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Augenschein
JOHANN GOTTLIEB FICHTE

  Die erste, niedrigste, oberflächlichste und verworrenste Weise, die Welt zu nehmen, ist die, wenn man dasjenige für die Welt, und das wirklich Daseiende hält, was in die äußern Sinne fällt: dies für das höchste, wahrhafte, und für sich bestehende. Diese Ansicht ist auch in diesen unsern Vorlesungen sattsam geschildert, deutlich, wie es mir scheint, charakterisirt, und schon damals durch einen, selber nur auf der Oberfläche liegenden Wink, in ihrer Verwerflichkeit und Seichtigkeit hinlänglich dargestellt worden. Daß es dem unerachtet die Ansicht unserer Weltweisen, und des, in ihrer Schule gebildeten Zeitalters, sei, ist gleichfalls zugestanden: so wie zugleich gezeigt worden, daß diese Ansicht keinesweges in ihrer Logik liege, - indem überhaupt aller Logik jene Ansicht ins Gesicht widerspricht, - sondern in ihrer Liebe. Hierbei kann ich nun mich nicht länger aufhalten; denn auch in diesen Vorlesungen müssen wir weiter kommen, und darum einiges, als nun für immer abgethan, hinter uns lassen.

Ob nun jemand auf seinem Sinnen bestehe, und fortfahre, zu sagen: aber diese Dinge sind ja offenbar, wirklich und wahrhaftig, da; denn ich sehe sie ja, und höre sie u.s.w.; so wisse dieser, daß wir uns durch seine dreiste Versicherung, und seinen festen Glauben, gar nicht irre machen lassen, sondern daß es bei unserm kategorischen, unumwundenen, und ganz nach den Worten zu verstehenden: Nein, diese Dinge sind nicht, gerade Darum, Weil sie sichtbar und hörbar sind, - auf einmal für immer verbleibt; und daß wir mit einem solchen, als der Verständigung und Belehrung durchaus unfähig, gar nicht weiter reden können."


LITERATUR, Johann Gottlieb Fichte, Die Anweisung zum seeligen Leben oder auch die Religionslehre, Berlin 1828, Seite 91f