p-4cr-2W. TatarkiewiczM. NemoW. DiltheyR. SeydelA. DöringNorström     
 
EDUARD von HARTMANN
Der naive Realismus
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"Niemand zweifelt daran, daß der Tisch, an dem er sitzt, eine gesetzmäßige Fortdauer hat, während er die Augen schließt und bis er sie wieder öffnet; wäre der Tisch beim Wiederaufmachen der Augen verschwunden, so würde jedermann überzeugt sein, daß er durch eine Kraft entfernt sei und sich jetzt an einem andern Orte befinde, und daß er diese Bewegung gesehen haben würde, wenn er die Augen offen gehalten hätte."

"Das Wahrnehmen durch die Sinne gilt dem naiven Realisten als ein vom Ich auf die Dinge ausströmendes oder ausstrahlendes, welches die Dinge umspannt und umklammert, wie der Polyp seine Beute. Es verändert die Dinge nicht, sondern läßt als rein ideale Funktion die Realität derselben unangetastet; es schmiegt sich nur wie eine ideale Atmosphäre um die Dinge herum und macht die seienden zu gewußten, ihr unbewußtes Sein zu einem  mir  bewußten Sein. Mein Bewußtsein zieht die Dinge nur insofern zu sich herein, als es sich zu ihnen hinaus begibt und dieselben umspielt und umspült."

"Besonders nahe liegt die Analogie zwischen dem Sehen und dem Lichtstrom, weil beide die Dinge nur von einer Seite treffen und nur mittelbar durch Reflexe auch von anderen Seiten erreichen. Das Sehen gilt als eine Art Tasten in die Ferne, und der Gesichtssinn scheint unsichtbaren idealen Fühlhörnern zu gleichen, welche die Seele ausstreckt, um die Dinge aus der Ferne zu betasten."

"Der Tastsinn ist für den Menschen recht eigentlich der Sinn der Realität; denn das Handgreifliche glaubt er zu begreifen, und das Gefühl scheint die Undurchdringlichkeit und Stofflichkeit des gefühlten Dinges zu verbürgen. Daß ich beim Betasten eines Würfels, einer Kugel usw. die Dinge, wie sie  ansich  sind, zu fühlen glaube, erscheint zunächst selbstverständlich."


1. Der Standpunkt des naiven Realismus.

Das Erkennen muß vom Gegebenen ausgehen, von demjenigen, was das Bewußtsein als seinen Inhalt vorfindet. Alles was nicht dem Bewußtsein als sein Inhalt gegeben ist, kann nur indirekt mit Hilfe dieses Gegebenen erkannt werden. Das Gegebene, was das Bewusstsein als seinen Inhalt vorfindet, nennt man auch die Erfahrung. Alles Erkennen muß also von der Erfahrung ausgehen, und es gibt kein anderes als ein auf Erfahrung gestütztes Erkennen. Denn auch ein apriorisches, deduktives, konstruktives, dialektisches, rein aus sich selbst schöpfendes reines Denken, wenn es ein solches gäbe, würde doch nur insofern zum Erkennen etwas beitragen, als seine Ausgangspunkte im Bewußtseinsinhalt vorgefunden würden, also zur inneren Erfahrung gehörten.

Die erste Frage der Erkenntnistheorie muß also dahin gehen: was ist das vom Bewußtsein als sein Inhalt Vorgefundene, oder was ist die Erfahrung? Bei der Beantwortung dieser Frage ist selbst wiederum erfahrungsmäßig vorzugehen. Wir haben nicht zu fragen, welches der Bewußtseinsinhalt des zum Bewußtsein erwachenden Kindes oder des auf der untersten Stufe der Lebewesen stehenden Tieres ist; denn davon hat der philosophierende Mensch keine Erfahrung, und die Schlüsse, durch welche er diesen Bewußtseinsinhalt primitiver biogenetischer oder ontogenetischer Stufen zu rekonstruieren versucht, müssen doch immer wieder auf seiner persönlichen Erfahrung fußen. Wir haben also zunächst festzustellen, was der vom philosophierenden Menschen beim Beginn der philosophischen Reflexion vorgefundene Bewußtseinsinshalt sein soll.

Es ist dies nun zweifelsohne die Welt mit Einschluß seiner selbst, genauer bestimmt eine raumzeitliche Körperwelt, in welcher sein Leib einen Bestandteil bildet, in welcher eine Menge anderer Körper gleich dem seinigen belebt und beseelt sind, und in welcher alle Körper, die belebten wie die unbelebten, auf einander wirken. Über diesen Tatbestand sind wohl alle philosophischen Schulen einverstanden, und sie unterscheiden sich erst in der Deutung, welche sie demselben geben. Auch das wird allgemein zugestanden, daß die so erfahrene Welt Regelmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit in dem Wechsel ihrer Erscheinungen und in der Einwirkung ihrer Teile auf einander zeigt, und daß die Gesetzmäßigkeit der Veränderung durch eine gewisse Beständigkeit ihrer Bestandteile bedingt ist. Niemand zweifelt daran, daß der Tisch, an dem er sitzt, eine gesetzmäßige Fortdauer hat, während er die Augen schließt und bis er sie wieder öffnet; wäre der Tisch beim Wiederaufmachen der Augen verschwunden, so würde jedermann überzeugt sein, daß er durch eine Kraft entfernt sei und sich jetzt an einem andern Orte befinde, und daß er diese Bewegung gesehen haben würde, wenn er die Augen offen gehalten hätte. Ebenso zweifelt kein vernünftiger Mensch daran, daß seine Freunde fortexistiren auch in den Zeiträumen, wo er sie nicht sieht, hört oder fühlt. Alle diese Überzeugungen gehören mit zum vorgefundenen Bewußtseinsinhalt, nicht in dem Sinne, als ob dadurch ihre Wahrheit verbürgt würde, sondern in dem Sinne, daß sie tatsächlich im Weltbild keines erwachsenen Menschen fehlen, und daß sie selbst dann in seinem praktischen Verhalten ihren Fortbestand geltend machen, wenn es ihm gefallen sollte, sie philosophischen Prinzipien zuliebe theoretisch zu verleugnen. Sie gehören auch in dem anderen Sinn mit zum vorgefundenen Bewußtseinsinhalt, daß niemand sich erinnern kann, diese Überzeugung jemals nicht gehabt oder nicht betätigt zu haben, und daß niemand behaupten kann, sich bewußter Schlußfolgerungen zu erinnern, durch welche diese Überzeugung in ihm entstanden und befestigt ist. Sie ist eben da und ist ein unabtrennbarer Bestandteil des Weltbildes, das ohne sie gar keine Welt mehr darstellte, sondern eine zusammenhangslose Menge von Weltelementen.

Ohne Zweifel ist es möglich, daß diese Überzeugung irrtümlich ist; aber selbst in diesem Falle bliebe die Aufgabe bestehen, zu erklären, erstens wie diese irrtümliche Auffassung in allen Menschen übereinstimmend zustande kommen konnte, zweitens welches die Motive sind, aus denen trotz ihrer Irrtümlichkeit von allen Menschen praktisch an derselben festgehalten wird, und drittens warum die etwaige richtigere Auffassung nicht imstande ist, die falsche zu verdrängen und den praktischen Bedürfnissen Genüge zu leisten. Diejenigen Philosophen, welche sich so weit von der allgemeinen instinktiven Weltansicht entfernt haben, um die Richtigkeit dieser fraglichen Überzeugung zu bestreiten, haben doch bis jetzt keinerlei Versuch gemacht, diese Erklärungen zu liefern, oder den Widerspruch zwischen ihrer theoretischen Ansicht und ihrem eigenen praktischen Verhalten zu lösen, sondern haben sich damit begnügt, auf die richtige Deduktion ihrer Theorie zu pochen und gegen die aus derselben entstehenden praktischen Schwierigkeiten ihre Augen zu verschließen.

Der philosophisch unbefangene Mensch, der einen Tisch sieht und mit der Hand fühlt, versteht diese Tatsache durchaus nur so, daß er dasjenige Ding sieht und fühlt, welches fortbesteht, wenn er die Augen schließt und die Hand abzieht; er meint damit nicht, daß das Ding-ansich des Tisches das Wahrnehmungsbild des Dinges in ihm hervorruft und durch dieses in Vertretung gesehen wird, sondern so, daß das Ding-ansich des Tisches selbst von ihm gesehen wird und daß das Gesehenwerden des Dinges-ansich das Wahrnehmungsbild ist. Für ihn pausiert das Wahrnehmungsbild des Tisches, wenn das Gesehenwerden suspendirt wird, und setzt wieder ein, wenn das Gesehenwerden von Neuem beginnt. Das Wahrnehmungsbild ist das Ding-ansich als gesehenes, und erleidet Unterbrechungen, insofern das Sehen Unterbrechungen erleidet, während der, bald gesehene, bald nicht gesehene Tisch derselbe bleibt. Man kann also nicht einmal sagen, daß auf diesem naiven Standpunkt Ding ansich und Wahrnehmungsbild identifiziert werden, weil dazu eine Zweiheit beider zuvor anerkannt sein müßte; man kann nur sagen, daß Ding ansich und das Wahrnehmungsbild hier noch in der Ununterschiedenheit oder Indifferenz sind. Es kann deshalb hier auch noch gar nicht die Frage aufgeworfen werden, ob der Tisch, während er nicht gesehen wird, genau derselbe Tisch ist, als während er gesehen wird, oder ob der Tisch, abgesehen von dem Gesehenwerden, genau ebenso beschaffen ist wie der gesehene Tisch, weil zu diesen Fragen vor allem die Unterscheidung des Tisches, wie er  ansich  ist, und des Wahrnehmungsbildes vorhergehen müßte. Das Wahrnehmen durch die Sinne gilt hier noch als ein vom Ich auf die Dinge ausströmendes oder ausstrahlendes, welches die Dinge umspannt und umklammert, wie der Polyp seine Beute. Es verändert die Dinge nicht, sondern läßt als rein ideale Funktion die Realität derselben unangetastet; es schmiegt sich nur wie eine ideale Atmosphäre um die Dinge herum und macht die seienden zu gewußten, ihr unbewußtes Sein zu einem mir bewußten Sein. Mein Bewußtsein zieht die Dinge nur insofern zu sich herein, als es sich zu ihnen hinaus begibt und dieselben umspielt und umspült. Als sinnliches Bild kann dabei das Licht dienen, welches die Dinge umflutet und dabei gleichsam ideell verklärt; besonders nahe liegt die Analogie zwischen dem Sehen und dem Lichtstrom, weil beide die Dinge nur von einer Seite treffen und nur mittelbar durch Reflexe auch von andern Seiten erreichen. Das Sehen gilt als eine Art Tasten in die Ferne, und der Gesichtssinn scheint unsichtbaren idealen Fühlhörnern zu gleichen, welche die Seele ausstreckt, um die Dinge aus der Ferne zu betasten.

Diese Ansicht kann nicht erschüttert werden durch verschiedenartige Behinderungen der Wahrnehmung, welche Verschiedenheit der Wahrnehmungsbilder zur Folge haben. Wenn ein Tisch, der größer ist als die menschliche Hand, betastet wird, so kann immer nur ein Teil desselben auf einmal gefühlt werden; aber daran ist nicht der Tisch schuld, sondern die Kleinheit der Hand. In jedem Augenblick wird die Unvollständigkeit der Wahrnehmung unwillkürlich ergänzt, und die Überzeugung bleibt unerschüttert, daß es jederzeit der ganze Tisch ist, von dem ein Teil gefühlt wird. Ebenso wenn der Tisch dem Blick teilweise durch einen Schirm verdeckt ist, sodaß nur ein Teil desselben gesehen werden kann; die Überzeugung steht fest, daß es der ganze Tisch ist, und daß nur eine Behinderung der Wahrnehmungstätigkeit für einen Teil des Tisches das Gesehenwerden nicht zustande kommen läßt. Auch die Veränderung der perspektivischen Ansicht des Dinges beim Standpunktwechsel des Beschauers vermag die Überzeugung, daß es das Ding selbst sei, was gesehen werde, nicht zu untergraben, denn immer und von jedem Standpunkt rekonstruiert der Verstand mit Hllfe der zweiäugigen perspektivischen Ansicht die stereometrische Gestalt des Dinges und findet dieselbe in allen Fällen identisch. Selbst der Einäugige sucht stereometrisch zu sehen, d. h. die planimetrische Projektion des Dinges auch ohne Hilfe der stereoskopischen Verschiebung in eine dreidimensionale Gestalt zurückzukonstruiren und faßt das Ergebnis dieser Rekonstruktion, und nicht das planimetrische Gesichtsbild, als die eigentliche Wahrnehmung auf. Wie das sukzessive Abtasten des Dinges, so dient auch die sukzessive Durchwanderung aller seiner perspektivischen Ansichten dazu, die Wahrnehmung zu vervollständigen. Die Gesetzmäßigkeit des Wechsels, den die verschiedenen perspektivischen Ansichten des Tisches bei seiner Umwanderung zeigen, kann nur in dem Glauben bestärken, daß es das sich gleich bleibende Ding-ansich des Tisches ist, welches selbst das Objekt des Sehens bildet; denn das Bewegungsgefühl belehrt den Beobachter, daß er einen Weg um den Tisch wirklich zurücklegt, welcher ihn der Reihe nach durch die Standpunkte hindurchführt, denen die verschiedenen perspektivischen Ansichten entsprechen.

Noch mehr scheinbare Bestätigung findet der Glaube, daß man die Dinge selbst wahrnimmt, wenn es sich nicht um tote Dinge, sondern um lebende Individuen handelt. Der Beobachter sieht seinen Freund in demselben Zimmer. Er kann aufstehen, sich ihm nähern, um ihn herumgehen und sich wieder von ihm entfernen und wird dabei, ebenso wie am Tisch, die mathematisch abzuleitenden Gesetze der Perspektive empirisch bestätigt finden. Er kann aber auch sehen, daß der Freund zunächst am andern Ende des Zimmers mit Geräten hantiert und dann auf ihn zukommt und seinen Körper berührt, nachdem er mit Worten erklärt hat, dies tun zu wollen. Er sieht dann zunächst reale Kräfte von ihm ausgehen, während er noch fern von ihm steht, und fühlt zuletzt seine reale Berührung, nachdem er ihm nahe getreten ist. Wie sehr das Interesse bei der Wahrnehmungstätigkeit auf die Erkenntnis der Dinge ansich gerichtet ist, und wie wenig sich dasselbe um Vergleichung der Wahrnehmungsbilder als solchen bekümmert, ist am besten daraus zu entnehmen, daß von allen Menschen, die keinen Unterricht in der Perspektive genossen haben, nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz eine Ahnung davon hat, daß das Wahrnehmungsbild eines Menschen sich bei der Annäherung desselben von der entgegengesetzten Seite des Zimmers bis zur Handreichungsweite irgendwie vergrößert. Trotzdem schätzt jeder ganz richtig aus der Veränderung der Größe dieses Wahrnehmungsbildes die Veränderung des Abstandes des Menschen von ihm. Bei sehr entfernten Menschen merkt wohl jeder die Verkleinerung des Wahrnehmungsbildes, aber die meisten sind höchst erstaunt, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden, daß eine solche auch schon auf Entfernungen, wie sie innerhalb eines Zimmers vorkommen, sehr bedeutend ist.

Die Wahrnehmung kann nicht nur unvollständig und einseitig sein, sie kann auch undeutlich und verkümmert sein, ohne daß dadurch die Überzeugung von der Wahrnehmung der Dinge-ansich erschüttert wird. Ein scharfes Auge sieht deutlicher als ein schwaches oder stumpfes, und doch können die Besitzer beider überzeugt sein, das Ding ansich wahrzunehmen. Wie eine abnorme Sinnesschwäche die Wahrnehmung von Dingen mittlerer Größe auf mittlere Entfernungen undeutlich macht, so macht besondere Kleinheit der Dinge oder allzugroße Entfernung deren Wahrnehmung undeutlich und in Bezug auf die Details unvollständig. Wie die erste Behinderung der Wahrnehmungsfunktion durch Brillen, so wird die letztere durch Mikroskope und Ferngläser bekämpft, freilich ohne die Wahrnehmungsschärfe über ein gewisses Maß hinaus steigern zu können. Immer steht dabei die Überzeugung fest, daß die Unzulänglichkeit der Wahrnehmung in einer Beschränkteit oder Behinderung der Wahrnehmungstätigkeit beruht, daß aber das Wahrgenommene wirklich das Ding ansich ist; wenn es auch nicht in allen seinen kleinen Einzelheiten erkannt wird, so doch in seinen allgemeinen Umrissen, Hauptmerkmalen und wichtigsten Eigenschaften, was für die Praxis genügt.

Wie bei der Gesichtswahrnehmung viele einseitige perspektivische Wahrnehmungen kombinatorisch zu einer Kollektivwahrnehmung verschmolzen werden, und diese, die bloß noch Vorstellung und gar nicht mehr Wahrnehmung ist, nun erst als die eigentliche Wahrnehmung des Dinges gilt, so werden auch die Wahrnehmungen verschiedener Sinne verbunden, um zu einer immer vollständigeren Gesamtwahrnehmung des Dinges, wie es ansich ist, zu gelangen. Alle Zweifel, die bei der Gesichtswahrnehmung über die Wahrnehmbarkeit des Dinges ansich auftauchen könnten, werden schon im Entstehen niedergeschlagen durch die unerschütterte Überzeugung von der Wahrnehmung des Dinges ansich durch den Tastsinn, und durch die Übereinstimmung der gesehenen und getasteten Dingformen. Der Tastsinn ist für den Menschen recht eigentlich der Sinn der Realität; denn das Handgreifliche glaubt er zu begreifen, und das Gefühl scheint die Undurchdringlichkeit und Stofflichkeit des gefühlten Dinges zu verbürgen. Daß ich beim Betasten eines Würfels, einer Kugel usw. die Dinge, wie sie ansich sind, zu fühlen glaube, erscheint zunächst selbstverständlich; wie sollte ich zweifeln, daß der gesehene Würfel, die gesehene Kugel usw. ebenfalls die Dinge sind, wie sie ansich sind, da ja die Gestalt und Größe der gesehenen Dinge mit derjenigen der getasteten Dinge offenbar übereinstimmt? Wie sollte ich Bedenken tragen, auch dem gesehenen Dinge dieselbe Solidität, Festigkeit, Undurchdringlichkeit, kurz Stofflichkeit zuzuschreiben, die ich an dem getasteten Dinge fühle?

Wie für den Menschen der Tastsinn, so ist für Tiere mit ausgebildetem Geruch dieser letztere der Sinn der Realität, und für Kinder im ersten Lebensjahre scheint es der Geschmack zu sein, da sie jedes Ding, um es kennen zu lernen, in den Mund stecken. Der unerfahrene junge Hund reagiert auf sein Spiegelbild oder auf das lebensgroße Porträt einer ihm befreundeten Person, zumal wenn dasselbe zu ebener Erde steht; aber er reagiert nur so lange darauf, als er das Spiegelbild oder das Proträt mit der Wirklichkeit verwechselt, und hört auf, diese Gegenstände zu beachten, wenn er sich einmal überzeugt hat, daß sie nicht nach Hund oder Mensch riechen, d. h. daß sie nicht reell Hund oder Mensch sind. Aber auch beim erwachsenen Menschen fahren Geschmack und Geruch fort, den Tastsinn als den wichtigsten Realitätssinn zu unterstützen. Die Empfindungen, welche der Geschmack dem Menschen zuführt, hält dieser ohne Weiteres für reale Eigenschaften der Dinge-ansich, und zweifelt nicht daran, daß diese Eigenschaften des Süßen, Salzigen, Sauren, Bittern, Herben usw. den Dingen ansich des Zuckers, Salzes, Essigs, Wermuths, Gallapfels usw. auch dann anhaften, wenn er dieselben nicht gerade im Mund hat, sondern nur durch Gesicht oder Tastsinn wahrnimmt. Die Verbindung des Geschmacks mit den Tasteindrücken der Lippen, der Zunge, der Zähne und des Gaumens scheint übrigens eine neue Bürgschaft dafür zu gewähren, daß es wirklich die mit dem Menschen in unmittelbarer Berührung stehenden Dinge ansich sind, die sich in dieser kombinierten Wahrnehmung dem erkennenden Bewußtsein erschließen.

Weniger sicher scheint dies bei dem Geruch, da hier die unmittelbare Berührung zwischen Ding und Organ fehlt. Während der Geschmack eine Verflüssigung der oberflächlichen Stoffschicht des Dings durch den Speichel voraussetzt, verlangt der Geruch eine Verdunstung der oberflächlichen Stoffschicht des Dinges und eine Umspülung der Riechmuscheln durch die verdampften Teilchen. Der wissenschaftlich Ungebildete mag von der Notwendigkeit einer Verdampfung und von dem genaueren Sitz des Riechorgans nichts wissen; aber so gut er weiß, daß das Riechorgan in der Nase sitzt, so gut weiß er auch, daß unsichtbar kleine stoffliche Teilchen von den Dingen ausströmen und in die Nase gelangen müssen, um den Geruchssinn wahrnehmbar zu werden, ohne sich um den Aggregatzustand der ausgesandten Teilchen genauer zu bekümmern. Es genügt ihm, daß allen Teilchen eines innerlich gleichartigen Stoffes dieselben Eigenschaften in Bezug auf den Geruch zugeschrieben werden können, daß sein Geruchsorgan mit einigen dieser Teilchen in unmittelbare Berührung kommt, und daß er dadurch in die Lage versetzt ist, an diesen stofflichen Proben des Dinges diejenigen Eigenschaften unmittelbar wahrzunehmen, welche dem ganzen Ding ansich in allen seinen Teilen gleichmäßig anhaften.

Mit der Wahrnehmung der Oberfläche des Dinges muß sich auch der Tastsinn, ebenso wie das Gesicht und der Geschmack begnügen; wenn der Geschmack sich bemüht, durch Zerdrücken und Verflüssigung des Bissens demselben möglichst viel Oberfläche abzugewinnen, so erreicht er dadurch wohl eine bessere Vorbereitung der Nahrung für die Verdauung und eine Steigerung der Geschmackslust, aber nicht eine Verschärfung oder Vervollständigung der Geschmackswahrnehmung. Der Geruch kann sich mit der kleinsten Probe begnügen, weil seine Unterschiedsempfindlichkeit durch Steigerung der Eindrücke leicht abgestumpft wird, und seine Aufgabe nicht darin besteht, zur Bearbeitung der Nahrungsmittel anzuregen, sondern die vorläufige Unterscheidung der größeren oder geringeren Tauglichkeit der Stoffe zu Nahrungsmitteln zu liefern. Dieser Zweck wird aber durch die kleinsten Proben ebensogut und besser erfüllt als durch stärkere Konzentration der Riechstoffe. Der stinkende Käse wird als eine Konzentration der Eigenschaft des Gestankes vorgestellt, welche erfahrungsmäßig seinen durch die Luft wandernden Teilchen anhaftet; aber die Nase schaudert vor der Vorstellung, sich in diese Quelle des Gestankes selbst zu versenken, und ist froh, daß sie mit so verdünnten Proben von dieser Beschaffenheit des "Käses an sich" davonkommt.

Nach Analogie der Aussendung stofflicher Teilchen an den Geruchssinn wird auch die Ausströmung der Wärme beurteilt. Das Ding-ansich der Flamme oder des glühenden Metalls gilt als heiß, und das Verbrennen der Hand bei der Berührung gilt als hinlänglicher Beweis dieser Annahme. Die Haut fühlt die Zunahme der Wärmeausströmung bei der Annäherung an das heiße Ding und man erklärt sich dies aus der zunehmenden Verteilungsdichtigkeit der heißen Teilchen auf die Größe derselben Hautfläche. Das Kind, das diese Zunahme mit der Annäherung noch nicht genügend beachtet, muß erst einmal in die Flamme hineinfassen, um das Feuer scheuen zu lernen. Was beim Riechorgan wegen seiner rückwärts eingezogenen Lage nicht möglich ist, die Versenkung in die dingliche Quelle des ausströmenden Riechstoffes, das wird beim Wärmesinn der Haut wirklich vollzogen und die starke Konzentration des ausströmenden Wärmestoffs in der dinglichen Wärmequelle schmerzlich erfahren. In den ausströmenden Proben des Wärmestoffes nimmt man allerdings nicht mehr die ganze Beschaffenheit des dinglichen Stoffes wahr, wie beim Riechen und Schmecken, sondern nur eine bestimmte Gattung der im Dinge vereinigten Stoffe, aber eine Stoffart, welche das ganze Ding durchdringt, und welche von dem übrigen Stoff des Dings in unerschöpflicher Stetigkeit produziert zu werden scheint.

Ähnlich wird die Ausströmung des Lichtes aufgefaßt, d. h. das Licht gilt gleich der Wärme als eine besondere Art von Stoff, der von dem leuchtenden Dinge produziert und ausgesandt wird. Auch hier wächst die Verteilungsdichte der ausgesandten Lichtstoffteilchen mit der Annäherung an die Lichtquelle, und auch hier wird eine zu große Dichte des Lichtstoffs als schmerzhafte Blendung empfunden, welche eine vorübergehende oder dauernde Schädigung des Sehorgans nach sich ziehen kann. Da die lichtempfindlichen Teile des Auges an dessen hinterer Wand liegen, so ist hier ebensowenig wie beim Geruchsorgan eine eigentliche Berührung oder Versenkung des Sehorgans in die Lichtquelle selbst möglich, und die größte Annäherung an die Vorderwand des Auges muß für die unmögliche Erfahrung Ersatz gewähren. Die Lichtemission ist anscheinend auch von der Seite sichtbar, z. B. wenn die Sonne durch Regenwolken bricht ("Wasser zieht"), und diese Erfahrung bestärkt unwillkürlich in dem Glauben an die stoffliche Natur des Lichts. Unter Lichtausstrahlung wird aber zunächst nur die Strahlung eines selbstleuchtenden Körpers und allenfalls noch die Zurückwerfung hellleuchtender Lichtstrahlen durch blanke Spiegelflächen verstanden; dagegen entzieht es sich zunächst dem unwissenschaftlichen Bewußtsein, daß alles Sehen auf der Strahlung zerstreuter Lichtstrahlen beruht.

Wenn die philosophische Spekulation über die Analogien des Sehaktes mit dem Riechakt und dem Wärmegefühl nachdenkt, so pflegt sie einen Versuch mit der Hypothese zu machen, daß von den Dingen nicht nur beständig Oberflächenteile zur Nase und zum Hautwärmesinn ausströmen, sondern ebenso auch Bilder oder ideale Oberflächenablösungen zum Auge, welche der Seele in demselben Sinne Proben von den Gestalten der Dinge zuführen wie jene andern Ausströmungen Proben von den chemischen Eigenschaften und dem Wärmestoff der Dinge. Diese Hypotese hat übrigens nur in der Philosophie Einfluß gewonnen, nicht für die Weltanschauung des gesunden Menschenverstandes, für welche sie viel zu künstlich auf Schrauben gestellt ist. Die Gestalt als eine Eigenschaft zu behandeln, welche sich in unendlich vielen, selbstständig existierenden Bildern vom Dinge ablösen und durch den Raum fliegen kann, und welche dabei gar noch in dieser unstofflichen idealen Existenz etwas für den Gesichtssinn Wahrnehmbares sein soll, das heißt entschieden dem gesunden Menschenverstand zu viel zumuten. Der gesunde Menschenverstand verbleibt im Gegensatz zu solchen die Gestalt in das Organ hineinziehenden Hypothesen gegenüber einfach bei der Auffassung, daß sich im Gesichtssinn das Bewußtsein über die Grenzen des eigenen Körpers hinaus in die reale räumliche Welt erstreckt und ergießt und die Dinge-ansich gleichsam mit idealen Fühlhörnern aus der Ferne umspannt und betastet.

Was endlich den Schall betrifft, so genügt für den gesunden Menschenverstand die Beobachtung, daß der Schall auf jede Entfernung von der Schallquelle gehört wird, in deren Nähe aber am stärksten ist, um die Überzeugung festzustellen, daß der Schall als solcher sich durch die Luft fortbewegt, und wenn er stark ist, sogar die Luft erschüttert. Wie der heiße Körper Wärme, wie der leuchtende Körper Licht aussendet, so der tönende Körper Schall. Alle drei gelten als unmittelbare Eigenschaften des Dinges-ansich, welches ihre Quelle ist. Auch ein Ton kann intermittierend oder kontinuierlich erklingen, ebenso wie ein Licht intermittierend oder kontinuierlich leuchten kann; beim Schall ist nur das intermittierende Tönen in demselben Maß praktisch wichtiger, wie es beim Licht das kontinuierliche Leuchten ist. Der enge reflektorische Zusammenhang der tierischen und menschlichen Stimmlaute mit ihren Affekten, Gemütsbewegungen und Seelenstimmungen führt zu jener engen Assoziation des Schalls mit der Vorstellung der seelischen Innerlichkeit der Dinge überhaupt, welche noch in sehr modernen Lehrbüchern der Ästhetik als eine allgemeine objektive Eigenschaft des Schalls behauptet wird. Indem der Mensch die ganze Natur anthropopathisch [menschlich empfindend - wp] auffaßt, deutet er auch alle Naturlaute anthropopathisch und glaubt aus denselben ein Stück Seelenleben der Natur zu verstehen. Alles Tönende scheint ihm durch sein Tönen ein Stück seines verborgenen Innenlebens zu offenbaren, und so wird der Schall noch in einem gesteigerten Sinne zu einer Eigenschaft und einem charakteristischen Merkmal des Dinges ansich. Der Schrei eines Menschen oder Tieres gilt aber auch, abgesehen von dem Affekt, den er offenbart, als eine im Stimmorgan erzeugte Realität, welche sich gleich dem Licht mit abnehmender Stärke durch den Raum verbreitet; das Ohr, das diesen Schall wahrnimmt, nimmt dadurch eine reale Eigenschaft des schreienden Menschen wahr, die ihm mindestens während der Dauer seines Schreiens anhaftet. Die Wahrnehmung des Schalles lehrt damit wiederum das Ding ansich von einer neuen Seite kennen.

Alle einseitigen und unvollständigen Wahrnehmungen der Dinge ansich durch die verschiedenen Sinne ergänzen sich zu einer mehrsinnlichen Gesamtwahrnehmung, wie vorher die verschiedenen einseitigen und unvollständigen Wahrnehmungsakte je eines einzelnen Sinnes sich zur einsinnlichen Gesamtwahrnehmung verknüpften. Auch die mehrsinnliche Gesamtwahrnehmung bleibt ebenso unvollständig wie die einsinnliche, nicht nur weil das Kleinste in der Nähe und das Größte in der Ferne den Sinnen verschlossen bleibt, sondern auch weil die Dinge noch vielerlei andre Eigenschaften besitzen können, für die es uns an Organen fehlt, und von denen wir ebensowenig jemals etwas erfahren wie der Blinde von den Farben. Aber die Anerkennung dieser doppelten Unvollständigkeit und Unzulänglichkeit unserer Wahrnehmung vermag doch nicht die Überzeugung zu erschüttern, daß all dasjenige, was wir wahrnehmen, die wirklichen Dinge selbst und ihre Eigenschaften sind, d. h. die Dinge, wie sie  ansich,  auch abgesehen von unserer Wahrnehmung, sind, nur daß sie außerdem noch mehr sind und manche Einzelheiten, vielleicht auch manche Eigenschaften in sich schließen, für welche unser Wahrnehmungsvermögen nicht eingerichtet ist. Mag immerhin ein Fixstern, den unser stärkstes Fernrohr uns nur als leuchtenden Punkt zeigt, eine riesige Sonne mit zahllosen dunklen Planeten und Trabanten sein, das kann doch nicht verhindern, daß es wirklich der Stern selbst ist, das Ding-ansich des Sternes, was wir sehen, weil die große Entfernung das Verschwinden aller Einzelheiten für unsere Wahrnehmung zur Genüge erklärt.

Von der so wahrgenommenen Welt der Dinge-ansich besteht nun, wie oben bemerkt, die Überzeugung, daß alle Veränderungen in ihr regelmäßig und gesetzmäßig vorgehen, daß alle Dinge ansich aufeinander wirken und daß gleiche Ursachen stets gleiche Wirkungen zur Folge haben. Die Gesetzmäßigkeit kann nur gewahrt sein, wenn den veränderlichen Zuständen und Beziehungen der Dinge unveränderliche Daseinskerne (Substanzen) zugrunde liegen, und die Wandlung der Eigenschaften als eine bloße Veränderung der Beziehungen der Dinge und ihrer Teile untereinander zu verstehen ist. Die Kategorien Ursache und Wirkung, Substanz und Akzidens sind dem durch die Erfahrung gebotenen Weltbild durchaus wesentlich, und sie sind in dem Sinne Bestandteile desselben, daß sie sich ausschließlich auf die wahrgenommenen Dinge ansich beziehen. Insofern auch der eigene Körper als Ding ansich aufgefaßt wird, gelten diese Kategorien der Kausalität und Substantialität natürlich auch von ihm; insofern das Ich oder die Seele oder der Geist, die in diesem Körper wohnen, von demselben noch unterschieden und als Ding ansich aufgefaßt wird, das mit ihm in Wechselwirkung steht, gelten sie auch für dieses. Durch die unbedingte Beharrung der Substanzen und durch die bedingte Beharrung ihrer Akzidentien, welche sich wenigstens nicht ohne zureichende Ursache ändern, ist die Stetigkeit der Welt und des Weltlaufs gewährleistet und ihre Unabhängigkeit von der Unstetigkeit des Wahrnehmungsablaufs sicher gestellt. Diese Stetigkeit der Welt und des Weltlaufs ist ebenso wie die Gesetzmäßigkeit des letzteren eine unentbehrliche Bedingung für meine praktische Beteiligung an demselben.

Der natürliche Mensch zweifelt nicht daran, daß er die Kausalität zwischen den Veränderungen zweier wahrgenommener Dinge, z. B. zwischen dem Würgen und Schlingen der Schlange und dem Erwürgtwerden, Sterben und Verschlungenwerden ihrer Beute, wirklich wahrnimmt. Sind es die Dinge selbst, die in der Wahrnehmung zum Objekt des Wahrnehmens werden, so ist es auch ihr Tun und Leiden selbst, welches in die Wahrnehmung mit eingeht; d. h. die kausalen Beziehungen zwischen den Dingen, oder ihre Wechselwirkung, wird ebensogut wahrgenommen wie die Dinge selbst, vorausgesetzt, daß nicht gerade diese Wechselwirkung im besonderen Talle unter die unwahrnehmbaren Einzelheiten der wahrgenommenen Dinge fällt (z. B. das Wachsen des Grases). Das Tun und Leiden wird unmittelbar am eigenen Leibe in seiner kausalen Wechselwirkung mit andern Leibern erfahren, und die wahrgenommenen Vorgänge zwischen zwei andern Individuen werden unwillkürlich nach diesen voraufgegangenen Erfahrungen gedeutet, z. B. die wahrgenommene Prügelei zwischen  A  und  B  erscheint als ebenso unmittelbare Erfahrung der Wechselwirkung zwischen beiden, wie die voraufgegangenen Prügeleien zwischen mir und einem Dritten.

Alle Wechselwirkung zwischen Individuen niederer Lebensstufen wird nach Analogie derjenigen zwischen Individuen der eignen Art gedeutet, und alle Kausalität zwischen sogenannten todten Dingen wird nach Analogie derjenigen zwischen lebenden Individuen aufgefaßt. Die berechtigte Verlebendigung der unorganischen Natur in dynamischer Hinsicht wird unbedenklich um den Preis einer unberechtigten Individualisirung und Personifikation der todten Dinge erkauft und festgehalten. Zweifel an der unmittelbaren Wahrnehmung der Kausalität erwachen frühestens dann, wenn die Individualisirung und Personifikation der todten Dinge verloren gegangen ist und mit ihr auch ohne Grund ihre Verlebendigung wieder beseitigt ist; aber auch dann noch pflegt der Glaube an die Wahrnehmung der Kausalität unerschüttert zu bleiben, so lange nicht der Kraftbegriff in Frage gestellt wird. Der gesunde Menschenverstand, der sich von einer ihre Grenzen überschreitenden Naturwissenschaft den Kraftbegriff nicht rauben läßt, hält auch an dem Glauben fest, daß selbst in der organischen Natur die Kausalität der Dinge aufeinander Gegenstand der Wahnehmung sei.

Der Philosoph, dem seine Frau die Suppe auftischt, zweifelt nicht daran, daß es das Ding ansich seiner Frau ist, welches ihm das Ding-ansich der Suppe auftischt, und dadurch das Ding ansich seines Magens sättigt. Der Philosoph, der einen ihn stechenden Floh fängt und knickt, zweifelt nicht daran, daß es das Ding ansich des Flohs ist, welches in das Ding ansich seines Beines gestochen hat, und von dem Ding ansich seiner Hand gefangen und zerdrückt wurde. Beide sind überzeugt, daß es kausale Beziehungen zwischen Dingen ansich sind, welche von ihnen wahrgenommen werden; wenigstens handeln beide so, als ob sie diesen Glauben hätten, auch wenn sie auf dem Katheder, oder in ihren Schriften diesen Glauben verleugnen.

Hier liegt nun der Gedanke nahe, daß auch die Wahrnehmung als eine kausale Einwirkung des Dinges ansich auf den Wahrnehmenden aufgefaßt werden muß. Indessen diese Ansicht liegt nicht im unmittelbar gegebenen Weltbild, und wo sie sich geltend macht, gestaltet sie dasselbe vollständig um. Der Umschwung braucht nicht plötzlich einzutreten, sondern kann sich sehr allmählich vorbereiten, indem die instinktive Überzeugung von der unmittelbaren Wahrnehmung der Dinge ansich selbst mit dem Beharrungsvermögen einer eingewurzelten Gewohnheit fortbesteht, trotzdem daß die theoretische Überzeugung von der Wahrnehmung bloßer Wirkungen der Dinge ansich mehr und mehr Terrain erobert. Der Widerspruch zwischen beiden Ansichten wird eben noch nicht bemerkt, oder wird auch wohl unwillkürlich der alten Gewohnheit zu Liebe verschleiert, wo er anfängt, sich hervorzudrängen.

Der natürliche Mensch erkennt eine auf ihn gerichtete Kausalität nur da an, wo er sich einer ihm aufgedrungenen Veränderung seines körperlichen Zustandes bewußt wird, also z. B. bei einem Stoß oder Schlag, der ihn umwirft oder erschüttert, oder den getroffenen Körperteil schwellen und mit Blut unterlaufen macht, bei einem scharfen Hieb oder Stich, der in die Weichteile seines Körpers eindringt und deren Zusammenhang teilweise aufhebt, bei einem Riß, der eine fühlbare und sichtbare Hautabschürfung hervorbringt, bei einer Verbrennung, welche die Haut rötet, in eine Blase umwandelt oder verkohlt, bei einem Dröhnen, das sein Trommelfell zerreißt und das Ohr zum Bluten bringt. In allen diesen Fällen geht eine Wahrnehmung der Wirkung des Dings auf meinen Körper mit der Wahrnehmuug des wirkenden Dinges Hand in Hand; ich glaube also Ursache und Wirkung zugleich oder unmittelbar nach einander wahrzunehmen. Die Erfahrung belehrt darüber, daß die meisten solcher Einwirkungen auf den Körper mit Schmerz verbunden sind; so wird der Schmerz gleichsam zur Wahrnehmung der Wirkung gestempelt, während die gleichzeitigen Tast- und Gesichtswahrnehmungen nach wie vor unmittelbar auf das Ding ansich als die Ursache der schmerzerzeugenden Wirkung bezogen werden.

Der Schmerz, der in Verbindung mit der Tast- oder Gesichtswahrnehmung einer entsprechenden Ursache, z. B. eines schlagenden Stockes, eines beißenden Tieres usw., auftritt, gilt für sich allein schon als zuverlässiges Merkmal einer stattgehabten Wirkung, auch dann, wenn die Veränderung meines Körpers weder gleichzeitig noch nachträglich durch anderweitige Sinneswahrnehmung konstatiert werden kann. Der Schmerz begründet alsdann die Vermutung, daß das wahrgenommene Ding tatsächlich Ursache einer Wirkung auf meinen Körper geworden ist, wenn dieselbe auch zu schwach war, um dauernd wahrnehmbare Spuren zu hinterlassen, und zu vorübergehend, um rechtzeitig die Sinne auf die durch sie hervorgerufene Veränderung am Körper richten zu können. In selteneren Fällen kann es auch die Lust, insbesondere der Übergang von Unlust in Lust sein, welche die stattgehabte Einwirkung einer fremden Ursache bezeugt, z. B. wenn jemand an einer juckenden Hautstelle gekratzt wird, oder aus einer schmerzhaft gewordenen körperlichen Zwangslage befreit wird, oder wenn eine quälende Begierde (wie der Durst) mit fremder Hilfe zu der sonst unerreichbaren Befriedigung geführt wird.

Wo sowohl Schmerz als auch Lust fehlt, da muß eine auf den eigenen Körper gerichtete Wahrnehmung eintreten, um eine Veränderung an demselben zu konstatiren, welche als Wirkung eines Dings aufgefaßt werden muß. So z. B. kann ein Mensch meinen Arm aufheben und in verschiedene Stellungen bringen; diese Veränderungen in meiner Körperhaltung brauchen mir keinerlei Schmerz zu verursachen, und doch werde ich sie als Einwirkung des vor mir stehenden, meinen Arm berührenden Menschen auffassen, weil ich sehe und fühle, daß es seine Kraft ist, welche ohne und gegen meinen Willen die Haltung meines Armes verändert. Nur bei wenigen schmerzlosen Sinneswahrnehmungen ist der Mensch imstande, begleitende Körperveränderungen zu beobachten; bei keiner kann er ohne genauere wissenschaftliche Forschungen nachweisen, daß die Wahrnehmung selbst durch körperliche Veränderungen in den Sinneswerkzeugen bedingt ist. Begleitende Körperveränderungen bei der Wahrnehmung sind z. B. die Einstellung und Akkommodation der Augen, das Schnüffeln der Nase, das Schnalzen der Zunge; aber dieselben gehen zum Teil schon in reflektorische oder willkürliche Reaktionen auf die begonnene Wahrnehmung über. Die Veränderungen, welche beim Sehen in der Netzhaut, beim Hören in dem 'CORTIschen Organ, beim Schmecken in den Schmeckbechern, beim Wärmesinn und Tastsinn in den Nervenenden der Epdermis [Hautoberfläche - wp] vorgehen, sind auch heute noch mehr oder weniger unbekannt oder hypothetisch und liegen dem Bewußtsein des Laien so fern wie möglich. Es ist daher kein Wunder, daß sich das Wahrnehmen um dieselben nicht bekümmert, und daß der natürliche Mensch es beim Wahrnehmen nicht mit den Wirkungen der Dinge, sondern mit den Dingen selbst, als den Ursachen der die Wahrnehmung etwa begleitenden Wirkungen, zu tun zu haben glaubt.

Eine gewisse Verschiedenheit besteht dabei zwischen den räumlichen Sinneswahrnehmungen (Gesicht und Tastsinn) einerseits und den nichträumlichen Sinneswahrnehmungen andererseits (z. B. Geruch, Gehör). Bei den ersteren meint das Bewußtsein, die Dinge ansich in ihrer einheitlichen Totalität zu umspannen und zu ergreifen, bei den letzteren dagegen nur kleinste Teilchen der Dinge, welche von diesen als Proben ihrer durchgängigen Beschaffenheit zu den Sinnen ausgesandt sind. Bei den ersteren scheinen die Dinge ganz passiv zu sein und alle Aktivität schent auf Seiten der Wahrnehmung zu liegen; bei den letzteren sind die Dinge insoweit aktiv, als sie ihre Proben aussenden und dadurch erst den Sinnen Gelegenheit zur Wahrnehmung ihrer Beschaffenheit geben. Dem Besehen und Betasten hält das Ding einfach still; höchstens gilt die Undurchdringlichkeit der undurchsichtigen Dinge für den Blick und die Undurchdringlichkeit der festen Körper für die tastende Hand als ein passiver Widerstand gegen den aktiven Durchdringungsversuch des Wahrnehmenden. Die Emission der Riechstoffe, des Wärmestoffs, des Lichtstoffs und des Schalles wird dagegen als eine Tätigkeit der Dinge aufgefaßt, die notwendig unter der Kategorie der Kausalität begriffen wird; daß die wahrnehmbaren Proben der Dinge in das Wahrnehmungsbereich der Dinge geraten, ist eine Wirkung des Dings und seiner Emissionstätigkeit. Aber auch hier gilt das Ding samt seiner Tätigkeit noch keineswegs als Ursache der Wahrnehmung selbst, sondern nur als Ursache der Ortsveränderung der wahrnehmbaren Stoffteilchen, durch welche erst der Eintritt der Wahrnehmung ermöglicht wird. Bei der Wahrnehmung selbst ist auch in diesem Falle die Summe der wahrgenommenen Stoffteilchen, welche das Organ berühren, völlig passiv, und allein der Wahrnehmende aktiv. Das Blumenbeet, welches seinen Duft zu meiner Nase aussendet, tut nichts anderes als die Hand, welche den Bissen in den Mund schiebt; beide Arten der Ortsveränderung gehören noch nicht zur Geruchs- oder Geschmackswahrnehmung selbst, sondern zu den Vorbereitungen, durch welche die Bedingungen ihrer Möglichkeit herbeigeführt werden. Wie wir es vorher mit einer Kausalität der Dinge zu tun hatten, welche die Sinneswahrnehmung begleitet und neben derselben herläuft, so jetzt mit einer Kausalität, welche dem Eintritt der Wahrnehmung vorhergeht.

Der Wahrnehmungsakt selbst in seiner Beziehung auf diejenigen Seiten, Teile oder Eigenschaften des Dinges, welche durch ihn zum Bewußtsein gebracht werden, gilt demnach dem naiven Realisten als eine Tätigkeit bloß des Wahrnehmenden, bei welcher das Wahrgenommene kausalitätslos still hält. Wie neben dem Dinge auch seine Kausalität auf den Körper des Wahrnehmenden zum Objekt der Wahrnehmung werden kann, so kann neben dem Ding auch seine Kausalität auf andere Dinge oder auf die Körper dritter Personen zum Gegenstande der Wahrnehmung werden, wenn z. B. das Ding in Bewegung ist und auf ein anderes stößt. Aber in diesem Falle einer Kausalität des Dings auf andere Dinge kann noch weniger wie im Fall einer Kausalität des Dings auf den Körper des Wahrnehmenden davon die Rede sein, daß die Kausalität des Dings anstatt des Dings und das Ding nur durch seine Kausalität wahrgenommen wird. Das bewegte stoßende Ding verhält sich in Bezug auf die es erfassende Gesichtswahrnehmung ganz ebenso passiv wie das ruhende Ding; seine Aktivität richtet sich auf das ebenfalls wahrgenommene Ding, das gestoßen wird, aber nicht auf die Wahrnehmung, welche sich bei diesem Vorgang als unbeteiligter Zuschauer verhält. Ins Gedränge gerät diese Überzeugung frühestens da, wo die Hypothese von der Emission der Objektbilder nach dem Gesichtsorgan auftritt; alsdann muß das durch den Tastsinn und Geschmack wahrgenommene Ding ansich im selben Sinn als Ursache der ausgesandten Bilder seiner selbst gelten, wie nach der gewöhnlichen Annahme das durch den Gesichtssinn wahrgenommene Ding ansich als Ursache der ausgesandten Düfte und Wärmestoffteilchen gilt. Immer aber wird daran festgehalten, daß es nicht Wirkungen der Dinge auf die Sinnesorgane, sondern die Dinge selbst (sei es im Ganzen, sei es durch ausgesandte Stoffproben oder Gestaltproben) sind, was wahrgenommen wird.

Hiermit wäre etwa der Standpunkt beschrieben, auf welchem jedes unphilosophische Bewußtsein sich bewegt, und welchen jeder Philosoph als den ihm gegebenen Erfahrungskreis und Inhalt des eignen Bewußtseins vorfindet, wenn er anfängt, über das Verhältnis des Erkennens zu den Dingen nachzudenken. Die Hauptsätze dieses naiven Realismus lassen sich dahin formuliren:
    1) Was wahrgenommen wird, sind die Dinge selbst, also nicht etwa bloß ihre Wirkungen und noch weniger bloße Erzeugnisse der Einbildungskraft.

    2) Was an den Dingen wahrgenommen wird, ist wirklich so an den Dingen, wie es wahrgenommen wird, was nicht ausschließt, das noch manches an den Dingen ist, was nicht wahrgenommen wird.

    3) Was aufeinanderwirkt, sind die Dinge selbst, und diese Kausalität der Dinge ist selbst auch Gegenstand der Wahrnehmung.

    4) Die Dinge sind so, wie sie wahrgenommen werden, auch dann, wenn sie eben nicht wahrgenommen werden, es sei denn, daß inzwischen durch eine zureichende Ursache eine Veränderung mit ihnen vorgeht; die Wahrnehmung zeigt uns demnach die Dinge, wie sie, auch abgesehen von aller Wahrnehmung, oder ansich, sind, d. h. die wahrgenommenen Dinge sind die Dinge-ansich.

    5) Indem von allen Wahrnehmenden die Dinge ansich wahrgenommen werden, sind die Objekte der Wahrnehmungen für alle Wahrnehmenden ein und dieselben; diese eine und einzige Welt der Dinge ansich bildet demnach als gemeinsames Wahrnehmungsobjekt auch das Bindeglied, die kausale Vermittelung und das Hilfsmittel der Verständigung für die Gedanken und Bestrebungen der verschiedenen Bewußtseinssubjekte.
Es ist nicht schwer zu bemerken, daß diese naiv-realistische Weltansicht mit Widersprüchen behaftet ist und deshalb einer Berichtigung bedarf. Es ist aber nicht ebenso leicht, sich bei der philosophischen Bearbeitung des vorgefundenen Erfahrungskomplexes vom Beharrungsvermögen der gewohnten Anschauungen und von der Macht der instinktiven Vorurteile frei zu machen. Während man mit diesen Mächten auf einem oder einigen Punkten kritisch ringt, übersieht man gar zu leicht, daß man mit Voraussetzungen argumentiert hat, welche aus eben diesem Anschauungskreis entlehnt sind und deshalb nicht mehr Berechtigung haben als die bekämpften. Es ist deshalb nichts gewöhnlicher als der partielle Rückfall der kritischen Philosophen in den naiven Realismus, und am auffälligsten wird dieser Rückfall da, wo die praktische Unbrauchbarkeit einer als Ersatz dargebotenen Weltansicht dadurch verschleiert wird, daß die prinzipiell aufgehobenen Voraussetzungen des naiven Realismus praktisch als noch zu Recht bestehend behandelt werden.

Die Weltanschauung der Tiere und Menschen hat keineswegs den Zweck, theoretische Erkenntnis zu liefern, sondern allein und ausschließlich die Aufgabe, eine praktische Orientierung in der Welt und eine praktische Beteiligung an ihren Aufgaben zu ermöglichen. Wie der naive Realismus ganz aus der praktischen Anpassung des Denkens und Vorstellens an die Aufgaben und zwingenden Forderungen des Lebens hervorgegangen ist, so trägt er auch nur diesen Rücksicht, aber nicht den philosophischen Ansprüchen einer theoretischen Widerspruchslosigkeit. Nur solche Widersprüche könnten sich bemerklich machen, welche in Bezug auf das praktische Leben zu absurden Konsequenzen führten; gerade solche aber sind nicht in ihm vorhanden und können nicht in ihm vorhanden sein, wenn er aus dem Akkommodationsprozeß des Denkens an die Forderungen des Lebens entstanden ist, weil solche Widersprüche in diesem Anpassungsprozeß schon bei ihrem etwaigen ersten Auftreten sich von selbst hätten wieder ausscheiden müssen. Dagegen sind theoretische Widersprüche im naiven Realismus für seinen Zweck gleichgültig, soweit sie praktisch keine Störung herbeiführen; ja sie können vor dem Erwachen der erkenntnistheoretischen Reflexion so gar nicht bemerkt werden, weil jeder Anlaß zur Hinwendung der Aufmerksamkeit fehlt. Es ist somit kein Wunder, daß diese Weltansicht, welche sich seit Jahrtausenden durch alle Geschlechter bewährt hat, und in jedem Menschen während seiner Kindheit und Jugend sich neu bewährt, so fest eingewurzelt ist, daß die ganze Energie des philosophischen Denkens erforderlich ist, um sich selbst nach ihrer theoretischen Überwindung gegen teilweise Rückfälle in dieselbe zu wehren.

Es kommt noch hinzu, daß dieselbe vor jeder andern, auch vor den theoretisch besser begründeten Ansichten den Vorzug überlegener Einfachheit besitzt und sich deshalb für den praktischen Gebrauch als Mittel zur Vereinfachung und Abkürzung des Denkens oder als konventionelle Abbreviatur selbst da noch empfiehlt, wo sie theoretisch durch eine vollkommenere ersetzt ist. Es ist das ähnlich, wie wenn wir der Einfachheit halber fortfahren zu sagen: "die Sonne geht auf", obwohl wir wissen, daß die Sonne stillsteht und die Erde sich dreht. Eine solche praktische Verwendung des theoretisch überwundenen naiven Realismus als Denkabbreviatur hat auch gar keine Bedenken gegen sich, sobald sie nur  mit vollem Bewußtsein  geübt wird; denn dann steht dem Denken jederzeit die Kontrolle der abgekürzten Gedankenformulirung zu Gebote und die Rückübersetzung derselben in eine umständlichere, aber wahrheitsgemäße Fassung. Dagegen muß diese praktische Verwendung der fraglichen Denkabbreviatur theoretisch die heilloseste Verwirrung anrichten, wenn sie ohne das völlig klare Bewußtsein ihrer Unwahrheit und surrogativen Bedeutung vollzogen wird, weil dann die Geistesfreiheit gegen das eigne Denken fehlt, und die Täuschung entstehen muß, als bewegte man sich noch auf dem Boden einer kritisch geprüften und bewährten Weltansicht, während das Gegenteil der Fall ist.

Da tatsächlich alle Philosophen bei ihren praktischen Denkoperationen der Einfachheit und Bequemlichkeit halber sich der ihnen von jung auf gewohnten naiv-realistischen Weltansicht als Denkabbreviatur bedienen, da aber die wenigsten sich dieser Tatsache bewußt sind, so kann man sich ungefähr denken, mit welchen Schwierigkeiten die wissenschaftliche Erkenntnistheorie bisher zu kämpfen gehabt hat. Die wahrhaft babylonische Sprachverwirrung, welche auf diesem Gebiete herrscht, und die anscheinend unüberwindliche Schwierigkeit der Verständigung der Streitenden über erkenntnistheoretische Prinzipien wird mit einem Schlag erklärlich, wenn man den unvermeidlichen Einfluß der angeführten Tatsache in Erwägung zieht, und es ist dann nur zu verwundern, daß die Konfusion nicht noch größer ist. Deshalb ist es auch unentbehrlich, die Grundlegung der Erkenntnisteorie mit der Darstellung der gewöhnlichen Ansicht zu beginnen, um an jedem Punkte der weiteren Untersuchung das deutliche Bild derselben zum Vergleich gegenwärtig zu haben. Andrerseits wird durch die Einsicht in den letzten Grund der bisherigen Verwirrung und Verständigungsschwierigkeiten die begründete Hoffnung erweckt, daß es nunmehr besser gelingen werde, eine Verständigung anzubahnen.
LITERATUR - Eduard von Hartmann, Das Grundproblem der Erkenntnistheorie, Leipzig 1914