt in fremden Ländern, seinen vertrauten Umgang mit den höheren Ständen, seine diplomatische Tätigkeit, seinen lebhaften Verkehr mit gebildeten Frauen gemäßigt und vor Abwegen bewahrt (4). Durch sein mannigfaches und reiches Leben hat er sich vieles angeeignet, was den meisten deutschen Denkern abging; er hat tief in das Leben hineingeblickt, sich große Menschenkenntnis und Urteilsschärfe erworben und aus den Erfahrungen, die er dabei gesammelt hatte, hat er sich auch seine philosophischen Anschauungen gebildet, mitten im reichen Leben aufgelesen. Von diesem Gesichtspunkt aus müssen sie daher auch beurteilt werden; wohl umfassen seine philosophischen Aufzeichnungen einen großen Teil des philosphischen Gebietes, außer der Erkenntnistheorie besonders die Religions- und Moralphilosophie; aber die Philosophiegeschichte hat gezeigt, daß seine erkenntnistheoretischen Anschauungen am meisten auf die Folgezeit eingewirkt haben, und daß deshalb auch hier das Charakteristische und Originelle seines Philosophierens überhaupt zu suchen sein wird. Dieser Kernpunkt aber spiegelt uns, um einen treffenden Ausdruck KUNO FISCHERs (5) zu gebrauchen, "das gewöhnliche Bewußtsein, wie es leibt und lebt". Diese Erklärung des Bewußtseins ist als der Kern der HUMEschen Lehre anzusehen, und diese Erklärung ist eben aus dem Leben geschöpft. Von hier aus muß also auch sein ganzes System beurteilt werden, über seine Erklärung des gewöhnlichen Bewußtseins darf man dabei nicht hinausgehen; auf ihr fußen alle weiteren Ausführungen, die den Namen HUMEs besonders bekannt gemacht haben, nämlich diejenigen über Kausalität und Substantialität. Wenn wir uns dies stets vergegenwärtigen, so kann es demgemäß nur  einen  Weg zur Beurteilung des HUMEschen Standpunktes eben: die Grundansicht HUMEs, seine Erklärung des menschlichen Bewußtseins, muß vor allem stets berücksichtigt werden; sie muß geradezu der Prüfstein sein bei der Beurteilung der übrigen Lehren. So verfährt HUME in seinen Schriften selbst, indem er immer wieder auf seinen Ausgangspunkt zurückkommt. Die logische Schärfe, mit der die Folgerungen - denn etwas anderes sind sie nicht - von ihm gezogen werden, erregen unsere Bewunderung und sind der beste Beweis für unsere obige Behauptung. Verfolgt man das ganze System von diesem Gesichtspunkt aus, so darf man hoffen, auch ein annähernd richtiges Urteil über den Standpunkt HUMEs fällen zu können. Viele Kritiker sind jedoch nicht so verfahren und sind deshalb, weil sie einzelne Stellen seiner Schriften aus ihrem Zusammenhang herausgegriffen und für sich beurteilt haben, anstatt sie mit der alle beherrschenden Grundidee in Einklang zu bringen, zu einseitigen Resultaten gelangt, weil sie mehr in diese Stellen hineinlegten, als in ihnen steckt. Nur wenn man die einzelnen Lehren am Grundgedanken prüft, wird man ihren philosophischen Wert ermessen können. Dies zu tun ist nötig, obwohl es bei HUME kein Schwanken der Ansichten gibt. Wohl hat er zu gewissen Zeiten den einen oder den anderen Gedanken bloß nur angedeutet oder gänzlich unausgeführt gelassen, aber alle seine Schriften sind aus  einem  Guß, sind von  einem  Geist durchweht. Überall fühlt man in ihnen den Pulsschlag warmen Lebens, erkennt man denselben durch eine reiche Lebenserfahrung geschulten Geist, der spielend, wie ein gebildeter Weltmann im Salon die Tagesfragen, die schwierigsten und subtilsten Probleme behandelt und ihnen den Stempel seines Geistes aufdrückt. Und immer wieder muß man sich dabei über seine logische Schärfe wundern, obwohl er manchmal fast im Plauderton redet, bisweilen mit beißender Ironie die größten Schwierigkeiten aus dem Weg räumt. Wer in diesem Ton redet, bei dem ist es leicht begreiflich, daß er manchmal eine Ansicht in einer Weise vorträgt, die mit den übrigen zu streiten scheint; bei genauer Prüfung aber ist es jeweils leicht möglich, sie mit ihnen in Einklang zu bringen, weil seine Ansichten alle eben von  einer  Grundanschauung getragen sind.

Das Leben war seine große Lehrmeisterin, ihm verdankt er sein ganzes Wissen, ihm hat er die Lehren, die er uns hinterlassen hat, als ein scharfer Beobachter abgelauscht. Nachdem er sich einmal seine Grundansicht über das menschliche Erkennen gebildet hat, ist es ihm leicht, mit diesem Maßstab alles Menschliche zu messen und als weltkluger Mann über alles zu räsonnieren. Dies ist aber das Charakteristische des HUMEschen Philosophierens; nur muß man hinzufügen, daß er damit Schärfe und Folgerichtigkeit des Urteils verbindet. Wenn man dies beherzigt, so wird einem die Entscheidung nicht allzu schwer fallen, welchem von seinen Kritikern man beipflichten soll. Durch unsere Ausführungen aber denken wir auch die Antwort auf die obige Frage nach der Möglichkeit einer verschiedenartigen Beurteilung des HUMEschen Standpunktes gegeben zu haben. Wir wissen jetzt, wie es kam, daß der eine Kritiker bei dem reichen Wissensschatz unseres Weltweisen diese Seite anziehender fand, ein anderer jene; viele aber haben bei ihm, wie es in diesem Fall auch nicht anders zu erwarten ist, Anklänge an ihr eigenes Fühlen und Denken gefunden und bei ihrem Urteil über ihn sich davon beeinflussen lassen; manche haben es sogar versäumt, sein System an der Wurzel anzufassen. -  So  ist es zu erklären, daß HUME eine so verschiedenartige Beurteilung erfahren hat. Die wenigsten haben sich eben bemüht, den richtigen Maßstab, ohne welchen jede Beurteilung einseitig erscheinen muß, zu ergründen.


1. Teil
Humes Verhältnis zur
Erkenntnislehre Lockes und Berkeleys


I. Kapitel
Der Ausgangspunkt

HUME (6) geht mit BERKELEY und LOCKE vom Erkenntnisproblem aus. Dies liegt schon in der ganzen Richtung des Empirismus begründet. HUME (7) schließt sich deshalb am liebsten denjenigen Philosophen an, die den Menschen mehr im Licht eines denkenden und weniger als handelndes Wesen betrachten, die darum mehr seinen Verstand zu bilden, als seine Sitten zu bessern suchen. Die menschliche Natur gilt darum auch ihm als bevorzugter Gegenstand philosophischer Prüfung. HUME bedauert, daß dies nicht bei allen der Fall gewesen ist, da viele ihren Scharfsinn für Dinge verwendet haben, die die Mühe nicht lohnen, weil sie über die Grenzen der menschlichen Erkenntnis hinausgehen. Er erklärt deshalb den Vorwurf für berechtigt, daß ein großer Teil der metaphysischen Untersuchungen nicht wahre Wissenschaft, sondern entweder das Ergebnis nutzloser Anstrengungenn menschlicher Eitelkeit, welche in Gegenstände eindringen will, die dem Verstand unzugänglich sind, oder das Werk eines listigen Aberglaubens. Das einzige Mittel, um die Wissenschaft mit einem Mal von diesen nutzlosen Versuchen zu befreien, besteht darin, die Natur des menschlichen Verstandes streng zu untersuchen und durch eine genaue Erforschung seiner Kräfte und Fähigkeiten zu zeigen, daß er für solche entlegene und verborgene Gegenstände durchaus nicht geeignet ist. Dieser Arbeit müsse man sich unterziehen, um nachher in Ruhe zu leben; die wahre Metaphysik müsse man daher mit Sorgfalt betreiben, um die unwahre und verfälschte zu zerstören. Er betont daher immer wieder das genaue und richtige Denken als das einzige und allgemein gültige Heilmittel; er rühmt die positiven Vorteile, die aus einer sorgfältigen Prüfung der Kräfte und Fähigkeiten der menschlichen Natur hervorgehen; diese Prüfung sei ansich schon ein ganz beträchtliche Aufgabe der Wissenschaft; denn es gelte, die verschiedenen Fähigkeiten des Verstandes kennenzulernen, sie voneinander abzusondern, sie in die passenden Abteilungen zu bringen und die anscheinende Verwirrung zu lösen, in der sie sich befänden, wenn man sie zum Gegenstand des Nachdenkens mache. Der Schwierigkeiten ist unser Philosoph sich also wohl bewußt. Für ein solches Unternehmen ist ihm daher nichts notwendiger als die höchste Aufmerksamkeit und Sorgfalt, damit, wenn das Ziel im Bereich des menschlichen Verstandes liegt, es endlich erreicht, und wo nicht, mit Zuversicht und Sicherheit aufgegeben werde. Durch seine Untersuchungen aber hofft er, den Vorrat an Kenntnissen über diese Gegenstände von so unsäglicher Wichtigkeit etwas vermehren zu können. Denn so gut die Astronomie durch glückliches Nachdenken gefördert werden konnte, könne das Gleiche auch in anderen Gebieten der Natur vollbracht werden. Man habe daher keinen Grund, an einem gleichen Erfolg bei den Untersuchungen der Kräfte und Einrichtung der Seele zu verzweifeln, wenn man mit gleicher Fähigkeit und Vorsicht vorgehe. Denn weshalb sollte man nicht hoffen, daß die Philosohie bei sorgfältiger Pflege und ermutigt durch die öffentliche Aufmerksamkeit, in ihren Untersuchungen immer weiter kommen und  einigermaßen  die verborgenen Triebfedern und Kräfte entdecken werde, welche die menschliche Seele in ihrer Tätigkeit stütze und leite. Es würde ihn daher glücklich machen, wenn es ihm gelänge, die Grundlagen jener dunklen Philosophie zu erschüttern, welche bisher nur dem Aberglauben als Schutz und dem Unsinn und Irrtum als Deckmantel gedient haben. -

HUME beschuldigt also vornehmlich die bisherige  Metaphysik,  die so große Irrtümer hervorgerufen hat. Das ist ihm aber kein Grund, deshalb die Metaphysik ganz zu verwerfen; denn sie ist nicht unsicher und chimärisch. Wenn man auch auf die endgültige Beantwortung vieler Fragen der bisherigen Metaphysik verzichten muß, da ihr Gebiet allem Anschein nach die Grenzen unseres Erkennens weit übersteigt, so reichen die Kräfte unsere Verstandes doch dazu aus, wenigstens einigermaßen zu einem sicheren Resultat zu gelangen, den verborgenen Triebfedern und Kräften der Seele auf den Grund zu kommen. Man sieht hier schon, HUME ist gesonnen, das Gebiet unseres Erkennens ganz bedeutend einzuschränken; ja erläßt uns hier schon ahnen, was wir von seinen Untersuchungen zu erwarten haben. Die Art jedoch, wie er es betont, daß wir vor allem von der Untersuchung unseres Verstandes ausgehen müssen, daß er ferner ohne jegliche Voraussetzung, sozusagen von Grund aus, seine Untersuchung beginnen will, war damals in der Philosophie nicht neu. Ähnliche Erörterungen haben auch DESCARTES und LOCKE ihren Werken vorausgeschickt, jener über den methodischen Zweifel und die Voraussetzungslosigkeit der Philosophie, dieser mit dem Bekenntnis der Notwendigkeit einer Prüfung der Verstandesfähigkeiten. Doch vergleichen wir damit zunächst die Gedanken BERKELEYs, wie er sie in der Einleitung seiner  Principles  (8) ausspricht.

Während HUME die Philosophie bereits als die Wissenschaft von der menschlichen Natur bezeichnet, sist sie für BERKELEY ganz allgemein nichts anderes als das Streben nach Weisheit und Wahrheit. Was aber ist bis jetzt ihr Resultat gewesen? Je mehr die Philosophen sich in ihre Wissenschaft vertiefen, umso mehr befestigen sich in ihnen störende Zweifel. Wieviel ruhiger lebt dagen die ungelehrte Menge der Menschen, die auf der Landstraße des schlichten Menschenverstandes wandelt, der nichts unerklärlich oder schwer zu begreifen scheint. Welche Schwierigkeiten und Widersprüche erheben sich aber, sobald man beginnt, dem Licht eines höheren Prinzips zu folgen; tausend Zweifel steigen in uns auf in Bezug auf eben die Dinge, die wir vorher völlig zu begreifen meinten. Je weiter wir in unserer Betrachtung gehen, vermehren und steigern sich unsere Bedenken, bis wir zuletzt, nachdem wir manche verschlungenen Irrwege durchwandert haben, uns gerade an dem Punkt wiederfinden, von dem wir ausgegangen sind, oder was schlimmer ist, bis wir die Forschung aufgeben und, in Zweifelsucht verloren, die Hände in den Schoß legen. -

So scheint der Verzicht auf eine befriedigende Lösung für viele das Resultat ihres Philosophierens zu sein. Dagegen ist BERKELEY der Ansicht, daß ein solcher nicht nötig sei, wenn wir nur den rechten Gebrauch von unserer Vernunft machen wollten. Ja, er ist sogar geneigt zu glauben, daß weitaus die meisten, wo nicht alle Schwierigkeiten, welche bisher die Philosophen hingehalten und ihnen den Weg zur Erkenntnis verlegt haben, durchaus von uns selbst verschuldet seien, daß wir also zuerst eine Staubwolke erregt hätten und uns dann beklagten, nicht sehen zu können. Es bedarf also einer gründlichen Untersuchung der Voraussetzungen und Annahmen, welche jene Fülle von Zweifeln und jenes unsichere Schwanken der Philosophen verursacht haben, daß soar die weisesten Menschen infolge der natürlichen Schwäche und Beschränktheit unserer Geisteskräfte auf eine sichere Erkenntnis verzichten zu müssen geglaubt haben.
    "Es ist gewiß eine der Mühe lohnende Aufgabe, eine genaue Untersuchung über die ersten Prinzipien der menschlichen Erkenntnis anzustellen, dieselben allseitig zu sichten und zu prüfen, zumal da die Vermutung nicht unbegründet sein dürfte, daß jene Hindernisse und Anstöße, welche den Geist beim Suchen nach der Wahrheit aufhalten und verwirren, nicht sowohl in irgendeiner Dunkelheit und Verwicklung der Objekte oder in einer natürlichen Schwäche des Verstandes ihre Quelle haben, als vielmehr in falschen Grundannahmen, an denen man festgehalten hat, und die sich doch hätten vermeiden lassen." (9)
Darum hofft er, dadurch, daß er die einzelnen Objekte dem Auge näher brint, die Irrtümer und die falschen Grundanschauungen aufzudecken und zu beseitigen. Und im Hinblick auf den falschen Gebrauch der Sprache, der einen Hauptteil an der Verwicklung und Trübung der Forschung gehabt und unzählige Irrtümer und Anstöße in fast allen Teilen der Wissenschaft veranlaßt hat, ruft er mit Emphase [Nachdruck - wp] aus (10):
    "Vergeblich erweitern wir unseren Blick in die himmlischen Räume und erspähen das Innere der Erde; vergeblich ziehen wir die Schriften gelehrter Männer zu Rate und verfolgen die dunklen Spuren des Altertums; wir sollten nur den Vorhang von Worten wegziehen, um klar und rein den Erkenntnisbaum zu erblicken, dessen Frucht vortrefflich und unserer Hand erreichbar ist." -
Auch BERKELEY ist also wie HUME der Ansicht, daß man zuerst allen unnötigen, falschen Ballast über Bord werfen muß, daß man erst dann, wenn man mit alten Vorurteilen und falschen Voraussetzungen gebrochen hat, die Untersuchung von neuem beginnen muß; daß diese Untersuchung in der Prüfung der Prinzipien der menschlichen Erkenntnis besteht, daß die Fähigkeiten unseres Geistes für die Erkenntnis der Wahrheit wohl ausreichen, so daß die Hoffnung berechtigt ist, bei genügender Sorgfalt die Untersuchung von Erfolg gekrönt zu sehen. -

Die Übereinstimmung der beiden Philosophen über den Ausgangspunkt ihres Philosophierens liegt auf der Hand. Beide sprechen ferner so zuversichtlich, daß man von ihnen alle dem menschlichen Verstand zugänglichen Wahrheiten zu erhalten erwarten darf. Das klingt zwar sehr wenig skeptisch, man könnte sogar eher das Gegenteil behaupten und an den erkenntnistheoretischen Positivismus denken. Beide Philosophen sind für ihr großes Werk, die Untersuchung des menschlichen Verstandes, so begeistert, messen sich ein solches Maß an geistiger Kraft zu, fahren gleichsam mit vollen Segeln auf ihr Ziel los, daß man am wenigsten ein skeptisches Resultat ihrer Untersuchungen erwartet! - Doch haben wir noch einen anderen Philosophen als Vorläufer HUMEs genannt; sehen wir daher, welche verwandten Gedanken wir bei LOCKE über diesen Punkt finden.

Auch LOCKE (11) will den menschlichen Verstand untersuchen, seine Fähigkeiten prüfen, um zu erkennen, mit welchen Gegenständen unser Verstand geeignet sei, sich zu befassen oder nicht. Doch hören wir ihn selbst: "Ich werde
    1. untersuchen, welchen Ursprungs die Vorstellungen (ideas), Begriffe, oder wie man es nennen will, sind, die der Mensch in seiner Seele bemerkt, und die ihn die Beobachtung seiner selbst entdecken läßt, und durch welche Mittel der Verstand zu diesen Vorstellungen gelangt;

    2. werde ich versuchen zu zeigen, welche Erkenntnis der Verstand mittels dieser Vorstellungen erwirbt, und welche Gewißheit, Evidenz und Ausdehnung diese Erkenntnis hat;

    3. werde ich die Natur und die Gründe dessen, was man Glauben und Meinung nennt, untersuchen, vermöge deren man Sätzen, die zwar wahrscheinlich sind, von deren Wahrheit wir aber keine Gewißheit haben, beistimmt". (i. d. Einleitung)
Gerade wie HUME und besonders wie BERKELEY findet er, daß man zuerst eine Menge Irrtümer beseitigen muß, besonders solche, die ihren Ursprung in der Sprache haben; dann erst wird es möglich sein, der Aufgabe näher zu treten und der Wahrheit näher zu kommen. Denn auch ihm ist die Philosophie nur die wahre Erkenntnis der Dinge. Auch ihn beseelt die Hoffnung, daß sein Werk anderen nützlich sein könne. Es ist eine stete Befriedigung für ihn, aufrichtig die Wahrheit und Nützlichkeit zum Ziel genommen zu haben; nicht jeder kann ein HUYGENS oder NEWTON sein, aber selbst als Hilfsarbeiter beim Aufräumen des Baugrundes beschäftigt zu werden und etwas mitzuwirken, um den der Erkenntnis im Weg liegenden Schutt zu beseitigen, sei schon eine Befriedigung des Ehrgeizes. Der Leser werde sich schon davon überzeugen, daß die Beseitigung falscher Grundbegriffe der Wahrheit nicht zum Nachteil, sondern zum Vorteil gereicht; denn er forscht nur nach der Wahrheit, und diese wird ihm stets willkommen sein, wann und woher immer sie ihm zukommen möge. Jeder Schritt, den der Giest in seinem Streben nach Erkentnis vorwärts tut, bringt irgendeine Entdeckung, die nicht bloß neu ist, sondern auch für den Augenblick wenigstens die beste. -

Diese wenigen Sätze beweisen zur Genüge, daß auch in der Philosophie LOCKEs derselbe Geist weht; seine Aufgabe ist dieselbe, sein Ziel die Erkenntnis der Wahrheit, seine Schaffensfreudigkeit nicht minder groß wie seine Sicherheit des Erfolges. Ja, wir sehen sogar, daß LOCKE hier mit diesen Worten nicht allein für seine kritische Aufgabe, sondern auch für die seiner Nachfolger, selbst KANT nicht ausgenommen, die Grundidee aufgestellt hat, von der alle ausgegangen sind. Und diese Aufgabe war  neu! 

Diese Ausführungen mögen genügen, um den ersten unserer Sätze zu beweisen, den wir dahin zusammenfassen: HUME knüpft an seine direkten Vorläufer, BERKELEY und LOCKE, an; er greift ihr Thema, die Untersuchung des menschlichen Verstandes, wieder auf, um es, wie die beiden andern, nochmals von Anfang an zu behandeln; er ist mit ihnen darin einig, daß die bisherige Philosophie deshalb so viele Irrtümer aufzuweisen gehabt hat, weil sie in den Fehler verfallen ist, mit den Kräften des Geistes zu operieren, ohne dieselben zuvor auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft zu haben. Daraus ergibt sich also die Aufgabe, zuerst die alten Vorurteile abzustreifen und dann die Fähigkeiten des Verstandes zu prüfen. Zweck der Untersuchung ist die Festsetzung der Grenzen unserer Erkenntnis. Man merkt bereits, daß dieselbe, wie erwähnt, voraussichtlich stark eingeschränkt werden wird im Vergleich zu den bisherigen Ergebnissen der Philosophie. Aber wenn auch manche alte Ansicht über Bord geworfen werden muß, so hofft HUME doch, seinem Ziel wenn auch nicht ganz, so doch einigermaßen näher zu kommen. -

In diesen Punkten stimmen die drei Philosophen so viel wie gänzlich überein. BERKELEY und HUME betonen nur etwas schärfer den Bruch mit den bisherigen Anschauungen und werden also voraussichtlich noch etwas gründlicher bei der Aufräumung des Schutts zu Werke gehen als LOCKE, und HUME wieder mehr als BERKELEY.

Sehen wir nun weiter, wie sie das Thema, das alle drei sich gestellt haben, zu lösen versuchen; betrachten wir demgemäß zunächst ihre Lehre vom Ursprung der Vorstellungen.


II. Kapitel
1. Der Ursprung der Vorstellungen

HUME ist der Vollender des englischen Sensualismus. Nach dieser Lehre gehen uns alle unsere Eindriücke und Vorstellungen nur durch unsere Sinne zu. HUME unterscheidet zunächst Eindrücke (impressions) und Vorstellungen oder Ideen (ideas). Er geht dabei von der Tatsache aus, daß ein erheblicher Unterschied zwischen den Vorstellungen der Seele besteht, je nachdem man z. B. einen Schmerz oder eine Freude wirklich empfindet, oder je nachdem man diese Empfindung nur nachher in das Gedächtnis zurückruft oder sich im Voraus vorstellt. Ein gleicher Unterschied zieht sich durch alle anderen Vorstellungen der Seele. Es bedarf also keines Scharfsinns und keines metahysischen Geistes, um den Unterschied zwischen beiden anzugeben; denn der lebhafteste Gedanke erreicht die dunkelste Empfindung nicht. - So ergeben sich für HUME die zwei Arten der Vorstellungen der Seele, die sich also durch den verschiedenen Grad von Stärke und Lebhaftigkeit unterscheiden. Mit dem Wort  Eindruck  meint er also alle unsere lebhaften Zustände, wenn wir hören oder sehen oder fühlen, hassen oder wünschen oder wollen. Die Eindrücke bilden den Gegensatz zu den  Vorstellungen  oder  Ideen  oder Gedanken, welche jene weniger lebhaften Zustände bezeichnen, deren man sich bewußt ist, wenn man an eines jener obigen Gefühle oder Erregungen zurückdenkt. An dieses Vorstellungsmaterial tritt nun die schöpferische Kraft der Seele heran, um es zu verarbeiten; ihre Aufgabe ist es, den durch die Sinne und die Erfahrung gewonnenen Stoff zu verbinden, umzustellen, zu vermehren oder zu vermindern. Unsere Einbildungskraft scheint hierbei eine unbegrenzte Freiheit zu besitzen; Ungeheuer zu bilden und widerstreitende Gestalten und Erscheinungen zu verbinden, kostet ihr nicht mehr Mühe als die Vorstellung des natürlichsten und bekanntesten Gegenstandes. Wenn wir uns ein goldenes Gebirge vorstellen, so verbinden wir nur zwei nebeneinander bestehende Vorstellungen, Gold und Gebirge, die uns von früher bekannt sind.
    "Kurz, aller Stoff des Denkens ist von äußeren oder inneren Wahrnehmungen abgeleitet; nur die Mischung und Verbindung gehört dem Geist und dem Willen; oder um mich philosophisch auszudrücken, alle unsere  ideas  oder schwächeren  perceptions  sind Nachbilder unserer Eindrücke oder lebhafteren Vorstellungen." (12)
Zum Beweis führt HUME  zwei Gründe  an.  Erstens  finden wir bei der Zerlegung unserer Gedanken und Vorstellungen, selbst der verwickeltsten und erhabensten, daß sie sich in solche einfache Vorstellungen auflösen, welche das Abbild eines schon vorhandenen Gefühls oder Empfindens sind. So ist die Vorstellung von Gott eine Steigerung unserer geistigen Tätigkeiten und guten Eigenschaften ins Unendliche. Immer also wird man finden, daß jede Vorstellung bei ihrer Prüfung sich als Abbild jenes entsprechenden Eindrucks darstellt.  Zweitens:  wenn ein Mensch wegen eines organischen Fehlers für eine Art von Empfindung nicht empfänglich ist, so ergibt sich, daß er dann auch ebensowenig die Vorstellung davon fassen kann. Ebenso verhält es sich, wenn ein Gegenstand, der eine Empfindung bewirkt, noch niemals auf das Organ gewirkt hat.

Der Prüfstein der Richtigkeit unserer Vorstellungen ist also nach HUME die Möglichkeit der Zurückführung einer Vorstellung auf einen ursprünglichen Eindruck.
    "Denn die Vorstellungen sind von Natur matt und dunkel; sie werden leicht mit anderen, verwandten Vorstellungen verwechselt; hat man oft ein Wort gebraucht, ohne einen bestimmten Sin damit zu verbinden, so bildet man sich zuletzt ein, daß eine bestimmte Vorstellung daran geknüpft ist. Umgekehrt sind alle Eindrücke, d. h. alle Empfindungen, sowohl äußere wie innere, stark und lebhaft; ihre Unterschiede treten bestimmter hervor, und man kann bei ihnen nicht leicht irren oder sie verwechseln. Hat man daher den Verdacht, daß ein philosophischer Ausdruck ohne einen bestimmten Sinn oder Begriff gebraucht wird, was nur zu häufig geschieht, so möge man nur fragen: Von welchem Eindruck ist diese angebliche Vorstellung abgeleitet? Kann ein solcher nicht nachgewiesen werden, so wird dies den Verdacht bestätigen." (13)
Dieser einfache und leicht verständliche Satz ist für das ganze Denken HUMEs maßgebend; ja er ist ihm der Prüfstein für alle in der Philosophie vorkommenden Ausdrücke und Begriffe. Mit seiner Hilfe hofft er daher, ein für allemal den Streit über die metaphysischen Untersuchungen beseitigen zu können.

Aus diesen Ausführungen geht aber noch ein Zweites hervor. Man könnte nämlich auch an dieser Stelle ausrufen:  So  redet kein  Skeptiker!  Wenn auch HUME nämlich den Ursprung der ganzen Gedankenwelt auf die äußere und innere Erfahrung zurückführt und dadurch eine Menge metaphysischer Begriffe aus der Welt des Erfahrbaren ausscheidet, so glaubt er damit, gerade dem Erkennen und damit unserem positiven Wissen einen festen, unerschütterlichen Grund und Boden gegeben zu haben, auf dem sich unsere Erkenntnis aufbauen läßt. Schon im vorigen Kapitel haben wir erfahren, daß unser Philosophe die bestimmte Hoffnung ausspricht, daß die Philosophie bei sorgfältiger Pflege in ihren Untersuchungen immer weiter kommen und  einigermaßen  die verborgenen Triebfedern und Kräfte entdecken wird, welche die menschliche Seele in ihrer Tätigkeit stützen und leiten. Diese und ähnliche Stellen klingen recht positivistisch! Doch kehren wir zu HUMEs Lehre vom Ursprung der Vorstellungen zurück!

Wir haben den Gegensatz der Eindrücke und Ideen kennengelernt. Die letzteren erhalten wir also dadurch, daß wir über unsere Eindrücke reflektieren: sie sind daher nur Erinnerungs- oder Phantasiebilder, setzen also die Eindrücke voraus. Die Eindrücke aber erhalten wir durch die Erfahrung. Diese selbst kann eine äußere oder eine innere sein, je nachdem wir eine Sinneswahrnehmung machen oder uns eines Seelenzustandes z. B. Haß oder Liebe bewußt werden. Dementsprechend kann man wieder von einer äußeren und einer inneren  Wahrnehmung  reden, je nachdem wir eine äußere oder innere Erfahrung machen. Während sich also die Wahrnehmungen und die Eindrücke decken,, sofern sie beide Bezeichnungen für äußere und innere Erfahrungen sind, beide Ausdrücke also kongruent sind, ist von beiden die Vorstellung oder  Idee  deutlich zu unterscheiden. Die Idee setzt den Eindruck oder die Wahrnehmung voraus,, ist ohne eine solche überhaupt nicht möglich; wir müssen zuerst einen Eindruck gehabt haben, bevor wir über ihn reflektieren können; die Idee ist stets von der äußeren oder inneren Erfahrung abhängig. Diese allein liefert uns das Material, sie ist die alleinige Quelle aller unserer Erkenntnis. Die Ideen fußen daher lediglich auf ihr und lassen sich ohne Rest auf sie zurückführen. Mit dem Ausdruck  Vorstellung  bezeichnet HUME dasselbe wie mit Idee. Dasselbe gilt daher auch von der Vorstellung: sie setzt die äußere oder innere Wahrnehmung voraus; dieser geziemt daher die Priorität. Die Wahrnehmung deckt sich also völlig mit dem starken, unmittelbaren Eindruck, den wir z. B. bei der Betrachtung einer wirklichen Landschaft empfinden; die Vorstellung dagegen, die wir uns von einer früher gesehenen Landschaft machen, entspricht der Idee. Wahrnehmung und Vorstellung unterscheiden sich also nicht bloß genetisch, sondern auch quantitativ d. h. durch ihre Stärke, mit der wir sie empfinden.

Da alles Denkmaterial uns durch unsere Sinnlichkeit auf dem Weg der Erfahrung geboten wird, bleibt also dem Verstand und der Phantasie nur übrig, diesen von der Sinnlichkeit gelieferten und durch das Gedächtnis festgehaltenen Stoff zu verarbeiten. Da jede Idee die Kopie einer Wahrnehmung ist, so gilt es vor allem, die erstere richtig auf die letztere zu beziehen; geschieht dies nicht, so sind wir dem Irrtum unterworfen, und tatsächlich existieren landläufige, jedoch falsche Begriffe, die durch solche falsche Beziehungen hervorgerufen worden sind, wie die Begriffe  Substanz  und  Kausalität

Die Ideen kombinieren wir aber nicht willkürlich, sondern nach bestimmten Regeln, den sogenannten  Assoziationsgesetzen.  Es wird im folgenden unsere Aufgabe sein, auf diese Gesetz noch näher einzugehen; denn HUMEs philosophische Bedeutung gipfelt namentlich in der Kritik dieser schon von ARISTOTELES aufgestellten Gesetze, deren Herrschaft bis auf HUME fast unangetastet blieb, wenn sie zum Teil auch schon hin und wieder angefochten worden war. Am energischsten war schon der Kausalitätsbegriff vor HUME angegriffen worden und zwar von dem Skeptiker JOSEPH GLANVILLE (1636 - 1680), dem Hofkaplan CHARLES II. von England. Nach ihm ist die Kausalität selbst nicht wahrzunehmen, sondern aus dem beständigen Nacheinander zweier Erscheinungen zu erschließen, doch nicht mit Sicherheit. In Bezug auf das Kausalitätsprinzipg kann man ihn daher als einen Vorläufer HUMEs betrachten, wenn er mit dieser Kritik auch ganz andere Ziele verfolgte als sein Nachfolger. Immerhin blieb es noch HUME vorbehalten, diese Assoziationsgesetze einer einschneidenden Kritik zu unterziehen, wodurch er für das philosophische Denken der Folgezeit von der größten Bedeutung geworden ist.


2. Kritische Betrachtung

An diese Darstellung der Lehre HUMEs vom Ursprung der Vorstellungen möge sich wieder eine kritische Betrachtung über die Originalität seiner Gedanken anschließen.

Die Ausführungen HUMEs über den Ursprung der Vorstellungen waren nicht neu; wenigstens hat unser Philosophe nicht viel an denjenigen seiner Vorgänger geändert. Schon LOCKE hatte die  sensation  und  reflection,  die äußere und die innere Wahrnehmung, als die beiden Quellen der einfachen Ideen angegeben. Die Gegenstände der Sinneswahrnehmung sind die eine Quelle der Ideen; die Sinne bringen uns die sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften ins Bewußtsein, was hier solche Wahrnehmungen hervorruft. Weil diese große Quelle der meisten unserer Ideen ganz von unseren Sinnen abhängt und durch sie dem Verstand zufließt, heißt sie Sinneswahrnehmung. LOCKE versteht also unter Sensation die durch die leiblichen Sinne vermittelten Vorstellungen von der Körperwelt. Die Tätigkeiten des Geistes sind die andere Quelle derselben. Hören wir von LOCKE selbst:
    "Zweitens ist die andere Quelle, aus welcher die Erfahrung den Verstand mit Ideen versieht, die Wahrnehmung der Tätigkeiten unseres eigenen Geistes in uns bei seiner Beschäftigung mit den Ideen, die er erhalten hat; aus denen der Verstand, wenn die Seele dazu kommt, sie zu betrachten und zu erwägen, mit einer anderen Reihe von Ideen versehen wird, die sich aus äußeren Dingen nicht hätten gewinnen lassen; als da sind: "wahrnehmen", "denken", "zweifeln", "glauben", "folgern", "wissen", "wollen" und alle die verschiedenen Tätigkeiten unseres Geistes, von welchen wir, indem wir uns ihrer bewußt sind und sie in uns beobachten, ebenso deutliche Ideen für unseren Verstand gewinnnen, wie von den Körpern, die auf unsere Sinne einwirken. Diese Quelle von Ideen liegt für jedermann ganz in seinem eigenen Innern, und obgleich sie nicht sinnlich ist, insofern sie mit äußeren Gegenständen nichts zu tun hat, ist sie doch etwas sehr Ähnliches und könnte ganz passen der innere Sinn genannt werden. Während ich die andere Sinneswahrnehmung nenne, bezeichne ich jedoch diese als Selbstbeobachtung, weil die von ihr gelieferten Ideen nur aus solchen bestehen, die der Geist dadurch gewinnt, daß er seine eigenen Tätigkeiten in seinem Innern in Betracht zieht." (14)
LOCKE versteht also unter Selbstbeobachtung die Kenntnisnahme des Geistes von seinen eigenen Tätigkeiten und deren Art und Weise, worin der Grund dafür liegt, daß der Verstand Ideen dieser Tätigkeiten erhält (15), oder: Reflexion ist das Wissen von den dadurch hervorgerufenen Tätigkeiten der Seele selbst.
    "Diese beiden, sage ich, nämlich äußere materielle Dinge, als Objekte der Sinneswahrnehmung, und unsere eigenen inneren Geistestätigkeiten, als Objekte der Selbstbeobachtung, sind für mich die einzigen Ursprungsstellen, woher alle unsere Ideen ihren Anfang nehmen." (16)

    "Psychogenetisch verhalten sich also diese beiden Arten der Wahrnehmung so, daß die Sensation Anlaß und Voraussetzung für die Reflexion ist, - sachlich so, daß aller Inhalt der Vorstellungen aus der Sensation stammt, die Reflexion dagegen das Bewußtsein der an diesem Inhalt vollzogenen Funktionen enthält."
Diese Annahme LOCKEs ist jedoch nur teilweise richtig; denn, wie oben erwähnt, stammt nicht  aller  Inhalt der Vorstellungen lediglich aus der Sensation, sondern diese ist nur die  eine  Quelle, aus der unsere Vorstellungen herrühren. (17)

Überhaupt drückt sich LOCKE über die Tätigkeit des Geistes bezüglich seines Verhaltens den einfachen Wahrnehmungen gegenüber recht unklar aus, indem er sagt:
    "Den Ausdruck  Tätigkeiten  brauche ich hier in einem weiten Sinn, so daß er nicht bloß die Einwirkungen bezeichnet, die der Geist auf seine Ideen ausübt, sondern auch eine gewisse Art von Einwirkungen, die er zuweilen von ihnen erleidet, wie z. B. die aus einem Gedanken entspringende Zufriedenheit oder Unruhe." (18) Denn aus den einfachen Vorstellungen gehen durch die Tätigkeit des Geistes die zusammengesetzten hervor. Bei diesen intellektuellen Funktionen ist die Seele bald  aktiv,  indem ihre Tätigkeiten als richtige Seelen vermögen  (faculties) erscheinen, deren sich die Seele reflektierend bewußt wird; oder aber sie verhält sich auch in diesen beziehenden Tätigkeiten, wie in der Erinnerung, der Unterscheidung, der Vergleichung, der Verbindung usw. durchweg  passiv,  indem sie an den Inhalt der Sensation gebunden ist; passiv allerdings nur insofern, als ihre Tätigkeit erst durch die äußeren Eindrücke erweckt wird, gerade wie bei KANT. Aus diesem Verhältnis geht nun deutlich hervor, daß sich leicht verschiedene Ansichten entwickeln konnten, je nachdem man der Seele bei der Verbindung der Vorstellungen mehr oder weniger  Selbsttätigkeit  zuschrieb. Dies zeigte sich in der Folgezeit.

    "LOCKEs  tabula rasa  ist also sozusagen nur die  Oberfläche  der Seele, die ursprünglich ganz leere Tafel des Bewußtseins, nicht aber die  ganze  Seele; denn diese Oberfläche umschließt einen Kern, der zwar nicht Vorstellungen, wohl aber Vermögen, und zwar nicht bloß das Vermögen vorzustellen, sondern auch zu fühlen und zu wollen enthält, die sich aber erst zufolge äußerer Anregungen entfalten. Demnach ist nun auch LOCKE durchaus nicht  Sensualist.  Denn die Operationen, welche nach ihm die Seele mit den durch Sensation erworbenen Vorstellungen vornimmt, stammen weder von außen her, noch sind sie bloße Wechselwirkungen zwischen den durch äußere Eindrücke erzeugten Vorstellungen, zu denen die Seele nur den Schau- und Tummelplatz abgäbe, sondern sie sind von außen her angeregte Selbsttätigkeiten der Seele, die Verstandestätigkeiten derselben." (19) -
Doch müssen wir hier zunächst den Gegensatz zwischen LOCKE und HUME hervorheben.

Wir haben erwähnt, daß HUME analog mit LOCKE gleichfalls zwei Arten von Vorstellungen aufgestellt hat: die  impressions  und die  ideas  oder  thoughts;  erstere sind die starken Eindrücke, die ursprünglichen Empfindungen der äußeren oder der inneren Wahrnehmungen, letztere die Erinnerungsbilder der ersteren. Hierin schließt er sich eng an LOCKE an. Beiden ist die äußere Erfahrung als gleichberechtigt die inneren Wahrnehmungen, die bei uns durch dieselben starken Eindrücke hervorgerufen werden wie die durch die äußeren Erfahrungen. So umfaßt also HUME unter dem Begriff der  impressions  das  ganze  Gebiet der Erfahrung, sowohl das der Sinnes- oder der äußeren, wie das der inneren Erfahrung zusammen. Die letztere aber deckt sich zum Teil mit dem, was LOCKE mit  reflection  bezeichnet, insofern nämlich, als HUME darunter auch Zustände wie lieben, hassen, begehren, wollen - also das ganze innere Gefühlsleben - versteht. HUME drückt sich hierbei scharf und deutlich aus, nicht so LOCKE, wie wir bereits gezeigt haben. Sein Begriff der  sensation  geht völlig in dem HUMEschen der  impression  auf, während seine  reflection  von ihm viel zu populär definiert wird, indem die Seele sich bei ihr bald aktiv, bald passiv verhält, LOCKE unter  reflection  also einmal die Vermögen (faculties) der Seele, wie "wahrnehmen", "denken", "zweifeln", "glauben", "folgern", "wissen", "wollen" versteht, sodann aber wiederum die  reflection  von der  sensation  genetisch und sachlich abhängig sein läßt. In dieser Zwitterstellung der  reflection  liet die Schwäche dieser zweiten Quelle der Ideen; einmal ist sie zu weit gefaßt, sofern sie nämlich die Vermögen, deren sich die Seele bei ihren intellektuellen Funktionen refelektierend bewußt wird, in sich schließt, sodann aber erscheint sie wieder völlig bedeutungslos, insofern LOCKE sie von der  sensation  abhängig sein läßt. Sehr deutlich drückt sich HUME aus; sein Begriff schließt logisch scharf  alles  Erfahrungsmaterial in sich; er kann auf empiristischem Boden mit Recht als die einzige Erfahrungsquelle bezeichnet werden. Sein Begriff der  ideas  oder  thoughts  trägt das Merkmal der Abhängigkeit von den  impressions  deutlich an sich, während dies bei der  reflection  nicht der Fall ist. Daraus folgt, daß HUME den Standpunkt des Empirismus viel konsequenter durchgeführt hat als LOCKE, daß also der Sensualismus sich unter seiner Hand zum echten Empirismus entwickelte, daß er demgemäß auch zu ganz anderen Resultaten gelangen mßte als LOCKE. Alle metaphysischen Begriffe, die LOCKE noch gelten ließ, wenn er deren Unhaltbarkeit in seinem System auch fühlte und in seinen Ansichten oft schwankend erscheint, mußten fallen. So sehen wir also auch, daß schon der Nachfolger LOCKEs, BERKELEY, mit einem großen Teil dieser Begriffe aufräumte, wenn ihn auch seine Frömmigkeit und seine Stellung als Theologe vor den letzten Konsequenzen abgehalten hat. Anders war dies bei HUME. Er war der tiefsinnige Philosoph, der vor keinem Ergebnis zurückschreckte, selbst wenn es sonderbar erschien oder der Volksmeinung widerstritt. Darum kannte er keine äußeren Rücksichten und schreckte auch nicht vor den äußersten Konsequenzen zurück. Unbarmherzig fiel unter seiner Kritik alles, was mit seiner Grundvoraussetzung des reinen Empirismus nicht vereinbar war. So schuf er aus den Bausteinen der reinen Erfahrung ein System, das an Schärfe der Konsequenz seinesgleichen sucht.

Doch dürfen wir nicht vergessen, daß der Weg von LOCKE erst durch BERKELEY zu HUME führt. Dieser unmittelbare Vorläufer unseres Philosophen führte zunächst einen erbitterten Kampf gegen die abstrakten Ideen; denn nach ihm gibt es nur Einzelvorstellungen; sodann verwarf er die primären Qualitäten, die nach LOCKE den Dingen selbst zukommen, negierte die Existenz der Ausdehnung  extra mentem  [aus dem Sinn - wp], womit, wie er selbst mit Recht sagt, der Begriff der materiellen Substanz mitaufgehoben wird; aber es ist keineswegs umgekehrt an die Negation jenes dunklen Etwas notwendig auch die Negation der objektiven Realität der Ausdehnung geknüpft. Damit hatte er dem Substanzbegriff bereits einen Stoß versetzt; die Kausalität war ihm eine Tatsache göttlicher Wirksamkeit und blieb dadurch unerklärt. In diesen Sätzen haben wir bereits die Grundzüge seines ganzen Systems, dessen Vorzüge sowohl, wie dessen Schwächen. Aus diesen wenigen Sätzen erhellt sich, daß der Kreis des Erfahrbaren immer mehr begrenzt wird. Ein Vorzug ist es zunächst, wenn er die Existenz abstrakter Ideen im Geist leugnet und sie auf die sinnliche Vorstellung oder die Gruppe der sinnlichen Vorstellungen zurückführt, welche anfänglich zu jener Beziehung Anlaß gab. Die Sinnesvorstellung allein ist als der alleinige Inhalt der geistigen Tätigkeit anzusehen. Diese Vorstellungen ferner sind Einzelvorstellungen; diese können wir durch die Einbildungskraft wieder in uns hervorrufen, doch unterscheiden sich die letzteren von den ersteren hinsichtlich der Stärke; denn "die sinnlichen Ideen sind stärker, lebhafter und bestimmter als die Ideen der Einbildungskraft". (20) Diese Stelle erinnert uns direkt an HUME.
    "Die durch den Urheber der Natur den Sinnen eingeprägten Ideen heißen wirkliche Dinge; diejenigen aber, welche durch die Einbildungskraft hervorgerufen werden und weniger regelmäßig, lebhaft und beständig sind, werden als Ideen im engeren Sinne oder als Bilder der Dinge, welche sie nachbilden und darstellen, bezeichnet." (21)

    "Es ist zuzugeben, daß die sinnlichen Ideen mehr Realität in sich tragen, d. h. sie sind kräftiger, geordneter, zusammenhängener als die Geschöpfe des Geistes." (22)
Wir haben hier also bereits einen bedeutenden Schritt über LOCKE hinausgetan; wir haben bei BERKELEY nur noch eine  einzige  Quelle der Vorstellungen, die  Sinnenwelt.  Die Wahrnehmungen werden uns ausschließlich durch die Sinne zugeführt, wir vermögen sie aber wieder hervorzurufen und zu verarbeiten. Wir haben bereits die Unterscheidung der ursprünglichen  starken und  der durch die Einbildungskraft oder durch das Erinnerungsvermögen hervorgerufenen  schwachen Vorstellungen.  Die letzteren haben also keinen anderen Inhalt als die ursprünglichen Sinneseindrücke, weil sie eben nur  Abbilder  der ersteren sind. Die Reflexion ist also bereits auf die Reproduktion der einfachen Vorstellungen beschränkt. Mit dieser Lehre aber sind wir bereits mitten in der HUMEschen Lehre über den Ursprung der Vorstellungen angelangt; denn er hat sie sich in vollem Umfang zueigen gemacht. HUME übernimmt also von BERKELEY ein  Dreifaches: erstens  die Aufstellung einer  einzigen  Quelle aller Wahrnehmungen;  zweitens  den Gegensatz der  starken  und  schwachen  Vorstellungen; drittens' die Bezeichnung des  Urbildes  und  Abbildes.  Dagegen geht er über BERKELEY hinaus oder übertrifft ihn wenigstens an Schärfe dadurch, daß er zur Sinneswahrnehmung desselben d. h. also zur äußeren Erfahrung die  innere  noch hinzufügt, indem er beide unter dem Begriff der  impression,  des starken Eindrucks, zusammenfaßt, oder um mit LOCKE zu reden, die  simple ideas  aus  sensation  und  reflection.  HUME hat also von beiden Vorgängern gelernt. Von LOCKE übernimmt er die  sensation  und von der  reflection  soviel, als an ihr innere Wahrnehmung ist. Von BERKELEY entlehnt er die  eine  Quelle, die in dessen Bezeichnung des Urbildes und Abbildes enthalten war, sowie den Unterschied der starken und schwachen Vorstellungen. Neu ist also bei HUME nur die Zusammenfassung der beiden Artenn der Wahrnehmungen unter dem einen Begriff der  impressions  oder Eindrücke, wodurch er ein LOCKEsches und ein BERKELEYsches Element vereinigt, außerdem der Umstand, daß er den Begriff der Erfahrung dadurch viel schärfer faßt als BERKELEY, daß er deutlich die äußere und die innere Erfahrung als solche hervorhebt, ohne beide allerdings auseinanderfallen zu lassen. Durch diese Schärfe gewinnt er eine viel breitere Grundlage für seine weiteren Ausführungen. Mit der Hereinbeziehung der inneren Erfahrung, auf die er durch LOCKE kam, hat er das ganze Gebiet des Erfahrbaren deutlich gekennzeichnet. Der heutige erkenntnistheoretische Positivismus bezeichnet daher mit Recht HUME als seinen Begründer.
LITERATUR: Wilhelm Emil Walz, David Humes Verhältnis zur Erkenntnislehre Lockes und Berkeleys, Tübingen 1907
    Anmerkungen
    1) PAUL DEUSSEN, Die Elemente der Metaphysik, Leipzig 1902, Seite VIII.
    2) ERNST LAAS, Idealismus und Positivismus I". Eine kritische Auseinandersetzung. Erster, allgemeiner und grundlegender Teil, Berlin 1879. Teil II: Idealismus und Positivismus, idealistische und positivistische Ethik, 1882. Dritter Teil: Idealistische und positivistische Erkenntnistheorie, 1884.
    3) JULIUS H. von KIRCHMANN in seiner Übersetzung des  Inquiry,  Seite 1
    4) KIRCHMANN, a. a. O. Seite 1
    5) KUNO FISCHER, Francis Bacon und seine Nachfolger, Leipzig 1875, Seite 781. Dem Verfasser dieses Werkes fühle ich mich im Hinblick auf meine Arbeit zu großem Dank verpflichtet.
    6) The philosophical works of  David Hume.  In four volumes. Edinburgh 1826. Der  erste  und  zweite  Band umfaßt das Hauptwerk:  A treatise on human nature.  Dieses zerfällt in drei Bücher: 1. Of the understanding. 2. Of the passions. 3. Of morals. Für unseren Zweck käme also vom Hauptwerk namentlich das 1. Buch:  Vom Verstand  in Betracht. - Der  zweite  Band enthält ferner:  Dialogues concerning natural religion.  Den  dritten  Band bilden die Essays  moral, political, and literary,  im ganzen 39 kleinere Abhandlungen. Der  vierte  Band umfaßt: 1. An inquiry concernung the human understanding' nebst "A dissertation on passions", sodann 2. "An inquiry concerning the principles of morals" mit einem Appendix, endlich "The natural history of religion" nebst den  Additional Essays.  - Die erste und zweite Abhandlung des vierten Bandes ist also ein nochmalige Zusammenfassung des Inhaltes seines Hauptwerks. Es ist viel über das Verhältnis dieser zwei Darstellungen geschrieben worden. Sie unterscheiden sich aber nur dem Umfang nach, indem das Hauptwerk die Fragen mit großer Breite, außerdem aber auch einige Partien, die HUME in der späteren kürzeren, reiferen Darstellung seines Systems nur angedeutet hat, behandelt.  Inhaltlich  ergänzen sich also die beiden Darstellungen.
    7) Inquiry concerning the human understandig, Section I, Of the different species of philosophy. Übersetzung von J. H. von KIRCHMANN.
    8) GEORGE BERKELEY, Principles of human knowledge, 1710, Introduction.
    9) GEORGE BERKELEY, Principles of human knowledge, Introductioni, Kap. IV. [Übersetzung von FRIEDRICH ÜBERWEG], 3. Auflage, 1900.
    10) BERKELEY, a. a. O., Kap. XXIV
    11) JOHN LOCKE, Philosophical Works in two volumes by J. A. St. JOHN, London 1875 [Übersetzung von TH. SCHULTZE, Leipzig 1897].
    12) HUME, Inquiry, Sect. II
    13) HUME, Inquiry, Sect. II
    14) LOCKE, Über den menschlichen Verstand, 2. Buch, Kap. 1, § 4
    15) LOCKE, a. a. O. 2. Buch, Kap. 1, § 4
    16) LOCKE, a. a. O. 2. Buch, Kap. 1, § 4
    17) WILHELM WINDELBAND, Geschichte der Philosophie, 1892, Seite 355 5
    18) LOCKE, a. a. O. 2. Buch, Kap. 1, § 4
    19) MORITZ DROBISCH, Über Locke - den Vorläufer Kants, in Zeitschrift für exakte Philosophie im Sinne des neueren philosophischen Realismus, Bd. 2, 1862, Seite 10 und 11. 20)
    20) BERKELEY, Principles, Kap. 30
    21) BERKELEY, Principles, Kap. 33
    22) BERKELEY, Principles, Kap. 33