ra-2F. AnnekeKropotkinL. J. CampbellE. BurkeTocquevilleA. Cartellieri    
 
ALEXANDER CARTELLIERI
Die englischen Revolutionen

"Die religiösen Streitigkeiten nahmen eine immer größere Schärfe an. Das Parlament konnte sich mit den Offizieren auf die Dauer nicht vertragen, und in seiner Angst wollte es durch eine Scheinwahl seine eigene Dauer beliebig ausdehnen und nur genehme Persönlichkeiten in seinen Schoß aufnehmen. Das dachte  Cromwell  sich nicht gefallen zu lassen. Mit den höhnischen Worten:  Ich will Eurem Geschwätz ein Ende machen!  sprengte er es am 20. April 1653 an der Spitze seiner Musketiere auseinander. Der Staatsstreich bereitete der mächtigsten Versammlung, die es in England gegeben hat, ein jähes Ende."

"In das Jahr 1679 fiel das Gesetz gegen willkürliche Verhaftungen,  Habeas Corpus,  in dem der Engländer die sichere Grundlage seiner persönlichen Freiheit zu sehen gewohnt ist. Zwischen einer Verhaftung und dem Prozeß durften höchsten 24 Stunden liegen, und auch sonst waren Bestimmungen getroffen, die den Untertanen Schutz vor Übergriffen der Obrigkeit boten."


Die erste englische Revolution
(1642 - 1660)

Wenn man den Begriff der Revolution nicht allzuweit ausdehnen will, wird man darunter eine gewaltsame und lang nachwirkende Veränderung der Staatsverfassung verstehen, durch die die bis dahin von dem einen oder den wenigen Regierenden besessene Macht an die vielen Regierten übergeht. Reaktion und Gegenrevolution oder Restauration sind die entgegengesetzten Erscheinungen, die häufig durch einen Staatsstreich herbeigeführt werden. Für den Historiker sind diese Namen völlig frei von den guten oder schlimmen Nebenbedeutungen, die sich im Kampf der politischen Parteien an sie knüpfen, und er sucht solche Bewegungen aus ihrer Zeit heraus zu verstehen. Er wird sein Ziel am sichersten erreichen, wenn er sich so gegenständlich hält, wie nur irgendwie möglich ist, den Leser das Für und Wider der Zeitgenossen nacherleben läßt und ihn damit zu einem eigenen Urteil anleitet.

Der Grund, weshalb gerade in England die erste der großen europäischen Revolutionen ausbrach, liegt darin, daß dort von alters her ein besonders starker Drang nach Freiheit vorhanden war. Die Ausschreitungen King JOHNs ohne Land hatten schon 1215 zur  magna charta libertatum  geführt, und in jahrhundertelangen Kämpfen hatten sich Königtum und Volksvertretung gemessen. Zweimal waren auch schon Könige abgesetzt worden, EDWARD II. und RICHARD II. Dann untergrub in den langen Rosenkriegen der jähe Wechsel der Dynastien die Achtung vor ihren einzelnen Vertretern, und man gewöhnte sich daran, im König der Gegenpartei einen Feind zu sehen. Mit den  Tudors  trat allerdings eine längere Ruhezeit ein, und der Absolutismus erschien erträglich, weil er der Wohlfahrt der Gesamtheit diente und jedenfalls besser war als der Bürgerkrieg. Unter der Regierung ELIZABETHs konnte England sich stolz nach außen behaupten und sich im Innern günstig entwickeln. Die Hinrichtung MARIA STUARTs fand überwiegend Beifall, weil auch diese blutige Tat die nationale und religiöse Einheit sicherte. Die öffentliche Meinung fand sich damit ab, daß jedes Haupt, auch ein gekröntes, dem Vorteil des Staates rücksichtslos zu opfern ist und so leitet der Tod MARIAs zu dem ihres Enkels über.

ELIZABETHs Nachfolger, JACOB I. STUART, der Sohn MARIAs (seit 1603), hat zweifellos in hohem Maß dazu beigetraten, das Land für die spätere Revolution reif zu machen, nicht durch seine Bosheit oder irgendwelche bestimmte Handlungen, sondern durch seine ganze Unzulänglichkeit. Zwar besaß er manche gute Gaben und wollte auch in seiner Art das Wohl seiner Untertanen, aber es fehlten ihm doch die wahren Herrschertugenden. Er war arbeitsscheu, vergnügungssüchtig, entschlußlos, ränkesüchtig und falsch, dabei von dem festen Glauben an die unmittelbare göttliche Erleuchtung der Könige erfüllt. Man könnte drei Punkte nennen, in denen er es gar nicht verstand, die Wünsche vorwärtsdrängender Volkskreise zu befriedigen und in die rechte Bahn zu lenken. Einmal handelt es sich um die auswärtige Politik. Mißerfolge auf diesem Gebiet haben immer den stärksten Einfluß auf spätere Revolutionen ausgeübt, weil eine Regierung, die sich im Rat der Völker nicht genügend Ansehen verschaffen kann, auch in der Heimat verächtlich wird. Die Engländer sehnten sich nach einem neuem Kampf gegen Spanien als den Hort des verhaßten Papismus, während JACOB immer wieder an ein Bündnis und eine Familienverbindung dachte. Er erreichte nichts und verpaßte nur die Gelegenheit, als Haupt des Protestantismus eine große Rolle zu spielen und dem Dreißigjährigen Krieg eine andere Wendung zu geben.

Der zweite Punkt betraf die Kirche. In den Mittelklassen, die sich wirtschaftlich rasch hoben, verbreiteten sich immer mehr puritanische Anschauungen. Man hat gesagt, es sei das weniger ein Glaube als eine Richtung gewesen. Den Ausgangspunkt bildete ein gefühlsmäßiger Gegensatz gegen die erstarrende offizielle Kirche, die dem Gewissen einen unerträglichen Zwang auferlegte. Kluge Ratgeber empfahlen dem König Milde, aber er versteifte sich auf die bischöfliche Verfassung und hoffte wohl eigentlich, die Andersdenkenden durch seine theologische Gelehrsamkeit zu bekehren. Für ihn stand und fiel das absolute Königtum mit dem absoluten Bischoftum.

Zum dritten handelte es sich um die Finanzen, und hier wurde der Gegensatz zwischen der Krone und dem Parlament am deutlichsten offenbar. Es ist allbekannt, daß parlamentarische Macht im wesentlichen auf dem Geldbedürfnis der Regierungen beruth. Ein König, der aus irgendeiner Quelle reichlich Mittel bezieht, würde bei einiger Weisheit und Tatkraft ziemlich unbeschränkt herrschen können. JACOB brauchte aber mehr als seine sparsame Vorgängerin, nicht allein wegen der starken Entwertung des Silbers, sondern hauptsächlich wegen seiner Verschwendung. Da das Parlament ihm Geld verweigerte, löste er es auch und regierte ein Jahrzehnt allein. Unter seinen Günstlingen trat VILLIERS, der später Herzog von  Buckingham,  besonders hervor, ein oberflächlicher und eitler Mann, den er maßlos liebte und verwöhnte.

Als JACOB I. 1625 starb, hatte zwar die materielle Wohlfahrt des Landes weitere Fortschritte gemacht, aber es hatte sich auch eine starke Unzufriedenheit angesammelt, und alles kam darauf an, ob der neue König es verstehen würde, sie durch zeitgemäße Reformen zu beschwichtigen und die lebendigen Kräfte des Volkes zu einer nachhaltigen Wirkung nach außen abzulenken. Dies war die schwierige Frage, deren Lösung erst nach Jahrzehnten gelang.

CHARLES I. war bei seiner Thronbesteigung 25 Jahre alt. Wenn man von seinem Vater sagen mußte, daß er recht unkönigliche Eigenschaften besessen hatte, so traf das beim Sohn nicht zu. Er war, wie seine Bildnisse von der Meisterhand van DYKEs zeigen, eine schöne und vornehme Erscheinung, geistig sehr rege, persönlich tapfer, ein guter Gatte zu einer Zeit, wo das recht selten vorkam, aufrichtig fromm, ein geschmackvoller Kenner von Kunst und Literatur. In ruhigen Zeiten hätte er ohne Anfechtung regieren können, aber unruhigen war er überhaupt nicht gewachsen. Sein fester Glaube an das absolute Königtum hinderte ihn an einer klaren Einsicht in die Wirklichkeit, versperrte ihm das Verständnis andersdenkender Menschen und widerstreitender Tatsachen. Kam er mit jenem Glauben nicht weiter, so fühlte er sich gleich ratlos. Günstlinge übten einen ebenso starken Einfluß auf ihn aus wie auf seinen Vater. Sein Grundfehler lag, wie oft hervorgehoben worden ist, in seiner Falschheit: in die Enge gedrängt, versprach er alles, was man von ihm verlangte, lauerte aber nur auf eine günstige Gelegenheit, sein Wort zu brechen, und verschmähte dabei auch Ränke und Verstellung nicht. Man kann sich das nur so erklären, daß er den Widerstand, auf den er stieß, für einen Ausfluß strafwürdiger Bosheit hielt und glaubte, sich zur Abwehr jedes Mittels bedienen zu dürfen.

Die Schwierigkeiten, die CHARLES I. vorfand, waren ungeheuer groß. Innerhalb des Calvinismus hatte sich eine minder strenge Richtung gebildet, nach dem Holländer ARMINIUS benannt, in England besser als Anglo-Katholizismus zu bezeichnen. Sie näherte sich in ihrer Bewertung der Zeremonien, des Kirchenschmucks, der Feste, aber auch wichtiger Dogmen wie der Gnade und der Vorbestimmung mehr der alten katholischen Auffassung, und der König neigte ihr zu. Das mußte ihn mehr und mehr in einen Zwiespalt zu den vorherrschenden puritanischen Auffassungen bringen. Die Finanzlage des Reichs konnte nur recht ungünstig genannt werden. Für die auswärtige Politik und namentlich die Unterstützung der Protestanten auf dem Festland war viel ausgegeben worden, ohne daß klare Erfolge erzielt worden wären. Nur durch eine Erhitzung der protestantischen Leidenschaften hätte CHARLES das Volk zu großen Zahlungen veranlassen können, dann aber auch einen Krieg gegen Spanien zur See führen müssen. Dazu gehörten dann auch scharfe Maßregeln gegen die Katholiken im eigenen Land, und diesen hatte er in einem Vertrag mit Frankreich zu entsagen versprochen. So geriet er gleich anfangs in eine schiefe Lage und besaß nicht die Kraft, sich den Weg zu einem klarenm nationalen Willen entsprechenden Ziel zu bahnen. Jener Vertrag mit Frankreich war die Voraussetzung für seine Verheiratung mit der Schwester König LUDWIGs XIII.,  Henriette,  die im Laufe der Jahre sein Tun und Lassen so stark bestimmen sollte. Sie war hübsch und heiter, kannte nur die absolute Regierung ihrer Heimat und hielt diese für selbstverständlich. An englisches Wesen konnte sie sich nur schwer gewöhnen, und aller Protestantismus erschien ihr als Auflehnung gegen göttliches Recht. In voller Harmlosigkeit hat sie den Sturz ihres Gemahls und ihrer Söhne gefördert, und ist wohl mit  Marie Antoinette  zu vergleichen.

Die Beziehungen zum ersten Parlament ließen sich nicht gut an. CHARLES wollte Geld haben, bekam aber nur sehr wenig. BUCKINGHAM, der auch bei ihm den Ausschlag gab, wurde lebhaft angegriffen, und die Versammlung verfiel bald der Auflösung. Ein Versuch, durch einen Angriff auf die spanische Flotte große Beute zu machen und die Ruhmesliebe des Volkes zu befriedigen, schlug vollkommen fehl. Bald erhoben sich Mißhelligkeiten mit Frankreich. CHARLES konnte nicht gleichzeitig die Katholiken schonen, wie dieses Land es verlangte, und sie verfolgen, wie es das  House of Commons  wollte. Ein zweites Parlament wandte sich wieder gegen BUCKINGHAM und wollte die Gründe des Mißerfolges der Flotte untersuchen. Hier fielen kühne Worte gegen Günstlinge, während CHARLES die Abhängigkeit des Parlaments von seinem Gutdünken herausfordernd betonte. Das Anklagematerial gegen BUCKINGHAM häufte sich, und es wurde keine Rücksicht darauf genommen, daß er manches, was man ihm vorwarf, auf Befehl des Königs getan hatte. Sir JOHN ELIOT, ein glänzender Redner und unbeugsamer Charakter, verglich ihn mit SEJAN und machte dadurch CHARLES zum TIBERIUS. Der kecke Sprecher kam ins Gefängnis, mußte aber wieder freigelassen werden. Auch das zweite Parlament wurde aufgelöst.

Der Krieg mit Frankreich, der jetzt begann, entsprach der Volksstimmung, wurde aber von BUCKINGHAM unglücklich geführt. Infolgedessen stieg die Finanznot, und ein drittes Parlament konnte nicht umgangen werden. Die vielfachen Beschwerden gegen den König fanden ihren Ausdruck in der berühmten  Petition of Right  von 1628: darin wurden die Ungesetzlichkeiten aufgezählt, von denen man befreit werden wollte, die Erhebung von Steuern ohne das Parlament, die willkürlichen Verhaftungen, die Zwangseinquartierungen, die mißbräuchliche Ausdehung des Standrechts.

Der König nahm, wenn auch ungern genug, die Petition an. Man hat in ihr immer eines der wichtigsten englischen Gesetze und eines der Bollwerke der englischen Freiheit gesehen, und niemand kann leugnen, daß sie dem Absolutismus einige seiner schärfsten Waffen entwand. Sie ist neben die  Magna Charta  zu stellen. Die Bedeutung der einzelnen Bestimmungen bedarf kaum einer näheren Erläuterung. Nur ist besonders auf die Zuchtlosigkeit der Truppen hinzuweisen. Das Standrecht, das eingeschränkt werden sollte, ermöglichte es dem König, ein Heer im Land aufzubieten und mit diesem nötigenfalls seinen Willen gewaltsam durchzusetzen.

BUCKINGHAM, dessen Entfernung von allen Ämtern und vom Hof verlangt worden war, wurde von einem unzufriedenen Offizier ermordet. Den König beriet jetzt ein bedeutener Mann, Sir THOMAS WENTWORTH, später als Graf von  Stratford  bekannt, noch vor kurzem ein Vertreter der Opposition, dann ebenso eifrig für die Krone tätig, herrisch und ehrgeizig, gewillt, jeden Widerstand mit Gewalt zu brechen. Die Mißerfolge im Krieg gegen Frankreich, wo es nicht gelang, die Hugenottenfeste  La Rochelle  zu entsetzen, steigerten die Unzufriedenheit. In kirchlichen Angelegenheiten kümmerte sich der König um die Wünsche des Volkes überhaupt nicht. In finanziellen verlangte er das  Tonnen- und Pfundgeld,  eine Abgabe von Einfuhr und Ausfuhr, aber das Parlament bewilligte es nicht und erklärte den Kaufmann, der sie bezahlen würde, für einen Verräter und Landesfeind. Zum dritten Mal wurde das Parlament aufgelöst und CHARLES ließ die ihm besonders widerwärtigen Mitglieder des Unterhauses ins Gefängnis werfen. Die standhaftesten unter ihnen weigerten sich, außerhalb des Parlaments Rede zu stehen. ELIOT, der dabei eine führende Rolle gespielt hatte, erlebte den Sieg seiner Ideen nicht mehr, sondern starb, körperlich gebrochen, nach diejähriger Haft als ein Märtyrer des Parlamentarismus.

Damit begann 1629 die persönliche Regierung. Elf Jahre lang entbehrte das Land gesetzmäßige Vertreter; es war der längste Zeitraum dieser Art in der englischen Geschichte. Aber noch brauch keine allgemeine Zufriedenheit aus, weil niemand daran zweifelte, daß der König die dauernde Obrigkeit ist, das Parlament dagegen nur gelegentlich zusammenkommt, um Gesetze zu beschließen und namentlich Mittel zu bewilligen. CHARLES erhob Geld aus eigener Machtvollkommenheit, es reichte allerdings nicht, weil der Hofhalt üppig blieb. Sein Ansehen im Ausland sank rasch, man wußte, daß er keinen Krieg führen konnte. Friedensschlüsse mit Spanien und Frankreich stellten den früheren Zustand wieder her. Die großartige Möglichkeit, etwa zusammen mit König GUSTAV ADOLF von Schweden den protestantischen Gedanken zum Sieg zu führen, blieb unausgenutzt.

In kirchlichen Dingen machte sich der Einfluß des Bischofs von London und späteren Erzbischofs von Canterbury, LAUD, stark geltend. Klug, scharf und hart betonte er die äußeren Formen des Gottesdienstes so sehr, daß er bei den Puritanern in den Verdacht kam, den Katholizismus wieder herstellen zu wollen. Politisch arbeitete er zusammen mit STRAFFORD auf den vollen Absolutismus hin und genoß das volle Vertrauen des Königs, der beide gern gewähren ließ, da es ihm selbst an rücksichtsloser Tatkraft fehlte.

Die Vermehrung des Einkommens stand immer noch auf der Tagesordnung. CHARLES ließ sich raten, das  Schiffsgeld  zu erneuern, das in alten Zeiten im Fall großer Gefahr von den an der Küste liegenden Grafschaften eingezogen worden war, im Frieden aber niemals. Es gelang auch. Dann wurden die königlichen Forstrechte erweitert. Geld kam zusammen, aber der Unwille wuchs rasch. Berühmt ist JOHN HAMPDEN, der sich weigerte, die übrigens geringe Summe, auf die das Schiffsgeld bei ihm veranlagt worden war, zu bezahlen. Jetzt setzte sich in weiten Kreisen die Überzeugung fest, daß der König überhaupt kein Parlament mehr berufen, dauernd absolut herrschen und über das Vermögen wie über das Gewissen seiner Untertanen nach Belieben verfügen will. WENTWORTH, der bei der Unterwerfung Irlands ein starkes Heer ausbildete, würde ihm dazu die äußeren, LAUD mit seinen kirchlichen Bestimmungen die geistigen Machtmittel geboten haben.

Einen Wendepunkt bedeutet das Jahr 1637. Nach den Vorschlägen LAUDs machte der König den höchst unklugen Versuch, den  Schotten,  die er schon früher durch Verfügungen über Land schwer gereizt hatte, kirchliche Neuerungen zugunsten der königlichen und der bischöflichen Gewalt aufzudrängen. In der Domkirche zu Edinburgh empörte sich das Volk beim Gottesdienst gegen die amtierenden Geistlichen, und im Jahr darauf schlossen sich die Schotten unter ungeheurer Begeisterung im  Nationalkovenant  [Nationalbündnis - wp], dem an ältere Überlieferungen anknüpfenden Volksbund, gegen alle fremden Eingriffe zusammen. In der Urkunde wurden die sämtlichen Irrtümer und Mißbräuche der römischen Kirche aufgezählt. Die gottesfürchtigen Unterzeichner verpflichteten sich, alle Neuerungen zu verwerfen, die nicht in ihren Versammlungen gebilligt worden wären, weiter aber auch, die Autorität der Krone durchaus aufrechtzuerhalten. Denn die Schotten waren ebenso monarchisch wie presbyterianisch gesinnt und wollten beides vereinigen. Eine Monarchie aber, die ihrer Religion zuwiderlief, erschien ihnen umso länger desto unerträglicher. Weil der König die Schotten am liebsten militärsch niedergezwungen hätte, es seiner Finanznöte wegen aber nicht konnte, mußte er 1640 das sogenannte  Kurze Parlament  berufen, erreichte aber nichts und schickte es nach drei Wochen wieder heim. Als dann die Schotten ihrerseits zum Angriff übergingen und über die Grenze rückten, war eine Volksvertretung gar nicht länger zu umgehen. Man nennt sie das  Lange Parlament.  JOHN PYM bewährte sich als ausgezeichneter Redner, der alle Anklagen gegen die Regierung geschickt und wirksam zusammenzufassen wußte.

Im Vordergrund steht während der nächsten Zeit der  Prozeß  gegen STRAFFORD, der als Vizekönig in Irland tätig gewesen war und dort ein ausgezeichnetes Heer geschaffen hatte. Es wurde ihm der Vorwurf gemacht, daß er damit England dem König unterwerfen will. Das war der Kern der gegen ihn erhobenen Anklagen. In seiner Person griff man den König an; denn niemand konnte daran zweifeln, daß er nur für den König oder in dessen Sinn gehandelt hatte. STRAFFORD verteidigte sich glänzend, während der Mob auf den Straßen aus Furcht vor einer königlichen Gegenverschwörung seine Hinrichtung forderte. Er selbst empfahl dem König, um Schlimmeres zu vermeiden, das Gesetz anzunehmen, das ihm den Tod bringen mußte, und CHARLES tat es auch, weniger aus Rücksicht auf sich selbst als auf seine Familie und das Reich. Aber es wäre würdiger gewesen, wenn er sich geweigert hätte, seinen treuesten und erfolgreichsten Diener preiszugeben. STRAFFORD bestieg mutig das Schaffott, mit bitteren Worten über die Unzuverlässigkeit der Könige.

Sein Blut trennte Krone und Volk erst recht. CHARLES wollte das persönliche Regiment wiederherstellen, das Parlament eben das auf jede Weise verhindern. Noch war die Stimmung dem König günstig. Da erzeugte der irische Aufstand von 1641 tiefgehende Erregung. Die mißhandelten und um ihr Land betrogenen Bewohner der Insel begingen furchtbare Grausamkeiten gegen ihre Peiniger. In England erscholl laut der Schrei nach Rache, aber wer sollte den Oberbefehl führen? Man traute CHARLES nicht und fürchtete, daß er sein irisches Heer als Werkzeug der Reaktion gebrauchen könnte. In der großen Beschwerde (Great Remonstrance) wurde alles aufgezählt, was ihm zur Last gelegt wurde, und zugleich angegeben, was zu bessern wäre. Es handelte sich um kirchliche und politische Dinge. Seine Antwort befriedigte nicht. Schon kam es zu Ausschreitungen des Pöbels vor dem Parlamentsgebäude, und damals sprach man von Kavalieren als den Anhängern des Königs und von Rundköpfen als seinen Feinden. Die üblich gewordenen Namen heben ganz einseitig Merkmale hervor, denen schon bald keine unterscheidende Bedeutung mehr zukam. Denn es gab berittene Edelleute auf beiden Seiten, und die puritanische Sitte, das Haar kurz abzuschneiden, wurde von den höheren Ständen innerhalb der Opposition durchaus nicht allgemein befolgt.

Es schien als würde der Königin wegen ihres Einverständnisses mit den irischen Aufrührern der Prozeß gemacht werden. Da verlor CHARLES die ruhige Überlegung und griff zur Gewalt, um seine geliebte Gemahlin zu retten. Persönlich wollte er an der Spitze seiner Kavaliere fünf Mitglieder des  House of Commons,  die sich besonders gegen ihn hervorgetan hatten, darunter PYM und HAMPDEN, verhaften, fand sie aber nicht, da sie sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten. Enttäuscht mußte er sich damit begnügen ihnen Verrat vorzuwerfen, während rund um ihn der laute Ruf "Privileg, Privileg" erscholl. Damit war der Bruch vollzogen. Alte geheiligte Rechtsgewohnheiten waren mit Füßen getreten, die Versammlung, in der ein großer Teil des Volkes sich selbst verkörpert sah, schwer beschimpft. Das wollte man sich nicht gefallen lassen. Die Fünf nahmen unter lauten Freudenbezeugungen ihre Sitze wieder ein, der König rüstete ebenso wie das Parlament, die Königin eilte auf das Festland, um ihren Juwelen Truppen zu werben, Verhandlungen scheiterten, und der offene  Bürgerkrieg  begann im August 1642.

Auf beiden Seiten standen Männer von Rang, Bildung und Reichtum bereit, für ihre religiösen und politischen Ideale ihr Leben einzusetzen. Weder bestand der Anhang der Krone nur aus rauhen Gutsherren noch der ihrer Gegner aus niedrigem Volk. Der starkbevölkerte und gewerbetreibende Osten und Südosten mit seinen reichen Städten, in erster Linie London, hielt zum Parlament, und deshalb konnte dieses immer Geld bekommen. Im Norden, in Wales und an der walliser Grenze, wo der Adel den Ausschlag gab, hatten die Königlichen die Oberhand.

CHARLES ging gleich auf London los und versetzte es in große Angst. Aber die unkluge Hast seines Neffen RUPRECHT von der PFALZ' raubte ihm den schon errungenen Sieg wieder. RUPRECHT, der Sohn des unglücklichen Winterkönigs, zeichnete sich als kühner Reiterführer aus, verstand es jedoch nicht, seine Leidenschaft zu zügeln. Er stürzte sich gern tolldreist in das Kampfgewühl und hatte dann seine Kräfte allzu früh verbraucht.

OLIVER CROMWELL begann jetzt die Augen der Zeitgenossen auf sich zu lenken, der einzige große Mann, den die Revolution hervorgebracht hat, einer der größten der englischen Geschichte. Im Jahre 1599 geboren, walliser Herkunft, als landsässigem Adel, war er ein eifriger Puritaner, aber weniger auf irgendein Dogma, als auf die sittliche Tat gerichtet. Von früh an besaß er ein sehr feines Gefühl für die Duldung Andersgläubiger, natürlich innerhalb des Protestantismus. Stämmig und derb, klar und scharf handelte er, wo andere nur redeten. Sein ganzes Wesen atmete unbeugsame Tatkraft und felsenfesten Glauben an die gottgewollte Gerechtigkeit seiner Sache. Das Gesetz hielt er hoch, aber höher galt ihm das Gebot der Stunde. Wenn er selbst sagte: "Der steigt am höchsten, der nicht weiß, wohin er geht", so hat man in diesem bedeutungsvollen Wort immer den Charakter des Mannes richtig ausgeprägt gefunden. Er erkannte deutlich, daß man der königlichen Reiterei, die durch Ehre und persönliche Treue zusammengehalten wurde, eine moralisch bessere entgegensetzen muß und ging mit unermüdlichem Eifer daran, eine solche auszubilden. Es waren das die später so gefürchteten  Ironsides  [die Eisenharten - wp], in strengster Zucht eingeübt, fromm und löwenmutig. Sie fluchten, tranken und plünderten nicht. Mit dem unbedingten Vertrauen, daß Gott zu ihren Gunsten eingreift, zogen sie in die Schlacht, versäumten aber deshalb nicht im entferntesten die Vorsichtsmaßregeln, die von kluger Kriegskunst gefordert wurden.

Die Kriegsglück schwankte hin und her, aber die Sache des Parlaments machte trotz einzelner Rückschläge doch Fortschritte. Verhandlungen führten nie zum Ziel; denn die Abschaffung des Bischoftums, die dabei die Voraussetzung bildete, wollte Karl unter keinen Umständen zugestehen, weil er darin ebenso eine göttliche Einrichtung sah, wie in seiner eigenen Würde. Daß die Iren sich für ihn erklärten, schadete ihm mehr als es ihm nützte und verstärkte die Zweifel an seiner Aufrichtigkeit. Denn was sie erstrebten, konnte er zwar versprechen, aber als König von England niemals mit gutem Gewissen halten. Die Schotten, die erst vergeblich zu vermitteln gesucht hatten, wollten die Monarchie mit dem Presbyterianismus verbinden. Da CHARLES darauf nicht einging, schlossen sie sich an die Parlamentspartei an (The Solemn League and Convenant, September 1643). Ein Ausschuß beider Königreiche aus 25 Mitgliedern leitete den Krieg und die auswärtigen Geschäfte.

Bei  Marston Moor,  westlich von York, wurde Prinz RUPRECHT infolge seiner eigenen Unvorsichtigkeit am 2. Juli 1644 geschlagen und dadurch ein vorhergehender militärischer Erfolg des Königs um seine Wirkung gebracht. CROMWELL, der sich neue Lorbeeren errungen hatte, schrieb darüber: "Wo wir angriffen, warfen wir den Feind nieder. Gott ließ sie vor unserem Schwert fallen wie Stoppeln." Er drang jetzt auf Verbesserung des Heeres und so entstand die  New Model Army.  Es waren 21 000 Mann, überall zu verwenden, regelmäßig besoldet. Aber schon sonderten sich unter den Gegnern des Königs zwei Parteien, die bisherigen Puritaner, die das Parlament beherrschten, und die  Independenten,  die im Heer den Ton angaben, und zu denen CROMWELL gehörte. Diese verabscheuten jeden Gewissensdruck und fragten nur nach der militärischen Tüchtigkeit, nicht nach der religiösen Ansicht, soweit nicht der Papismus in Frage kam.

Ein neuer Erfolg zeigte, was sie vermochten. Bei  Naseby,  nördlich von Northampton, erlitt CHARLES 1645 die schwerste Niederlage, verlor alle seine Kanonen und Zelte, sein Gepäck und, was das Schlimmste war, sein Geheimarchiv, aus dem dann bald ihn schwer belastende Akten veröffentlicht wurden. Er mußte fliehen, gab aber in seinem starren Optimismus, der für ihn so charakteristisch ist, immer noch nicht die Hoffnung auf einen Wandel der Dinge auf.

Als das Parlamentsheer gegen Oxford, wo der König bis dahin Hof gehalten hatte, siegreich vorrückte, begab er sich in Verkleidung zu den schottischen Truppen, ohne sich vorher zu vergewissern, ob die Zusicherungen, die ihm gemacht wurden, von der dortigen Regierung auch gebilligt werden würde, und da er den  Covenant  [Bündnis - wp] nicht annehmen wollte,  war er ein Gefangener.  Die Schotten wieder lieferten ihn an das Parlament aus, weil sie ekeinen neuen Krieg wollten, entgingen aber dabei nicht dem bösen Schein, daß sie ihn um eine hohe Geldsumme verkauft hätten. Der gute Empfang, den er bei seinen Untertanen fand, zeigte seinen Feinden, wie leicht er ihnen immer noch gefährlich werden konnte, und legte ihnen scharfe Maßregeln nahe.

Immer deutlicher zeigte sich in England der Vorrang des Heeres vor der Zivilgewalt. Stolz auf seine Siege wollte es sich nicht nach Irland schicken lassen, ehe nicht seine religiösen und finanziellen Forderungen erfüllt wären. Es bildeten sich Soldatenräte, sie brachten den König in ihre Hand und besetzten London. Unter ihnen kam jetzt eine neue radikale Richtung auf, die Gleichmacher (Levellers), die vom Parlament nichts wissen wollten, sondern eine Republik, die Trennung von Staat und Kirche sowie die Ausdehnung des Wahlrechts auch auf die Ärmsten verlangten und betonten, daß alle gerechte Regierung allein auf dem ganzen Volk beruth. Das Heer war empört über die gute Behandlung und verhältnismäßig große Freiheit, die dem König noch gelassen wurde, und tatsächlich benutzte er sie, um andauernd mit den Schotten zu verhandeln, die nur kirchliche Zugeständnisse verlangten, um ihn wieder einzusetzen. Nach einem mißlungenen Fluchtversuch schloß er mit ihnen ab, immer in der Meinung, daß er später die lästigen Fesseln des Presbyterianismus würde abstreifen können.

Sie erklärten den Krieg und rückten im Bund mit Kavalieren in England ein. Die Gefahr für die Revolutionäre war wahrlich nicht gering, wenn der innere und der äußere Feind sich vereinigten. Zwar waren ihre Waffen siegreich, CROMWELL brachte die Schotten zur Ruhe, aber in der Person des Königs lag der Keim zu immer neuen Gefahren. Um seinetwillen, auch ohne daß er selbst handelte, konnte jeden Augenblick ein neuer Bürgerkrieg aufleben. Deshalb besetzte das Heer London Anfang Dezember 1648, und damit erfüllte sich rasch CHARLES' Schicksal. Im Parlament gab es viele Zauderer und Unentschiedene. Oberst PRIDE säuberte es im Einverständnis mit CROMWELL, verhaftete 47 Mitglieder und vertrieb die anderen (Pride's Purge). Das war eigentlich das Ende des langen Parlaments. Was übrig blieb, nannte man später höhnisch den Rumpf, und dieser konnte seine Abhängigkeit von den Soldaten nicht verleugnen. Rasch wurden drei wichtige Beschlüsse gefaßt: über Volkssouveränität, Vertretung des Volkes durch das House of Commons und Gültigkeit ihrer Gesetze ohne Krone oder Pairs. 135 Mitglieder sollten den König richten, aber gar mancher entzog sich diesem Amt, wohl wissend, daß er damit eine schwere Verantwortung einging. Die Anklage lautete dahin, daß CHARLES STUART, abgesehen von seinem Versuch, eine unbegrenzte Herrschaft aufzurichten, verräterischerweise gegen Parlament und Volk von England Krieg geführt und damit den Tod vieler Tausende veranlaßt hat.

CHARLES weigerte sich standhaft, das Gericht anzuerkennen und verlangte, zu beiden Häusern zu sprechen. Das wurde ihm abgeschlagen und das Todesurteil gesprochen. 58 Namen standen schließlich darunter. Er verwandte die beiden Tage, die ihm noch blieben, zu religiöser Vorbereitung. Von zweien seiner Kinder konnte er Abschied nehmen. Im Volk regte sich mehrfach Mitleid und seitens der Schotten wurde Einspruch erhoben, da er ja auch ihr König war. Aber die Dinge nahmen ihren Lauf. Am 30. Januar 1649 fand die  Hinrichtung  vor dem Palast zu Whitehall statt. CHARLES bewahrte seine Ruhe und seinen Mut. Seine letzten Worte galten seiner tiefen Überzeugung, daß Herrscher und Untertanen ganz verschiedene Dinge sind, und daß das Volk sich nicht in die Regierung mischen soll.

Es ist kaum nötig, ausdrücklich hervorzuheben, daß das Verfahren völlig ungesetzlich war. Das Blut, das die Engländer vergossen, wusch CHARLES von gar mancher schweren Verfehlung rein und gab ihm die Märtyrerkrone. Im Tod des Königs lag die Auferstehung des Königtums. Aber auch CROMWELL und die Seinen glaubten tun zu müssen, was sie taten, wenn sie ihre sittliche Pflicht vor Gott und den Menschen erfüllen wollten. In ihrem Sinne veröffentlichte gleich nach dem verhängnisvollen Ereignis der große englische Dichter MILTON eine Streitschrift, in der er unbedingt dafür eintrat, CHARLES habe den naturrechtlichen Vertrag mit dem Volk frevelhaft gebrochen, deshalb habe es das Recht gehabt, ihn zu richten und zu töten.

Auf die vergeblichen Versuche CHARLES', mit dem Parlament zu regieren, waren ebenso vergebliche gefolgt, ohne Parlanet zu regieren, daraus entwickelte sich der Bürgerkrieg, und dieser führte zum Ende von CHARLES. Absolutismus und Bischoftum auf der einen Seite, Republik und Gewissensfreiheit auf der anderen, hatten einander gegenübergestanden. Allmählich mußte sich zeigen, ob das Militär, das sich an die Stelle des Parlaments gesetzt hatte, fähig sein würde, dem Land Frieden und Freiheit zu geben. Es beginnt die Zeit der Republik, oder, wie die Engländer sagen, des  Common Wealth.  Eine Republik war aber England nur dem Namen nach, in Wahrheit eine politisch-religiös gestimmte Oligarchie mit vorwiegendem Einfluß des Heeres und des Mannes, dem das Heer vertraute, eben CROMWELLs. Das Oberhaus wurde sofort abgeschafft, die Gemeinen schlossen die mißliebigen Mitglieder aus und richteten einen Staatsrat von 41 Mitgliedern ein. Ihnen traten Fachausschüsse mit umfassenden Vollmachten an die Seite. Das neue Staatssiegel trug die Überschrift: "Im ersten Jahr der mit Gottes Hilfe wiedererlangten Freiheit 1648".

Mit dem ausgezeichneten Heer, das er sich geschaffen hatte, brach CROMWELL den zähen Widerstand der Irländer mit unerbittlicher Härte. Über die Schotten errang er bei  Dunbar  (Südschottland, an der Nordsee) einen glänzenden Sieg (1650). Als dann der Sohn des hingerichteten Königs, der spätere CHARLES II., in kühnem Wagemut mit den Schotten zusammen in England einfiel, schlug sie CROMWELL bei  Worcester  vollständig (1651). Damit war ihre Kraft gebrochen und ihre Verbindung mit England endgültig erzwungen.

Durch die berühmte  Navigationsakte  legte der gefeierte Feldherr 1651 den Zwischenhandel der Holländer lahm und führte den Seekrieg gegen sie letzten Endes glücklich. Aber obwohl das Nationalgefühl dadurch freudig erregt wurde, wollten sich keine ruhigen Verhältnisse anbahnen. Die Steuern waren drückender als je, die Zeitungen, die damals anfingen, eine politische Rolle zu spielen, durften sich nicht frei äußern, Maßregeln der engherzigen Puritaner, durch die die öffentliche Sittlichkeit einigermaßen gewaltsam gehoben werden sollte, machten der Regierung viele Feinde. Die religiösen Streitigkeiten nahmen eine immer größere Schärfe an. Das Parlament konnte sich mit den Offizieren auf die Dauer nicht vertragen, und in seiner Angst wollte es durch eine Scheinwahl seine eigene Dauer beliebig ausdehnen und nur genehme Persönlichkeiten in seinen Schoß aufnehmen. Das dachte CROMWELL sich nicht gefallen zu lassen. Mit den höhnischen Worten: "Ich will Eurem Geschwätz ein Ende machen!" sprengte er es am 20. April 1653 an der Spitze seiner Musketiere auseinander. Der Staatsstreich bereitete der mächtigsten Versammlung, die es in England gegeben hat, ein jähes Ende. Auch der Staatsrat wurde aufgelöst, und niemand konnte sich verhehlen, daß schon jetzt, vier Jahre nach der Hinrichtung des STUARTs, CROMWELL sein Nachfolger ist, allerdings darin von ihm unterschieden, daß er durch das ihm unbedingt ergebene Militär eine viel größere Machtfülle besaß. Das Volk begrüßte die Veränderung mit lebhafter Freude.

Die späteren Parlamente gewannen alle keine größere Bedeutung mehr und verfielen immer bald der Auflösung. Wirkliche Leistungen während der folgenden Jahre sind allein CROMWELL zuzuschreiben, der nützliche Reformen durchsetzte und die englische Seeherrschaft im Krieg mit Spanien, im Bündnis mit Frankreich ausbreitete. Es entsprach nur dem wirklichen Sachverhalt, wenn er am 16. Dezember desselben Jahres zum  Lord Protektor  auf Lebenszeit ausgerufen wurde. Damit war die Monarchie unter anderem Namen wieder hergestellt, nicht von Gottes Gnaden, aber gemäß dem Willen des Volkes, wie er sich im Heer offenbarte. Dem neuen Herrn wurden auch königliche Ehren erwiesen, und er bezog den Palast CHARLES I. Den Königstitel allerdings lehnte er nach einigem Schwanken ab, weil einige seiner Soldaten eine gefühlsmäßige Abneigung dagegen empfanden. Später wurde seine Macht noch wesentlich vermehrt und er selbst unter Entfaltung großer Pracht feierlich in seine erhöhte Stellung eingeführt. Sein Titel lautete nunmehr: OLIVER, von Gottes Gnaden Protektor von England, Schottland und Irland. Der Sprecher des Parlaments übergab ihm eine Bibel und ein Zepter aus reinem Gold.

So hatte die Revolution einer  Militärdiktatur  Platz gemacht. Mehrfache Aufstände der Königlichen wurden erstickt, Versuche, CROMWELL zu ermorden, scheiterten. Aber seine Gesundheit war schon längere Zeit geschwächt. Nachdem er seinen Sohn RICHARD gemäß dem ihm verliehenen Recht zu seinem Nachfolger bestimmt hatte,  starb  er am 3. September 1658, bis zum letzten Atemzug voll davon überzeugt, daß sein Tun Gott wohlgefällig gewesen ist. In gläubigem Vertrauen auf seinen Herrn  Jesus  hauchte er seine Seele aus. Der Revolution hatte er zum Sieg verholfen, aber er war nie ein Revolutionär gewesen. Die Wohlfahrt des Reiches war sein höchstes Ziel, und da er deutlich erkannte, daß sie durch die Republik erreicht werden konnte, ließ er sich durch die reaktionäre Bewegung auf die erste Stelle tragen, füllte sie aber auch großartig aus. Nach außen erschien er als der gefürchtete Vorkämpfer des Protestantismus und befriedigte damit die nationalreligiösen Wünsche des Volkes. Die Frage der Zukunft lautete, ob das Protektorat im CROMWELLschen Geschlecht zu einer neuen Monarchie führen könnte.

Im Grunde fehlte nur noch der Name, RICHARD CROMWELL konnte seinem Vater ohne jede Schwierigkeit folgen. Er war damals 33 Jahre alt, ein Freund der Jagd und des Sports, aber nicht der ernsten Arbeit und besaß keine politische Begabung. Sein Versuch, sich mit Hilfe des Parlaments dem Heer zu widersetzen, schlug fehl, und damit hatte seine Regierungskust schon ihr Ende erreicht. Das Rumpfparlament trat (7. Mai 1659) wieder zusammen, und RICHARD ließ sich durch Geld leicht bewegen, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Völlig vergessen ist er nach langen Jahren gestorben. Eigene Genialität hatte OLIVER CROMWELL die Stufen zum Thron hinaufgeführt: völlige Unzulänglichkeit seines Sohne ließ diesen rasch und unrühmlich hinunterfallen.

Aber ein gutes Verhältnis zwischen Militär und Zivil wollte sich nicht einstellen. Nach wenigen Monaten mußte auch der Rumpf den Truppen weichen, und ein Offiziersrat übernahm die Regierung. Die öffentliche Meinung, hatte nur den einen Wunsch nach Ruhe und Ordnung und verabscheute neue Bürgerkriege und politische Experimente. Die Finanznot war eher gestiegen, Gewaltsamkeiten hatte es mehr gegeben als unter irgendeinem König, auch von wahrer geistiger Freiheit war nichts mehr zu spüren.

Alles war reif für eine Restauration, und es fand sich auch ein Mann, der sie durchführte, General MONK, der in Schottland befehligte. Er hatte in den letzten Jahren allen Parteien gut gedient und sich die Liebe seiner Soldaten im höchsten Maß erworben. Geschickt verstand er es zu schweigen und sich vorsichtig zurückzuhalten, um bei passender Gelegenheit seinen hochfliegenden Ehrgeiz zu befriedigen. An der Spitze seines Heeres kam er nach London, ohne aber gleich seine Karten aufzudecken. Unter seinem Schutz traten die 1648 durch Oberst PRIDE ausgeschlossenen Mitglieder wieder in das lange Parlament ein, so daß jetzt die Mehrheit monarchisch und presbyterianisch gesinnt war. MONK erkannte, daß der richtige Augenblick gekommen ist, das zu tun, was andernfalls auch ohne ihn geschehen wäre. Er benachrichtigte CHARLES II., und dieser gab von Breda aus Erklärungen ab, die Amnestie, Gewissensfreiheit, Bestätigung der Güterveräußerungen und Auszahlung des rückständigen Soldes an das Heer verhießen. Beide Häuser eines neuen Parlaments luden ihn unter Hinweis auf die alten Grundgesetze des Reiches in den ehrerbietigsten Formen zur Rückkehr ein, und am 29. Mai 1660 betrat er unter allgemeiner, lauter Begeisterung seine Hauptstadt. Alles war vorbereitet, eine neue Krone, ein neues Zepter, ein vergoldetes Prunkbett. Überall wurden die seltenen Tugenden des neuen Herrschers gepriesen, und die Zeitgenossen konnten glauben, daß die Revolution völlig ausgelöscht ist.


Die zweite englische Revolution
(1688 - 1689)

Unter dem Gesichtspunkt der zweiten englischen Revolution werden wir besonderen Wert darauf legen, den Charakter des neuen Königs richtig zu deuten. CHARLES II. war jetzt 30 Jahre alt, hatte während der langen schweren Jahre der Verbannung sich an Verstellung und Ränke nur allzusehr gewöhnt und dachte jetzt, wo das ersehnte Ziel erreicht war, in erster Linie an Genuß, als wollte er sich für das früher Entbehrte in möglichst kurzer Frist entschädigen. Er liebte eine prunkhafte Hofhaltung, die doch zu den schlechten Reichsfinanzen gar nicht paßte, er ließ Günstlingen und Geliebten freie Hand. Seine Mutter war eine französische Prinzessein, in Frankreich hatte er Schutz gefunden, dort sah er im absoluten Regiment LUDWIGs XIV. ein Ideal verwirklicht, das er nach England verpflanzen wollte. Weil ihm aber die Kraft und die Ausdauer fehlten, dieses Ziel fest ins Auge zu fassen und es allen Hindernissen zum Trotz zu erreichen, begnügte er sich mit hinterhältigen Maßregeln und verbarg sorgfältig seine wahre Meinung.

Die durchgreifende Veränderung in der Volksstimmung kam ihm zugute, man wollte von der Revolution nichts mehr wissen. So wurden die Königsmörder trotz der Amnestie scharf verfolgt, einige hingerichtet. Am Geburtstag des Königs wurde die Leiche CROMWELLs gehängt und unter dem Galgen verbrannt. Die Krönung fand unter Entfaltung großen Prunkes statt, und das neue Parlament, das eine Mehrheit von Kavalieren hatte, dachte strenger königlich als CHARLES selbst. Die feierliche Liga und der  Covenant  wurden für völlig ungesetzlich und den Grundgesetzen und Freiheiten des Volkes abträglich erklärt, der alleinige Oberbefehl über alle Streitkräfte zu Wasser und zu Lande der Krone zugesprochen und ausdrücklich festgesetzt, kein Parlament könne gesetzlich gegen den König Krieg führen. Die religiösen Angelegenheiten blieben im Vordergrund. Wer sie in ihrer Bedeutung unterschätzen wollte, würde zu keinem Verständnis des Zeitalters kommen. Eine  Uniformitätsakte  sollte allen künftigen Streitigkeiten ein Ende machen. Dadurch wurden Geistlichkeit und Lehrerschaft streng gebunden, und dazu kam noch eine Pressezensur. Zahlreiche Geistliche fühlten sich jetzt durch ihr Gewissen gedrängt, lieber ihre Kirchen zu verlassen, als sich dem liturgischen Zwang zu unterwerfen. Von da an ging ein Riß durch das Volk: auf der einen Seite standen die Anhänger der Staatskirche, auf der anderen die sogenannten Nonkonformisten, unter denen die Neigung zur Sektenbildung naturgemäß wuchs.

In den auswärtigen Verhältnissen mußte es sich zeigen, ob CHARLES England auf der Höhe würde halten können, die es unter CROMWELL erklommen hatte. Damals war es eine der führenden Mächte gewesen und hatte die protestantischen Interessen kraftvoll vertreten. Das wurde rasch anders. Mit den französischen verband CHARLES katholische Neigungen. Seine Schwester heiratete den Bruder LUDWIG XIV., den Herzog von Orleans. CHARLES selbst hätte dem Wunsch seiner Untertanen gemäß eine Protestantin heimführen sollen. Aber daran dachte er nicht, er sah sich nach einer Katholikin um. Da geschah es, daß sich die Portugiesen auf das lebhafteste um sein Bündnis bewarben, weil sie immer fürchteten, daß Spanien ihnen die kurz vorher erkämpfte Unabhängigkeit wieder rauben wird. So entschied sich CHARLES für die Schwester des Königs von Portugal und erhielt, abgesehen von einer großen Summe Geld, als ihre Mitgift Bombay in Ostindien und Tanger in Marokko. Glänzende Aussichten konnten sich an diese Stützpunkte knüpfen. Gleich nach der Hochzeit zwang CHARLES seine Gemahlin, eine seiner Geliebten in ihren Hofstaat aufzunehmen, und die Königin hat dann gar keine politische Rolle gespielt, auch dem sittenlosen Treiben um sie herum nicht Einhalt gebieten können.

Um Tanger zu sichern, bedurfte es erheblicher Aufwendungen, und, da die Kassen leer waren, entschloß CHARLES sich sehr zum Mißvergnügen der öffentlichen Meinung, dazu, Dünkirchen, das CROMWELL gewonnen hatte, an Frankreich zu verkaufen, wodurch er gleichzeitig Spanien reizte. LUDWIG XIV. war sofort bereit, den Platz zu erwerben und bot eine entsprechende Summe. Acht Jahre lang übte der Minister CLARENDON den maßgebenden Einfluß aus. Nach seinem Sturz im Jahr 1667 konnte CHARLES die eigene Persönlichkeit stärker zur Geltung bringen. Er war nicht frei vom Ehrgeiz, sein eigener Minister zu sein, nur konnte er sich nicht zu anhaltender ernster Arbeit entschließen. Fünf Mitglieder seines Rates, die man nach ihren Anfangsbuchstaben als  "Cabal"  zu bezeichnen pflegt, wurden für seine Handlungen verantwortlich gemacht. Das stand für jeden einsichtigen Beurteiler fest: England mußte entweder die Führung eines großen gegenfranzösischen Bundes übernehmen, wie das auch später nach der zweiten Revolution geschah, oder sich selbst von Frankreich führen lassen. Das erstere lag CHARLES ganz fern, das zweite schreckte ihn nicht. Wollte er sich mit Rom aussöhnen, so ging das am leichtesten durch französische Vermittlung. Seine Schwester, die Herzogin von Orleans, die sein volles Vertrauen genoß, bemühte sich mit Erfolg um eine Annäherung der beiden Weststaaten, und im Mai 1670 wurde der Geheimvertrag von  Dover  mit Frankreich geschlossen. CHARLES versprach katholisch zu werden, sobald es die Wohlfahrt seines Reiches erlauben würde, behielt sich aber vor, den Zeitpunkt selbst zu bestimmen. Nachher wollten beide Herrscher gemeinsam Krieg gegen Holland führen. Erwürbe LUDWIG neue Rechte auf die spanische Monarchie, so sollte England ihn mit allen Kräften zu Wasser und zu Lande unterstützen. Um die üble Abmachung sogar vor seinen nächsten Räten geheimzuhalten, ließ er diese einen Scheinvertrag schließen, in dem religiöse und finanzielle Bestimmungen verädert waren. So wandte er List und Trug in einer Lebensfrage des Staates an. Der französische Einfluß war aber nicht bloß urkundlich festgelegt. Ihn verkörpterte auch die neue Geliebte des Königs, eine schöne und junge Bretonin, LUISE von KEROUALLE, die es sehr geschickt verstand, ihre Reize in den Dienst LUDWIGs XIV. zu stellen.

Durch militärische Erfolge hoffte CHARLES die Aufmerksamkeit des Volkes von seinen religiösen Maßnahmen ablenken zu können. Er erließ im März 1672 die berühmte  Indulgenzerklärung,  d. h. er hob alle Strafgesetze in kirchlichen Angelegenheiten gegen Nonkonformisten oder Rekusanten [Gegner der anglikanischen Kirche - wp] jeder Art zeitweilig auf. Protestantische Dissenters erhielten die Erlaubnis, an gewissen Orten öffentlich Gottesdienst zu feiern, Katholiken nur in Privathäusern. Niemand wird bezweifeln, daß diese Vergünstigungen ansich gerecht waren und dem Geist echter Duldung entsprachen. Aber CHARLES lag ja gar nichts an der Gleichberechtigung aller Bekenntnisse, sondern einzig und allein an der Unterstützung des katholischen, die er unter dem Vorwand der Gleichberechtigung durchzusetzen versuchte. Diesen Zweck erreichte er nicht. Das Parlament bestritt zwar nicht das Recht des Königs, in einzelnen Fällen Strafgesetze außer Kraft zu setzen, wohl aber das weitere, ganze Gesetze ihrer Wirkung zu berauben; denn damit wäre ja der Absolutismus wieder aufgerichtet worden. So mußte die Indulgenzerklärung fallen, und die Londoner zündeten Freudenfeuer an.

Ganz im Gegensatz zu den versuchten Erleichterungen für den Katholikenstand beschloß das Parlament die  Testakte  von 1673. Danach sollten alle bürgerlichen und militärischen Beamten einen Treue- und Suprematseid schwören, das Sakrament gemäß der englischen Staatskirche empfangen und noch eine Erklärung unterschreiben, daß sie nicht an die Transubstantiation [Wasser-zu-Wein-Verwandlung - wp] glaubten. Die Zustimmung CHARLES' wurde durch eine Geldbewilligung erkauft. Man wird das unwürdig und unköniglich finden. Aber das war seine Art, erst auszuweichen, um auf krummen Wegen wieder nach dem alten Ziel zu streben. Die öffentliche Meinung erregte sich noch mehr gegen alles, was wie Papismus aussah, als des Königs Bruder, der Herzog JACOB von YORK, in zweiter Ehe die katholische Prinzessin von Modena heiratete. CHARLES II. hatte keine Kinder, JACOB mußte ihm folgen, und es war bekannt, daß er ganz katholisch gesinnt war. Allerdings waren seine beiden Töchter erster Ehe anglikanisch erzogen und die älteste, MARIA, wurde 1677 mit WILHELM von ORANIEN, dem Erbstatthalter der Niederlande, vermählt.

WILHELM verkörperte den Gegensatz gegen Frankreich und die Freiheit Hollands, für die er unermüdlich, wenn auch oft unglücklich gekämpft hatte. Schon konnte der Eindruck entstehen, als trete CHARLES damit eine seiner bisherigen entgegengesetzte, aber seinem Volk hochwillkommene Politik ein. Aber dem war doch nicht so. Er brauchte nach wie vor Geld, und weil er solches nur von Frankreich bekommen hatte, schloß er einen neuen Geheimvertrag ab, in dem wie in einem früheren ausbedungen war, daß CHARLES möglichst ohne Parlament regieren sollte, um es an einer Betätigung im gegenfranzösischen Sinn zu hindern. So tief erniedrigte er sich vor dem Ausland: er wollte lieber von einem fremden Herrscher als von seinem eigenen Volk abhängig sein. Eine angebliche große jesuitische Verschwörung, die man unter dem Namen des betrügerischen Angebers TITUS DATES kennt, gab Anlaß zu scharfen Verfolgungen der Katholiken. Diejenigen, die dem  House of Lords  angehörten, mußten es wegen einer ihnen zugemuteten Erklärung gegen die heilige Jungfrau und das Meßopfer verlassen und durften es erst 1829 nach den sogenannten Katholikenemanzipation, dem durch ROBERT PEEL eingebrachten Gesetze zu ihren Gunsten, wieder betreten.

Im Zusammenhang damit stand der lebhafte Wunsch des Parlaments, den Herzog von York von der  Thronfolge  auszuschließen, mit der Begründung, daß er mit dem Papst Verhandlungen geführt und die Macht des Königs von Frankreich gefördert hat. An seine Stell sollte der nächste protestantische Erbe treten. Monarchisches Gefühl und religiöse Überzeugung traten in einen scharfen Gegensatz. Die Parteien im Parlament schlossen sich enger zusammen und befehdeten sich mit zunehmender Heftigkeit. Die eine arbeitete für das Erbrecht und damit für York, zugleich auch für die Vorrechte der Krone, die andere für seine Ausschließung und für eine stärkere Geltung des Parlaments. Unter den Namen  Tories  und  Whigs,  mit denen man sie ursprünglich herabsetzen wollte, sind sie weltbekannt geworden. Nach den uns geläufigen Ausdrücken kann man sie mit den Konservativen und Liberalen vergleichen.

In diese Jahre fiel das Gesetz gegen willkürliche Verhaftungen,  Habeas Corpus,  in dem der Engländer die sichere Grundlage seiner persönlichen Freiheit zu sehen gewohnt ist. Zwischen einer Verhaftung und dem Prozeß durften höchsten 24 Stunden liegen, und auch sonst waren Bestimmungen getroffen, die den Untertanen Schutz vor Übergriffen der Obrigkeit boten.

Als CHARLES mit dem Parlament überhaupt nicht mehr fertig wurde, löste er es auf. Er konnte so handeln, weil er sich wieder einmal darüber mit LUDWIG XIV. geeinigt und von ihm Geld zugesagt erhalten hatte. Die Whigs waren so niedergeschlagen, daß sie gar nicht an einen gewaltsamen Widerstand dachten. Noch siegte die Monarchie. Solange CHARLES kein Parlament berief und seine Ausgaben mit französischer Hilfe bestritt, gab es keine englische auswärtige Politik. LUDWIG XIV. konnte unbekümmert um eine von dort drohende Gefahr die berüchtigten Reunionen vornehmen und die Hugenotten verfolgen. All das wollte man in England nicht, aber der König ließ es geschehen. Der hohen Kosten wegen gab er Tanger lieber auf, als daß er das Parlament um eine Bewilligung anging. So stand er noch fest da, als ihn ein Schlaganfall traf. List war immer seine beste Waffe gewesen. List wandte er noch im Angesicht des Todes an, um die letzte Ölung von einem katholischen Priester zu empfangen. Er starb am 6. Februar 1685.

Wie man auch seine Regierung beurteilen mag, das ließ sich wohl keiner der Zeitgenossen träumen, daß eine Revolution nah bevorsteht. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren überaus günstig und um die Ausdehnung der Kolonien hatte CHARLES sich eifrig bekümmert, wie die Geschichte der späteren Vereinigten Staaten von Nordamerika beweist.

Wollte man die Lage beim Regierungsantritt JACOBs II. anschaulich machen, so könnte man sagen, daß der Thron äußerlich fest dastand, daß aber alles darauf ankam, ob es gelingen würde, die Spuren der letzten Erschütterungen zu beseitigen. Er war 51 Jahre alt, dem Charakter nach eine merkwürdige Mischung aus Eigensinn und Unselbständigkeit. Man würde übertreiben, wenn man behaupten wollte, seine persönlichen Fehler seien allein an seinem Schicksal schuld gewesen. In ruhigen Zeiten hätte man ihm seine geschmacklose Weiberwirtschaft wohl verziehen. Aber ungewöhnlichen Verhältnissen fühlte er sich nicht gewachsen und unterschätzte die Feindschaft, die er sich durch seinen Katholizismus auf die Dauer zuziehen sollte. Sein katholisches Bekenntnis war der überwiegenden Mehrheit seiner Untertanen rein gefühlsmäßig ein Greuel, und man konnte nicht vergessen, daß er nach dem Willen des Parlament überhaupt nicht hätte regieren dürfen. Trotzdem wurden seine ersten Handlungen günstig aufgenommen, weil er sich anglikanisch krönen ließ und ein Parlament berief, in dem eine geradezu begeisterte Loyalität herrschte. Die ernste Gefahr, die sich aus der Erhebung des Herzogs von MONMOUTH hätte ergeben können, zerrann rasch wieder. MONMOUTH war ein natürlicher Sohn CHARLES II., ein schöner und tapferer Mann; er landete in England, verkündete allerlei Reformen und bezeichnete sich als den Vorkämpfer des Protestantismus gegen einen papistischen König. Aber er fand keinen allgemeinen Anhang, er wurde gefangen genommen und endete auf dem Schafott. An seinen Anhängern wurden die berüchtigten Justizmorde des Richters JEFFREY vollzogen. Härter als Marmor, so sagte ein General, sei des Königs Herz.

Für die europäische Politik kam sehr viel darauf an, zu welcher Partei JACOB sich schlagen würde, da man mit dem Ausbruch eines allgemeinen Krieges wegen der spanischen Erbfolge rechnete. England konnte den Ausschlag geben, ob es sich dem deutschen Kaiser oder dem König von Frankreich anschloß. LUDWIG XIV. war wieder bereit, Geld zu bewilligen, verlangte aber bestimmte Gegenleistungen. Dadurch fühlte sich JACOB verletzt, als er seine leere Kasse nicht gleich füllen konnte, und näherte sich den Holländern. So schien er im Herbst 1685 ganz im Sinne der Volksmeinung seine Entscheidung getroffen zu haben und aller Befürchtungen im Innern ledig zu sein. Aber seine Haltung war nicht aufrichtig gemeint, und im Grunde gab er seine katholisierungen Bestrebungen keineswegs auf. Eine starke protestantenfeindliche Strömung ging damals durch die Welt. LUDWIG XIV. hob im Oktober 1685 das Edikt von Nantes auf und verfolgte die Hugenotten, vielleicht in der Hoffnung, daß das Wiederaufleben religiöser Kämpfe ihn vor einem Bündnis von Staaten beider Bekenntnisse bewahren könnte. In England sammelte man Geld für die Opfer seiner Härte und sogar JACOB beteiligte sich auch daran. Aber das genügte nicht, um die Gemüter zu beruhigen. Die Katholiken wollten auf alle Fälle die Testakte und ihre Ausschließung aus dem Parlament rückgängig machen. JACOB kam ihren Wünschen entgegen: er ernannte katholische Offiziere für das vergrößerte stehende Heer und beförderte Katholiken in hohe bürgerliche und geistliche Stellen. Es erschien ihm klug, die Presbyterianer und Dissenters, die ihm eigentlich verhaßt waren, in seine auf Duldung gerichteten Maßnahmen einzubeziehen, und so erließ er im April 1687 eine  Indulgenzerklärung,  die weiter ging als diejenige, die sein Bruder 14 Jahre vorher hatte zurücknehmen müssen. Danach wurde die Freiheit des öffentlichen Gottesdienstes Katholiken wie Nichtkatholiken allgemein zugestanden. Kein religiöser Eid sollte als Befähigungsnachweis vor Antritt eines Amtes verlangt werden. Gleichzeitig betonte der König, daß er die Staatskirche aufrechterhalten und die Inhaber von einem ehemaligen Klostergut nicht belästigen wolle. Wohin aber seine wahren Absichten zielten, zeigte sich darin, daß er trotz lebhaften Widerstandes das reiche  Magdalenen-Kollegium in Oxford katholisierte und in die Erteilung akademischer Würden durch die Universität Cambridge gewaltsam eingriff.

Als er dann befahl, daß eine zweite Indulgenzerklärung am Sonntag auf allen Kanzeln des Königreiches verlesen würde, unterzeichneten sieben Bischöfe eine Bittschrift an den König, er möchte das rückgängig machen. Sie wurden in den Tower geworfen, von den Richtern aber für unschuldig erklärt. In diese Zeit, da die öffentliche Meinung schon heftig erregt war, fiel die Kunde, daß die Königin einem Prinzen das Leben gegeben habe (10. Juni 1688). Weite Kreise meinten, er sei untergeschoben, um die protestantische Nachfolge zu verhindern, und von da an wuchs die Opposition gegen JACOB rasch und stark. Die Empörung über die Verfolgung der Bischöfe, die doch nur ihre Pflicht taten, und die Furcht vor einer künftigen papistischen Regierung wirkten zusammen. Verschaffe sich der König ein gefügigs Parlament, und wandte er nötigenfalls militärische Gewalt an, dann war der Absolutismus wieder hergestellt und alles verloren, was man durch die erste Revolution gewonnen hatte. Wollte man dagegen irgendetwas tun, so brauchte man einen hervorragenden Führer, und als solcher kam einzig und allein WILHELM von ORANIEN in Betracht. Man kannte ihn als Kalvinisten und Freund der Duldung und seine Äußerungen befriedigten ebenso gemäßigte Katholiken wie gemäßigte Protestanten.

Der Fortgang der allgemeinen Politik brachte die Entscheidung. Zweifellos wünschte JACOB sich wieder eng an Frankreich anzuschließen und rief deshalb die in holländischen Diensten stehenden englischen Regimenter zurück. Die Holländer aber weigerten sich, sie in dem Augenblick ziehen zu lassen, wo sich ihre Beziehungen zu Frankreich trübten. WILHELM erkannte die Größe der Gefahr und unterrichtete seine Freunde in England, daß er bereit ist, mit Truppen nach England zu kommen, wenn er dazu von einflußreichen Persönlichkeiten eingeladen wird. Da seit der Geburt des Thronerben die Hoffnung auf eine protestantische Erbfolge geschwunden war, fielen alle Bedenken fort, und Führer aller Parteien baten ihn, vor Ende des Jahres 1688 zu landen.

WILHELM hatte jetzt, was er wollte, eine förmliche Einladung, und er war gewillt, ihr zu folgen, mußte es auch tun, nicht um anzugreifen, sondern um sich gegen die Eroberungsgelüste LUDWIGs XIV. zu verteidigen. Ob er gleich er an seine eigene Erhebung dachte, mag dahingestellt bleiben. Männer der Tat quälen sich nicht lange damit, ihre letzten Zwecke festzulegen, sie gehen mutig vorwärts und bauen auf ihren Stern. Die Hauptsache war für ihn, das drohende Bündnis eines katholisierten England mit Frankreich abzuwenden. Die Stimmung in Holland war seinem Unternehmen günstig, weil die protestantischen, freiheitlichen und wirtschaftlichen Interessen des Landes von LUDWIG XIV. mehrfach verletzt worden waren. Die allgemeine politische Lage gewährte WILHELM die nötige Bewegungsfreiheit. Es war kaum zu fürchten, daß LUDWIG sich einmischte; denn ihm waren am Rhein die Hände gebunden, und er mußte auf den Kaiser Acht geben, der Erfolge über die Türken davongetragen hatte.

JACOB wurde Ende August 1688 von den gegen ihn gerichteten Rüstungen unterrichtet, wollte aber nicht daran glauben und ebensowenig sich fest an LUDWIG binden. Er war unvorsichtig und hochmütig zugleich. Erst einige Wochen später erfaßte er den Ernst der Lage, traf militärische Vorbereitungen und bequemte sich in letzter Stunde zu einer Reihe von Reformen, die, rechtzeitig angeordnet, den Dingen einen anderen Lauf gegeben hätten. Papisten sollten dauernd aus dem  House of Commons  ausgeschlossen sein, verschiedene mißliebige Maßregeln wurden rückgängig gemacht, ja es sollte sogar ein engeres Verhältnis zu den Holländern angebahnt werden. Diese waren aber viel zu klug, um JACOB Glauben zu schenken und der einzige Erfolg einer solchen Zick-Zack-Politik war, daß LUDWIG XIV. den unzuverlässigen Herrscher dem wohlverdienten Schicksal überließ.

Was dagegen WILHELM wollte, stand auf der Fahne zu lesen, die auf seiner Fregatte wehte: "Für die protestantische Religion, für ein freies Parlament!" Beide Worte hatten in England einen wunderbaren Klang. Am 5. November 1688 landete er in der Bucht von  Corbay  in Südwestengland. Er wollte es möglichst vermeiden, Blut zu vergießen und lieber abwarten, bis das Volk sich gemäß der natürlichen Entwicklung der Dinge auf seine Seite gestellt hätte. Zunächst rührte es sich überhaupt nicht. Die letzten Zugeständnisse JACOBs hatten doch Eindruck gemacht, zu einer neuen Revolution verspürte man gar keine Lust. Abgesehen von den religiösen Unterschieden war JACOB immer noch persönlich beliebt. WILHELMs Charakter konnte das Volk nicht fortreißen. Er war verschlossen und unliebenswürdig, sicher ein Mann von ganz hervorragenden Geistesgaben, aber nicht von solchen, die auf die Masse Eindruck machen. Von der leichten, lockeren, vornehm gewinnenden Art der STUARTs besaß er nichts. Dauernd in Staatsgeschäfte vertieft, von Asthma gequält, mied er den geselligen Verkehr mit ihm gleichgültigen Menschen.

Noch konnte JACOB zumindest einen Teil der Tories gewinnen, wenn er rasch entschlossen seine Politik völlig umschaltete und Frankreich bekriegte. Aber dazu war er viel zu abhängig von seinen Ratgebern, die in erster Linie katholisch dachten. Unter ihnen übte ein Jesuitenpater maßgebenden Einfluß. Schließlich blieb dem König nur die Wahl zwischen Kampf und Flucht, und beide Möglichkeiten erwog er eine Zeitlang hin und her. An militärischem Mut fehlte es ihm nicht, wohl aber an politischer Entschlossenheit. Während er seine Truppen sammelte, bemühte er sich gleichzeitig um die Überfahrt nach Frankreich. Die Erinnerung an die Hinrichtung seines Vaters lastete schwer auf ihm. Er tat nichts und verlor dadurch unrühmlich seinen Thron. Seine Weigerung, ein Parlament zu berufen und sein Ungeschick, einen unbeliebten Oberbefehlshaber einzusetzen, entfremdeten ihm die Soldaten. Erst als die Flotte von ihm abfiel, seine eigene Tochter ANNA ihn verließ, und eine Stadt nach der andern sich für WILHELM erklärte, wandte er sich an eine Gruppe Tories. Von ihnen mußte er sich die gröbsten Wahrheiten sagen lassen. Ihre Forderungen betrafen die Entlassung der papistischen Offiziere, die Aufkündigung des französischen Bündnisses, volle Amnestie, Verhandlungen mit dem Oranier. JACOB nahme alle Bedingungen an, aber das war nur Schein, im Grunde verabscheute er jede Vereinbarung mit seinem Schwiegersohn, den er bitter haßte. Wußte er doch, daß WILHELM als erstes eine entschiedene Haltung gegen Frankreich fordern würde, während Jakob von dieser Seite allein Hilfe zur Wiederherstellung von Katholizismus und Absolutismus zu erhalten hoffte. Nur um Zeit zu gewinnen, sagte er am Abend des 9. Dezember zu dem die Geschäfte führenden Lord, er wolle mit ihm am nächsten Morgen wegen der WILHELM zu erteilenden Antwort sprechen und zog sich zurück. Dann vernichtete er die Ausschreiben für das Parlament, füllte seine Taschen mit Geld und Wertsachen und stahls sich in frühester Morgenstunde heimlich aus dem Palast. Als er sich auf der Themes einschiffte, warf er das Staatssiegel ins Wasser.

England hatte keine rechtmäßige Regierung mehr, schon beging der Mob üble Ausschreitungen gegen die Gesandten katholischer Staaten und nahm fliehende katholische Priester gefangen. Um der Anarchie vorzubeugen, lud die Hauptstadt WILHELM ein, zu kommen, und er tat es. Aber JACOBs Flucht war mißlungen. Fischer hielten ihn an, er kehrte nach London zurück und wurde mit lautem Beifall begrüßt. Da entschloß sich WILHELM, der deutlich erkannte, daß eine freundliche Auseinandersetzung mit seinem Schwiegervater unmöglich ist, ihn einzuschüchtern und forderte ihn einfach auf, den Palast zu räumen. JACOB selbst verbot jeden Widerstand und verließ am 17. Dezember endgültig seine Hauptstadt. Einige Stunden später zog WILHELM ein, und auch ihn begrüßten die Bürger mit Freudenbezeugungen.

Noch war die Lage recht unsicher. Die Tories wollten auf jeden Fall die Macht nicht aus der Hand geben und eine Art Regentschaft führen, sich auch die Möglichkeit der Verständigung mit JACOB, der sich an der Küste aufhielt, noch offen halten. Aber der König war ebenso starrsinnig wie vorher auch und wollte lieber eine Zeitlang in die Verbannung gehen, als Zwang zu dulden. Da WILHELM klugerweise die Flucht erleichterte, bestieg er am 23. Dezember ein Schiff und gelangte diesmal glücklich nach Frankreich. Das bedeutete die Entscheidung. Wie man die Sache auch auffaßte, daran ließ sich nichts ändern, daß der König mit Gewalt, wenn auch ohne Blutvergießen beseitigt worden war. Aus einem Thronwechsel war eine Revolution geworden. WILHELM befahl sofort dem französischen Gesandten, das Land zu verlassen und berief ein Parlament aus all denen, die zur Zeit CHARLES II. darin gesessen hatten. Gegen die Katholiken befleißigte er sich einer wohlberechneten Milde und wollte sein Unternehmen durchaus nicht als Glaubenskampf angesehen wissen.

Im Parlament, das frei gewählt wurde, gingen die Meinungen weit auseinander. Sollte die Monarchie erblich sein oder auf Wahl beruhen? Sollte WILHELMs Gemahlin oder er selbst herrschen? MARIA aber erklärte, sie wünsche keine politische Macht über ihren Mann oder auf seine Kosten. Ihre Schwester ANNA, die mit dem König von Dänemark vermählt war, war damit einverstanden, daß WILHELM vor ihr den Thron besteigt. WILHELM selbst machte keinen Hehl daraus, daß er nicht Regent und von seiner Frau abhängig sein will, so sehr er sie auch schätzt. Er meinte, die Engländer hätten ausschließlich das Recht, ihr Oberhaupt zu wählen. Nähmen sie ihn nicht, so würde er einfach nach Holland zurückkehren. Das machte Eindruck. Unruhen konnten jeden Augenblick wieder ausbrechen, die Leiden des Bürgerkriegs waren noch in frischer Erinnerung. WILHELM erregte keine Begeisterung, aber man konnte ihm völlig vertrauen. Tories und Whigs, deren Verfassungstheorien weit auseinandergingen, einigten sich dahin, den Thron als erledigt anzusehen und machten damit die Bahn für die Wahl eines neuen Herrschers frei. Eine Rechtserklärung,  Declaration of Rights,  verurteilte alle Vergehen JACOBs II. Die Krone wurde auf WILHELM und MARIA, aber die Regierung zunächst auf WILHELM allein übertragen, und am 13. Februar 1689, der nach dem damaligen Jahresanfang am 25. März noch zu 1688 gehörte, ihre Thronbesteigung feierlich kund getan. Alle Untertanen mußten ihnen einen Treue- und Suprematseid schwören, wenn sie nicht mit Geld oder Gefängnis bestraft werden wollten. Gegen den Willen der Whigs setzte WILHELM eine Amnestie durch, freilich erst 1690. Sein Sieg wurde durch keine Grausamkeiten oder Rachehandlungen befleckt, und die Revolution, die von den Engländern die glorreiche genannt worden ist, verlief so gesetzlich wie nur überhaupt möglich.

In Schottland stellte er gewisse Bescherden ab und wurde dort auch anerkannt. In Irland brach der Bürgerkrieg aus, aber es gelang ihm, persönlich den Sieg am  Boyne River  (Ostirland) zu erringen und dann die Ruhe wiederherzustellen.

Wenn man die dauernden Wirkungen der beiden englischen Revolutionen zu übersehen versucht, so hat man als Ergebnis festzuhalten, daß die Monarchie erst beseitigt, dann wiederhergestellt, schließlich auf eine neue Grundlage gestellt und damit wesentlich befestigt wurde. Von da an ruhen ihre Wurzeln tief im Willen des Volkes. Sie stört nicht, sie dient häufig nur der äußeren Vertretung und Prachtentfaltung, aber sie hat, wie aus der Geschichte bekannt ist, sich doch auch in den auswärtigen Angelegenheiten zur Geltung bringen können. Zwei Revolutionen haben also nicht die Monarchie, wohl aber den Absolutismus der STUARTs beseitigt und die Leitung des Staates dem Parlament als Vertreter des Volkes anvertraut. Es begann die englische Geschichte sich im Wechsel der beiden großen, damals entstandenen Parteien zu vollziehen, und England wurde zum klassischen Land des Parlamentarismus überhaupt. Wie starken Einfluß es durch seine freiheitlichen Verfassungseinrichtungen nicht nur auf die Nachbarländer, sondern auch auf Europa und die Welt geübt hat, ist allbekannt, und das England, das bis auf die neueste Zeit schwärmerisch bewundert und als Zufluchtsort der Verfolgten gepriesen wurde, ist aus den Kämpfen des 17. Jahrhunderts hervorgegangen.

Es gab kein Gottesgnadentum mehr, WILHELM und MARIA regierten kraft der aus der  Declaration of Rights  entstanden "Bill of Right" vom 16. Dezember 1689. Das Parlament machte den König. Das Parlament allein bewilligte Geld, und zwar immer nur auf ein Jahr, und beschloß ebenso alljährlich den  Mutiny-Act,  durch den es sich die Aufsicht über das Heer sicherte, es regelte auch den Handel, der in so enger Verbindung mit den gesamten Staatseinnahmen stand. Es hatte aus den Erfahrungen, die es unter drei Königen und CROMWELL gemacht hatte, gelernt und deutlich erkannt, von wo ihm Gefahr drohte. Deshalb traf es seine Vorsichtsmaßregeln.

Die langen und heftigen religiösen Streitigkeiten hatten das eine Gute gehabt, daß man von Verfolgungen und Gewalttätigkeiten nichts mehr wissen wollte. Der neue König war persönlich seinem ganzen Wesen nach ein abgesagter Feind allen Gewissensdrucks und wünschte nichts sehnlicher, als das ganze Volk nach außen zu einen. Aber die Parteileidenschaften waren doch noch viel zu erhitzt, als daß eine wirkliche Duldung aller Bekenntnisse und Meinungen möglich gewesen wäre. Den protestantischen Dissenters wurde wenigstens eine praktische Duldung gewährt, und sie konnten ihren Gottesdienst ungestört ausüben. Die Katholiken dagegen standen unter Ausnahmebestimmungen und wurden allerlei Beschränkungen ihrer staatsbürgerlichen Rechte unterworfen.

Stärker und deutlicher als in der inneren trat der Wandel der Dinge in der äußeren Politik zutage. Das schwächliche Hin und Her zwischen Spanien und Frankreich hörte ebenso auf wie die unwürdige finanzielle Abhängigkeit von Frankreich. Jetzt, wo WILHELM große Machtmittel zur Verfügung hatte, spannte er erst recht alle Kräfte an, um den allgemeinen Bund gegen Frankreich zusammenzubringen, um dessentwillen er sich auf das englische Abenteuer eingelassen hatte. England wurde ihm die Grundlage, auf der er seine weitreichenden Pläne aufbaute. Es war sein Verdienst, wenn die Übermacht LUDWIGs XIV., die jede freie Regung zu ersticken suchte, 1697 im  Ryswijker Frieden  zum erstenmal eine Schranke fand. Dadurch wurde der Gegensatz gegen jede ausschließliche Vorherrschaft eines Staates zu einem leitenden Grundsatz der englischen Politik, den sie erst aufgab, als sie sich selbst stark genug fühlte, ihrerseits die führende Rolle zu übernehmen.

Die Bedeutung der ersten englischen Revolution, deren unmittelbare Wirkungen von so kurzer Dauer waren, liegt darin, daß ohne sie die zweite in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. So viel Menschliches beiden auch anhaftet, daran wird kaum zu zweifeln sein, daß sie im Endergebnis sittliche Güter gemehrt haben. Königlicher Absolutismus im Innern, französischer Absolutismus im Äußern wurden gebrochen, persönliche Freiheit und nationale Entfaltung gewährleistet. Die drei Länder England, Schottland und Irland waren zu einem Reich Großbritannien vereinigt und damit fähig, im 18. Jahrhundert den Kampf um die Seeherrschaft aufzunehmen.
LITERATUR Alexander Cartellieri, Geschichte der neueren Revolutionen, Leipzig 1921