ra-2tb-1Einfühlung und AssoziationFr. Th. VischerEdmund Burke    
 
JONAS COHN
Psychologische oder
kritische Begründung der Ästhetik


"Wenn der Gegenstand wirklich eine Wissenschaft bestimmt, nicht nur ein aus praktischen Gründen zusammengehaltenes Konglomerat von Kenntnissen, dann muß in der Eigenart des Gegenstandes der Grund liegen, warum er Ziel eigenartiger Bemühungen ist."

"Ich bin weit davon entfernt, zu behaupten, daß die Psychologie dem Wertproblem in jeder Hinsicht gerecht werden könne; das scheint mir vielmehr ohne metaphysische Bestimmungen überhaupt nicht möglich zu sein."

"Wie sich in der historischen Wissenschaft und im Urteil der Urteilsfähigen gleichsam ein Kanon des künstlerisch Wervollsten herausgestaltet, das zu verfolgen ist eine reizvolle Aufgabe. Wenn man sich aber auf die Masse oder den Durchschnitt beruft, so sollte doch bedacht werden, daß es sich hier erstens nur um den Durchschnitt relativ enger Volkskreis, der sogenannten Gebildeten nämlich handelt und daß zweitens auch von diesen die ungeheure Mehrheit einfach überkommene Urteile nachspricht."

"Wir sind nicht Griechen, Inder, Japaner, mittelalterliche Ritter und doch werten wir den Parthenon-Fries, die Sakantola, japanische Farbenholzschnitte und mittelalterliche Burgen ästhetisch. Daß wir das können, ist nun wiederum nichts Selbstverständliches, sondern Resultat eines großen Arbeitsprozesses, der der Gewinnung dieser überindividuellen Werte gewidment worden ist."


1. Was ist kritische Begründung der Ästhetik?

Warum bemüht man sich eigentlich, die Wissenschaften gegen einander abzugrenzen und ihre Aufgaben zu bestimmen? In der wissenschaftlichen Praxis haben sich doch die für die zweckmäßige Arbeitsteilung erforderlichen Grenzen im Laufe der Entwicklung herausgebildet - jeder wächst durch seine Ausbildung in eines dieser Arbeitsgebiete hinein. Für den Geist von mittlerem Umfang und tüchtiger Durchschnittsfähigkeit wird es am zweckmäßigsten sein, sich innerhalb dieser Schranken zu halten und ein Feld gründlich zu bearbeiten, dessen Ausdehnung auf seine Kräfte berechnet ist. Der kühne Geist des großen Forschers wird sich um solche für den durchschnittlichen Wissenschaftsbetrieb geschaffene Grenzen nicht kümmern. Er faßt zusammen, was in vielen anderen Köpfen ewig getrennt bleibt - und wie in der Welt der Stoffe erst die räumliche Vermengung der nach Verbindung strebenden Elemente eine Reaktion ermöglich, so müssen getrennte Gedanken sich in  einem  Geist zusammenfinden, damit ihre Verbindung Licht und Wärme erzeuge.

In der Tat, wollte man durch begriffliche Scheidungen das lebendige Ineinanderwirken der Wissenschaften hemmen, so gäbe es kaum ein sterileres, nutzloseres, ja schädlicheres Tun im Bereich der Wissenschaft, als dieses Streben, die Wissenschaften zu sondern. Das war aber ganz sicher nicht die Absicht aller jener vielumfassenden Denker, die seit BACO von VERULAM immer wieder den "globus intellectualis" durchforschten und seine Kontinente und Ozeane aufzeichneten. Vielmehr bestnd hier zunächst die Absicht, durch Einteilungen das Ganze übersehbar zu machen. Es ist sehr natürlich, daß enzyklopädisch gerichtete Geister solcher Hilfsmittel bedürfen. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist die Wahl der systembildenden Unterschiede lediglich eine Frage äußerer Zweckmäßigkeit. Vertreter der Einzelwissenschaften pflegen alle Gebietsumgrenzungen unter diesen Gesichtspunkt zu stellen. Aber selbst in ihren Äußerungen ebenso wie in den Darlegungen BACOs und seiner Nachfolger tritt, dem Kundigen merkbar, obwohl oft den Urhebern selbst verborgen, ein anderer Gesichtspunkt hervor. Die Wissenschaften sind Erzeugnisse zielstrebigen menschlichen Handelns und da vollendete Wissenschaftlichkeit das ausdrückliche Bewußtsein von der Rechtmäßigkeit jedes Schrittes im Gedankenverlauf fordert, so verlangt die Wissenschaft auch vollstes Bewußtsein ihrer Ziele. Dieser teleologische Gesichtspunkt erst gibt den Fragen nach dem Unterschied und dem Verhältnis der Wissenschaften philosophischen Gehalt. Soll der wissenschaftliche Mensch klar bewußt in seiner Arbeit vorschreiten, so muß er vor allem wissen, was er will. Daß dieses Wissen weder selbstverständlich ist, noch durch den dunklen Drang der Forscher ersetzt werden kann, beweisen viele Erscheinungen in den methodologischen Streitfragen innerhalb der Einzelwissenschaften. Methode ist Weg - und die Wahl des Weges ist abhängig vom Ziel. Es ist vielleicht ein Symptom der technischen Interessenrichtung der Gegenwart, daß "methodologische Untersuchungen" vielen sympathischer ins Ohr kling, als "Fragen nach dem Ziel der Wissenschaften." Aber mit Sympathien und Zeitströmungen hat die Philosophie nicht als Faktoren, sondern nur als Fehlerquellen zu rechnen. Jedes Bemühen um die Begründung einer Wissenschaft bedeutet also im Grunde einen Lösungsversuch der Frage: welches ist ihr Ziel? Auch die Frage, wie sich zwei Wissenschaften zueinander verhalten, fragt prinzipiell nach dem Verhältnis ihrer Ziele. So ist der Streit um die Berechtigung naturwissenschaftlicher Methoden in der Geschichte erst auf seinen wahren Kampfplatz hinübergeführt worden, seit RICKERT grundlegende Untersuchungen über die Ziele beider Wissenschaften angestellt hat. Die Frage "psychologische oder kritische Begründung der Ästhetik" bedeutet demnach:  gehört das Ziel der Ästhetik mit dem Ziel der Psychologie zusammen oder bildet es mit dem der kritisch erfaßten Logik und Ethik eine prinzipiell davon gesonderte Aufgabengruppe? 

Es liegt vielleicht eine gewisse Paradoxie in der Zusammenfügung von "Begründung" und "Ziel". Aber unter Begründung einer Wissenschaft kann man nichts anderes verstehen, als den Nachweis derjenigen Begriffe, Sätze und Methoden, die notwendig als ihre Voraussetzungen angesehen werden müssen. Diese Begriffe, Sätze und Methoden lassen sich nur von der Aufgabe der Wissenschaft her gewinnen. Bei den empirischen Wissenschaften, die durch die Einheit des Gegenstandes zusammengehalten werden, scheint das vielleicht nicht so zu sein. Wenn aber der Gegenstand wirklich eine Wissenschaft bestimmt, nicht nur ein aus praktischen Gründen zusammengehaltenes Konglomerat von Kenntnissen, dann muß in der Eigenart des Gegenstandes der Grund liegen, warum er Ziel eigenartiger Bemühungen ist. Das führt zu Schwierigkeiten, mit denen die biologischen Wissenschaften tatsächlich kämpfen. Vielleicht ließe sich in die Streitigkeiten über den sogenannten Neovitalismus Klarheit bringen, wenn man den Begriff des Organischen unter diesen Gesichtspunkt stellte. Man würde auf diese Weise die Gedanken, die KANT in seiner Kritik der teleologischen Urteilskraft niedergelegt hat, weiterführen und der veränderten Lage der Wissenschaft anpassen. Mach man von diesen allgemeinen Betrachtungen Anwendung auf die Ästhetik, so ergibt sich, auch wenn man diese Wissenschaft zunächst durch eine empirische Angabe ihres Gegenstandes (z. B. "das Schöne und die Kunst") bestimmen will, die Notwendigkeit, nachzuweisen, welche Eigentümlichkeit diesen Gegenstand zum Objekt einer besonderen Wissenschaft macht und was daraus weiter für die Begründung dieser Wissenschaft folgt.

Zur erneuten Aufnahme dieses Problems veranlassen mich eine Reihe von Arbeiten, die seit dem Erschein meiner allgemeinen  Ästhetik  (1) explizit oder implizit zu unserer Frage Stellung genommen haben und von denen sich einige polemisch mit der von mir verteidigten Ansicht auseinander setzen. Es erscheint umso notwendiger, den antipsychologistischen Standpunkt kräftig zu behaupten, als sonst die weitverbreitete Ansicht unterstützt wird, daß überhaupt keine bemerkenswerten Gegner des Psychologismus existieren. So schreibt E. MEUMANN: "In der Ästhetik hat die psycholoische Analyse des ästhetischen Verhaltens vorläufig nahezu alle anderen Methoden verdrängt." (2) Dieser Ausspruch ist dann ganz besonders charakteristisch, wenn man annimmt, daß MEUMANN durch sein "vorläufig" sein Urteil über die Rechtmäßigkeit dieser Vorherrschaft der Psychologie zurückhalten will.

Die Diskussion aller wissenschaftstheoretischen Fragen leidet sehr oft an einer nicht genügend klaren Bezeichnung des Standpunktes, auf dem der einzelne Schriftsteller steht. Man hat dann das unerfreuliche Gefühl eines Kampfes, der mehr um Schlagworte, als um wirkliche Gegensätze geführt wird. Um das zu vermeiden, will ich, ehe ich zur Auseinandersetzung mit den gegnerischen gegnerischen Meinungen übergehe, zunächst nochmals kurz sagen, was ich unter kritischer Begründung der Ästhetik verstehe.

Man kann dabei von einem allgemein zugestandenen Satz ausgehen: Die Ästhetik ist eine Wissenschaft, die nach allgemeinen Begriffen strebt. Die ganze Frage der Existenz von anderen Wissenschaften, deren Ziel das Individuelle ist, kann daher hier beiseite gelassen werden. Das Entscheidende bei generalisierenden Wissenschaften ist nun der  Gesichtspunkt der Zusammengehörigkeit oder des Wesentlichen,  unter dem ihre Begriffe gebildet werden.

Diese leitenden Gesichtspunkte und damit die generalisierenden Wissenschaften selbst kann man nach der Beziehung einteilen, in der sie zu unserem Handeln und der diesem zugrunde liegenden Schätzung oder Beurteilung stehen. Als  erste Gruppe  ergeben sich dabei diejenigen Wissenschaften, die ihre Objekte ohne Rücksicht auf unsere Absichten und Wertungen betrachten. Natürlich heißt das nicht: deren Objekte mit unseren Absichten und Wertungen nichts zu tun haben. Vielmehr können sogar diese Absichten und Wertungen selbst zu Objekten so einer rein sachlichen Wissenschaft werden. Das geschieht in der Psychologie. Die  zweite Gruppe  setzt eine Absicht als gegeben voraus und betrachtet ihre Objekte nach den Beziehungen, din denen sie zur Erreichung dieser Absicht stehen. das sind die technischen Wissenschaften. Sie untersuchen  nicht den Zweck,  sondern  nur die Mittel.  Nicht ob es recht ist, nach Erhaltung und Gesundheit jedes Menschenlebens zu streben, fragt der Mediziner, sondern wie - unter Voraussetzung dieser Absicht - gehandelt werden muß. Nun kann aber  endlich drittens das Ziel des Handelns selbst Gegenstand der Untersuchung  sein. Und zwar nicht, sofern es selbst objektiv betrachtet wird, sondern sofern es Ziel ist - d. h. es kann gefragt werden,  ob es ein Recht hat, Ziel zu sein,  worin dieses Recht besteht, welche Elemente der für das Handeln und Werten in Betracht kommenden Komplexe das Maßgebende sind etc. Hier ist also das Ziel oder der Wert nicht vorausgesetzt, sondern gesucht. Ich habe bis hierher unterschiedslos von Ziel und Wert gesprochen. Das Verhältnis dieser beiden Begriffe ist leicht festzustellen. Was von uns geschätzt wird, bezeichnen wir als Wert. Sofern die Erlangung dieses Wertes Gegenstand von Handlungen wird, ist der Wert Ziel oder Zweck dieser Handlungen. Werte stehen aber nicht nur zu Mitteln in der Beziehung des Zieles - sie stehen auch untereinander in Beziehungen der Über- und Unterordnung, der gegenseitigen Ergänzung etc. Daher ist es nicht gut, das allgemeine Wort "Wertwissenschaften" durch das andere, speziellere "Zweckwissenschaften" zu ersetzen. Auch die Bezeichnung "teleologische Wissenschaften" in weniger klar und eindeutig - vor allem drückt sie den Unterschied von den technischen Wissenschaften, die auch teleologisch sind, aber den Wert zur Voraussetzung nicht zum Gegenstand haben, weniger gut aus.

In den Wertwissenschaften werden die Werte in bezug auf die Berechtigung ihres Anspruches untersucht. Das setzt voraus, daß Werte nicht nur tatsächlich da sind, sondern auch Geltung fordern und daß über diese Forderung Streit möglich ist. Als Tatsachen gibt das jeder zu. Aber einige meinen, dieser Streit werden nur um die Zweckmäßigkeit der Mittel geführt, als Wert ansich sei jedes Wertgeschätzte gleichwertig. Diese Ansicht hüllt sich oft in ein psychologisches Gewand und schmuggelt ihre vielsagende Behauptung unter dem harmlosen Satz ein: Alles Erstrebte ist Lust. Wenn sie sich selbst richtig versteht, so muß sie die entgegenstehende Behauptung vom Anspruch gewisser Werte widerlegen, sich kritisch dagegen verhalten. Von einem kritischen Verhalten gegenüber den tatsächlichen Wertforderungen hat nun jede Wertwissenschaft auszugehen, denn die Wissenschaft erzeugt die Werte nicht - sie treten ihr entgegen und sollen von ihr geprüft werden. Hieraus ist wohl klar geworden, was kritische Begründung der Ästhetik bedeutet.

Aber gegen diese Ausführungen erhebt sich ein Widerspruch. Ich habe das Ästhetische als Wert bezeichnet. Diese Bezeichnung bekämpft WITASEK. (3) Das Schöne errege unmittelbares Gefallen, so führt er aus, ein Lustgefühl, das sich an die Vorstellung als solche knüpft, ohne daß ein Urteil über die Existenz des Vorgestellten hinzutrete. Erst wo das Gefühl ein solches Urteil zu seiner Voraussetzung hat, dürfe man von Werthaltung reden. Nun existiere ja eine solche Werthaltung für schöne Gegenstände, aber nicht diese sei für das Gebiet des Schönen charakteristisch, sondern jenes unmittelbare Gefallen. An diesem Einwurf ist das unbedingt richtig, daß in den Prozeß des ästhetischen Fühlens Urteile nicht einzugehen brauchen. Gerade im Zustand innigster ästhetischer Versenkung lebt man ohne Reflexion und urteilt nicht. Der ästhetische Eindruck ist als solcher mit dem Genießenden gleichsam eines geworden. Jene kritische, sondernde, bewußte Tätigkeit, die wir Urteil nennen, fehlt. Sie fehlt aber auch in Beispielen, in denen sie nach WITASEK vorhanden ist. (4) Wenn ich mich über gutes Wetter freue, muß freilich gutes Wetter da sein, aber ich brauche nicht das Urteil zu fällen: es ist gutes Wetter - oder: gutes Wetter ist wertvoll. Das gibt WITASEK nachträglich zu - wird darum das Genießen des schönen Wetters ästhetisch? Er behauptet dann, daß Vorstellungsgefühl und Urteilsgefühl gelegentlich sogar entgegengesetztes Vorzeichen haben können. "Der Landmann, dem das anhaltend schöne Wetter vielleicht schon böse Sorge macht, kann dabei doch die Schönheit des blauen Himmels und des Sonnenglanzes sehen; das heißt die bloße Wahrnehmungsvorstellung vom schönen Wetter erweckt Lust (das Gefallen); der Gedanke, das Urteil, daß schön Wetter ist, erweckt Unlust, das negative Wertgefühl". In diesem Beispiel scheint mir WITASEKs Interpretation nicht zuzutreffen. Die Unlust entsteht nicht durch das Urteil: es ist schön Wetter - sondern durch Bedenken der Folgen des anhaltend "schönen" d. h. trockenen Wetters für das Gedeihen der Feldfrüchte. Nicht das Existenzialurteil unterscheidet die beiden Gefühle, sondern das eine Gefühl ist durch den unmittelbaren Anblick, das andere durch Vorstellungen der Folgen dieses Anblickes erzeugt. Ich glaube, daß die unbefangene psychologische Analyse dem Existenzialurteil keineswegs die Stellung einräumen wird, die ihm die Tradition der BRENTANOschen Schule gibt. (5) Aber alle diese Fragen sind hier nebensächlich. Wenn man von der Ästhetik als von einer Wertwissenschaft spricht oder wenn man bei ästhetischen Betrachtungen von Werturteilen ausgeht, so will man damit nicht sagen, daß Werturteile dem ästhetischen Genuß zugrunde liegen, sondern daß eine Klasse von Werturteilen die Objekte des ästhetischen Gebietes auszeichnet. Der Begriff "Werturteil" oder, wie WINDELBAND sagt, "Beurteilung" steht aber nicht im Gegensatz zum Gefühl, sondern zum Tatsachenurteil. Nun gibt WITASEK zu, daß das Ästhetische zwar nicht Wert ist, aber Wert hat. (6) Er gibt auch die Möglichkeit zu, durch die Art dieses Wertes das ästhetische Gebiet abzugrenzen - aber er leugnet dann, daß dieser Möglichkeit eine Wirklichkeit entspricht. Er kritisiert dabei den von mir gemachten Versuch einer Abgrenzung. Auf diese Kritik werde ich nachher zurückkommen; sie richtet sich besonders gegen den Begriff des geforderten Wertes, dessen Feststellung sich überhaupt als der Kernpunkt aller hier erörterten Streitfragen herausstellt. Ihm soll daher der letzte Abschnitt dieser Arbeit gewidmet sein, nachdem vorher eine Auseinandersetzung mit dem Psychologismus erfolgt ist. Daß diese vor allem notwendig ist, geht vielleicht am klarsten aus der Vergleichung von WITASEKs und meinen Ausführungen hervor. Ich fürchte, der unbefangene Leser wird vielfach das Gefühl haben, daß wir gegenseitig aneinander vorbeireden. Und das ist auch wirklich der Fall, da wir in unseren Begriffsbildungen von ganz verschiedenen Gesichtspunkten ausgehen. Mein Wertbegriff entstammt den Bedürfnissen der kritischen Wertwissenschaften, WITASEKs Wertbegriff ist der psychologischen Analyse angenähert. Angenähert, sage ich, nicht entnommen, denn ich halte diese Psychologie selbst nicht für reine, sondern für von außerpsychologischen Gesichtspunkten unvermerkt bestimmte Psychologie. Über die Einzelheiten hinweg erhebt sich zwischen uns die Streitfrage: Psychologische oder kritische Begründung der Ästhetik?


2. Die Hauptrichtungen des Psychologismus
und ihre Widerlegung.

Nicht alle Anhänger einer psychologischen Begründung der Ästhetik stehen zu den in Betracht kommenden Fragen gleich. Man kann sie vielmehr in drei Gruppen teilen. Die erste Gruppe gibt die Notwendigkeit einer Ergänzung der Psychologie zu, hält aber das Ergänzende teils für metaphysisch, teils für außerwissenschaftlich; Vertreter dieser Ansicht ist KARL GROOS. Die zweite Gruppe zieht Wertmomente in ihre psychologischen Begriffe selbst hinein. Hierher gehören vor allem THEODOR LIPPS und OSWALD KÜLPE, daneben auch - allerdings mit ganz anderer Begründung - KONRAD LANGE. Eine dritte Gruppe endlich geht von wirklich wertfreien, psychologischen Begriffen aus, ist also konsequent und kommt dann auch schließlich zu einer Zerstörung aller ästhetischen Begriffe überhaupt. Diese Stellungnahme ist beim Dänen CARL LANGE deutlich vorhanden, am klarsten aber und konsequentesten von ROBERT EISLER ausgesprochen worden. Es macht dabei für die hier in Betracht kommenden prinzipiellen Fragen wenig aus, daß EISLER eine objektiv-biologische Ausdrucksweise der subjektiv-psychologischen vorzieht. WITASEK hat sich über die methodologische Grundfrage nicht geäußert auch indirekt ist sein Standpunkt nicht deutlich erkennbar, er kommt also für diese Diskussion nicht in Betracht. Es wird nun notwendig sein, die Auseinandersetzung mit jeder Gruppe gesondert durchzuführen.

KARL GROOS sagt, (7) nachdem er die antisychologistische Tendenz meines Buches erwähnt hat: "Ich bin nun weit davon entfernt, zu behaupten, daß die Psychologie dem Wertproblem in jeder Hinsicht gerecht werden könne; das scheint mir vielmehr ohne metaphysische Bestimmungen überhaupt nicht möglich zu sein." Dann meint er, der Satz, daß die Psychologie Wertunterschiede so wenig kenne wie die Körperwissenschaften, sei buchstäblich genommen zweifellos falsch. Es ist aber aus dem Zusammenhang, in dem ich diesen Satz ausspreche, klar, wie er genommen werden soll: Die Psychologie kennt keine Wertunterschiede  zwischen ihren Objekten  - während sie allerdings unter anderem Wertunterschiede zu  Objekten hat.  Alsdann sucht GROOS der Psychologie das Recht, normative Bestimmungen aufzustellen, zu sichern. Er sagt dabei zunächst, sie könne doch unbedingt hypothetische Normen aufstellen, also Normen von der Form: Wenn dieses Ziel erreicht werden soll, so müssen die und die Mittel angewendet werden. Über die Ableitbarkeit solcher technischer Normation aus der Psychologie besteht, so weit ich sehe, nirgends Streit. Eine kategorische Normation dagegen bezeichnet GROOS selbst als eine Überschreitung des rein theoretischen Gebietes und fährt dann fort:
    "Damit ist aber noch lange nicht gesagt, daß eine solche Gebietsüberschreitung  unberechtigt  sei. Es handelt sich in der Psycholoie wie in der Ästhetik um den menschlichen Geist. Dem menschlichen Geist gegenüber kann man sich theoretisch oder praktisch verhalten" ... "Praktisch beschäftigt man sich mit dem menschlichen Geist, wenn man ihn irgendwie beeinflussen will. Das geschieht zum Teil dadurch, daß man  Forderungen  an ihn stellt. Ein solches Aufstellen von Forderungen ist ansich niemals Wissenschaft; es kann aber durch wissenschaftlich festgestellte Überzeugungen begründet sein. Wissenschaftlich begründete Forderungen finden sich z. B. in der , in der Pädagogik und in der Ästhetik. Die wissenschaftliche Begründung kann dabei empirisch-psychologisch, sie kann aber auch metaphysisch oder erkenntnistheoretisch sein. Soweit sie metaphysisch oder erkenntnistheoretisch ist, hat die Psychologie direkt nichts mit ihr zu tun; soweit sie aber auf empirischer Psychologie beruth, möchte ich wissen, wer mehr zu seiner solchen kategorischen Normation berechtigt ist, als eben der Psychologe." (8)
GROOS erklärt also, das "Aufstellen" von Forderungen sei nicht Wissenschaft, wohl aber unter Umständen das "Begründen" von Forderungen. Damit kann verschiedenes gemeint sein: entweder, daß die Forderungen selbst zunächst außerwissenschaftlich da sind, in der Wissenschaft dann nur "begründet" werden, oder, daß die Forderungen der Wissenschaft entstammen, daß aber nicht mehr sie selbst, sondern nur noch ihre Begründung Wissenschaft ist. Das erste würde ich zwar anders aussprechen, aber in gewissem Sinne für richtig halten. GROOS jedoch meint das zweite, wie das Beispiel ergibt, welches er folgen läßt: "Wenn KRAEPELIN durch psychologische Untersuchungen die Bedingungen der Überbürdung ermittelt zu haben glaubt, - warum soll er dann darauf verzichten, selbst die praktischen Forderungen in kategorischer Form zu erheben, die sich aus seinem Resultat ergeben?" Ja, warum ergeben sich aus rein auf Tatsachen gerichteten Untersuchungen über Arbeitsverschlechterung, Ermüdung etc. solche Forderungen? Weil die Grundforderung als selbstverständlich hingenommen wird, daß wir ein gesundes Geschlecht erziehen wollen. Nun zeigt sich schon bei der Diskussion dieser pädagogischen Fragen, daß die Selbstverständlichkeit des Zieles nur sehr im Groben besteht. Sieht man selbst ab von gelegentlich auftretenden Behauptungen, daß nervöse Überreizung nicht nur Folge, sondern auch notwendige Vorbedingung höherer Kultur sei, so wird doch schon die Frage, obe es auf die Förderung der Bestbegabten, der Mittelsorte oder auf die geringste Schädigung aller am meisten ankomme, je nach der Stellung zu gewissen sozial-ethischen Prinzipien verschieden beantwortet werden. In Forderungen von der Art der hier erwähnten geht irgendeine solche Stellungnahme stets unklar ein - sie erst macht aus der hypothetischen Forderung eine kategorische. Die Psychologie "begründet" stets nur den hypothetischen Teil der Forderung. Die Begründung des kategorischen würde dann also anderen Wissenschaften, der Metaphysik, Erkenntnistheorie etc. zufallen. Zur Untersuchung des Anteils dieser Wissenschaften gibt GROOS keinen Anlaß, da er nicht näher sagt, was er unter dem vieldeutigen Wort "Metaphysik" versteht und wie er sich deren Anteil vorstellt. Aber GROOS verschiebt in diese ganzen Diskussion die Streitfrage. Es handelt sich hier nicht in erster Linie um die praktische Beeinflußung des Geistes. Die Behauptung der kritischen Begründung der Ästhetik geht vielmehr dahin, daß die Grundbegriffe dieser Wissenschaft selbst Wertforderungen, Ziele darstellen. Diese gilt es zu erforschen, sich auf sie zu "besinnen", um WINDELBANDs Ausdruck zu gebrauchen oder wie man sonst sagen will. Diese Grundbegriffe, so behaupten die Anhänger dieser Ansicht, sind gar nicht aus psychologischen Interessen heraus gebildet. Es handelt sich also um die Abhebung eines besonderen theoretischen Gebietes, um Klarheit über das, was man bei bestimmten Begriffsbildungen tut. STEFAN WITASEK wirft mir vor, ich sei "überhaupt kein Freund der Psychologie, zumindest nicht ihres Einflusses auf die Ästhetik." (9) Das ist zutreffend, ich weiß wohl, was die Psychologie sowohl für die Analyse der komplexen ästhetischen Zustände, als auch für die Auffindung von elementaren Gesetzmäßigkeiten, die für die Ästhetik wertvoll sind, geleistet hat und hoffe, daß sie noch viel mehr leisten wird. Aber die grundlegenden Begriffe, die entscheidenden Probleme der Ästhetik, gehören dem psychologischen Gebiet nicht an. Es geht nicht an, die Gegner des Psychologismus als Feinde der aufblühenden psychologischen Wissenschaft hinzustellen, der mit bescheidenen Kräften zu dienen auch ich mir in einer Reihe von Arbeiten vorgesetzt habe. Da man durch Anrufen des Gefühls zu wirken sucht, so wird es auch erlaubt sein, Eideshelfer heranzuholen. Die Zahl der Psychologen, die sich gegen den Psychologismus wenden, mehrt sich. WILHELM WUNDT darf man ihnen wohl beizählen, HUGO MÜNSTERBERG, EDMUND HUSSERL, KARL MARBE und WILLIAM STERN haben den Psychologismus bekämpft. Sind sie alle keine Freunde der Psychologie?

Während GROOS der Psychologie nur einen Anteil an der Begründung kategorischer Normationen zuschreibt, zieht LIPPS mit vollem Bewußtsein alle Normation in die Psychologie hinein. Psychologie ist ihm die eine umfassende Wissenschaft vom menschlichen Geist. Er spricht sich neuerdings darüber mit Rücksicht auf HUSSERLs logische Untersuchungen folgendermaßen aus:
    "Ich bin Psychologist - nicht sowohl gegenüber den Logikern als gegenüber den Psychologen, nämlich gegenüber denjenigen, die meinen, man könne Psychologie treiben, ohne überall auch die logischen und ebenso die ästhetischen und ethischen Tatsachen - da sie doch nun einmal psychische Tatsachen sind - im Auge zu haben. Ich bin es niccht in dem Sinne, daß ich die Selbständigkeit dieser Tatsachen leugne. Ich sehe vielmehr in der strengsten Scheidung insbesondere des Logischen vom außerlogisch Psychologischen eine der wichtigsten Aufgaben der Psychologie. Die Psychologie ist das Allumfassende. Auch die Logik -  beruth  nicht auf Psychologie, sondern sie  gehört  dazu." (10)
Die dieser Stelle voraufgehenden Auseinandersetzungen mit MEINONG beweisen, daß LIPPS auch das Ästhetische ganz entsprechend vom außerästhetisch Psychologischen geschieden wissen will. Gemäß diesem Programm geht er ebenso wie in früheren Arbeiten auch in dem eben erschienen ersten Band seiner Ästhetik vor. Stets werden die psychologischen Prinzipien, die etwa im Zusammenhang mit dem Kunstgenuß auftretenden Erscheinungen, daraufhin geprüft, ob sie das spezifisch Ästhetische treffen oder nicht. So steht LIPPS nach seiner ganzen Behandlungsart der Mehrzahl der Psychologisten fern und dem, was auch ich für das Richtige halte, sehr nahe. Die Differenz, die trotzdem besteht, zeigt sich vielleicht am deutlichsten in dem Wort "Tatsache". LIPPS grenzt das ästhetische Gebiet als ein besonderes Tatsachengebiet innerhalb des psychologischen ab. Er leugnet dabei nicht etwa, daß die Ästhetik normgebend sei, aber er sagt, daß alle Technik auf tatsächlichen Einsichten beruhe. (11) Als selbstverständlich setzt LIPPS dabei voraus, daß alle Normation technische Normation sei. Nun ist aber technische Normation stets nur hypothetisch gültig, nämlich unter der Voraussetzung, daß die Erreichung eines Zweckes erstrebt werde. Keineswegs begründet eine Technik je ihre Zwecke, oder wie wir ohne Beziehung auf Mittel, daher allgemeiner und besser sagen, ihre leitenden Werte.

Diese leitenden Werte sind nun eben die Motive der Abgrenzung eines besonderen ästhetischen "Tatsachengebietes". Es ist sehr fraglich, ob aus der bloßen Ähnlichkeit der erzeugten psychischen Inhalte eine solche Abgrenzung irgenwie möglich wäre - und keineswegs wäre von hier aus die besondere Bedeutung des Gebietes zu verstehen. Das Wort "Tatsache" ist mehrdeutig. Entweder meint es das, was unabhängig von unserer Wertschätzung besteht (auch die Tatsache der Wertung ist vom Anerkennen des Wertes als solchen unabhängig) - oder es meint alles, was das Denken anerkennt. Im zweiten umfassenden Sinn ist alles Wahre tatsächlich, z. B. auch der Satz der Identität - aber damit ist dann keine Einsicht gewonnen, sondern lediglich der sonst sehr brauchbare Terminus "Tatsache" durch Bedeutungserweiterung verarmt und entwertet. Diese Mehrdeutigkeit scheint LIPPS irre zu führen. Er erfüllt überall die Aufgabe, die der Ästhetik zukommt, aber er scheidet diese Aufgabe nicht von der der psychologischen, um Wertunterschiede unbekümmerten Analyse. Diese Trennung im Prinzip anzuerkennen ist aber sowohl im Interesse der Unbefangenheit der psychologischen Analyse als auch im Interesse der prinzipiellen philosophischen Fragen erforderlich.(12)

Wesentlich auf demselben Standpunkt wie LIPPS steht KÜLPE. Auch ihm ist die Ästhetik ein besonderes Teilgebiet der Psychologie, das als solches auch seine besonderen Gesichtspunkte hat. Die Auseinandersetzung mit ihm würde daher nichts Neues ergeben. Auch insofern steht KÜLPE LIPPS nahe, als er überall ästhetische Fragen von einem wirklich ästhetischen Gesichtspunkt aus behandelt. (13)

KONRAD LANGEs Psychologismus (14) erkennt ebenfalls die Notwendigkeit an, einen Maßstab zu gewinnen, Wertunterschiede festzustellen. Er kennt auch die Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn festgestellt werden soll, welche von den beim ästhetischen Genuß auftretenden Gefühle wesentlich sind. (15) Er will sich durch kunsthistorische Beweise über diese Schwierigkeiten hinweghelfen. Er geht dabei von den "Blütezeiten" und ihren "Hauptmeistern" aus, indem er das durchschnittliche Urteil der jetzt lebenden Kunstgelehrten zum Maßstab nimmt. "Die großen Hauptmeister der Blütezeiten sind nun deshalb für die ästhetische Beweisführung so wichtig, weil sich in ihrer Kunst der ästhetische Gattungstrieb besonders stark und rein ausspricht. Das kann man schon empirisch aus ihrer ausgedehnten Wirkung erschließen." (16) Dieser Gattungsinstinkt ist wertvoll - denn fast alle körperlichen und geistigen Eigentümlichkeiten sind im Kampf ums Dasein zum Wohle der Gattung ausgebildet. "Das oberste Gesetz alles menschlichen Tuns, Denkens, Fühlens und Wollens ist das Wohl der Gattung, d. h. die Erhaltung und wenn möglich körperliche und geistige Steigerung des Menschengeschlechts." "Auch die Kunst dient dem Wohl der Gattung, ist gerade so und nicht anders geworden, weil sie gerade so und nicht anders der Gattung nützlich gewesen ist." (17)

Es ist ja sehr beliebt, durch darwinistische Reflexionen den nur Tatsachen bearbeitenden Wissenschaften gleichzeitig die Funktion der Wertbegründung zuzuschieben. Oft genug ist auch ausgeführt worden, welche Lücken eine solche Argumentation enthält. Zunächst ist gar nicht einzusehen, warum dem Einzelnen an der Erhaltung der naturwissenschaftlichen Spezies "homo sapiens" besonders viel liegen sollte. Ein natürlicher Instinkt verbindet Mutter und Kind, aber weder ein Instinkt noch eine Pflicht verbindet mich mit der Gattung. Das wird nur dadurch verhüllt, daß man anstelle der Gattung die Kulturkreise der Familie, des Volkes etc. einschiebt und die Gefühle, die sie erwecken auf gleichgültige Artbegriffe überträgt. Schließlich identifiziert man dann noch die Gattung mit jenem Ideal der Humanität, in welches die großen Denker seit den Zeiten der Stoa bis zu denen GOETHEs durchaus nicht den Inbegriff aller Menschen und noch weniger das allen Menschen gemeinsame und Artbestimmende, sondern die Summe dessen, was dem Menschen als erstrebenswert erscheint und Wert verleiht, zusammen gedacht haben. Das Wort "Menschheit" kann drei Bedeutungen haben: es ist Gattungsbegriff, der das allen Menschen gemeinsame zum Inhalt hat, der Inbegriff alles dessen, was unter diesen Gattungsbegriff fällt oder endlich Idealbegriff dessen, was der Mensch sein sollte und wovon man voraussetzt, daß er es werden könnte. Wenn vom Darwinismus ausgehende Denker, diese Mehrdeutigkeit nicht bemerken, so werden sie meist durch Worte wie "Steigerung" oder "Fortschritt" verführt. Im Kampf ums Dasein wird das Lebensfähige erhalten und ceteris paribus [unter sonst gleichen Bedingungen, wp] überlebt ein Wesen, das irgendeiner Schädlichkeit besseren Widerstand leistet oder geeigneter ist, die lebensnotwendige Nahrung zu erlangen, eher als ein anderes. Das besagt aber keineswegs, daß das überlebende Wesen nun auch das wertvollere sei. Ja, zunächst sieht man gar nicht, mit welchem Recht hier überhaupt ein Wertbegriff eingeführt wird. Gewöhnlich denkt man dabei an die größere Differenzierung der Teile des Organismus, an die intensivere Beweglichkeit und Lebendigkeit, an die zunehmende Vielseitigkeit der Betätigungen; aber es ist einfach empirisch falsch, daß die natürliche Auslese die differenzierten Organismen immer begünstigt. Vielmehr kennen wir eine ganze Reihe von Entwicklungen zur größerer Einförmigkeit und Unbeweglichkeit. Hier sei nur flüchtig an schmarotzende Krebse und Würmer erinnert. Möglich, daß diese darwinistisch klingende Begründung auf das naive Gemüt des unverbildeten Laien, für den allein KONRAD LANGE schreiben möchte (18) Eindruck macht. "Entwicklungsgeschichte", "natürliche Auslese" wer da widerstehen kann, gehört ganz sicher in die Kategorie rückständiger Geister, die LANGE mit Ausdrücken charakterisiert - daß einem echten und gerechten Zeitungsleser das Gruseln kommen kann. (19) Dabei wird nicht etwa gegen einzelne Gelehrte angekämpft - das würde den Leser langweilen - und wozu sich auch mit den Nachzüglern der älteren Ästhetik abgeben - einer Ästhetik, die auf Metaphysik gestützt, der Kunst Gesetze geben wollte, die ihrem Wesen fremd sind? Wer sich mit dieser "älteren Ästhetik" beschäftigt hat, kann aus LANGEs Erzählungen viel Neues lernen. Möchte er doch die Quellen angeben, aus denen er seine Kenntnis davon geschöpft hat! (20) Indessen - es hat schon mancher solide Empiriker mit bedenklichen Mitteln gegen Ideen gekämpft, die ihm zu hoch waren - und ist doch ein tüchtiger Empiriker geblieben. Prüfen wir daher LANGEs These einfach auf ihre erfahrungsmäßige Richtigkeit. Der Satz lautet: Die Hauptmeister der Blütezeiten entsprechen dem ästhetischen Gattungsinstinkt und werden darum bewundert. Gegen diese Behauptung wird man nicht anführen dürfen, daß große Künstler sich meist schwer durchsetzen; denn sie könnten ja das der Gattung Nützliche nur früher erfassen, als die Mehrheit. Aber man müßte doch annehmen, daß sie und ihre Kunst in Geltung bleiben, wenn sie einmal anerkannt sind. Das Lebensende REMBRANDTs, RUISDAELs und manches anderen spricht nicht gerade dafür. Und wenn diese Ungerechtigkeit einer Generation später, oft viel später ausgeglichen wurde, so waren es zunächst wieder einzelne Kenner oder Künstler, die zu jenen Großen zurückführten. Wie sich in der historischen Wissenschaft und im Urteil der Urteilsfähigen gleichsam ein Kanon des künstlerisch Wervollsten herausgestaltet, das zu verfolgen ist eine reizvolle Aufgabe. Wenn man sich aber auf die Masse oder den Durchschnitt beruft, so sollte doch bedacht werden, daß es sich hier erstens nur um den Durchschnitt relativ enger Volkskreis, der sogenannten Gebildeten nämlich handelt und daß zweitens auch von diesen die ungeheure Mehrheit einfach überkommene Urteile nachspricht. Wer soziologisch argumentier, darf die Bedeutung der Nachahmung nie vergessen. Und endlich beweisen denn die Tatsachen, daß kunstsinnige Gesellschaften oder Gesellschaftsschichten besondere Vorteile im Kampf ums Dasein haben? Das Schicksal Athens im peleponnesischen Krieg, die Verknechtung Italiens nach den hohen Tagen der Renaissance, das Auftreten von VELAZQUEZ zur Zeit des Niedergangs der spanischen Weltmacht dürften nicht gerade in diesem Sinne sprechen. Ich weiß, daß es Gegenbeispiele gibt und ich will niht etwa die Behauptung plausibel machen, daß die Kunst gesellschaftszerstörend wirkt; aber die dogmatische Behauptung des Gegenteils ist mit den Tatsachen sicher unverträglich. Danach, glaube ich, kann man über LANGEs darwinistische Begründung und Ergänzung des Psychologismus zur Tagesordnung übergehen.

Die Heranziehung biologischer Begriffe teilt ROBERT EISLER (21) mit KONRAD LANGE. Aber in vollstem Gegensatz zu K. LANGE ist EISLER klar, daß aus diesen Begriffen keine Wertforderungen gewonnen werden können. EISLER zieht eine biologische Beschreibung der Werttatsachen der psychologischen deshalb vor, weil jene eine objektive Beschreibung ermöglicht und den Schwierigkeiten der psychologischen Analyse ebenso entgeht, wie den Gefahren, die die "Introjektion" im Sinne von AVENARIUS mit sich führt. EISLER steht erkenntnistheoretisch unter dem Einfluß von MACH und AVENARIUS, er erstrebt einfachste Beschreibung der reinen Erfahrung und seine Werttheorie soll das für die historischen Tatsachen leisten. Zum Ende definiert er historische Tatsachen als Betätigungen lebender Wesen oder als Tatsachen, in deren genetisch zugeordnete Vergangenheit ein  biologischer  Faktor eingeschaltet scheint." Die Tatsachen selbst (Sprachen, Kunstwerke, Staaten etc.) sind dabei objektiv gegeben und, da sie Veränderungen der vorbiologischen Wirklichkeit sind, so setzen sie ein auf sie gerichtetes Streben des biologischen Faktors voraus. Dieses Streben bezeichnet EISLER als voluntatives Verhalten, ohne mit dieser Bezeichnung irgendwelche Annahmen über die psychologische Natur des Willens zu verbinden. Er definiert dann weiter: "Nun nennen wir eine bestimmte Erscheinungskomplexion dann bewertet, wenn ihre Verwirklichung als abhängig vom "voluntativen" Verhalten eines biologischen Faktors erscheint und zwar schreiben wir derselben dann positiven Wert zu, wenn ihre Verwirklichung als durch die Tätigkeit des betreffenden Subjekts gefördert, negativen Wert dann, wenn ihre Verwirklichung voluntativ gehemmt erscheint." (22) Ist dasselbe wertende Wesen vorausgesetzt, so läßt sich, wie EISLER genauer zeigt, zu einer Wertvergleichung und damit zu einer quantitativen Wertbetrachtung kommen. Dagegen ist jede intersubjektive Vergleichung von Wertgrößen unmöglich. (23) Ganz konsequent verwirft EISLER jede "Schichtung" von Werten, d. h. jeden Versuch, eine Wertung über eine andere zu stellen, jede Scheidung z. B. von gutem und schlechtem, gebildetem und ungebildetem Geschmack, auch jede Erschleichung einer solchen Schichtung durch Einführung evolutionistischer Schlagwörter wie "Verfall, Entartung, Rückschritt etc." (24) Da jede Wertung von objektiven und subjektiven Teilbedingungen abhängt, ist nur der positive Fall des Eintretens einer Wertung für die Eignung eines Objektes als Teilbedingung einer Wertung zulässig. Der negative Fall des Ausbleibens der Wertung beweist lediglich, daß hier die subjektiven Teilbedingungen fehlten. Im Grunde ist jedes Werturteil nur in Beziehung zu einem bestimmten Subjekt gültig. Will man aber verallgemeinern, wie die historischen Wissenschaften, die alles irgendeinmal Bewertete zum Gegenstand haben, das tun müssen, so muß man den Inbegriff alles irgendeinmal Bewerteten betrachten. So versteht man, wie EISLER zu der Bestimmung kommt: "Schön ist, was irgendjemandem gefällt, bzw. zu irgendeiner Zeit gefallen hat." (25) Ausdrücklich hebt EISLER noch hervor, daß der technologische Fortschritt niemals primäre Werte schafft. (26)

Mit dem Ausschluß jeder negativen Kritik und jeder Schichtung von Werten wird nun jede objektive Werttatsache der anderen gleichberechtigt. Das könnte dem Kunsthistoriker zunächst verlockend scheinen, da es seinem Streben, allen Stilen und Individualitäten gerecht zu werden, entgegenkommt. Aber wenn er sich die ganze Konsequenz der EISLERschen Sätze klarmacht, wird er doch vielleicht stutzig werden. Da es Tatsache ist, daß gewisse Rührstücke sehr vielen gefallen und überall gespielt werden, sind diese Rührstücke ästhetische Tatsachen von allerhöchster Wichtigkeit. Nur die Verbreitung, der Preis etc. kann uns über die tatsächlichen Wertungen belehren; schon die Kritik dürfen wir nicht etwa überschätzen, da sie nur das noch dazu theoretisch gefälschte Urteil einzelner wiedergibt. Natürlich beweist auch Majorität nicht etwa Richtigkeit und die Kunstgeschichte kommt nie weiter, als zu der tatsächlichen Feststellung: Dies hat diesem gefallen, dieses jenem. Alles weitere ist höchstens subjektive Liebhaberei des einzelnen Geschichtsschreibers ohne wissenschaftliche Bedeutung.

Die Psychologisten könnten sich vielleicht darauf berufen, daß EISLER biologisch begründet und sich durch Hervorhebung dieser Differenz vor der Konsequenz der EISLERschen Folgerungen zu schützen suchen. Aber alle hier entscheidenden Schlüsse sind lediglich aus der deskriptiven Natur, nicht aus der objektiven Beschaffenheit der verwendeten Begriffe gezogen. Sie treffen also alle diejenigen Psychologisten mit, die rein deskriptive, analytische Psychologie treiben. Wer aber in die psychologischen Begriffe selbst wertgebende Momente einschließt, der vermengt, wie oben gezeigt worden ist, zwei wissenschaftliche Aufgaben, die prinzipiell getrennt werden müssen.

Das Verdienst der EISLERschen Ausführungen liegt in ihrer Konsequenz. Sie zeigen recht deutlich, daß es nur ein entweder - oder gibt. Entweder nur deskriptive Wissenschaften mit wertfreien Begriffe, dann keine Wertunterscheidung in der Wissenschaft - oder eine prinzipiell andere Art der Begründung der wissenschaftlich notwendigen Wertunterschiede. Im zweiten Fall handelt es sich wesentlich um die Begründung einer Schichtung der Werte, wie EISLER sagt oder eines Forderungswertes, wie ich mich ausdrücke. So führt dieser zweite Abschnitt auf dieselbe Frage wie der erste, auf die Frage nach dem Beweis des Forderungscharakters.


3. Der Beweis des Forderungscharakters

Es hat sich in der Diskussion mit den verschiedenen Richtungen des Psychologismus ergeben, daß sie alle nicht das Kategorische einer Normation zu begründen vermögen. Natürlich heißt das nicht, daß in den Schriften der Psychologisten im einzelnen solche Begründungen fehlen. Aber dann wird eben die Grenze des rein Psychologischen überschritten - oder, wie besonders bei LIPPS, dem Wort  Psychologie  eine Doppelbedeutung beigelegt. Für die wirkliche Begründung der Ästhetik bleibt die Hauptfrage, wie dieses Kategorische in der Normation formuliert und bewiesen werden kann. Ich komme auf diese Fragen aus einem doppelten Grund zurück. Einerseits hat WITASEK die Begriffsbestimmungen angegriffen, die ich hier versucht habe, andererseits tritt bei der Diskussion dieser Fragen in meiner Ästhetik das Positive nicht energisch genug hervor. Jene Darstellung ist zu sehr vom Streben geleitet, dem Rationalismus gegenüber nachzuweisen, daß eine rein logische Beweisführung für die Geltung des ästhetischen Wertes nicht möglich ist. Ich habe von diesen Ausführungen nichts zurückzunehmen, aber ich möchte sie durch eine Darstellung ergänzen, die die Bedeutung des wirklich erreichbaren Beweises klarer hervorhebt.

Das bloße Dasein eines Wertes in einem Subjekt oder auch in beliebig vielen Subjekten ist für diese Subjekte ein ausreichendes Motiv für den Versuch, sich das Bewertete zu verschaffen. Aber es besteht kein Grund, die Anerkennung dieses Wertes irgend einem anderen Subjekt zuzumuten. Wo eine solche Zumutung erfolgt, reden wir von einem "Sollen". Nun mutet nicht etwa nur ein Mensch dem anderen eine Anerkennung zu, sondern ganz abgesehen vom Gedanken an andere empfindet der einzelne gewisse Anerkennungen als "gesollte". Das zeigt sich vielleicht am klarsten bei der Anerkennung der Wahrheit. Daß ein Urteil wahr ist, muß ich in mir anerkennen, gleichviel ob außer mir irgendeiner lebt, der diese Wahrheit kennt. In der gewöhnlichen Sprache bezieht sich das Wort "sollen" meist auf eine Handlung, deren Ausführung aufgrund eines zugemuteten Wertes gefordert wird. Es liegt im praktischen Leben selten Veranlassung vor, über diese Handlung hinaus auf den sie motivierenden Wert zu achten. Da aber das Sollen der Handlung von der Anerkennung des Wertes abhängt, wird die Übertragung des Wortes auf diese Anerkennung wissenschaftlich gerechtfertigt sein. Von einem Wert, der in diesem Sinn "gesollt" ist, sage ich, er hat Forderungscharakter oder ist gefordert. Diese Termini haben den Zweck, undeutsche Passiva und Ableitungen von "sollen" zu ersetzen. Phänomenologisch ist der Forderungscharakter eine Auszeichnung bestimmter Werte unter anderen. Wählen wir wieder ein Beispiel aus dem Gebiet des Erkennens. Die Anerkennung bestimmter Unterschiede z. B. der Oberflächenbedeckung, Bezahnung, Blutwärme unter Tieren ist gefordert. Ob ich diese Unterschiede als Einteilungsprinzipien eines  künstlichen  Systems wählen will, steht mir frei oder ist, wie man zu sagen pflegt, Zweckmäßigkeitsfrage. Die eine Anerkennung wird damit auf ein ganz anderes Niveau gehoben als die andere, sie wird ihrerseits positiv gewertet, aber nicht im Sinne der bloßen individuellen Wertung, sondern im Sinne eines Anspruches an das Individuum, d. h. als überindividuelle Wertung.

WITASEK hat nun sowohl diese Begriffsbestimmungen selbst, als auch ihre Anwendbarkeit auf das ästhetische Gebiet angegriffen. (27) Die beiden Kennzeichen des Forderungswertes, daß die Werthaltung (28) wieder gewertet ist und daß diese Wertung der Werthaltung als überindividuell bezeichnet werden muß, stehen nicht pleonastisch nebeneinander, sondern ergänzen einander zum Begriff "sollen". Ich kann eine Werthaltung bei mir oder anderen auch deshalb werten, weil sie mir individuell nützlich ist, z. B. meine Neigung zu einer bestimmten Speise, wenn diese zugleich meine Gesundheit fördert - oder die Anerkennung einer bestimmten Autorität seitens anderer Menschen, wenn ich Träger dieser Autorität bin. Umgekehrt ist, wie WITASEK mit Recht sagt, das Auftreten des Wertgefühls als eine psychologische Tatsache im allgemeinen nicht in das Belieben meines individuellen Willens gestellt. (29) Aber diese Tatsache gehört als solche in den Kreis der Erscheinungen hinein, die mein Individuum als individuell von anderen verschieden bilden. In diesem Kreis wäre ansich jeder Wert einfach da - es wäre nichts weiter, als dieses Dasein über ihn zu sagen. Habe ich nun die Möglichkeit, meine Werthaltung wieder individuell zu werten - so heißt das hier nichts anderes, als daß der Werthaltung wieder ein Wertgefühl zukommt, das einfach da ist. Erst in der Anerkennung der Wertung einer Werthaltung als aus dem Kreis des bloß individuellen Daseins heraustretende, verlasse ich den ewigen dumpfen Zirkel. Hier ist der Punkt, an dem man mit Denkgewohnheiten brechen - oder die Konsequenzen des radikalen Relativismus zugeben muß.

WITASEK sagt, daß eine Wertung nie eine Bestimmung des gewerteten Gegenstandes ist. "Auch für Beschaffenheit, Art und Wesen eines Werttatbestandes ist es einerlei, ob er selbst wieder Objekt eines neuen Wertes ist oder nicht." (30) Dieser Satz ist sehr charakteristisch für den Gesichtspunk, unter dem WITASEK allein Werte betrachtet. Sie sind ihm Tatsachen wie andere - er beschreibt sie als Psychologe. Die Art von Wertwissenschaften aber, die ich meine, ist keine Wertbeschreibung (wiewohl sie natürlich Wertbeschreibungen als Hilfsmittel verwendet), sondern eine Wissenschaft, die ihre Objekte "sub specie valoris" [unter einem Wertgesichtspunkt, wp] bestimmt.

Aber auch wenn man die Begriffsbildung selbst zugibt, kann man ihre Anwendbarkeit auf ästhetische Werte leugnen. Auch das tut WITASEK. "In ästhetischen Dingen gibt es keine Pflicht, es gibt kein pflichtmäßiges Sollen von ästhetischen Werthaltungen." (31) Das klingt sehr plausibel, denn es scheint absurd, dort, wo wir uns des Zwangs entladen, von Pflichten reden. Dieses Wort "Pflicht" paßt hier auch in der Tat nicht, man kann von Pflichen sprechen, sich und andere ästhetisch zu bilden, aber nicht von einer Pflicht zum Genuß. Pflicht kann immer nur ein ausführbares Handeln sein. Das für wahr Gehaltene sagen, Wahrheit suchen kann Pflicht sein, niemals Wahrheit selbst; und doch unterscheidet sich ein wahres Urteil von der Masse indifferenter Assoziationsprodukte durch einen Forderungscharakter. Selbst auf sittlichem Gebiet reicht der geforderte Wert weiter als die Pflicht. Der gute Wille selbst, Grund und Ziel alles pflichtmäßigen Handelns, kann doch nicht direkt als Pflicht hingestellt werden, da sein Vorhandensein, wenigstens als Gewissen, Voraussetzung der Pflicht ist und da es sinnlos wäre, von einem Individuum, bei welchem man ein Gewissen nicht voraussetzte, zu fordern, daß es auf Erwerbung eines Gewissens hinarbeite. Man sieht, wie notwendig es ist, den Begriff der Forderung vom Handeln auf die leitenden Werte auszudehnen. Selbstverständlich ist, daß die besondere Art der Geltendmachung dieser Forderung auf ästhetischem Gebiet von der Sondernatur des ästhetischen Wertes, welcher sich durch seine Immanenz vom ethischen unterscheidet, beeinflußt wird. Daß die Reflexion auf den Wert der ästhetischen Werthaltungen historisch später ist, als das Auftreten der ästhetischen Werte selbst, tut nichts zur Sache. Auch Wahrheit und selbst Wissenschaft ist historisch früher als Logik, auch Sittlichkeit ist früher als Ethik; natürlich mußte eine lange Entwicklung der Kunst und ihrer Bedeutung für das Leben des Volkes vorangegangen sein, ehe die Reflexion auf die Bedeutung der Kunst beginnen konnte. Und ebenso wie das erste ethische Raisonnement Klugheitsregeln, traditionelle Sitten und Hinweise auf den Kern der Sittlichkeit nebeneinander stellte, so mischt sich im ersten kritisch-ästhetischen Nachdenken das Schöne mit dem Angenehmen und Zweckmäßigen, bis die kritische Wissenschaft gesondert herausstellt, was doch eigentlich schon jeder Athener wußte, der seinem Sohn eine musische aber keine gourmandistische [gut- und vielesserische, wp] Erziehung gab.

Mit der Besinnung auf das, was sich tatsächlich in seiner Bedeutung stets geltend gemacht hatte, tritt nun aber gleichzeitig die Kritik an dieses Gelten heran und seitdem entsteht eine doppelte Gefahr. Von der einen Seite nämlich erhebt sich die Tendenz, die Geltung des ästhetischen Wertes durch die Dienste, die die Kunst der Erkenntnis und der Sittlichkeit leistet, zu rechtfertigen. Damit ist natürlich eine starke Einengung des ästhetischen Gebietes verbunden. Andererseits wird die logische Unauflöslichkeit dazu verwendet, alles Ästhetische auf das Niveau des Individuell-Gefallenden herabzuziehen. Zwischen diesen Klippen bewegt sich die wissenschaftliche Ästhetik hindurch. Diese Gefahren, denen nicht etwa nur die Griechen in der Jungendzeit der Spekulation, sondern auch die vielgewarnten Modernen oft erliegen, machen scheinbar sehr abstrakte und rein formale Überlegungen doch sehr wichtig. Um nicht wiederholt Gesagtes nochmals auszuführen, nehme ich hier folgenden Satz als bewiesen an: Es kann keinen rein logischen Beweis für den Forderungscharakter des ästhetischen Wertes geben, das heißt, es schließt keinen logischen Widerspruch ein, zu behaupten, das Schöne im weitesten Sinne sei nur eine Art des Angenehmen und zwischen Poesie und Kochkunst gebe es nur Unterschiede des Materials und der Technik. Es ist also zuletzt der Selbstbesinnung anheimzustellen, ob sie einen solchen Unterschied macht oder nicht, nur muß sie dabei ganz klar darüber sein, was sie mit einer negativen Antwort sagt. Es geht nicht an, den Unterschied der Geltung zwischen schöne und angenehm zu leugnen und dann von der Höhe der Kunst in anderem Sinne als dem des technischen Raffinements zu sprechen; höchstens ein hygienischer Gesichtspunkt bliebe dann neben dem des individuellen Gefallens übrig. Man könnte etwa seinen Mitmenschen sagen: diese Kunst ist zwar angenehm aber ungesund wie überwürzte Speisen. Man sieht: die Leugnung des Forderungswertes führt zu Konsequenzen, die absurd erscheinen. Diese Absurdität ist nun aber nicht logische Absurdität, auch nicht Widerspruch gegen exakt nachweisbare Tatsachen. Denn die objektiven Befunde könnten wohl allenfalls durch Annahme von allerlei subjektiven Täuschungen wegerklärt werden. Vielmehr handelt es sich um den Widerspruch des Kulturbewußtseins, wie es sich in unseren Werten geltend macht. Dieses kommt hier auch nicht als objektive Tatsache, sondern als lebendige Empfindung in Betracht. Man kann also sagen:  der  Forderungscharakter des ästhetischen Wertes wird bewiesen durch Besinnung auf die Bedingungen des lebendigen Kulturbewußtseins vom Wert des Schönen.

Gegen diese Ableitung wird sich das Argument der Geschmacksverschiedenheit erheben. Es ist nicht schwer, eine Beispiel-Sammlung zusammenzustellen, die beweist, daß von verschiedenen Völkern zu verschiedenen Zeiten das Verschiedenste als "schön" empfunden wurdef. Man wird manche Fälle aus einer solchen Zusammenstellung dadurch entfernen können, daß man die Gründe der Wertschätzung als deutlich außerästhetisch erweist. Wenn z. B. das Alte einfach wegen seiner Seltenheit oder weil es Kunde von der Dauer des Geschlechtes gibt, geschätzt wird, wenn im Neuen die Abwechslung gesucht wird, wenn religiöser Glaube gewisse Formen heiligt, so kann man diese Fälle ausschließen. Aber damit wäre wenig gewonnen. Augenscheinlich ist ein anderer Menschentypus für den Japaner schön als für den Europäer. In diesem Beispiel zeigt sich gleicht der Hauptgrund der Geschmacksverschiedenheit. Das Schöne steht in einem Abhängigkeitsverhältnis von wechselnden Bedingungen außer-ästhetischer Natur. Nur vom eigenen Rassentypus aus kann ein Volk seine Ideale körperlicher Schönheit gewinnen; die herrschenden Bestrebungen werden alle Gestalten der Dichtung ihrem Inhalt nach bestimmen. Und das gilt nicht nur für das Gebiet des Schönen im engeren Sinne oder des Harmonisch-Schönen, sondern für den ganzen Umfang des ästhetisch Wertvollen oder des Schönen im weiteren Sinne. Ja, auch die vorherrschende Neigung zu bestimmten ästhetischen Modifikationen, etwa zum Erhabenen oder Humoristischen, hängt von wechselnden außer-ästhetischen Bedingungen ab. Eine nähere Ausführung dieser Sätze würde ein Eingehen auf inhaltliche Bestimmtheiten des Schönen erfordern und damit die Grenzen des hier gestellten Themas überschreiten. Aber alle diese Verschiedenheiten hindern doch nicht, daß Ästhetisches, wo immer es als solches auftritt, Forderungswert hat. Sie hindern auch nicht, daß das Schöne im engeren und weiteren Sinn überall die gleichen formalen Eigentümlichkeiten und das gleiche Verhältnis zum außer-ästhetischen Inhalt hat. Besteht doch ein ganz verwandtes Verhältnis auf ethischem Gebiet. Nun tritt aber ferner der Geschmacksverschiedenheit eine andere Tatsachengruppe gegenüber. Wenn wir die Vorbedingungen zum Erfassen eines uns zunächst unzugänglichen Schönen (im weiteren Sinne) hergestellt haben, so verstehen wir nicht etwa nur, warum andere hier ästhetisch genossen und werteten, sondern wir nehmen an Genuß und Werthaltung selbst Anteil. Alle ästhetische Erziehung beruht auf dieser Möglichkeit. Jeder einzelne, der imstande ist, auf die Entwicklung seines Verhältnisses zu verschiedenen Kunstwerken und Kunstrichtungen zurückzublicken, wird das bestätigen können. Man sucht zuerst das der eigenen Individualität Gemäße in künstlerischer Form. Auch wo das in der Kunst Geliebte nicht Darstellung, sondern Ergänzung des eigenen Lebens ist, muß die Sehnsucht nach dieser Ergänzung und damit die Anlage zum uns Fehlenden und Gesuchten in uns liegen. Aber gerade im ästhetischen Mitleben erweitert sich das eigene Ich und damit der Umfang des Nacherlebbaren. Gleichzeitig schärft sich das Gefühl für die spezifisch ästhetische Seite des Eindrucks, beziehungsweise der Darstellung. Das Urteil wird vom Roh-Stofflichen unabhängig. Und was hier individuell ausgeführt wurde, das gilt auch im Großen vom Verhältnis verschiedener Völker und Zeiten zueinander. Wir sind nicht Griechen, Inder, Japaner, mittelalterliche Ritter und doch werten wir den Parthenon-Fries, die Sakantola, japanische Farbenholzschnitte und mittelalterliche Burgen ästhetisch. Daß wir das können, ist nun wiederum nichts Selbstverständliches, sondern Resultat eines großen Arbeitsprozesses, der der Gewinnung dieser überindividuellen Werte gewidment worden ist. In dieser Möglichkeit der Erweiterung spricht sich der inhaltliche Charakter des Ästhetischen aus. (32) Man kann sagen: dem überindividuellen Forderungswert des Schönen entspricht als ihn ans Licht stellende Tätigkeit die ästhetische Kritik. Sie bringt das Wertvolle nicht hervor, aber sie sondert es aus und setzt es durch. Alle Kunstgeschichte enthält Kunstkritik, gibt uns aber außerdem die sachlichen Voraussetzungen, die zum Mitleben fremder Kunstwelten erforderlich sind. Da sich das Bewußtsein des ästhetischen Wertes in den Urteilen der Kritik kundgibt, so wäre eine Geschichte dieser Kritik, die sich mit der Geschichte der Kunst und der Ästhetik im Zusammenhang hielte, für die Kenntnis der ästhetischen Entwicklung sehr wichtig.

Fassen wir das Ergebnis zusammen: den Forderungscharakter des Ästhetischen muß anerkennen, wer im Schönen etwas anderes, als eine Art des Angenehmen sieht und wer den primären Kulturwert der Kunst behauptet. Gegen diese allgemeine Anerkennung sagt die Geschmacksverschiedenheit überhaupt nichts. In der Herausbildung eines als schön Anerkannten innerhalb eines Kulturkreises setzt sich dieser Forderungswert durch. Eine Reihe von Tatsachen weist überdies daraufhin, den Grund der Geschmacksverschiedenheit in den - für sich genommen außer-ästhetischen - inhaltlichen Bestimmtheiten zu sehen, die in die Sphäre des Ästhetischen gehoben werden sollen. Dafür spricht vor allem daß es eine mögliche Aufgabe ist, das irgendwo mit Recht ästhetisch Gewertete in seiner Wertforderung auch außerhalb dieses engen Kreises zur Anerkennung zu bringen oder die überindividuelle Forderung auch zu erweiterter empirischer Allgemeinheit durchzusetzen.

Obwohl der Beweis des Forderungswertes zunächst nur ganz allgemein und formal geführt werden kann, so hat er doch für die Herausarbeitung auch der  inhaltlichen  Bestimmungen des ästhetischen Gebietes die höchste Bedeutung. Denn er erweist das Recht eines tatsächlich überall geübten Verfahrens. Aus dem Chaos von Eigentümlichkeiten, die sich bei einer Analyse ästhetischer Zustände des Subjekts oder bei einer vergleichenden Betrachtung von Kunstwerken darbieten, hebt der Ästhetiker als wesentlich stets das hervor, was der besonderen Wertung des Schönen zugrunde liegt. Man beobachtet zuweilen, daß hierbei ein schlechtes Gewissen vorhanden ist; es werden Scheingründe gesucht, anderes, was sich der Betrachtung darbietet, auszuschalten. Das Recht und damit die Reinheit dieses Verfahrens zu garantieren ist die Bedeutung des vorliegenden Beweises. Der weiteren Untersuchung dient dann besonders die Bestimmung der reinen Intensität als Leitfaden. Es ist kaum nötig, hervorzuheben, daß sich alle diese Bestimmungen sehr nahe an KANTs und SCHILLERs grundlegende Begriffe halten und nur vollständig einwurfsfrei zu formulieren suchen, was dort vorhanden ist. Die inhaltlichen Bestimmungen, die die Ästhetik dann weiter gewinnt, sind material im Vergleich zu den formalen Wertbestimmungen, sie sind allgemein und entbehren des besonderen Inhalts im Vergleich zu den unter ihnen stehenden ästhetischen Einzeltatsachen. Es ist öfter darüber gestritten worden, ob man die Merkmale des Ästhetischen vom Objekt her oder vom Verhalten des genießenden Subjektes her gewinnen soll. Dieser Streit ist nicht von prinzipieller Bedeutung. Das Objekt ist ästhetisches Objekt nur, sofern es für das ästhetisch anschauende Subjekt in Betracht kommt, kann also ohne Rücksicht auf dessen Verhalten gar nicht bestimmt werden. Umgekehrt liegt ästhetisches Verhalten eines Subjektes nur vor, wo dieses Subjekt ganz im Objekt aufgeht. So ist es nötig, beide Seiten zu betrachten und mehr eine Frage des besonderen Falles, von welcher man am zweckmäßigsten ausgeht. Beim Naturschönen wird das Verhalten des Subjekts der günstigste Ausgangspunkt sein, da das Objekt hier als ästhetisches nicht abgegrenzt vorliegt. Beim Kunstschönen wurde das Objekt bereits als ästhetisches hervorgebracht, es wird daher hier weit eher als Leitfaden dienen können. Jedenfalls müssen die beiden Seiten einander vollkommen entsprechen.

Die ganze vorangehende Betrachtung hat absichtlich das ästhetische Gebiet isoliert und die Frage der Beweisbarkeit des Forderungswertes unter der Voraussetzung dieser Isolierung behandelt. Es bleibt nun aber noch die Möglichkeit offen, den Forderungscharakter des Ästhetischen von anderen als anerkannt erwiesenen Werten aus zu beweisen. Wenn gezeigt werden kann, daß der logische oder der ethische Wert eine teleologische Ergänzung fordern, der als Ergänzungsglied die Bestimmmungen des Ästhetischen formal und inhaltlich genügen, so kann man auch das einen Beweis des ästhetischen Forderungswertes nennen. Prinzipiell erst nach Feststellung der wesentlichen Merkmale des Ästhetischen möglich, dient dieser Nachweis doch zugleich als Probe für die richtige Auffindung jener Merkmale. Die ganze hier angedeutete Betrachtungsweise ordnet das Schöne im weiteren Sinne dem Gesamtumfang der philosophischen Wissenschaft ein.
LITERATUR - Jonas Cohn, Psychologische oder kritische Begründung der Ästhetik, Archiv für systematische Philosophie, Neue Folge, X. Band, 2. Heft, 1897
    Anmerkungen
    1) JONAS COHN, Allgemeine Ästhetik, Leipzig 1901
    2) ERNST MEUMANN, Archiv für die gesamte Psychologie I, Seite 6
    3) JONAS COHN in "Wert und Schönheit", Archiv für systematische Philosophie VIII, Seite 164. WITASEKs Buch: Grundzüge der allgemeinen Ästhetik, Leipzig 1904, erschien erst, nachdem dieser Aufsatz bereits abgesandt war, konnte daher hier nicht mehr berücksichtigt werden.
    4) WITASEK, a. a. O. Seite 175
    5) Vgl. hierzu K. MARBE, Experimental-psychologische Untersuchungen über das Urteil, Leipzig 1901
    6) WITASEK, a. a. O. Seite 180
    7) KARL GROOS, Der ästhetische Genuß, Giessen 1902, Seite 135
    8) KARL GROOS, ebenda Seite 137f
    9) WITASEK in "Deutsche Literaturzeitung", 1901, Spalte 3232
    10) JONAS COHN, Fortsetzung der psychologischen Streitpunkte, Zeitschrift für Psychologie 1903, Seite 31 und 78.
    11) THEODOR LIPPS, Ästhetik, I. Teil, Grundlegung der Ästhetik, Hamburg 1903, Seite 2
    12) Während ich so gezwungen bin, den prinzipiellen Gegensatz gegen LIPPS - trotz allen, was ich von ihm gelernt habe - zu betonen, möchte ich die Gelegenheit nicht versäumen, ein Unrecht, das ich ihm in anderer Sache angetan habe, ausdrücklich als solches zu bezeichnen. In der Besprechung von LIPPS Auffassung des Humors (meine Allgemeine Ästhetik, Seite 218f) ist es mit begegnet, Sätze, die LIPPS nur auf einzelne Daseinsweisen oder Unterarten des Humors bezogen hat, als allgemein gesagt aufzufassen. Ich bedaure diesen Irrtum, der durch die Benutzung früher gemachten Auszüge beim Niederschreiben erzeugt wurde. Die Polemik am angegebenen Ort wird damit, so wie sie dort steht, hinfällig.
    13) OSWALD KÜLPE spricht seine Ansichten besonders deutlich aus in der Rezension von GROOS, "Der ästhetische Genuß", Göttinger gelehrte Anzeigen, 1902, Seite 905f
    14) KONRAD LANGE, Das Wesen der Kunst, Berlin 1901, Bd. I, vgl. besonders Seite 18 für den Psychologismus, Seite 28 für die Notwendigkeit des Maßstabes
    15) K. LANGE ebenda Seite 34f
    16) K. LANGE ebenda Seite 39
    17) K. LANGE ebenda Seite 13f
    18) K. LANGE, ebenda, Bd. I, Seite 7. "Am liebsten wären mir, wie gesagt, Leser, ei noch kein ästhetisches Buch in der Hand gehabt haben, auf keine der herrschenden Theorien eingeschworen sind." LANGE scheint die Überzeugung von der Richtigkeit seiner Theorie mit der Zugehörigkeit zu einer durch Eid verbundenen Mafia zu verwechseln.
    19) K. LANGE, ebenda Seite 52. LANGE will nachweisen, daß der wesentliche Zweck der Kunst die Erregung von Lust ist. Ehe er diesen Beweis antritt, sagt er: "Es gibt eine Menge Menschen, die diese Behauptung von vornherein mit dem größten Mißtrauen aufnehmen werden. Das sind die Moralisten, die ausgesprochenen oder verkappten Ethiker, die Pietisten und die Vertreter der höheren Töchter-Moral." Ebenso ist LANGEs Gegner einfach "der moderne Bildungsphilister" (Seite 100).
    20) Seite 4-5 erklärt LANGE höchst großmütig, auf persönliche Polemik zu verzichten. Es gibt zwei Arten berechtigter Polemik - entweder ich polemisiere gegen die Ansichten eines Mannes oder ich polemisiere gegen eine Ansicht, die ich genau präzisiere, ohne auf ihre Vertreter im einzelnen einzugehen. Aber gegen ein nirgend existierendes Phantom "ältere Ästhetik" zu polemisieren, dem man (z. B. Seite 16-17) allerhand Sünden aufhalst - das heißt Spiegelfechterei vor den Unmündigen im Geiste treiben.
    21) ROBERT EISLER, Studien zur Werttheorie, Leipzig 1902. Kurz zusammengefaßt hat EISLER seine Thesen unter dem Titel "Zur Erkenntnistheorie der ästhetischen Kritik". Wissenschaftliche Beilage zum 15. Jahresbericht der Philosophischen Gesellschaft an der Universität Wien, Leipzig 1902. Doch enthält nur die erste der beiden genannten Publikationen die Begründung der Gedanken - ich beziehe mich daher allein auf sie. Einen ähnlich radikalen Standpunkt vertritt CARL LANGE in der posthum von H. KURELLA herausgegebenen Schrift "Sinnesgenüsse und Kunstgenuß", Wiesbaden 1903 (Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens, Heft 20). Da aber KARL LANGE sich über die methodologischen Fragen nicht äußert, genügt es, EISLER als Vertreter dieser Meinung zu behandeln.
    22) EISLER, ebenda Seite 24
    23) EISLER, ebenda Seite 39f
    24) EISLER, ebenda Seite 75f, bes. 78
    25) EISLER, ebenda Seite 97
    26) EISLER, ebenda Seite 107f
    27) Der Zusammenhang, in dem er das tut, ist eine Bestreitung der Möglichkeit einer Determination des ästhetischen Gebietes durch die Charakteristik des ästhetischen Wertes. WITASEK sucht nachzuweisen, daß die von mir aufgestellten Kriterien hierfür unzureichend sind. Indessen wendet er sich bei der Bestreitung des Begriffes intensiv (a. a. O. Seiten 182-184, 188) lediglich gegen meine ältere Arbeit "Beiträge zur Lehre von den Wertungen", Zeitschrift für Philosophie Bd. 110 und übersieht, daß ich diese Bestimmung durch Hinzufügung der Determination "immanent" oder "rein" in meiner "Allgemeinen Ästhetik" (Seite 25 bis 27) wesentlich präzisiert habe. Diese neuere Darstellung wird durch WITASEKs Angriffe nicht berührt. Ich habe daher keinen Grund, auf diesen Punkt einzugehen.
    28) Ich nehme hier eine Verbesserung WITASEKs (a. a. O. Seite 184, Anmerkung 2) dankbar an.
    29) WITASEK a. a. O. Seite 185
    30) WITASEK a. a. O. Seite 186
    31) WITASEK a. a. O. Seite 187
    32) Für das Nähere verweise ich auf meine allgemeine Ästhetik, besonders 3. Teil, 2. Kapitel.