ra-2A. CartellieriCarlyleA. LiebertE. BurkeKropotkinTocqueville    
 
FRITZ ANNEKE
Der amerikanische Bürgerkrieg
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"Die im Jahre 1787 entworfene und angenommene und 1788 ratifizierte Bundesverfassung der Vereinigten Staaten kennt keinen Rassen- und Standesunterschied; vor ihr sind alle Menschen frei und gleich. Freilich ließ sich das tatsächliche Bestehen der Sklaverei zu jener Zeit nicht wegleugnen; aber die Verfasser der Konstitution hüteten sich wohl, das große Freiheitswerk durch eine förmliche Anerkennung der schimpflichen Institution zu besudeln. Sie erwähnten die Sklaverei auch nicht in einem einzigen Paragraphen, auch nicht mit einem einzigen Wort, und hielten so ihren Nachkommen die Möglichkeit offen, jenes große Werk, ohne irgendeine Abänderung des Fundamentalstatus der Freiheit, dadurch zu krönen, daß sie die Sklaverei abschaffen und die Schwarzen und Farbigen in ihre vollen Menschen- und Bürgerrechte einsetzen."

"Jeder Beamte, welcher auch nur im Verdacht stand, dem Willen der Parteiführer zu opponieren, oder sich lässig zeigte im Streben, die Parteizwecke zu fördern, wurde unnachsichtig seines Amtes enthoben und nur die tätigsten Parteimitglieder konnten, je nach dem Verhältnis, wie sie bei den Wahlen für das Interesse der Partei  gearbeitet  hatten, auf eine entsprechende Belohnung nach dem Sieg rechnen. Es ist leicht zu begreifen, daß ein solches Verfahren, daß die Besetzung von etwa 50 000 Ämtern mit gehorsamen und tätigen Werkzeugen der Partei und die Verwendung der ungeheuren Mittel der Regierung für die Parteiinteressen, für die Sicherstellung des Wahlsieges, wesentlich dazu beitragen mußte, die Herrschaft der Sklavenhalter immer mehr zu befestigen."

Der gewaltige Kampf in den Vereinigten Staaten von Amerika, zu welchem der Kanonendonner im Hafen von Charleston das Signal gab, ist der größte und folgenschwerste Prinzipienkampf des 19. Jahrhunderts. Als sich im Jahre 1775 die dreizehn vereinigten Kolonien gegen die britische Krone erhoben, galt es, ihre Unabhängigkeit von der Willkürherrschaft dieser Krone zu erringen, aus den vom britischen König und Parlament beherrschten Kolonien ein freies, selbständiges, souveränes Staatswesen zu machen. Nach einem achtjährigen Kampf wurde dieser Zweck erreicht; aber er wurde nur halb erreicht. Die Staatsmänner jener Zeit, die "Väter der Republik", hatten sich dem Glauben hingegeben, die großen Prinzipien, welche sie in der Unabhängigkeitserklärung und in der Verfassung der Vereinigten Staaten niedergelegt haben, würden mit den Jahren mehr und mehr Fleisch und Blut gewinnen und so das Ideal eines freien Gemeinwesens, wie es ihnen vorgeschwebt hatte, zu einer Wirklichkeit gestalten. Das war ein Irrtum. Sie hatten nicht die Tragweite des großen Übels, welches die Republik von der Monarchie übernommen, vorausgesehen, nicht vorausgesehen, daß die Sklaverei der afrikanischen Rasse immer tiefer Wurzel schlagen und wie ein Krebs am Herzen des gewaltigen republikanischen Baues nagen, nicht vorausgesehen, daß dieser Krebsschaden das ganze Staatsleben vergiften und seine naturgemäße Entwicklung hemmen, nicht vorausgesehen, daß er die Verwirklichung ihres Ideals zur Unmöglichkeit machen würde.

Als jene Männer vom Schauplatz der Tätigkeit abgetreten waren, entwickelte sich in einem Teil der Staaten unter einer Klasse von Bürgern, die ihren Ursprung vom europäischen Adel ableiteten, eine auf die Sklaverei basierte Aristokratie, welche unter der Form der Republik, unter der Form der Freiheit und Volkssouveränität die Herrschaft an sich zu reißen strebte. Seit länger als vierzig Jahren hat diese Aristokratie in den engeren Gemeinwesen, wo sie zu Hause ist, ein despotisches Regiment geführt, die intellektuelle, moralische, industrielle und kommerzielle Entwicklung des Landes gehemmt, Freiheit und Humanität mit Füßen getreten; seit länger als vierzig Jahren hat sie im Sklaven den Menschen und Arbeiter entwürdigt, die freie Arbeit, welche in einem freien Gemeinwesen die höchste Ehre des Bürgers ist, zu ächten und ihr das Brandmal der Schande aufzudrücken gestrebt; seit länger als vierzig Jahren hat sie sich der Bundesregierung bemächtigt, hat alle Verhältnisse des gemeinsamen Staatslebens korrumpiert, hat den Aufschwung des freien Nordens durch ihren verderblichen Einfluß zurückgehalten und unablässig danach getrachtet, ihre Herrschaft intensiv und extensiv immer weiter auszubreiten und ihrem ebenso verabscheuenswerten, wie zerstörenden System ewigen Bestand zu sichern.

Diese Aristokratie ist es, welche jetzt, nachdem die Bundesregierung auf verfassungsmäßigem Weg, durch die freie Wahl des Volkes ihren Händen entwunden worden ist, zu den Waffen gegriffen hat, um entweder ihre verlorene Herrschaft wieder zu erobern, oder in einem neugegründeten Gemeinwesen von engerem Umfang ihr despotisches Regiment ungehindert und unbeschränkt fortführen zu können. Ihr gegenüber steht die Bundesregierung, gestützt auf die Bürger des freien Nordens, in denen die großen Prinzipien der Gründer der Republik Fleisch und Blut geworden sind. Die Sklavenhalter-Aristokratie hat ihnen das Schwert in die Hand gedrückt, und sie wenden jetzt die "ultima ratio" an, um die Republik unversehrt zu erhalten, um den schweren Albtraum, der so lange auf ihr gelastet hat, abzuwälzen, um das Ideal ihrer Vorfahren endlich ganz zu verwirklichen. Jene prätendieren [geben vor - wp] für Freiheit und Gleichheit zu kämpfen, während der scheußlichste Despotismus ihr Ziel ist; diese kämpfen wirklich dafür.

Diesen gewaltigen Kampf, an welchem auch das zivilisierte Europa, ganz abgesehen von den Handels- und sonstigen Interessen, die dabei ins Spiel kommen, den lebhaftesten Anteil nehmen muß, wahrheitsgetreu zu schildern, ist der Zweck dieser Schrift, welche umso gerechtfertigter erscheint, als die Mitteilungen über Zustände und Ereignisse in den Vereinigten Staaten, die ihren Weg in die deutsche Presse diesseits des atlantischen Ozeans finden, sehr dürftig, sehr lückenhaft und nicht selten sehr unrichtig sind, und als es leider unter den amerikanischen Bürgern deutscher Abstammung selbst heute noch manche gibt, die aus Unwissenheit, Verblendung oder schmutzigem Privatinteresse der Gerechtigkeit, Freiheit und Humanität ins Gesicht schlagen, indem sie sich zur Unterstützung und zur Verteidigung der Sklavenhalteraristokratie in Wort und Schrift hergeben.



Um die ersten Anfänge des gewaltigen Kampfes, welcher jetzt zwischen dem Norden und Süden der vereinigten Staaten entbrannt ist, aufzusuchen, müssen wir weit zurückgehen in die Geschichte jenes Staatenbundes. Als sich im Jahre 1776 die dreizehn vereinigten Kolonien, aus denen im Laufe der Zeit 34 Staaten und 9 Territorien hervorgewachsen sind, von der britischen Krone als unabhängig erklärten, bestand in all jenen Kolonien die Sklaverei rechtlich und tatsächlich; aber niemandem fiel es damals ein, diese verabscheuungswürdige Institution für etwas Segensreiches zu erklären. Diese Erfindung war einer späteren Zeit vorbehalten. Man betrachtete damals die Sklaverei als ein durch Erbschaft überkommenes Übel, welches zwar nicht augenblicklich ausgerottet werden kann, über dessen allmähliche Ausrottung man aber ernsthaft nachdenken müsse. In Übereinstimmung mit diesen Anschauungen hatte auch zu jener Zeit die Sklaverei eine milde Form, wie man sie heutzutage nur noch ausnahmsweise kennt. Das Verhältnis des Herrn zu seinen Sklaven war ein wirklich patriarchalisches. Die Sklaven waren Mitglieder der Familie und wurden als Menschen angesehen und behandelt, nicht als Lastvieh, wie das gegenwärtig geschieht. Freie Schwarze und Mulatten, deren viele im Revolutionskrieg mitfochten, waren in jener Zeit noch keine Parias [Unberührbare - wp], galten noch nicht als Angehörige einer untergeordneten, "der Entwicklung nicht fähigen" und "von der Natur zur Sklaverei bestimmten" Rasse, sondern wurden den Weißen gleich geachtet und genossen alle bürgerlichen Rechte.

Von diesem Geist, von diesen Gesinnungen ist auch die im Jahre 1787 entworfene und angenommene und 1788 ratifizierte Bundesverfassung der Vereinigten Staaten beseelt. Sie kennt keinen Rassen- und Standesunterschied; vor ihr sind alle Menschen frei und gleich. Freilich ließ sich das tatsächliche Bestehen der Sklaverei zu jener Zeit nicht wegleugnen; aber die Verfasser der Konstitution hüteten sich wohl, das große Freiheitswerk durch eine förmliche Anerkennung der schimpflichen Institution zu besudeln. Sie erwähnten die Sklaverei auch nicht in einem einzigen Paragraphen, auch nicht mit einem einzigen Wort, und hielten so ihren Nachkommen die Möglichkeit offen, jenes große Werk, ohne irgendeine Abänderung des Fundamentalstatus der Freiheit, dadurch zu krönen, daß sie die Sklaverei abschaffen und die Schwarzen und Farbigen in ihre vollen Menschen- und Bürgerrechte einsetzen.

Von demselben Geist war auch die berühmte Ordonnanz von 1787 eingegeben, welche Sklaverei und unfreiwillige Dienstbarkeit in dem einzigen damaligen Territorium der Vereinigten Staaten, für immer verbot, - der sicherste Beweis dafür, daß die Gründer der Republik von einer weiteren Ausbreitung der Sklaverei nichts wissen, sondern dieselbe auf die Grenzen, innerhalb deren sie einmal bestand, beschränken wollten. Sie glaubten, damit zumindest einen Anfang zur dereinstigen Abschaffung des fluchwürdigen Übels gemacht zu haben.

In den sieben nördlichen Staaten des Bundes wurde die Sklaverei nach und nach aufgehoben; zunächst in den vier Neuenglandstaaten: New Hampshire, Massachusetts, Connecticut und Rhode Island, welche 1791 durch das aus einem Teil von New York gebildete Vermont auf fünf und 1820 durch das aus dem nördlichen Teil von Massachusetts hervorgegangene Maine auf sechs vermehrt wurden; dann auch in New York, in Pennsylvanien und New Jersey. In den ursprünglichen sechs südlichen Staaten, Delaware, Maryland, Virginia, Nord- und Süd-Carolina und Georgia, wurde die Sklaverei beibehalten und besteht noch heute.

Außer den bereits erwähnten beiden Neuenglandstaaten Vermont und Maine wurden bis zum Jahre 1820 noch folgende neue Staaten als gleichberechtigte Mitglieder in den Bund aufgenommen: Kentucky, aus einem Teil Virginias gebildet, aufgenommen 1792; Tenessee, aus einem Teil Nord-Carolinas gebildet, aufgenommen 1796; Ohio, aus einem Teil des nordwestlichen Territoriums, aufgenommen 1802; Louisiana, aus einem Teil des Gebietes, welche die Vereinigten Staaten 1803 von Frankreich kauften, aufgenommen 1812; Indiana, aus dem nordwestlichen Territorium, aufgenommen 1816; Mississippi, aus einem Teil von Süd-Carolina, aufgenommen 1817; Jllinois, aus dem nordwestlichen Territorium, aufgenommen 1818; Alabama, aus Teilen von Süd-Carolina und Georgia, aufgenommen 1819. Im Jahr 1820 zählte die Union also 23 Staaten, darunter 12 freie: Maine, New Hampshire, Massachusetts, Vermont, Connecticut, Rhode-Island, New York, New Jersey, Pennsylvania, Ohio, Indiana und Jllinois und 11 Sklavenstaaten: Virginia, Delaware, Maryland, Nord- und Süd-Carolina, Georgia, Kentucky, Tennessie, Mississippi, Alabama und Louisiana.

Die Ansichten über die Sklaverei in den südlichen Staaten begannen sich seit dem Anfang dieses Jahrhunderts allmählich umzugestalten. Durch die immer rascher sich entwickelnde Kultur der Baumwolle, wozu nebenbei auch die Kultur des Zuckerrohrs und des Reis kam, wurde der Besitz von Sklaven immer profitabler. In denjenigen Sklavenstaaten, deren klimatische und Bodenverhältnisse sich nicht zum Anbau der Baumwollstaude, des Zuckerrohrs und der Reispflanze eigneten, verfiel man auf das einträgliche Geschäft, Sklaven für die Plantagenstaaten zu ziehen, Gestüte oder eine förmliche Sklavenzucht, wie in anderen Ländern Pferde-, Rindvieh- und Schafzucht, für den südliche Markt anzulegen. Wie die Kultur durch Rassenpaarung die nützlichen Maulesel und Maultiere hervorgebracht hat, so waren die Sklavenzüchter auch darauf bedacht, durch Kreuzung mit der schwarzen Rasse die nützlichen Mulatten zu erzeugen. Dies ging umso leichter, als sie das Geschäft selbst besorgen konnten und weder Mühe noch Kosten davon hatten. Die Einträglichkeit der Sklaven zucht  datiert wesentlich aus dem Jahr 1808, in welchem die Einführung von Sklaven aus fremden Ländern durch den Kongreß der Vereinigten Staaten verboten wurde, wenn auch trotz dieses Verbotes die Einführung noch bis auf den heutigen Tag fortgedauert hat.

Mit den veränderten Ansichten über die Einträglichkeit der Institution der Sklaverei trat auch allmählich ein völliger Umschwung in den Ansichten über die politische und moralische Seite derselben ein. Was früher als ein ererbter Fluch angesehen worden war, galt jetzt als ein Segen; wo man früher nur daran gedacht hatte, die fluchbeladene Institution einzuschränken und allmählich abzuschaffen, strebte man jetzt danach, die segensreiche Einrichtung auszubreiten, zu befestigen und zu verewigen.

In dem Maße, wie dieser Umschwung der Ansichten im Süden vor sich ging, entwickelte sich aber auch eine Opposition dagegen im Norden. Es entstand daraus ein Kampf, der, obschon er scheinbar bisweilen längere Zeit geruht hatte, doch in der Wirklichkeit stets an Erbitterung und Energie zugenommen und endlich zu einem Krieg geführt hat, welcher einer der blutigsten in der Weltgeschichte zu werden verspricht und nicht eher aufhören wird, bis die Frage entschieden ist, ob die Sklaverei über das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten ausgedehnt und verewigt, oder ob sie durch die allmähliche Abschaffung auf dem ganzen Gebiet der Union ausgerottet und die große transatlantische Republik zu einem wirklichen Freiheitsstaat, ob der an ihrer Wiege schon proklamierte Grundsatz der Freiheit und Gleichheit zur Wahrheit werden soll.

Zwei Ursachen sind es hauptsächlich, welche einer schnelleren Entwicklung des großen Kampfes um Verewigung oder Ausrottung der Sklaverei hemmend in den Weg traten und mehrmals für längere Zeit einen völligen Stillstand desselben hervorbrachten: auswärtige Verwicklungen und Kriege der Union einerseits und die Jagd nach der Herrschaft in der Bundesregierung, sowie nach den damit zusammenhängenden und daraus hervorgehenden persönlichen Vorteilen andererseits. Auswärtige Verwicklungen und Kriege brachten jederzeit die inneren Streitfragen, und damit auch die Frage der Sklaverei, gänzlich zum Schweigen; die Jagd nach der Herrschaft aber und nach den persönlichen Vorteilen, die von derselben abhängen, nach Ämtern und Geldgewinn, nahm der Opposition gegen die Sklaverhaltermacht ihre Spitze während eines langen Zeitraums, wo es dieser gelungen war, sich in den fast unbeschränkten Besitz der Bundesherrschaft zu setzen.

In den Hallen des Kongresses, dem großen Kampfplatz für die nationalen Angelegenheiten, tauchte zum ersten Mal, seitdem die Bundesverfassung angenommen und die Frage der Vertretung der Freien und Sklaven geregelt worden war, im Jahre 1803 die Frage der Sklaverei wieder auf. Die Legislatur des Territoriums Indiana hatte darum nachgesucht, daß der Artikel der Ordonnanz von 1787, welcher die Sklaverei im Nordwest-Territorium verbietet, aufgehoben werde, weil der Mangel an Arbeitskräften die Einführung von Sklaven für das Gedeihen des Territoriums erfordert. Der Ausschuß, welchem dieses Gesuch zur Prüfung überwiesen worden war, sprach sich gegen die Bewilligung desselben aus. JOHN RANDOLPH aus Virginia, der Berichterstatter des Ausschusses, sagte:
    "Die rasch angewachsene Bevölkerung des Staates Ohio gibt einen deutlichen Beweis dafür, daß Sklavenarbeit nicht nötig ist, um die Anlegung und das Gedeihen von Kolonien in jener Gegend zu fördern. Diese Art der Arbeit, unbedingt die teuerste von allen,   kann  nur beim Aufbau von Produkten verwendet werden, welche wertvoller sind, als die in jenem Teil der Vereinigten Staaten bekannten. Ihr Ausschuß hält es deshalb für  höchst gefährlich und zweckwidrig,  eine Bestimmung umzustoßen, welche wohlweislich darauf berechnet ist, das  Glück und Gedeihen  des nordwestlichen Territoriums zu befördern und seinen ausgedehnten Grenzen  Sicherheit und Schutz  zu verleihen."
Dieser Bericht wurde schon zu Anfang des Jahres 1803 erstattet; aber erst Ende 1807 wurde die Angelegenheit endgültig erledigt, indem der Kongreß nicht allein das ursprüngliche Gesuch, sondern auch wiederholte spätere, welche um die Bewilligung der Einfuhr von Sklaven für den Zeitraum von zehn Jahren baten, am 13. November 1807 verwarf.

Die Verwicklungen mit England, welche schon im Jahre 1807 begannen, und der daraus erfolgende Krieg, welcher von 1812 bis 1814 dauerte, ließen die Frage der Sklaverei einstweilen nicht wieder aufkommen. Die Aufmerksamkeit der weiter blickenden Staatsmänner des Nordens wurde zuerst wieder darauf hingelenkt durch die Erwerbung von Florida und die damit zusammenhängenden Ereignisse. Schon seit langer Zeit hatten die Sklavenhalter von Georgia und Süd-Carolina auf diese spanische Kolonie ihr Auge geworden. Zwei Gründe veranlaßten sie zu dem Streben, dieselbe an sich zu bringen: einerseits Ländergier, oder das Verlangen nach dem Besitz eines Gebietes, welches sich vortrefflich zur Anlegung von Plantagen eignete, andernteils der Umstand, daß eine große Anzahl von Sklaven nach Florida geflohen war, wo sie teils durch die Beschaffenheit des Landes, teils durch die spanischen Behörden, schließlich teils durch die dort lebenden Creek- und Cherokee-Indianer Schutz vor ihren ehemaligen Herren fanden. Nach verschiedenen fruchtlosen Kämpfen mit den Bewohnern Floridas setzten die Sklavenhalter von Georgia schon im Jahre 1811 im Kongreß den Beschluß durch, welcher den Präsidenten der Vereinigten Staaten ermächtigte, Florida entweder auf friedlichem oder gewaltsamem Weg zu erwerben. Die friedliche Erwerbung mißlang ebenso, wie einige Versuche zur gewaltsamen Eroberung und der Krieg mit England verhinderte jedes weitere Vorgehen in dieser Richtung. Bald nach Beendigung dieses Krieges, im Jahre 1816, fiel General JACKSON ohne weitere Umstände in das spanische Gebiet ein, eroberte und zerstörte ein am Appalachicola erbautes, von Schwarzen und Mischlingen besetztes Fort, ließ 270 derselben niedermetzeln und schleppte alle Überlebenden, deren er habhaft werden konnte, als Sklaven mit sich fort. Die Folge davon war ein blutiger Krieg. Die Schwarzen, Indianer und Seminolen, wie die Abkömmlinge der entflohenen Sklaven und die aus ihrer Vermischung mit den Indianern hervorgegangene Nachkommenschaft genannt wurden, überfielen eine amerikanische Truppe und hieben sie nieder; worauf General JACKSON im Jahre 1818 wieder in Florida eindrang, verwüstete, mordete und Schwarze einfing, und sich zweier spanischer Plätze bemächtigte. Spanien sah sich schließlich genötigt, gegen eine Entschädigung von fünf Millionen Dollar (wovon es jedoch fast Nichts erhielt, weil alle Schadensersatzansprüche, welche die Sklavenhalter von Süd-Carolina und Georgia erhoben, vorweg daraus gedeckt wurden), die Kolonie Florida im Jahr 1821 an die Vereinigten Staaten abzutreten.

Im Kongreß hatten sich zwar einzelne Stimmen gegen diesen ganzen Floridahandel, gegen die rechtswidrigen, brutalen Angriffe und gegen die schließliche Erwerbung des neuen Gebietes erhoben; eine ernsthafte Opposition wurde jedoch nicht gemacht. Man machte sich nicht klar, daß die ganze Sache eigentlich ein großer Triumph der Sklavenhaltermacht und daß die Erwerbung von Florida ein wesentlicher Gewinn für sie war. Noch weniger ahnte man, daß dieses Florida durch den langwierigen Vertilgungskrieg, welcher Dezennien hindurch im Interesse der Sklavenhalter gegen die Neger, Indianer und Mischlinge geführt wurde, den Vereinigten Staaten noch Hunderte von Millionen kosten sollte.

Der erste ernsthafte Kampf im Kongreß zwischen der Sklavenhaltermacht und ihren Gegnern entspann sich, als es sich um die Aufnahme von Missouri als Staat handelte. Das im Jahre 1803 Frankreich abgekaufte Louisiana-Gebiet wurde 1804 in zwei Territorien organisiert, von denen das südliche, der spätere Staat Louisiana, den Namen Orleans, das nördliche den Namen Louisiana erhielt. Im Jahre 1812 wurde dem letzteren der Name Missouri gegeben. In diesem ganzen Gebiet bestand zur Zeit seiner Abtretung an die Vereinigten Staaten die Negersklaverei. Ihre Existenz wurde von der neueren Regierung stillschweigend anerkannt, und nach und nach siedelte sich eine große Anzahl amerikanischer Sklavenhalter dort an. Im Jahre 1817 suchten die Bewohner des Territoriums beim Kongreß darum nach, daß dasselbe als Staat in die Union aufgenommen werde, ohne irgendeine Beschränkung hinsichtlich der Sklaverei. Im Norden wurde jetzt zum ersten Mal die Besorgnis vor dem immer weiteren Umsichgreifen und der Befestigung der Sklaverei wach. Missouri liegt nördlicher, als irgendein anderder Sklavenstaat, und so gut wie die Sklavenhaltermacht diesen vorgeschobenen Posten eroberte, konnte sie auch im ausgedehnten Louisianagebiet, aus welchem seit jener Zeit noch die Staaten Kansas, Minnesota und Oregon und die Territorien Nebraska, Colorado, Dakotah und Washington gebildet worden sind, noch weiter vordringen. Man fing an, im Norden zu begreifen, daß der Geist der Freiheit, welcher die Gründer des republikanischen Staatenbundes belebt hatte, im Süden nicht mehr existierte, und daß die neue Generation, weit entfernt davon, auf die Ausrottung des ererbten Übels zu denken, sich nicht einmal mehr damit begnügte, dasselbe in den ursprünglichen Grenzen zu erhalten, sondern dahin trachtete, es immer weiter auszubreiten und zu befestigen.

Im Februar 1818 stellte der Ausschuß des Repräsentantenhauses, welchem das Gesuch der Bevölkerung Missouris zur Prüfung überwiesen worden war, den Antrag, Missouri zur Bildung einer Staatsverfassung zu ermächtigen und dann als Staat in die Union aufzunehmen, zu gleicher Zeit aber aus der südlichen Hälfte desselben, die noch sehr schwach bevölkert war, ein neues Territorium unter dem Namen Arkansas zu organisieren. Hierzu beantragten die Repräsentanten TALLMADGE und TAYLOR von New York das Amendment, daß die fernere Einfuhr von Sklaven in Missouri wie auch in Arkansas verboten werden und die Nachkommenschaft der Sklaven in beiden Gebieten nach Erreichung des 25. Lebensjahres frei sein sollte. Die Debatte über diese Anträge, welche sich durch die Sitzungen der Jahre 1818 und 1819 hinzog, wurde mit leidenschaftlicher Heftigkeit und Erbitterung geführt. Zum ersten Mal stießen damals die Sklavenhalter die seitdem so oft wiederholte Drohung aus, sie würden sich von der Union lossagen, wenn ihnen der Norden nicht nachgäbe. COBB aus Georgia erklärte, diese Frage werde einen Brand erzeugen, der nur durch Ströme von Blut gelöscht werden kann. Die entschiedenen Gegner der Sklaverei ließen sich durch diese Drohungen nicht irre machen, sondern bekämpften die Anmaßungen der Sklavenhalter mit Entschlossenheit und Energie.
    "Ich bin", sagte  Tallmadge,  "vom unversöhnlichsten Haß beseelt gegen die grausamste und entwürdigendste Sklaverei, welche die Welt kennt. Jetzt ist der Zeitpunkt, um ihrer Ausbreitung Schranken zu setzen, oder die Gelegenheit dazu wird für immer verloren sein."
Als es zur Abstimmung kam, nahm das Repräsentantenhaus den Antrag des Herrn TALLMADGE, welcher die Aufhebung der Sklaverei in Missouri bezweckte, mit 87 gegen 76 Stimmen an, der Senat jedoch verwarf ihn mit 27 gegen 7 Stimmen. Eine Einigung zwischen beiden Häusern konnte nicht herbeigeführt werden, und das Gesuch von Missouri um Aufnahme als Staat war also einstweilen abgewiesen. Dagegen wurde die Bill zur Organisierung des Territorium Arkansas angenommen, nachdem das Repräsentantenhaus den Antrag TAYLORs, die Sklaverei von demselben auszuschließen, mit einer Mehrheit von 2 Stimmen verworfen hatte.

Die Missourifrage rief in den nördlichen, wie in den südlichen Staaten eine gewaltige Agitation hervor. Überall begriff man, daß die Entscheidung über diese Frage für eine lange Reihe von Jahren auf das Schicksal der Sklaverei und die Einwirkung derselben auf die Bundesregierung bestimmend einwirken wird. Von beiden Seiten wurden deshalb große Anstrengungen gemacht, um auf die Entscheidung einzuwirken. Durch ein neues Gesuch Missouris um Aufnahme als Staat kam die Sache bei der Wiedereröffnung des Kongresses gegen Ende des Jahres 1819 sofort wieder zur Verhandlung. Auf die sehr interessanten Einzelheiten derselben einzugehen, würde zu weit führen; wir müssen uns darauf beschränken, die Resultate zu verzeichnen. Der Senat stimmte für die Aufnahme Missouris als Sklavenstaat, das Repräsentantenhaus jedoch beharrte mit 102 gegen 68 Stimmen auf dem Antrag, welcher die Fortdauer der Sklaverei verbot. Die Bill kam wieder vor den Senat und ging dann nochmals an das Repräsentantenhaus zurück, welches zwar wieder auf dem Verbot der Sklaverei beharrte, aber diesmal nur mit 97 gegen 76 Stimmen. In kaum einer Woche war die Mehrheit von 34 bereits auf 21 Stimmen zusammengeschmolzen. Jetzt wurde ein Konferenzausschuß beider Häuser ernannt, welcher den Antrag stellte, dem Volk von Missouri die Bildung einer Verfassung und Staatsregierung, ohne eine Beschränkung hinsichtlich der Sklaverei, als Vorbereitung zur Aufnahme in die Union zu gestatten, gleichzeitig aber die Einführung der Sklaverei in denjenigen Teil des Louisianagebietes, welch nördlich 36° 30' nördlicher Breite liegt, für immer zu untersagen. Dieser Antrag wurden von beiden Häusern, vom Repräsentantenhaus mit 90 gegen 87 Stimmen, am 2. März 1820 angenommen. Es fanden sich unter den Repräsentanten "Teiggesichter", wie sie spottweise von den stolzen Sklavenhalterbaronen genannt wurden, genug, um die Sache der Freiheit zu verraten. Missouri wurde im Jahre 1821 definitiv als Sklavenhalterstaat in den Bund aufgenommen.

Dies war ein großer Triumph für die Sklavenhalter. Sie hatten rasch nacheinander die Aufnahme der Sklavenstaaten Missouri und Alabama, die Errichtung des Sklavereiterritoriums Arkansas, die Erwerbung von Florida, aus dem sich ebenfalls ein Sklavenstaat bilden ließ, und die Sicherstellung des noch vorhandenen Gebietes, soweit dasselbe südlich von 36° 30' nördlicher Breite lag, für die Sklaveri durchgesetzt, gegen das geringe Zugeständnis, daß die Sklaverei nicht nördlich jener Scheidelinie vordringen soll, wo sie ohnehin niemals festen Fuß gefaßt haben würde. Von dieser Zeit an datiert dann auch die fast unbeschränkte Herrschaft der Sklavenhalterbarone über die Union und ihre Geschicke, und eine lange Reihe von Jahren hindurch schritten sie von Triumph zu Triumph. Hörte auch der Widerstand gegen ihre freiheitsmörderlischen Pläne nicht ganz auf, so war er doch gebrochen und kraftlos. Die "Teiggesichter" beugten sich entweder vor ihren Drohungen oder bettelten um ihre Gunst.

Gegen Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre ging in den Vereinigten Staaten eine Umgestaltung der politischen Parteien vor sich. Die alte föderalistische Partei hatte sich völlig überlebt und war so gut wie vernichtet. So spaltete sich dann die siegreiche republikanische Partei in zwei Fraktionen, von denen die eine den Namen "demokratische" Partei annahm, die andere sich anfangs die national-republikanische, später die Whigpartei nannte. In der ersten Zeit bestanden einige prinzipielle Differenzen zwischen den neuen Parteien. Die Whigs strebten nach hohen Schutzzöllen, nach "inneren Verbesserungen", das heißt Straßen-, Kanal- und Eisenbahnbauten, Korrektur der schiffbaren Gewässer und dgl. mehr, auf Kosten der Regierung, nach großen Geldinstituten mit Papierzirkulation, überhaupt nach Konzentrierung und Verstärkung der Regierungsmaschinerie; während die "Demokraten" in allen diesen Dingen das Gegenteil wollten. Im Laufe der Jahre wurden diese Unterschiede mehr und mehr verwischt, und es blieb am Ende kein anderes Prinzip mehr übrig, als ein völlig prinziploses Ringen um die Regierungsgewalt und die mit derselben verknüpften Vorteile. Um in diesem Ringen Aussicht auf Erfolg zu haben, mußten sie um die Gunst der Sklavenhalter buhlen, welche in Allem, was ihre "segensreiche, eigentümliche Institution" betraf, stets eine geschlossene Phalanx bildeten, mochten ihre Meinungsverschiedenheiten über alle anderen Dinge, über Zölle, Banken usw. auch noch so groß sein. Die Sklavenhalter bekannten sich nicht zu ein und derselben politischen Partei; obschon eine große Mehrheit derselben sich zur "Demokratie" hielt, schloß sich eine ziemlich beträchtliche Minderheit der Whigpartei an. In den Sklavenstaaten Kentucky, Tenessee und Nord-Carolina hatten die Whigs gewöhnlich die Oberhand, bisweilen auch in Louisiana. Der Schwerpunkt der "demokratischen" Partei lag schon vom Tag ihrer Bildung an im Süden, und in den letzten Jahren ihres Bestehens hatte sie dort ihren einzigen Halt. Die Sklavenhalterbarone hatten deshalb auch diese Partei ganz in ihrer Gewalt; mit ihr und durch sie beherrschten sie die Union, während die Whigpartei sich mehr und mehr beeiferte, sich vor den allmächtigen Herrschern zu beugen, um Gnade vor ihren Augen zu finden.

Einer der Gründer der demokratischen Partei, Präsident JACKSON, führte zum ersten Mal seit dem Bestehen der Republik den Grundsatz ein, alle Ämter, welche die Bundesregierung zu vergeben hat, vom höchsten bis zum niedrigsten, nur mit zuverlässigen Anhängern der Partei zu besetzen. Dieser Grundsatz wurde mit eiserner Strenge gehandhabt; jeder Beamte, welcher auch nur im Verdacht stand, dem Willen der Parteiführer zu opponieren, oder sich lässig zeigte im Streben, die Parteizwecke zu fördern, wurde unnachsichtig seines Amtes enthoben und nur die tätigsten Parteimitglieder konnten, je nach dem Verhältnis, wie sie bei den Wahlen für das Interesse der Partei "gearbeitet" hatten, auf eine entsprechende Belohnung nach dem Sieg rechnen. Es ist leicht zu begreifen, daß ein solches Verfahren, daß die Besetzung von etwa 50 000 Ämtern mit gehorsamen und tätigen Werkzeugen der Partei und die Verwendung der ungeheuren Mittel der Regierung für die Parteiinteressen, für die Sicherstellung des Wahlsieges, wesentlich dazu beitragen mußte, die Herrschaft der Sklavenhalter immer mehr zu befestigen.

Ich übergehe die weniger wichtigen und weniger folgenschweren Ereignisse in der Geschichte der Vereinigten Staaten, welche jene Herrschaft in der Periode vom Abschluß des sogenannten Missouri-Kompromisses bis zur Erwerbung von Texas charakterisieren. Die Republik Mexiko hatte im Jahre 1824 die allmähliche Emanzipation der Sklaven und 1829 die gänzliche Abschaffung der Sklaverei angeordnet. Hierin erblickten die nordamerikanischen Sklavenhalter eine große Gefahr für ihre "eigentümliche Institution", während sie zugleich nach dem Erwerb eines neuen Gebietes, das sich vortrefflich für den Anbau der Baumwolle, also auch für die Einführung der Sklaverei und die Errichtung neuer Sklavenstaaten eignete, lüstern waren. Präsident JACKSON beauftragte deshalb den amerikanischen Gesandten in Mexiko, über die Abtretung der Provinz Texas Unterhandlungen anzuknüpfen und der mexikanischen Regierung dafür eine Summe bis zu fünf Millionen Dollar zu bieten. Alle Anträge dieser Art wurden jedoch zurückgewiesen; die mexikanische Regierung wollte sich auf keinerlei Gebietsabtretung einlassen. Die Sache mußte also auf einem anderen Weg angegriffen werden. Ein solcher Weg zeigte sich im Anerbieten der Regierung von Mexiko, Kolonisten aller Nationen auf ihrem Gebiet unentgeltlich große Landstrecken zur Ansiedlung herzugeben. Von diesem Anerbieten machten die Bewohner des Südens der Vereinigten Staaten fleißig Gebrauch, um in Texas festen Fuß zu fassen und die Sklaverei dorthin zu verpflanzen. Einer dieser Ansiedler war der Ex-Gouverneur von Tennessee, Sam Houston, welcher mit der offen ausgesprochenen Absicht nach Texas ging, dort eine Revolution auf die Beine zu bringen. Bereits im Dezember 1835 wurde dann auch unter seiner Leitung von 90 amerikanischen Siedlern eine Erklärung erlassen, welche die Unabhängigkeit des Staates Texas von der mexikanischen Regierung aussprach. Die benachbarten amerikanischen Sklavenstaaten lieferten Freiwillige, Waffen, Munition und Geld, um die Unabhängigkeitserklärung aufrechtzuerhalten. Im Frühling 1836 begann der Kampf, welcher durch das siegreiche Gefecht bei San Jacinto rasch zu Ende geführt wurde. Schon zu Anfang des Jahres 1837 wurde die Republik Texas von den Vereinigten Staaten anerkannt, und einige Monate später suchte dieselbe um Aufnahme in den Staatenbund nach. Die schwer Geld- und Handelskrisis, welche damals über die Union hereinbrach und noch mehrere Jahre lang ihre verderblichen Folgen geltend machte, so wie ernsthafte Verwicklungen mit England ließen es dem Präsidenten  van Buren  nicht ratsam erscheinen, es auf einen Krieg mit Mexiko, welches die Unabhängigkeit von Texas nicht anerkannt hatte, ankommen zu lassen. Er wies deshalb das Aufnahmegesuch zurück, und die ganze Angelegenheit ruhte bis zur Zeit der Administration von Präsident  Tyler.  Die Sklavenhalter hatten auch einstweilen keine große Eile damit, da ihre Herrschaft in der Regierung der Vereinigten Staaten noch gesichert war, und die Hauptsache, um die es sich handelte, ein neues großes Gebiet zur Ausbreitung ihrer "Institution" und ihrer Macht, nicht wieder verloren gehen konnte.

Im Sommer 1844 schloß Präsident TYLER oder vielmehr dessen Staatssekretär CALHOUN mit dem Gesandten von Texas einen Vertrag ab, welcher den Anschluß der Republik an die Union zum Zweck hatte. Der Senat lehnte die Ratifikation dieses Vertrages ab, hauptsächlich aus dem Grund, weil ein  Vertrag  nicht die verfassungsmäßige Form zur Aufnahme eines neuen Staates war. Im Dezember desselben Jahres wurde darauf dem Kongreß ein Gesuch der Gesetzgebung und des Gouverneurs von Texas um die Zulassung als Mitglied des Staatenbundes vorgelegt. Der Norden stand so sehr unter dem Joch der Sklavenhalter, daß beide Häuser des Kongresses nicht allein ohne Schwierigkeit die Aufnahme des Sklavenstaates beschlossen, sondern sich auch den Zusatz zu den Aufnahme-Akten gefallen ließen, daß aus dem Gebiet des Staates Texas, sobald die Bevölkerungszahl dazu ausreicht, vier neue Staaten gebildet werden dürfen, mit Sklaverei, soweit es südlich der Missouri-Kompromißlinie, d. h. 36°30' Nordbreite, ohne Sklaverei, soweit es nördlich derselben liegt.

Die Bevölkerung von Texas nahm nicht so schnell zu, wie die Sklavenhalter gewünscht und gehofft hatten, und überdies siedelte sich eine große Anzahl Deutscher im Staat an, die von der Sklaverei nichts wissen wollten, so daß aus der Bildung der vier neuen Sklavenstaaten einstweilen noch nichts werden konnte. Dagegen führte die Aufnahme von Texas sehr bald zum Krieg mit Mexiko. Präsident  van Buren  hatte einen solchen Krieg vermeiden wollen; Präsident POLK, der Nachfolger TYLERs, zog ihn an den Haaren herbei, indem er Streitigkeiten über die Grenze von Texas mit Mexiko anfing. Dieser Krieg wurde wieder lediglich im Interesse der Sklavenhalterbarone geführt. Nachdem die demokratische Partei zwölf Jahre nacheinander, von 1829 bis 1841 die Whigpartei den Sieg davon. van BUREN hatte den Erwartungen der Sklavenhalter nicht entsprochen, und da die demokratische Partei ihn wieder als Kandidaten für das Präsidentenamt aufstellte, wandten eine Anzahl Sklavenstaaten ihm den Rücken und gaben ihre Stimmen dem Whigkandidaten. SO wurde HARRISON von Ohio zum Präsidenten gewählt, und als derselbe schon vier Wochen nach seinem Amtsantritt starb, trat Vizepräsident TYLER von Virginia an seine Stelle. Obschon als Whig gewählt, neigte sich derselbe mehr und mehr der demokratischen Partei zu. Dadurch half er, den Sieg der Letzteren für die nächste Verwaltungsperiode vorzubereiten, und so kam 1845 an die Stelle des sklavenhaltenden Whigs wieder ein sklavenhaltender Demokrat, POLK aus Tenessee, auf den Präsidentenstuhl. Um nicht nochmals von der Whigpartei aus dem Sattel gehoben zu werden, mußte die Demokratie ein stärkeres Angebot auf die Gunst der Sklavenhalter machen. Dies bestand in der oben angegebenen Aufnahme von Texas und im Krieg von Mexiko, der keinen anderen Zweck hatte, als eine neue Gebietserwerbung im Interesse der Sklavenhalter und Sklavenzüchter.

Wie leicht vorauszusehen war, wurde Mexiko bald besiegt und mußte sich am 2. Februar 1848 den Frieden von Guadalupe Hidalgo durch die Abtretung des ausgedehnten Gebietes erkaufen, aus welchem der Staat Kalifornien und die Territorien Neu-Mexiko, Utah und Nevada gebildet worden sind. Noch während des Krieges kam die Frage der in Aussicht stehenden Gebietserwerbung vor den Kongreß, indem der Präsident ausdrücklich für diesen Zweck eine Geldsumme von drei Millionen Dollar von der Nationalvertretung forderte. Herr WILMOT stellte im Repräsentantenhaus den Antrag, die Bewilligung der verlangten Summe an die Bedingung zu knüpfen, daß die Sklaverei von dem zu erwerbenden Gebiet ausgeschlossen bleibe. Dieser Antrag wurde mit 83 gegen 64 Stimmen angenommen, kam jedoch im Senat nicht zur Abstimmung. In der nächsten Session des Kongresses, zu Anfang des Jahres 1847, erneuerte Herr HAMLIN, der jetzige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, denselben Antrag. Das Haus nahm ihn abermals mit 115 gegen 106 Stimmen an; der Senat dagegen verwarf ihn und bewilligte einfach die verlangten drei Millionen ohne irgendeine Beschränkung. Unter den Repräsentanten fanden sich wirklich wieder "Teiggesichter" genug, die sich vor dem Willen der Sklavenhalter beugten und die Sache der Freiheit verrieten. Bei nochmaliger Abstimmung wurde mit 102 gegen 97 Stimmen die beschränkende Bedingung, das  "Wilmot Proviso",  verworfen und der Beschluß des Senats angenommen.

Hierdurch war stillschweigend anerkannt, daß das zu erwerbende Gebiet dem Vordringen der Sklaverei geöffnet werden soll, obschon in Mexiko die Sklaverei schon seit 1829 aufgehoben war, also auch auf dem Teil seines Gebietes, welchen die Vereinigten Staaten an sich zu reißen trachteten, keine rechtliche Existenz haben konnte.

In den nördlichen Staaten hatten die stets anwachsende Macht und die stets zunehmenden Übergriffe der Sklavenhalter nach und nach wieder eine energische Opposition hervorgerufen, welche unter der Leitung des Ex-Präsidenten van BUREN sich im Jahre 1848 als politische Partei organisierte. Die Demokraten stellten damals den General CASS aus Michigan als Präsidentschaftskandidaten auf, die Whigs stellten demselben General TAYLOR von Louisiana gegenüber, und die neue Partei machte van BUREN, der gar zu gern noch einmal Präsident werden wollte, zu ihrem Kandidaten. Diese neue Partei, welche sich die "Freesoil"- oder Freibodenpartei nannte, bestand aus Freesoil-Whigs und Freesoil-Demokraten, welche beide den linken oder Anti-Sklaverei-Flügel ihrer bezüglichen Parteien bildeten. Sie hatten nicht die Absicht, dauernd aus denselben auszuscheiden, sondern vereinigten sich nur vorübergehend zum Zweck der Präsidentenwahl zu einem Ganzen. In ihrem Parteiprogramm, der "Buffalo Platform", stellen die Freesoiler die beiden Grundsätze an die Spitze, daß die Sklaverei von allen Territorien der Vereinigten Staaten ausgeschlossen und daß alle Staatsländereien unentgeltlich an wirkliche Ansiedler ausgeteilt werden sollten. General TAYLOR war der glückliche unter den drei Kandidaten. Mehrere Umstände wirkten zusammen, um ihm zum Sieg zu verhelfen. Erstens hatte er im Krieg gegen Mexiko eine hervorragende Rolle gespielt und sich einen solchen Ruhm erworben, daß er in der Achtung des Volkes höher stand, als der Generalstabschef der Armee, General SCOTT. Zweitens, und dies war in den Augen der Negerbarone sein größtes Verdienst, war er ein Sklavenhalter. Drittens schließlich entzog van BUREN, obgleich er es zu keiner einzigen Elektorenstimme brachte, dem demokratischen Kandidaten CASS eine so große Zahl von Urwählerstimmen, daß TAYLOR dadurch in mehreren Staaten die Mehrheit erhielt, wo sie ohne diesen indirekten Beistand ohne Zweifel an CASS gefallen sein würde. TAYLOR starb schon ein Jahr nach seinem Amtsantritt, worauf der Vizepräsident FILLMORE von New York seinen Platz einnahm. Dieser FILLMORE, der vor seiner Wahl immer ein entschiedener Gegner der Sklaverei gewesen war, verwandelte sich mit dem Tag, an welchem er in das Präsidentenamt einrückte, in einen warmen Anhänger derselben und wurde ein weit gehorsameres und willigeres Werkzeug der Sklavenhalteraristokratie, als sein Vorgänger.

Bald nach dem Abschluß des Friedensvertrages von Guadalupe-Hidalgo wurden in beiden Häusern des Kongresses verschiedene Anträge gestellt, um das durch jenen Vertrag gewonnene Gebiet zu organisieren. Die Meinungsverschiedenheiten waren jedoch so groß, daß während eines Zeitraums von zwei Jahren keine Einigung erzielt werden konnte, sondern alle jene Anträge in dem einen oder anderen Haus unerledigt stecken blieben. Anfang 1850 machte Senator CLAY von Kentucky den Versuch, bruch einen umfassenden Kompromißantrag, welcher eine Menge der verschiedenartigsten Dinge enthielt, die abweichenden Ansichten unter einen Hut zu bringen. Norden und Süden, Freiheit und Sklaverei sollten gleichzeitig mehrere Konzessionen erhalten und dadurch zufrieden gestellt und versöhnt werden. Kalifornien, welches infolge der Entdeckung seiner reichen Goldlager außerordentlich rasch bevölkert worden war, hatte sich damals bereits, ohne erst seine Organisierung zum Territorium abzuwarten, eine Staatsverfassung gegeben, welche die Sklaverei ausschloß. So unerwartet und unangenehm dies auch den Sklavenhaltern war, sie mußten die vollendete Tatsache, an der sie nichts mehr ändern konnten, hinnehmen und sich mit der Hoffnung trösten, dereinst vielleicht aus dem südlichen Teil Kaliforniens einen neuen Sklavenstaat zu bilden. Der Antrag des Herrn CLAY stellte deshalb auch die Aufnahme von Kalifornien mit seiner bereits in Kraft gesetzten Verfassung, das heißt also als Freistaat, voran. Außerdem enthielt derselbe noch folgende Punkte: Errichtung von Territorialregierungen für das noch übrige von Mexiko erworbene Gebiet, ohne irgendeine Bedingung in Betreff der Sklaverei; Festsetzung der Grenzen von Texas gegen das neu hinzugekommene Gebiet hin, so daß ein beträchtliches Stück desselben dem Sklavenstaat zufiel; Übernahme der Staatsschuld von Texas durch die Bundesregierung, unter der Bedingung, daß dieser Staat keinen ferneren Anspruch auf irgendeinen Teil des neu erworbenen Gebietes erhebt; ein Verbot, die Sklaverei im Distrikt Columbia aufzuheben ohne Zustimmung der Bewohner des Distrikts und ohne volle Entschädigung der Sklaveneigentümer; ein Verbot, Sklaven in den Distrikt einzuführen, um sie als Ware auf den Markt zu bringen; ein Gesetz zum Einfangen flüchtiger Sklaven; eine Erklärung, daß der Kongreß niemals den Sklavenhandel zwischen den einzelnen Staaten verbieten oder beschränken darf.

Um diese Anträge CLAYs gruppierten sich noch eine Anzahl anderer, welche von verschiedenen Kongreßmitgliedern gestellt wurden. So z. B. beantragte BELL aus Tennessee, aus Texas und aus dem neu erworbenen Gebiet sofort eine ganze Menge von Sklavenstaaten zu machen. Die Debatten über alle diese Anträge nahmen den Kongreß noch Monate lang fast unausgesetzt in Anspruch, und die Aufregung dabei war so groß, daß es mehrmals zu den größten Drohungen und selbst zu Tätlichkeiten zwischen den Mitgliedern kam. Die Provokationen und Angriffe gingen jedoch stets von den Vertretern des Südens aus. So zog der Senator FOOTE aus Mississippe eine Pistole aus der Tasche und war im Begriff, dieselbe auf den Senator BENTON aus Missouri abzufeuern, als er von Anderen daran gehindert wurde. "Geht aus dem Weg", rief BENTON, "und laßt den meuchelmörderischen Schurken schießen."

Nachdem die Debatten bis zum August gedauert hatten, kam es endlich zur Abstimmung, und folgende Anträge wurden angenommen und erhielten durch die Bestätigung des Präsidenten Gesetzeskraft:
    1. Die Aufnahme von Kalifornien als Staat mit einer Konstitution, welche die Ausschließung der Sklaverei enthielt;

    2. die Errichtung von Territorialregierungen für New Mexico und Utah, mit der Bestimmung, daß dieselben später als freie oder als Sklavenstaaten aufgenommen werden können, je nach der Wahl ihrer Bewohner;

    3. die Regulierung der Grenzen des Staates Texas, wodurch derselbe einen Zuwachs von etwa 10 000 englischen Quadratmeilen erhielt, und die Übernahme seiner Schulden durch die Bundesregierung, gegen eine Verzichtleistung aller seiner ferneren Ansprüche auf das von Mexiko erworbene Gebiet;

    4. ein Gesetz zur Einfangung flüchtiger Sklaven;

    5. ein Gesetz zur Aufhebung des Sklavenmarktes im Distrikt Columbia.
Den größten Kampf von allen diesen Akten hatte die sogenannte Regulierung der Grenzen von Texas gekostet. Das Repräsentantenhaus wollte sich anfänglich nicht dazu hergeben, so ohne Weiteres 10 000 Quadratmeilen den Sklavenhaltern zu überantworten. Es verwarf diesen Antrag mit 126 gegen 80 Stimmen, also mit einer Mehrheit von 46. Als jedoch am nächsten Morgen diese Abstimmung wieder in Erwägung gezogen und dann nochmals abgestimmt wurde, fand es sich, daß die Zahl der bejahenden Stimmen auf 90 angewachsen, die der verneinenden auf 107 zusammengeschmolzen war. Die Mehrheit gegen den Antrag war also von 46 auf 17 Stimmen herabgesunken. Ein so außerordentlich günstiger Erfolg mußte natürlich die Sklavenhalter anspornen, alles aufzubieten, um auch den Rest der Opposition zu brechen und sich eine Mehrheit zu verschaffen. Nachdem sie gehörig vorgearbeitet hatten, verlangten sie am folgenden Tag abermals eine Abstimmung. Trotzdem dies nach den parlamentarischen Regeln nicht gestattet war, setzten sie ihren Willen durch und erreichten das erstaunliche Resultat, daß der Antrag mit 108 gegen 97 Stimmen angenommen wurde. Binnen zwei Tagen also hatte sich eine Mehrheit von 46 Stimmen  gegen  das Sklavenhalterinteresse in eine Mehrheit von 11 Stimmen  für  dasselbe verwandelt! Ein schlagender Beweis für die tiefe Demoralisation, die in der Nationalvertretung herrschte.

Nachdem dieses Resultat einmal erreicht war, stieß die Annahme des Sklavenfang-Gesetzes nur noch auf geringe Schwierigkeiten, trotzdem die Vertreter des Nordens einsehen mußten, wie tief sie sich durch ein solches abscheuliches Gesetz vor der Sklavenhalter-Aristokratie demütigten, und wie verhaßt dasselbe ihren Konstituenten sein würde. Dieses Gesetz überträgt an Einzelrichter oder Gerichtskommissare, welche von den Bundesgerichtshöfen zu bestellen sind, die despotische Befugnis, Personen, die auch nur im Entferntesten schwarzes Blut in den Adern haben, wenn dieselben von einem Sklavenhalter oder dessen Bevollmächtigten als entflohene Sklaven reklamiert werden, auf den oberflächlichen Beweis ihrer Identität hin, ohne Zuziehung einer Jury, welche zu den Fundamentalinstitutionen des amerikanischen Rechts gehört, für Sklaven zu erklären und dem reklamierenden Sklavenhalter oder seinen Agenten auszuliefern. Das Gesetz verpflichtet ferner bei schwerer Strafe alle Bürger der Vereinigten Staaten, beim Einfangen und Festhalten solcher als Sklaven beanspruchten Personen hilfreiche Hand zu leisten, bedroht jeden, der einem solchen angeblichen Sklaven zum Entfliehen behilflich ist, oder ihn beherbergt oder verbirgt, mit einer Geldstrafe von 1000 Dollar oder eine Gefängnisstrafe bis zu 6 Monaten, nebst 1000 Dollar Entschädigung an den angeblichen Eigentümer, und belohnt schließlich, um das Maß der Schande voll zu machen, den Gerichtskommissar, wenn er einen Menschen zur Sklaverei verdammt, mit 10, wenn er ihn aber für frei erklärt, nur mit 5 Dollar, während es den bei einer Menschenjadt behilflichen Personen einen Lohn von 5 Dollar und darüber zuerkennt.

Die Empörung, welches dieses Schandgesetz im ganzen Norden hervorrief, war groß; aber siewar noch nicht groß genug, um das schlummernde Volksbewußtsein vollständig wach zu rufen, um die Massen zum Handeln, zum Heraustreten aus den gewohnten Geleisten, zum Zerreißen der Bande, welche Sklavenhalter und verräterische, schachernde Politiker ihm angelegt hatten, zum Überbordwerfen dieser Politiker und zur Zertrümmerung der Sklavenhalterherrschaft zu bestimmen. Dazu bedurfte es noch stärkerer Anregungen, noch empfindlicherer Faustschläge, noch derberer Fußtritte. Die praktische Ausführung des Sklavenjagdgesetzes, welche die ganze Abscheulichkeit dieses despotischen Erlasses dem Volk erst klar machte, bereitete allerdings eine Erhebung des Volkes vor, aber sie allein genügte nicht, um einen Umschwung herbeizuführen.

Für die Präsidentenwahl von 1852 stellte die demokratische Partei in der Konvention ihrer Delegaten zu Baltimore ein Programm auf, welches die Kompromißmaßregeln von 1850 für eine endgültige Erledigung der Sklavenfrage erklärte und jede fernere Agitation dieser Frage ausdrücklich von der Hand wies. Zu ihrem Kandidaten wählte sie eine ziemlich unbekannte Größe, den General PIERCE aus New Hampshire. Dagegen stellte die Whigpartei den Oberanführer aus dem mexikanischen Krieg, General SCOTT aus New Jersey, als Kandidaten auf. Sie hatte mit General TAYLOR Glück gehabt und hoffte, daß es ihr mit SCOTT ebenso glücken würde. Allein es war zwischen den beiden ein großer Unterschied. SCOTT, obgleich sein Verdienst im Krieg gegen Mexiko größer war, als das TAYLORs, hatte sich niemals eine so große Popularität erworben wie dieser. Überdies war jetzt schon ein längerer Zeitraum seit jenem Krieg verflossen, der Enthusiasmus, welcher sich an die Waffentaten desselben knüpfte, also so ziemlich verraucht, und dann war TAYLOR ein Sklavenhalter, SCOTT aber nicht, sondern stand im Gegenteil im Geruch, daß er sich in den Händen der Freesoil-Whigs befindet. Das Parteiprogramm der Whigs wich nicht wesentlich von dem der Demokraten ab; nur war es in der Sklavenfrage weniger positiv und weniger bindend, als dieses. Die Freesoiler stellten ebenfalls ein Programm auf und ernannten einen Kandidaten in der Person von Senator HALE aus New Hampshire. Der Ausgang der Wahl ar wieder ein glänzender Triumph für die Sklavenhalter; ihr Kandidat PIERCE wurde mit großer Mehrheit gewählt und trat am 4. März 1853 das Präsidentenamt an. Die Geschichte der Administration dieses Präsidenten ist nichts, als ein Jagen, Ringen, Feilsche und Zanken um die Beute des Wahlsieges, ein jämmerliches Buhlen um die Gunst der Sklavenzüchter-Aristokratie und ein knechtischer Gehorsam gegen alle ihre Gebote.
LITERATUR Fritz Anneke, Der zweite Freiheitskampf der Vereinigten Staaten von Amerika, Bd. 1, Frankfurt/Main 1861