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DAVID BRAUNSCHWEIGER
Die Lehre von der Aufmerksamkeit
[in der Psychologie des 18. Jahrhunderts]

"In englischen Werken finden wir zwar als sehr lobenswert erwähnt, daß die  deutschen  Philosophen Vieles und Bedeutendes in der Lehre von der Aufmerksamkeit geleistet haben, während bei den Engländern selbst, wie bei  Hume  oder  Hartley,  die Aufmerksamkeit kaum erwähnt wird. Aber wir müssen doch dieses Lob in diesem Umfang zurückweisen und einschränken, wenn wir einerseits sehen, in welch ausführlicher und präziser Weise auch Engländer wie  Reid  und  Stewart  außerordentlich gute Beiträge für die Lehre von der Aufmerksamkeit geliefert haben, während andererseits  unsere  bedeutendsten Philosophen des 18. Jahrhunderts, wie  Tetens  und  Kant  sich kaum einmal ausführlich über dieselbe verlauten ließen." 


Vorwort

In den letzten Jahrzehnten beschäftigt sich die psychologische Forschung besonders eingehend mit einer Erscheinung des Seelenlebens (1), mit der Aufmerksamkeit. Aber  quot homines, tot sententiae  [Soviele Menschen, so viele Ansichten. - wp] Mit der Zahl der erscheinenden Abhandlungen über die Aufmerksamkeit wächst die Zahl der divergierenden Ansichten über dieselbe, und mit GROOS (Spiele der Tiere, Jena 1896, Seite 210) können wir sagen: "Auf die Frage: Was ist Aufmerksamkeit? gibt es nicht nur keine allgemein anerkannte Antwort, sondern die verschiedenen Lösungsversuche gehen sogar in der bedenklichsten Weise auseinander: "Du konntest Deine Weisen fragen", heißt es in SCHILLERs Resignation, und hier liegt in der Tat, wenn man die Weisen gefragt hat, die Resignation nahe." Doch gerade der immer und immer wiederholte Versuch einer Lösung dieses Problems liefert uns einen deutliche Beweis dafür, welch hohen Wert man in der modernen Psychologie der Lehre von der Aufmerksamkeit beilegt. Ist diese Hochschätzung aber erst jetzt zutage getreten, oder liegt sie schon weit zurück?

HARRY KOHN stellt die kühne Behauptung auf, daß die Frage nach dem Wesen der Aufmerksamkeit als eine schwerwiegende erst seit diesem Jahrhundert hervorgetreten ist, daß erst HERBART ihre Bedeutung zu größerer Würdigung habe gelangen lassen, und mag damit allerdings insofern Recht haben, als HERBART (2) wirklich die Frage nach Ursache, Natur, Verbesserung und Verhinderung der Aufmerksamkeit als in hohem Grad wichtig für die Psychologie gehalten. Aber die in unserer Arbeit zutage tretende Tatsache, daß fast keine Ansicht, kein Gedanke, der nur irgendwie zur Lösung dieses wichtigen Problems beitragen kann, nicht wenigstens schon  in nuce  [im Kern - wp] in der von uns behandelten Periode vorhanden war, diese Tatsache mag erkennen lassen, daß schon im vorigen Jahrhundert die hohe Bedeutung der Aufmerksamkeit erkannt wurde, in dem man sich allseitig eifrig mit diesem Problem beschäftigte. Wir wollen aber auf einige Stellen in philosophischen Werken der angeführten Zeit hinweisen, die die Behauptung KOHNs am besten widerlegen mögen. BONNET (3) würdigt die Aufmerksamkeit als diejenige Fähigkeit der Seele, die am meisten verdiente, behandelt zu werden, und als das nützlichste Buch (4), das jemals der menschliche Verstand hervorbringen kann, das aber leider noch fehlt, bezeichnet er eine "Geschichte der Aufmerksamkeit". NAVILLE (5) nennt die Aufmerksamkeit "eximia illa facultas" [herausragende Fähigkeiten - wp] und andere Philosophen sehen in ihr ein "Hauptvermögen der Erkenntniskraft der Seele" (6), nehmen sie als "an der Spitze der Vermögen stehend" an, "aus welchen der Verstand besteht" (7), "die Klarheit über die Natur, Wesen und Wirkung kann in vielen jetzt noch zweifelhaften Fragen über die Natur des Menschen ein großes und unerwartetes Licht geben", (8) meint ein anderer Philosoph.

Haben wir hiermit auf die in der modernen und früheren Psychologie  allgemein anerkannte Bedeutung der Aufmerksamkeit  hingewiesen, so dürfte wohl unser Versuch, eine Geschichte der Anschauungen über die Aufmerksamkeit im 18. Jahrhundert zu bieten, umso willkommener geheißen werden, als dem  Mangel einer Geschichte der Aufmerksamkeitslehren  durch die bisherigen historischen Mitteilungen (9) über diesen Gegenstand noch nicht in genügender Weise (10) abgeholfen ist. Aber auch deshalb dürfte unsere Arbeit von Interesse sein, da gerade in jetziger Zeit die durch KANT und HERBART hervorgerufene Abneigung gegen die Psychologie des 18. Jahrhunderts zu schwinden, und man sich wieder der Beschäftigung mit derselben zuzuwenden beginnt.

Dabei sind aber keineswegs die  Schwierigkeiten  zu verkennen, die sich unserem Unternehmen entgegenstellen. Schon bei der Geschichte der Theorien eines jeden philosophischen Begriffs steigern sich im Verhältnis zur Biographie und Charakteristik eines philosophischen Denkers oder Beschreibung seines Systems die Schwierigkeiten (11) in der Behandlung mit dem Grad der Wichtigkeit und es Interesses, das eine solche bietet; dies ist aber noch mehr der Fall bei einer Geschichte der Aufmerksamkeitslehre.

Die Darstellung der historischen Entwicklung eines Begriffs aus der Psychologie des 18. Jahrhunderts, und namentlich der Aufmerksamkeit, wird erschwert durch den innigen  Zusammenhang,  der  zwischen den einzelnen psychischen Erscheinungen  besteht (12), der trotz der im 18. Jahrhundert so beliebten Vermögenseinteilung (auf die wir noch zurückzukommen haben) schon damals vielfach (13) anerkannt wurde. Mag auch oft genug der Versuch gemacht worden sein, die Aufmerksamkeit oder eine andere Seelentätigkeit als ein für sich bestehendes Vermögen zu kennzeichnen und zu behandeln (14), so ist doch  de facto  bei der Darlegung und Ausführung meistens der Zusammenhang der Aufmerksamkeit mit den anderen seelischen Vorgängen zu offenkundig, als daß wirklich auf eine, wenn auch noch so kurze Kenntnisnahme und Benützung der anderen Probleme der Psychologie unserer Periode könnte verzichtet werden. So mußte bei unserer Arbeit stets das ganze System des betreffenden Philosophen oder Psychologen in Betracht gezogen werden.

Eine weitere sich uns entgegenstellende Schwierigkeit ist die  Flüssigkeit der Termini  (15) in der Philosophie und der Psychologie im besonderen. EUCKEN (16) sagt:
    "Besonders schwierig ist die Feststellung der Termini, und es erwachsen eigentliche Mißverständnisse, wenn die Wandlung nach außen weniger deutlich heraustritt; dies ist namentlich bei Terminis der eigentlichen philosophischen Arbeit der Fall."
Ist nun auch diese Wandlung der Terminologie gerade bei der Aufmerksamkeit (17) weniger bemerkbar, so doch häufig genug bei den mit ihr zusammenhängenden und zu behandelnden Seelentätigkeiten. Die Tatsache ferner, daß LEIBNIZ (18) und MENDELSSOHN (19) schon über die Schwankungen der Terminologie klagen und Männer wie HELVETIUS (20) und STREITHORST nach einem philosophischen Wörterbuch verlangen, beweist, daß der Mangel einer durchgehend einheitlichen Terminologie nicht ein erst in unserer Zeit empfundenes Übel ist. Er muß daher schon bei der Behandlung aller früheren philosophischen Termini und Lehren berücksichtigt werden. Besonders aber in unserer Periode, wo durch WOLFF (21) und andere deutsche Philosophen erstmalig in umfassender (22) Weise ein philosophisches System in  deutscher  Sprache aufgestellt wurde, mußte bei Nebeneinanderlaufen der deutschen und lateinischen Termini Unklarheit sowohl in der Übersetzung als in der Anwendung zum Vorschein kommen. Es wurde ja zwar die vom 17. Jahrhundert überkommene Terminologie im allgemeinen auch noch im 18. Jahrhundert zur Anwendung gebracht, aber in Einzelwissenschaften, vor allem in der Psychologie wurden, namentlich unter einem Vorrangang der Engländer, neue Grundzüge der wissenschaftlichen Terminie festgestellt (23).

Haben wir oben, wo wir die allgemein anerkannte Bedeutung der Aufmerksamkeit erwähnten, auch ausdrücklich betont, daß wohl fast jede heute vorgebrachte Anschauung über irgendeinen Punkt im Problem der Aufmerksamkeit im Keim schon im 18. Jahrhundert vorhanden gewesen ist, so kann dies natürlich nur insofern gelten, als man den ganzen Zeitraum im Auge hat, keineswegs aber, als es sich um schon bei den Einzelphilosophen vollständig ausgebildete Theorien der Aufmerksamkeit handelt. Vielmehr scheint mit der sich steigernden Erkenntnis der Wichtigkeit der Aufmerksamkeit die Behandlung derselben den Psychologen des 18. Jahrhunderts besondere Schwierigkeiten bereitet zu haben, und in der Tat läßt die oft  sehr mangelhafte Behandlung, (24) die dieser Gegenstand bis tief in das 19. Jahrhundert hinein erfahren hat, darauf schließen, daß die Lehre von der Aufmerksamkeit allgemein als ein schwer zu lösendes Problem galt. Wenn auch viele Psychologen über eine mehr als aphoristische und flüchtige Darstellung hinausgingen und zusammenhängender über die Aufmerksamkeit philosophierten, so kann trotzdem das, was wir von ihnen erfahren, nur selten auf den Namen eines ausführlichen Erklärungsversuches Anspruch machen, und meistens ist es nur eine Beschreibung auffallender Phänomene dieser Seelentätigkeit (25). In englischen Werken finden wir zwar als sehr lobenswert erwähnt, daß die  deutschen  Philosophen Vieles und Bedeutendes in der Lehre von der Aufmerksamkeit geleistet haben (26), während bei den Engländern selbst, wie bei HUME oder HARTLEY, die Aufmerksamkeit kaum erwähnt wird. Aber wir müssen doch dieses Lob in diesem Umfang zurückweisen und einschränken, wenn wir einerseits sehen, in welch ausführlicher und präziser Weise auch Engländer wie REID und STEWART außerordentlich gute Beiträge für die Lehre von der Aufmerksamkeit geliefert haben, während andererseits  unsere  bedeutendsten Philosophen des 18. Jahrhunderts, wie TETENS und KANT sich kaum einmal ausführlich über dieselbe verlauten ließen. Es wurde eben auf beiden Seiten neben manch guten Behandlungen zum Teil recht wenig geleistet, wenn wir auch das resignierende, harte Urteil UHLs (27), das selbst im 18. Jahrhundert kaum etwas über die Aufmerksamkeit gelehrt worden ist, als viel zu scharf ansehen müssen. Denn "something" und von "some much" wurde gewiß auch im 18. Jahrhundert über dieselbe berichtet, oft auch noch viel mehr. Den Anspruch, zuerst ernstlich Natur und Wesen der Aufmerksamkeit, und zwar durch die Hilfe der Grundsätze über Fiberwirkungen (28) erforscht und entwickelt zu haben, macht, wenn vielleicht auch mit Recht (29), so doch in wenig bescheidener Weise, allerdings weder ein Engländer, noch ein Deutscher, sondern der französische Philosoph CHARLES BONNET (30). Inwieweit er und wer sonst noch auf eine - zumindest mit Ernst versuchte - Lösung dieses Problems der Aufmerksamkeit berechtigten Anspruch erheben kann, wird aus den betreffenden Erwähnungen in unserer Arbeit hervorgehen. Soviel ist uns aber jetzt schon klar: Ist auch, wenn man den Gesamteindruck im Auge hat, im 18. Jahrhundert schon Namhaftes geleistet in der Lehre über die Aufmerksamkeit, so ist doch dadurch, daß es zum großen Teil nur sporadisch vorhandene Bemerkungen über dieselbe sind, die Aufgabe, eine Geschichte der Lehren von der Aufmerksamkeit in dieser Periode zu schreiben, bedeutend erschwert.

Dies ist namentlich der Fall, wenn man berücksichtigt, daß damals der Mangel eines - leider auch heute noch oft genug vermißten - ausführlichen Inhaltsverzeichnisses und Registers der behandelten Materien (durch ein solchs würde späteren Benutzern dieser Quellen viel Zeit und Arbeit erspart sein) in den Schriften des 18. Jahrhunderts fast durchgängig mit geringen löblichen Ausnahmen, sich noch in weitem Umfang bemerkbar machen wird (31). Ist nun auch dadurch die Durchsicht und Aufnahme aller philosophischen Werke in unserem Zeitraum, die für unseren Zweck in Betracht kommen, etwas erschwert worden, so glaubten wir doch umsomehr nichts ausscheiden zu dürfen aus den uns zugänglichen Schriften (32), als nur dadurch Anspruch auf möglichst große Vollständigkeit über diesen Gegenstand erhoben werden kann, und das Bild von der Lehre über die Aufmerksamkeit im 18. Jahrhundert sich in einem besseren Licht zeigen wird, als bisher vielfach, ja fast durchgängig geglaubt wurde.



Einleitung

Bevor wir zur Darlegung der Lehre von der Aufmerksamkeit im 18. Jahrhundert schreiten, sei es uns gestattet, in einem besonderen Abschnitt noch einige allgemeine Bemerkungen über wichtige Punkte der Philosophie und Psychologie unserer Periode vorauszuschicken (33).

In dem unserer Zeit vorausliegenden  Mittelalter  und im  Altertum  dürften sich kaum ins Gewicht fallende  Angaben über die Aufmerksamkeit  antreffen lassen (34). Wenn sich Notizen über dieselbe vorfinden, so sind sie sehr dürftig. Dergleichen Stellen sind zusammengestellt bei UHL (35) und HAMILTON (36).

Würden wir auch von diesem Mangel jeder ausführlicheren Theorie der Aufmerksamkeit vor unserer Periode absehen, so charakterisiert sich diese von uns gewählte Zeit an und für sich als eine so eigentümliche, sowohl in der Entwicklung der Philosophie im allgemeinen, als der Psychologie im besonderen, daß als wohl begründet erscheinen dürfte die  Abgrenzung unserer Arbeit zwischen  die beiden Marksteine in der Geschichte der Philosophie, LEIBNIZ bzw. WOLFF einerseits und dem durch eine Aufstellung seines Kritizismus zum philosophischen Reformator gewordenen KANT andererseits (37).

WOLFF war einer der einflußreichsten Philosophen Deutschlands. Seine Bedeutung und Nachwirkung sich nicht nur über seine Zeit und seine von ihm begründete, mit ihm lebende Philosophenschule, sondern noch weit und lange über dieselbe hinaus. WOLFF war es, der die in LEIBNIZ' Schriften nur zerstreut liegenden Materialien sammelte und in ein wissenschaftliches System vereinigte, sowohl in deutscher als auch lateinischer Sprache. Mag man auch über seine sehr ermüdende und, wir dürfen sagen, fast langweilige Darstllung, die oft in eine Definiersucht ausartet (38) - namentlich in den lateinischen Schriften - heute den Kopf schütteln, sein Verdienst als erster Systematiker der deutschen Philosophie kann nie und nimmer bestritten werden (39). Mit KANT beginnt eine neue Umgestaltung der Philosophie. Er suchte "in seiner Erkenntniskritik die brauchbaren Elemente des  Rationalismus  und  Empirismus  tiefer aufzufassen, gründlicher zu untersuchen und logischer zu vereinigen" (40), als es im 18. Jahrhundert bisher der Fall gewesen war.

Rationalismus  und Empirismus (41) sind auch die beiden Kardinalansichten in der  Psychologie  des 18. Jahrhunderts. WOLFF, dessen Hauptverdienst es war, der Psychologie eine Stelle als eigene Wissenschaft angewiesen zu haben, (42) war auch der erste, der sie zugleich in zwei Disziplinen schied, in eine rationale und eine empirische (43). In der Ausführung selbst allerdings hielt WOLFF die beiden Psychologien nicht genügend auseinander; oft nach finden sich namentliche Gegenstände der empirischen Psychologie in der rationalen, ein Übelstand, den WOLFFs Schüler und Anhänger, BAUMGARTEN, schon besser zu vermeiden suchte (44).

In der empirischen Psychologie will WOLFF nach seinem Plan bloß das ausführen, was jeder täglich durch Erfahrung erkennen kann (45) (analytisches Verfahren), während er in der rationalen Psychologie einen Vernunftgrund angeben will (ratio) für das, was der Seele innewohnt oder innewohnen kann. Sie muß das verstehen lassen, was die empirische Psychologie anhand der Erfahrung uns lehr und da aushelfen, wo diese versagt, wohin die Erfahrung kein Licht zu bringen vermag (46) (synthetische Methode) (47).

Der empirischen Methode wird überhaupt in der Psychologie eine große Bedeutung (48) beigemessen. "Sie enthält das Brauchbarste was in der Psychologie vorkommt" meint MEIER (49); "nur aus Erfahrung läßt sich das Wesen der Seele erkennen" lehrt PLATNER (50). ABEL und SCHÜTZ (51) räumen der empirischen Methode den ersten Rang unter allen ein. Ganz besonderen Wert legt HUME auf die Methode der Erfahrung. Ganz besonderen Wert legte HUME auf die Methode der Erfahrung: "As the science of man is the only solid foundation for the other sciences, so the only solid foundation we can give to this science itself must be laid on  experience and observation."  [Die Wissenschaft vom Menschen ist die einzige solide Grundlage für alle anderen Wissenschaften, und die einzige solide Grundlage die wir einer solchen Wissenschaft selbst geben können, besteht aus Erfahrung und Beobachtung. - wp] (52) REID (53) bezeichnet im Gegensatz zum Weg der Analogie, der zwar breit und eben und für das gemeine Leben, für Redner und Dichter ausreicht, aber bei philosophischen Untersuchungen zur Irrtümern führen kann, den Weg der Reflexion, den wegen seiner Beschwerlichkeiten selbst Philosophen wenig angewenden, als den einzigen, der zur Wahrheit führt. Beim Bewußtsein der seelischen Vorgänge müßten wir auf sie acht geben und über sie nachdenken; dies ist das einzige Mittel, richtige und genaue Begriffe von den Wirkungen der Seele erlangen zu können. Hierbei wird sowohl von den genannten Philosophen als auch von anderen oft und dringend auf die unbedingte  Notwendigkeit des rationalen Elements  in der psychologischen Forschung hingewiesen. Neben einem historischen (empirischen) Teil verlangt BONNET (54) einen systematischen, der sich mit der Erklärung der in jenem erzählten Begebenheiten abgeben muß. Die  Angabe der Ursachen  von den Erfahrungen und die Erklärung derselben, wie die der zusammengesetzten Seelenwirkungen macht nach TIEDEMANN (55) die Seelenlehre erst zur Wissenschaft.

Einen bedeutenden Fortschritt macht TETENS bei der Anwendung der empirischen Methode in seinen "Philosophischen Versuchen". Sowohl die genauere Untersuchung der einzelnen psychischen Vorgänge, wie auch schon die Keime des dabei zutage tretenden Skeptizismus und Kritizismus räumen in der Geschichte der empirischen Forschung eine hervorragende Stellung ein (56).

Fortbildungen und Umbildungen des Empirismus finden wir, namentlich in Frankreich und England, in den Erscheinungen des  Sensualismus (57) und  Skeptizismus,  aus denen als letztes Glied dieser Entwicklungskette der krasseste, unverhüllte  Materialismus (58) entsteht.

Der  Sensualismus,  der seinen Hauptvertreter in CONDILLAC, dem "Repräsentanten der Philosophie des 18. Jahrhunderts in Frankreich" (59) hat, leitet den Ursprung aller psychischen Entwicklung aus der sinnlichen Empfindung, sinnlichen Vorstellung (sensation) ab (60). Die Seele selbst wirkt mittels der Sensibilität. Ist auch mit diesen Sensationen notwendig eine Reflexion über sie verbunden, damit Vorstellungen und die weiteren psychischen Tätigkeiten zustande kommen können, so ist doch hierin ein Fortschritt im Vergleich zu LOCKE und den meisten früheren sogenannten Sensualisten, daß bei CONDILLAC und der Mehrzahl der Sensualisten des 18. Jahrhunderts der Monismus der Sensationen als Vorstellungsquelle deutlich und klar betont ist. BONNET (61) allerdings erklärt noch ausdrücklich: "Je découvre que toutes mes idées dérivent origniairement de deux sources, des sens et de la reflexion." [Ich entdeckte, daß sich alle meine Ideen ursprünglich aus zwei Quellen ableiten lassen: aus Empfindung und Reflexion. - wp]

CONDILLAC und BONNET, deren Schüler und Anhänger haben sich streng gegen den Vorwurf des Materialismus verwahrt (62). Ist nun auch diese ausdrückliche Betonung des Anti-Materialismus, der sich selbst bei unbestrittenen Materialisten findet, vielfach durch die Zeitverhältnisse in Frankreich hervorgerufen, so läßt sich doch der Ernst dieser Behauptung bei den oben genannten Philosophen oft genug aus dem Ausbau ihres Systems deutlich ersehen (63).

Hauptvertreter des  Materialismus  sind HOLBACH, der Verfasser des "Systéme de la nature", und LAMETTRIE, nach denen auf der Konstitution des Gehirns allein alles Denken beruth; zur Annahme eines besonderen Wesens, der Seele, liege kein dringendes Bedürfnis vor und der Naturforscher allein ist als der wahre Philosoph zu betrachten, da er allein die allseitige Abhängigkeit des Geistes vom Körper kontrolliert. Unter den Gesinnungsgenossen dieser Philosophen ragt PRIESTLEY (64) hervor, der den Menschen als "some uniform composition" [einheitliche Schöpfung - wp] bezeichnet,der alle geistigen Funktionen als notwendiges Resultat der organischen Struktur des Gehirns ansieht. Auch HELVETIUS ist hierher zu rechnen, den COUSIN (65) als "plus témeraire" [rücksichtsloser - wp] als LOCKE und CONDILLAC bezeichnet und der die menschliche Intelligenz durch die physische Organisation erklärt.

Als interessante Erscheinung in der Psychologie des 18. Jahrhunderts möge hier noch die  Assoziationslehre  erwähnt werden, die besonders in England ihre Verbreitung fand. Die bedeutendsten Repräsentanten derselben sind HUME und HARTLEY (66).

Ein gewaltiger Umschwung tritt in der Geschichte der Psychologie mit KANT (67) ein, bei dem in der kritischen Periode die  Ablehnung der Psychologie  immer entschiedener hervortritt (68).

Mit WOLFF nahm zwar auch KANT noch eine rationale und empirische Psychologie an (69), aber nur um gegen beide zu kämpfen. Vor allem fand die rationale Psychologie WOLFFs ihren Gegner in KANT (70), und von der Leistung der Psychologie als Erfahrungswissenschaft hatte er eine äußerst geringe Meinung (71). Da aber KANT andererseits wieder, trotzdem er ihr jede wissenschaftliche Zukunft absprach, bemüht war (72), ausdrücklich die Wichtigkeit der Entwicklung derselben zur empirischen Anthropologie zu erklären, und ihr sogar, wenn auch nur einstweilen als Fremdling, bis zum "Beziehen einer eigenen Behausung", einen Platz in seiner Metaphysik anwies, hält MEYER (73) es für unwahrscheinlich, "daß es ausreicht zu sagen, KANT habe die rationale Psychologie durch seine Kritik zerstört und die empirische nicht als Philosophie gelten lassen"; er meint, es müßten hier Mißverständnisse verwirrend eingewirkt haben (74).

Die Abneigung KANTs gegen die Psychologie versuchen sich HEGLER und MEYER ziemlich übereinstimmenden zu erklären, und zwar einerseits aus dem Fehlen bedeutender psychologischer Werke vor KANT, andererseits aus der "unleugbar vorhandenen Unzulänglichkeit der psychologischen Beobachtung", und ebenso übereinstimmend halten beide diese Verurteilung der Psychologie seitens KANTs für unberechtigt, da diese Schwierigkeiten, die die Psychologie übrigens mit anderen Wissenschaften teilt, nicht zu "unübersteigbaren Hindernissen" aufgetürmt werden dürfen (75)

Wollen wir im Anschluß an diese Kritik der Psychologie dur KANT einen kurzen Blick auf das  Verhältnis  der Psychologie zu anderen Wissenschaften (76) und  philosophischen  Disziplinen werfen. Für sich abgeschlossene Darstellungen von Psychologien finden wir im 18. Jahrhundert noch ziemlich wenig. Meistens ist die Psychologie in Verbindung mit anderen Disziplinen in ein größeres Kompendium, mehr oder weniger deutlich geschieden, mit aufgenommen. Neben dieser äußerlichen Scheidung oder besser Nicht-Scheidung geht eine innere Hand in Hand. Im allgemeinen wurde die Psychologie als Zentrum aller Wissenschaften, als Grundlage aller Teile der Philosophie betrachtet, ein Vorgehen, da mit KANT zum Abschluß gebraucht wurde (77). Am meisten wurde die Psychologie in einen Zusammenhang mit der Logik gebracht. MEINERS tadelt die Trennung der Logik von der Psychologie, und in der 1772 erschienen "Revision" erklärt er Vernunftlehre und Psychologie für identisch, HISSMANN (78) nennt seine "Psycologischen Versuche" einen Beitrag zur esoterischen Logik, CRUSIUS (Weg zur Gewißheit und Zuverlässigkeit der menschlichen Erkenntnis, Leipzig 1747)behandelt Logik und Psychologie zusammen, LAMBERT (Neues Organon der Gedanken etc., Leipzig 1764) gibt uns "eine innigste Verbindung von Logik und Psychologie". Auch PLATNER (79) verbindet mit seiner Logik die Psychologie. Abweichend (80) davon verweist KANT alles Psychologische nicht nur aus der Logik, Erkenntnistheorie und Ästhetik (81), sondern, im Gegensatz zu WOLFF (82) und MEIER (83), auch aus der Metaphysik (84) und am nachdrücklichsten aus der Ethik (85). Wie schon oben bemerkt, darf also recht wohl mit der in KANTs Kritizismus begründeten Abweisung der Psychologie aus der Philosophie eine neue Epoche der Geschichte derselben beginnen, bis zu welchem Zeitpunkt auch wir unsere Geschichte der Aufmerksamkeitstheorien zu führen gedenken. (86)

Eine Eigentümlichkeit, die sich namentlich in der Psychologie unserer Periode besonders ausprägt und ihr auch zum Teil den Namen "Vermögenspsychologie" gibt, ist, wie schon die Bezeichnung sagt, die  Annahme verschiedener Vermögen  zur Erklärung der Mannigfaltigkeit psychischen Geschehens, die  Einteilung  der Seelentätigkeit in eine Anzahl bestimmter Seelenvermögen (87), die von  einer  Grundkraft oder von mehreren ausgehen. Über die Zahl dieser Grundvermögen sind die Meinungen unserer Philosophen sehr verschieden. Ein Teil spricht sich entschieden für  eine einzige Grundkraft  aus, die sich allerdings in mehreren Fähigkeiten darstellen kann. So ist nach WOLFF z. B. die  vis representativa  die einzig wirkende Kraft (vis) (88), während alle anderen in der Seele unterscheidbaren  facultates  nur Wirkungen dieser einen  vis  sind (89). Derselben Ansicht sind natürlich die Wolffianer, wie z. B. BÜLFFINGER und THÜMMIG (90). Auch TIEDEMANN (91) und SCHÜTZ (92) nehmen die Vorstellungskraft als diejenige Kraft an, auf die sich alle übrigen Seelentätigkeiten zurückführen lassen. Den Sinnesempfindungen weist den Ursprung alles geistigen Geschehens CONDILLAC zu und mit ihm fast der ganze französische Sensualismus (93). TETENS (94) nimmt zwar  eine  Grundkraft in der Seele an; da wir aber nach ihm deren Natur nicht kennen, überhaupt von ihr selbst keine Idee haben, so dürfen wir TETENS wohl zu denen zählen, die mehrere Vorgänge als Urvermögen ansehen. Gegen die Annahme mehrerer Grundkräfte machen DALHAM (95), ABEL (96), EBERHARD (97), IRWING (98) und andere Front, in dem sie die Vielheit derselben nur als mannigfaltige Richtungen oder Ingredenzien der einen, einzigen Seelenkraft bezeichnen.
LITERATUR David Braunschweiger, Die Lehre von der Aufmerksamkeit, Leipzig 1899
    Anmerkungen
    1) Aus der Menge der Abhandlungen über diesen Gegenstand mögen einige hier erwähnt werden: HEINRICH DOHRN, Das Problem der Aufmerksamkeit, Schleswig 1876. WLADYSLAW HEINRICH, Die moderne physiologische Psychologie in Deutschland mit besonderer Berücksichtigung der Lehre von der Aufmerksamkeit, Zürich 1895. HARRY KOHN, Zur Theorie der Aufmerksamkeit, Halle 1874. JOSEF CLEMENS KREIBIG, Die Aufmerksamkeit als Willenserscheinung, Wien 1897. Bei KREIBIG finden sich auch ausführliche Literaturangaben für neuere Erscheinungen über das Aufmerksamkeitsproblem. NICOLAI LANGE, Beiträge zur Theorie der sinnlichen Aufmerksamkeit und der aktiven Apperzeption, Leipzig 1888. GEORG ELIAS MÜLLER, Zur Theorie der sinnlichen Aufmerksamkeit, Leipzig 1873. KARL ÜBERHORST, Das Wesen der Aufmerksamkeit und der geistigen Sammlung, Archiv für systematische Philosophie, Bd. 4, 1897, Seite 65f. Ferner ausführliche Darlegungen in den psychologischen Werken von EBBINGHAUS, HÖFLER, JAMES, KÜLPE, LIPPS, STUMPF, VOLKMANN, WUNDT u. a. - - - Vgl. auch in verschiedenen psychologischen Zeitschriften die Literaturberichte, die zum Teil einen besonderen Abschnitt für die  Aufmerksamkeit  haben, so die "Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane" von EBBINGHAUS-KÖNIG und "L'année psychologique". - - - Über die Lehre von der Aufmerksamkeit in der  Pädagogik  vgl. die einschlägigen pädagogischen Werke und Enzyklopädien.
    2) HERBART, De attentionis mensura causisque primaris, Regiomonti 1882, Werke VI und VIII.
    3) BONNET, (11) Abgekürzte Analyse des analytischen Versuches, welche einige Erläuterungen über die psychologischen Grundsätze des Verfassers enthält, aus dem Französischen übersetzt und mit Anmerkungen versehen von JOHANN CASPAR LAVATER, Zürich 1770, Seite 69
    4) ibidem XX, Seite 67, 68
    5) NAVILLE, Dissertatio psychologica etc. Genevae 1774, Seite 27, § 32
    6) MEIER, GEORG, Metaphysik, Teil 3: Psychologie, Seite 56, § 506
    7) DESTUTT de TRACY, Elemtents d'Ideologie, Paris 1813, Teil I, Seite 233
    8) JOHANN GEORG SULZER, Anmerkungen zu DAVID HUMEs "Vermischte Schriften", Teil 2, Philosophische Versuche über die menschliche Erkenntnis, Hamburg und Leipzig 1755, Anmerkung zum 2. Vers, Seite 44 - weitere Nachweise siehe noch im V. Kapitel, wo überhaupt aus der ausführlichen Darlegung der Wirkungen der Aufmersamkeit erkannt werden möge, in welch ausgedehnter Weise der Aufmerksamkeit in damaliger Zeit Bedeutung beigemessen wurde.
    9) Als relativ ausführliche Geschichten der Aufmerksamkeitslehren, die mir bekannt sind, seien LEMON UHL, Attention, Baltimore 1890, erwähnt und ein Abschnitt in LANGE, NICOLAI: Psichologuitcheskie, isslédovaniia (russisch), Odessa 1893, Seite 84
    10) So ist UHLs  attention  (a. a. O.) eine rein historische Aneinanderreihung der Theorien der Aufmerksamkeit, welche keinen Einblick in das reiche Material zu einer systematischen Bearbeitung derselben gewährt.
    11) UHL (a. a. O.), Seite IX
    12) DESSOIR, Geschichte der neueren Psychologie, Bd. 1, Berlin 1894, Seite 304. - Besonders die Aufmerksamkeit ist nach Ansicht des 18. Jahrhunderts Grundlage für die meisten übrigen Seelenvermögen, oder es besteht doch zumindest ein sehr enger Zusammenhang zwischen denselben und der Aufmerksamkeit.
    13) C. F. FLEMMING, Beiträge zur Philosophie der Seele, Berlin 1830, Einleitung Seite XIV: "Die Seelentätigkeiten greifen aufs Innigste ineinander und lassen sich deshalb schwer abgesondert betrachten, unmöglich aber ohne einander erklären." G. CHR. SCHÜTZ, Anhang einiger Abhandlungen, I., Seite 267: "Man sollte die sogenannten Seelenkräfte nicht bloß jede für sich, sondern sie insgesamt mehr in einem Zusammenhang mit anderen beobachten".
    14) JOH. CHR. HOFFBAUER, Naturlehre der Seele in Briefen, Halle 1796, Seite 37-38, glaubt, daß damals noch viel zu scharf die Trennung der einzelnen Probleme bei ihrer Behandlung in Anwendung gebracht worden ist. "Ich meinesteils glaube auch, daß die meisten Bearbeiter der Erfahrungsseelenlehre sich in ihren Lehrbüchern umd diese Wisenschaft noch mehr würden verdient gemacht haben, wenn sie nicht zu ängstlich bemüht gewesen wären, alles was die Seelenlehre von einem Gegenstand zu sagen hat, in  einen  Ort zusammenzubringen, wo selten alles vom Leser schon verstanden werden kann."
    15) Zur Geschichte der Terminologie vgl. RUDOLF EUCKEN, Geschichte der philosophischen Terminologie, Leipzig 1879. Vgl. auch "Philosophische Monatshefte, Bd. 8, Seite 82
    16) EUCKEN (a. a. O.), Seite 201
    17) BERNARDUS MÖLLMANN, De subsidiis attentionis merit et falso suspectis, Vitembergae 1723, Seite 11, allerdings will die Verschiedenheit in der Beschreibung der Aufmerksamkeit "in verbis tantummodo" finden.
    18) LEIBNIZ verlangt ein Festhalten am Perzipierten (siehe EUCKEN (a. a. O.), Seite 101).
    19) MENDELSSOHN, Phädon, Gesammelte Schriften, Bd. 1, Seite 41. Siehe CONDILLAC, II. Teil, VIII, Seite 111. "Wortstreitigkeiten, eine in der Metaphysik sehr gewöhnliche Unzuträglichkeit, vor der man nicht genug auf der Hut sein kann."
    20) HELVETIUS, Vom Menschen, 1774, Abschnitt II, Kap. 19. JOH. WERNER STREITHORST, Psychologische Vorlesungen, Leipzig 1787, VIII., Seite 159. An philosophischen Wörterbüchern für unsere Periode siehe JOH. GEORG WALCH, Philosophisches Lexikon, 1775. Für WOLFFs Terminologie vgl. HEINRICH MEISSNER, Philosophisches Lexikon, Bayreuth und Hof 1737.
    21) Über die sonstige Bedeutung WOLFFs für die Terminologie siehe BENEKE, Lehrbuch der Psychologie, Berlin 1833, § 20
    22) "Deutsche Terminologie fand überhaupt erst im 18. Jahrhundert allgemeine Verwendung." EUCKEN (a. a. O.), Seite 114. Für eine Wiederherstellung der eigenen, deutschen Muttersprache erklärte sich schon im Jahre 1688 THOMASIUS (1655-1728) in der deutschen Ankündigung seiner Vorlesungen (siehe DESSOIR, Geschichte der neueren deutschen Psychologie, zweite Auflage, Berlin 1897, Seite 56
    23) EUCKEN (a. a. O.), Seite 110
    24) Über eine solche Darstellung bei KANT siehe KIRCHMANN, Anmerkungen zu Kants Anthropologie, ad § 3 und UHL (169), Seite 37. TETENS siehe WALTER SCHLEGTENDAL, Johann Nicolas Tetens Erkenntistheorie, Halle 1885, Seite 23f. Ferner JAMES MILL, Analysis of the phenomena of the human mind, Bd. II, Seite 290.
    25) siehe DESSOIR (a. a. O.), Seite 235. VOLKMANN, Lehrbuch der Psychologie vom Standpunkt des Realismus, Bd. II, Seite 208. Daher auch das verhältnismäßig geringe Material in unserem I. Kapitel während über Grade (II. Kapitel), Reize (III.), Wirkungen (V.), Verbesserung und Verminderung der Aufmerksamkeit (VI. und VII.) sich fast zum Überfluß viel finden läßt.
    26) WILLIAM JAMES, The principles of Psychology, Bd. I, Seite 402 und 409 Anmerkung über WOLFF: "Wolffs account of the phenomena of attention is in general excellent."
    27) UHL (a. a. O.), Seite X
    28) siehe JOHANNES SPECK, Bonnets Einwirkung auf die deutsche Psychologie des vorigen Jahrhunderts, Archiv für Geschichte der Philosophie, Bd. X, Seite 504-520, Seite 505, über die Bedeutung und den Einfluß dieser Lehre von den Fiberbewegungen.
    29) siehe ALFONS PILZECKER, Die Lehre von der sinnlichen Aufmerksamkeit, München 1889, Seite 4 und UHL (a. a. O.), Seite 25
    30) BONNET (a. a. O.), Seite 21 und "Analytischer Versuch über die Seelenkräfte, Bremen und Leipzig 1770/71, Vorrede des Verfassers, Seite IX. Über BONNETs Psychologie siehe die Abhandlung von MAX OFFNER, Die Psychologie Charles Bonnets, Leipzig 1893 und die von SPECK (a. a. O.) über BONNETs Einwirkung auf die deutsche Psychologie des 18. Jahrhunderts.
    31) siehe UHL (a. a. O.), Seite IX
    32) Leider ist trotz der freundlichen Unterstützung der Verwaltungen der königlichen Bibliothek zu Berlin, der kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München, der Universitätsbibliotheken zu Berlin, Göttingen, Halle, Leipzig und Würzburg uns manches erwähnenswerte Werk vorenthalten geblieben, besonders was die ausländische, französische und englische Literatur betrifft. Von dieser haben wir die meisten Werke neben den Übersetzungen - nach denen größtenteils zitiert wird - in den Originalen, soweit zugänglich, nachgesehen und letztere mit den Übersetzungen verglichen. Den Verwaltungen obiger Bibliotheken sei an dieser Stelle bester Dank abgestattet.
    33) Ausführlichere Überblicke zu unserer Periode sehe man in den großen Geschichtswerken der Philosophie wie von BERGMANN, ERDMANN, FALCKENBERG, ÜBERWEG-HEINZE, WINDELBAND. Für die Psychologie des 18. Jahrhunderts siehe auch DESSOIR (a. a. O.) und ROBERT SOMMER, Grundzüge einer Geschichte der deutschen Psychologie und Ästhetik von Wolff-Baumgarten - Kant-Schiller, Würzburg 1892.
    34) Als erste Monographie über die Aufmerksamkeit, die allerdings mit ihrer Erklärung des Wesens der Aufmerksamkeit sich wenig, sondern ganz im Geist ihrer Zeit sich hauptsächlich mit den "subsidiis" derselben abgibt, findet sich MÖLLMANNs Dissertation (a. a. O.).
    35) UHL (a. a. O.), Kap. I. Bei demselben siehe auch die nachkantischen Aufmerksamkeitstheorien.
    36) WILLIAM HAMILTON, Dissertations historical, critical and supplementary, Seite 931, 943, 945. Siehe SIEBECK, Geschichte der Psychologie, Bd. 1, Gotha 1880, Seite 200, 353, 388.
    37) siehe ARTHUR RICHTER, Grundlegung einer Geschichte der deutschen Philosophie in "Philosophische Monatshefte", Bd. XXIII, 1887, Seite 385f
    38) BENEKE, Lehrbuch der Psychologie, Berlin 1833, § 20. DESSOIR (a. a. O.), Seite 64 und 70. FRIEDRICH HARMS, Die Philosophie in ihrer Geschichte, Bd. 1, Psychologie, Berlin 1878, Seite 293.
    39) JOHANN GOTTLIEB BUHLE, Geschichte der neueren Philosophie, Göttingen 1803, Bd. IV, Seite 571. FRIEDRICH AUGUST CARUS, Nachgelassene Werke, dritter Teil, Geschichte der Psychologie, Leipzig 1808, Seite 544. R. QUAEBICKER, Kritisch-philosophischen Untersuchungen, Berlin 1870, Seite 5. UHL (a. a. O.), Seite 18. GUSTAV ZART, Der Einfluß der englischen Philosophen seit Bacon auf die deutsche Philosophie des 18. Jahrhunderts, Berlin 1881, Seite 17.
    40) ZART (a. a. O.), Seite 215
    41) siehe DESSOIR (a. a. O.), Seite 164f und 191f
    42) CARUS (a. a. O.), Seite 545. HARMS (a. a. O.), Seite 293. K. CHR. E. SCHMID, Empirische Psychologie, Jena 1791, Einleitung, Seite 18. ZART (a. a. O.), Seite 24 über WOLFFs Methode bei der Behandlung psychologischer Gegenstände.
    43) BUHLE (a. a. O.), Bd. IV, Seite 584
    44) SCHMID (a. a. O.), Einleitung Seite 21f
    45) CHRISTIAN WOLFF, Vernünftige Gedanken von dem Gebrauch etc., Kap. III - ders. "Psychologica Empirica", Titel.
    46) SCHMID (a. a. O.), Seite 18f. SCHÜTZ (a. a. O.), Bd. 1, Seite 269; siehe auch HERBARTs Einteilung der Psychologie in einen synthetischen und analytischen Teil. Siehe ferner GEORG FRIEDRICH MEIER, Metaphysik, § 474, Seite 11f, die Charakteristik der empirischen und rationalen Psychologie.
    47) Siehe WOLFFs "Ausführliche Nachricht von seinen eigenen Schriften, die er in deutscher Sprache etc." § 79. WOLFF (179), § 1-9. MEISSNER (a. a. O.).
    48) Der Empirismus in der Psychologie beginnt eigentlich mit BACON, wie der Rationalismus schon von DESCARTES ausgeht. Vgl. HARMS (a. a. O.), Seite 222 und 294f.
    49) MEIER (a. a. O.), III. Teil, § 474; jedoch besteht nach ihm bei ihrem Gebrauch "manche Bedenklichkeit".
    50) ERNST PLATNER, Anthropologie für Ärzte und Weltweise, Leipzig 1790, Seite 33, § 118.
    51) ABEL, siehe FRITZ ADERS, Jacob Abel als Philosoph, Rostock 1892 , Seite 20. SCHÜTZ (a. a. O.), Bd. 1, Seite 263
    52) HUME, A treatise of human nature, Bd. 1, London 1739, Seite 6 und 7
    53) THOMAS REID, Untersuchungen über den menschlichen Geist, Leipzig 1782, Seite 368
    54) BONNET (a. a. O.), Vorrede des Verfassers, Seite VIII
    55) DIETRICH TIEDEMANN, Untersuchungen über den Menschen, Leipzig 1777, Seite XXI
    56) HARMS (a. a. O.), Seite 126f
    57) Über den Sensualismus siehe VICTOR COUSIN, Philosophie sensualiste au XVIII e siécle Paris 1866.
    58) HARMS (a. a. O.), Vorrede Seite VII und Seite 324f
    59) COUSIN, Premiers essais de philosophie, Paris 1862, Seite 159: "Condillac repräsentiert die französische Philosophie des 18. Jahrhunderts."
    60) Über den Begriff der  sensation  bei CONDILLAC siehe Kapitel I weiter unten.
    61) BONNET (a. a. O.), Seite 238
    62) Auch PLATNER (a. a. O.), § 307 verteidigt sich ausdrücklich gegen die Beschuldigung, daß er Materialist sei.
    63) HARMS (a. a. O.), Seite 326. M. LAROMIGUIÉRE, Lecon de philosophie, Paris 1833, Seite 216. OFFNER (a. a. O.), Seite 639-641.
    64) siehe BUHLE (a. a. O.), Bd. V, Seite 376
    65) COUSIN (a. a. O.), Seite 130 und 146
    66) MICHAEL HISSMANN, Geschichte der Lehre von der Assoziation der Ideen, Göttingen 1777, der in seiner Geschichte der Lehre von der Ideenassoziation bis auf PLATO zurückgeht und die Entwicklung dieses Problems bis auf seine Zeit schildert, ferner BRUNO SCHÖNLANK, Hartley und Priestley, Halle 1882, über den Assoziationismus in England, auch DESSOIR (a. a. O.), Seite 232 und 248 über die deutsche Assoziationspsychologie.
    67) Über KANTs Psychologie vgl die Werke von ALFRED HEGLER, Die Psychologie in Kants Ethik, Freiburg 1891 und MEYER (a. a. O.), sowie E. F. BUCHNER, A study of Kants Psychology, Yale 1893. Vgl. ferner DESSOIR (a. a. O.), Seite 408, 411.
    68) HEGLER (a. a. O.), Seite 30f, 324.
    69) HEGLER (a. a. O.) Seite 5, SCHMID (a. a. O.), Seite 22, Einleitung § VI. und BUCHNER (a. a. O.), Seite 47-51.
    70) HEGLER (a. a. O.), Seite 8. MEYER (a. a. O.), Seite 207. QUAEBICKER (a. a. O.), Seite 5
    71) HEGLER (a. a. O.), Seite 13 und 31. MEYER (a. a. O.), Seite 218.
    72) KANT, Vorlesungen über Metaphysik, Erfurt 1821, Seite 19. Siehe MEYER (a. a. O.), Seite 218f
    73) MEYER (a. a. O.), Seite 39
    74) MEYER, ebd. Seite 219f. Vergleiche hier die längere Untersuchung MEYERs über diesen Gegenstand.
    75) HEGLER (a. a. O.), Seite 30f. MEYER (a. a. O.), Seite 291f.
    76) siehe DESSOIR (a. a. O.), Seite 133f und 313f. Über das Verhältnis der Psychologie zur Physiologie und Medizin siehe den 1. Abschnitt des IV. Kapitels.
    77) DESSOIR (a. a. O.), Seite 133, HARMS (a. a. O.), Seite 293.
    78) siehe SOMMER (a. a. O.), Seite 141
    79) siehe ARTHUR WRESCHNER, Ernst Platners und Kants Erkenntnistheorie, Berlin 1891, Seite 10. PLATNER (a. a. O.), Vorrede Seite 16. "Kräfte und Eigenschaften der Seele untersuchen - das wäre Psychologie oder welces einerlei ist, Logik". PLATNER (a. a. O.), Seite 19, § 21
    80) Siehe auch die in DESSOIR (a. a. O.), Seite 134 zitierte stelle aus "Bibilothek für Philosophie und Literatur" 1774, Bd. 1: "Niemand wird leugnen, daß Logik und Psychologie voraussetzt und in jener mancher Psychologische vorausgeschickt werden muß, nur folgt daraus, Psychologie und Logik seien in Eins zu werfen."
    81) KANT, Sämtliche Werke, Bd. II, Leipzig 1838, Seite 58f, zweite Auflage der "Kritik der reinen Vernunft, Vorrede, Seite II, zitiert in HEGLER (a. a. O.), Seite 17f. MEYER (a. a. O.) Seite 146. Siehe ferner Buchner (a. a. O.), Seite 26f und 33f.
    82) HARMS (a. a. O.), Seite 293.
    83) DESSOIR (a. a. O.), Seite 92. MEIER (a. a. O.) Teil III. Seite 6 und 17.
    84) KANT, Prolegomena II, Seite 15; Vorrede zur 2. Auflage der Kr. d. r. V., Seite 669. Siehe BUCHNER (a. a. O.), Seite 23f und MEYER (a. a. O.), Seite 145.
    85) KANT, (a. a. O.), Seite 59 zitiert in HEGLER (a. a. O.), Seite 17 und 22. Zitiert auch MEYER (a. a. O.), Seite 151 und BUCHNER (a. a. O.), Seite 30f
    86) Naturgemäß wurden noch einige außerhalb dieses eng begrenzten Zeitraumes liegende Werke mit aufgenommen, wenn sich in ihnen hierhergehörende Anschauungen fanden.
    87) siehe DESSOIR, (a. a. O.) Seite 198-223. HARMS (a. a. O.), Seite 128f
    88) Über den Unterschied zwischen "Kraft" und "Vermögen" oder "Tätigkeit" und "Fähigkeit" siehe BONNE (a. a. O.), Seite 241. BÜLFFINGER (a. a. O.), Seite 243, § 252. KIESEWETTER, Kurzer Abriß der Erfahrungsseelenlehre, Berlin 1806, § 19, Seite 16. REIMARUS, Allgemeine Betrachtungen über die Triebe der Tiere, Hamburg 1773, § 137, Seite 338-40. JOHANN G. STEEB, Über den Menschen, Tübingen 1796, Seite 663. NIKOLAUS WALLER, Psychologia empirica, Stockholm 1755, § 40, Seite 44. WOLFF (a. a. O.), Kap. II, § 117.  Vermögen  ist nach diesen das Vorhandensein der Möglichkeit zu wirken,  Kraft  oder  Tätigkeit  der Vernunft der Wirklichkeit einer Wirkung.
    89) WOLFF (a. a. O.), § 66; - (a. a. O.) § 745, 747. Bei den  facultates  nimmt er eine  facultates cognoscitiva  und eine  facultas appetitiva  an, die dann wieder in weitere  facultates  zerfallen.
    90) BÜLFFINGER (a. a. O.), § 298, Seite 274f. LUDWIG THÜMMING, Institutiones philosophiae, Frankfurt 1725, § 178, Seite 163
    91) TIEDEMANN, (a. a. O.), Bd. 1, Seite 11, 18, 20.
    92) SCHÜTZ (a. a. O.), Seite 16, § 24.
    93) siehe DESSOIR (a. a. O.), Seite 199. HARMS (a. a. O.), Seite 317
    94) JOHANN NIKOLAUS TETENS, Philosophische Versuche, Bd I., 11. Versuch, LEIPZIG 1777, Seite 735f
    95) FLORIAN DAHLHAM, Psychologia, Wien 1756, § 12, Seite 19
    96) ABEL, zitiert bei ADERS (a. a. O.), Seite 21. Er nimmt Empfindungen, Wollen, Denken als die drei Ingredienzen der einheitlich wirkenden Seele an.
    97) JOHANN AUGUST EBERHARD, Allgemeine Theorie des Denkens und Empfindens, Berlin 1786, Seite 31 "die Urkraft der Seele erscheint bald als ..."
    98) FRANZ von IRWING, Erfahrungen und Untersuchungen über den Menschen, Bd. I, Berlin 1785, § 107, Seite 441f. "Tätigkeitsvermögen" der Seele teilt er dann wieder in tätiges Bewegungsvermögen und Gewahrnehmungsvermögen, § 100, Seite 376.