ra-2A. WuttkeH. HeineW. E. H. Lecky    
 
AUGUST THOLUCK
(1799-1877)
Der sittliche Charakter der Heiden
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"Hätten aber die Stiere Hände oder die Löwen, mit den Händen zu zeichnen oder die Geschäfte der Menschen zu verrichten, so würden die Pferde den Pferden, die Stiere den Stieren ähnlich die Gottheit darstellen und solche Körper ihnen leihen, wie sie selbst sie besitzen."


1. Die Entstehung des Naturkultus des Heidentums

Nicht aus einem tierischen Zustand heraus hat der Mensch sich entwickelt. Aus dem Zustand eines höheren unschuldigen Kindheitslebens hat er auch nach seinem Fall Erinnerungen mit sich genommen. Zu ENOs Zeit beginnt unter den Sethiten ein gemeinsamer Kultus im Namen JEHOVAs (1. Mos. 4, 26). Noch zur Zeit ABRAHAMs ist nach der biblischen Urkunde die reine Gotteserkenntnis auch außerhalb seiner Geschlechtslinie nicht ganz ausgestorben. Er findet in Kanaan einen Verehrer desselben Gottes, den er anbetet (1. Mos. 14). Um die Zeit MOSES findet sich noch in Mesopotamien ein BILEAM, welcher neben seinem Naturkultus den Gott Israels anbetet. Auch die Überlieferung der Heiden weiß von einer Urzeit mit höherer religiöser Einsicht, aus welche die Kenntnis der Gottheit stammt. "Alles", sagt SOKRATES im Philebus, "was durch die Kunst entstanden, ist auf folgende Weise entstanden: Einst wurde, wie es mir scheint, eine Gabe der Götter an die Menschen durch einen gewissen PROMETHEUS von den Göttern zu den Menschen herabgebracht, zugleich mit dem herrlichsten Lichte. Die Alten nun, die besser als wir sind und den Göttern am Nächsten standen, haben uns überliefert, daß ..." Ebenso sagt ARISTOTELES: "Von den Alten ist in Gestalt von Mythen den späteren Nachkommen die Überlieferung hinterlassen worden, daß die Obengenannten Götter sind und die Gottheit die ganze Natur umfaßt - und indem nach Vermögen eine jegliche Kunst und Philosophie öfters gefunden und wieder verloren worden war, seien auch diese Lehrsätze die Überreste von ihrer Weisheit bis jetzt fortgepflanzt worden." In demselben Sinne sagt auch der Heide CÄCILIUS: "Ich glaube den Vorfahren, welche in einer noch ungebildeten Zeit beim ersten Anfang der Welt die Götter zu Freunden oder zu Königen zu haben gewürdigt wurden." Denn nicht auf Spekulation, sondern auf Überlieferung ruhen entstellt und unentstellt die ältesten Religionsanschauungen der Völker. "Religion", spricht HERDER, "so verschieden ihre Hülle sei, auch unter dem ärmsten und rohesten Volk finden sich ihre Spuren. Woher kam sie nun diesen Völkern? Hat jeder Elende sich seinen Gottesdienst etwa wie eine natürliche Theologie erfunden?  Diese Mühseligen erfinden nichts, sie folgen in allem der Tradition ihrer Väter. Tradition ist die Mutter ihrer Sprache, wie ihrer Religion." 

Was den Ursprung des Heidentums betrifft, so hat sich bei den Rabbinern und bei den Kirchenvätern das Bewußtsein, daß dabei der Vater der Lüge tätig gewesen sein müsse, in der mythisierenden Form ausgeprägt, daß die Menschen durch böse Geister zum Irrtum verführt wurden. Bei PAULUS findet sich eine solche Vorstellung nicht. Er spricht aber davon, daß die von Gott dem Menschen eingepflanzt wahrhafte Erkenntnis von den Menschen "in Ungerechtigkeit, d. h. durch Ungerechtigkeit oder Sündhaftigkeit niedergehalten worden sei" (Röm. 1, 18). Auf die menschliche Sündhaftigkeit führt er demnach den Ursprung der heidnischen Naturgötter zurück. Nicht  erstickt,  sondern nur  niedergehalten  ist also nach dem Apostel jene dem Menschen ursprünglich eingepflanzte Wahrheit. Denn daß auch dem falschen Gottesdient ein dunkles Bewußtsein der Wahrheit zu Grunde liege, daß auch die Gebete, welche zu den vermeintlichen Göttern aufsteigen, den wahren Gott meinen und ahnen, spricht er in jener erhabenen Rede an die Athener aus, wo er sagt, daß er eben den Gott ihnen predige, dem sie als dem Unbekannten einen Altar aufgerichtet und unwissend Gottesdient tun (Apg. 16, 23). - Naturkultus ist die heidnische Religion in ihren mannigfaltigsten Formen von ihrem rohen Fetisch- und Zauberdienst bis zur Anbetung des Göttlichen in Menschengestalt, sei es, daß die Kreaturen zum Gegenstand der Anbetung gemacht werden, sei es, daß der denkende Geist sie in einer Einheit zusammenfaßt: den Gott über der natur, den heiligen Gott kennt die Religion des Heidentums nicht, wenngleich zahlreiche sittliche und erhabene Züge, welche sie ihren Gottheiten beilegen, dartun, daß das Bewußtsein des wahren Gottes in der Tat nicht in ihnen erloschen war. Eine solche Vergötterung der Natur und ihrer Kräfte konnte nur da entstehen, wo der Lebenszusammenhang mit dem über der Natur stehenden Gott sich für den Menschen verdunkelt hatte, wo der Geist im Naturleben untergegangen war - wie der Apostel es ausspricht, durch die Sündhaftigkeit der Menschen. Wer jene Naturreligionen bloß aus Schwäche der Einsicht, aus Mangel an Verstandeskultur erklären wollte, der würde zu erkennen geben, daß er das Wesen des religiösen Glaubens nicht erkannt hat, dessen Grund  eine gefühlte Lebensbeziehung  auf Gott ist. Wohl ist das Wort des Dichters wahr: "In seinen Göttern malet der Mensch sich," aber auch  der Spruch hat seine Wahrheit  und ein noch älteres Recht: "Sowie dein Gott, so wirst du auch, das ist der Völker alter Brauch." Was der Mensch lebt, das glaubt er, während er andererseits glaubt, was er lebt. Daher auch jene entsittlichende Rückwirkung des Naturkultus der Heidenwelt auf ihr Leben, wie PAULUS in der angeführten Stelle dieselbe schildert, indem er die Laster, denen sie fröhnen, womit sie sich bis zum Tier, ja unter das Tier herabwürdigen, als die natürliche Vergeltung dafür bezeichnet, daß sie es nicht wert geachtet haben, eine ursprüngliche Erkenntnis von Gott zu besitzen.


2. Beurteilung der heidnischen Religion
von den Heiden selbst.

Wie sich das innere religiöse Leben des heidnischen Volkes gestaltet hatte, davon wissen wir wenig oder nichts. Dem Wort:  vox populi vox dei  [Volkes Stimme ist Gottes Stimme. - wp] kommt jedoch eine Wahrheit zu, wenn wir im Gegensatz zu den  Ge bildeten, daher aber auch oft  Ver bildeten und  Ein gebildeten, unter  populus  das schlichte naive Volk der geringeren Klassen verstehen. Wir sind daher auch nicht imstande genauer anzugeben, inwiefern unter den ungebildeten Ständen sich die Sehnsucht nach etwas Besserem aussprach. Das sogenannte gemeine Volk ist gewöhnlich noch lebendiger für wahrhafte Religiosität empfänglich, weil es seine Bedürfnisse sich nicht hinweggeklügelt hat, weil keine trügliche blendende Weisheit dem Sehnen der gottverwandten Seele, wenn sie einmal aus ihrem Sündenschlummer erwacht,  scheinbare  Befriedigung gibt, Schon aus diesem Grund müssen wir glauben, daß auch unter dem heidnischen Volk mancher Einzelne gewesen ist, der in der Stille trauerte, daß sein Verlangen nach himmlischem Trost nicht gestillt wurde, daß er kein höheres göttliches Ideal hatte, welches er unter den Mühseligkeiten des Lebens als des Lebens eigenstes Ziel verfolgen konnte. In der Tat macht sich zuweilen ein natürliches Wahrheitsgefühl geltend, welches die höheren Klassen beschämt. So macht TERTULLIAN die Mitteilung, daß das Volk bei Gemütsbewegungen sich nicht zu den Göttern gewandt, sondern sich der Worte bedient habe: "Bei  Gott!  So wahr  Gott lebt!  Soll mit  Gott helfen!"  Auch habe sich der Blick dabei nicht nach dem Kapitol gekehrt, sondern zum Himmel. Hierher gehört auch die interessante Bemerkung des AULUS GELLIUS, daß die alten Römer bei Erdbeben nicht zu irgendeinem der bestimmten Götter zu beten pflegten, sondern nur zu Gott als dem Unbekannten. Schon deswegen aber sind die Nachrichten über die Empfindungen des Volkes so sehr spärlich, weil der schreibende Teil desselben, sich den Gebildeten rechnend, die Gemütsentwicklung der niederen Klassen als eine von der seinigen ganz verschiedene und niedere betrachtete. Da jedoch, wo die Gebildeteren die Empfindungen der Ungebildeten noch einigermaßen beachten und aussprechen, finden wir auch wirklich manche äußerst gehaltvolle Äußerungen über die Götter, die Mangelhaftigkeit des Heidentums und den wahren Charakter der Frömmigkeit, nämlich in den Lustspieldichtern der Griechen, von denen wir leider nur Fragmente besitzen. - Wie anders finden wir es dagegen bei Beginn der Reformation, deren Geschichtschreiber uns unzählige, äußerst rührende Züge aus dem geistigen Leben des nach jener religiösen Umwälzung sich sehnenden Volkes liefern, weil sie eben ein und denselben Geist Gottes im Niedrigsten des Volkes tätig erkannten, welcher sie selbst zu einem heiligen Leben erweckt hatte.

Unter den  gebildeten  Griechen und Römern mochte wohl das lebendige Gefühl des Herzens weniger dazu beitragen, die Unzulänglichkeit ihrer Religion zu erkennen, desto mehr aber ihre Verstandesbildung, so daß viele ihrer Aussprüche sich weit über die Volksreligion erheben. Unter den Ältesten von diesen Zeugen der Wahrheit verdient erwähnt zu werden der  Eleate  XENOPHANES. Dieser tiefblickende Mann schloß seine Schrift über die Natur mit den trefflichen Worten:  "Niemand  hat Gewisses erkannt, noch wird ers erkennen über die Götter und was ich vom Weltall sage. Denn wenn er auch selbst das Vollendetste sagte, weiß er es dennoch nicht, sondern *Wahn ist über alles verhängt" - ganz wahr, wenn allein die Leiter syllogistischer Beweisführung den Menschen zum höchsten Wesen hinaufleiten soll. In dieser Rücksicht verdient auch XENOPHANES das Lob mit Recht, welches ihm TIMON, der Menschenhasser, gab, der ihn den  Denker ohne Dünkel  nannte. Hätte nur der vom Wissensdünkel freie Denker statt dessen, was er dem Menschen nahm, ihm auch etwas zu geben vermocht. XENOPHANES unterschied sich indessen auch dadurch von den andern Philosophen, daß, was seine etwelche Überzeugung von den Göttern war, er frei aussprach, sollte er auch mit den Volksmeinungen in grellen Widerspruch treten, es war ihm wirklich darum zu tun, das Volk zu bilden. Er lehrte: "Ein Gott ist nur unter den Menschen und Göttern der größte, weder an äußerer Gestalt, noch am Geist dem Menschen vergleichbar," - "aber die Sterblichen meinen, die Götter werden gezeugt, seien an Sinn ihnen gleich, an Stimme und Körper." - Hätten aber die Stiere Hände oder die Löwen, mit den Händen zu zeichnen oder die Geschäfte der Menschen zu verrichten, so würden die Pferde den Pferden, die Stiere den Stieren ähnlich die Gottheit darstellen und solche Körper ihnen leihen, wie sie selbst sie besitzen." Die Bearbeitung dieser Verse gibt im Auszug THEODORETUS. XENOPHANES sagt nämlich: noch deutlicher als selbst die Täuschungen der Schauspieler zeige sich darin die Täuschung mit den Götterbildern, daß die Äthiopier ihre Götter schwarz mit stumpfer Nase bildeten, wie sie selbst, die Traker rötlich usw. Dieselben Gründe gegen die Vermenschlichung der Götter hat CICERO. Doch sind diese Vermenschlichungen nicht schlechthin als Irrtum zu bezeichnen. Es ist freilich wahr, was EPICHARMUS in einem Bruchstück sagt, daß jedes Geschlecht der Wesen sein eigenes Urbild für das schönste hält; allein dies hang damit zusammen, daß kein Wesen vermag über die ihm vom Schöpfer gesetzte Grenze hinauszugehn. Ein jedes sieht Gott im Urbild seiner eigenen Gattung und erkennt nur durch die seinem eigenen Dasein zu Grunde liegende Idee den Begründer allen Daseins, indessen erkennt es darum denselben nicht unwahr, sondern nur unvollkommen. Es ist das  eine  große Antlitz, das sich in den Spiegeln aller Urbilder der vernünftigen Wesensgattungen spiegelt - von den kleineren Spiegeln beschränkter, von den größeren vollkommener, von allen aber wahrhaft zurückgestrahlt wird. - XENOPHANES griff aber auch die Vorstellungen der Götter an, die in den Dichtern der Griechen sich finden, welche nicht allein unangemessen, sondern auch schmählich und unwürdig. Er sagt: "Alles legten HOMER und HESIOD den Göttern bei, was bei Menschen schmachwürdig und schlecht,  stehlen, ehebrechen und wechselseitig betrügen".  Daher nannte ihn auch TIMON:  "den Homertreter und Verhöhner".  - Fast noch härter als XENOPHANES äußerte sich gegen die Dichter HERAKLIT von Ephesus. Dieser sagte: HOMER müsse aus den Wettstreiten ausgestoßen werden und Backenstreiche empfangen und ARCHILOCHUS gleichfalls.

Nächst XENOPHANES verdient sogleich derjenige angeführt zu werden, welcher wie unter den Heiden der größte, so dem Christentum der nächste ist, SOKRATES. Abhold allem demjenigen, was nicht unmittelbar auf das sittliche Leben des Menschen einwirkt, brachte er durch seine Winke und seine einzelnen Lehren einen neuen Samen unter das griechische Volk, der, sechs Jahrhunderte hindurch befruchtend unter allen von sittlicherem Ernst und religiöser Sehnsucht ergriffenen Griechen und Römern fortwirkte. SOKRATES' Unwissenheit war nicht Lehre, sondern  Empfindung,  zwischen welchen, wie HAMANN sagt, ein größerer Unterschied ist, als zwischen dem lebenden Tier und dem anatomischen Gerippe desselben. Diese empfundene und tief im Innern gefühlte Unwissenheit brachte ihn dahin, mit  Selbstverleugnung  Lehrer des Volkes zu werden, dahin ihn Gott gestellt hatte. Er folgte dem Dämonion, so weit es ihm nicht abriet. Es riet ihm aber ab, geradezu diejenige Götterwelt dem Volk zu nehmen, an der alle Sittlichkeit desselben hing, die noch vorhanden war; es riet ihm ab zu unternehmen, was über seine Kräfte ging, denn daß nicht Furcht ihn darüber schweigen ließ, würde wenigstens der Ausspruch zeigen, den er bei PLATO tut (im Kriton): "Daran müssen wir uns also gar nicht kehren, was das Volk sagt, sondern was der Kenner des Rechten und Unrechten, der Eine und die Wahrheit selbst." Er verfuhr daher nach jenem Weisheitsprinzip, das er dem Delphischen APOLL abgelernt:  er sagt es nicht, er verbirgt es nicht, aber er deutet es an an.  Seine Lehre von der Gottheit war die: Der überaus zweckmäßige und kunstvolle Bau des Menschen, der kleinen Welt, wie die zweckmäßige und wunderbare Einrichtung des ganzen Alls sind ein Zeugnis für den Unsichtbaren, der, ob er auch selbst nicht erscheint, doch aus seinen Wirkungen erkannt wird, gleichwie die Seele aus ihren Tätigkeiten. "Dies," sagt SOKRATES in der merkwürdigen Stelle EUTHYDEMUS,  "dies - nämlich, daß die Götter den Menschen übernatürliche Offenbarungen erteilten,  in Bezug auf welche EUTHYDEMUS vorher gemeint hatte, SOKRATES  schiene  ganz besonders derer gewürdigt zu sein - wirst auch du, O EUTHYDEMUS, erkennen lernen, wenn du nicht wartest, bis du die Gestalten der Götter siehst, sondern wenn es dir genügt, ihre Werke sehend, die Götter anzubeten und zu verehren."' (1) - SOKRATES vermied jede genauere Erklärung über das Wesen Gottes, als welches dem Menschen unfaßlich sei. "Bedenke" - sagt er dem EUTHYDEMUS - "daß die Sonne, die allen sichtbar ist, dennoch niemandem erlaubt, sie genau anzusehen, sondern wenn jemand auf ungebührende Art sie zu schauen versucht, raubt sie ihm das Gesicht. Selbst die Diener der Götter, Donner und Wind, sind den Menschen ihren Wirkungen nach bemerkbar, an sich aber unsichtbar." Zu dieser weisen Unwissenheit über das Wesen Gottes fügte SOKRATES die Erklärung hinzu über den allein richtigen Weg zur Seligkeit des Menschen und begründete hierdurch die wahre Erkenntnis des Wesens Gottes, die er auf dialektischem Weg aufgegeben hatte. SOKRATES lehrte, daß der einzige Weg zur wahren Seligkeit des Menschen  Gottähnlichkeit  sei, und setzte also Heiligkeit und Seligkeit als gleichbedeutend, wodurch zu aller wahren Frömmigkeit der Grund gelegt wurde. - Durch diese praktische Lehre von Gott und den göttlichen Dingen wurde Samen ausgestreut, welcher, obgleich SOKRATES selbst das Heidentum nicht angriff, dennoch, aufgenommen von vielen warmen Gemütern, auf die spätesten Zeiten hinaus wirkte und auf mancherlei Weise Gegenwirkung gegen die Götterlehre veranlaßte. Unter den unmittelbaren Nachfolgern SOKRATES ist zuerst auszuzeichnen XENOPHON. In einem Brief an AESCHINES sagt er:
    "Denn daß die göttlichen Dinge jenseits unserer Erkenntnis liegen, ist jedem klar; es genügt also, Gottes über alles erhabene Macht zu verehren, indem er selbst weder leicht zu finden ist, noch es recht ist, über ihn zu grübeln.  Brauchen doch auch die Knechte nicht die Natur ihrer Herren zu wissen, da ihnen vielmehr nichts zukommt als zu dienen." 
In diesen vortrefflichen Worten des Heiden liegt der Grund, warum das Christentum keine Offenbarung metaphysischer, sondern praktischer Wahrheiten den Menschen gab. Es kam nicht darauf an, das  Wesen  Gottes und die Relationen der drei Personen der Gottheit kennen zu lernen, sondern den  Willen  Gottes zu erfahren, zugleich mit den segensreichen Wirkungen, welche vom Schöpfer und Erhalter, dem Erlöser und dem Heiliger in die menschlichen Herzen ausgehen. - Jene sokratische Gesinnung über das Verhältnis Gottes zu den Menschen finden wir auch noch in einigen anderen Stimmen Griechenlands, bei dem Tragiker, welcher aussprach:  "Verbergen es die Götter selbst, so kannst das Wesen Gottes du nicht kennen lernen, auch wenn du alles betrachtend umgehst"  (2) und bei dem Komiker PHILEMON:
    "Glaube an einen Gott und verehre ihn, spekuliere aber nicht über ihn. Du vermagst doch nicht mehr, als eben zu spekulieren. Ob er ist, ob er nicht ist, wolle nicht lernen.  Verehr' ihn stets als seiend und dir nahe seiend. Was aber Gott ist, das will er selbst nicht, daß du lernest." 
In PLATO tritt der praktische Sinn des SOKRATES, der sich kaum einigermaßen über den Grundcharakter des griechischen Volkes als solchen erhoben, aufs neue im hellenischen Gewand auf. Wir sehen in PLATO die intuitive Erkenntnisweise mit der diskursiven vereinigt, den Tiefsinn mit dem Scharfsinn, das Morgenland mit dem Abendland. Dieser Kampf der zwei verschiedenen Elemente tritt auf dem religiösen Gebiete uns entgegen. An die hellenische Spekulation rankt sich der orientalische Mythos. Was PLATO im Politikus sagt, es sei schwer, beim Darstellen von etwas Höherem sich nicht der  paradigmata  zu bedienen, ist in sich ganz wahr und so hat es denn auch PLATO auf das Religiöse angewandt, indem er von der einen Seite gar nicht die Religionsmythen seines Volkes verschmäht, gewöhnlich aber denselben einen feinen und wahrhaft erhabenen Sinn entlockt, wie z. B. in der Mythe von KRONOS, der im goldenen Zeitalter der Welt der Hirt der Erde der Menschen; oder in dem trefflichen Mythos im Symposion von der Armut, welche mit dem Reichtum als Kind die Liebe zeugt.

Auf der anderen Seite sind die spekulativen, wiewohl ebenfalls parabolsch dargestellten Schilderungen Gottes bei PLATO das Höchste, was der menschliche Geist erstreben kann. Gott ist nach ihm als der Begründer ales Seins über alles erscheinende Sein erhaben und nicht dieses Sein selbst;  so wie die Sonne in der sichtbaren Welt weder das Organ des Gesichts ist, noch auch das Gesehene, so verhält sich Gott zu allem Gedachten,  er ist das Vermittelnde zwischen dem Denkenden und dem Gedachten. Wie konnte es bei diesen erhabenen Vorstellungen, die jener große Geist vom göttlichen Wesen hatte, anders sein, als daß er auch die Einheit desselben erkannte. Er spricht sie zwar nicht geradezu, allein sie liegt schon in seiner Bezeichnung  to auto agathon  das  schlechthin Gute.  Bei dieser richtigen Erkenntnis von göttlichen Dingen sah er auch das Traurige ein, daß der Volksglaube so wenig dem nachkäme und sprach seinen Unwillen über die von den Dichtern auf die Götter gedichteten entehrenden Mythen aus, welche am allerwenigsten den Kindern in die Hände gegeben werden dürften. Er sagt (im 2. Buch der Republik):
    "Vornehmlich sind die größeren Lügen HOMER und HESIODUS zu tadeln,  denn das ist doch am schlimmsten gelogen, wenn jemand in seiner Rede auf eine schlechte Weise die Natur der Götter und Heroen darstellt,  welches dem Unternehmen des Malers zu vergleichen ist, der einen Gegenstand ähnlich malen wollte und nichts ähnliches malt. - Zuerst nämlich hat doch die wichtigste Lüge in den wichtigsten Dingen gelogen, wer da sagt, daß URANOS das getan, was HESIODUS ihn tun läßt und dann auch wie KRONOS ihn bestraft habe. KRONOS Taten aber und vom Sohn erlittene Schmach dürften, auch wenn sie wahr wären, wie mir deucht, gar nicht so leichtsinnig an Unverständige und junge Leute erzählt, sondern weit lieber verschwiegen werden; wäre aber eine Notwendigkeit vorhanden, sie zu sagen, so müßten sie insgeheim so wenige als möglich hören, die nicht bloß ein Schwein, sondern irgend ein großes und seltenes Opfer geopfert hätten, so daß nur den Wenigsten möglich wäre, es zu vernehmen. Dergleichen Sagen dürfen in unserem Staat gar nicht ausgesprochen werden, am wenigsten vor einem jungen Menschen, welcher, wenn er auch das Äußerste täte, ja, wenn er auch den Vater auf alle Art wieder züchtigte, von dem er beleidigt wurde, nichts Ungewöhnliches zu tun meinen würde, sondern nur das auszuüben, was auch die größten und besten der Götter tun. Auch ist es keineswegs weder schicklich, wenn es heißt, daß Götter mit Göttern kriegen, sich nachstellen und kämpfen, noch wahr, wenn wir nämlich an denen, welche den Staat bewahren sollen, wechselseitige Feindschaften für das abscheulichste halten müssen, noch weniger wird man die Fabeln von den Gigantenkriegen und vielen und mannigfaltigen anderen Feindschaften der Götter und Heroen gegen ihre Verwandten und Befreundeten ihnen erzählen und vorsingen dürfen. Vielmehr wenn wir imstande sind, sie zu überreden, daß nie ein Bürger dem anderen feind war, wie denn dies auch gar nicht recht sei, so müßten Greise, Matronen und Erwachsene dies vorzüglich schon gleich den Kindern sagen, die Dichter aber muß man nötigen auf gleiche Weise zu dichten. Wie dagegen Hexe von ihrem Sohn gefesselt wurde, wie HEPHAISTOS, da er seinen Mutter zu Hilfe kommen wollte, von seinem Vater herabgestürzt wurde und alle jene von HOMER erzählten Götterkämpfe dürfen wir in unserem Staat nicht aufnehmen, mögen sie einen geheimen Sinn haben oder nicht.  Denn der Jüngling ist ja nicht imstande zu beurteilen, was einem geheimen Sinn hat und was nicht,  sondern was er einmal in diesen Jahren von Meinungen angenommen, pflegt unaustilgbar und unausrottbar zu sein. Deshalb müssen wir alles anwenden, damit das, was sie zuerst hören, solche Fabeln seien, welche sie zur Tugend leiten können. - Aber wenn uns nun auch jemand dies fragte, wie beschaffen und von welcher Art dergleichen Fabeln sein sollen, was erden wir darauf antworten? - Es werden solche Beschreibungen stets von Gott gegeben werden müssen, wie Gott wirklich ist, mag man ihn in epischen, lyrischen oder tragischen Gesängen darstellen. Eine Wahrheit wird also für alle Redner, wie für alle Dichter zur Leiterin dienen:  "Nicht aller Dinge, sondern nur des Guten ist Gott Urheber." 
Dieselben Gesinnungen legt PLATO in einer anderen Stelle an den Tag und im TIMÄUS, wo er spottend die Götterfabeln der Dichter auf folgende Weise namhaft macht:
    "Was aber die Entstehung der übrigen Götter betrifft, so ist das ein zu schwieriger Gegenstand für mich; wir müssen indessen denen Glauben zollen, die früher geredet, die, wie sie selbst aussagten,  Kinder der Götter  sind und also wohl genau ihre  Vorfahren  kennen. Es ist folglich nicht wohl möglich, den Kindern der Götter nicht zu glauben, wenn sie auch ohne wahrscheinliche und überzeugende Beweise sprechen; wir, die wir dem Gesetz folgen, müssen ihnen doch Glauben schenken, als solchen, die, wie sie sagen, von Familien-Angelegenheiten reden. Ihre Götter-Geschlechtstafeln sind nun folgende:"
Aus eben diesem Zeitalter haben wir noch ein merkwürdiges Zeugnis gegen die bestehende Götterlehre von dem Redner ISOKRATES, wo er gegen den Sophisten POLYKRATES sagt: "Du hast dir die Wahrheit nicht lassen angelegen sein, sondern bist den Lästerungen der Dichter gefolgt, welche abscheulichere Taten und Züchtigungen von den Kindern der Unsterblichn aussagen, wie man kaum bei den verworfensten Menschen erwarten. Solche Dinge sagen sie sogar von den Göttern, welche niemand von seinem Feind zu sagen wagen würde. Denn sie beschimpfen sie nicht bloß durch Beilegung von Diebstahl, Ehebruch und Tagelöhnerei bei den Menschen, sondern auch durch Beilegung vom Fressen der Kinder, Verschneiden der Väter, Beschlafen der Mütter und anderer Laster." Wir knüpfen an diese Worte des ISOKRATES das gehaltvolle Urteil,  welches  DIONYSIUS von Halikarnassos, der um die Zeit von Christi Geburt lebte, über die römische Religionslehre im Vergleich mit der Griechischen fällte:
    "Das bewundere ich an ROMULUS, daß er für den Grund des Bürgerrechts etwas hielt, von welchem alle Staatsmänner reden, was wenige aber zu bewirken suchen, zuerst  das Wohlwollen der Götter,  welches, wo es vorhanden, alles dem Menschen zum Besten lenkt. - Tempel, Kapellen, Altäre, Bildsäulen der Götter, wie auch deren Gestalten, Symbole und Kräfte, die Wohltaten, die sie den Menschen erwiesen, die Feste, die jedem Gott oder Dämon gefeiert werden müssen, die Opfer, die sie von den Menschen wünschen, die Feiertage und Versammlungen, die Gottesfrieden, all das richtete er gerade so ein, wie die besten Einrichtungen der Art unter den Griechen. Die Sagen, aber, welche in Bezug darauf überliefert werden, worin Lästerungen und Beschuldigungen sich finden, hielt er für entehrend, unnütz und unverschämt und verwarf sie insgesamt als solche, welche nicht nur nicht der Götter, sondern auch nicht einmal guter Menschen würdig wären und lehrte dagegen die Menschen von Göttern das Beste zu sagen und zu denken, keine der Götter unwürdige Begierde ihnen beilegend. Denn es erzählen die Römer weder, daß URANOS von seinen Kindern verschnitten wurde, noch daß KRONOS seine Kinder verschlungen hat, weil er ihre Nachstellung fürchtete, noch daß ZEUS den KRONOS vom Thron gestürzt und im Kerker des TARTARUS seinen Vater verschlossen. Auch hört man bei ihnen nicht von Kriegen, Wunden, Fesseln, Scharwerk der Götter bei den Menschen. Ebensowenig findet man bei ihnen ein trauriges und klagendes Fest, wo Weiber heulten und klagten über verschwundene Götter, wie die Griechen es wegen des Raubes der PERSEPHONE und des Todes des DIONYSOS feiern. Ja, man wird auch, wiewohl die Sitten jetzt schon verderbt sind, nie bei ihnen jene Schautragungen Gottes, jene Korybantisch-Wahnsinnigen, jene Bacchanalien und geheime Weihen, jene Nachtwachen der Männer und Weiber zusammen in den Tempeln der Götter erblicken, noch ähnliche solche Gaukeleien;  vielmehr zeigen alle auf die Gottheit Bezug habenden Handlungen und Reden eine Frömmigkeit, wie sie weder bei den Hellenen, noch Barbaren sich findet.  Und was ich besonders bewundert habe, wiewohl eine unzählige Menge Völker in die Stadt gekommen sind, welche sich genötigt sehen, die vaterländischen Götter mit den hergebrachten Förmlichkeiten zu ehren, so hat doch die Stadt öffentlich keine jener fremden Religionen angenommen, wie das bei so vielen andern geschehen ist; sondern wenn auch auf Grund eines Orakelspruchs fremde Heiligtümer aufgenommen wurden, so hat sie dieselben doch ihren eigenen Einrichtungen angepaßt, alles fabelhafte Lügenwerk davon entfernend. Dies zeigt sich z. B. bei der Verehrung der Götter-Mutter. Opfer und Festspiele stellen ihr die Prätoren nach den Römischen Gesetzen alljährlich an, Priester und Priesterin dabei ist aber ein Phrygier und eine Phrygierin. Diese ziehen durch die Stadt, fordern, nach ihrer Sitte, alle Monate ihren Almosen, Bildchen vor der Brust tragend und die Trommel schlagend, während die nachfolgende Menge die Gesänge der Göttermutter hersingt. Allein von den eingeborenen Römern bettelt keiner den monatlichen Almosen, noch läßt er hinter sich hersingen, noch trägt er den bunten Mantel, noch feiert er die Göttin mit Phrygischem Ritus, was weder das Volk noch der Senat verlangt. So vorsichtig benimmt sich dieser Staat in Bezug auf die fremden Gebräuche und verschmäht jeden Mythos, der nicht anständig ist." -
Auch SENECA, bei Gelegenheit einer Rechtfertigung des Erwerbs und Besitzes seines großen Reichtums, äußert sich sehr frei über die unwürdigen Vorstellungen von den Göttern, welche besonders durch die Dichter in Umlauf gekommen sind. Er sagt:
    "Mir schadet ihr ebensowenig damit, wie die, welche die Altäre der Götter umstürzen, aber es zeigt sich dabei die böse Gesinnung und die böse Absicht, auch wo sie nicht willkürlich schaden kann. Ich trage eure Versündigungen ebenso wie der große JUPITER die Torheiten der Dichter, von denen der eine ihm Flügel beilegt, ein anderer Hörner, wieder ein anderer Ehebruch und Nachtschwärmerei, einer ihn wild gegen die Menschen, einer als Räuber wohlgebildeter Knaben, ja als Verführer der eigenen Anverwandten, noch einer endlich als Vatermörder und Eroberer eines fremden, seinem Vater zugehörigen Reichs schildert; wodurch insgesamt nichts anderes bewirkt wurde, als  daß den Menschen die Scham vor der Sünde genommen worden wäre, wenn sie solche Götter geglaubt hätten." 
Endlich ist noch PLUTARCH anzuführen, welcher in vielen Stellen nicht nur seiner moralischen Schriften, sondern auch seiner Lebensbeschreibungen die Mängel der poetischen Götterlehre tadelt und oft mit Schärfe rügt. Er hilft sich durch die ethische und physische Erklärung der anstößigen Sagen, indem er geradeu gesteht:  "Wären dieselben buchstäblich zu verstehen, so müßte man vor dem Mund, der solches sagte, ausspeien und ihn verfluchen."  - Besonders wichtig ist in dieser Hinsicht sein wahrhaft goldenes Büchlein "De audiendis Poetis". Er geht davon aus, daß die Poesie Ägypten gleiche, von welchem HOMER singt: es sind viele heilsame aber auch viele schädliche Arzneien darin. Wegen dieser Gefahr dürfe indessen der Jüngling doch nicht gänzlich davon zurückgehalten werden, sondern man müsse vielmehr den wütenden Gott durch den nüchternen (ein Ausdruck PLATOs, d. h. den Wein durchs Wasser) bändigen, so daß das Schädliche entfernt würde, ohne doch das Nützliche zugleich aufzuheben. Man müsse also mit der Voraussetzung zu den Gedichten hinzutreten, daß Vieles darin unwahr sei, vieles hätten die Dichter mit Absicht erdichtet zum Schmuck oder als Vehikel der Wahrheit, vieles hätten auch sie selbst aus irriger Einsciht falsch dargestellt. So wenn HOMER singt:
    Jetzo streckte der Vater hervor die goldene Waage,
    Legt in die Schalen hinein zwei finstere Todeslose,
    Dieses dem Peleionen und das dem reisigen Hektor -
so sei es klar, daß der Dichter wohl gewußt habe, die Sache habe sich nicht also verhalten, sondern er habe zum Schmuck der Rede es so gedichtet. Dagegen wenn HOMER singt:
    Zeus, welcher den Menschen Anordner der Kriege ist -
oder wenn AESCHYLUS singt:
    Gott gibt den Menschen Anlaß,
    Wenn er ein Geschlecht gänzlich vernichten will -
so sei das aus irriger Überzeugung der Dichter geschrieben. In diesen Fällen müsse man entweder andere Aussprüche der Dichter aufsuchen, wodurch sie sich selbst widerlegen; wie z. B. wenn EURIPIDES sagt:
    Durch vielfache Gestalten der List
    Täuschen uns die Götter, da sie weit klüger sind - 
so antwortete man mit dem Vers:
     Wenn Götter etwas Schlechtes tun, so sind's nicht Götter. 
oder man müsse geradezu den Jüngling auf das Falsche aufmerksam machen und nicht sein wie die, welche an verehrten Gegenständen alles bewundern und nachahmen, am PLATO auch die Krümme seines Nackens, an ARISTOTELES das Zischeln der Stimme."
LITERATUR August Tholuck, Der sittliche Charakter des Heidentums, Gotha 1867
    Anmerkungen
    1) Denselben Gedanken, daß die  Heiligung  des Menschen für ihn der Weg ist, die Erkenntnis des Göttlichen zu erlangen,  spricht  schön aus der Mohammedaner und nachherige Kalif OMAR in dem Buch GHAZALIs  Über die vierzig Grundsätze:  "Harira erzählt, daß einst der Prophet an sie herangetreten sei, als sie gerade von der Vorherbestimmung miteinander redeten und habe zornig sie gescholten: Was höre ich? Bin ich deswegen an euch abgeschickt? Hab' ich nicht hundertmal gesagt, darüber sollt ihr nicht streiten? Ahmt lieber dem OMAR nach! Da man ihn fragte, was die Prädestination sei, antwortete er: Ein sehr tiefes Meer. Da man die Frage wiederholte, sagte er: Ein sehr dunkler Weg. Als man ihn aber noch einmal fragte, rief er aus: Es ist ein Geheimnis, welches, da Gott es verdeckt hat, ich nicht enthüllen will. Wer die Geheimnisse der Könige erforschen will, weicht nicht von ihren Pfordten und übt eifrig ihre Gebote. So tue auch du, willst du die Geheimnisse Gottes kennen lernen."
    2) Verwandt ist der Ausspruch des Arabers ABUL HUSSEIN NURI in  Dschamis Frühlingsgarten,  Buch 1: "Wenn Gott selbst sich jemandem verbirgt, kann kein Wegweiser und keine Nachricht zu ihm führen. Wenn unser Geliebter nicht selbst unter dem Schleier sein Antlitz hervorstreckt, vermag niemand den Schleier ihm abzuziehen und wiederum, wenn die ganz Welt zum Schleier wird, ist nichts zu fürchten, wo er seine Schönheit zeigt." - Dem liegt die Wahrheit zu Grunde, daß durch willkürliches Laufen Gott nicht, gefunden wird, sondern durch Gottes Erbarmung.