tb-1cr-2Paul SternH. PichlerHeinrich Lanz     
 
OLIVER HAZAY
Die Struktur des
logischen Gegenstandes

[1/6]
0 - Einleitung
1 - Die quasi-subjektiven Gegenstände
2 - Die Relationsstruktur der Gegenstände
3 - Das Argument der logischen Funktionen
4 - Das Problem der Äquivalenz
5 - Die "unmöglichen" Gegenstände

"Wenn wir daher den Ausdruck  logisches Bewußtsein  benützen, so war das nicht unnütze Eigenbrödelei. Wir wollten dadurch bloß betonen, daß wir es hier nur mit einem rein formalen Bewußtseinsbegriff zu tun haben, mit der Einheit allen Bewußt-Seins und wollten uns von den so verschiedenartigen Deutungen und Mißdeutungen eines  Bewußtseins überhaupt  schützen."

"Der Charakter dieser Aufgabe bringt es mit sich, daß es nicht unser Zweck sein kann, das Problem in die Schrauben eines fertigen Systems einzuzwängen. Wir haben es mit einer Prinzipienfrage zu tun und stehen damit selbst am Anfang eines Systems, inmitten der Vorarbeiten zu einem solchen. Sollten uns unsere Schritte in die Bahnen schon bestehender Systeme hineinführen, so wird uns keine Originalitätshascherei daran hindern, uns darüber aufrichtig zu freuen; im Gegenteil, wir hoffen entschieden auf solche Übereinstimmungen."

Einleitung

1. "Cogito, ergo est." [Ich denke, also ist es. - wp]: so variiert NIETZSCHE den cartesischen Gedanken und wir wollen diese Form in unserem eigenen Sinne als Motto aufgreifen. Ich denke, daher gibt es etwas. Das Ich bleibt dabei unbestimmt und verhüllt, auch der Gedanke ist nicht jenes Etwas, welches schon im ersten Schritt über allem Zweifel erhaben gegeben ist.  Ein  Sein jedoch ist mir im Denken unmittelbar und unzweifelhaft gegeben, indem ich denk,  ist:  der  Gegenstand. 

Damit haben wir zwei Ausdrücke eingeführt, die nun eine nähere Beleuchtung erheischen. Ja, bestenfalls eine nähere Erläuterung, keineswegs jedoch eine eigentliche Definition. Es ist bei logischen Prinzipienfragen ein unausweichlicher Übelstand, noch mehr, als bei der Grundlegung von anderen Wissenschaften, daß die Ausgangspunkte undefinierbar sind oder aber nur durcheinander, im Zirkel zu bestimmen sind. Gar viele Logiker, unter ihnen solche wie LOTZE und RENOUVIER, haben betont, man müsse solche unumgehbare Zirkel eben mit in Kauf nehmen, nur möge man sich dann auch aufrichtig und tapfer begehen. Und so müssen auch wir uns begnügen, von bloßen Umschreibungen auszugehen und müssen dem weiteren Verlauf unserer Arbeit die allmähliche Verdeutlichung des eigentlichen Sinnes unserer Grundbegriffe überlassen.

Sein  bedeutet also für uns nicht naturwirklich - sein, dafür wollen wir vielmehr nach Art der Gegenstandstheoretiker den Terminus  existieren  bereithalten; "sein" soll aber auch ebensowenig metaphysisches Sein bedeuten, sein Sinn soll lediglich  logisch  bleiben, es handelt sich dabei bloß um rein ideelles Sein: daß ein Gegenstand  ist,  bedeutet nichts weiter, als daß er für das Reich der Logik besteht, logischen Sinn hat. Und  Gegenstand  ist alles, was in diesem Sinne  ist,  was logischen Sinn hat. Das ist unser Zirkel, der unvermeidlich ist: man kann ihn verhüllen, aber dem Wesen nach wird er auch verhüllt weiterwirken. Doch können einige Hilfsausführungen noch manches zur Klärung dieser Begriffe beitragen.

Gegenstand ist also alles, was eigenen logischen Sinn hat, jedes logische Gebilde, jede Einheit. Gegenstand ist daher z. B. sowohl das Subjekt oder das Prädikat eines Urteils, als auch der ganze Urteilsgehalt, der "Satz an sich", denn dieser ist selbst auch eine neue Einheit mit selbständigem logischem Sinn. Einheit ist jedoch nur dort möglich, wo Bewußtsein ist und darum ist das Korrelat des logischen Gegenstandes das "logische Bewußtsein".

2. Den in logischen oder erkenntnistheoretischen Untersuchungen vorkommenden Bewußtseinsbegriff vor psychologischer oder andererseits metaphysischer Mißdeutung zu schützen, ist heutzutage wohl hoffentlich nicht mehr nötig. Der Leser möge daher auch den bisherigen Erörterungen keine psychologische Deutung geben, mit der Begründung, daß doch vom Denken und sogar von meinem Denken gesprochen hätte. Aber auch die Logik hat es mit dem Denken zu tun und wenn auch - wenigstens was die  reine  Logik anbelangt - nicht mit dem Denken selbst, so doch mit dem Gedachtwerden. Der logische Gegenstand ist ein gedachter Gegenstand, nicht etwa, daß ich oder irgendein anderes Individuum ihn denken müßte, aber es gehört zu seinem Wesen, ein Denkgegenstand zu sein und er entsteht überhaupt nur durch die Verknüpfung seiner Momente in einem Bewußtsein. Dementsprechend ist aber auch dieses hierhergehörige Bewußtsein kein individuelles, psychologisches Bewußtsein, aber auch kein metaphysisch gefärbtes, überindividuelles Allgemeinbewußtsein, sondern nur ein Bewußtsein überhaupt.

Ich habe die Worte: Bewußtsein und überhaupt nur widerstrebend nebeneinander geschrieben. Ihre Verbindung bedeutet oftmals einen Begriff, der dem unseren nicht recht gleichkommt indem er die Grundlage für solche erkenntnistheoretische Untersuchungen bilden muß, die außerhalb unseres Interessenkreises fallen. Das Problem der Erkenntnismöglichkeit, das der Transzendenz und was sonst noch zu dieser Problemgruppe dazugehört, beschäftigt uns nicht, für unsere Betrachtungen sind die Gegenstände fertig gegeben und wir untersuchen sie nur in bezug auf ihre Struktur, ohne übrigens die sich dabei darbietenden erkenntnistheoretischen Ergebnisse zu verschmähen. Wir brauchen also nicht jenes "Bewußtsein überhaupt", wir brauchen aber für unsere logischen Gegenstände doch  überhaupt  ein  Bewußtsein  als notwendiges Korrelat zum Gegenstand, so wie man für geometrische Figuren überhaupt Raum braucht. Wenn wir daher oben den Ausdruck "logisches Bewußtsein" benützen, so war das nicht unnütze Eigenbrödelei. Wir wollten dadurch bloß betonen, daß wir es hier nur mit einem rein formalen Bewußtseinsbegriff zu tun haben, mit der Einheit allen Bewußt-Seins und wollten uns von den so verschiedenartigen Deutungen und Mißdeutungen des "Bewußtseins überhaupt" schützen.

3. Die letzten Zeilen sollen zugleich den reinen, abstrakt logischen Standpunkt kennzeichnen, von dem wir ausgehen. Unsere Gegenstände sind von jeglichem psychologistischen Beigeschmack freizuhalten: nicht nur in dem Sinne, daß man in ihnen keine psychischen Gebilde sehen darf; auch wer ihr ideelles Sein anerkennt, aber verlangt, daß jeder von ihnen einem psychologischen Subjekt zugeordnet werden könne, tut ihnen Unrecht. Manche unserer Gegenstände sind psychologisch unmöglich, so z. B. jene einfachsten Gegenstände, die eine einzige Bestimmung enthalten und die darum niemand wirklich denken kann. Trotzdem ist ihr logischer Sinn klar, ihre logische Berechtigung bestreitbar. Ebenso darf natürlich auch die Analyse des Gegenstandes nicht als Aufweisung seiner psychischen Konstituenten verstanden werden; wenn wir z. B. die eigenartige Relationsstruktur der Zahlen besprechen werden, so soll damit nichts über die psychologische Struktur der Zahlvorstellungen gesagt sein.

Man wird uns aufgrund dieser Darlegungen des Platonismus zeihen, doch wir wollen diesen Vorwurf gerne und zwar als Lob annehmen, sofern nur der Platonismus nichts ins Metaphysische gewendet wird. Mag LOTZE die Gedanken PLATOs vielleicht auch zusehr im modernen Sinn interpretiert haben, so sind wir doch entschieden der Meinung, daß die metaphysischen Wendungen in PLATONs Lehre größtenteils auf Rechnung der Darstellung, der damaligen philosophischen Sprache zu setzen sind; möglich, daß ein oder das anderemal PLATON sich selbst nicht verstanden hat: im Grunde genommen geht jedoch schon seine Tendenz auf ein Reich rein logischer Gegenstände aus. In diesem Sinne huldigen auch wir dem Platonismus, jede Art von metaphysischer Hypostasierung [einem Gedanken gegenständliche Realität unterschieben - wp] der Gegenstände steht uns jedoch so fern als möglich. Von einem Begriffsrealismus, insofern dieser dem Gegenstand mehr als  logische  Realität zuerkennen will, wollen wir nichts wissen, sobald derselbe jedoch bloß den Gegensatz zum Nominalismus bedeuten soll, dann freilich bekennen wir uns gerne als seine Anhänger.

4. Von diesem platonischen, das heißt abstrakt logischen Standpunkt aus ergeben sich nun die ferneren Bestimmungen des "logischen Bewußtseins" von selbst. Dasselbe kann natürlich auch nicht den Unzulänglichkeiten des Individualbewußtseins unterworfen sein. Örtliche, zeitliche Schranken, Unkenntnis einzelner Bestimmungen haben für dasselbe höchstens einen ganz veränderten Sinn, da ja doch die Totalität der Gegenstände seinen Inhalt bildet; wo wir uns in unseren Ausführungen derartiger Wendungen bedienen werden, dort sind diese eigentlich nur anthropomorphe, handlichere Ausdrucksweisen ohne jede individuell-subjektive Note und wir wollen mit ihrer Hilfe nur die Unvollkommenheit, die  logische Beschränktheit  dieses oder jenes Gegenstandes andeuten. Dies sei ein für allemal festgestellt. Ebenso darf, wenn wir uns in anderen Beispielen z. B. eines "Ich denke" bedienen, in diesem Ich nicht ein persönliches Subjekt gesucht werden, sondern nur ein sprachlich praktischerer Ausdruck für das logische Bewußtsein.

Im übrigen ist dieses jedoch durchaus von derselben Art, wie unser persönliches Bewußtsein, es ist demselben, sagen wir mal: qualitativ gleich. Jene hier oder dort wohl auftauchenden Kuriositäten, wie es wohl mit einem Bewußtsein bestellt sein würde, für das der Satz der Identität nicht gültig wäre, berühren unser logisches Bewußtsein nicht. Es ist sehr fraglich, ob bei Unwirksamkeit des Identitätssatzes überhaupt noch von Bewußtsein oder von Denken die Rede sein kann, jedenfalls aber könnte es für dasselbe keine Logik geben, sofern nämlich mit dem unveränderten Wort auch die gleiche Sache benannt werden soll. Der Ausdruck: logisches Bewußtsein, der doch auf das Bewußtseinskorrelat des  logischen  Gegenstandes hinweist, versperrt also solchen Erwägungen den Weg.

Er will aber auch den entgegengesetzten Spekulationen Einhalt gebieten, auch ein hoch über das unsrige hinausragendes, vollkommeneres Bewußtsein ist hier mit inbegriffen. Wie ein Gott denkt, der überhaupt nicht logisch zu denken  braucht,  da er alles mit einem Blick erfaßt, darüber zu sprechen ist ebenso müssig, wie über jenes Wesen, das nicht logisch zu denken  vermag.  Wir treiben Logik und nicht Unterlogik oder Überlogik.

Doch kann es sich für manche Erwägungen empfehlen, ein dem göttlichen Bewußtsein ähnliches, vollkommenstes Bewußtsein als  Grenzbegriff  anzunehmen. Wir wollen dieses vollkommenste Bewußtsein mit dem Namen eines "erkenntnistheoretischen Gottes" belegen und wollen durch das Attribut alle theologischen, kosmologischen und ebenso alle rein-religiösen, d. h. religiös-wertenden Voraussetzungen abwehren. Der erkenntnistheoretische Gott ist lediglich eine  Fiktion Wenn diese jedoch irgendeinen Wert haben soll, so darf sie auch nicht ohne jegliche Beziehung auf das logische Bewußtsein sein: wir bezeichnen mit ihrer Hilfe ein Wesen, dessen Blick in  dieselbe  Richtung gerichtet ist, wie der unsrige, dessen Bewußtseinsinhalt von derselben Art ist, wie unser eigener, nur daß es die dem logischen Denken gesetzten Grenzen überschreiten kann und dadurch auch solche Probleme zu lösen vermag, an die die Logik nicht herantreten kann. Auf diese Weise können wir jene Grenzen und Probleme klarer behandeln.

5. Der durch diese einleitenden Erörterungen umschriebene  Gegenstand  bildet natürlich eines der grundlegenden Probleme für die reine Logik. Begriff und Urteil stehen erst in nächster Linie, sie gehören streng genommen erst einer Logik an, die sich schon für die verschiedenen Erscheinungsformen des Gegenstandes im menschlichen Denken interessiert und kommen von unserem abstrakt logischen Standpunkt aus gar nicht in Frage. Indem aber auch sie logische Gegenstände sind, gilt natürlich alles, was für den Gegenstand überhaupt richtig ist, auch von ihnen, unbeschadet ihrer sonstigen, spezielleren Eigenschaften. Sie bilden erst eine weitere Spezifizierung des logischen Gegenstandes. Welchem von beiden dann das Primat zuzusprechen sein wird, ob dem Urteil oder dem Begriff, kann ebenfalls auf unserer Stufe nicht zur Entscheidung gelangen, obwohl wir es für wahrscheinlich erachten müssen, daß sich auch diesbezüglich Hinweise in der Struktur des logischen Gegenstandes finden werden.

Diese Struktur zu untersuchen, gilt nun als die Aufgabe der vorliegenden Arbeit. Der Charakter dieser Aufgabe bringt es mit sich, daß es nicht unser Zweck sein kann, das Problem in die Schrauben eines fertigen Systems einzuzwängen. Wir haben es mit einer Prinzipienfrage zu tun und stehen damit selbst am Anfang eines Systems, inmitten der Vorarbeiten zu einem solchen. Sollten uns unsere Schritte in die Bahnen schon bestehender Systeme hineinführen, so wird uns keine Originalitätshascherei daran hindern, uns darüber aufrichtig zu freuen; im Gegenteil, wir hoffen entschieden auf solche Übereinstimmungen. Man soll genügend Hochachtung für die getane wissenschaftliche Arbeit besitzen, um ganz unerwarteten, ganz unvorbereiteten Ergebnissen von Anbeginn mißtrauen zu müssen. Andererseits ist die Aufrichtigkeit des eigenen Forschens eine Pflicht, die uns verbietet, uns solche Anlehnungen an Altbewährtes mit aller Gewalt aufzuzwingen; und das gilt auch auf die Gefahr hin, daß unsere Untersuchungen vorläufig kein solch systematisches Ganzes ergeben werden. Wir müssen wohl oder übel unsere eigenen Wege gehen.

Damit ist das Programm unseres Vorgehens schon gegeben. Wir wollen versuchen, Schritt für Schritt in den logischen Bau des Gegenstandes einzudringen, ohne auf ein bestimmtes, vorausgestecktes Ziel von Anfang an hinzusteuern. Damit ist gesagt, daß sich unsere ersten Schritte durch die späteren Untersuchungen an Sinn und Bedeutung ändern können. Manches Problem wird im ersten Teil der Arbeit in anderem Licht erscheinen als im zweiten, nachdem sich schon neue Gesichtspunkte entwickelt haben. Manchen schwerwiegenden Einwand werden wir vielleicht vorerst nicht merken oder vorerst nicht merken  wollen,  um uns in unserem Vorwärtsdringen nicht zu verwirren. Diese Methode hat den Nachteil, daß sich einige Leser voreilig abschrecken lassen werden, sie hat aber den großen Vorteil, daß sich auf diese Weise die verschiedenartigen Bestimmungen des Gegenstandes von selbst nach Schichten absondern und daß daher nicht einzelne dogmatisch erscheinende Feststellungen gemacht werden, sondern sich tatsächlich eine  Struktur  des Gegenstandes erschließt. Den erwähnten Übelstand mag diese Bitte beseitigen, der Leser wolle den Stab nicht vor Ende der Arbeit über uns brechen.

In weit höherem Maße wird jedoch das Eingehen auf unsere Intentionen durch den engen Rahmen erschwert, den wir der ganzen Natur dieser Studie gemäß nicht überschreiten dürfen. Wir bemühen uns hier um die prinzipielle Grundlegung der Logik. Es kann dahe auch nicht unsere Aufgabe sein, unsere Ergebnisse bis zu ihren speziellen Anwendungen in den verschiedenen Gegenstandsgebieten zu verfolgen. Trotzdem ist eine Berufung auf die einzelnen Gegenstände unumgänglich, da wir unsere Theorie ja nicht in der Luft aufbauen wollen, sondern uns auf die Untersuchung der tatsächlichen Gegenstände zu stützen gedenken. Hier heißt es dann nach Möglichkeit Maß halten, damit nicht die als Belege stehenden Einzelausführungen die rein logischen Erörterungen ersticken. Die speziellen Erörterungen  müssen  daher lückenhaft und scheinbar oberflächlich ausfallen, aber wir wollen uns auch an dieser Stelle ein für allemal und mit aller Entschiedenheit dagegen verwahren, daß uns je in den Sinn gekommen sei, ausführliche Spezialtheorien zu geben. Wenn wir z. B. an mehreren Stellen zahlentheoretische Erwägungen anstellen müssen, so wollen wir mit diesen nur darauf hinweisen, in welcher  Richtung  eine Zahlentheorie aufgrund unserer Ergebnisse zu suchen sei. Alle genaueren Ausführungen müssen hier unterbleiben, ebenso die Berührung solcher Fragen, wie sie die Erweiterung der Zahlenreihe oder die Infinitesimalproblem darstellen. Wir haben keine Zahlentheorie zu geben, sondern nur die Zahl in dem Maß zu untersuchen, als sie sich der allgemeinen Gegenstandsstruktur einordnet.

Diese Selbstbeschränkung war leider auch dort notwendig, wo dadurch die eigentlichen Fundamente unserer Arbeit gefährdet werden, nämlich für die Werttheorie. Es wird sich nämlich zeigen, daß gewisse Eigenschaften der Gegenstaände ihren Ursprung geradezu in dem dem Gegenstand anhaftenden Wert haben, so daß breitere werttheoretische Ausführungen geboten erscheinen würden. Aber auch hier würde eine ausgeführte Wertlehre, welche den inneren Zusammenhang der Werte ihre Platz innerhalb der "Vernunft", ferner die Klarstellung mancher für uns wichtigen Wertgruppen, wie z. B. die Wirklichkeitswerte, auszuführen versuchte, den Rahmen unseres heutigen Problems zu sprengen. Wir mußten uns daher auch hier auf die unbedingt notwendigen Erklärungen beschränken und hoffen dabei doch genügend geboten zu haben, um die Wertgrundlagen der logischen Gegenstände verständlich zu machen. Im übrigen ist mein Versuch zur Grundlegung einer "reinen" Wertlehre schon ziemlich weit fortgeschritten, so daß ich hoffen darf, denselben in nicht allzu ferner Zeit dem Leser vorlegen zu können; dort mag er dann darüber Aufschluß finden, was hier im Kurzen klarzulegen uns vielleicht nicht gelungen ist.

Als Beschluß dieser Einleitung noch wenige Worte über unser Verhältnis zu anderen Autoren. So weit es irgend anging, haben wir jede Polemik, die nur halbwegs Sinn hätte, wieder von solchem Umfang, daß sie das Positive der Darlegungen erdrücken würde. Hier, bei diesen grundlegenden Untersuchungen ist eigentlich jeder einzelne Schritt zugleich in Protest gegen alle von dem seinen abweichenden Weg und die Begründung jedes Schrittes, ja sogar die bloße Art des Vorgehens allein, will zugleich die Widerlegung aller übrigen Standpunkte und Methoden enthalten.

Aber auch die Namen jener Forscher, mit deren Gedankengang dieses oder jenes in unserer Arbeit übereinstimmt, sind nicht allzu oft genannt. Ihre Gedanken haben sich durch die abweichende Betrachtungsweise oft derart verschoben, daß mancher von ihnen gegen eine Berufung auf ihn wohl selbst Einspruch erheben würde; er wird vielleicht nicht geneigt sein, für meine Ausführungen auch nur den kleinsten Teil der Verantwortung zu tragen. Jene Leser, die sich für das in Frage stehende Problem interessieren, sind in der philosophischen Literatur genügend bewandert, um über die verschiedenartigen Einflüsse auch ohne störende Anmerkungen und Hinweise im Klaren zu sein. Derartige Berufungen wären aber schon deshalb nicht am Platz, weil den Übereinstimmung mit anderen Autoren für den Verlauf der Untersuchungen gar keine Beweiskraft zukommt.  Nach  Vollendung derselben, für das Endergebnis mag es als günstiges Zeugnis erscheinen, daß auch andere Wege zu ähnlichen Zielen geführt haben,  während  der Arbeit aber muß jeder Schritt in sich selbst und in den übrigen Momenten der Arbeit seine Gewähr finden. (1)
LITERATUR - Oliver Hazay, Die Struktur des logischen Gegenstandes, Kant-Studien, Ergänzungsheft, Bd. 35, Berlin 1915
    Anmerkungen
    1) Wenn ich mir trotz alledem nicht versagen kann, der Namen NATORPs und RICKERTs wenigstens hier in der Anmerkung dankbar Erwähnung zu tun, so will auch das nichts zur Sache selbst beitragen; ich folge dabei einem persönlichen Gefühl, das mich dazu drängt, zu betonen, welche Förderung meine Studien ihren Werken verdanken.