ra-2Böhm-BawerkR. StolzmannO. ConradA. DöringH. CohnA. Lindwurm    
 
OTTO MICHAELIS
Das Kapitel vom Wert

"Nur das Bedürfnis nach derselben bestimmt uns, einer Brauchbarkeit Wert zu verleihen."

"Der Wert einer Brauchbarkeit steigt mit dem Bedürfnis, steigt mit der zur Produktion derselben nötigen Arbeit, sinkt mit der Steigerung der Produktivität menschlicher Arbeit."

"Der Wert ist keine den Brauchbarkeiten  objektiv  anhängende Eigenschaft; er ist vielmehr  subjektiver  Natur, d. h. von der Meinung (Schätzung) des wirtschaftenden Menschen abhängig. Es gibt also keinen absoluten, sondern nur einen relativen und individuellen Wert."

Der Begriff des Wertes bildet gewissermaßen den logischen Keim all der Grundbegriffe, welche die Wissenschaft spezialisiert, in Gegensatz stellt, auseinander erwachsen läßt. Aber er enthält sie nicht in entwickelter Form, sondern unentwickelt, erst des organischen Prozesses der Dialektik wartend, welcher sie zur Entfaltung bringt. Bedürfnis, Anstrengung, Befriedigung, Arbeit, Produktion, Konsumtion, Angebot, Nachfrage, Tausch, Preis - alle diese Begriffe stehen mit dem Wertbegriff in unmittelbaren Beziehungen, sind entweder seine Voraussetzungen, oder seine weiteren Entwicklungsstadien oder die weiteren Entwicklungsstadien seiner Elemente.

Je umfassender und einfacher dieser Grundbegriff ist, umso verhängnisvoller ist für die Wissenschaft die irrtümliche Feststellung desselben. Die Logik strebt den Irrtumskeim zu einem ganzen System von Irrtümern auszubilden, und wenn richtige Beobachtung dieses System in seiner Ausbildung begrenzt oder erstickt, so geschieht es auf Kosten der Logik, d. h. der dialektischen Durchbildung des ganzen Systems der Wissenschaft. Dieses Verhältnis macht es notwendig, von den konkretesten wissenschaftlichen Untersuchungen immer wieder auf den Wertbegriff zurückzugehen, um sich über ihn Rechenschaft abzulegen.

Die nachfolgende Darstellung ist das Resultat eines Versuchs einer solchen Rechenschaftslegung, zu welcher der Verfasser namentlich durch die Frage veranlaßt wurde, wo dem Wertbegriff seine Stelle anzuweisen, ob vor oder nach dem Tausch. Die älteren Schulen, welche den Ursprung des Wertes entweder in der Arbeit, oder in der Brauchbarkeit oder in der Brauchbarkeit und Seltenheit fanden, ließen den Wertbegriff dem Tausch vorausgehen. BASTIAT, der im Wert das Maß der Dienstleistungen erkannte, setzte den Tausch voraus. Allein, wenn BASTIAT durch diese Erklärung auch den großartigsten Fortschritt der Wissenschaft eingeleitet hat, so bleibt immer noch zu untersuchen, ob nicht das Vorausgreifen in den Tausch im Wesentlichen ein Mittel der Deutlichkeit bildete, durch welches zwar keine falschen Folgerungen veranlaßt, wohl aber der Begriff des Wertes dem des Preises nahe gerückt wurde. Im Folgenden wird deshalb eine gewissermaßen genetische Konstruktion des Wertbegriffes aus den einfachsten Elementen der Volkswirtschaft versucht. Auf diesem Weg allein kann es gelingen, sich darüber Rechenschaft zu geben, wo der Begriff des Wertes seine Stelle findet, welches seine Voraussetzungen, welches seine weiteren Entwicklungen und Folgerungen sind. Wie sich zeigen wird, kann das Resultat dieser Darlegung auf Neuheit keinen Anspruch erheben; allein je mehr man gewohnt ist, mit einem Begriff wissenschaftlich zu operieren, umso wichtiger ist es, sich Rechenschaft zu geben, wie man zu demselben gekommen ist. Denn wenn die Entstehung vergessen ist, so wird aus dem Begriff leicht ein geduldiges Wort, das überall gleichgültig sich einfügend, der Sicherheit der Schlußfolgerungen jede Garantie entzieht.



Den Ausgangspunkt unserer Wissenschaft bildet das Bedürfnis des Menschen und die zum Zweck der Befriedigung aufzuwendende Anstrengung. Die letztere ist für den Menschen etwas Unangenehmes, dem er sich unterzieht, um das Unangenehme der Entbehrung zu vermeiden, oder das Angenehme der Befriedigung zu erlangen. Bei der Grundrechnung der Bedürfnisbefriedigung betrachtet er mithin die Anstrengung als  Ausgabe  und verlangt, daß die als  Einnahme  betrachtete Befriedigung, das Produkt dieser Anstrengung, das Unangenehme der Anstrengung übersteigt. Das Mitwirken der Natur zur Erzeugung von Befriedigung verursacht dagegen dem Menschen kein Leiden; er bringt es nicht als Unangenehmes gegen die Annehmlichkeit der Befriedigung in Rechnung. Die aufgewandte Anstrengung, und nur diese, bildet die  Herstellungskosten  der Befriedigung. Die natürliche Nutzbarkeit ist eine unentgeltliche Zugabe.

Der Mensch unterzieht sich der Anstrengung nur, wenn das Angenehme der dadurch erkauften Befriedigungen das Unangenehme der aufgewandten Anstrengung übersteigt, und in je höherem Grad die Annehmlichkeit das Unangenehme übersteigt, umso lieber unterzieht der Mensch sich der Anstrengung. Je mehr aber die Naturkräfte bei der Produktion mitwirken, umso mehr steigt die Summe der Befriedigungen bei gleicher Anstrengung, umso mehr wird also der Mensch geneigt sein, sich anzustrengen.

Die erste und einfachste wirtschaftliche Messung ist also die der Anstrengung an der Befriedigung oder umgekehrt. Aber wie kann man so verschiedene Dinge aneinander messen? Zum Messen gehört doch etwas Gemeinsames und wo ist das diesen Begriffen Gemeinsame? Die Antwort auf diese Frage liegt schon in den vorhin angezogenen Hilfsbegriffen der Ausgabe und Einnahme. Befriedigung und Anstrengung stehen zueinander in einem Verhältnis der positiven und negativen Größen, die sich allerdings arithmetisch aneinander messen lassen.  -5 + 10 = + 5,  dieses ist die arithmetische Formel der ersten wissenschaftlichen Messung. Die Anstrengung ist dem Menschen etwas Unangenehmes, die Befriedigung ist die Aufhebung der Entbehrung und die Entbehrung ebenfalls etwas Unangenehmens. Im Unangenehmen, welchem sich der Mensch unterzieht, und dem Unangenehmen, das er dadurch vermeidet, ist der gemeinsame Maßstab gefunden.

Schon die einfachste Messung führt zur Erkenntnis und Formulierung eines wirtschaftlichen Gesetzes. Versuchen wir es nämlich, uns vom Fortschritt, den die vermehrte Heranziehung der Natur zur Mitwirkung bei der Produktion erzeugt, ein klares Bild zu machen. Nehmen wir beispielsweise die Annehmlichkeit einer durch Zusammenwirken der menschlichen Anstrengung und der Hilfsleistung der Natur geschaffene Befriedigung  = +10,  die aufgewandte Anstrengung oder Unannehmlichek  = -5,  so bildet vom Produkt, Befriedigung, die  Hälfte (+5)  den Entgelt für die Anstrengung, die andere Hälfte (+5) in Gestalt des Überschusses die unentgeltliche Zugabe der Natur, die erste Hälfte ist durch Anstrengung  erkaufte  Befriedigung, die zweite  unentgeltliche Befriedigung.  Gelingt es nun den Menschen, die Natur zu vermehrter Mitwirkung heranzuziehen, so ändert sich das Verhältnis der beiden Summanden, welche die erzeugte Befriedigung bilden. Der unentgeltliche Teil wird vielleicht  = 7;  es sinkt also, weil die Summe der Befriedigung (10) sich gleich bleibt, der erkaufte Teil auf  3. 

Diese eine, in ihren Grundverhältnissen so glücklich veränderte Produktion bildet aber nur einen Bruchteil der gesamten Wirtschaft des Menschen. Fassen wir also die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit des Menschen in die entsprechende Zahlenformel. Es sei zu einer Zeitepoche die während eines bestimmten Zeitraums, z. B. während eines Wirtschaftsjahres, von einem wirtschaftenden Menschen aufgewandte Anstrengung  = 50;  die durch diese Anstrengung, unter Mitwirkung der Naturkräfte erzeugte Befriedigung  =100:  so ist die erkaufte Befriedigung  =50,  die unentgeltliche ebenfalls  =50.  Gelingt es nun dem Menschen, die Natur zur vermehrten Mitwirkung bei der Produktion heranzuziehen, so ändert sich zunächst der Summand der unentgeltlichen Befriedigung  50,  an unentgeltlicher Befriedigung  100,  an Befriedigung im Ganzen als  50 + 100,  oder  150  haben. Da aber der Mensch, je vorteilhafter seine Arbeitstätigkeit ist, umso geneigter sein wird, solche aufzuwenden, so wird er nunmehr, wo er so reiche Früchte sieht, statt  50,  vielleicht  60  an Arbeit aufwenden. Da das Plus der aufgewandten Arbeit in demselben Verhältnis die Natur zur unentgeltlichen Mitwirkung heranzieht, wie die ursprünglich aufgewandte Anstrengung, nämlich im Verhältnis  50:100  oder  1:2,  so stellt sich die Zahlenformel seiner Wirtschaft folgendermaßen heraus:
    Erkaufte Befriedigung ................................ 60
    Unentgeltliche Befriedigung ..................... 120

    Summa der produzierten Bedfriedigung: 180
Die Summe der Befriedigungen, welche sich der Mensch verschafft, ist also von 100 auf 180 pro Jahr gestiegen. Dieses ist die roheste Formel des ersten wirtschaftlichen Fortschritts. Sie ist höchst einfach und verständlich. Füllen wir aber die abstrakten Begriffe und Zahlen mit konkreten Dingen aus, so wird die Sache weit kompliziert und wir finden, daß wir mit unseren bisherigen einfachen Begriffen nicht mehr ausreichen.



Es ist für unsere dargelegte erste wirtschaftliche Meßmethode charakteristisch, daß unmittelbar Anstrengung und Befriedigung in Beziehung gesetzt wurden, des meist aus dem Menschen heraustretenden Mittelgliedes, des  Befriedigungsmittels,  aber gar nicht gedacht wurde. Dieses Befriedigungsmittel, das Produkt der auf die äußere Natur angewendeten Anstrengung des Menschen, die Ursache der durch seinen Ge- und Verbrauch erzeugten Befriedigung, ist ein Ding, das Dauer hat oder doch haben kann, das heute hervorgebracht wird, um vielleicht erst nach Tagen, Wochen oder Monaten zur Befriedigung zu dienen. Kann nicht durch sein Eintreten in die Wirtschaft die Grundlage unserer ganzen Messung verändert werden? Wir verglichen die Anstrengung mit der durch sie vermittelten Befriedigung, und, gestehen wir es nur, diese Messung nimmt nicht nur der Mensch, sondern auch das Tier vor, welches auf Beute ausgeht, wenn es Hunger fühlt. Wir dachten bei dieser Messung zwar schon an eine Wechselwirkung zwischen Anstrengung und Befriedigung, aber weil die Anstrengung uns durch das unmittelbare Bedürfnis hervorgerufen, und zur Befriedigung dieses unmittelbaren Bedürfnisses bestimmt erschien, so war diese Wechselwirkung eben nur eine unmittelbare, durch den Augenblick bedingte. Der wirtschaftlich Zustand, wie wir ihn unserer Meßmethode zugrunde legten, war der ursprünglichste, roheste, den man sich denken kann. Der Mensch strengt sich täglich an für die Gewinnung der gleichzeitigen Befriedigungen, er ringt der rohen Natur mühsam und kümmerlich für jeden Tag sein Dasein ab. Mit dem Eintritt jenes Mittelgliedes wird die Sache anders. An einen Vorrat von Befriedigungen konnten wir nicht denken: der Mensch kann sich nicht auf 3 Monate sattessen. Sobald aber das Befriedigungsmittel dazwischen tritt, entsteht sofort die Vorstellung eines Vorrats von Befriedigunsmitteln, der einem bestimmten Bedürfnis des Menschen auf kürzere oder längere Zeit seine Befriedigung sichert. Mit der Vorstellung des Vorrats ersteht die einer Teilung der Arbeit desselben wirtschaftenden Menschen der Zeit nach. Er jagt im Winter, bestellt den Acker im Herbst oder Frühjahr, baut im Sommer, erntet im Herbst; er unterzieht sich jeder Art der Anstrengung zu der Zeit, wo sie am besten lohnt oder vermöge des Laufs der Natur notwendig ist, und verteilt den Verbrauch der Produkte dieser Anstrengung auf die Zeit, wo er mit der Hervorbringung anderer Befriedigungsmittel beschäftigt ist. Wir nahmen bei unserem obigen Vergleich zwischen Anstrengung und Befriedigung das Jahr als die gewohnte Wirtschaftsperiode zur Grundlage, wir hätten mit demselben Recht die Woche, den Tag oder irgendeine andere willkürlich abgeschnittene Zeitperiode nehmen können. Jetzt aber, bei dieser ersten Phase der Arbeitsteilung der Zeit nach, erscheint das Jahr als die natürliche Wirtschaftsperiode gegeben, weil die Verteilung der Anstrengungen naturgemäß nach den die Phasen des Pflanzen- und Tierlebens bedingenden Jahreszeiten geordnet wird. Diese zweckmäßige Verteilung der Anstrengungen ist die erste wirtschaftliche Disposition der Einzelwirschaft über die Produktionsmittel, sie macht die Anstrengungen des Menschen produktiver.

Fügen wir der ersten Phase der wirtschaftlichen Verteilung der Anstrengungen der Zeit nach noch die zweite Phase der Arbeitsteilung, die Verteilung der verschiedenen Arten der produzierenden Tätigkeit unter die Familienmitglieder je nach Alter, Geschlecht, Kraft und Geschick hinzu, so haben wir die wirtschaftlichen Elemente vor uns, welche etwa in der ihre Bedürfnisse selbst erzeugenden Bauernwirtschaft tätig sind, eine Wirtschaft mit geteilter Arbeit, bei welcher der Tausch aber noch in der Gemeinsamkeit der Familie verborgen, gewissermaßen latent ist. Die Entwicklung der Produktivität der menschlichen Anstrengung ist schon ziemlich weit fortgeschritten, die Weisheit des Tausches, wie wir ihn in der fortgeschrittenen Wirtschaft kennen lernen, wird noch durch die Disposition des mit der Familiengewalt ausgestatteten Hauptes der Familie ersetzt; durch künstliche Ausdehnung seiner Gewalt auf Abhängige (Sklaven) wird die wirtschaftliche Kraft der Familie erweitert.

In Bezug auf die zur Befriedigung der Bedürfnisse notwendige Anstrengung tritt nunmehr ein wesentlicher Unterschied, der oben vorausgesetzten primitiven Wirtschaft gegenüber, hervor. Wir sagten oben, auch das Tier strengt sich an, um die Bedürfnisse des Tages zu befriedigen. Wir sahen also noch keinen wesentlichen Unterschied zwischen der Wirtschaft des Menschen und des Tieres. Der Mensch blieb, wie das Tier, im großen Kreislauf der Natur befangen, in jeder Beziehung von ihm abhängig, er war ein Stück Natur. In dieser zweiten Phase dagegen tritt er, den Kreislauf der Natur für seine Wirtschaftszwecke benutzend, aus ihm heraus. Es beginnt seine Herrschaft über die Naturkräfte, und was wir früher als Anstrengung bezeichneten, gewissermaßen als instinktive Notwehr gegen die auf den Menschen eindringenden Naturkräfte, das nennen wir jetzt als auf die Natur zurückwirkende, mit Anstrengung verbundene Tätigkeit des Menschen:  Arbeit

Mit dem Begriff der Arbeit schießt sofort der Begriff des  Kapitals  auf. Wenn nämlich der Mensch seine Arbeiten der Zeit nach auf die verschiedenen Wirtschaftszwecke verteilt, so bedarf er zur Unterhaltung seiner Arbeitskraft während jeder besonderen Arbeitstätigkeit der Befriedigung seiner mannigfachen Lebensbedürfnisse durch mittels früherer Arbeit erzeugten Befriedigungsmittel. Nach dem Vorbild des Kreislaufs der Natur bildet er in seiner Wirtschaft einen Kreislauf der mannigfachsten Befriedigungsmittel, immer durch seine vielseitige Tätigkeit das Verbrachte ersetzend und mit Hilfe des Produzierten Neues produzierend. Die in seiner Wirtschaft zirkulierenden Befriedigungsmittel, welche zwecks neuer Produktion immer wieder verbraucht werden, also zugleich Produktionsmittel sind, bilden sein Kapital. Unter den Gegenständen des Kapitals treten neben den unmittelbaren Befriedigungsmitteln auch Produktionsmittel im engeren Sinne, Werkzeuge und der Natur abgewonnene Arbeitsstoffe, auf.

Versuchen wir, uns die Motive, welche den wirtschaftenden Menschen in dieser Gestalt seines Hauswesens leiten, hineinzudenken, so springt in die Augen, daß er seine Wirtschaft so einzurichten suchen wird, daß die für die Befriedigung der verschiedenen Bedürfnisse nötigen Befriedigungsmittel in der für den Verbrauch der bezüglichen Wirtschaftsperiode nötigen Fülle erzeugt werden. Wäre dies sein einziges wirtschaftliches Motiv, so würde die Wirtschaft in alle Ewigkeit stationär sein. Der Verbrauch wäre ein produktiver nur in dem Sinne, daß er das Zerstörte wieder ersetzt. Das natürliche Streben des Menschen ist aber, seine Lage zu verbessern, wirklich produktiv zu konsumieren, d. h. seine Wirtschaft so einzurichten, daß seine Arbeit einen Überschuß läßt. Der früher einfache Satz: jede Anstrengung muß einen Überschuß von Befriedigungen lassen, übersetzt sich jetzt in den komplizierten: jede Arbeit muß einen Überschuß von Befriedigungsmitteln lassen. Überschuß ist Differenz. Der Begriff der Differenz setzt ein Messen gleichartiger Größen voraus. Den einfachen Elementen  Anstrengung  und  Befriedigung  gegenüber fanden wir das  tertium comparationis  [gemeinsames Drittes - wp] leicht. Gegenwärtig ist uns aber das Befriedigungsmittel dazwischen getreten und verlangt ebenfalls gemessen zu werden. Einen solchen Maßstab muß der Mensch haben, um sich zu entscheiden, ob er das bestellte Feld mit Flachs oder Weizen besäen, ob er auf seinem Anger Schafe oder Rinder weiden lassen soll. Er wird sich jedesmal für die Frucht- oder Viehgattung entscheiden, welche seiner Wirtschaft die größte Bereicherung, seinen Aufwendungen den größten Überschuß verheißt. Wenn er sich, um seine Wirtschaft zu regeln und zu kontrollieren, ein Wirtschaftsbuch anlegen will: wie kann er die Ausgaben und Einnahmen in gleichartigen Ziffern ausdrücken?

Um zu produzieren, verbraucht jetzt der Mensch, außer den eigenen Kräften bei der unmittelbaren Anstrengung, in Form von Rohstoffen, Werkzeugen und unmittelbaren Befriedigungsmitteln, welche seine Arbeit alimentieren, noch die Produkte einer früheren Anstrengung. Verbrauchen heißt: die Brauchbarkeit oder Nutzbarkeit aufheben. Die Herstellungskosten oder Ausgaben der Produktion zerlegen sich also in zwei Teile: Brauchbarkeiten und Anstrengung. Das Resultat der Produktion sind wieder Brauchbarkeiten. Um also zu ermessen, ob eine Produktion wirtschaftlich ist und ob er sich derselben unterziehen soll, muß der Mensch die durch dieselbe zu erzeugenden Brauchbarkeiten mit den konsumierten Brauchbarkeiten vergleichen, und, damit die Produktion wirtschaftlich ist, müssen die ersteren die letzteren nicht nur ersetzen, sondern noch einen Überschuß lassen, der die verbrauchten Kräfte ersetzt und die Anstrengungen belohnt. Wenn nun aber der Mensch z. B. Nahrungsmittel, Flachs und Werkzeuge verbraucht und Garn erzeugt - wie will er die Wirtschaftlichkeit seiner Produktion ermessen, da doch die verbrauchten und erzeugten Nutzbarkeiten höchst ungleichartige Dinge sind?

Man könnte diesen Maßstab der wirtschaftlichen Vergleichung in der Brauchbarkeit der Dinge finden, und unsere vorausgehende Auseinandersetzung scheint dies zu rechtfertigen. Wir würden dann zu jener rohesten Formel der wirtschaftlichen Messung zurückkommen, indem wir Brauchbarkeit, als Fähigkeit, Bedürfnisse zu befriedigen,  = Befriedigung  setzten. Der wirtschaftende Mensch würde Anstrengung und Entbehrung der konsumierten Brauchbarkeiten als  Ausgabe,  Befriedigung als  Einnahme  betrachten, die ersteren beiden Größen als negative, die Befriedigung als positive Größe betrachten und so messen. Allein diese Messung wäre offenbar falsch. Die Ausgabe würde viel zu hoch ausfallen. Denn die konsumierte Nutzbarkeit ist, da sie aus einem Zusammenwirken von Arbeit und Naturkraft entstand, nur zum Teil durch Arbeit erkaufte Nutzbarkeit, zum Teil ist sie unentgeltliche Nutzbarkeit, und in dem der Mensch die letztere gleich der ersteren unter der gemeinsamen Rubrik "Entbehrung" der Anstrengung gleich stellte, würde er als Anstrengung berechnen, was ein unentgeltliches Geschenk der Natur bildet, was er nicht entbehrt, sobald er nur die Anstrengung wieder aufwendet, welche dem durch Arbeit erkauften Teil der verbrauchten Nutzbarkeit entspricht.

Dies wird konkreter werden, wenn wir den Gesichtspunkt der Messung, die Wirtschaftlichkeit des Menschen, näher ins Auge fassen.

In unserer bisherigen abstrakten Darstellung haben wir den Begriff der  Wirtschaftlichkeit  in der Produktion nicht in seiner Totalität, sondern nur nach einer Seite hin aufgefaßt. Wir gingen davon aus, daß der Mensch sich der Anstrengung nicht unterzieht, wenn die durch dieselbe erzeugte Befriedigung nicht einen Überschuß über die Pein der Anstrengung läßt, und maßen nun bei der Produktion die Anstrengung und die Befriedigung aneinander. Hiermit ist jedoch der Begriff der Wirtschaftlichkeit nicht erschöpft, dieselbe enthält vielmehr noch das zweite Moment, daß der Mensch mit möglichst geringer Anstrengung möglichst große Befriedigung zu erzeugen sucht.

Nun hat der Mensch immer verschiedene Wege vor sich, um sich eine Befriedigung zu verschaffen; der eine derselben ist mit mehr, der andere ist mit weniger Anstrengung verbunden; ja er kann Nutzbarkeiten, welche die Natur unentgeltlich gewährt, mit großer Anstrengung erzeugen. Er kann z. B. den Stickstoff der atmosphärischen Luft aus vorher produzierten stickstoffhaltigen Nahrungsmitteln, Sauerstoff aus Braunstein und Kohlensäure aus der Kohle gewinnen, und kann aus diesen verschiedenen mit großer Mühewaltung ausgeschiedenen Elementen in richtiger Mischung atmosphärische Luft zur Befriedigung des Atmungsbedürfnisses produzieren. Legen wir unseren bisherigen Abstrakten Maßstab an diese Produktion, so müssen wir sagen, daß keine Anstrengung zu groß ist, um durch dieselbe das Atmungsbedürfnis zu befriedigen, weil diese Befriedigung die erste Voraussetzung des Lebens bildet; wir müßten daher urteilen, daß eine solche Produktion unter allen Umständen einen Überschuss der Annehmlichkeit des Atmens und Lebens über die Unannehmlichkeit einer auch noch so großen Anstrengung läßt. Und doch wäre jene Produktion die unwirtschaftlichste, welche man sich nur denken kann. Das Unwirtschaftliche derselben liegt darin, daß man zur Gewinnung einer Brauchbarkeit, die unzweifelhaft außerordentlich groß ist, eine Anstrengung aufwandte, während dieselbe ohne Anstrengung überall zu haben war.

Der Mensch betrachtet jede Anstrengung, welche bei der Produktion über das zur Erzeugung der Befriedigung unbedingt notwendige Quantum hinaus verwandt ist, als unwirtschaftlich verwandt, und die Wirtschaftlichkeit der Produktion mißt er nicht bloß nach dem Verhältnis der aufgewandten Anstrengung, um welche er dieselbe Befriedigung auf irgendeinem anderen Weg hätte haben können, und ist die aufgewandte Anstrengung die geringst mögliche, so nennt er seine Produktion wirtschaftlich.

Es sind also allerdings einerseits die aufgewandten, andererseits die erzielten Brauchbarkeiten, welche der Mensch vergleicht, um die Wirtschaftlichkeit seiner Produktion zu ermessen. Das  tertium comparationis  bei diesem Vergleich ist aber nicht etwa der Grad der Brauchbarkeit, sondern eine andere diesen Brauchbarkeiten beigelegte wirtschaftliche Eigenschaft. Wir nennen diese Eigenschaft  Wert  und bezeichnen mit diesem Wort den wirtschaftlichen Maßstab der Brauchbarkeiten. Es fragt sich, worin dieser Maßstab besteht, es fragt sich mit anderen Worten: wie müssen sich die aufgewandten Brauchbarkeiten zu den produzierten Brauchbarkeiten verhalten, damit die Produktion eine produktive genannt werden kann?

Daß den unentgeltlichen Brauchbarkeiten kein Wert beigelegt werden kann, versteht sich von selbst; denn da diese sich durch den immanenten Kreislauf der Natur unmittelbar wieder ersetzen, so macht ihre Verwendung keine Kosten und ihre Erzeugung bringt keinen Vorteil.

Es handelt sich also beim Wertbegriff nur um die durch Arbeit erkauften Brauchbarkeiten. Nun läge es nahe, die zur Erzeugung einer Brauchbarkeit aufgewandte Arbeit als ihren Wert aufzufassen. In der Tat scheint der Weg unserer Untersuchung auch hierauf hinzuleiten. Wir haben anfänglich Anstrengung und Befriedigung gemessen. Da die Arbeit als Anstrengung in Rechnung kommt, das zur Produktion verbrauchte Befriedigungs- oder Produktionsmittel aber das Produkt von Anstrengung, "aufgespeicherte Arbeit" ist, so liegt nichts näher, als der gegenwärtigen Arbeitsanstrengung diese frühere Arbeitsanstrengung hinzuzurechnen und dieser Summe die erzeugte Befriedigung gegenüberzustellen. Unglücklicherweise hat aber das selbständig herausgetretene Befriedigungsmittel oder Arbeitsprodukt, und wenn es auch nur einen Tag dauert, seine eigene Geschichte. Das gestern mit vieler Anstrengung gefertigte hölzerne Gerät wird heute unbedenklich und produktive als Feuerungsmaterial verbraucht, nachdem der Mensch an die Stelle des geschärften Holzes einen Meißel von Feuerstein gesetzt hat. Un das Werkzeug von Feuerstein, so mühsam auch seine Anfertigung war, wird als Werkstein produktiv verwendet, nachdem Kupfer als Material bekannt geworden ist. Der im Schweiße des Angesichts dem kargen Erntejahr abgerungene Weizen, wird, wenn die neue Ernte reichlich ausgefallen ist, als Viehfutter produktiv verbraucht, während unter anderen Umständen das Vieh der Naturweide überlassen würde. In der Tat gibt die zur Erzeugung einer Brauchbarkeit aufgewandte Arbeit keinen Maßstab für die Produktivität des Verbrauchs; wollte man sie als solchen benutzen, so wäre bei der Produktion jedes Messen der aufgewendeten und erzielten Brauchbarkeiten unnütz; denn die einfache Tatsache, daß durch die Aufwendung von Produkten einer früheren Anstrengung und einer hinzukommenden Anstrengung eine Brauchbarkeit erzeugt wäre, reichte aus, um den Wert dieser Brauchbarkeit für größer zu halten, als den der aufgewendeten Brauchbarkeiten, weil dieselbe die neu hinzugekommene Anstrengung enthalten würde; man würde dann eine Produktion für wirtschaftlich halten müssen, selbst wenn die produzierte Brauchbarkeit auf einem anderen Weg viel wohlfeiler erzeugt werden könnte.

Um was es sich beim Wert in dieser Richtung handelt, das ergibt sich aus der Natur der Wirtschaftlichkeit, die wir eben erläutert haben. Will der Mensch die Wirtschaftlichkeit seiner Produktion ermessen, so hat er auf der einen Seite die geringste Summe von Anstrengungen zu vergleichen, welche er aufwenden muß, um die verbrauchten Nutzbarkeiten rechtzeitig wieder zu ersetzen, auf der anderen Seite die geringste Summe von Anstrengungen, durch welche er die zu erzielende Nutzbarkeit überhaupt zu erlangen imstande ist. Allein auch wenn dieser Vergleich einen möglichst großen Überschuß bei der Produktion ergäbe, so kann die Produktion dennoch eine unwirtschaftliche sein: denn es kommt noch ein zweites Element in Betracht. Der Mensch strengt sich an, produziert, um Bedürfnisse zu befriedigen. Da also das  Bedürfnis  ihn zur Aufwendung von Mühe und Brauchbarkeiten, bestimmt, so muß offenbar im Bedürfnis ein Element der Wertschätzung liegen. Brauchbarkeiten, für welche in concreto kein Bedürfnis vorhanden ist, können keinen Wert haben, wenn sie auch durch noch so schwere Mühe erzeugt sind. Wenn also der wirtschaftende Mensch seine Ackerwirtschaft so weit imstande hat, daß dieselbe ihm jährlich 100 Scheffel Korn liefert, und er bedarf zur Befriedigung seines Nahrungsbedürfnisses nur 100 Scheffel, so wird er keine Arbeit und keine durch Arbeit erkaufte Brauchbarkeit mehr aufwenden, um jährlich mehr als 100 Scheffel Korn zu produzieren; denn der sein Bedürfnis übersteigende Ertrag würde für ihnen keinen Wert haben.

Stellen wir also fest, was wir bisher gefunden haben.
    1) Wert ist eine Eigenschaft, welche wir Brauchbarkeiten beilegen.

    2) Die Voraussetzung des Wertes bildet der Umstand, daß zur Herstellung der Brauchbarkeit Anstrengung (Arbeit) notwendig ist, und das Quantum dieser notwendigen Anstrengung bildet ein Element der Wertschätzung.

    3) Nur das Bedürfnis nach derselben bestimmt uns, einer Brauchbarkeit Wert zu verleihen.
Wenn ich eine meinem Bedürfnis entsprechende Brauchbarkeit besitze, so bin ich imstande, dieses Bedürfnis zu befriedigen, ohne vorher Arbeit aufzuwenden. Der Besitz einer dem Bedürfnis entsprechenden Brauchbarkeit erspart mir also die Anstrengung, welche zur Hervorbringung derselben unter den gegenwärtigen Umständen nötig wäre; er erspart mir aber nicht mehr Anstrengung, als ich zur Befriedigung jenes Bedürfnisses aufzuwenden geneigt wäre. Zerstöre ich durch produktive Konsumtion eine solche Brauchbarkeit, so tue ich dies nur, weil der Beditz der zu produzierenden Brauchbarkeit mir mehr Anstrengung erspart, als der Besitz der aufzuwendenden Brauchbarkeit. Daß derselbe mir mehr Arbeit erspart, hat seinen Grund in dem nach demselben vorhandenen Bedürfnis, welches durch die Aufwendung geringerer Opfer nicht zu befriedigen sein würde, und welches so dringend ist, daß es mich zur Aufwendung dieser, vielleicht noch größerer, Opfer veranlassen würde.

Diese Betrachtung der Motive, welche bei der Wertschätzung in der Produktion obwalten, ergibt unmittelbar den Wertbegriff:
    Wert einer Nutzbarkeit ist die durch den Besitz derselben dem Besitzer ersparte Anstrengung,
oder:
    Wert einer Nutzbarkeit ist die Summe von Anstrengung, welche ich aufzuwenden geneigt und gezwungen bin, um den Besitz derselben zu erwerben.


Untersuchen wir jetzt die Wirksamkeit der einzelnen konstitutiven Elemente des Wertes einer Brauchbarkeit.

Zunächst die Herstellung dieser Brauchbarkeit nötige Quantität von Arbeit. Steigt dieselbe, so steigt die Quantität von Arbeit, welche der Besitz jenes Gutes erspart; es steigt also der Wert; sinkt dieselbe, so sinkt auch der Wert.

Ferner das Bedürfnis. Um die Wirksamkeit dieses Elementes klar zu machen, werden wir etwas weiter ausholen müssen. Es ist ein in der Natur des Menschen begründetes Gesetz, daß eine Verminderung der dem Bedürfnis entsprechenden Konsumtion um gleiche Quantitäten eine immer größere Pein der Entbehrung auferlegt. Wenn ich also 40 Scheffel Korn bedarf und nur 20 besitze, so werde ich mir durch die Erwerbung des einundzwanzigsten größere Pein ersparen, als wenn ich nur 30 Scheffel bedarf und 20 besitze. Ich werde also im ersteren Fall für die Erwerbung des einundzwanzigsten eine größere Anstrengung aufzuwenden geneigt sein als im zweiten. Die Steigerung des Bedürfnisses steigert also die Geneigtheit, zur Aufbringung des noch Fehlenden Anstrengungen aufzuwenden. Führt es aber auch zur Notwendigkeit gesteigerter Anstrengungen? Zunächst allerdings. Der Mensch richtet seine produktive Tätigkeit in der Regel so ein, daß das Produkt seinen Bedürfnissen adäquat ist. Vermehrt sich nun plötzlich sein Bedürfnis nach einer bestimmten Art von Produkten, so muß er, um diesem Bedürfnis zu genügen, außer seiner gewohnten noch neue Arbeitsanstrengungen aufwenden, und wenn er auch mit derselben Anstrengung dieselbe Summe von Brauchbarkeiten dieser Art erzeugte, so würde diese zur gewohnten hinzukommende Anstrengung ihm mehr Pein verursachen, als die bis dahin aufgewandte, weil jeder der täglichen Arbeitszeit hinzutretende Arbeitsstunde eine verhältnismäßig größere körperliche Reaktion verursacht, und diese Reaktion das Maß der Anstrengung bildet. In der Regel wird die Erzeugung dieses Mehrs von Produkten einer bestimmten Art zunächst auch mehr Anstrengung kosten als die Erzeugung der gewohnheitsmäßigen Summe; denn der ganze Wirtschaftsbetrieb ist so disponiert, daß er nur die gewohnheitsmäßige Summe von Produkten mit der geringsten Anstrengung erzeugt, und die Vermehrung eines bestimmten Zweiges der Produktion erfordert in der Form der ersten Anlagen eine Menge von Arbeitsverwendung, die bei der Unterhaltung der regelmäßigen Produktion nicht mehr nötig ist. Späterhin aber stellt sich das Verhältnis umgekehrt, das größere Quantum gleichartiger Befriedigungsmittel wird mit verhältnismäßig geringerem Aufwand von Arbeit erzeugt. Doch dies gehört noch nicht hierher.

Sinkt das Bedürfnis unter den im Besitz des wirtschaftenden Menschen befindlichen Vorrat entsprechender Brauchbarkeiten herab, so wird der Überschuß des Vorrats über das Bedürfnis für ihn keinen Wert mehr haben. Da er aber alle Brauchbarkeiten gleicher Qualität für gleich wertvoll erachten muß (weil dieselben einander ersetzen können), so sinkt in seinen Augen der verhältnismäßige Wert des ganzen Vorrats; er ist nicht mehr geneigt, eine neue Anstrengung zur Vermehrung des Vorrats aufzuwenden, und der vorhandene Vorrat erspart ihm nur die Mühe, welche er zur Produktion des seinem Bedürnis entsprechenden Teils aufwenden müßte.

Der Wert einer Brauchbarkeit steigt also mit dem Bedürfnis, steigt mit der zur Produktion derselben nötigen Arbeit, sinkt mit der Steigerung der Produktivität menschlicher Arbeit. Wollen wir das gegenseitige Zusammenwirken dieser Faktoren in einer mathematischen Formel ausdrücken, so sind die durch ihre Steigerung den Wert erhöhenden Momente als Multiplikatoren aufzufassen, die durch ihre Steigerung den Wert vermindernden Elemente als Divisoren. Setzen wir also die Summe von Brauchbarkeiten einer Art, welche das Bedürfnis erfordert  = B,  die Summe von Brauchbarkeiten derselben Art, welche ein Arbeitstag erzeugt  = S,  so ist die Wertformel: B / S. Steigt  B,  das Bedürfnis, so steigt der Wert, steigt  S,  die Produktivität der Arbeit in Bezug auf die zu schätzende Brauchbarkeit, so sinkt der Wert. Sinkt  S,  so heißt dies mit anderen Worten, es steigt die zur Herstellung von  B  nötige Arbeit, es steigt also auch der Wert.

Wir haben den Begriff des Wertes ohne Rücksicht auf den Tausch zu bestimmen gesucht und weichen darin wesentlich von BASTIAT ab, der bisher die schärfste Begriffsbestimmung des Wertes aufgestellt hat. Er setzt den Tausch voraus und definiert den Wert als das Maß der Dienstleistungen. Hiernach fallen die Begriffe von Wert und Preis zusammen, während die Verschiedenheit der Ausdrücke doch beweist, daß die Sprache Verschiedenes hat bezeichnen wollen. Man spricht in der Tat vom Wert der Güter, ohne dabei an den Tausch zu denken. Und da es Einzelwirtschaften gegeben hat und innerhalb gewisser Grenzen noch gibt, wo Produzent und Konsument in derselben Person, oder ungeteilter Familie sich vereingen - man denke an manche Bauernwirtschaften, wo Nahrung, Kleidung, Wohnung, Hausrat fast lediglich von der diese Dinge konsumierenden Familie selbst produziert werden - so muß es auch vor dem Tausch in der Wirtschaft einen gemeinsamen Maßstab der durch die Produktion konsumierten und erzeugten Gegenstände geben, und diesen wirtschaftlichen Maßstab eben bildet der Wert.

Die ältere Definition, welche den Wert auf den Grad der Brauchbarkeit zurückführt, wonach also der Wert der Luft außerordentlich groß sein würde, ist oben bereits widerlegt. Die Definition der französischen Schule (neuerdings von MOLINARI wiederholt), welche den Wert auf die Brauchbarkeit und Seltenheit begründet, ist ein minder gut gewählter anderer Ausdruck unserer Definition, indem man erst dann erinnert werden muß, daß "Seltenheit" der Dinge gleichbedeutend ist mit der Eigentümlichkeit, nur durch Arbeit in den Besitz des Menschen gebracht werden zu können.

Unser Begriff des Wertes stimmt ziemlich mit dem überein, was ADAM SMITH den  Realpreis  der Waren nennt;
    "die Arbeit", sagt er, "ist der wahre Maßstab des Tauschwertes aller Waren. Der Realpreis eines Dinges, dasjenige nämlich, was ein Ding dem, der es sich verschaffen will, wirklich kostet, ist die zu seiner Anschaffung erforderliche Mühe und Beschwerde; was ein Ding demjenigen, der es sich verschafft hat und darüber verfügen, oder es gegen irgendetwas anderes vertauschen will, wirklich wert ist, das ist die Mühe und Beschwerde, welche es ihm ersparen und die er dafür anderen Leuten zuschieben kann. Was mit Geld oder anderen Gütern gekauft ist, wird ebenso durch Arbeit erhandelt, wie das, was man sich durch ein eigenes Beschwernis selbst verschafft ... die Arbeit war der erste Preis, das ursprüngliche Kaufgeld, welches für alle Dinge gezahlt wurde."
Das andere Element des Wertes, das Bedürfnis, setzt ADAM SMITH hier stillschweigend voraus.

Daß die Wertschätzung durch den Tausch erst eine gewisse Sicherheit, daß der Wert als Preis beim Tausch Objektivität und Leben erhält, liegt auf der Hand, aber darum handelt es sich an dieser Stelle nicht: denn hier hatten wir den ganz allgemeinen Wertbegriff aufzustellen, und wenn man unsere Begriffserklärung vage und inhaltsleer nennt, so ist das gerade ein Vorzug derselben. Denn der Wertbegriff ist eben der allgemeinste, inhaltsleerste wirtschaftliche Begriff, durch den der Mensch eine Menge von verschiedenartigen Dingen und Eigenschaften, die aufgewandte Mühe, die Produktivität der Arbeit, die Brauchbarkeit, den Vorteil und das Bedürfnis in höchst formloser und unbestimmter Weise zusammenfaßt, um seiner rohesten subjektiven Ansicht über die wirtschaftliche Seite der Dinge eine scheinbar objektive Fassung zu geben. Man hat ihn die Grundlage der ganzen Volkswirtschaft genannt, wir möchten ihn gern mit den Keimblättern vergleichen, welche als erste Umhüllung des zarten Keims unentbehrlich sind, welche aber verwelkt abfallen, sobald der Keim sich zur ausgebildeten Pflanze entwickelt; an welche der ausgewachsene Baum nur ganz im Allgemeinen durch die Struktur seiner Zweige und Blätter erinnert, so daß sie nur zur Klassifikation der Pflanzen dienen.

Dennoch obliegt es un, hier eine Anwendung des Wertbegriffs hervorzuheben, die ihm eigentümlich ist, und ihn die ganze Entwicklung der Wirtschaft fortdauern läßt. Es gibt Güter, denen der Mensch einen Wert beilegt, ohne daß sie einen Preis haben, Güter, zu deren Erwerb der Mensch große Anstrengungen aufwendet, ohne daß sie ausgetauscht werden können, bei welchen also nur ein unmittelbarer Vergleich der Anstrengung mit der Befriedigung, die Wertschätzung in dem hier dargelegten Sinn, möglich ist. Zu den Gütern dieser Art gehört die Ehre, welche dem Ehrgeizigen ansich eine hohe Befriedigung gewährt, und zu deren Erwerb er die ungeheuersten Anstrengungen aufzuwenden geneigt und gezwungen ist, es gehört dahin die wissenschaftliche Erkenntnis, welche wir von vielen Menschen als ein sehr wertvolles Gut um ihrer selbst willen mit großen Anstrengungen erkauft sehen; es gehört dahin die nationale Unabhängigkeit, die nationale Macht, der politische Fortschritt, die religiöse Befriedigung, die Befriedigung des Wohltuns, kurz eine Menge idealer Güter, welche den Gegenstand der aufopferndsten Anstrengungen bilden. Für diese gilt als wirtschaftlicher Maßstab nur diese unmittelbare Wertschätzung. Wir führen dies nicht an, um die kolossale unproduktive Konsumtion, welche unter dem Vorwand der Erlangung solcher Güter oft genug zwangsweise vorgenommen wird, zu rechtfertigen. Auch in Bezug auf den Erwerb dieser Güter ist die freie persönliche Selbstbestimmung das wirtschaftlich berechtigte Motiv. Aber auf der anderen Seite verdient es nicht übersehen zu werden, wie die zur Erlangung dieser Güter aufgewandte Anstrengung nicht bloß für die persönliche Befriedigung, sondern für die gesamte Wirtschaft im höchsten Grad produktiv sein kann. Wir wollen nur den Ehrgeiz hervorheben, der beim Eroberer zerstörerisch, beim Kaufmann, beim Industriellen als Motiv großer Anstrengungen und großer Solidität im höchsten Grad produktiv auftritt, ferner die wissenschaftliche Erkenntnis, die Mutter der Erfindungen und des wirtschaftlichen Fortschritts, den Sinn für nationale Unabhängigkeit, welcher die Voraussetzung einer freien und selbständigen Volkswirtschaft oft genug allein bewacht und bewahrt. Bei all diesen Gütern kann nur von ihrem  Wert  und von der Wertschätzung, wie wir sie hier aus den einfachsten Momenten konstruierten, die Rede sein.

Der Wert ist eine Eigenschaft, welche nicht den Dingen, sondern der in denselben repräsentierten Brauchbarkeit im Vergleich mit anderen Brauchbarkeiten beigelegt wird; er ist keine den Brauchbarkeiten  objektiv  anhängende Eigenschaft; er ist vielmehr subjektiver Natur, d. h. von der Meinung (Schätzung) des wirtschaftenden Menschen abhängig. Es gibt also keinen absoluten, sondern nur einen relativen und individuellen Wert. Ein individuelles Ding, als Summe von Brauchbarkeiten, die gewissen Bedürfnissen dienen, hat einen individuellen Wert für eine bestimmte wirtschaftende Person. Wollte man von "Gattungswert" im objektiven Sinn sprechen, so würde, da die Zahl der Individuen einer Gattung nicht begrenzt ist, das Element des, immer beschränkten, Bedürfnisses unbeachtet bleiben. Dagegen legt allerdings der wirtschaftende Mensch gleichen Quantitäten derselben Brauchbarkeit jeden Augenblick gleichen Wert bei, und nur in diesem relativen Sinn könnte man von  Gattungswert  sprechen. Allein dies ist nicht Gattungs-Wert,  sondern Gattungs-Brauchbarkeit.  Von zwei Gütern, welche demselben Bedürfnis zu dienen geeignet sind, hat nämlich dasjenige, welches im Hinblick auf dieses Bedürfnis die größere Summe von Brauchbarkeit in sich vereinigt, deshalb den größeren Wert, weil die Größe des Prädikates  Wert  vom Umfang des Subjekts  Brauchbarkeit  abhängig ist. Ein Scheffel Weizen hat aus demselben Grund mehr Wert, als ein Scheffel Roggen, aus welchem zwei Scheffel Weizen mehr Wert haben, als ein Scheffel Weizen. Das Wertverhältnis gleicher Quantitäten Roggen und Weizen entspricht dem Verhältnis ihrer Nutzbarkeit für das Nahrungsbedürfnis. Wollte man dieses Wertverhältnis aber Gattungs wert  nennen, so würde man Wert mit Nutzbarkeit verwechseln; denn es wird bei dieser Vergleichung nur die Nutzbarkeit gemessen, welche gleichzeitig wertvoll ist. Da jedoch das Nahrungsbedürfnis nicht das allein entscheidende ist, sondern gleichzeitig das Bedürfnis des Wohlgeschmacks, der leichten Verdaulichkeit usw. hinzukommt, so führt jene Abstraktion, welche RAU seinem Begriff vom  Gattungswert  zugrunde legt, in ihrer Anwendung auf konkrete Fälle zu zahlreichen Irrtümern. Wenn wir uneigentlich vom Wert der Dinge selbst sprechen, so meinen wir die den Dingen für unsere Bedürfnisse anhaftende Brauchbarkeit, multipliziert mit dem Wert der letzteren. Wenn verschiedene wirtschaftende Menschen, die nicht in einem Tauschverkehr untereinander oder mit der Außenwelt stehen, Dingen derselben Gattung einen ungefähr gleichen Wert beilegen, so kann die Ursache nur darin liegen, daß sie bei gleichen Produktions- und Bedürfnisverhältnissen die Elemente  B  und  S  ziemlich gleich berechnen. Ein hierauf beruhender  Durchschnittswert  kann für eine gewisse Zeit innerhalb eines gewissen Gebietes eine gewisse Objektivität in Anspruch nehmen, ähnlich, wie den individuell gezahlten Preisen gegenüber der Marktpreis. Die historische Erscheinung eines solchen angenommenen Durchschnittswertes findet sich im Wergeld der alten Germanen, in den Injurienstrafen, die ursprünglich den Beleidigten gezahlt wurden, und ähnlichen Schätzungen des Wertes von Gegenständen, die dem Tausch nicht unterliegen, obgleich sie die Ergebnisse von aufgewendeten Anstrengungen, Kosten und Entbehrungen bilden.

Die unentgeltliche, d. h. die von der Natur ohne hinzukommende menschliche Anstrengung gewährte Nutzbarkeit hat keinen Wert. Einen je größeren Anteil die zur menschlichen Anstrengung hinzutretende unentgeltliche Nutzbarkeit an den Gütern gewinnt, umso mehr sinkt der Wert derselben (vermöge der Vergrößerung des Divisors  S  in unserer Formel). Je mehr also der Mensch die Naturkräfte zur Mitwirkung an der Produktion heranzieht, umso mehr nimmt der Wert gleicher Quantitären derselben Güter für ihn ab. Oder umgekehrt: es wächst die mit gleichem Wert verbundene Nutzbarkeit. "Die Nützlichkeit der Dinge", sagt CAREY (Principles of social science, § 9), "ist das Maß der Macht der Menschen über die Natur, der Wert das Maß der Macht der Natur über den Menschen." Es ist dies der geistvolle Ausdruck des Gesetzes, daß mit zunehmender Unterwerfung der Naturkräfte die Nützlichkeit der Werte zu-, der Wert der Nützlichkeiten abnimmt. Mit diesem Ausdruck akzeptieren wir aber keineswegs die Definition des Wertes, welche CAREY dahin gibt, daß der Wert das Maß des Widerstandes bildet, welcher überwunden werden muß, um Nutzbarkeiten, oder für unsere Zwecke notwendige Dinge, in unsere Gewalt zu bringen. CAREY übersieht hierbei, daß auch das Bedürfnis nach diesen Dingen bei der Bestimmung des Wertes beteiligt ist, indem dieselbe nur so weit reichen kann, wie unsere Geneigtheit, das nützliche Ding zu erwerben oder nach dem Verbrauch wieder zu erzeugen. Sein "Wert" steht der Reproduktion des betreffenden Dinges gleich, während es oft entwertete Dinge gibt, deren Wert diese Reproduktionskosten nicht erreicht.



Wir haben bis hierher den Wert als Ausdruck des Verhältnisses zwischen Bedürfnis und Produktivität der Arbeit aufgefaßt. Da er durch den Einfluß der Wertschätzung der Güter auf Produktion und Konsumtion als wirtschaftliches Motiv auf den Menschen einwirkt, so kommt es noch darauf an, ihn als  dynamisches Moment  in der Wirtschaft aufzufassen und seine lebendige Tätigkeit in derselben zu analysieren.

Die Arbeit, sagten wir, verbraucht Güter und erzeugt Güter, die Produktion ist gleichzeitig Konsumtion, und der Mensch strebt, daß diese Konsumtion eine produktive ist, daß die erzeugten Güter die verbrauchten nicht nur ersetzen, sondern, als Belohnung für die aufgewandte Anstrengung, einen Überschuß lassen. Den Maßstab, welchen der Mensch bei der Produktion an die verbrauchten und produzierten Güter anlegt, bildet der  Wert  derselben. Die Konsumtion zerstört mit den brauchbaren Eigenschaften der Dinge den Wert derselben, und die Produktion erzeugt mit den Brauchbarkeiten Wert;  die Arbeit muß also  um für ihn produktiv zu sein,  einen Überschuß  nicht bloß an Brauchbarkeiten, sondern an wertvollen Brauchbarkeiten, d. h.  einen Überschuß an Werten seiner Schätzung erzeugen. 

Der Mensch legt, ehe er sich zu einer Produktionshandlung entschließt, den Maßstab seiner Wertschätzung an die zu verbrauchenden und an die zu erzeugenden Güter. Der Wert der zu verbrauchenden Güter, welche er besitzt, ist die durch den Besitz derselben ihm ersparte Anstrengung, oder, mit anderen Worten, ist die Anstrengung, welche er aufwenden muß, um dieselben, wenn sie verbraucht sind, in einer seinem Bedürfnis in demselben Maß entsprechenden Quantität wieder zu ersetzen. Der Wert der zu erzeugenden Güter, welche er nicht besitzt, ist die Quantität von Arbeit, welche er nach den gegenwärtigen Verhältnissen geneigt und gezwungen ist, aufzuwenden, um dieselben in seinen Besitz zu bringen. Nicht die Summe von Arbeit, welche er aufwenden muß, wirkt faktisch und unmittelbar als Motiv der Produktion, sondern die, welche er vermöge seines Bedürfnisses aufzuwenden geneigt ist; ist jene größer, als diese, so wird er diese Produktion nicht vornehmen; ist diese größer, als jene, so wird er diese bestimmte Produktion nur dann vornehmen, wenn er nicht, vermöge seines Bedürfnisses, für andere Brauchbarkeiten noch mehr Arbeit aufzuwenden geneigt ist. Das Bedürfnis ist das entscheidende, und der Wert bildet das vermittelnde Moment, durch welches das Bedürfnis der Produktion ihr Motiv und ihre Richtung gibt. Wenn der Mensch die Mittel hat, verschiedene Güter zu produzieren, so wird er den wertvolleren, d. h. denjenigen den Vorzug geben, nach welchen sind Bedürfnis das dringendste, intensivste ist. Die Intensität des Bedürfnisses hängt aber von der Pein ab, welche die entsprechende Entbehrung auferlegt. Der Wert eines Gutes ist also unter sonst gleichen Umständen umso größer, je größer die Pein ist, welche die Entbehrung desselben auferlegt.

Jedoch ist diese Pein erst der letzte Entscheidungsgrund. Sie bildet die Ursache, aus welcher die primären Lebensbedürfnisse weit höher im Wert zu steigen vermögen, als die sekundären, und welche den Menschen veranlaßt, erst an die Produktion der Befriedigungsmittel für sekundäre Bedürfnisse zu denken, wenn die primären durch die Einrichtung seiner Wirtschaft einer gewissen regelmäßigen Befriedigung sicher sind. Überdies ist diese Pein, von der die Intensität dieses Bedürfnisses abhängig ist, bei verschiedenen Menschen sehr verschieden, namentlich, wo es sich um sekundäre Bedürfnisse handelt, und die unmittelbare Gradmessung derselben ist unmöglich. Wir müssen uns also, um den Einfluß der Bedürfnisse auf Wertschätzung und Produktion zu beurteilen, nach einem greifbareren Maßstab des Bedürfnisses umsehen.

Wir haben bisher den Begriff "Bedürfnis" ziemlich allgemein genommen; es fehlt ihm noch alle bestimmte Begrenzung. Wollte man alle Neigungen und Gelüste, die den Menschen ergreifen können, unter den gleichgeltenden Ausdruck  Bedürfnis  zusammenfassen, wo würde jeden Augenblick das Bedürfnis für den größten Teil der Güter ein unbegrenztes, die vom Bedürfnis abhängigen Werte also unendlich sein. Wo finden wir aber das Prinzip, welches den unersättlichen Neigungen des Menschen in der Wirtschaft eine Grenze zuweist? - Wo anders, als in der Wirtschaft selbst?

Ein Mensch, der allen seinen Bedürfnissen eine leichtsinnige Befriedigung gewährt, gilt als Verschwender. Die Annehmlichkeit eines solchen Lebens ist kurz, die Strafe des Mangels tritt bald ein. Da der Verschwender die wertvollen Güter, welche er besitzt, verzehrt, ohne darauf zu sehen, daß er sich durch seine Arbeit wieder ersetzt, so verzehrt er mehr als er produziert, und das hieraus hervorgehende Defizit frißt allmählich das auf, was er an Werten besitzt, so daß er schließlich, wegen Mangels an produktiver Ersetzung des Konsumierten, der Armut verfällt.

Eine Konsumtion, die das, was sie verbraucht, nicht wieder durch von ihr alimentierte Arbeit ersetzt, nennen wir eine unproduktive; den Gegensatz derselben eine produktive Konsumtion, und diese ist umso produktiver, je größer der Überschuß der Werte, welche die Arbeit erzeugt, über die Werte ist, welche sie verbraucht, die gesamte Konsumtion des Arbeitenden, eingerechnet. Denjenigen Menschen, der seine Produktion und Konsumtion so einrichtet, daß seine Produktion einen möglichst großen Überschuß läßt, nennen wir  sparsam.  Da die Verschwendung sich durch Mangel und Armut straft, die Sparsamkeit aber durch ein steigendes und gesichertes Wohlbefinden belohnt wird, so werden die Menschen im regelmäßigen Durchschnitt sich bestreben, sparsam zu sein, d. h. ihre Bedürfnisse und Gelüste nur so weit zu befriedigen, daß ihre Konsumtion einen produktiven Überschuß läßt. Die wenigen Ausnahmen der Verschwender verändern die Gesamtwirkung dieser Regel nicht. So wird das  wirtschaftlich wirksame und die durchschnittliche Wertschätzung seitens der einzelnen Menschen bestimmende Bedürfnis nur das sein, dessen Befriedigung eine produktive Konsumtion bildet. 

Alle Brauchbarkeiten,  welche Wert haben, müssen als der produktiven Konsumtion  fähig sein, weil der Durchschnittsmensch den Wert, welchen er ihnen beilegt, von der Produktivität ihres Verzehrs abhängen läßt.

Dieser Satz wird auf heftigen Widerspruch stoßen; denn er widerspricht einer sehr verbreiteten asketischen Anschauungsweise. Luxuspferde, die der Eitelkeit dienen, haben einen höheren Wert, als Bauerngäule, die vor den Pflug gespannt werden: ist ihr Gebrauch, so fragt man, darum ein produktiverer? Indianische Vogelnester haben einen sehr hohen Wert: sind sie darum einer produktiven Konsumtion fähig?

Wir haben hiergegen zunächst einzuwenden, daß außer dem Bedürfnis auch die anderen Elemente des Wertes in Rechnung kommen, daß daher der Wert der Güter nicht ihrer Produktivität  proportional  ist. Ferner aber ist die Luxuskonsumtion keineswegs eine unproduktive zu nennen. Die Arbeitslust des Menschen ist von seinen Bedürfnissen abhängig. Einen je größeren Umfang die Bedürfnisse des Menschen haben, eine umso angestrengtere Tätigkeit wird er entfalten, um sich auf die produktivste Weise die Befriedigungsmittel zu verschaffen, welche seine Bedürfnisse erfordern: Luxusbedürfnisse und Luxuskonsumtion schaffen die produktivsten Arbeiter. Könnte der gewerbliche Unternehmer nicht sein Bedürfnis nach einem behäbigen Leben, prächtigen Landhäusern, kunstgeschmückten Gärten und einer ehrenvollen Stellung in der Gesellschaft befriedigen, so würde er nie eine so angestrengte und erfolgreiche Produktionstätigkeit entfalten, wie sie jetzt in so hohem Grad zu rascher Vermehrung des Volkskapitals und zur produktiven Beschäftigung der Arbeiter beiträgt. Kann man also die Luxuskonsumtion jener größten Produzenten eine unproduktive nennen? - Mit Brot, Kartoffeln, etwas Fleisch und Schnaps wird die Arbeitsfähigkeit eines Handarbeiters zur Not erhalten; dafür leistet derselbe aber auch wenig. Um die Arbeitsfähigkeit eines Produktionsriesen wie  Borsig  zu reizen und zu alimentieren, bedarf es anderer körperlicher und geistiger Befriedigungen. Nicht zufrieden, den Impuls zu erfolgreicher Produktionstätigkeit zu geben, bildet der Luxusverbrauch zugleich einen der mächtigsten Propagatoren des Erfindungsgeistes und des wirtschaftlichen Fortschritts. Der Luxusbedarf bildet eine Nachfrage nach dem technisch Vollendeten, ohne Rücksicht auf außerordentliche Preise, während der tägliche Lebensbedarf seine Nachfrage auf das besonders Preiswürdige richtet. Der Luxusbedarf bezahlt also nicht nur Kunst und Poesie, er prämiert die Fortschritte der Technik, welche das Ausgesuchte und darum Kostspieligere verallgemeinernd, auch den Verbrauch des täglichen Lebensbedarfes veredelt, welche zugleich in einem Trachten nach Neuem, Seltenem und Vollendetem die für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung folgenreichen Entdeckungen macht. Das Bedürfnis nach Luxuspferden z. B., um bei dem obigen Beispiel zu bleiben, hat zur Kreuzung der Rassen, in weiterer Folge zur Erkenntnis der in den Kreuzungen waltenden Naturgesetze und damit zu der Möglichkeit geführt, die für jeden besonderen Zweck besonders geeigneten Vieh- und demnächst (nach dem Ereignis des "Tulpenwahnsinns") Pflanzenvarietäten zu erzeugen.

Die eben dargelegte Natur des der Wertschätzung zugrunde liegenden Bedürfnisses bestimmt die Einwirkung, welche der Wert auf Produktion und Konsumtion übt. Da der Wert einer Brauchbarkeit von der Anstrengung abhängig ist, welche der Mensch zu ihrer Produktion anzuwenden gezwungen und zugleich geneigt ist, so haben wir zwei verschiedene den Wert bestimmende Momente: die notwendig aufzuwendende Summe von Anstrengung und die Intensität des Bedürfnisses, welche die Grenze bestimmt, bis zu welcher der Mensch diese notwendige Arbeit aufzuwenden geneigt ist. Stehen nun die Produktionskosten einer Brauchbarkeit unter dieser letzteren Grenze, so wird der Mensch Brauchbarkeiten dieser Art so lange mit Vorteil produzieren, bis sein Bedürfnis befriedigt ist. Mit der reichlicheren Prosuktion nähern sich die Grenzen der faktischen und der, durch das Bedürfnis bestimmten, dynamischen Produktionskosten (derjenigen, zu welchen der Mensch das Gut zu produzieren geneigt ist). Mit der vollen Befriedigung treffen beide Grenzen zusammen. Führe der Mensch fort, den Umfang der Produktion dieser Brauchbarkeiten auszudehnen, so würden die dynamischen Produktionskosten unter die faktischen herabsinken; er würde Dinge produzieren, die ihm mehr kosten, als sie ihm wert sind. Diese unproduktive Tätigkeit wird er also unterlassen.

Im vorstehenden Fall haben wir die Produktionskosten des Gutes unveränderlich angenommen. Setzen wir jetzt einmal diese veränderlich und sehen wir, welche Wirkung ihr Steigen und Sinken übt.

Das Bedürfnis nach einer Brauchbarkeit, sagten wir, sei von der produktiven Verwendbarkeit derselben abhängig; die produktive Verwendbarkeit hängt aber wieder rückwärts vom Wert einer Brauchbarkeit ab. Je geringer der Wert derselben ist, umso leichter wird es dem Menschen, den Wert der konsumierten Summe in der Produktion zu ersetzen; je größer der Wert ist, umso schwieriger wird der Ersatz. Wenn der Wert eines Pfund Kaffee z. B. gleich ist dem Wert von 10 Pfund Korn, so wird es dem Landwirt schwerer werden, ein konsumiertes Pfund Kaffee produktiv zu ersetzen, als wenn es dem Wert nach nur 5 Pfund Korn gleich ist. Wir können also die folgenden Reihen von Konsequenzen für bewiesen annehmen:
    -  sinkender  Wert, steigender produktive Verwendbarkeit, steigendes Bedürfnis, steigender Verbrauch,

    -  steigender  Wert, sinkende produktive Verwendbarkeit, sinkendes Bedürfnis, sinkender Verbrauch.
Steigt also  S,  so steigt auch  B,  mit anderen Worten: der Wert sinkt langsamer als die Produktionskosten. Vermindert sich  S,  so vermindert sich auch  B,  mit anderen Worten: der Wert steigt nicht in demselben Verhältnis, wie die Produktionskosten.

Ein konkretes Beispiel wird diese Sätze bestätigen. Der Mensch braucht im Erntejahr 100 Scheffel Korn. Die Ernte fällt schlecht aus und bringt nur 80 Scheffel. Wie stellt sich für ihn der Wert eines Scheffels Korn? Wärend die Produktionskosten bestimmende, welche er aufwenden müßte, um im Laufe des Jahres noch die fehlenden 20 Scheffel zu produzieren, so wäre der Wert eines Scheffels ungeheuer groß. Die andere Grenze der Wertsteigerung, die produktive Verwendbarkeit eines Scheffels Korn, liegt viel näher, und diese Grenze wird den Wert nicht übersteigen. Wenn nun aber der Wert nicht hoch genug ist, um den Menschen zu jener außerordentlichen Produktions zu reizen, so bleibt ihm nichts übrig, als sein Bedürfnis herabzustimmen, und eben dies geschieht von selbst durch die Wertsteigerung. Zunächst wird er sich nach Ersatzmitteln umsehen, nach Brauchbarkeiten derselben Art, und diese werden durch das neue Bedürfnis einen steigenden Wert erhalten. Außerdem wird ihm nichts übrig bleiben, als seinen Konsum einzuschränken. Glücklicherweise ist das Bedürfnis keine so feste Größe, daß es sich nicht erweitern oder einschränken läßt. Der Mensch kehrt das Verhältnis um; mit einer geringeren Pein der Entbehrung erkauft er die Befreiung von einer größeren Pein der Anstrengung. Er wird also seinen Verkehr von Korn so weit einschränken, daß derselbe, trotz des gestiegenen Wertes, immer noch ein produktiver bleibt; er wird, mit anderen Worten, seinen Verzehr so einschränken, daß der Vorrat bei knapperen Portionen bis zur neuen Ernte reicht.

Im anderen Fall, wenn die Ernte sehr reichlich ist, wird der Wert eines Scheffels Korn sehr sinken, die produktive Verwendbarkeit dieses Erzeugnisses wird dagegen sehr steigen, und das Bedürfnis nach demselben sehr ausdehnen, so daß schließlich, wenn Wert und Bedürfnis ins Gleichgewicht gekommen sind, die Konsumtion dem Vorrat ziemlich adäquat wird und kein Teil des letzteren wertlos verloren geht. Die Steigerung des Bedürfnisses wird unterstützt durch neue Verwendungsarten des betreffenden Gutes, zu deren Erfindung der gesunkene Wert anreizt.

Wenn also die Produktionskosten eines Gutes sich erhöhen, so steigt in der Regel der Wert desselben, und durch diese Wertsteigerung wird die Konsumtion eingeschränkt. Da aber die Einschränkung der Konsumtion immer etwas Unbehagliches mit sich führt, so wird der Mensch durch den gesteigerten Wert angereizt, auf Ermäßigung der Produktionskosten zu sinnen. Gleichzeitig steigt aber auch der Wert derjenigen Brauchbarkeiten, welche diese kostspieliger gewordenen zu ersetzen vermögen, und die durch eine Wertsteigerung angereizte Produktionstätigkeit wirft sich in einem erhöhten Grad auf diese.

Sinken die Produktionskosten eines Gutes, so sinkt mit ihnen sein Wert, die produktive Verwendbarkeit des Gutes gewinnt an Umfang, und bei hierdurch steigendem Bedürfnis findet sich der Mensch veranlaßt, den Umfang dieses Produktionszweiges zu erweitern, so daß eine reichlichere Befriedigung das Resultat bildet.

Es ist in der menschlichen Natur begründet, daß die sehr verschiedenartigen Bedürfnisse des Menschen in einem gewissen Verhältnis zueinander stehen, so daß, wenn das eine in einem gewissen Grad seine Befriedigung findet, das andere in einem entsprechenden Grad seine Befriedigung fordert. Dieses Erwachen der noch unbefriedigten Bedürfnisse erhöht den Wert der entsprechenden Güter, der erhöhte Wert derselben macht ihre Produktion vorteilhafter, und reizt durch den Vorteil zur Produktion. So üben die verschiedenen Bedürfnisse durch den Wert einen regelnden Einfluß auf den Umfang der verschiedenen Produktionszweige, und suchen immer das Gleichgewicht zwischen Produktion und Bedürfnis herzustellen. Wäre das Bedürfnis allein für den Wert entscheidend, so hätten die sogenannten notwendigsten Lebensmittel den höchsten Wert. Im Anfang der menschlichen Wirtschaft hatten dieselben in der Tat den höchsten, hatten sie sogar fast alleinigen Wert. Andere Güter, nach denen das Bedürfnis erst erwacht, wenn ein bestimmter Grad regelmäßiger Sättigung erreicht ist, hatten damals gar keinen Wert.  Robinson  warf den Goldklumpen, welchen er fand, unwillig als wertlos und unbrauchbar beiseite. Dieser alleinige Wert der Lebensmittel veranlaßte die Menschen, zunächst alle Anstrengungen auf die Produktion derselben zu konzentrieren, und sie brachten es durch die Unterwerfung der Naturkräfte allmählich dahin, daß sie eine für das Bedürfnis ausreichende Menge derselben in einem regelmäßigen Produktionsprozeß mit geringer Aufwandsmühe produzierten. Erst als eine regelmäßige Sättigung durch den regelmäßigen Wirtschaftsgang mit geringerer Aufwandsmühe erzielt wurde, erwachte das Bedürfnis nach anderen Gegenständen, verlieh diesen Wert und lenkte die bei der Nahrungsproduktion disponibel gewordene Arbeitstätigkeit auf die Produktion dieser Dinge.

Wir haben in dieser Deduktion die im Laufe der Zeit steigende Produktivität der menschlichen Arbeit vorausgesetzt; es bleibt uns nur noch übrig, nachzuweisen, wie der Wert den Menschen anreizt zu trachten, daß seine Arbeit eine immer produktivere wird.

Das Element der Wertschätzung des zu produzierenden Gutes, welches in Produktivität der menschlichen Arbeit in Bezug auf dieses Gut beruth (das Element  S  unserer Formel), hat seinen Ursprung in der Erfahrung und wird durch die jetzt vorzunehmende Produktionshandlung nicht im geringsten geändert. In der regelmäßig eingerichteten Wirtschaft wird es bestimmt durch die Summe von Gütern, welche durch die regelmäßig auf diese Produktion verwandte Arbeit erzeugt wird. Wollte der Mensch auf die Produktion einer gleichen Quantität mehr Arbeit verwenden, als erfahrungsmäßig notwendig ist, so würde er hierdurch den Wert des erzeugten Gutes keineswegs erhöhen. In der Produktoin bildet die aufgewandte Anstrengung in Verbindung mit den aufgewendeten Früchten früherer Anstrengungen die Ausgabe, das  Sollen,  der Wert des erzielten Produktes die Einnahme, das  Haben,  der Überschuß des Letzteren über das Erstere den  Vorteil.  Erhöht der Mensch das Sollen willkürlich, so bleibt das Haben unverändert und der Vorteil verringert sich, schlägt vielleicht sogar in einen Verlust um. Das wirtschaftliche Streben des Menschen ist aber, den Vorteil möglichst groß zu machen. Versteht es der Mensch, bei der gegenwärtigen Produktionshandlung, das Sollen, die Aufwendung von Gütern und Arbeit, zu verringern, so wird dadurch das Haben unmittelbar nicht affiziert, weil der Wert des Letzteren ja von der bisherigen Erfahrung in Bezug auf die Produktivität der Arbeit und vom Bedürfnis abhängig ist. In diesem Fall steigt also der  Vorteil  der Produktion, die Arbeit wird produktiver. Das Motiv zur Steigerung der Produktivität der Arbeit liegt also in dem persönlichen und augenblicklichen außerordentlichen Vorteil, welchen dieselbe herbeiführt. Bei den späteren Produktionshandlungen derselben Art, wird freilich die durch jene Produktion gewonnene neue Erfahrung über die Produktivität der Arbeit als Element in die Wertschätzung eintreten. Der  Vorteil  der Produktion wird also wieder sinken. Aber die Summe der durch die Anstrengung geschaffenen Güter ist größer geworden, der  Nutzen  der Produktion ist also gestiegen.

Der Mensch sucht also dadurch, daß er seine Arbeit produktiver macht, immer größere Werte zu schaffen. Durch die steigende Produktivität der Arbeit sinken aber in der Folge zwar nicht die durch gleiche Arbeit geschaffene Wertsummen, wohl aber die Werte gleicher Quantitäten von Brauchbarkeiten derselben Gattung. Da aber die Brauchbarkeit vom Wert unabhängig ist, so bleibt diese unverändert, und der steigende Überschuß der erzeugten Brauchbarkeiten über die erzeugten Werte bildet ein unentgeltliches Geschenkt des wirtschaftlichen Fortschritts, eine beständig wachsende zu verstärkten produktiven Anstrengungen anreizende Zugabe zum Wohlbefinden. Gleichzeitig mach das Sinken des Wertes die Güter geeigneter, produktiv verwandt zu werden, mit dem sinkenden Wert steigt die Mannigfaltigkeit der Verwendungsarten und der Umfang des produktiven Verbrauchs der Güter. Die Abnahme des Wertes wirkt also zurück auf die Produktion und mach dieselbe produktiver. Der wertmindernden Wirksamkeit des wirtschaftlichen Fortschritts steht nach der anderen Seite eine werterzeugende gegenüber, und zwar in den verschiedenen von ihm unzertrennlichen Vorgängen:
    1) in der Vermehrung der Produktion und produktiven Konsumtion der, nach vermehrter Heranziehung der Hilfe der Naturkräfte, leichter zu erzeugenden Brauchbarkeiten derselben Gattung;

    2) in der werterzeugenden Wirksamkeit der, nach erleichterter Befriedigung der bisherigen, erwachenden neuen Bedürfnisse, schließlich

    3) in der fortschreitenden Erkenntnis von Brauchbarkeit, die durch Anstrengung an bisher für unbrauchbar gehaltenen Dingen mit Vorteil zu erzeugen ist.
Trotz jener wertmindernden Wirksamkeit des wirtschaftlichen Fortschritts ist daher bei fortwährendem produktiven Verbrauch, d. h. bei fortwährender Anhäufung werthabender Überschüsse das Resultat eine fortgesetzte Steigerung der gesamten in der Wirtschaft umlaufenden Kapitalsumme nicht nur in der Masse der Brauchbarkeiten, sondern auch im Wert dieser Masse.
Es sinkt mit dem wirtschaftlichen Fortschritt der Wert der gleichen Quantitäten von Brauchbarkeiten derselben Gattung, und mit dem sinkenden Wert steigt ihre Fähigkeit, nützlich verwendet zu werden; denn der Nutzen der Güter steht im umgekehrten Verhältnis zu ihrem jedesmaligen Wert. Gleichzeitig steigt der Gesamtwert des in der Wirtschaft umlaufenden Kapitals, so hat die Progression des menschlichen Wohlbefindens zwei Faktoren der Steigerung: die Zunahme der in den Besitz der Menschen gelangenden Werte durch steigende Produktivität der Arbeit, und die Zunahme der mit den wertvollen Gütern verbundenen unentgeltlichen Brauchbarkeit.

In einem gegebenen Zeitpunkt sollen die Summen der Wert, welche der Mensch besitzt,  = a  sein; die mit mit der Werteinheit jedesmal verbundene unentgeltliche Brauchbarkeit  = X:  so wird sein Wohlbefinden, d. h. die Summe der ihm zu Gebote stehenden Befriedigung  = a + ax  sein. Hat er nun eine Zeitlang weiter produziert und in der Produktivität der Arbeit Fortschritte gemacht, so wird die Summe der Werte, welche er besitzt,  = a + b  sein; die Summe der mit der Werteinheit jedesmal verbundenen Brauchbarkeit  = x + y,  die Summe der Befriedigungen, welche ihm zu Gebote stehen, also  = a + b - (a + b) · (x + y).  Diese Progression mit doppelter Steigerung der Exponenten bildet das Gesetz des wirtschaftlichen Fortschritts.
LITERATUR Otto Michaelis, Das Kapitel vom Wert, Vierteljahrschrift für Volkswirtschaft und Kulturgeschichte, Bd. 1, Berlin 1863