ra-1cr-2p-4E. MachF. MauthnerR. WahleA. BrunswigA. Biese    
 
JOHANN IGNAZ HOPPE
Die Analogie
[eine allgemeinverständliche Darstellung
aus dem Gebiet der Logik]


"Analogie ist eine Denkhandlung ana logon, d. h. nach dem Begriff. Das Denken über einen Gegenstand nach dem Begriff desselben ist aber das Schließen. Somit wäre das Denken ana logon nur ein gewöhnliches Schließen. Das Wort Analogie war jedoch gegeben und stammte sogar von Aristoteles somit hielt man es fest, ohne mit demselben ins Reine kommen zu können und ohne den Ungewißheitsschluß, der namentlich als das gemeinte oder doch wichtigste Eigentümliche in der Analogie steckt, daraus zu gewinnen."

"Der Ausdruck in demselben Verhältnis beherrscht das Ganze und jeder kann sich seine Meinung dabei denken. In diesem Beispiel ist keiner der Begriffe klar, weder dem Sprechenden, noch dem Hörenden, und das Ganze ist nicht in die geordneten Schlüsse zerlegt, noch in die geordneten Sätze eines Schlusses gebracht. Was kann man also mit dieser Analogie anders machen, als sie wie Denkplunder wegwerfen? Wenn man nicht klarer und wahrer denken kann, so soll man schweigen. Die Redensart in einem ähnlichen oder in demselben Verhältnis stehen ist gerade da am meisten beliebt, wo man am wenigsten klar ist oder doch keine Lust hat, ein Verhältnis zu erforschen oder klar aufzudecken."


Einleitung

Bevor wir dem Leser die sogenannte "Analogie" klar auseinanderlegen, müssen wir ihn erst auf den richtigen Standpunkt versetzen. Die  Induktion  ist zwar auch noch eine unklare Handlung, aber sie ist eine Tatsache, die sich nicht bestreiten läßt, eine große und ernste Tat des Geistes. Die  Analogie  hingegen ist nicht bloß ein unklares Geschwätz des Geistes, sondern auch eine solche wirre Denkoperation, daß sie in der Logik ganz gestrichen werden muß. Ich habe diese Unhaltbarkeit der "Analogie" in meiner gesamten Logik (1868, Seite 653-717) genügend dargestellt, und ich bin der Erste gewesen, der nicht nur die sogenannte Analogie, sondern in vollkommenem Maß auch die bisherige schematische Syllogistik gestürzt hat.

Die Schlüsse wurden nach ARISTOTELES eingeteilt in:
    1) Schlüssen vom Allgemeinen auf das Besondere = Syllogismen;

    2) Schlüsse vom Besonderen auf das Allgemeine = Induktion, und

    3) Schlüssen vom Besonderen auf das Besondere = Analogie.
Diese aristotelische Einteilung war wahrhaftig eine große Erkenntnistat. Denn sie erfaßte zumindest die Handhabungsformen des begrifflichen Denkens. Eine richtigere Erkenntnis dieser drei Formen ergibt jedoch:
    1) daß die Induktion kein Schluß, sondern nur der Aufbau eines Schlusses oder vielmehr der Aufbau derjenigen drei Sätze ist, die zu einem Schluß verwandt werden; - die Induktion ist die Gewinnung des Allgemeinen, das in gegebenen Tatsachen liegt, in der Form eines Begriffs oder eines allgemeinen Urteils. Die richtigere Erkenntnis ergibt

    2) daß es nur eine einzige Gattung von Schlüssen gibt und daß der Schluß (der sogenannte Syllogismus) nur das Denken eines Gegenstandes und einer Eigenschaft desselben in dem für beide durch die Induktion aufgefundenen Zusammenhangsbegriffe ist, - der Form und dem Wesen nach eine Umkehrung der Induktion.

    3) Die Untersuchung ergibt schließlich, daß es zu diesen beiden Denkhandlungen  kein  Drittes gibt, und daß sie sogenannte "Analogie", die man neben die Induktion und neben den Syllogismus gestellt hat, ein unreifes und unklares Geschwätz ist, und zwar eine unklare Induktion oder ein unklarer Schluß oder ein nicht entwirrtes Gemenge von beiden.
Mit ARISTOTELES war das Wort "Analogie" gegeben und eingeführt und es blieb bestehen. Wohl hatte ARISTOTELES dieses Wort nur in der mathematischen Bedeutung der "Proportion" gebraucht. Diese "Proportion" war jedoch nicht durch eine Zurückführung auf das in derselben liegende induktive und syllogistische Verfahren vollkommen genug aufgelöst, und somit konnte diese "Proportion" oder das dafür gebrauchte Wort "Analogie" als der Inbegriff eines selbständigen besonderen Ganzen erscheinen, in dessen Rubrik man alles stellte, was einer Proportion  ähnlich  war oder in ähnlicher Weise gedacht wurde.

Durch die Aufnahme von mancherlei Ausdrucksweisen oder sprachlichen Wendungen, die ebenfalls nicht klar entwirrt waren und in denen man nur eine Ähnlichkeit mit dem Denken einer "Proportion", oft bloß beim bildlichen Vergleichen, fand, wuchs daher der Umfang dessen, was man "Analogie" nannte, und diese gewann als Denkoperation eine Berechtigung, die ihr gar nicht zukam. Dieser Schein einer Berechtigung wuchs umso mehr, als die Logik wesentlich nur den Syllogismus und diesen bloß formell behandelte, so daß der Hauptinhalt der Logik aus den unglückseligen  Schlußformen  bestand, in die sich das unklare und wirre Gemenge der Analogie nicht aufnehmen ließ und die übrigens auch ihrerseits den menschlichen Denkbewegungen nicht genügten. Was daher nicht in den ersten oder Hauptteil der Logik paßte, das wurde in einen Anhang oder zweiten oder praktischen Teil oder in die sogenannten Methodenlehre verwiesen, in welchem die  Analogie  und  Induktion  verkümmert standen, von den Lehrern der Logik selbst wenig verstanden und von den Schülern noch weniger beachtet.

"Analogie" ist eine Denkhandlung  ana logon,  d. h. nach dem Begriff. Das Denken über einen Gegenstand nach dem Begriff desselben ist aber das "Schließen". Somit wäre das Denken  ana logon  nur ein gewöhnliches Schließen. Aber sie sollte eine "eigentümliche Erkenntnisform sein, und man unterschied daher die Analogie in zwei Arten:
    1) die  vollständige  Analogie, und diese ist ganz dasselbe, wie der gewöhnliche Syllogismus in seiner Vollkommenheit und Gewißheit, und

    2) die  unvollständige  Analogie. Diese  unvollständige  Analogie sollte nun die im Sinn gelegene, besondere, neben dem Syllogismus und neben der Induktion zu unterscheidende "eigentümliche Erkenntnisform" sein.
Eine befriedigende Erklärung dieser eigentümlichen Erkenntnisform fehlte jedoch, und wir begegnen somit dem sehnsuchtsvollen Streben, endlich doch eine befriedigende Begriffserklärung dieser gemeinten eigentümlichen Erkenntnisform zu finden. - So geht es überall, wo man sich an die Wörter hält und nun glaubt, daß, weil sie einmal existieren oder weil sie gar von befähigten Geistern eingeführt sind, auch etwas tatsächlich Besonderes dahinter stecken muß.

In BACHMANNs Logik (Seite 339) finden wir, daß KANT zuerst den Unterschied zwischen Analogie und Induktion in der Hauptsache ganz richtig erfaßt hat." Die  Induktion  schließt nämlich von vielen Dingen auf alle Dinge einer Art, die  Analogie  aber von vielen Beziehungen und Eigenschaften, worin Dinge von einerlei Art übereinstimmen, auf die übrigen, sofern sie zu demselben  Prinzip  gehören, von der partikulären Ähnlichkeit auf die totale. Jene Ansicht von der "Induktion" werden wir in der Abhandlung von der Induktion beleuchten, und wir bemerken hier nur, daß sie ungenügend ist. Die kantische Ansicht von der "Analogie" dagegen ist nur die populäre Umschreibung eines Schlusses und zwar eines unklaren Syllogismus, in populärer Form gedacht und ausgesprochen. Denn "Dinge von einerlei Art" gehören zu ein und demselben Begriff, und Eigenschaften, die zu demselben Prinzip gehören, entspringen ebenfalls aus ein und demselben Begriff. Somit gibt KANTs Definition keinen Aufschluß über die Analogie. Dabei hat er den Begriff "Ähnlichkeit" nicht klar gemacht, und den Begriff des Ungewißheitsschlusses, den er meint, hebt er nicht hervor.

BACHMANN (dessen Logik Seite 339) sagt:
    "Denkt man sich eine Reihe von Objekten, die wegen der gleichen Punkte unseren Geist auf die Vermutung führen, sie stehen unter demselben Gesetz, jedoch so, daß in einigen Objekten noch gewisse Merkmale bestimmter auftreten, als in anderen, so schließen wir, es werden diese Merkmale auch den übrigen zukommen, obgleich wir sie an den übrigen noch nicht haben entdecken können und vielleicht nie entdecken und dieses Verfahren nennen wir  Analogie  und dadurch unterscheidet sie sich allein von der Induktion."
Diese Erklärung ist jedoch wiederum nichts als eine breite und nicht klare Umschreibung des Schlusses und deutet auf einen Ungewißheitsschluß hin. Die Beispiele zu dieser Analogie  fehlen,  und es ist dies das sicherste Zeichen, daß dem Verfasser die Sache selbst nicht klar war.

FRIES sagt, der Rückschritt vom Allgemeinen auf das Besondere ist das Eigentümliche der Analogie. Somit ist seine "Analogie" ein Syllogismus, ohne daß er das gemeinte Besondere der Analogie zu bezeichnen weiß, und in seinen Beispielen verwechselt er, wie BACHMANN sagt, die Analogie und die Induktion; auch sind seine Beispiele zumindest nicht klar.

Andere Schriftsteller halten sich an KANT und BACHMANN und gebrauchen folgende Formel:
    "Wenn dem Begriff  A  die Merkmale  a, b, c, d, e  zukommen und dem Begriff  B  derselben Art die Merkmale  a, b, c,  so schließt man von dieser partiellen Gleichheit auf ihre anderweitige Gleichheit, also daß dem  B  auch die Merkmale  d  und  e  zukommen werden."
Hiernach ist also die Analogie wiederum ein gewöhnlicher Schluß, und wozu bedurfte es also noch einer Analogie? Das Wort "Analogie" war jedoch gegeben und stammte sogar von ARISTOTELES; somit hielt man es fest, ohne mit demselben ins Reine kommen zu können und ohne den  Ungewißheitsschluß,  der namentlich als das gemeinte oder doch wichtigste Eigentümliche in der Analogie steckt, daraus zu gewinnen. Die  Merkmale,  die zu den Dingen gehören, sind übrigens wesentliche, abgeleitete oder zufällige, und wenn man dies bei jenem Analogieschließen nicht unterscheidet, so ist der Irrtum unvermeidlich.

ULRICI lehrt:
    "Die Analogieschlüsse sind ihrem Wesen nach induktive Schlüsse, da sie gleichermaßen vom Einzelnen aus das Allgemeine, unter das es gehört, erschließen. Ihr Unterschied von der Induktion in einem engeren Sinn besteht nur darin, daß sie nicht bloß vom Einzelnen, sondern zugleich von einem bereits gefundenen Allgemeinen ausgehen."
Dies ist zumindest nicht leicht verständlich, trifft jedoch für die Fälle, wo die Analogie ein Gemenge von Induktion und Syllogismus war, den richtigen Sinn. Gehen übrigens die Analogien von einem Allgemeinen aus, so können sie keine Induktionen sein. - Dabei bewegt sich ULRICI in Buchstabenformeln, in denen man, wie in einem Guckkasten, befangen steckt und den Wald nicht vor Bäumen sieht. MILL sagt:
    "Es gibt kein Wort, das nachlässiger und in einem mannigfaltigeren Sinn gebraucht würde, als das Wort  Analogie." 
Nicht im mindesten aber macht MILL das Wort und die Sache klar. Im reichlichsten Maße trägt er das Seinige dazu bei, die Sache zu verwirren und das Verständnis zu erschweren.

Dieser Herr MILL, dem Herr von GRAUVOGEL nachgewiesen hat, daß er nicht im Mindesten weiß, was "Induktion" ist, hat eine induktive Logik geschrieben, in welcher er seine Unkenntnis der Analogie und Induktion reichlich ausgekramt hat. Seine induktive Logik ist ins Deutsche übersetzt und in mehreren Auflagen erschienen. Reichlich ist dieses Buch gekauft und dem Herrn MILL sind große Ehren erwiesen worden, besonders durch die Vermittlung des Herrn von LIEBIG, der unter den Gelehrten der Gegenwart ein besonderes Interesse an der Logik nahm. Herr von LIEBIG jedoch sagte mir selbst, daß man aus MILLs Schrift keine Klarheit, kein erquickendes Verständnis finden kann, und wer könnte dann etwas anderes zu sagen wagen? Dennoch ist MILLs Buch durch einige Gelehrte emporgehalten und zu einer unverdienten Gunst des Publikums gebracht worden, die obendrein nur allzu lange dauerte!

Die Formel MILLs für die Analogie lautet ganz, wie ULRICIs Formel nach KANT: Wenn zwei Dinge in einem oder in mehreren Punkten übereinstimmen, so stimmen sie auch in anderen, noch unbekannten oder gar in allen Punkten überein. Dies aber ergibt entweder einen gewöhnlichen Gewißheitsschluß ohne regelrechten Aufbau oder einen Ungewißheitsschluß, oder es führt die Befolgung jener Regel zu einem Unsinn. MILL sagt ferner:
    "Wir schließen, daß eine Tatsache  m,  von der man weiß, daß sie von  A  wahr ist, umso wahrscheinlicher von  B  wahr ist, wenn  B  mit  A  in einer oder in wenigen seiner Eigenschaften übereinstimmt, als wenn gar keine Ähnlichkeit zwischen  B  und  A  besteht."
Diese Regel hat den Anschein, als wenn sie mit einem Schlag Licht in die Dunkelheit brächte, und Mancher hat Wunders geglaubt, was er mit dieser Phrase gewonnen hat. Beispiele fehlen jedoch gerade hierzu, und es wird nur mit Wörtern und mit Buchstabenzeichen gefochten. Denken wir uns also ein Beispiel hinzu:

Das  Bewohntsein,  welches von der Erde wahr ist, ist umso wahrscheinlicher vom Mond wahr, wenn der Mond mit der Erde in einigem übereinstimmt, als wenn gar keine Ähnlichkeit zwischen beiden besteht. Oder: Erde und Mond haben Gemeinsames, das Bewohntsein gilt von der Erde, also auch vom Mond. Oder (nach HEGEL) die Erde ist bewohnt, der Mond ist eine Erde, also bewohnt!!

Es kommt also nichts Erquickliches aus der Regel MILLs heraus. Dieser fügt noch hinzu: "Es ist erforderlich, daß die  A  und  B  gemeinschaftlichen Merkmale mit  m  verknüft sind." Und hiermit macht er dem Anfänger oder Unerfahrenen die vermeintlich gewonnene Belehrung wieder kompliziert und unklarer. Denn sind die gemeinschaftlichen Merkmale von Mond und Erde mit dem Bewohntsein verknüpft, d. h. stehen sie in Beziehung als Grund und Folge zueinander, so kommt ein Syllogismus heraus. Also was soll dieses Geschwätz von einer "Analogie"?

Aber MILL bringt auch noch andere Arten der sogenannten "Analogie". Nach WATELY und FERGUSON teilt er folgenden Schluß mit:
    "Wenn ein Land Kolonien ausgeschickt hat und das Mutterland derselben genannt wird, so ist der Ausdruck analog, indem er sagen will, daß die Kolonien eines Landes in demselben Verhältnis zu ihm stehen, wie Kinder zu ihren Eltern. Und wenn aus dieser Ähnlichkeit des Verhältnisses ein Schluß gezogen wird, z. B. daß die Kolonien dem Mutterland denselben Gehorsam und dieselbe Liebe schuldig sind, wie Kinder ihren Eltern, so ist dies ein Schluß durch Analogie."
MILL versucht jedoch nicht, die verschiedenen Seiten, in denen er die "Analogie" zur Betrachtung bringt, in ein Ganzes zu verschmelzen, und es fällt ihm auch nicht ein, das Eigentümliche des soeben erwähnten Beispiels aufzuhellen, den bildlichen Vergleich in diesem Schluß zu erklären.

Die Gegenstände muß man in die Begriffe stellen und nach den Begriffen beurteilen, die ihnen zugehören. Diese Begriffe sind: wesentliche, abgeleitete und zufällige oder angehängte. Letztere sind Merkmale oder Eigenschaften, die auf einen Gegenstand durch irgendeine Ursache übertragen sind und weder zu dessen Wesenheitsbegriffen gehören, noch aus diesen hervorgehen. Man kann dieselben zum Teil auch als entlehnte Begriffe ansehen, und es werden diese Begriffe teils durch physikalische Ursachen, teils durch den Menschen selbst auf die Gegenstände übertragen, wie:  weiß, schwarz, rein, unrein, wund, reich, arm,  oder auch  Titel, Würden, Ämter  etc. Überträgt der Mensch angehäufte Eigenschaften auf Gegenstände, so bewegt ihn dazu irgendein Bedürfnis, Interesse oder auch bloß die Lust des Beschauens der Dinge im Gewand eines Anderen. Und er überträg entweder in Wirklichkeit angehängte Eigenschaften auf Gegenstände oder bloß in seiner Vorstellung. Man stellt aber ferner die Gegenstände entweder in die Begriffe, die man bei ihrer alleinigen Betrachtung an ihnen findet oder auch in solche Begriffe, die man erst durch einen  Vergleich  mit anderen Gegenständen gewinnt und dann auch an ihnen auffindet. Diese  Vergleichungsbegriffe  geben das Gemeinsama der verglichenen Gegenstände an und zwar entweder das gemeinsame Wesentliche oder das gemeinsame Abgeleitete oder Zufällige. Und des vollzieht sich der Vergleich entweder zwischen Gegenständen  derselben oder verschiedener  Gattung. Die Vergleichsbegriffe bleiben dem unaufmerksamen Denken meistens verborgen und ihre Auffindung erfordert oft ein sinniges und tiefes Denken. Das Vergleichen ist eine Folge des angeborenen geistigen Triebes nach dem Vorstellungs- und Begriffs-Allgemeinen der Erscheinungen. Das Vergleichs-Allgemeine der Gegenstände  verschiedener  Gattungen bildet das Wesen des sogenannten  bildlichen  (veranschaulichenden, verdeutlichenden) Vergleichs und ergibt entweder ein wesentliches oder abgeleitetes oder zufälliges Gemeinsames  verschiedener  Gattungen, das uns als das  Ähnliche,  in verschiedenem Grad der Ähnlichkeit, oder gar als das  Gleiche  derselben entgegentritt.

Man betrachtet nun einen Gegenstand teils nach einem in entlehnter Weise von einem anderen Gegenstand entnommenen Begriff (womit sofort auch die gegenständliche Vergleichung ermöglicht wird), teils nach einem durch die Vergleichung erst aufgefundenen Begriff zu verschiedenen Zwecken: entweder um zu einer veranschaulichenden oder gar zu einer vollendeten Erkenntnis beider verglichenen Objekte oder eines derselben zu gelangen; - oder um sich die Folgen, die für einen Gegenstand aus einem Begriff entstehen würden, zu vergegenwärtigen oder gar gegenständlich vorzuhalten; - oder um sich bestimmte Fragaen zu stellen und in unbegründeter Weise zu einer Untersuchung überzugehen, oder auch bloß um ein mutmaßliches Wissen zu gewinnen und sich in diesem nachdenkend zu bewegen; - oder um eine Behauptung zu unterstützen; - oder endlich zur bloßen Unterhaltung, im Drang des Witzes und aus Scherz oder Spott. Je richtiger das Vergleichungsgemeinsame der verglichenen Objekte ist, umso zutreffender ist der Vergleich.

In Bezug auf das Entlehnende Übertragen von Prädikaten auf Gegenstände ist übrigens zu bemerken, daß man nicht bloß die Prädikate, sondern sogar auch die  Namen  derselben entlehnend überträgt, und dies ist in Bezug auf den bildlichen Vergleich wohl zu beachten. Hat man nämlich durch den Vergleich zweier Gegenstände von verschiedener Art oder Gtatung ein Vergleichsallgemeines gefunden, so kann man dieses mit dem ihm zukommenden Wort, aber auch mit dem Wort benennen, das einem der verglichenen Gegenstände zugehört. Zum Beispiel "Menschen sterben und auch das Jahr schwindet dahin." Gemeinsam ist beiden das Vergehen. Nun aber spricht man auch: das "sterbende" Jahr. Und aufgrund des Gemeinsamen gebraucht man das Wort "sterben" in (übertragener, metaphorischer), entlehnter Weise auch für "Jahr", - in abkürzender, gegenständlicher, veranschaulichender, lebhafter ergreifender Rede.

Das vergleichsweise Beurteilen eines Gegenstandes nach einem anderen Gegenstand oder richtiger, nach einem von diesem Gegenstand bloß entlehnten oder durch einen bald tiefen, bald nur oberflächlichen Vergleich mit demselben aufgefundenen oder auch nur erhaschten gemeinsamen Begriff, - dieses Schließen in Bezug auf einen Gegenstand nach dem Vergleichungsbegriff eines anderen Gegenstandes wäre nun wohl Etwas, was sich als Eigentümlichkeit einer sogenannten "Analogie" festhalten ließe. Dieses Schließen gehört aber nun einmal zum Syllogismus, und dessen Eigentümlichkeit gehört namentlich zu der Lehre, wie der Untersatz eines Syllogismus gearbeitet werden muß. Somit kann es auch in dieser Hinsicht neben dem Syllogismus nicht noch eine "Analogie" als "eigentümliche Erkenntnisform" geben. Und auch bloß die Unklarheit, die in Bezug auf die sogenannten  bildlichen Vergleiche  herrschte, gab hier der "Analogie" den Schein von etwas Besonderem. Das sieht man die Folgen der  schematischen  Logik. Da in dieser nur die unsinnigen Buchstabenformeln abgehandelt wurden, so blieb freilich Manches rückständig, was man im "Anhang" der Logik, in der angeblichen "Methodenlehre" wenigstens zu berücksichtigen hatte.

Hat man infolge eines Vergleichs einen Gegenstand in einen Begriff im Ernst oder Scherz, mit Recht oder Unrecht, aus Beschränktheit oder List einmal gestellt, so schreibt man ihm aus Ernst oder Scherz und mit Recht oder Unrecht auch zu, was aus diesem Begriff folgt. Und somit ist es nötig aufzupassen, und die Verwendung eines Vergleichsbegriffs zu prüfen, sowie auch wohl zu erwägen, wieviel sich in Bezug auf einen Gegenstand aus einem Vergleichsbegriff folgern läßt. Betrachtet man hierauf obiges Beispiel von "Analogieschluß", das sich mit Leichtigkeit in einen gewöhnlichen Syllogismus umsetzen läßt, nämlich: "das Kind ist den Eltern Gehorsam schuldig, die Kolonie ist ein Kind, als ihren Eltern Gehorsam schuldig", so geraten wir auf die Begriffe:  Kind, Eltern, Kolonie, Mutterland, Gehorsam - WATELY und FERGUSON würden Mühe genug haben, in einem exakten Denken diese Begriffe so darzulegen, daß die Behauptung als vollkommen wahr erscheint. Es ist das Geschwätz, das Stegreifreden, das noch unreife Reden in Volksversammlungen etc., das sich in solchen unklaren Schlüssen breit macht, und oft sind es sogar Kniffe und Ränke, die sich in den nicht durchdachten Ähnlichkeitsschlußformen verstecken.

Nur klare Begriffe und ein klar aufgebauter Schluß! Ein anderes Heil gibt es nicht. Dagegen kann man Ungewißheits- oder Frageschlüsse machen, und hiervon werden wir noch besonders reden.

MILL sagt weiter noch: "Man hat die Analogie der ursprünglichen Bedeutung nach als die Ähnlichkeit der Beziehungen oder Verhältnisse definiert." Es heißt dies aber nichts weiter als:  denselben Begriff  haben, sei es in wesentlicher, in abgeleiteter oder in angehängter Weise. Zu jener Definition bringt nun MILL folgendes Beispiel:
    "Aktiengesellschaften werden am besten durch ein Komité verwaltet. Das Parlament steht in demselben Verhältnis zur Nation, wie das Direktoratskollegium zu einer Aktiengesellschaft. Ein Volk wird also am besten durch eine vom Volk erwählte Versammlung regiert."
In diesem Beispiel ist keiner der Begriffe klar, weder dem Sprechenden, noch dem Hörenden, und das Ganze ist nicht in die geordneten Schlüsse zerlegt, noch in die geordneten Sätze eines Schlusses gebracht. Der Ausdruck "in demselben Verhältnis" beherrscht das Ganze und Jeder kann sich seine Meinung dabei denken. Was kann man also mit dieser "Analogie" anders machen, als sie wie Denkplunder wegwerfen? Wenn man nicht klarer und wahrer denken kann, so soll man schweigen. Die Redensart "in einem ähnlichen oder in demselben  Verhältnis  stehen" ist gerade da am meisten beliebt, wo man am wenigsten klar ist oder doch keine Lust hat, ein Verhältnis zu erforschen oder klar aufzudecken. Zu dem angeführten Beispiel aber sagt MILL sogar (Seite 318): "Man gebrauch das Wort "Analogie" manchmal für Schlüsse, welche als Beispiele von der strengsten Induktion dienen könnten." In jenem erbärmlichen Beispiel, in welchem die Nation einer Aktiengesellschaft gleichgestellt wird, vermag also MILL ebensowohl eine "Analogie", wie auch ein Beispiel der "strengsten Induktion" zu erkennen! Wahrhaftig! Kein Deutscher hätte dieses englische Buch über induktive Logik schreiben können. Wenn aber die Deutschen dennoch über dieses Buch hergefallen sind, um es wenigstens anzuschaffen, wenn auch nicht um des studierend lesen oder gar urteilend zu verstehen (was beides von den wenigsten Käufern geschehen ist), so konnte der Beweggrund nur sein, sehen zu wollen, welches Heil ein ganz  laienhaftes  Gerede da bringen wird, wo man von der Wissenschaft selbst ganz verlassen stand. - Wenn jedoch MILL sagt, daß man das Wort "Analogie" manchmal für Schlüsse gebraucht, welche als Beispiele von der strengsten Induktion dienen könnten, so weiß er nicht, wie wirr und wie vermengt mit einem Syllogismus die Induktion ausgesprochen worden ist und daß auch jeder Syllogismus, wie dieser aus einer Induktion hervorgegangen ist, so auch im Sinne einer Induktion gedacht und aufgefaßt werden kann, wozu es in formeller Hinsicht bloß genügt, die Reihenfolge der Sätze umzukehren.

Man nannte es eine  "mathematische oder quantitative Analogie, wenn sich diese in mathematischen Objekten bewegte und gleiche Größen oder Raumformen den verschiedenen Vorstellungen zugrunde lagen, z. B. gleiche Vervielfachung oder gleiche Minderung wie: 2. 4. 6. 8. und 1. 3. 5. 7. Es handelt sich aber immer um den gemeinsamen Besitz desselben Begriffs, sei dieser ein abstrakter oder in der Form einer Vorstellung erfaßbarer und betrifft der Begriff die Gattung, die Art, die Individualität oder irgendein an die Individualität Angehängtes. Je mehr man sich gewöhnt, das Begriffliche zu erfassen, umso mehr macht man sich von dem verwirrenden Wort "Analogie" frei, das ja auch nichts weiter ausdrückt, als das Begriffliche, nach welchem man ein Gegebenes denken oder ausführen soll. - Eine  "philosophische  Analogie nannte man dagegen jede andere, die sich nicht im Gebiet der Mathematik bewegte. Als Beispiel einer philosophischen Analogie finden wir bei BACHMANN das folgende:
    "Der Amtsphysik schließt nach der Analogie von den Zeichen am Körper eines Toten auf eine gewaltsame Verletzung, und der Schluß wird wahrscheinlich, wenn die, bei einem als Mörder Verdächtigen gefundenen, Werkzeug zu den Wunden des Toten passen."
Dieses Beispiel wird dem Leser den unnützen Gebrauch des Wortes "Analogie" , aber auch den Sinn und Zweck, der oft in diesem Gebrauch lag, klar machen. Man kann nämlich  ohne  eine Analogie "von den Zeichen am Körper eines Toten auf eine gewaltsame Verletzung schließen", wenn man aus den Zeichen (Merkmalen) auf den vorliegenden Begriff gelangt und nach diesem das Vorliegende beurteilt, und man wird in dieser Weise umso mehr verfahren, je reifer und selbständiger der Geist einen gegebenen Tatbestand zu erfassen vermag. Je schulmäßiger, befangener und ängstlicher man dagegen sein Urteil fällt oder auch wohl je gewissenhafter man handeln und Anderen sein Urteil in gegenständlicher Weise vorführen will, umso weniger wird man sich auf seine eigene, selbständige Begriffsbildung stützen, sondern die schon gewonnene eigene oder fremde Erfahrung oder gar die Erfahrungen und Aussagen sogenannter Autoritäten zu Hilfe nehmen und den vorliegenden Fall nach dem "Beispiel" und "Muster" anderer Fälle, nach dem schon gewonnenen Begriff eines oder mehrerer  anderer  Fälle, und zwar hier derselben Gattung, beurteilen. Indem man aber zu den schon gekannten Erfahrungsgegenständen zurückkehrt, begibt man sich in das gegenständliche Denken und klammert sich an das in früheren Fällen von uns selbst oder von Anderen bereits sicher Erkannte an. Dies jedoch wird durch das Wort "analog" nicht einmal ausgedrückt, liegt aber dem Menschen dabei im Sinn. Soviel Vorsicht übrigens auch dieses Verfahren enthält, so setzt es doch oft eine gewisse Beschränktheit und Unselbständigkeit des Geistes voraus und kann uns sogar irreführen, indem man den vorliegenden Fall zu einseitig nach dem Schema der früheren Fäle beurteilt und dessen Eigentümlichkeit dabei übersieht. Überall jedoch, wo dem Menschen Schwierigkeiten begegnen, die er durch eigene Geisteskraft nicht überwinden kann, wird der sich nach dem schon Erlebten richten. Und hiergegen kann man nicht reden. Der Mensch hilft sich körperlich und geistig mittels seiner  unbewußten  Bewegungen; er muß diese jedoch erkennen und zu selbstbewußten machen. Bei ungenügender Fertigkeit im begrifflichen Verfahren richtet man sich nach seinen Vorstellungen von den Gegenständen. Indem man aber dieses gegenständliche Verfahren aufklärt, gelangt man nicht auf eine "besondere Erkenntnisform", die man "Analogie" zu nennen hätte, sondern auf das allgemeine begriffliche Verfahren mit der Gewinnung des Allgemeinen (Induktion) und mit der Benutzung des gewonnenen Allgemeinen (Syllogismus), und indem man jedes Dritte beseitigt, gewinnt man ein klares Denken und führt den Geist immer mehr zu einer Reife und Selbständigkeit. Das  Vergleichen  bleibt dabei unangetastet; nur muß man auch sinnvoll und zweckmäßig vergleichen und den Vergleich in die richtige logische Form bringen. "Das Beispiel" behält demnach, der Beschaffenheit des menschlichen Geistes gegenüber, seine Rechte, aber es verliert die allzu große Bedeutung, die es hatte, in dem Maße, wie der Mensch das  Allgemeine  desselben erfassen lernt.

Den Analogieschluß hat man auch "Beispiel" genannt. "Beispiel" ist das zu einer Aussage Hinzuerzählte (von Spel = Erzählung) oder das dabei Gezeigte (Paradigma), d. h. ein einzelner Fall oder ein Gegenstand, der uns das Allgemeine gut zur Erinnerung bringt oder uns doch auf die Existenz eines Allgemeineren hinweist oder uns die gegenständliche Ausführung eines noch unerfaßten Allgemeinen zur deutlichen Anschauung vorhält. Was demnach in einem  Beispiel  liegt, das ist immer ein Allgemeines, und kann dieses der Lehrer nicht geben, so muß sich der Schüler bewußt oder unbewußt ein Allgemeines, soviel er vermag, aus dem Beispiel bilden, um es dann auf einen anderen Gegenstand zu übertragen und dessen Wirkungen und Folgen für diesen gleichfalls in Anspruch zu nehmen.

ÜBERWEG erklärte die Analogie nicht nur wie ARISTOTELES als Schluß vom Besonderen auf das Besondere, sondern als "Schluß vom Besonderen auf das nebengeordnete Besondere." Ein jeder Schluß vom Besonderen auf das Besondere hat aber in dem, diesen beiden Besonderen gemeinschaftlichen, allgemeineren Begriff sein klar oder unklar im Sinne behaltenes  Mittelglied.  Der Umfang eines Mittelgliedes kann jedoch sehr groß sein, und wenn man sich daher im Schließen auf das nebengeordnete Besondere beschränkt, so läuft man weniger Gefahr, in einen Irrtum zu geraten. Man trifft es leichter, wenn man innerhalb derselben Ordnung von einem Vierfüßler auf einen anderen, als wenn man von einem wirbellosen Tier auf ein Wirbeltier schließt, (sofern das erschlossene Prädikat nicht etwa auch hier aus einem für beide gemeinsamen allgemeinen Begriff sicher folgt). ÜBERWEG wollte somit der Analogie eine Einschränkung geben, um sicherer schließen zu können, vermochte aber hierdurch die Analogie nicht als "besondere Erkenntnisform" oder als besondere Schlußform zu retten. Übrigens kann man innerhalb eines geeigneten Begriffs das Verschiedenartigste nebeinander ordnen.

Man nannte es auch eine "entgegengesetzte Analogie, wenn sich für einen Gegenstand mehrere einander widerstreitende Ähnlichkeiten zeigten, welche die Subsumtion unter einen bestimmten Begriff verhinderten.

Wir haben bisher wohl genügend dargelegt, wie man sich vergebens bemüht hat, die "Analogie" als besondere Schlußweise zu erklären. Dieses Bemühen mußte vergeblich sein, weil die "Analogie" gar keine besondere Schlußform ist, sondern nur ein gewöhnlicher Schluß, wie ihn das gegenständliche oder sachliche Denken oder vielmehr das  Denken in Vorstellungen  statt in Begriffen unklar und abgekürzt zu machen pflegt. Sobald man sich nur in den Vorstellungen der einzelnen Gegenstände bewegt und dabei genötigt ist, die Gegenstände zu vergleichen, um gleiche Forderungen von denselben zu erlangen oder ungleiche Forderungen von ihnen abzuweisen, so gerät man in die Versuchung, von einem Gegenstand aus einen anderen zu beurteilen und für diesen nach dem Maßstab von jenem etwas zu bejahen oder zu verneinen. Indem der Mensch dies tut, hat er jedoch bereits ein - mit mehr oder weniger Selbstbewußtsein erworbenes - Allgemeines, das beiden Gegenständen gemeinsam ist und das ihn leitet, aber das ihm noch unklar ist und das ihm unter der Vorstellung des Ähnlichen oder der Dieselbigkeit vorschwebt. Mittels dieses im Sinn liegenden Gemeinsamen beurteilt er dann den einen Gegenstand wie den anderen oder vermeintlich nach dem andern und er macht hiermit die sogenannten Ähnlichkeits- oder Analogieschlüsse. Diese  Ähnlichkeitsschlüsse  sind nun
    a) entweder Vermutungs- oder Frageschlüsse oder

    b) sie sind populär gefaßte Gewißheitsschlüsse.
Im letzteren Fall sind sie in der Wissenschaft ganz verwerflich, und im ersteren Fall ist zumindest ihre  populäre  Form in der Wissenschaft nicht zu entschuldigen. Denn in jeder populären Form steckt eine Unklarheit, und wird durch die Gewinnung der richtigen Form diese Unklarheit überwunden, so gelangt man nicht nur auf eine klarere, sondern meist auch auf eine richtigere und tiefere, ja häufig auf eine ganz andere Erkenntnis, als man in der populären Form hatte. Im ungeschulten Denken lassen sich die Ähnlichkeits- oder Analogieschlüsse von einem Gegenstand vermeintlich auf den andern nicht verbieten. Denn sie sind hier das unbewußt entstandene und unbewußt gebrauchte Mittel, um von den Vorstellungen immer mehr auf die Begriffe zu gelangen, oder die Vorstellungen als allgemeine zu gewinnen und sie im Sinne der Begriffe zu gebrauchen. Wo dagegen ein geschultes Denken stattfinden soll, das ist das traditionelle Analogieschließen  unerlaubt.  Denn welchen Fall man sich auch immer denken mag, so hört die Klarheit auf, sobald man, statt die Erscheinungen zu zergliedern und auf ihre Wesenheit zu gelangen, diese Arbeit mit dem bloßen Ähnlichfinden erledigt und aufgrund der Ähnlichkeit sie nach dem Maßstab des schon Bekannten beurteilt. Der Analogieschluß war nicht bloß eine allzu bequeme sprachliche, sondern auch eine sehr oberflächliche, leichtfertige und begrifflich ganz unvollkommene Ausführung eines Schlusses. Es leuchtet somit ein, daß ein solches Schließen auf einer höheren Geistesstufe gar nicht mehr zulässig sein kann.

In der Tat, was kein klarer Schluß nach dem Schema oder eines solchen Schlusses deutliche Abkürzung war und dabei irgendeine Erweiterung der Erkenntnis gab, das nannte man entweder "Analogie" oder "Induktion". Und man nannte es "Induktion", wenn ein allgemeines Urteil dabei gewonnen wurde, hingegen "Analogie", wenn man im gegenständlichen Denken aufgrund von Ähnlichem sich schließend scheinbar direkt von einem Gegenstand auf den andern bewegte und die Kenntnis von jenem auf diesen übertrug. Aber beide Handlungen verschmolzen häufig auch so, daß man nicht wußte,  wie  man die Handlung benennen sollte, zumal man auch durch Analogien auf allgemeinere Urteile gelangte, indem man  Analogienverallgemeinerungen  machte. Weil man weder die Analogie, noch die Induktion genügend verstand, so betrachtete man demnach beide als besondere Waffen oder Instrumente des menschlichen Geistes, mit denen er in die Tiefen dringen kann. Mit Recht stellt man die "Induktion" hoch. Mit unrecht aber machte man aus der "Analogie" ein ebenso großes Aufheben und stellte sie neben die Induktion, indem man sie gleichsam dieser ebenbürtig betrachtete. Sehr naiv sagt daher auch MILL (Seite 320):
    "Wir haben nichts, wodurch wir die Analogie von der Induktion scheiden könnten, da derselbe Typus für alle Schlüsse nach der Erfahrung dienen wird. Sowohl bei der strengsten Induktion, wie auch bei der schwächsten Analogie schließen wir, daß, weil  A  in einer oder mehreren Eigenschaften  B  gleicht, es ihm auch in einer gewissen anderen Eigenschaft gleicht."
Diese Formel bezieht sich aber immer nur auf einen Syllogismus und nicht auf eine Induktion. Da zeigt sich vor allem das Bedürfnis, die beiden Wörter "Analogie" und "Induktion" erst als Fremdwörter zu beseitigen und aus dem Grund der Tatsachen neue Bezeichnungen zu bilden.

"Analogie" ist das gegenständliche Schließen, das Schließen von Vorstellungsobjekt auf Vorstellungsobjekt, statt von einem Gegenstand auf einen Begriff mittels eines Begriffs überzugehen. Oder der Analogieschluß ist die abgekürzte Wiederholung eines Schlusses für ein  anderes  Objekt unter Ersetzung des Mittelbegriffs durch das Wort "ähnlich". Denn alles Schließen von Gegenstand auf Gegenstand ist nur scheinbar gegenständlich, weil man sich unter dem einen Gegenstand, nach welchem man einen anderen Gegenstand beurteilt, nicht bloße das Individuum, sondern abgekürzt und unklar gleichzeitig das gemeinte  Allgemeine  denkt. Unter Festhalten dieses Allgemeinen, so dürftig dieses auch in der Seele liegen mag, kann man vom Einzelnen auf einen Einzelnen, von Vielen auf einen Einzelnen, von einem Einzelnen auf Viele und sogar auf Alle schließen; aber man kann nicht darauf rechnen, daß aus einer unklaren Handlung etwas Klares herauskommt, und gelangt man auch auf "Alle", so macht man doch keine Induktion, sondern nur eine Ähnlichkeitsverallgemeinerung. Diese Ähnlichkeitsverallgemeinerung (z. B. alle Raben sind schwarz, Wechselfieber [Malaria - wp] ist durch Chinin zu heilen) figurierte aber als eine besondere Bravourleistung im Induzieren.

Es ist die Unkenntnis des Syllogismus in seinen psychischen Tatsachen, die an dieser Unklarheit schuld war. Aber zu einer freieren und richtigeren Auffassung der Geistesoperationen konnte man sich nicht erheben, weil man an einem Buchstabenschema der syllogistischen Figuren festhing.

Die Wörter "ähnlich", "analog", "dasselbe" sind die Stichwörter; an denen man eine Denkoperation als "Analogie" unterschied. Und doch können jene Wörter als Kennzeichen hier auch  nicht  zutreffen. Denn das Selbstbewußte arbeitet in seiner begrifflichen Weise oder in seinem Suchen des Allgemeinen in uns, auch ohne daß wir es in strenger Leitung haben, und die Vorstellungstätigkeit arbeitet in hohem Grad in uns ohne unser Wissen und Wollen. Und da können leicht Produkte in der Seele entstehen, die der Mensch, solange er sich die Formen der Denkprodukte noch nicht klar gemacht hat, gar  nicht  zu deuten weiß, so daß er nicht zu sagen imstande ist, ob er ein Allgemeines geahnt und erfaßt (= induziert) oder nur in einem populären Schluß eine Ähnlichkeitsübertragung gemacht hat (eine Analogie). Die Gedanken kommen, zumal bei schwierigen Gegenständen, bald zu unklar und verworren, bald wie Rätsel, bald schüchtern und unreif aus der Seele; wir müssen ihnen erst die Klarheit, Reife und logische Form geben, und der fertige Gedanke sieht dann oft ganz anders aus, als der erste Ausbruch des in uns schaffenden Genius, der als wertlos oft ganz beseitigt werden muß.

Die Erfindung der Blitzableiter erscheint als ein kühner Analogieschluß und hat auch dazu gedient, der "Analogie" eine hohe Achtung zu verschaffen und sie sogar als besondere Denkform zu rechtfertigen. Man betrachte diesen Schluß jedoch einmal genauer:
    "Der elektrische Funke und der Blitz sind sich in vielen Beziehungen ähnliche, also wohl auch darin, daß der Blitz gleichfalls, wie der elektrische Funke, von Metallspitzen angezogen wird."
Nennt man diesen Satz eine "Analogie", so hat man nichts Klares. Der Zusatz, "in vielen Beziehungen ähnliche"; ist ganz  unnötig;  das bloße Ähnlichsein genügte ebenso sehr. Nennt man jenen Satz einen ungeformten Frageschluß, so versteht man denselben besser. Immer ist jener Satz ein Syllogismus. Aber das Fesselnde, das, was den Geist zu einer höheren Erkenntnis erhebt, liegt hier nicht in der Folgerung, sondern in der - in FRANKLIN entweder plötzlich aufgetauchten oder allmählich gereiften - verstärkten Erkenntnis des  Wesens-Gleichheit  des Blitzes und des elektrischen Funkens und in der Zusammenfassung beider in einem noch namenlosen höheren Allgemeinen. Es ist die neue Induktion, die FRANKLIN hinzufügte und von welcher er sofort auf einen Syllogismus überging, der in mundgerechter Form herauskam. Die vollendetere Erkenntnis des Allgemeinen und nicht die Ableitung ist es, was bei diesem Schluß die Seele des Hörenden so sehr ergreift. Darum muß man die Sätze in Bezug auf die klaren Denkformen verstehen, teils um sie nach diesen zu benennen, teils um zu wissen, was tiefer dahintersteckt. - Ähnlich verhält es sich mit den beiden Versuchsschlüssen von NEWTON, die mit Recht als ein bedeutendes Zeugnis für den in den Tatsachen ahnenden Geist betrachtet werden.
    "Der Diamant ist brennbaren Substanzen darin ähnlich, daß er ebenso, wie diese, im Vergleich zu seiner Dichte ein sehr hohes Brechungsvermögen hat, also ist auch er wohl brennbar; ferner: "das Wasser hat, ähnlich wie der Diamant, ein hohes Brechungsvermögen und obgleich es nicht brennt, so hat es doch wohl einen brennbaren Bestandteil".
Es sind dies Frageschlüsse, ungeformt, in sachlicher Auffassung und in erzählender Weise ausgesprochen. Aber die Erfassung eines Allgemeinen steckt dahinter und gibt ihnen den  Erkenntnisreiz.  Darauf wollte NEWTON hinaus, daß der Besitz eines hohen Brechungsvermögens in Beziehung steht zur Fähigkeit des Brennens, und dies war die induktive Erkenntnistat, die in der Seele voranging, selbst wenn sie zunächst als Frageschluß aus dem Mund kam. Bezeichnet man aber jene Sätze bloß als "Analogien" oder auch nur bloß als Frageschlüsse, so übersieht man das Wesentliche, das dahintersteck und von welchem sie ausgingen.

Hiernach wird man nun die Streitfrage verstehen, ob NEWTON eine "Analogie" oder eine "Induktion" machte, indem er von einem fallenden Apfel auf das Gesetz der Gravitation gelangte. ULRICI sagt schon Seite 201 in seinem "Kompendium der Logik"
    "Es war ursprünglich nur ein Schluß der Analogie und daher bloße eine Hypothese, wenn  Newton  folgerte, daß, weil die Erscheinungen des Fallens geworfener Körper auf der Erde eine gewisse Ähnlichkeit zeigen mit den Bewegungen der Planeten um die Sonne, beide unter dasselbe Gesetz der Anziehungkraft (im Verhältnis zur Wurfkraft) d. h. unter das Gesetz der Gravitation gehören."
Um so etwas zu sagen, muß man noch einen starken Glauben an die "Analogie" als besondere Schlußform haben und nicht wissen, daß selbst die Hypothese und die Frage  induktiv  aufgebaut werden müssen, kurz: daß alles Wissen erst induktiv erworben wird und die Wissenssätze erst induktiv aufgebaut werden, daß alle Menschen sich selbst überlassen mehr induktiv als deduktiv denken, und daß ein entdeckender und jeder original schaffende Geist sich vorherrschend in einem induktiven Gedankengang bewegt. Und NEWTON machte eine Induktion. In der Planetenbewegung entdeckte er die für die Planeten allgemeingültige Tatsache, daß der Planet, von der Sonne gezogen, fallend sich gegen die Sonne bewegt. Darauf sah er den fallenden Apfel und hiermit  wiederholte  er dieselbe Induktion nicht nur für den Apfel, sondern verallgemeinerte dieselbe sofort auch für alle Materie. Der fallende Apfel diente ihm nich als "Analoges" und auch nicht als bloßes "Beispiel", sondern als ein neuer, für sich aufgefaßter Fall, den er sich zu Bewußtsein brachte und womit sein Selbstbewußtes dann auch erkannte, daß die beobachtete Erscheinung nicht bloß für den Planeten und den Apfel, sondern für  alle  Materie gilt, daß die Materie eine gegenseitige Bewegung zueinander hat. (Hierbei bleibt übrigens bestehen, daß NEWTON in Bezug auf  "alle"  Materie doch nur eine Ähnlichkeitsverallgemeinerung machte.) Nicht  irgendein  Fortschreiten im Denken auf andere Gedanken ist "Induktion", sondern nur das Fortschreiten von den Tatsachen auf das in diesen gelegene Allgemeine ist das, was mit dem, die Sache wenig aufklärenden, Namen der "Induktion" gemeint ist. Und mag sich NEWTON in seinem Gedankengang sogar der Wörter "ähnlich" und "analog" als Notbehelfe bedient haben, und mag jeder andere, dem trotz seines genialen und originalen Schaffens die richtigen Denkformen weder klar noch geläufig sind, sich bei der Aufstellung eines neuen Allgemeinen immerhin mit jenen Wörter durch die Tatsachen hindurch winden, so entscheiden doch jene Wörter nicht allein, sondern die  Beschaffenheit  des Denkprodukts entscheidet, ob dieses ein  Allgemeines,  entnommen aus den Tatsachen, oder eine bloße  Übertragung (oder Beilegung), entnommen aus einem schon gewonnenen Allgemeinen ist. Wir können nicht verlangen, daß die früheren Induktionen formell richtig aufgebaut sind, und wir können dies selbst für eine lange Zukunft nicht erwarten; der Gedanke eines Satzes muß also für sich selbst zeugen. Versteht man freilich den Gedanken, der in einem Satz liegt, und seine Entstehung auch in seiner logischen und psychologischen Bedeutung nicht, so läßt sich die Induktion mit jedem verschobenen und verschrobenen Schluß verwechseln.

Wir haben im Vorstehenden gezeigt, daß mehrere Induktionen für Analogien gehalten worden sind. Und man hatte die Anwesenheit einer Induktion in der vermeintlichen "Analogie" auch nicht verkannt. Man hatte jedoch den Sachverhalt dennoch nicht begriffen, und meinte daher, daß in der Analogie eine Induktion liegt. Dies ist dann auch ein wesentlicher Grund, warum man die Analogie und Induktion so sehr als zusammengehörig zusammengehalten hat. Im Obersatz  jedes  Schlusses liegt jedoch eine Induktion, und der Obersatz ist ja nur das Resultat einer Induktion.

Blicken wir auf die bisher gegebene Darstellung der "Analogieschlüsse" zurück, so fällen wir demnach kein ungerechtes Urteile, wenn wir sagen, daß dieselben durchaus keine eigentümliche Schlußweise, sondern nur sprachliche, oft wirre und sogar noch schwerverständliche Handhabungen eines Syllogismus sind, der in demselben verstecht und verstellt enthalten liegt, - Schlüsse des gegenständlichen Denkens in noch unreifer Gestalt oder doch in der bequemen Weise des nicht streng wissenschaftlichen Gedankengangs. Und da die sprachlichen Sätze, in denen man die Schlüsse dachte und aussprach, früher und sogar bis jetzt keiner näheren Betrachtung gewürdigt worden sind, eben weil man das ganze Gewicht auf die Schlußfiguren legte, so kann es nicht befremden, daß in allem, was man "Analogieschlüsse" genannt hat, sich ein Gemenge des Verschiedenartigsten findet, wie: gewöhnliche Syllogismen einfacher oder zusammengesetzter Art, - Schlüsse, bei denen man den Mittelbegriff teils unter einem Gegenstand, teils im Wort "ähnlich" oder "analog" im Sinn behielt, - Ungewißheits- oder Vermutungsschlüsse, - Induktionen und - schließlich Vermengungen von Induktionen und Syllogismen, wie namentlich in den Ähnlichkeitsverallgemeinerungen.

Da es hiermit klar ist, was der in den Schriften vielgenannte und hochgerühmte "Analogieschluß" ist, so muß derselbe fallen, sogar das bloße Wort muß verschwinden, und es geziemt sich nicht mehr, solche unklare, verworrene und ungeformte Schlüsse in der  Wissenschaft  zu machen. In der Wissenschaft muß vielmehr jeder Schluß regelrecht und auch in seiner Form vollendet aufgebaut werden. Und es wird dann auch sein Inhalt richtiger und klarer erfaßt und wiedergegeben, der Obersatz wird durch das dabei nötige Zurückgehen auf die dem Schluß zugrunde liegende Induktion wahrer und schärfer gewonnen oder in seiner Ungewißheit deutlich erkannt, die im Untersatz gegenständlich gedachte Ähnlichkeit wird eine begriffliche, die Gewißheit oder die etwaige Ungewißheit des Untersatzes tritt lichter hervor, und die bloße Abkürzung oder der etwa gebrauchte Bequemlichkeitsausdruck wird dann zumindest verständlich.  Nicht  aber nach den bisher nur gelehrten syllogistischen Figuren, sondern nach den richtigen psychischen Schlußweisen soll der wissenschaftliche Schluß aufgebaut werden. (Man sehe hierüber meine "Gesamte Logik"). Zum richtigen Aufbau des Schlusses gehören jedoch richtig gefaßte und wahre Begriffe, und wo diese fehlen, da soll man  schweigen  und höchstens nur die Tatsachen geben.

Für das wirre Ganze, das bisher in den "Analogien" lag, hat man sogar  Regeln  aufgestellt, nämlich: man solle von einem bekannten Gegenstand den Ausgang nehmen, die verneinenden von den bejahenden und die wesentlichen von den unwesentlichen Merkmalen scheiden, und in der Analogie nicht zu weit gehen. Diese Regeln sind aber zum Teil die gewöhnlichen Regeln der Syllogistik, und zum Teil gelten sie nur für die Ungewißheitsschlüsse, so daß wir aus diesen Regeln erkennen, wie die "Analogie" im Großen und Ganzen sogar für gleichbedeutend gegolten hat mit dem "Ungewißheitsschluß", während doch manche sogenannte Analogie ein voller Gewißheitsschluß ist oder an einem Beispiel den Inhalt eines Schlusses veranschaulicht. Und wirr geht bei dem Wort "Analogie" Allerlei in der Seele durcheinander.

Schließlich müssen wir an den gedankenlosen Gebrauch des Wortes "analog" in den Schriften und im täglichen Leben erinnern. Unendlich oft ist es nur ein Wort mehr, das man mit dem Fremdwort "analog" hinmurmelt und häufig überflüssig, häufig ganz sinnlos ausspricht. Und dabei spielt der Klang und der Reiz des Fremdartigen auch seine Rolle. Zum Beispiel: Man soll "Etwas  analog  dem Gesetz machen", oder die durch die Nerven empfangenen Reize "verhalten sich ganz  analog  und nach ähnlichen Gesetzen wie in elektrischen Leitern", oder "Analogien verwerten" oder "analog wie bei anderen Schulen, Truppengattungen, Staaten" und dgl. (also statt: in derselben oder in solcher Weise wie etc.). In einer naturwissenschaftlichen Therapie heißt es z. B. "Zur Anstellung des Versuchs bedarf der Naturforscher der Analogie und der logischen Hypothese". "Analogie" steht hier für "Vergleichen", und die "logische Hypothese" ist der ungewisse Ober- oder Untersatz eines Ungewißheitsschlusses. - Weil man "analog" ganz im Sinne von:  gemäß, entsprechend, gleich, ähnlich  etc. gebraucht (also streng genommen es gar nicht nötig hätte), so sagt man unrichtigerweise auch "analog dem", statt "analog dessen".

Während übrigens Wort und Sinn bei der "Induktion" viel unbekannter zu sein pflegen, ist das Wort "Analogie" zumindest im Sinne von "Bild, Vergleich, Beispiel" bekannt genug. Bei allen nicht klaren Dingen denkt sich jedoch der Mensch unter den Wörtern oft ein sichtbares Stirnrunzeln und bereitet ihn nach seiner Meinung auf etwas Schweres vor, während das Wort "Analogie" ihn oft zauberartig belebt; denn diese läßt ihn meistens eine Ablenkung vom begrifflichen Denken auf eine gegenständliche, vergleichende Schilderung erwarten.

So sehr wir jedoch im Recht sind, wenn wir das unklare Gemenge der "Analogieschlüsse" der bisherigen Logiken verwerfen und selbst den Namen mißbilligen, so liegt doch in diesem Gemenge einiges, welches wir unter der ihm zukommenden  richtigeren  Bezeichnung festhalten müssen. Im  Gemenge  der Analogieschlüsse waren nämlich auch enthalten:
    1) der  gegenständliche  Schluß im Gegensatz zum begrifflichen Schluß;

    2) das  Beispiel  zwecks der Erläuterung und des Verständnisses einer Lehre oder Sache, nebst den verwandten Begriffen;

    3)  die Ausführung  einer Handlung nach einem gegebenen Begriff, Gesetze oder Ganzen, und

    4) der  Ungewißheitsschluß. 
Diese  vier  Denkoperationen wollen wir im Folgenden besprechen. Zuvor jedoch wollen wir die Begriffe:  dasselbe, ähnlich  und  analog  noch mit wenigen Worten betrachten.

Man bezieht  "gleich"  auf die Größe (der Ausdehnung, des Gewichts, des Grades) und  "ähnlich"  auf die Beschaffenheiten.  "Gleich"  heißt: denselben Begriff habend, (lich = Leib, Begriff, und  ge - zusammen) und bei dem Wort  "gleich"  kann man die Größe und auch die Beschaffenheiten im Sinn haben, sowie in Bezug auf den letzteren den Gattungs-, Art-, oder Individualbegriff, sowie irgendein angehängtes Merkmal meinen, und oft spricht man es auch aus, worin die Dinge gleich sind. "Gleich" drückt daher nur das Gemeinsame der Dinge aus, aufgrunddessen man sie in einerlei Gattungs- oder Art- oder gar in denselben Individualbegriff zusammenstellen kann. Man kann somit eine partielle und irgendeine sehr totale Gleichheit unterscheiden. Eine ganz totale Gleichheit gibt es bekanntlich nicht, wohl aber eine für den Zweck gänzliche Gleichwertigkeit. - "Ähnlich  heißt an - gleich, an das Gleiche herankommend, fast gleich, - sowohl in Bezug auf die mathematischen Verhältnisse, als auch in Bezug auf die Qualitäten eines Dings. "Ähnlich bedeutet demnach soviel wie "partiell gleich", irgend sehr nahe kommend und doch irgendeine Verschiedenheit zeigend. Für den Gebrauch des Wortes "ähnlich" findet sich leichtbegreiflich ein größeres Anwendungsgebit, als für die Anwendung des Wortes "gleich", und da zumal Jedes vom Andern irgendwie sehr verschieden ist und der Mensch zwecks seines Erkennens zunächst mehr die Verschiedenheit als die Gleichheit der Dinge, letztere sogar nur infolge einer besonders starken Veranlassung oder mittels besonderer Zwecke auffaßt, so entschlüpft das Wort "ähnlich" dem Menschen viel  öfter,  als das Wort "gleich". Hierzu kommt auch noch, daß es schwerer ist und ein angestrengteres und schärferes Erkennen erfordert, die Gleichheit der Dinge und ihrer Erscheinungunen zu erfassen, als die  annähernde  Gleichheit derselben. Mit dem Wort "ähnlich" sagt man nicht leicht allzuviel und drückt sich behutsamer, weniger zuversichtlich und anspruchsvoll, zurückhaltender und oft ungewisser aus. Es ist möglich, daß dies in den Buchstabenlauten der ersten Silbe des Wortes "ähnlich" liegt. Das Wort "ähnlich" enthält mithin durchaus kein scharfes Wissen; es enthält nur einen Hinweis auf Gemeinsames und in der exakten Wissenschaft ist nichts mit diesem Wort anzufangen. Es mahnt stets an eine nähere Untersuchung. - "Dasselbe"  (in dem Ausdruck: es ist dasselbe) bedeutet wiederum wie "gleich": einerlei Leib, einerlei Begriff, einerlei Wesenheit oder einerlei Leben oder Bleibendes, von  lip (Leib, Leben) oder  leiban (bleiben). "Dasselbe" kann sich, wie alle diese Ausdrücke, auf den Gattungs-, Art- oder Individualbegriff oder auf angehängte Merkmale beziehen: denn es werden diese Wörter allzusehr im Sinne dess, was man gerade meint, gebraucht. "Dasselbe" bezieht sich jedoch vorherrschend auf die Wesenheitsbegriffe, die in verschiedenen Dingen (trotz deren sonstiger Verschiedenheit) von einerlei Beschaffenheit vorhanden sind. - "Analog"  heißt nach demselben Begriff gemacht, wie ein Anderes, und es entspricht am meisten dem "dasselbe". Was aber dasselbe oder nach dem selbigen Begriff gedacht oder ausgeführt ist, das muß, soweit dieser Begriff reicht, gleich sein, verliert jedoch durch das Hinzutreten anderer Begriffe an gegenständlicher Gleichheit, so daß es in einem gegenständlichen Sinn "ähnlich" genannt zu werden pflegt. Somit wird "analog" auch durch "ähnlich" wiedergegeben, wobei mit diesem Wort jedoch in der Syllogistik und im gesamten begrifflichen Denken leider nichts Klares ausgesprochen wird. - Weil "gleich" "ähnlich" und "dasselbe" herkömmlich nicht scharf bedeuten, (obwohl es doch in denselben liegt), daß Etwas nach dem Begriff des Anderen oder nach demselben Begriff wie ein Anderes oder nach einem vorgeschriebenen Begriff oder Muster gedacht oder gemacht ist oder gemacht werden soll, dieses aber unter dem Wort "analog" (freilich in der bisher üblichen ausschließlichen Weise mit Unrecht) angenommen wird, so hätte dieses Wort zumindest eine herkömmliche Berechtigung. - Unter allen diesen Wörtern kann man übrigens Klares und Unklares im Sinn haben. Letzteres ist am häufigsten der Fall. Und da diese Wörter durch die Abkürzung, zu welcher sie so vortrefflich dienen, gar leicht zu einem weniger ausführlichen und weniger klaren Denken verleiten, so muß man sie umso mehr vermeiden, je exakter man denken will.


I. Der gegenständliche Schluß.

"Gegenständlich denken" heißt: in Vorstellungsbildern und nicht in Begriffen denken. Die  Vorstellungstätigkeit  und das  Selbstbewußte  in uns sind die zwei Tätigkeiten des Geistes, die vereint die Aufgaben des Denkens lösen. Beide können aber auch  getrennt  arbeiten, das Selbstbewußte z. B. bei der Vertiefung in das Abstrakte und die Vorstellungstätigkeit im Traum und bei allen Visionen. Jedoch im wachen Zustand eines durch die Sinneseindrücke erregten und mit den "Dingen ansich" der Erscheinungen sich selbstbewußt in Beziehung denkenden Geistes sind beide verbunden tätig und das Vorstellungsorgan fabriziert Formen aus den Erscheinungen unter Beeinflussung des Selbstbewußten, und das Selbstbewußte bearbeitet die ihm von der Vorstellungstätigkeit dargereichten Vorstellungen unter der Beihilfe von Seiten der Vorstellungstätigkeit. Dabei haben beide Tätigkeiten ein Bestreben, das  Allgemeine  zu gewinnen und zu diesem Zweck aus dem Geistesprodukt das wegzulassen, was das Gewinnen des Allgemeinen hindert. Über diese wichtige Erscheinung werden wir bei der Darstellung der Induktion reden. In Folge der Verallgemeinerung des aus der Sinnenwelt zum Geist Gelangten denkt der Mensch in der Tat  nicht  rein gegenständlich, sondern er hat bei seinen Vorstellungen stets schon etwas Allgemeines im Sinn, so unvollkommen und unklar dies auch sein mag. Und weil dies der Fall ist, so kann man gar nicht einmal sagen, daß der Mensch "gegenständlich (rein gegenständlich) schließt". Sondern bei seinem gegenständlichen Schließen schwebt ihm stets etwas Allgemeines vor. "Schließen" heißt nämlich: mit Hilfe des Allgemeinen über Gegenstände denken, oder Gegenstände und ihre Prädikate in ihrem Zusammenhangsbegriff oder in ihrem - den Zusammenhang des Gegenstandes mit einem Prädikat vermittelnden - Allgemeinen denken. Der bloßen Form nach jedoch ist es vollkommen wahr, daß der Mensch von Gegenständen auf Gegenstände schließend übergeht. Es ist dies leichter, es ist kürzer, es ist in jeder Hinsicht bequemer, es verhüllt dabei unser Nichtwissen, und der Mensch ist sogar dazu genötigt, wenn sein Selbstbewußtes das Allgemeine noch nicht zu benennen, geschweige es genügend zu erfassen vermag. Es ist ein solches Schließen allerdings noch ein  unreifes  Schließen. Das kann jedoch das Gebrauchen der Gegenstände als Mittelbegriffe umso weniger befremden, als in der Tat unter dem als Mittelglied gedachten Gegenstand das Allgemeine mitgedacht und oft sogar allein oder doch vorherrschend gedacht wird. Zuerst haben die Menschen gegenständliche Schlüsse gemacht, bis sie nach und nach die Begriffe gewannen. Jedes Kind beginnt mit dem gegenständlichen Schließen. Der Gelehrteste kann sich jeden Augenblick auf gegenständlichen Schlüssen überraschen, und große Wissensgebiete gibt es, in welchen wie z. B. in der Chemie die Begriffe noch fehlen oder nur Namensbenennungen sind. Das gegenständliche Schließen behält mithin seine Rechte als Hilfe beim menschlichen Denken, aber in der Wissenschaft muß es verstummen, sofern es Exaktheit beanspruchen wollte oder auch nur zu unnützen Ungewißheiten verleiten könnte.

Dieses  gegenständliche  Schließen ist ein Verfahren, das man leider dulden muß. Es ist wesentlich nur eine bequeme Abkürzung des richtigen syllogistischen Verfahrens. Somit gehört es in die Syllogistik, und zwar gehört es unter dem schlichten Titel "gegenständliches Schließen" zu den sprachlichen, unwissenschaftlichen Schlußformen der Menschen. Und dieses gegenständliche Schließen darf man  nicht  ein "Analogieschließen" nennen. Denn es wird  nicht  der eine Gegenstand nach dem Begriff eines anderen beurteilt, sondern es werden beide Gegenstände, die man in einem solchen Schluß vor sich hat, nach einem ihnen beiden  gemeinsamen  Begriff, nach einem im Sinn liegenden für  beide  Allgemeinen beurteilt. Und dieser Punkt ist entscheidend, ist aber bisher nicht beachtet worden. Und soweit dieser Umstand richtig ist, ist der Ausdruck "analog schließen" unrichtig, weil man dann in der Tat nicht das Eine nach dem Andern beurteilt und im Wort "schließen" schon das leitende Allgemeine, der  logos,  liegt.

Das  gegenständliche  Schließen kann zu Gewißheits- und auch zu Ungewißheitsschlüssen dienen. Aber ebenso auch das  begriffliche  Schließen. Darum darf man die gegenständlichen Schlüsse auch nicht mit den Ungewißheitsschlüssen verwechseln, obgleich dem gegenständlichen Schließen als einem unreiferen, ungenaueren, oberflächlicheren, in Bezug auf seinen Inhalt unklaren und obendrein unklar abgekürzten Verfahren gar leicht eine Ungewißheit anhängen kann. Ein gegenständlicher Schluß kann anstatt jeglichen korrekten Schlusses gemacht werden, und er ist somit nur eine  sprachliche  Form für alle Schlüsse. Bloß die Aufklärung dieser Form ist hier unsere Aufgabe. Zwecks dieser Aufklärung müssen wir die  regelrechte  Form des Schlusses kurz erörtern.

Jeder Schluß besteht aus den drei bekannten Sätzen (Ober-, Unter- und Schlußsatz). Diese drei Sätze müssen zuvor durch eine  Induktion  gewonnen sein. "Induktion" kann man auch "Überordnungsschluß", "Schlußaufbau" oder "Aufbau eines allgemeinen Urteils" nennen. Und die drei Sätze, mit denen man das allgemeine Urteil aufbaut, sind den drei Sätzen des Syllogismus wesentlich ganz  gleich  und bloß in der Reihenfolge und im Gedankengang, sowie in der Denkweise verschieden. Jeder vollkommene Schlußgang besteht daher aus den drei Induktions- und aus den drei Deduktionssätzen, und diese 6 Sätze sollten stets ganz klar in der Seele stehen. Zum Beispiel:
    I. A. 1) Cajus ist sterblich,
            2) Cajus ist Mensch,
            3) Menschen sind sterblich.
        B. 4) Menschen sind sterblich,
            5) Cäsar ist Mensch,
            6) Cäsar ist sterblich.

    II. A. 1) Des Nachbarn Hund hatte (bei einer melancholischen Stimmung in seiner Krankheit) einen ungewöhnlichen Trieb zum Beissen.

            2) Des Nachbarn Hund war wasserscheu.

            3) Der wasserscheue Hund hat (bei einer ... etc.) einen ungewöhnlichen Trieb zum Beissen.

        B. 4) (umgekehrt ausgesprochen): Hunde mit ungewöhnlichem Trieb zum Beissen (in einer Krankheit etc.) sind wasserscheu.

            5) Dieser Hund zeigt einen ungewöhnlichen Trieb zum Beissen (in seinem Kranksein).

            6) Dieser Hund ist wasserscheu.
Der 1. Satz spricht die direkt beobachteten Erscheinungen oder (wie in I) den Begriff aus, in welchen diese Erscheinungen durch eine vorgangegangene Induktion bereits zusammengefaßt sind. Der 2. Satz stellt den Begriff auf, der in den direkt beobachteten Merkmalen liegt, oder (wie in I) denjenigen Begriff, aus welchem der bereits durch eine vorangegangene Induktion gewonnene Begriff folgt. Der 3. Satz vereinigt die beiden Prädikate des 1. und 2. Satzes und wird, indem er den Begriff und seine direkt beobachteten Merkmal oder den Grund mit seiner Folge zusammenstellt, zu einem allgemeinen Urteil. Hiermit ist die Induktion vollendet Und geht man dann von einem allgemeinen Urteil wieder auf Gegenstände über, um das Subjekt oder das Prädikat des allgemeinen Urteils auf dieselben zu übertragen, so macht man eine Deduktion d. h. einen Syllogismus, indem man dieselben drei Sätze in umgekehrter Reihenfolge wiederholt und als Gegenstand entweder dasselbe Objekt oder en anderes Objekt derselben Gattung oder Art verwendet, wie die vorstehenden Beispiele erkennen lassen, in welchen  A.  die Induktion und  B.  die Deduktion ist. - Diese kurze Erklärung, die allerdings Vieles unberücksichtigt läßt, macht zumindest das Wesen der Sache, so weit es hier in Betracht kommt, anschaulich, und man wolle es uns daher erlauben, hier nicht ausführlicher zu sein.

Aus den aufgezählten 6 Sätzen des Schlusses entsteht nun ein  gegenständlicher  Schluß auf zweifache Weise, nämlich  a.  wenn man im Beispiel I. bloß den 1., 5. und 6. Satz ausspricht und im 5. Satz statt des Gattungsbegriffs gleich oder ähnlich oder dergleichen setzt.
    1) Cajus ist sterblich.
    5) Cäsar ist dem Cajus ähnlich,
    6) Auch Cäsar ist sterblich;
oder  b.  wenn man in Beispiel II. den 2. 5. und 6. Satz benutzt und im 5. Satz ebenfalls das Prädikat ähnlich oder dergleichen statt des Mittelbegriffs verwendet:
    2) Des Nachbarn Hund ist wasserscheu
    5) Dieser Hund ist jenem ähnlich oder gleich.
    6) Also ist dieser Hund wasserscheu.
Man könnte auch sagen, daß man in beiden Beispielen an den 6. Satz, d. h. an den 3. Satz der Deduktion anknüpft und nun dieselbe Deduktion mit einem anderen Gegenstand abgekürzt gegenständlich und mittels "ähnlich" wiederhole:
    3) Cäsar ist sterblich.
    1) (Menschen sind sterblich.)
    2) Ich bin dem Cäsar ähnlich (= ich bin Mensch).
    3) Also bin ich ebenfalls sterblich.
Diese Auffassung löst sich dann schließlich in die soeben angegebene Weise auf. Die gegenständlichen Schlüsse sind demnach ganz bestimmte Abkürzungen eines vollen 6-satzigen Schlusses, sodaß man sich von Gegenstand auf Gegenstand bewegt und das Mittelbegriffliche unter "analog", "ähnlich", "gleich", "dasselbe" etc. im Sinn behält, wobei es für das gegenständliche Schließen selbst nicht einmal einen wesentlichen Unterschied ausmacht, ob man den 1., 5. und 6. Satz oder den 2. 5. und 6. Satz ausspricht. Und man mag immerhin auch sagen, daß die gegenständlichen Schlüsse abgekürzte Wiederholungen eines Schlusses sind unter Anknüpfungen an dessen Schlußsatz und unter Verwendung des Wortes "ähnlich" etc. für den Mittelbegriff.

Da also die gegenständlichen Schlüsse nur Abkürzungen einer vollen Induktion und Deduktion sind, so können sie  keine  besondere Schlußform sein. Und weil diese gegenständlichen Schlüsse gemacht wurden und werden, ohne daß man wußte und weiß, wie sie entstehen, und weil sie Abkürzungen sind, in denen man nicht alles exakt denkt, vielmehr durch das Wort "ähnlich" Manches unklar und ungenau läßt, so leuchtet ein, wie wenig brauchbar diese Schlüsse sind. Sie gehören dem unreifen Denken und sind sonst nur da erlaubt, wo man sich ein bequemes und abgekürztes Schließen erlauben darf oder in Ermangelung der leitenden Mittelbegriffe fragend Ungewißheitsschlüsse stellt und sich also nur gegenständlich bewegen kann.

Nun wolle sich der Leser der mathematischen Gleichungsformel erinnern. Diese lautet:  a = b, b = c,  also  a = c.  Diese Gleichungsformel ist ganz in ähnlicher Weise entstanden, wie soeben auseinandergesetzt wurde, nur sind jene drei Sätze der Gleichung der 2. 4. und 6. Satz der gesamten In- und Deduktion, und es dient hier der 4. Satz als gegenständliches festgestelltes Urteil, als Maßstab, nach welchem man sich richtet. (Siehe hierüber das Gleichungsschem in der "Gesamten Logik", Seite 570). Und wie man nun Vertauschungen aufgrund der Gleichheit macht, so macht man auch Vertauschungen aufgrund der bloßen Ähnlichkeit und spricht die gegenständlichen Schlüsse im Sinne von Gleichungen oder als Vertauschungen aus. Indem man jedoch sogar Solches tut, triebt man die logische Lizenz soweit, daß man es gar nicht mehr billigen kann. Denn der Gleichungsschluß oder die Vertauschung des Gleichen ist zwar auch eine Abkürzung und eine Zusammenziehung der vollen In- und Deduktion. Jedoch gehören Gleichstellungen mit und ohne Zweck einer Vertauschung notwendig dem regelrechten Denken an und sind berechtigte Formen neben den Unterordnungsschlüssen, und es können diese Gleichstellungen sogar auch begriffliche sein. Hingegen darf man, wenn man die Denkformen nicht wirr und willkürlich gebrauchen will, die Unterordnungsschlüsse nicht in der Gleichungs- und Vertauschungsformel aussprechen, weil sie durchaus keine Gleichungen sind. Da man jedoch diese Unterschiede nicht berücksichtigte und nicht einmal kannte, der Gleichungsschluß sich meistens auf Gegenstände bezieht, der gegenständliche Unterordnungsschluß sich nur an Gegenständen bewegt, und man die Sätze eines Schlusses nicht aus der vollen 6-satzigen Formel herleitete, mithin den Unterschied einerseits zwischen dem Aussprechen des 1., 5. und 6. oder 2., 5 und 6. Satzes im Gebrauch des gegenständlichen abgekürzten Unterordnungs- (oder Subsumtions-) Schlusses und andererseits zwischen dem Aussprechen des 2., 4. und 6. Satzes in der Gleichungsformel nicht kannte, so ist man nur allzusehr geneigt gewesen, auch  alle  Schlüsse, die sich an Gegenständen bewegten, nach Art der Gleichungen als Vertauschungen zu handhaben.

Alle Schlüsse (abgesehen von den Gleichungen) übertragen entweder eine Ursache oder einen Grund oder einen Gattungsbegriff, also einen Mittelbegriff, auf einen Gegenstand, oder sie übertragen das vom Mittelbegriff Ausgesagte, das Prädikat, auf einen Gegenstand. Und spricht man den gegenständlichen, im Sinne eines Subsumtionsschlusses gedachten, Schluß in der Form des 2., 5. und 6. Satzes aus, so macht man eine Übertragung des Mittelbegriffs, (des gewöhnlichen Subjekts eines Obersatzes) (siehe oben Beispiel iI), und spricht man jenen Schluß als 1., 5. und 6. aus, so macht man eine Prädikatsübertragung.

Die hier kurz erörterten Schlüsse heißen also richtig: "gegenständliche Schlüsse im Sinne eines begrifflichen Syllogismus (Unterordnungs- oder Subsumtionsschlusses)", und sie können wohl auch als Ähnlichkeitsschlüsse bezeichnet werden, doch ist diese Bezeichnung durchaus eine unklare. Niemals können sie aber "Analogieschlüsse" heißen, weil hier - bei der Subsumtion - nicht der eine Gegenstand nach dem Begriff des Andern, sondern  beide  Gegenstände nach einem im Sinn liegenden gemeinsamen Mittelbegriff beurteilt werden und auch weil "ähnlich" und "analog" nicht durchaus gleichbedeutend sind.

Wir haben schon erwähnt, daß man  statt  deduktiv auch induktiv denken, d. h. statt der Deduktion die zu dieser gehörige Induktion machen kann, um dann die Deduktion nur im Sinn zu behalten oder ganz wegzulassen. Und statt gegenständlich von einem Objekt auf das andere mittels des gemeinsamen - bestimmt oder unbestimmt hinzugedachten - Mittelbegrifflichen zu schließen kann man daher auch an einem zweiten und dritten Fall die in Bezug auf einen ersten Fall gemachte Induktion bloß wiederholen und letztere kann dabei vollkommen aufgestellt oder nur andeutungsweise vollzogen sein. Und es sieht dann das Verfahrend sehr einem gegenständlichen Schließen ähnlich, während es ein induktiver Gedankengang ist. Zum Beispiel:
    1) Dieses Getreide riecht muldrig und ist etwas gequollen.
    2) Dieses Getreide ist im Schiff feucht geworden.
Indem man dann noch andere Säcke voll Getreide untersucht, findet man vielleicht dieselben Erscheinungen und sagt dann abgekürzt: dieses (andere) Getreide ebenfalls, und man wiederholt dann in Gedanken nur dieselbe Induktion. Man kann hierbei sogar den Ausdruck "ähnlich" (etwa für "ebenso beschaffen") gebrauchen, und dennoch macht man keine Deduktion, sondern der Geist ist in  aufbauender  Richtung auf das Allgemeine begriffen.

Mittels gegenständlicher Schlüsse kann man auch der Reihe nach von einem Gegenstand zum andern übergehen, bis man die zum Umfang des im Sinne liegenden Mittelbegriffs gehörigen Objekte ganz oder bis zur vermeintlichen Genüge erschöpft hat, worauf man die Summe der Objekte mittels eines eingeschobenen, im Sinne behaltenen Schlusses in den Begriff "Alle" stellt und nun ein allgemeines Urteil aussagt. Dieses Verfahren ist entweder ein müßiges Spiel (anstatt der einfachen Zusammenzählung) bei abgeleiteten Prädikaten, oder es ist bei Prädikaten, dei man noch nicht abzuleiten vermag, ein vorsichtiges Fortschreiten von Gegenstand zu Gegenstand durch Frageschlüsse, die man auf dem Weg der Untersuchung beantwortet, oder es ist ein voreiliges und ungenaues Zusammenfassen von Tatsachen. Solche  Ähnlichkeitsverallgemeinerungen  sind wesentlich nur Zusammenzählungsverallgemeinerungen, wobei die Zusammenzählung entweder vollkommen ausgeführt ist, oder diese gar nicht vollkommen ausgeführt werden kann, jedoch bis zur Stunde kein Ausnahmefall vorliegt, oder schließlich die Zusammenzählung zu voreilig abgeschlossen ist und das dabei Nicht-Mitgezählte aus Beschränktheit, Selbsttäuschung, Aberglaube etc. für den beobachteten Fällen  gleich  gehalten wird. Schlüsse mit solchen Verallgemeinerungen sind keine gegenständlichen Schlüsse mehr, wenn sie auch diesen ähnlich sehen, weil ein allgemeines oder doch für allgemein geachtetes Urteil, so unrichtig dieses auch sein mag, an der Spitze steht; und durch ihre Ähnlichkeit mit gegenständlichen Urteilen verraten sie nur die  Entstehung  der ihnen zugrunde liegenden Verallgemeinerung. Zum Beispiel "Der Freitag ist ein Unglückstag", morgen ist Freitag, also etc.

Nicht immer ist es leicht, das Allgemeine, das bei den gegenständlichen Schlüssen im Sinn liegt, schnell und richtig zu gewinnen, z. B. beim Schluß von der Vergangenheit auf die Zukunft, von heute auf morgen. Je mehr die Prädikate, die man hier erschließen will, aus dem Wesen der Gattungsbegriffe der Gegenstände oder aus Ursachen folgen, die in der gegenwärtigen Weltordnung feststehen, umso leichter läßt sich das Allgemeine solcher populären Schlüsse ermitteln, während sich das Allgemeine schwerer scharf auffinden läßt, wenn es nur im Vorurteil der Menschen seinen Grund hat, wie oft bei Prädikaten, die durch eingeschobene Ursachen den Gegenständen anhaften, besonders aus dem Gebiet der moralischen Begriffe.

Sofern die gegenständlichen Schlüsse bei ihrer Unvollständigkeit und Ungenauigkeit nicht zufällig richtig sind, befindet man sich in Bezug auf dieselben ganz im Zustand der falschen Schlüsse und tappt mit ihnen in das Unrichtige hinein, preisgegeben im Wahn der Zuverlässigkeit den aus der Ungenauigkeit folgenden Irrtümern.
LITERATUR - Johann Ignaz Hoppe, Die Analogie, Berlin 1873