ra-2 A. SchäffleH. Cohnvon EhrenfelsT. Grigorovici    
 
EUGEN BÖHM-BAWERK
W e r t

Entsprechend dem großen Anteil, den der Wert an der Orientierung und Lenkung unserer Wirtschaftshandlungen nimmt, hat er auch eine hervorragend große Rolle in der wissenschaftlichen Erklärung unserer Handlungen zu spielen: in der Nuance des  subjektiven Wertes  ist der Wert einer der wichtigsten und fruchtbarsten Grundbegriffe der Wirtschaftswissenschaft.

"Gegenstand praktischer Wertschätzungen sind immer nur  bestimmte  Güterstücke oder Gütermengen werden, niemals eine Gütergattung  in abstracto.  Wenn ich ein Pferd oder zehn Pferde verkaufen will, so werde ich mir eben ein Urteil darüber zu bilden haben, ob und welchen Wert ein Pferd oder zehn Pferde für mich haben. Dagegen hat die akademische Reflexion, welchen Wert etwa die Gattung  Pferd  in abstracto für das Menschengeschlecht haben mag, einen Teil an der Bestimmung der praktischen Wirtschaftshandlungen der Menschen und daher auch keine Bedeutung für die Wirtschaftswissenschaft, welche in der Erklärung jener Handlungen ihre Aufgabe findet.


I. Begriff und Arten

1. Die Grundidee des wirtschaftlichen Wertes

Der Begriff des Wertes gehört nicht der Wirtschaftswissenschaft allein an. Wir vergeben jene eigentümliche Art von Anerkennung, die wir als Wertschätzung bezeichnen, auf den verschiedensten Lebensgebieten. Wir sprechen vom Wert der Tugend, des Lebens, der Gesundheit oder vom künstlerischen oder literarischen Wert einer Geistesschöpfung nicht minder als vom Wert einer Ware oder eines Grundstücks. Den letzten gemeinamen Wurzeln dieser Anerkennung nachzuspüren ist Aufgabe der Psychologie. Für unsere Zwecke genügt es, einen bestimmten Zweig der Wertschätzung weiter zu verfolgen.

Zwischen den Gegenständen unserer Wertschätzung besteht nämlich ein durchgreifender Unterschied. Gewisse Gegenstände halten wir um ihrer selbst willen wert: sie besitzen, wie ein moderner Psychologe es nennt (1), Eigenwert; andere Gegenstände halten wir dagegen nur als Mittel für einen außerhalb ihrer liegenden Zweck wert: sie besitzen nur "Wirkungswert". Der wirtschaftliche Wert gehört vollständig diesem letzteren Gebiet an. Wir schätzen und lieben - den Fall sinnlosen Geizes etwa ausgenommen - die Güter nicht um ihrer selbst willen, sondern wegen der Förderung, die wir von ihnen für unsere Wohlfahrt erwarten. Alle Güterschätzung ist nichts als ein Widerscheint einer ursprünglicheren Schätzung, die wir den Lebens- und Wohlfahrtszwecken entgegenbringen, zu deren Erreichung uns die Güter dienen.

Aller Güterwert knüpft also an den Menschen und seine Zwecke an. Die Mannigfaltigkeit der Lebensverhältnisse, wie sie zumal in einer hochentwickelten Volkswirtschaft herrschen, eröffnet jedoch einen weiten Spielraum für Mannigfaltigkeiten auch in der Art jener Verknüpfung. Dem entsprechen zahlreiche besondere Erscheinungsformen oder Arten des Güterwertes. Die Verschiedenheit zwischen ihnen ist teilweise so stark, daß wiederholt ernste Zweifel erhoben wurden, ob dieselben sich überhaupt noch als einzelne Arten einem gemeinsamen einheitlichen Wertbegriff unterordnen lassen oder ob man es nicht vielmehr mit mehreren selbständigen, inhaltlich einander fremden Begriffen zu tun hat, die nur äußerlich durch die Gemeinsamkeit des Namens "Wert" zusammengehalten werden, welchen der Sprachgebrauch auf alle gleichmäßig anwendet.


2. Subjektiver und objektiver Wert;
Gebrauchs- und Tauschwert.

Die beiden wichtigsten Einteilungen des Wertes sind die - sich durchkreuzenden - Einteilungen in subjektiven und objektiven Wert einerseits und in Gebrauchs- und Tauschwert andererseits.

Wert im subjektiven Sinne  ist die praktische Bedeutung, die ein Gut für den Interessenkreis eines bestimmten Subjekts dadurch erlangt, daß dieses sein Wohlbefinden in irgendeinem Stück vom Besitz des Gutes abhängig weiß;  Wert im objektiven Sinne  ist dagegen die anerkannte Tüchtigkeit eines Gutes zur Herbeiführung irgendeines einzelnen äußeren Erfolges.

Wenn wir einem Gut Wert im objektiven Sinn zuerkennen, beschränken wir uns auf die Würdigung des Verhältnisses, das zwischen dem Gut und der Erreichung irgendeines einzelnen, objektiven Zweckes oder Erfolges besteht, ohne in unser Urteil auch noch die Würdigung des Ranges einzubeziehen, welcher jenem Einzelzweck selbst im Kreis der Lebensinteressen eines bestimmten Subjekts zukommt; wir unterlassen es, gewissermaßen den Effekt, den das Gut in technischer Beziehung ausübt, auf das Wohl oder Weh eines bestimmten Subjekts zu projizieren. In diesem Sinne sprechen wir z. B. dem Holz und der Kohle je nach dem verschieden starken Erwärmungseffekt, der mit einer Mengeneinheit dieser Güter zu erzielne ist, einen größeren oder kleineren Heizwert, den verschiedenen Nahrungsmitteln einen objektiven Nährwert, den Düngemitteln einen Düngewert usw. zu. Für die wirtschaftliche Betrachtung kommt aus dieser Gruppe von Werturteilen die weitaus größte Wichtigkeit dem  objektiven Tauschwert  der Güter zu, das ist der auf den gegebenen tatsächlichen Verhältnissen beruhenden Befähigung derselben, im Tauschverkehr eine bestimmte Menge anderer Güter als Gegengabe zu erwerben.

Eine ganz andere Betrachtungsweise liegt den subjektiven Werturteilen zugrunde. Für sie ist gerade jene Fortsetzung der Erwägung auf das Gebiet eines persönlichen Wohl und Wehe, vor welchem die objektive Wertschätzung haltmacht, die Hauptsache. Wir messen einem Gut im subjektiven Sinne Wert bei, wenn, und in dem Grad, wie wir unser Wohlbefinden, die Befriedigung eines Bedürfnisses oder überhaupt irgendein (egoistisches oder altruistisches) Lebensinteresse von ihm abhängig wissen. Zur Beurteilung der technischen Leistung - auf die allein sich die Schätzung des objektiven Wertes beschränkt - tritt hier noch eine Würdigung ihres Einflusses auf unsere persönliche Wohlfahrt und schließlich ein Urteil darüber hinzu, ob und in welchem Grad jener wohltätige Einfluß von der Verfügung über das Gut abhängig oder durch sie bedingt ist - ein Merkmal, welches, wie wir noch sehen werden, keineswegs gleichbedeutend mit der bloßen Befähigung eines Gutes ist, einen Wohlfahrtserfolg von einer bestimmten Intensität herbeizuführen.

Entsprechend diesem verschiedenen Tatbestand, welcher den beiderlei Wertschätzungen zugrunde liegt, gehen dieselben auch weder in ihrem Dasein und noch weniger in ihrer Größe notwendig parallel. Bei gleichem objektivem Heizwert, den z. B. zwei Raummeter Buchenholz besitzen, mag einer derselben, welcher den einzigen und wegen Mangels an Geld unersetzlichen Vorrat armer Leute in einem strengen Winter bildet, eine ungleich höhere subjektive Bedeutung für deren Bedürfnisbefriedigung besitzen, als ein anderer gleicher Raummeter im Besitz eines Millionärs für diesen hat; und wo Holz noch in vollem Überfluß als "freies Gut" zu haben ist, mag es trotz seines unveränderten "objektiven Heizwertes" sogar überhaupt keinen subjektiven Wohlfahrtswert besitzen.

Insofern sich im subjektiven Wert die praktische Bedeutung ausdrückt, welche unter den jeweils gegebenen Verhältnissen die Güter für unsere Wohlfahrt haben, kann es nicht fehlen, daß derselbe im weitesten Umfang für unser praktisches Verhalten gegenüber den Gütern die Richtschnur bildet. Auf ihn bezieht sich vornehmlich das Wort, daß der Wert "den eigentlichen Kern und Angelpunkt des gesamten Wirtschaftsgetriebes" bildet (NEUMANN). Und entsprechend dem großen Anteil, den er an der Orientierung und Lenkung unserer Wirtschaftshandlungen nimmt, hat er auch eine hervorragend große Rolle in der wissenschaftlichen Erklärung unserer Handlungen zu spielen: in der Nuance des "subjektiven Wertes" ist der Wert einer der wichtigsten und fruchtbarsten Grundbegriffe der Wirtschaftswissenschaft.

Für eine andere, gleichfalls sehr belangreiche Einteilung gibt ein Unterschied in der Bestimmung der Güter den Stoff. In unserer modernen, auf Arbeitsteilung und Tauschverkehr aufgebauten Volkswirtschaft gewinnt nämlich der Unterschied eine hervorragende praktische Bedeutung, ob ein Gut bestimmt ist, von seinem Besitzer in dessen eigener Wirtschaft gebraucht oder aber im Austausch gegen andere Güter weitergegeben zu werden. Je nachdem nun die den Gütern beigemessene Bedeutung ihnen mit Rücksich auf die eine oder die andere dieser Verwendungsweise zuerkannt wird, erscheint ihr Wert entweder als  Gebrauchs-  oder als  Tauschwert. 

Es erscheint übrigens zweckmäßig, diese Einteilung noch um ein drittes Glied zu erweitern. Zwischen den Gütern, die bestimmt sind, in der eigenen Wirtschaft ihres Besitzers verwendet zu werden, zeigt sich nämlich abermals der sehr erhebliche Unterschied, ob sie jenem zu seiner unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung oder aber zu produktiven Zwecken, zur Erzielung eines Produktionsertrages dienen. Demgemäß ist passend dreigliedrig zu unterscheiden zwischen  Gebrauchswert im engeren Sinne  (gestützt auf die Verwendbarkeit zu unmittelbaren Genußzwecken),  Produktions-  und  Tauschwert  (gestützt auf die Verwendbarkeit durch Verkauf und Tausch).

Wie schon bemerkt wurde, durchkreuzt sich diese Einteilung mit jener in objektiven und subjektiven Wert. Man kann einerseits auf dem Gebiet des objektiven Wertes die Befähigung eines Gutes, im Austausch einen Gegenwert zu erlangen oder einen Ertrag abzuwerfen, allen übrigen objektiven "Gebrauchs"-Gattungen gegenüberzustellen, und ebenso läßt sich andererseits der subjektive Wert, den ein Gut für seinen Besitzer hat, je nachdem sich derselbe auf die eine oder andere Verwendungsweise gründet, als subjektiver Gebrauchts-, Ertrags- oder Tauschwert spezialisieren. Der subjektive Wert z. B., den eine Bibliothek für den Gelehrten hat, wird subjektiver Gebrauchswert, der Wert des Buchlagers für den Buchhändler subjektiver Tauschwert, der Wert des Ackers für den Landwirt subjektiver Ertragswert sein. Auch hier kehrt ferner der schon oben einmal bemerkte Umstand wieder, daß der objektive Wert keineswegs mit der verwandten Art des subjektiven Wertes in seiner Größe parallel zu gehen braucht. Zwei Grundstücke z. B., welche einen gleichen Ertrag von 100 Mark jährlich abwerfen und daher gleichen objektiven Ertragswert haben, können für verschiedene Besitzer in verschiedenen Bedürfnis- und Vermögensumständen, z. B. für einen armen Bauern und für einen reichen Rittergutsbesitzer, einen recht verschiedenen subjektiven Ertrags- und Tauschwert besitzen.

Gewöhnlich pflegt man jedoch, wenn man die Namen Tauschwert oder Ertragswert ohne Zusatz gebraucht, an die  objektiven  Werte dieses Namens, dagegen bei der Bezeichnung Gebrauchswert an den  subjektiven  Gebrauchswert zu denken. Dieser Umstand hat gelegentlich dazu verleitet, die beiden Einteilungen in subjektiven und objektiven Wert und in Gebrauchs- und Tauschwert als zusammenfallend oder die letztere als einen vollgültigen Ersatz für die erstere anzusehen, was jedoch nach dem Gesagten den Verhältnissen nicht entspricht.


3. Andere Einteilungen des Wertes

Von den zahlreichen anderweitigen Einteilungen des Wertes verdienen noch Erwähnung:

a) Unterscheidung in  Stoff-, Form-, Orts- und Zeitwert  (KNIES), je nachdem der Wert eines Gutes vorzugsweise auf dem Stoff, aus dem er besteht (z. B. bei Goldmünzen), oder seiner Form (z. B. bei Holzschnitzereien) oder den besonderen Umständen des Ortes (Lebensmittel in einer belagerten Festung) oder der Zeit (frisches Obst im Winter) beruth, unter welchen das Gut verfügbar ist.

b) Seit RAU wird der Gebrauchswert in einen  abstrakten  (oder Gattungswert) und in einen  konkreten  Wert unterschieden. Als abstrakter Wert wird der Wert einer Güter gattung  für die menschlichen Bedürfnisse im allgemeinen, als konkreter Wert dagegen jener Gebrauchswert verstanden, welchen eine bestimmte konkrete Menge eines Gutes (z. B. ein bestimmter Scheffel Gerste, ein bestimmtes Stück Tuch, ein Pferd und dgl.) für eine bestimmte Person mit Rücksicht auf ihren individuellen Bedarf und Besitzstand hat. Der "konkrete" Wert trifft mit unserem subjektiven Wert zusammen; der abstrakte Wert RAUs ist dagegen wohl mit der bloße Nützlichkeit von Gütergattungen gleichbedeutend und sollte besser gar nicht als Wert bezeichnet werden.

c) In der Jurisprudenz ist die Unterscheidung von  gemeinem,  besonderem und  Affektionswert  oder  Wert der besonderen Vorliebe  üblich. Der gemeine Wert entspricht beiläufig dem objektiven Tauschwert, den das Gut unter normalen Verhältnissen erzielen kann; der besondere sowie der Affektionswert entsprechen beide mehr dem subjektiven Wert, den ein Gut für eine bestimmte Person unter den besonderen, bei ihr obwaltenden Verhältnissen besitzt, wobei jedoch die Schätzung nach Affektionswert in der Berücksichtigung der subjektiven Momente noch weiter geht.

d) Vielfach wird  Kostenwert  und  Seltenheitswert  unterschieden, je nachdem der Wert eines Gutes der Höhe des zu seiner Erzeugung gemachten Kostenaufwandes entspricht oder aber, ohne Rücksicht auf diesen, bloß auf der Seltenheit des Gutes beruth.

e) Da vermöge des sogenannten Kostengesetzes (siehe auch den Artikel "Preis") der Tauschwert die Tendenz hat, sich auf die Dauer den Produktionskosten gleichzustellen, pflegt man jenen Stand des Wertes, der mit den Produktionskosten übereinstimmt, als den  "normalen"  Tauschwert (im Gegensatz zu dem je nach den augenblicklichen Marktverhältnissen immerfort fluktuierenden "Marktwert" oder "laufenden Wert") zu bezeichnen. ADAM SMITH gebraucht hierfür auch den Ausdruck "natürlicher Wert, der sich jedoch in dieser Bedeutung nicht eingebürgert hat. Von anderer Seite (WIESER) wird neuestens unter Annäherung an eine von THÜNEN eingeführte Deutung jenes Ausdrucks als natürlicher Wert jener bezeichnet, der sich in einer nach einem einheitlichen Plan geleiteten wirtschaftenden Gesellschaft nach dem in der ganzen Gesellschaft herrschenden Verhältnis von Gütermenge und Bedarf nach Gütern herausstellen würde, also beiläufig der Wert in einem idealen Kommunistenstaat.

Schließlich mag noch erwähnt werden, daß vermöge einer wissenschaftlich wenig empfehlenswerten, aber im Leben eingebürgerten Sprachübung vielfach auch die  Güter von Wert  als Werte bezeichnet werden.


4. Zur Dogmengeschichte des Wertbegriffs.

Die Bemühungen um die Feststellung eines wissenschaftlichen Wertbegriffs beginnen mit der Erkenntnis, daß der Sprachgebrauch außerordentlich Verschiedenes mit jenem Namen bezeichnet, und betätigen sich daher zunächst in der Aufstellung von Unterscheidungen oder Arten des Wertes. Die älteste Unterscheidung ist die in Gebrauchs- und Tauschwert. Schon von ARISTOTELES angedeutet, wird sie von QUESNAY (valeur usuelle und valeur vénal) und demnächst von ADAM SMITH (value in use und value in exchange) gezogen. Hierbei konfundiert jedoch SMITH seinen Gebrauchswert ausdrücklich mit der bloßen Nützlichkeit (utility) der Güter, während er den Tauschwert lediglich als objektiven Tauschwert (power of purchasing other goods) definiert. Jene wichtige Kategorie des Wertes, die wir heute subjektiven Wert nennen, ist somit der Beachtung SMITHs noch völlig entgangen. Überdies begnügt sich SMITH auch bezüglich des von ihm sogenannten Gebrauchswertes mit der bloßen Nennung dieses Begriffs: eine wissenschaftliche Erörterung läßt er unter allen Wertarten ausschließlich dem objektiven Tauschwert zuteil werden.

Sein Beispiel blieb für einen großen Teil der englischen und französischen Literatur für lange maßgebend. Vereinzelt findet sich hier allerdings schon seit TURGOT (in Italien schon bei GALIANI) die Erkenntnis, daß der Gebrauchswert (bei TURGOT valeur estimative genannt) nicht mit der bloßen Nützlichkeit der Güter zusammenfällt, sondern außer dieser auch noch eine gewisse Seltenheit voraussetzt; allein diese (z. B. von LOUIS SAY und dem älteren WALRAS fortgepflanzte) Erkenntnis gewann zunächst nur wenig Einfluß auf die Analyse und Klassifikation der Wertbegriffe. Hierbei mochte wohl auch der Umstand mitwirken, daß in den romanischen Sprachen der Name des Wertes (valeur, value, valore) von Haus aus eine stärkere Beziehung zur Geltung im Tausch, also zu dem seit SMITH in den Vordergrund gestellten Tauschwert hat, während die sprachliche Verwandtschaft der Ausdrücke für Gebrauch (use, usage) und Nützlichkeit ein Verschwimmen der Begriffe Gebrauchswert und Nützlichkeit begünstigen mußte.

Dagegen gehen die emsigen Bemühungen, die man jederzeit im Kreis deutscher Gelehrter an die formale Feststellung und Ausbildung des Wertbegriffs wendete, charakteristischerweise von Anfang an in der Richtung, das subjektive Moment und den Gebrauchswert, an dem dieses stärker als am Tauschwert hervortritt, zur Beachtung zu bringen. Zunächst löste man Schritt für Schritt den eigentlichen Wert von der bloßen Nützlichkeit ab. Die ersten Versuche in dieser Richtung waren allerdings noch wenig glücklich. So war die Betonung, daß der Wert immer in einem subjektiven menschlichen Urteil über die Nützlichkeit fußen müsse (STORCH, LOTZ, FRIEDLÄNDER u. a.), zwar ganz richtig, aber noch nicht ausreichend, während die von anderen (z. B. SODEN, RAU, KNIES) vertretene Auffassung, daß der Wert der  Grad  der Nützlichkeit ist, mehr nur eine dialektische als eine sachliche und zudem kaum eine zutreffende Unterscheidung beider Begriffe bedeutete.

Einen wichtigen sachlichen Fortschritt brachte RAU mit seiner Unterscheidung von abstraktem und konkretem Wert, welche er mit der feinen psychologischen Bemerkung begleitete, daß die "abstrakte Wertschätzung" ein bloßes Urteil des Verstandes bleiben kann, welches den Willen gar nicht anregt; demgegenüber schilderte er in seinem "konkreten Werte" schon recht zutreffen jene (echten) Werturteile, welche unser praktisches Verhalten gegenüber den Gütern im einzelnen Fall bestimmen und welche mit dem heutigen subjektiven Wert zusammenfallen. Zunächst kam jedoch dieser Fortschritt in der Formaldefinition des Wertes noch nicht zum Ausdruck, indem RAU selbst noch immer fortfuhr, den Wert als den Grad der Nützlichkeit zu definieren. Zutreffender bezeichnete THOMAS in seinem einer unverdienten Vergessenheit anheimgefallenen Werk über die Theorie des Verkehrs (1841) den Wert als eine "Gewichtigkeit", bis schließlich SCHÄFFLE die seither fast allgemein angenommene Definition des Wertes als einer "Bedeutung für die menschlichen Zwecke" einführte. Doch blieb auch jetzt noch eine Zeitlang eine gewisse Verschwommenheit der Ansichten in Bezug auf die Natur des Sachverhaltes bestehen, unter dem sich die bloße Fähigkeit der Güter, unseren Zwecken zu dienen, oder ihre Nützlichkeit zu einer tatsächlichen praktischen Bedeutung für dieselben steigert. Volle Deutlichkeit hierüber brachte erst MENGER (nachdem sein Vorläufer GOSSEN gleich THOMAS gänzlich unbeachtet geblieben war), indem er unter entsprechenden Erläuterungen die  Abhängigkeit  menschlicher Bedürfnisbefriedigungen von Gütern als dasjenige kausale Verhältnis bezeichnete, welches den Wert im Gegensatz zur bloßen Nützlichkeit begründet und demgemäß den Wert als die Bedeutung definierte, "welche konkrete Güter oder Güterquantitäten für uns dadurch erlangen, daß wir in der Befriedigung unserer Bedürfnisse von der Verfügung über dieselben abhängig zu sein uns bewußt sind". Hiermit war endlich der für die genauere psychologische Erklärung der Wirtschaftshandlungen unentbehrliche Begriff der "zum Handeln anregenden Wohlfahrsbeziehung" oder des heute so genannten subjektiven Wertes von dem der bloßen Nützlichkeit oder Brauchbarkeit der Güter klar und scharf abgelöst. Den hierfür heute üblichen Namen steuerte NEUMANN bei, indem er zuerst eine Unterscheidung zwischen subjektivem und objektivem Wert aufstellt, mit der er zwar anfangs bezüglich des subjektiven Wertese einen etwas anders gearteten Sinn verband, die aber später von anderen in der oben geschilderten Deutung aufgenommen wurde und seither nicht bloß in der deutschen, sondern vielfach auch in fremden Literaturen Aufnahme gefunden hat.

Wenn neuerdings hier und da die Forderung erhoben worden ist, den subjektiven Wert allein als "echten" Repräsentanten des Wertbegriffs gelten zu lassen und den objektiven Wert dieses Namens gänzlich zu entkleiden, so erscheint dies als ein Sprung in das entgegengesetzte Extrem, der ebensowenig zu billigen ist wie die ältere Einseitigkeit, mit welcher man den objektiven Tauschwert allein zu beachten gewohnt war. Zwar hat es unstreitig sein Mißliches und vielleicht sogar Gefährliches, wenn man gezwungen ist, den Namen Wert zweideutig auf zwei so verschiedene Phänomene anzuwenden, wie es einerseits die derbe äußerliche Tatsache, daß ein Gut um eine bestimmte Summe verkäuflich, und andererseits die feine innerliche Verkettung eines Gutes mit dem Gefühlsleben eines bestimmten Subjektes ist. Aber jener Name ist einmal durch die wissenschaftliche und die populäre Sprachübung mit beiden Phänomenen so fest verknüpft, daß der Wissenschaft kaum etwas anderes erübrigt, als jenen Namen in seiner doppelten Bedeutung zu bestätigen und den aus einer zweideutigen Terminologie hervorgehenden Gefahren durch die nachdrückliche Betonung des Artunterschiedes zwischen subjektivem und objektivem Wert zu begegnen.


II. Die Aufgaben der Werttheorie

Von der volkswirtschaftlichen Theorie des Wertes fordern wir, daß sie uns die Entstehung und insbesondere auch die Größe des wirtschaftlichen Wertes erklärt, und zwar ist, entsprechend der Doppeldeutigkeit dieses Namens, jene Erklärungsaufgabe natürlich für jede der beiden verschiedenen Erscheinungsgruppen zu leisten, die mit dem Namen des Wertes bezeichnet werden, sowohl für den subjektiven wie für den objektiven Wert der Güter. Die  Theorie des subjektiven Wertes  wird demgemäß darzulegen haben, unter welchen Umständen oder Bedingungen wir überhaupt jenes praktisch wirksame Interesse für Güter fassen, welches sich in der subjektiven Wertschätzung ausdrückt, sowie welche innere und äußere Bestimmungsgründe für den Grad jenes Interesses maßgebend sind. Die  Theorie des objektiven Wertes  wird sich dagegen vornehmlich mit der Erklärung des objektiven  Tausch wertes der Güter zu befassen haben. Dieser fesselt seit jeher das wirtschaftswissenschaftliche Interesse im hervorragendsten Maße, während andere Zweige des objektiven Wertes entweder (wie z. B. der Heiz- oder Nährwert überhaupt mehr nur ein technisches sowie ein wirtschaftliches Interesse besitzen oder aber (wie z. B. der Ertragswert) mit einem erheblich geringeren Apparat die nötige Erklärung finden können, als dies beim objektiven Tauschwert der Fall ist. Da der letztere in den Preisen zur Erscheinung kommt, welche für ein Gut zu erlangen sind, so fällt seine Erklärung inhaltlich zusammen mit der Erklärung der Preisbildung oder mit der Theorie des Preises. Die volle Erfüllung der theoretischen Aufgaben gegenüber den Erscheinungen des Wertes erfordert somit die Aufstellung einer Theorie des subjektiven Wertes und einer Preistheorie.

Die letztere Hälfte der theoretischen Aufgabe hat seit jeher in den volkswirtschaftlichen Schriften ihre ausgiebige Bearbeitung gefunden. Dagegen konnte begreiflicherweise, insofern man auf die Erscheinung des subjektiven Wertes noch gar nicht aufmerksam war, auch eine Theorie desselben sich noch nicht entwickeln, und es blieb daher erst der neuesten Literaturentwicklung vorbehalten, eine solche auszubilden und ihr in den theoretischen Systemen einen selbständigen Platz neben der seit jeher gepflegten Preistheorie einzuräumen.

Im Gegenstand verschieden und in der dogmatischen Darstellung jedenfalls zu sondern, sind diese beiden Theorien doch innerlich nahe verwandt. Es läßt sich von Haus aus erwarten und wird durch die neuesten Forschungen auf diesem Gebiet vollinhaltlich bestätigt, daß dieselben Bestimmungsgründe, welche einem einzelnen Individuum ein starkes oder schwaches praktisches Interesse an einem Gut einflößen, nicht ohne Einfluß bleiben können auf die Gestaltung der Bedingungen, unter welchen die Leute im sozialen Tauschverkehr jene Güter an sich zu ziehen suchen. Und es kann daher weiter nicht fehlen, daß man auch bei der Erklärung der sozialen Werterscheinungen schließlich auf dieselben Grundfrage stößt und zu ihnen Stellung zu nehmen gezwungen ist wie bei der Erklärung der individuellen Werterscheinungen. Dieser Umstand knüpft die beiderseitigen Erklärungsversuche gerade in dem grundlegenden Stück eng aneinander und ermöglicht es, die dogmengeschichtliche Entwicklung, zu deren Darstellung wir übergehen wollen, für beide Zweige des Wertes einheitlich zu verfolgen.


III. Zur Dogmengeschichte der Werttheorie

1. Einleitung

Jedem, der mit einem einigermaßen offenen Auge für die Tatsachen über die Ursachen der Entstehung und Größe des Güterwertes nachzudenken unternimmt, müssen unvermeidlich zwei Gedanken in den Weg treten, die ihn die Erklärung auf zwei verschiedenen Wegen zu suchen einladen. Der eine -wahrscheinlich der erste Gedanke - wird der sein, daß der Wert vom  Nutzen  kommen muß, den die Güter stiften. Ihm wird sich aber aufgrund von tausendfältigen, erfahrungsmäßigen Beobachtungen - z. B. daß die nützlichsten Dinge oft wenig oder gar keinen Wert haben, während minder nützliche Dinge, wenn sie schwer zu erlangen oder teuer zu produzieren sind, einen hohen Wert behaupten - sofort der zweite Gedanke an die Seite stellen, daß der Wert durch das  Opfer,  welches die Erlangung der Güter auferlegt, oder durch die  Kosten  bestimmt sein müsse.

Diese beiden Gedanken bilden den Stoff, mit welchem alle werttheoretischen Versuche gearbeitet haben. Alle aufgetauchten Werttheorien sind entweder Nutzwerttheorien oder Kostentheorien oder besonders häufig eine eklektische Verbindung beider. Insofern nämlich gewisse Gruppen oder Arten von Werterscheinungen in einem augenfälligen Zusammenhang mit den Opfern oder Kosten zu stehen schienen, pflegte man durch die Werterscheinungen eine Teilungslinie zu ziehen und einen Teil dem Nutzprinzip, den anderen dem Kostenprinzip zur Erklärung zuzuweisen. Dabei wirkte der Umstand, daß die beiden gleichzeitig angerufenen Erklärungsprinzipien zueinander in einem gewissen Gegensatz, und zwar mitunter sogar in einem recht scharfen Gegensatz stehen, von Anfang an bis auf den heutigen Tag als Ferment, welches die volle Beruhigung bei einer solchen zwiespältigen Erklärung nicht finden ließ. Bald hatte man Anlaß, lediglich darüber zu streiten, ob eine bestimmte Erscheinungsgruppe, die sich je nach der Handhabung der Auslegungskünste sowohl mit dem einen wie mit dem anderen Erklärungsprinzip in Zusammenhang bringen ließ, dem Reich des Nutzens oder dem der Kosten zugehört; bald stieß man sich an einzelnen besonders grellen Konsequenzen, die sich aus dem gleichzeitigen Regime zweier kontrastierender Prinzipien zu ergeben schienen (PROUDHONs berühmte "Contradicition économique", daß Dinge vom höchsten - aus dem Nutzen erklärten - "Gebrauchswert" wie Luft und Wasser oftmals den geringsten - unter dem Regime der Kosten stehenden - Tauschwert besitzen und umgekehrt!); schließlich hatte bald überhaupt der Gedanke etwas Verlockendes, für das ganze Gebiet des Wertes ein einheitliches Erklärungsprinzip aufzufinden, dem sich beide rivalisierenden Momente, so sehr sie auch vermöge ihres häufigen Kontrastes einer solchen Verschmelzung zu widerstreben scheinen, in irgendeiner Form ein- oder unterordnen ließen.

Im folgenden sollen die wichtigsten Strömungen, die sich in der bisherigen Entwicklung der Wertliteratu bemerkbar gemacht haben, nach ihren Hauptrichtungen kurz überblickt werden.


2. Die klassische Werttheorie

Den breitesten Raum in der bisherigen Literaturentwicklung nimmt die klassische  Werttheorie  ein. Sie empfing ihre Grundgedanken von ADAM SMITH, ihre prägnante Ausbildung von RICARDO. Um ihre fernere Ausgestaltung, Bereicherung und Berichtigung haben sich vornehmlich JOHN STUART MILL, CAREY und CAIRNES verdient gemacht. In ihrer ausgebildeten Gestalt hat sie etwa folgenden wesentlichen Inhalt:

Sie unterscheidet zunächst zunächst den Gebrauchts- vom Tauschwert. Der Gebrauchswert, den sie mit der bloßen Nützlichkeit der Güter identifiziert, beruth vollständig auf dem Nutzen. Rücksichtlich des Tauschwertes muß man unterscheiden zwischen solchen Gütern, die man durch Produktion beliebig vermehren kann, und zwischen nicht beliebig vermehrbaren oder "Seltenheitsgütern". Letztere, für welche man als beliebte Beispiele seltene Statuen und Gemälde, alte Bücher und Münzen, Weine von bestimmter ausgezeichneter Herkunft und andere ein natürliches oder künstliches Monopol genießende Güter aufzuzählen pflegte, erhalten ihren Wert lediglich durch den Grad einerseits der Begierde, mit welcher man sie zu erlangen wünscht, andererseits ihrer Seltenheit. Bei den beliebig vermehrbaren Gütern muß man abermals einen Unterschied ziehen: man muß unterscheiden zwischen dem normalen (A. SMITH sagt "natürlichen") Wert, welchen die beliebig vermehrbaren Güter auf die Dauer behaupten und zu welchen sie, wenn sie sich von ihm vermöge einer momentanen Gestaltung der Marktverhältnisse augenblicklich entfernt haben, immer wieder zurückzukehren tendieren; und zwischen dem durch die augenblickliche Marktgestaltung hervorgerufenen momentanen "Marktwert" oder "Marktpreis". Letzterer wird lediglich durch die augenblickliche Gestalt von Angebot und Nachfrage, ersterer dagegen durch die Höhe der Kosten bestimmt, zu welchen die Ware dauernd auf den Markt gebracht werden kann.

Dieser letztere, auf die dauernde Gestaltung des Wertes bezügliche Teil der Erkenntnis stand den Klassikern weitaus im Vordergrund des Interesses; er bildet den charakteristischen Kern ihrer Werttheorie, dem auch die umständlichsten und sorgfältigsten Detailausführungen gewidmet wurden. So kam in der vielerörterten Frage, welche Elemente als Kosten zu rechnen sind, die Meinung zum Durchbruch, daß alle Kosten sich in letzter Linie in zwei elementare Opfer auflösen lassen, in Arbeit einerseits und in ein Enthaltungsopfer (abstinence) des Kapitalisten andererseits. Die weitere Frage, ob die Opfer, welche die Erzeugung eines Gutes  gekostet hat  (Produktionskosten), oder aber jene, welche seine Wiedererzeugung  kosten würde  (Reproduktionskosten), maßgebend seien, wurde seit CAREY zugunsten der Reproduktionskosten entschieden. Bei einer Verschiedenheit der Kostenhöhe, zu welcher verschiedene Partien der auf den Markt kommenden Ware erzeugt werden, seien die "höchsten zur Versorgung des Marktes noch notwendig aufzuwendenden Kosten" entscheidend usw. Andererseits wurden auch die Schranken, die für die Geltung des "Kostengesetzes" bestehen, lebhaft erörtert. Es wurde festgestellt, daß das Kostengesetz nur unter der doppelten Voraussetzung einer vollkommen beliebigen Vermehrbarkeit der betreffenden Güter und einer vollkommen freien Konkurrenz zur vollen Geltung gelangen könne, und es wurde, zumal seit CAIRNES, der Einfluß erörtert, den der Bestand gesonderter Marktgruppen, zwischen denen aus irgendwelchen Gründen eine vollkommen wirksame Konkurrenz nicht platzgreifen kann (non competing groups), auf die Wertbildung der betreffenden Güter nimmt.

Fassen wir das Wesentliche kurz zusammen, so charakterisiert sich die klassische Werttheorie in hervorragendem Maße als eine eklektische Theorie. Sie erklärt den Gebrauchswert ganz und voll aus dem Nutzen, den normalen Tauschwert der beliebig vermehrbaren Güter ebenso ganz und voll aus den Kosten. Dazwischen bleibt als eine Art einstweilen noch unentschiedener Grenzzone das Gebiet der übrigen Tauschwertfälle (der Tauschwert der Seltenheitsgüter überhaupt und der  momentane  Marktwert der beliebig vermehrbaren Güter). Hier wird die Erklärung lediglich auf das "Verhältnis von Angebot und Nachfrage" zurückgeführt. Tatsächlich bietet diese Formel Anknüpfungspunkte an jedes der beiden rivalisierenden Prinzipien: die Nachfrage stützt sich offenbar auf den Nutzen der Güter, während sich ein starkes oder schwaches Angebot leicht als geringe oder große "Schwierigkeit der Erlangung" deuten läßt. In der Tat hat man später, als man das gesamte Gebiet der Werterscheinungen monistisch aus einem einzigen Prinzip zu erklären unternahm, das Geltungsgebiet von Angebot und Nachfrage je nach dem entgegengesetzten Standpunkt, den man hierbei vertrat, bald für das Herrschaftsgebiet des Nutzens (oder Grenznutzens), bald (wie z. B. SCHARLING) für die Schwierigkeit der Erlangung reklamiert. Die klassische Theorie führte jedoch die Analyse der etwas vagen und schlagwortartigen Begriffe Angebot und Nachfrage überhaupt noch nicht so weit, als daß sie in einer Frage aus einer unentschiedenen Haltung herauszutreten genötigt gewesen wäre. (2)


3. Die Arbeitswerttheorie

Die Theorie, welche den Wert der Güter auf die zu ihrer Erzeugung aufgewandte Arbeit gründet, ist ein Abkömmling der allgemeineren Kostentheorie; sie beruth auf der Annahme, daß die den Wert bestimmenden Kosten sich in letzter Linie alle auf Arbeit allein zurückführen lassen. Auch die Aufwendungen an Kapital, z. B. an Rohstoffen, die in der Produktion verbraucht werden, oder an Maschinen und Werkzeugen seien indirekt nur eine Aufwendung von Arbeit, die in einer früheren Periode der Herstellung dieser verschiedenen Kapitalgüter geleistet worden ist. Andere Elemente aber, welche allenfalls noch als notwendige "Opfer" in Frage kommen könnten, werden als solche nicht anerkannt, wie insbesondere die bei der Produktion mitwirkenden Naturkräfte und die "Abstinenz" der Kapitalisten.

Vereinzelte Anklänge an die Artbeitswerttheorie finden sich, zumal bei Philosophen, schon sehr früh, z. B. bei HOBBES und LOCKE. Ihren unmittelbaren Eintritt in die volkswirtschaftliche Theorie verdankt sie ADAM SMITH. Wie WIESER einmal geistvoll und richtig bemerkt hat, finden sich bei A. SMITH zwei Werttheorien, eine "philosophische" und eine "empirische". Seine philosophische ist die Arbeitswerttheorie. Eigentlich, meint er, seien die Güter nur so viel wert, als sie Arbeit gekostet haben und als ihr Besitz uns daher an Arbeit erspart. Aber diese Idee komme nur im wirtschaftlichen Ur- oder Naturzustand in ihrer vollen Reinheit zur Verwirklichung. Unter den tatsächlichen Verhältnissen unserer modernen Volkswirtschaft in welcher Kapitalbesitz und privates Grundeigentum vorherrscht, könne der Tauschwert der Güter sich nicht nach der aufgewendeten Arbeit allein richten, sondern müsse außer ihr auch noch den Zins des zur Produktion erforderten Kapitals und die Rente des erforderten Bodens vergüten. Hiermit lenkt SMITH, nachdem er einen Augenblick den Grundton der Arbeitswerttheorien angeschlagen hatte, in die "empirische" Kostentheorie hinüber, welcher er im weiteren Verlauf seines großen Werkes in der Hauptsache treu bleibt und an die sich auch die - schon geschilderte - Entwicklung der klassischen Werttheorie anschloß.

Ähnlich, aber dabei doch von charakteristischer Eigentümlichkeit, ist die Haltung RICARDOs. Er rezipiert sowohl den philosophischen Ausgangspunkt von der Arbeit als auch die praktischen Konzessionen an die empirische Wirklichkeit. Aber es gelingt ihm, die letzteren um ein wichtiges Stück zu reduzieren, indem er vermöge seiner berühmten Grundrententheorie die Ansprüche der Grundeigentümer aus den für den Tauschwert der Produkte maßgebenden Kosten eliminiert: die Grundrente ist niemals Ursache, sondern immer nur Folge eines höheren Tauschwertes der Produkte. Es hat daher außer der Arbeit nur noch  ein  Faktor, das Kapital, einen ursächlichen Einfluß auf die Gestaltung des Tauschwertes. RICARDO stellt jedoch - und das ist eine weitere charakteristische Besonderheit seiner Haltung - den Einfluß dieses zweiten Faktors, obwohl er ihn materiell vollständig anerkennt, formell an eine unscheinbare Stelle zurück, indem er durch eine systematische Voranstellung und oftmalige dialektische Hervorhebung die Arbeit als das leitende Hauptprinzip des Wertes hinstellt, dessen Wirksamkeit nur durch den mehr einschaltungsweise behandelten Einfluß der Kapitalverwendung eine gewisse Modifikation erleidet. Diese Behandlungsweise hat die eigentümliche Folge gehabt, daß RICARDO, der bei genauerem Zusehen nicht die Arbeitswerttheorie, sondern eine allgemeine Kostentheorie gelehrt hat (3), durch lange Zeit als einer der prononziertesten Vertreter der Arbeitstheorie gegolten hat.

Als solcher wurd und wird er insbesondere von den sozialistischen Schriftstellern berufen, welche als die eigentlichen Träger der Arbeitswerttheorie anzusehen sind. Während, wie gezeigt, die Grundidee dieser Theorie von SMITH und RICARDO zwar ausgesprochen, aber im Verlauf ihres Systems nicht konsequent festgehalten wurde und während die weitere Entwicklung der englischen Schule nicht in der Richtung der Arbeitswerttheorie, sondern in der der allgemeinen Kostentheorie erfolgte, wurde von den sozialistischen Schriftstellern der Satz, daß der Tauschwert aller Arbeitsprodukte auf der Arbeit allein beruth, nicht bloß begierig aufgegriffen, sondern auch mit voller konsequenter Strenge bewahrt. Nachdem durch längere Zeit auch die namhafteren unter den sozialistischen Theoretikern (THOMPSON, PROUDHON, LASSALLE, RODBERTUS) über die bloße Behauptung dieser These und über die Anrufung der klassischen Autoritäten für ihre Richtigkeit nicht viel hinausgegangen waren, unternahm KARL MARX einen interessanten Versuch, dieselbe mittels einer im Geiste hegelscher Dialektik gehaltenen Spekulation selbständig zu begründen. Er geht davon aus, daß alle tauschwerten Waren, die im Austausch einander gleichgesetzt werden, etwas Gemeinsames besitzen müssen, um dessen willen sie gleichgesetzt werden; sodann sucht er im Wege dialektischer Ausschließung zu zeigen, daß dieses Gemeinsame in keiner natürlichen Eigenschaft der Güter und insbesondere nicht in ihrer Nützlichkeit oder ihrem Gebrauchswert gelegen sein könne; das einzige ihnen sonst Gemeinsame sei aber die Eigenschaft der Waren, Arbeitsprodukte zu sein; und daraus folgert MARX, daß der Tauschwert ganz und gar auf Arbeit beruhen muß. Indem er zugleich an den älteren Formulierungen, in denen diese Theorie ausgedrückt zu werden pflegte, einige Berichtigungen und genauere Bestimmungen vornahm, erklärte er als den Maßstab des Güterwertes das Quantum "gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit", d. h. das Quantum an Arbeit, welches die Herstellung einer Ware unter "den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Grad von Geschick und Intensivität der Arbeit" erfordert. Kompliziertere Arbeit, wie die eines Künstlers oder besonders geschickten Arbeiters, müsse dabei auf einfache Arbeit "reduziert" und als ein Multiplum der letzteren in Anschlag gebracht werden.

Während die MARXsche Werttheorie in den Reihen der Sozialisten andauernd das größte, erst in der allerjüngsten Zeit etwas erschütterte Ansehen genießt, ist dieselbe von der gelehrten Kritik wohl endgültig als unzulänglich erwiesen worden. (4) Abgesehen davon, daß ihre dialektische Begründung nichts weniger als zwingend ist, tritt sie zu den Tatsachen mehrfach in einen unlösbaren Widerstreit. Insbesondere widerstreitet ihr die zweifellose Erfahrung, daß der Tauschwert solcher Produkte, deren Erzeugung auf mehr oder weniger zeitraubenden Umwegen oder, was in anderen Worten dasselbe sagt, mittels einer mehr oder weniger lang dauernden Investition von Kapital erfolgt (5), tatsächlich nicht im Verhältnis zur aufgewendeten Arbeit allein steht, sondern auch, und zwar sehr wesentlich, durch die Rücksicht auf die Größe und Dauer der Kapitalinvestition mit beeinflußt wird. (6) Auch liegt in der notgedrungenen Anerkennung, daß qualifizierte Arbeit ihren Produkten einen höheren Wert verleiht als einfache Arbeit, im Grunde nicht eine genauere Bestimmung, sondern eine schlecht verhüllte Abweichung vom Grundprinzip der MARXschen Lehre, daß die Menge oder Zeit der aufgewendeten Arbeit den Tauschwert bestimmt; tatsächlich liegt nämlich hierin das Eingeständnis, daß es außer auf die  Menge  auch noch auf den  Wert  der aufgewendeten Arbeit ankommt, womit die Erklärung in ein ganz anderes Geleis einlenkt.


4. Die Nutzwerttheorien

Während die Lehre, daß der Wert der Güter durch ihre Kosten bestimmt wird, in der klassischen Werttheorie nicht bloß eine höchst ausgebreitete Geltung, sondern auch einen bedeutenden Grad systematischer Ausbildung erlangt hatte, kam die entgegenstehende Meinung, die den Wert der Güter auf ihren Nutzen basierte, durch lange Zeit zu keiner nennenswerten Entwicklung. Zwar in ihrer Anwendung auf den Gebrauchswert war sie ganz allgemein anerkannt; aber die geringe Beachtung, die man dem Gebrauchswert selbst zuteil werden ließ, drückte natürlich auch die wissenschaftliche Bedeutung der Erkenntnis herab, daß derselbe auf dem Nutzen beruth; und da man überdies gewöhnlich den Gebrauchswert mit der bloßen Nützlichkeit verwechselte, an der in der Tat wenig zu erklären war, wurde das ganze Thema gewöhnlich mit irgendeiner flüchtigen und lakonischen Bemerkung abgetan.

Was den Tauschwert anbelangt, so hat es zwar zu keiner Zeit an Gelehrten gefehlt, welche der naheliegenden Emfindung Ausdruck gaben, daß auch der Tauschwert seine Wurzel in der Nützlichkeit habe, zu der dann nur als zweite Bedingung eine gewisse "Seltenheit" des nützlichen Dings hinzutreten muß. Für die nicht beliebig vermehrbaren Güter, wie alte Gemälde, Münzen und dgl. war dies ja auch allgemein anerkannt. Manche Schriftsteller gingen nun allerdings weiter und stellten für das  ganze  Gebiet des Tauschwertes, auch für den Tauschwert der beliebig vermehrbaren Güter, die Nützlichkeit und Seltenheit als die eigentlich regierenden, wahren Bestimmgründe hin. Gegen die rivalisierende Kostentheorie pflegten sie wohl, ohne natürlich das empirische Zusammenstimmen von Kosten und Tauschwert leugnen zu können, die Einwendung zu erheben, daß die Dinge nicht deshalb einen Wert besitzen, weil sie Kosten erfordern, sondern daß man gerade umgekehrt nur dann und deshalb Kosten aufwendet, weil die betreffenden Dinge einen die Kosten lohnenden Wert besitzen. Im Ganzen hatten jedoch diese älteren Nutzwerttheorien (7) wenig Erfogl. Ihre Hauptschwäche war, daß sie ihre allgemeinen Behauptungen über den Ursprung des Wertes aus dem Nutzen nicht klar ins Detail zu verfolgen und insbesondere keinen befriedigenden Nachweis darüber zu erbringen vermochten, daß und wie die verschiedene Höhe des Tauschwertes sich jedesmal auf einen verschiedenen Grad des Nutzens zurückführen läßt. Sie räsonnierten mehr nur, daß es so sein muß, als daß sie konkret darzulegen vermocht hätten, daß es wirklich so sei. Während sie selbst hierbei über die äußerst vage und wegen ihrer Vagheit unbefriedigende Formel von Angebot und Nachfrage nicht viel hinauskamen, hatte die konkurrierende Kostentheorie in den Kosten einen viel konkreteren, ziffernmäßig bestimmten und in seiner Wirkung deutlich verfolgbaren Bestimmgrund aufgestellt, den die Nutzwerttheorien zwar kritisch zu bezweifeln, aber in keiner Weise zu ersetzen vermochten. Unter diesen Umständen war es nur natürlich, daß die öffentliche Meinung der Wissenschaft von der Kostentheorie, die ihr eine vergleichsweise sicherere und inhaltsreichere Erkenntnis zu bieten schien, nicht abwendig machen ließ. Auf Eindrücke dieser Art sind wohl auch die gar nicht seltenen Fälle zurückzuführen, daß Schriftsteller, die von der Nützlichkeit und Seltenheit ihren Ausgang nehmen, mittels einer gewissen Schwenkung ihren Übergang in das Lager der Kostentheorie vollziehen, indem sie, das Merkmal Seltenheit genauer erläuternd, bemerken, daß die Seltenheit eigentlich auf einer "Schwierigkeit der Erlangung" beruth, womit dann der Übergang zur Betrachtung der Produktionsbedingungen, Produktionsopfer oder Kosten leicht gefunden war.

Zu einer größeren Bedeutung gelangten die Nutzwerttheorien erst im Gefolge jener literarischen Bewegung, welche den subjektiven Wert zu größerer Beachtung brachte. Sie trat nunmehr in der bestimmteren Gestalt der Theorie des  Grenznutzens  (8) auf, wonach nicht die abstrakte Nützlichkeit, sondern jedesmal der letzte, der geringste Nutzen, zu dem eine wirtschaftende Person nach der Gesamtlage ihrer Bedürfnisse und ihrer Deckungsmittel ein ihr zur Verfügung stehendes Gut wirtschaftlicher Weise noch verwenden darf, über den Wert desselbe entscheidet. Diese Lehre, welche zuerst ohne allen äußeren Erfolg vom Deutschen GOSSEN vorgetragen worden war, wurde später fast gleichzeitig und in völlig unabhängiger Weise in England, Österreich und der Schweiz von JEVONS, CARL MENGER und WALRAS in die Wissenschaft eingeführt und hat seither eine große Ausbreitung bei fast allen Nationen und einen bedeutenden Grad von Ausbildung erlangt, um die sich in Holland namentlich N. G. PIERSON und seine Schule, in Österreich WIESER, SAX, AUSPITZ und LIEBEN, in England MARSHALL, EDGEWORTH, SMART, BONAR und WICKSTEED, in Italien PANTALEONI, RICCA-SALERNO und GRAZIANI, in Frankreich GIDE und ST. MARC, in der Schweiz PARETO und SULZER, in Schweden KNUT WICKSELL, in Amerika J. B. CLARK, PATTEN und IRVING FISHER Verdienste erworben haben.

Infolge dieser Entwicklung der Nutzwerttheorie erhielt auch der alte zwischen ihr und der Kostentheorie schwebende Streit neue Nahrung, zugleich aber auch eine veränderte Richtung. Einerseits wurde, und zwar jetzt mit größerer Präzision, der Versuch erneuert, außer dem Gebrauchswert auch den Tauschwert für die überwiegende Mehrzahl der Fälle aus dem Nutzen zu erklären, wobei der empirische Einfluß der Kosten auf den Wert keineswegs verleugnet, sondern der Versuch gemacht wurde, diesen Einfluß selbst als eine Wirkungsweise des Prinzips des Grenznutzens, angewendet auf den Wert der Produktivmittel oder Kostengüter, zu erläutern. Bedeutete dies gewissermaßen eine Invasion der Nutzwerttheorie in jenes Gebiet, welches die klassische Theorie dem Kostenprinzip zugesprochen hatte, so erfolgte aber gleichzeitig auch eine Invasion in umgekehrter Richtung: eine Invasion des Kostenprinzips in das von den Klassikern dem Nutzwert vorbehaltlos zugesprochene Gebiet des Gebrauchswertes. Indem man nämlich den eigentlichen subjektiven Wert von der bloßen Nützlichkeit unterscheiden lernte, wurde man gewahr (was vereinzelt allerdings auch schon in älterer Zeit bemerkt worden war), daß alle diejenigen Einflüsse, die überhaupt von seiten der Kosten auf den Wert geübt werden können, nicht nur im Falle des Tausches, sondern auch bei der Beurteilung des Wertes der zum eigenen Gebrauch bestimmten Güter wirksam werden. Schriftsteller also, die (wie z. B. SCHARLING oder DIETZEL) die Kosten oder die Schwierigkeit der Erlangung überhaupt als das dominierende Grundprinzip des Güterwertes ansehen, erklärten folgerichtig, daß auch das Gebiet des Gebrauchswertes demselben unterworfen ist. So viel wurde gewiß, daß die rivalisierenden Ansprüche des Nutz- und des Kostenprinzips sich nicht mehr nach alter Weise durch eine äußerliche Teilungsline zwischem dem Gebrauchs- und Tauschwert auseinanderhalten lassen, sondern in anderer Weise, und zwar jedenfalls für Gebrauchs- und Tauschwert in einheitlicher Weise, ausgetragen werden müssen.

Die unvermeidlichen Auseinandersetzungen hierüber sind nicht ausgeblieben und haben, wenn auch ein völlig abgeschlossenes und allseitig anerkanntes Ergebnis noch immer nicht erreicht ist, jedenfalls zu einem starken Vordringen der Ideen des Nutzwertes geführt. Ein Überblick über den heutigen Stand der Meinungen scheint mir das folgende Bild aufzuweisen: Falls man von den parteipolitischen Vertretern der reinen Arbeitswerttheorie und von der immer mehr abnehmenden Zahl derjenigen absieht, welche, ganz unberührt von den Ergebnissen der neueren Forschungen, an der klassischen Werttheorie ohne irgendeine Veränderung festhalten zu können glauben, lassen sich etwa fünf heute noch vertretene Meinungsnuancen unterscheiden. Die Zahl der Anhänger verteilt sich aber sehr ungleich auf dieselben, indem die weitaus zahlreichste Vertretung auf die beiden Gruppen  drei  und  fünf  entfällt.

Eine  Gruppe, als deren typischer Vertreter vielleicht der ausgezeichnete dänische Forscher SCHARLING bezeichnet werden kann, stellt für das ganze Gebiet des Wertes, Gebrauchs- und Tauschwertes, einen einzigen beherrschenden Bestimmungsgrund in der  Schwierigkeit der Erlangung  auf. (9) Eine  zweite  Gruppe, welche am prägnantesten durch DIETZELs ältere Schriften vertreten wird (10), scheidet die beliebig reproduzierbaren von den nicht beliebig reproduzierbaren Gütern; für die ersteren trete die Bestimmung des Wertes (und zwar sowohl des Gebrauchs- als auch des Tauschwertes) nach den  Kosten,  für die letzteren nach dem  Nutzen  (Grenznutzen) ein. Eine  dritte  Meinung, die namentlich durch viele neuere englische Schriftsteller und unter anderen auch durch MARSHALL und EDGEWORTH vertreten wird, unterscheidet sich von der vorigen dadurch, daß sich die Kosten niemals als  alleinigen  letzten Bestimmungsgrund des Wertes anerkennt, sondern dort, wo sie überhaupt Einfluß ausüben, den Wert durch sie und durch den (Grenz-)Nutzen so paritätisch bestimmen läßt, wie etwa die beiden Klingen einer Schere paritätisch ineinander greifen. Eine  vierte  Meinung - die jedoch vielleicht auch von solchen Schriftstellern, die vereinzelte auf sie hindeutende Äußerungen gemacht haben, nicht in ihrer vollen Strenge festgehalten zu werden wünscht (11) - sucht alle Werterscheinungen ausschließlich aus dem  Nutzen  (Grenznutzen) abzuleiten, während schließlich eine  fünfte  Meinung zwar den Produktionsopfern eine gewisse Rolle in der Wertbestimmung neben dem Grenznutzen zuweist, die Bedingungen aber, unter welchen der eine und der andere Bestimmungsgrund endgültig scheidet, anders abgegrenzt als nach dem herkömmlichen Merkmal der "beliebigen Reproduzierbarkeit". Da die an letzter Stelle genannte Meinung, welche auch von mir geteilt wird, aus der nachfolgenden Skizze einer positiven Theorie des Wertes ersichtlich werden wird, ist es nicht nötig, sie an dieser Stelle deutlicher zu beschreiben.


IV. Elemente der positiven Theorie
des subjektiven Wertes

Die Theorie des objektiven Tauschwertes hat bereist unter der Aufschrift der Theorie des Preises, mit welcher sie inhaltlich zusammenfällt, ihre Berücksichtigung gefunden. (12) An dieser Stelle ist daher nur noch ein Überblick über die wesentlichsten Grundsätze zu geben, die sich auf den Ursprung und die Größengesetze des  subjektiven Werts  beziehen.


1. Der Ursprung des subjektiven Güterwertes

Wir messen einem Gut subjektiven Wert bei, so oft wir die Erreichung eines Wohlfahrtszwecks, sei es die Gewinnung eines positiven Nutzens oder die Abwendung eines Leides, von diesem Gut abhängig wissen. Dieser Tatbestand ist von dem der bloßen Nützlichkeit der Güter wesentlich verschieden; der Unterschied läßt sich am besten an einem vielbenutzten Beispiel darlegen. Wenn ich aus einer reichlich fließenden Quelle Wasser nach Belieben schöpfen kann, so wird eine bestimmte Menge dieses Wassers, z. B. ein einzelner Liter Wasser, zwar ganz gewiß die Tauglichkeit, mir zur Löschung meines Durstes zu dienen, oder die Eigenschaft der Nützlichkeit besitzen. Aber ich werde mich mit der Löschung meines Durstes von ihm nicht abhängig wissen, weil ich ja, wenn ich diesen einen bestimmten Liter Wasser nicht hätte oder wieder vergießen würde, in jedem Augenblick aus der Quelle einen anderen Liter schöpfen und mit ihm meinen Durst löschen könnte. Meine Durstlöschung ist mit ihm und ohn ihn in gleicher Weise gesichert, sie ist von seinem Besitz unabhängig. Denken wir uns dagegen einen Wüstenreisenden, dessen knapp bemessener Wasservorrat auf einen einzigen, letzten Liter Wasser zusammengeschmolzen ist, so ist auf den ersten Blick klar, daß hier die Interessen in ganz anderer Weise berührt werden. Der Besitz jenes Liters Wassers sichert dem Reisenden die Möglichkeit, seinen Durst zu löschen, während sein Verlust ihn den Qualen des Todes preisgeben würde. Er fühlt sich daher in seiner Bedürfnisbefriedigung vom Besitz jenes Liters abhängig; dieser erscheint ihm mit Recht für seine Wohlfahrt  wichtig  oder  wertvoll. 

Dieses verschiedene Urteil wird sich auch in einer ebenso verschiedenen Handlungsweise ausdrücken: wer an der reichlichen Quelle sitzt, wird es sich keinerlei besondere Mühe oder Sorgfalt kosten lassen, einen bestimmten Liter Waser vor dem Verschütten oder ungenützten Abfließen zu bewahren, und er wird sich sehr leicht dazu bestimmen lassen, ihn einem anderen zu überlassen, während der Wüstenreisende seinen Liter auf das sorgfältigste verwahren und vielleicht nur gegen schweres Geld, vielleicht aber auch um gar keinen Preis einem anderen zu überlassen geneigt sein wird.

Der Tatbestand, unter dem sich die bloße Nützlichkeit zum Wert steigert, läßt sich allgemein dahin präzisieren, daß zur Nützlichkeit sich eine gewisse  "Seltenheit"  gesellen muß: eine Seltenheit nämlich im Vergleich zum Bedarf, der nach Gütern der betreffenden Art besteht. So oft Güter in einem solchen Überfluß vorhanden sind, daß alle Bedürfnisse, zu deren Befriedigung sie dienen können, vollauf gedeckt sind und darüber hinaus noch ein unverwendbarer Überschuß besteht, haben bestimmte Quantitäten derselben für uns keine praktische Bedeutung und werden daher als "wertlos" behandelt, wie z. B. die freien Güter Luft und Wasser, Holz in Urwaldgegenden. Ist dagegen, was bei den weitaus meisten Gütern der Fall ist, der knapp verfügbare Vorrat von ihnen so knapp, daß man dasjenige Stück oder diejenige konkrete Menge, um deren Schätzung es sich handelt, nicht entbehren kann, ohne eine Lücke in unsere Bedürfnisbefriedigung zu reißen, dann entsteht zugleich mit der Erkenntnis, daß an jedem solchen Gut ein Stück unserer Wohlfahrt oder Annehmlichkeit hängt, jene vernunftgemäße praktische Hochschätzung, die wir als "Wert" bezeichnen.

Hinzuzufügen ist, daß Gegenstand derart praktischer Wertschätzungen immer nur bestimmte Güterstücke oder Gütermengen werden, niemals eine Gütergattung in abstracto. Wenn ich ein Pferd oder zehn Pferde verkaufen will, so werde ich mir eben ein Urteil darüber zu bilden haben, ob und welchen Wert ein Pferd oder zehn Pferde für mich haben. Dagegen hat die akademische Reflexion, welchen Wert etwa die Gattung "Pferd" in abstracto für das Menschengeschlecht haben mag, einen Teil an der Bestimmung der praktischen Wirtschaftshandlungen der Menschen und daher auch keine Bedeutung für die Wirtschaftswissenschaft, welche in der Erklärung jener Handlungen ihre Aufgabe findet.


2. Die Größe des Wertes

In letzter Linie ist unsere Wohlfahrt, wie sie der Grund aller Wertschätzungen von Gütern ist, so auch der Gradmesser derselben. Wir messen einem Gut einen in dem Grad höheren oder geringeren Wert bei, wie wir von demselben ein wichtigeres oder minder wichtiges Wohlfahrtsinteresse abhängig wissen. Im einzelnen kann aber unsere Wohlfahrt in zweierlei Weise mit dem Besitz eines Gutes verknüpft sein: entweder so, daß das Gut uns einen Nutzen verschafft, den wir ohne dasselbe entbehren müßten; in diesem Fall ist der  Nutzen  des Gutes der Gradmesser des Wertes. Oder so, daß wir durch den Besitz des Gutes irgendeines persönlichen Opfers an Leid, Anstrengung oder Plage enthoben werden, welche wir andernfalls für die Erlangung des (keinesfalls zu vermissenden) Gutes auf uns nehmen müßten; in diesem Fall ist das ersparte  Opfer  der Gradmesser des Wertes. Die wichtigste Aufgabe der Werttheorie ist nun, darzulegen, unter welchen Umständen und in welcher Weise der eine und der andere der beiden Gradmesser in Wirksamkeit tritt. Für diese Untersuchung sind zweckmäßig drei Gruppen von Fällen zu unterscheiden.


a) Die Wertschätzung von Gütern aus
einem gegebenen Vorrat.

Voraussetzung ist, daß eine wirtschaftende Person von einer bestimmten Güterart einen bestimmten Vorrat hat, welcher entweder überhaupt nicht oder doch zeitweilig nicht ergänzt oder vermehrt werden kann, so daß der Wirtschaftende bei rationaler Einrichtung seiner Bedürfnisbefriedigung mit ihm wie mit einer festen, gegebenen Größe rechnen muß. Unter diesen Umständen ist es klar, daß die Verfügung über ein Gut mehr oder weniger die Verfügung über einen Nutzen oder eine Bedürfnisbefriedigung mehr oder weniger bedeutet, daß daher das Maß dessen, was für unsere Wohlfahrt von einem solchen Gut abhängt, jedenfalls von einem Nutzen abzuleiten ist, der von ihm herstammt. Hierbei ist jedoch noch eine Frage zu lösen. Wenn unser Vorrat aus einem einzigen Stück besteht, dann kann auch über die Art und Größe des Nutzens, der von ihm abhängt, keinerlei Zweifel bestehen: es ist zweifellos derjenige Nutzen, zu dem wir das Gut tatsächlich zu verwenden beabsichtigen und den wir natürlich einbüßen würde, wenn wir jenes einzige Gut nicht hätten. Dagegen steht eine gewisse Verwicklung in jenen überaus zahlreichen Fällen, in denen es sich um die Schätzung eines einzelnen Gutes aus einem mehrere Exemplare oder größere Quantitäten umfassenden Vorrat handelt, z. B. um den Wert einer Metze [20 Liter in Nürnberg - wp] Korn aus einem Gesamtvorrat von fünf Metzen. Hierbei ist folgendes zu beachten.

Die Bedürfnisse, zu deren Befriedigung wir die einzelnen Teilmengen eines größeren Vorrates verwenden, sind fast immer von verschiedener Wichtigkeit; teils, weil es sich von Haus aus um Bedürfnisgattungen von verschiedener Wichtigkeit handelt - z. B. die Verwendung des Korns zu unserer Ernährung wird uns im allgemeinen wichtiger sein als jene zur Bereitung von Kornbranntwein - teils weil innerhalb derselben Bedürfnisgattung konkrete Bedürfnisregungen von sehr ungleicher Wichtigkeit vorkommen - z. B. das konkrete Nahrungsbedürfnis eines Hungernden wird erheblich dringender sein, als das eines schon halb Gedättigten. (13) Wenn nun vom Besitzer eines Vorrates z. B. von fünf Metzen Korn eine Metze zur dringendsten Lebensfristung, dann je eine weitere Metze zur Vervollständigung der persönlichen Ernährung, zur Fütterung von Nutztieren und zur Gewinnung von Branntwein und schließlich eine letzte Metze in Ermangelung einer nützlicheren Verwendung zur Haltung von Luxustieren bestimmt und verwendet wird, so entsteht die Frage, nach welcher dieser im Rang so verschiedenen Nutzverwendungen je eine Metze zu bewerten ist.

Diese Frage ist zu beantworten zugunsten der  letzten, mindestwichtigen Verwendung;  denn offenbar würde man diese und nicht irgendeine wichtigere Verwendung unterlassen - man würde aufhören Luxustiere zu füttern, aber keineswegs sich selbst zu ernähren - wenn man um eine Metze weniger zu seiner Verfügung hätte. Allgemein gesprochen: bei der Schätzung eines Exemplares oder einer bestimmten Teilmenge aus einer größeren Güterquantität bestimmt sich der subjektive Wert der Gutseinheit nach dem Nutzen, welchen die  letzte  verfügbare Teilquantität uns gewährt oder, wie wir es kurz ausdrücken, nach dem  Grenznutzen  des Gutes. (14)

Es liegt auf der Hand, daß die Höhe des Grenznutzens selbst wieder bestimmt wird einerseits durch den Stand - Zahl und Wichtigkeit - der Deckung fordernden Bedürfnisse, andererseits durch die Größe des verfügbaren Gütervorrats: je größer der letztere, desto unwichtigere Bedürfnisse können noch zur Befriedigung gelangen und desto tiefer im Rang steht daher der letzte, der Grenznutzen, und mit ihm der Wert. Dies ist die natürliche Erklärung der bekannten Tatsache, daß die Steigerung der Menge eines Gutes auf dasselbe entwertend wirkt, sowie auch der oft mit Befremden betrachteten Erscheinung, daß die nützlichsten Gütergattungen, wie Luft, Wasser, Brot, Eisen, einen so geringen oder selbst gar keinen Wert haben: wenn Güter in vollem Überfluß vorhanden sind, so daß ihnen gar kein unbefriedigtes Bedürfnis mehr gegenübersteht, sinkt eben der "letzte" Nutzen und mit ihm der Wert auf Null herab.


b) Die Wertschätzung von Gütern, die um den
Preis persönlicher Opfer frei ersetzbar sind.

Voraussetzung dieses Falles ist, daß jemand ein Gut besitzt, welches er erforderlichenfalls um den Preis eines persönlichen Opfers, z. B. durch Aufwendung einer einstündigen Arbeitsplage, zu ersetzen bereit und in der Lage wäre. Zum Beispiel  Robinson  besitzt ein Dutzend Pfeile, die er in einer Stunde von neuem schnitzen könnte. In diesem Fall hängt für ihn vom Besitz der Pfeile nicht deren positiver Nutzen ab - den er sich ja durch die Anfertigung eines neuen Dutzends in jedem Fall sichern könnte und würde -, sondern einfach eine einstündige Arbeitsplage mehr oder weniger. Er wird daher den Wert des Dutzends Pfeile folgerichtigt bemessen an der Größe des Leides, das ihm die Verlängerung seiner Arbeitsplage um die der Wiederherstellung der Pfeile zu widmende Stunde verursachen würde.

Die Anwendung dieses Schätzungsmaßstabes ist jedoch an zwei Voraussetzungen geknüpft, die oben durch die Worte "zu ersetzen vbereit und  in der Lage"  angedeutet worden sind. Erstens muß der positive Nutzen (oder Grenznutzen) des Gutes größer sein als das für den Ersatz zu übernehmene Leid - sonst würde man eben um den Preis des letzteren das Gut überhaupt nicht wiederherstellen, und an seinem Besitz und Verlust würde, gerade wie im Fall  a),  nur die Erlangung oder Nichterlangung jenes positiven Nutzens hängen - und zweitens, man muß in der Lage sein, über das Maß der Plage, das man überhaupt zu wirtschaftlichen Zwecken auf sich nehmen will, bis zu einem gewissen Grad frei zu entscheiden. Genauer bestimmt: die Situation muß so geartet sein, daß man um des Ersatzes der Pfeile willen, irgendeine (z. B. achte, zehnte oder zwölfte) Stunde sich plagen würde, während welcher man ohne diesen speziellen Anlaß geruht hätte. Denn nur dann ist das persönliche Wohlbefinden mit dem Besitz der Pfeile wirklich so verkettet, daß von letzterem ein Mehr oder Weniger an Plage abhängt. Wäre dagegen das Maß der Arbeitsplage von vornherein ein fixes, z. B. bei einem unveränderlichen zehnstündigen Arbeitstag, dann würde auch die Notwendigkeit, die Pfeile zu ersetzen, nicht zu einer vermehrten persönlichen Plage, sondern vielmehr dazu führen, daß von der fixen zehnstündigen Arbeitszeit eine Stunde anderen Nutzzwecken entzogen werden müßte. Damit würde aber das, was mit dem Gut für  Robinson  eigentlich auf dem Spiel steht, vom Gebiet des persönlichen Opfers fort- und wieder auf das Gebiet des Güternutzens hinübergewälzt, nämlich auf den Nutzen derjenigen Güter, die man in jener Arbeitsstunde, die jetzt für die Pfeile in Anspruch genommen wird, sonst erzeugt hätte und jetzt entbehren muß.

Damit lenken wir aber schon in die dritte Gruppe von Fällen über, die wir zu unterscheiden haben.


c) Die Wertschätzung von Gütern, die, bei einem gegebenen
Vorrat von Produktivmitteln
(Tauschmitteln) (15), aus diesem
nach Maßgabe seines Zulangens beliebig ersetzt werden können.

Die Voraussetzungen dieses Falles sind folgendermaßen zu stellen: Es handelt sich um die Schätzung von Gütern, welche der Schätzende in jedem Augenblick nach Belieben aus dem ihm zur Verfügung stehenden Fond von Produktionsmitteln ersetzen oder vermehren kann: mit der einzigen, jedoch sehr wichtigen Beschränkung, daß jener Fond von Produktivmitteln selbst ein bestimmt begrenzter ist. Hierzu gesellt sich nicht notwendig, aber gewöhnlich noch der weitere Umstand, daß auf jenen Fond nicht bloß eine einzige, sondern viele oder alle Güterarten mit ihrer Ergänzung oder Erneuerung angewiesen sind.

Der jetzige Fall steht in eigentümlicher Weise in der Mitte zwischen dem ersten und dem zweiten Fall. Mit dem letzteren hat er gemeinsam, daß in erster Linie eine Schätzung nach Opfern oder Kosten Platz greift. Wenn wir nämlich das zu schätzende Gut in jedem Augenblick mit einem gewissen Opfer an Produktivmitteln ersetzen können, kann es uns nicht mehr wert sein als eben dieses Opfer, das sein Ersatz uns kosten würde. Aber - und hierin nähert sich der jetzige Fall wieder dem ersten - dieses Opfer findet in letzter Linie sein eigenes Maß doch wieder in einem Nutzen. Wenn nämlich, wie vorausgesetzt, der Ersatz aus einem fest begrenzten Vorrat von Produktivmitteln genommen werden muß, der jedenfalls in seiner Gänze zur Erzeugung von Gütern verwendet worden wäre, so ist es klar, daß der Ersatz für ein bestimmtes Gut nicht beschafft werden kann, außer indem an einer anderen Stelle eine Lücke in die Güterversorgung und Bedürfnisbefriedigung gerissen wird. Man kann nicht einen Arbeitstag oder eine Arbeitsstunde mehr zum Ersatz eines bestimmten Gutes  X  verwenden, ohne nicht, wenn das Gesamtausmaß der zu leistenden Arbeitsmenge durch äußere Verhältnisse fixiert ist, einen Arbeitstag oder eine Arbeitsstunde weniger für die Erzeugung irgendeiner anderen Güterart  Y  übrig zu haben. Die Erzeugung des  X  kostet in letzter Linie den Nutzen irgendeines Gutes  Y;  und da man selbstverständlich die Mindererzeugung bei derjenigen Güterart eintreten lassen wird, welcher man dem geringsten Wert beilegt, so bemißt sich die Größe jenes Opfers schließlich nach dem Grenznutzen des  mindestwertigen Produktes,  das man mittels einer gleichen Menge von Produktivkräften hervorbringen kann.  Robinson  wird die Pfeile, deren er zur Verteidigung seines Lebens bedarf, nur gerade so hoch schätzen, wie er den Nutzen des entbehrlichsten seiner Küchengeräte schätzt, wenn und insofern er es in der Hand hat, eine Arbeitsstunde nach Belieben und rechtzeitig entweder in Pfeile oder in in Küchengerät zu metamorphosieren. So leitet die Wertschätzung der vermehrbaren Güter unter den Voraussetzungen unseres jetztigen Falles auf dem Umweg über die Kosten doch wieder auf einen Nutzen als entscheidenden Gradmesser des Wertes zurück.

In der Robinsonade, wo alle Dispositionen über alle Produktivkräfte von ein und derselben Person getroffen werden, liegen auch alle diese Zusammenhänge zwischen Opfer und Nutzen nahe und deutlich vor Augen. In der voll entwickelten arbeitsteiligen Volkswirtschaft bestehen dieselben Zusammenhänge: aber Anfang und Ende sind hier weiter auseinandergerückt, und es schiebt sich eine Anzahl äußerlich selbständiger Zwischenglieder, in der Gestalt der verschiedenartigen Produktivgüter ein, die zur Herstellung eines Produktes dienen und die vom Standpunkt des Produzenten als seine "Kosten" erscheinen. Hat dann, wie gewöhnlich, der Produzent die von ihm benötigten Produktivgüter, Rohstoffe, Werkzeuge, Lohnarbeit usw., aus fremden Wirtschaften um einen bestimmten Preis gekauft, so überblickt er - und hat auch nicht nötig mehr zu überblicken - lediglich jenes Stück des ganzen Zusammenhangs, das ihn persönlich berührt: nämlich den Zusammenhang des Wertes seiner Erzeugnisse mit den von ihm ausgelegten "Kosten". Darum ist auch dieses Stück des Zusammenhangs,d das den Inhalt des sogenannten Kostengesetzes bildet, so offenkundig, so leicht kontrollierbar und der öffentlichen Meinung nicht bloß der Wissenschaft, sondern auch des praktischen Lebens so geläufig. Dagegen liegt der restliche Teil des Zusammenhangs, der die Höhe der "Kosten" selbst wieder mit irgendeinem Nutzen oder Grenznutzen in Beziehung zeigt, gewöhnlich außerhalb des Gesichtsfeldes der einzelnen wirtschaftenden Individuen und erfordert zu seiner Wahrnehmung einen auf das Große und Ganze der gesellschaftlichen Wirtschaft gerichteten Blick, wie ihn in der Regel nur die wissenschaftliche Untersuchung zu vermitteln imstande ist. Das Bindeglied, das hier die Erkenntnis des ganzen Zusammenhangs vermittelt, ist der  Wert der Produktivgüter. 


d) Der Wert der Produktivgüter

Wir schätzen die Produktivgüter im allgemeinen nach dem Grad der Beihilfe, die sie uns zur Erlangung von Produkten gewähren. Diese drückt sich aus in der Menge und dem Wert der Produkte, deren Besitz und Genuß wir durch sie erlangen können. Dieser Zusammenhang ist nahe und klar, wenn ein bestimmtes Produktivgut nur zur Erzeugung einer einzigen Gattung von Produkten tauglich ist, so ist es offenkundig, daß der Wert eines Weinberges durch die Menge und Güte des Weines bedingt ist, der auf ihm wächst, daß der Wert einer Kupfermine sich außer nach ihrer Ergiebigkeit auch nach dem Wert des Kupfers richtet und dgl. Sehr viele Produktivgüter besitzen aber eine vielseitige Verwendbarkeit zur Erzeugung verschiedenartiger Produkte. Ihnen gegenüber tritt, sofern ihre Menge dauernd oder zeitweilig als eine gegebene angesehen werden kann, wie im Fall  a),  die Schätzung nach dem Grenznutzen ein; man schätzt nämlich die Einheit derselben nach der letzten unter jenen verschiedenartigen Verwendungen, zu der man sie mit Rücksicht auf den verfügbaren Gesamtvorrat noch heranziehen, das ist in diesem Fall, nach dem Wert des geringwertigsten Produktes, das man aus einer Produktivmitteleinheit noch herstellen darf. Der so bestimmte Wert des Produktivmittels bezeichnet dann gegenüber den übrigen Produkten, die aus ihm hergestellt werden (den "produktionsverwandten Gütern"), die Höhe der "Kosten", und indem man jene nach den "Kosten" schätzt, schätzt man sie somit bewußt oder noch häufiger unbewußt (weil man den Wert der Produktivgüter meist nur als eine fertige Tatsache kennt, nicht aber auch sein Entstehen aus den im Marktgetriebe sich begegnenden Bewerbungen und Erwägungen überblickt) nach dem Grenznutzen der letzten Einheit eines Produktivmittelvorrats.

Hierbei wurde vorläufig angenommen, daß von den fraglichen Produktivmitteln eine feste, gegebene Menge vorhanden ist. Es ist aber auch möglich, daß dieselbe selbst wieder aus einem Vorrat noch ursprünglicherer Produktivmittel "beliebig vermehrbar" sind. Dann greift einfach der ganze Zusammenhang um eine Stufe weiter und tiefer. Das erste Produktivgut, z. B. der Stahl, nach dessen Werte sich alle aus Stahl erzeugten Produkte (natürlich unter Mitberücksichtigung des Wertes der anderweitigen Kostengüter) nivellieren müssen, nivelliert sich selbst mitsamt allen mit ihm "produktionsverwandten" aus Eisen erzeugten Produkten nach dem Wert des gemeinsamen ursprünglicheren Produktivgutes Eisen. Insofern auch das Eisen selbst wieder als "beliebig vermehrbar" erscheint, so setzt sich derselbe Zusammenhang abermals um ein Glied weiter fort usw. Irgendeinmal muß man aber in dieser Kette auf ein Produktivgut stoßen, dessen Menge als eine gegebene, begrenzte erscheint; denn hätten wir einen unerschöpflichen Urquell an Produktivkräften, so würden wir uns ja auch eine ebenso unerschöpfliche Überfülle von Produkten aller Art bereiten können!

Wenn auch kein früheres Glied, so sind jedenfalls die letzten, originärsten Produktivkräfte, über welche die wirtschaftende Menschheit verfügt, die Bodennutzungen und zumal die Arbeit in einem gegebenen Zeitpunkt nur in begrenzter Menge verfügbar, und ihr Wert, der sich nach dem Gesetz des Grenznutzens bestimmt, geht dann durch den ganzen Stufenbau der arbeitsteiligen Produktion in immer mannigfaltigeren Zusammensetzungen und Kombinationen im Gewand der Kosten in den Wert der beliebig vermehrbaren Güter ein und über. Der Wert der "beliebig vermehrbaren" Güter wird in Wahrheit unter dem Zeichen gebildet, daß sie - zusammengenommen -  nicht  beliebig vermehrbar sind. Was im Belieben steht, ist, das Mengenverhältnis  zwischen  ihnen zu changieren; dies kann aber immer nur so geschehen, daß eine Vermehrung bei einer Gattung auf Kosten einer Mindererzeugung bei einer anderen Gattung stattfindet. Die Möglichkeit eines solchen Changements, indem sie die Möglichkeit und den Anreiz zu einem fortwährenden Ausgleich des Werts schafft, äußert ihre Wirkung darin, daß alle aus einem Produktivgut stammenden "produktionsverwandten" Güter bezüglich ihrer Wertbildung gewissermaßen zu Gliedern einer erweiterten einheitlichen Familie werden. Sowie es selbstverständlich ist, daß innerhalb ein und derselben Güterart z. B. eine Metze Korn so viel wert ist wie eine andere ganz gleiche Metze, so wird durch jenen Zusammenhang hier bewirkt, daß  ein  Produkt eines Arbeitstages gerade so viel wert wird wie irgendein anders gestaltetes Produkt eines Arbeitstages. Aber wieviel jedes solche Produkt absolut für unsere Wirtschaft wert ist oder wie viel es relativ wert ist im Verhältnis zu anderen Gütern, die außerhalb jener Produktionsgemeinschaft stehen, z. B. im Verhältnis zu Monopol- oder Seltenheitsgütern oder zu Erzeugnissen eines anderen Produktivmittels, darüber entscheidet nichts anderes als der Grenznutzen jener erweiterten Güterfamilie. Diese ist als Ganzes wegen der Begrenztheit unserer Produktivkräfte keineswegs beliebig vermehrbar, und empfängt, nach dem Muster fester gegebener Vorräte, ihren Wert nach dem Grenznutzen ihres letzten Gliedes.


e) Schlußergebnisse

Es bleibt noch, sich darüber auszusprechen, welchen verhältnismäßigen Anteil die drei unter  a), b)  und  c)  unterschiedenen Grundtypen an der Wertbildung im praktischen Leben nehmen. Zu diesem Zweck muß vor allem die Grenzlinie zwischen dem zweiten und dritten Typus abgesteckt werden. Die universellste unserer Produktivkräfte, die Produktivkraft Arbeit, hat nämlich die Eigentümlichkeit, daß sie in gewisser Hinsicht nicht in fester Menge gegeben, sondern elastisch erscheint, insofern es im Belieben des Individuums liegt, seine tägliche Arbeitsleistung um den Preis erhöhter Plage auszudehnen oder umgekehrt einzuschränken. Wo diese Elastizität praktisch wirksam wird, hat sie zur Folge, daß die Wertbildung der betreffenden Arbeitsprodukte nach dem Typus  b)  stattfindet, also nicht den Grenznutzen, sondern ein persönliches Opfer an Leid oder Plage zum Maßstab nimmt. (16) In der voll entwickelten arbeitsteiligen Volkswirtschaft kommt aber diesem Umstand eine verhältnismäßig geringe praktische Bedeutung zu. Weitaus der größte Teil der produktiven Arbeit wird in Arbeitsschichten geleistet, welche durch Gesetz, Vertrag, Herkommen, bestehende Fabrikseinrichtungen und dgl. in ihrer Dauer fest bestimmt sind. Die beliebige Ausdehnung oder Verkürzung der Arbeitszeit je nach Laune oder Ermüdung spielt fast nur eine Rolle einerseits bei der beruflichen Arbeit sehr weniger unabhängiger Produzenten auf eigene Rechnung (z. B. Künstler, Schriftsteller, Hausindustrieller, seltener bei Handwerksmeistern), andererseits bei der nicht beruflichen Ausnutzung der Mußestunden. Und auch der Variation der  Intensität  der Arbeit, die, ähnlich wie die Variation der Arbeitszeit, ein vermehrtes Arbeitsprodukt um den Preis einer erhöhten Plage zu erlangen gestattet und umgekehrt, scheint mir, obwohl für sie ein etwas weiterer praktischer Spielraum (z. B. auch bei der Akkord- und Stückarbeit) besteht, doch kein sehr tiefgreifender Einfluß auf die volkswirtschaftliche Wertbildung zuzukommen. Im Ganzen ist also der Typus  b)  fast auf die Stellung einer Ausnahme zurückgedrängt, während sich nahezu das ganze Gebiet zwischen die die Regel repräsentierenden Typen  a)  und  c)  teilt und zwar in folgender Weise:

1. Die Schätzung nach dem unmittelbaren Grenznutzen der betreffenden Gütergattung (Typus  a)  tritt ein
     überhaupt und andauernd  bei jenen Gütern, die nicht beliebig vermehrbar sind, also bei den sogenannten Monopol- oder Seltenheitsgütern; außerdem

     zeitweilig  bei den beliebig vermehrbaren Gütern, wenn und insofern in einem einzelnen Zeitpunkt der Nachschub aus der Produktion keine genaue Fühlung mit dem momentanen Bedarf und infolge davon der Wert keine genaue Fühlung mit den "Kosten" hält.
2. Gegenüber der Masse der beliebig vermehrbaren oder ersetzbaren Güter findet unter der Voraussetzung, daß deren rechtzeitigem Ersatz kein Hindernis im Weg steht, die Schätzung nach den "Kosten" in dem Sinne statt, daß die Kostenhöhe markiert wird durch den Wert der zum Ersatz aufzuopfernden Güter, welcher Wert selbst wieder durch mehr oder weniger Zwischenglieder hindurch auf irgendeinem Grenznutzen fußt. Statt der Schätzung nach dem unmittelbaren Grenznutzen der betreffenden Gütergattung tritt also hier durch Vermittlung der "Kosten" eine  mittelbare Schätzung nach Grenznutzen nämlich nach dem Grenznutzen (und Wert) der Ersatzgüter ein.

Nach diesem Typus verlaufen die praktischen Wertschätzungen nicht bloß in jenen bisher allein ausdrücklich besprochenen Fällen, in welchen ein beliebiger Ersatz für die vorhandenen Güter auf dem Weg der Produktion geschaffen werden kann, sondern auch in jenen überaus zahlreichen Fällen, in welchen der Ersatz im Weg des Kaufes oder Tausches erfolgt. Was in jedem Laden um 10 Mark feil ist, schätzen wir nach diesen "Anschaffungskosten" auf 10 Mark, auch wenn der unmittelbare Grenznutzen, den das betreffende Gut für unsere Haushaltung besitzen würde, weit höher stehen sollte als jener Betrag.

Schließlich findet

3. in der oben unter  b)  beschriebenen Minorität von Fällen eine Schätzung nach "Kosten" im Sinne von persönlichen Opfern an Leid, Plage und dgl. statt.

All dies gilt zunächst von den subjektiven Wertschätzungen, welche die einzelnen Individuen, jedes vom Standpunkt seiner persönlichen Bedürfnisse, Empfindungen, Produktions- oder Einkaufsgelegenheiten und dgl., vornehmen. Aber von diesen subjektiven Wertschätzungen der einzelnen Individuen laufen tausendfältige Verknüpfungsfäden zum objektiven Tauschwert der Waren, der sich auf den Märkten bildet, und von diesem sodann wieder zurück zu den subjektiven Schätzungen der Einzelnen. Daß und wie sich die  Preise  der Güter als Resultanten der auf dem Markt zusammentreffenden subjektiven Wertschätzungen von Ware und Preisgut bilden, ist schon im Artikel "Preis" dargelegt worden. Daß und wie aber auch umgekehrt wieder die einmal festgestellten Preise die subjektiven Wertschätzungen beeinflussen und ihnen als nahe und bequeme Stütze dienen können, wurde soeben bei der Erwähnung des Einflusses der "Anschaffungskosten" angedeutet. Tatsächlich ist es in unserer auf Arbeitsteilung und Tausch beruhenden Gesellschaft verhältnismäßig selten, daß ein Güterschicksal von der ersten Vorbereitung zur Erzeugung des Gutes bis zu seinem schließlichen Konsum für persönliche Zwecke sich im Bereich ein und derselben Individualwirtschaft abspielt. Darum kommt auch  ein  Individuum überaus selten in die Lage, den ganzen Zusammenhang von Nutzen und Opfern, die das allmähliche Heranreifen des Gutes in den verschiedenen Produktionsstadien begleiten, an sich selbst zu erleben und daher auch einheitlich zu überblicken und unmittelbar seinen Wertschätzungen zugrunde zu legen. Sondern das Wertkalkül ird so oft abgebrochen und jenseits wieder neu angesponnen, als das heranreifende Produkt seinen Besitzer wechselt. Wer ein Gut in jedem Augenblick um einen für ihn durch äußere Verhältnisse gegebenen Marktpreis kaufen kann, auf dessen Bildung er durch seine eigene Nachfrage nur einen praktisch ganz unmerklichen Einfluß übt, sieht auch bei seiner Wertschätzung auf nichts als auf diesen gegebenen Marktpreis; welche subjektive Antezedenzien [Umstände - wp] von Nutzen und Opfern hinter diesem Marktpreis zurückliegen, braucht er weder zu wissen noch zu überlegen; wichtig ist für ihn nur der greifbare Niederschlag jener subjektiven Antezendentien, der Marktpreis. Und ganz ebenso denkt der Verkaufslustig, der den Wert seiner Ware überschlägt, nach der entgegengesetzten Richtung nicht weiter als bis an den Marktpreis, den er nach den gegegebenen Verhältnisse zu lösen hofft. Gleichwohl sind "Kosten" und "Preise", so sehr sie dem Einzelnen als objektiv gegebene, seinem Einfluß entzogene Größen imponieren mögen, flüssige, bildsame Größen, gebildet und bestimmt durch die Summe derselben subjektiven Einzelschätzungen, die sich auf sie aufzustützen scheinen; sie sind ein gesellschaftliches Mosaik, aufgebaut aus einem Urmaterial subjektiver Nutzwertschätzungen.

Eine genauere Schilderung dieses schwierigen und verwickelten Zusammenhangs kann im Rahmen dieser elementaren Skizze keinen Platz finden. (17) Desgleichen muß hier abgesehen werden von der Anwendung der allgemeinen Wertregeln auf speziellere Probleme. Nur das Problem der wirtschaftlichen "Zurechnung" sei genannt als das wichtigste oder die Frage, welche Bewertung jedem einzelnen von mehreren "komplementären" Gütern, die zu einem gemeinsamen Nutzerfolg ungeteilt zusammenwirken, im Hinblick auf dieses ihr Zusammenwirken, im Hinblick auf dieses ihr Zusammenwirken zuteil wird. Es ist dies ein Problem, das seine wichtigste Anwendung bei der Wertschätzung der verschiedenen in der Produktion zusammenwirkenden Produktionsfaktoren und weiterhin in der Lehre von der Verteilung der Güter zu finden berufen ist (18).
LITERATUR - Eugen Böhm-Bawerk, W e r t, Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Bd. 8, Jena 1911
    Anmerkungen
    1) CHRISTIAN Freiherr von EHRENFELS in einem Aufsatz "Werttheorie und Ethik" in AVENARIUS' Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie, Jahrgang 1893, Seite 76f.
    2) Als ein mehr in der Ausdrucksweise als in der Sache eigenartiger Ableger der klassischen Theorie ist die Werttheorie BASTIATs (Harmonies èconomiques, 1848, Kap. V) anzusehen, welche eine Zeitlang viel Beachtung gefunden, sie aber seither wieder völlig verloren hat. Sie beruth auf dem Schlagwort, daß der Wert "eine Beziehung zweier ausgetauschter  Dienste"  sei, und näher sich in der Ausführung dieses Schlagwortes am meisten den Ideen CAREYs, der seinerseits den Wert als die "Schätzung des Widerstandes, der zu überwinden ist, ehe wir in den Besitz des begehrten Gegenstandes gelangen" oder auch als "das Maß der Übermacht der Natur über den Menschen" erklärte.
    3) Vgl. hierüber besonders den Aufsatz von VERRIJN STUART über "Ricardo und Marx" (Gravenhage 1890) und mein Referat hierüber im "Jahrbuch für Nationalökonomie und Statistik, dritte Folge, Bd. 1, Seite 877f.
    4) Vgl. insbesondere KNIES, Das Geld, erste Auflage Seite 199f, zweite Auflage, Seite 153f, dann die Besprechung des zweiten Bandes des MARXschen  Kapitals  von LEXIS in den "Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik, NF, Bd. XI, 1885, Seite 452f und meine Geschicht und Kritik der Kapitalzinstheorien, Seite 418f, zweite Auflage Seite 495f; ferner ADLER, Die Grundlagen der Karl Marxschen Kritik der bestehenden Volkswirtschaft, Tübingen 1887; KOMORZYNSIK, Der dritte Band von Karl Marx "Das Kapital", Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung, Bd. VI, Seite 242f. - WENCKSTERN, Marx, Leipzig 1896 - meinen Aufsatz "Zum Abschluß des Marxschen Systems" in den Festgaben für Karl Knies, Berlin 1896. - DIEHL, Über der Verhältnis von Wert und Preis im ökonomischen System von Karl Marx, Abdruck aus der Festschrift zur Feier des 25-jährige Bestehens des staatswissenschaftlichen Seminars zu Halle, Jena 1898.  Derselbe,  Sozialwissenschaftliche Erläuterungen zu Ricardo, 1. Teil, 1905. - Vgl. ferner die mit vielen Literaturnachweisen ausgestattete Artikelserie von BORTKIEWICZ über die "Wertrechnung und Preisrechnung im Marxschen System" im Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Bd. 23 und 25.
    5) Siehe den Artikel "Kapital".
    6) Im nachgelassenen III. Bd. des Marxschen "Kapital" gelangt diese - in den grundlegenden ersten Bänden des Systems vorläufig übergangene - Tatsache auch zur ausdrücklichen Anerkennung durch MARX selbst. Die sichtlich unbefriedigende Art, in der dieser sich hier mit ihrem Widerstreit zu den grundlegenden Prämissen seiner Werttheorie auseinanderzusetzen versucht, hat nicht am wenigsten zu der neuerdings zu beobachtenden Erschütterung des unbedingten Vertrauens beigetragen, das seine Parteigenossen bis dahin in seine Werttheorie gesetzt hatten. Vgl. meine Geschichte und Kritik, 2. Auflage, Seite 530f.
    7) Vgl. über dieselben ZUCKERKANDL, Theorie des Preises, Seite 44f. Bemerkenswerte Vorläufer sind schon MONTANARI, GALIANI, CONDILLAC, TURGOT. Ihr einflußreichster, wenn auch nicht konsequenter Vertreter aus der "klassischen" Zeit ist J. B. SAY. Die obige Einwendung gegen die Kostentheorien ist besonders drastisch von MacLEOD, Elements of Political Economy, 1858, Seite 111.
    8) Vgl. den Artikel "Grenznutzen" und die folgende positive Darstellung.
    9) SCHARLING hat sich übrigens in seiner neuesten Äußerung zur Sache ("Grenznutzentheorie und Grenzwertlehre" in Conrads Jahrbüchern, III. Folge, Bd. 27, 1904) der Theorie des Grenznutzens merklich angenähert.
    10) DIETZELs neueste Erörterung des Stoffes (in seiner "Theoretischen Sozialökonomik" 1895) weist mehrfache Änderungen auf, deren beabsichtigte Tragweite mir nicht völlig klar ist, die mir aber im Ganzen doch mehr nur die Terminologie als den Standpunkt zu verändern scheinen; vgl. meine Besprechung hierüber in der Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung, Bd. VII, Seite 402f.
    11) Zum Beispiel von JEVONS, der an einer Stelle ohne Einschränkung emphatisch sagt: "der Wert hängt  völlig  vom Nutzen ab" (Theory of Political Economy, zweite Auflage, Seite 1), bei anderen Gelegenheiten aber wiederholt neben der "utility" auch der "pain" einen wertbestimmenden Einfluß zuerkannte.
    12) Siehe den Artikel "Preis".
    13) Über das Verhältnis der Bedürfnisgattungen und konkreten Bedürfnisregungen und seinen Einfluß auf den Wert siehe meine "Positive Theorie des Kapitals", zweite Auflage, Seite 148f
    14) Siehe den Artikel "Grenznutzen" a. a. O.
    15) Was in diesem Abschnitt ausdrücklich von der Produktivmitteln ausgeführt wird, gilt mutatis mutands auch von den Tauschmitteln; siehe dazu noch eine spätere Bemerkung unter den Schlußergebnissen.
    16) Genau genommen entscheidet der Kreuzungspunkt zwischen dem (immer abnehmenden) Grenznutzen des durch längere Arbeit vermehrten Produktes und der (immer wachsenden) Plage der verlängerten Arbeitszeit.
    17) Ich habe eine solche Schilderung zu geben versucht in meiner "Positiven Theorie des Kapitals", zweite Auflage, Seite 189f und 234f; vgl. dazu auch meine "Grundzüge der Theorie des Güterwertes" in Jahrbuch für Nationalökonomie und Statistik, Neue Folge, Bd. 13, besonders Seite 516f, sowie meinen Aufsatz über den "Letzten Maßstab des Güterwertes" in der Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung, III. Band, Seite 185f, besonders 216f.
    18) Vgl. über diese Frage meine "Positive Theorie", Seite 179f, und WIESERs "Natürlicher Wert, Seite 70f.