p-4cr-4 Victor CousinMaine de BiranMaine de Biran   
 
FRANZISKA BAUMGARTEN
Die Erkenntnislehre
des Maine de Biran

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"Der Erkenntnistheoretiker soll sich nach Biran nur an das Gegebene, an das Vorgefundene halten, dies aber nicht umbilden, sondern im Gegenteil, es mittels feiner Analyse in seine letzten Elemente zerlegen. Eine solche Analyse sei aber kein Zweck für sich, sondern nur ein Mittel, um die Beziehung irgendeiner Tatsache zu einer Grundtatsache zu bestimmen. Die Grundtatsache, das Ich, erweist sich somit als das erkenntnistheoretisch Primäre und es wird somit zum Ausgangspunkt der analytischen Methode, da diese, um richtig zu sein, nach Maine de Biran noch die Bedingung erfüllen muß, von einer Tatsache auszugehen, der nichts vorangeht, welche also das Einfachste in unserer Reihe der Erkenntnisse ist."

"Wir finden in unserem Geist etwas, was  vor  aller Erkenntnis ist, das wir nicht erkennen können, woran wir nur  glauben.  Obwohl der Glaube nicht vorgestellt und weder durch die Sinne, noch durch die Einbildungskraft, erkannt werden kann, da man von ihm die ihm korrespondierenden Ideen nicht haben kann, bildet er nichtsdestoweniger einen wesentlichen und ergänzenden Teil aller unserer Ideen von den Tatsachen, da er ihnen den Charakter der Realität, der Stetigkeit und Unveränderlichkeit verleiht, den sie selbst von keinem zufälligen Eindruck von Außen erhalten können."


Einleitung

FRANCOIS-PIERRE GONTHIER MAINE de BIRAN (1766 - 1824) (1), mit dem sich die nachfolgende Arbeit beschäftigt, war unter seinen Zeitgenossen mehr als Staatsmann, denn als Philosoph bekannt und nach seinem Tod geriet er als Denker durch mehrere Jahrzehnte in Vergessenheit.

Das war aber keineswegs die Folge eines Mangels an Originalität und Tiefe der Gedanken. Im Gegenteil: diejenigen Philosophen und Gelehrten seiner Zeit, die ihm persönlich nahe standen, schätzten ihn sehr hoch. So sagte VICTOR COUSIN, BIRAN sei "une homme sans egal en France pour le talent d'observation interiereur, la finesse et la profondeur du sens psychologique" [in Frankreich ein Mann ohne gleichen wenn es um die innere Beobachtung, um die Feinheit und Tiefe des psychologischen Sinnes geht. - wp] (2) und nannte ihn die größten Metaphysiker, den Frankreich seit MALEBRANCHE hervorgebracht hat" (3). Ebenso erklärte ROYER-COLLARD: "il est notre maitre a tous" [er ist unser aller Meister - wp] (4), und der berühmte Physiker AMPÈRE korrespondierte mit ihm zwanzig Jahre hindurch in Sachen seines philosophischen Systems. Die geringe Popularität, der sich BIRAN erfreute, wurde durch zwei Umstände ganz spezieller Natur bewirkt. Diese sind:
    1) eine Art zu schreiben, wie man sie bei einem Franzosen nur selten findet. Schon der bekannte Historiker DAMIRON, ein Zeitgenosse BIRANs, schreibt über ihn: "Das ist kein Schriftsteller, das ist ein Denker, welcher sich der Worte bedient, so wie er sie versteht, ohne an den Leser zu denken. Daher diese Breite der Darstellung, diese Sonderbarkeiten, diese Nachlässigkeiten, welce in seinem Stil unangenehm berühren und diejenigen abschrecken, die viel auf die Form geben" (5). Auf ähnliche Weise äußert sich ein moderner Philosophie-Historiker PAUL JANET: "ohne jemals das Deutsche gekannt zu haben, denkt und schreibt er in der Philosophie, wie ein Deutscher" (6), und HIPPOLYTE TAINE spottet in einem geistreichen Artikel: "gibt es ein rauheres Kauderwelsch bei DUNS SCOTUS, ALBERT den Großen, bei den borstigsten Doktoren des Mittelalters? Da ist im XIX Jahrhundert ein "abstracteur de quintessence", welcher an sie erinnert und sie alle überragt" (1) und weiter: "MAINE de BIRAN entrinnt uns, weil er in der reinen Abstraktion denkt, 500 Fuß über der Erde . . . Seine Bücher sind Partituren, geschrieben um eine Oktave zu hoch für die menschliche Stimme. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß er noch heute abschreckt - und wenn man ihn Leuten zu lesen gibt, welche gewohnt sind an klare und erwiesene Tatsachen, so ist man nicht sicher, ob sie einen einzigen seiner Bände zu Ende lesen werden" (8)

    2) Der zweite Grund für die geringe Popularität BIRANs ist die Geschichte seiner Werke, welche nach BERTRAND (9) und JANET (10) gerade so legendenhaft wurde, wie diejenige der Schriften des ARISTOTELES. MAINE de BIRAN schrieb sehr viel. Es war bekannt, daß er im Jahre 1802 einen Preis vom "Institut de France" für seinen "Mémoire sur l'influence de l'habitude" erhielt, daß im Jahre 805 dasselbe Institut seine "Decomposition de la faculté de penser" krönte und daß ihm 807 die Akademie in Berlin für die "Apperzeption immédiate interne" eine Medaille verlieh, zu der das Begleitschreiben des Präsidenten den Lob enthielt: "diese Mémoire erinnert an die schönsten Zeiten der französischen Philosophie, an die Zeiten von DESCARTES und MALEBRANCHE". Schließlich sprach ihm die Akademie in Kopenhagen 1811 für seine "Rapports du physique et du moral l'homme" den ersten Preis zu.
Von diesen Schriften wurden zu seinen Lebzeiten nur die "Influence de l'habitude" (1803) und außerdem noch zwei Artikel, der eine unter dem Titel: "Exposition de la doctrine philosophique de Leibnitz" (wobei letzterer anonym erschien), gedruckt. Sowohl die preisgekrönten Memoiren, als auch eine Anzahl Abhandlungen blieben unveröffentlicht. Das lag weniger an äußeren Ursachen, als an dem Umstand, daß BIRAN seine Gedanken immerfort neu bearbeitet hat, da er sich niemals traute, sie in einer, nach seiner Meinung unvollständigen Form einem weiteren Publikum bekannt zu machen.

Nach seinem Tod hatten aber die nachgelassenen Manuskripte ein ganz trauriges Schicksal. Ein Teil wurde von einem Dienstboten in den Papierkorb geworfen und zu einem Spezereihändler getragen. Ein anderer gelangte zwar in die Hände von COUSIN, aber aus Gründen, die weder bei COUSIN, noch bei NAVILLE ganz klar angegeben sind, gelangte nur ein Band unter dem Titel "Nouvelles considérations sur les rapports du physique et du moral de l'homme" im Jahre 1834 durch COUSIN zur Veröffentlichung. Erst im Jahre 1841 veröffentlichte COUSIN wieder 4 Bände: "Oeuvres philosophiques de Maine de Biran", von welchen der Obengenannte den vierten Band bildete. Im Jahre 1859 gelang es Professor ERNST NAVILLE aus Genf, dessen Vater in Verbindung mit der Familie BIRANs stand und von ihr eine Kiste neu gefundener Manuskripte erhielt dreit weitere Bände mit sehr wichtigen Schriften BIRANs herauszugeben. Das waren: "Oeuvres inédites de Maine de Biran". Ihnen folgte das Buch NAVILLEs: "Maine de Biran, Sa vie et ses pensées", welches das "Journal intime" des Philosophen enthielt. Seit dieser Zeit erschienen die Schriften BIRANs im Druck nur gelegentlich, herausgegeben von verschiedenen Kritikern und sie alle stammen aus dem Besitz NAVILLEs, dessen hohes Alter (11) eine weitere Verarbeitung der in höchster Unordnung zurückgelassenen Papiere nicht ermöglichte. Es erschienen:
    1876. Manuskripte ediert von GÉRARD in seinem Werk "La philosophie de Maine de Biran":

    1887 ALEXIS BERTRAND: "Science et psychologie" enthält eine sehr wichtige Schrift BIRANs: "Rapports des sciences naturelles avec la psychologie"

    1891 ALEXIS BERTRAND: "Lettres inédites de Maine de Biran á Ampére" veröffentlicht in der "Revue de Métaphysique et de Morale". Hefte vom Juli, September, November.

    1906. PIERRE TISSERAND: "Six manuscrits inédits de Maine de Biran" veröffentlich in der Revue de Met. et de Mor. Heft vom Mai Nr. 3 bis.

    1909. PIERRE TISSERAND: "Note sur l'idée d'existence". Unter diesem Titel gab TISSERAND das Bruchstück, welches nach COUSIN zu dem Werk "Apperception immédiate" gehören sollte, mit zahlreichen Korrekturen heraus.
Über MAINE de BIRAN schrieben außer COUSIN und NAVILLE in den Einleitungen zu den herausgegebenen Werken eingehender: GERARD: "La phil. de Maine de Biran", TISSERAND: "L'anthropologie de Maine de Biran", PICAVET: "La philosophie de Biran de l'an X á XI" und ein Artikel in der "Grande Encyclopédie". Auch finden wir gelegentliche Besprechungen seiner Philosophie in allen französischen Geschichten der Philosophie des XIX. Jahrhunderts, wie bei DAMIRON, ADAM, FERRAZ, RAVAISSON, FOUILLÉE, TAINE u. a. Seine Willenstheorie bespricht ALFRED KÜHTMANN: "Maine de Biran - Ein Beitrag zur Psychologie des Willens", seine Kausalitätstheorie - ALBERT LANG: "Maine de Biran und die neuere Philosophie", auch EDMUND KÖNIG im 2. Band seiner "Entwicklung des Kausalproblems". Die religiösen Anschauungen BIRANs besprechen: AUGUSTE NICOLAS: "ÉTUDE sur Maine de Biran d'aprés le journal intime de ses pensées" und CHARLES FAVRE: "Essai sur la métaphysique et la morale de Maine de Biran", Leipzig, Dissertation 1889. Über die gesamte Erkenntnislehre BIRANs ist bisher keine Arbeit erschienen, obwohl EDMUND KÖNIG in der Abhandlung: "Maine de Biran, der französische Kant" auf sie ausführlicher eingeht. Es hat dies wohl seinen Grund darin, daß die erkenntnistheoretischen Bestimmungen BIRANs in den verschiedensten seiner Schriften verstreut sind. Es soll also die Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein, die gesamten erkenntnistheoretischen Bestimmungen systematisch darzstellen, wobei psychologische und logische Bestimmungen nur dann herangezogen werden, wenn es zur größeren Klarheit und zum Verständnis seiner Anschauung notwendig sein wird. Aufgrund dieser Darstellung soll auch versucht werden, die Stellung BIRANs zu den Ideologen auseinanderzusetzen.

Am Schluß dieser Einleitung sei es mir gestattet zu erwähnen, daß Herr Professor NAVILLE, zu dem ich mich nach Genf begeben habe, die Güte hatte, mir einige wertvolle Ratschläge zu erteilen. Ebenso hatte er die Liebenswürdigkeit, eine Photographie des einzigen überhaupt vorhandenen und in seinem Besitz befindlichen Porträts MAINE de BIRANs anfertigen zu lassen und mir deren Veröffentlichung zu gestatten, von welcher Erlaubnis ich auch Gebrauch mache.

Erster Teil
Darstellung der Biran'schen Erkenntnislehre

... "la vérité m'est chére
par-dessus toute chose".
"Die Wahrheit ist mir
über alles lieb."



Erstes Kapitel
Methodologische Bestimmungen

Die Tatsache, daß die Philosophen so wenig in ihren Grundansichten übereinstimmen, war das Problem, welches MAINE de BIRAN fortwährend beschäftigt hat. Er suchte die Gründe dafür aufzuweisen und eine solche Lösung dieser Frage zu finden, daß alle Theorien in ihr vereinigt werden könnten.

Zwei Gründe, denen diese Unvereinbarkeit der Philosophen zuzuschreiben ist, kann man in den Schriften BIRANs aufzeigen. Erstens ist es die Unkenntnis all der Fragen, mit denen man sich eigentlich beschäftigen sollte und zweitens, die Unkenntnis der Wege sie zu erforschen, um sie zu lösen. Indem BIRAN diese Unkenntnis zu beseitigen sucht, bestimmt er sowohl die Objekte, als auch die Methode der Erkenntnis.

Die Objekte der Forschung sind nach ihm die Tatsachen.  Eine Tatsache ist all das, was ein denkendes und fühlendes Wesen wahrnimmt oder reell mittels eines äußeren oder inneren Sinns empfindet (12). Man muß aber hinzufügen, daß MAINE de BIRAN an mehreren Stellen betont, zur Tatsache gehört auch das Bewußtsein derselben. Auf diese Weise kann es also keine Erkenntnis geben ohne ein Subjekt, welches erkennt, oder kurz: kein Objekt ohne Subjekt (13).

Aus der gegebenen Definition der Tatsache folgt, daß es zwei Arten von Tatsachen gibt, die wesentlich voneinander verschieden sind:  äußere Tatsachen,  die wir uns nur als fremde, außerhalb uns liegende Dinge vorstellen, und  innere Tatsachen,  welche wir in uns fühlen oder wahrnehmen können (14).

Die äußere Tatsache ist nach BIRAN ein zusammengesetztes ursprüngliches Gebilde, welches man in zwei Elemente zerlegen kann:
    1) in das äußere Phänomen, oder die Intuition, welche die Materie der wahrgenommenen Tatsache darstellt, und

    2) in den Begriff eines Subjekts, welcher die intellektuelle Form der Tatsache ist und in welcher der Geist das Phänomen erfaßt (15).
Mit diesen Tatsachen - sagt BIRAN - beschäftigt sich die Physik. Sie betrachtet dieselben für sich selbst, als wären sie einfach und absolut und ohne Beziehung zu einem Subjekt, welches sie wahrnimmt, zu einer Substanz, welcher sie inhärieren und zu der wirksamen Ursache, welche sie erzeugt. Man kann also sagen, daß die Naturwissenschaft sich mit den Phänomenen, also mit der Materie der äußeren Tatsachen und der Ordnung ihrer Sukzession beschäftigt (16).

Die inneren Tatsachenn sind ebenfalls ursprüngliche zusammengesetzte Gebilde, welche aus zwei Elementen bestehen:
    1) den Phänomenen oder einfachen Affekten unserer Sensibilität und

    2) dem Begriff eines stetigen Subjektes, welchem diese Affektionen inhärieren, oder einer inneren Ursache, welche sie zu einer gewissen Zeit erzeugt (17).

So z. B. enthält die Empfindung zwei Elemente: das Subjekt, welches wahrnimmt, und die Veränderung, welche wahrgenommen wird (18).

Die Wissenschaft, welche sich mit den Phänomenen der inneren Tatsachen beschäftigt, ist nach MAINE de BIRAN die Physiologie. Sie ist ein Zweig der Physik, beschäftigt sich also auch ausschließlich mit den Affektionen oder Phänomenen des Lebens ganz abstrahierend vom Subjekt, welches sie wahrnimmt, und der inneren Ursache, welche sie erzeugt (19).  Es gibt aber eine Wissenschaft, welche sich eine vollständige Analyse der Tatsachen zur Aufgabe machte, indem sie in ihnen den phänomenalen Teil des Objekts und den reellen Teil des Subjekts unterscheidet. Diese Wissenschaft ist nach Biran die Psychologie.  (20) Man muß jedoch unterscheiden zwischen der  analytischen oder experimentellen  Psychologie, welche die Tatsachen der Intelligenz in ihrem Berührungspunkt mit derjenigen der Sensibilität betrachtet (21) und welche sich auch auf die Analyse der Empfindungen und der assoziierten Ideen beschränkt, und der  synthetischen  oder rationalen Psychologie (22).  Die Aufgabe der letzteren ist, unser Anrecht auf eine Erkenntnis darzutun und das zu bestimmen, "was" wir reell zu erkennen vermögen und "wie" wir es erkennen.  (23) Sie darf nicht fragen, wie der König MEDES bei VOLTAIRE  warum  irgendetwas ist, oder  wie  es existiert, sondern  wieso es durch unseren Verstand erkannt werden kann.  (24) Diese Psychologie beschäftigt sich mit den formalen Elementen, welche allen Tatsachen gemein sind und abstrahiert von allen variablen und partikularen Phänomenen (25). In ihr findet sich eine ausreichende Garantie nicht nur der Gewißheit, sondern auch der Realität unseres Erkennens der Dinge (26).

Diese Psychologie hat aber nach BIRAN noch eine weitere Aufgabe, nämlich  die ersten Gegebenheiten, auf welche sich die Physik mit einem blinden Vertrauen stützt, zu rechtfertigen  (27) Die Naturwissenschaftler lassen alles beiseite, was zum Subjekt gehört, sie beschäftigen sich mit den Objekten und wenden die Begriffe an, wie sie dieselben im Geiste finden, ohne sich darum zu kümmern, woher sie stammen; so z. B. gebrauchen sie das Kausalitätsprinzip, welches an der Spitze steht, ohne sich über die Natur des Prinzips und über seinen Charakter der Priorität klar zu werden. (28) Solche Begriffe zu untersuchen ist Sache des Psychologen. Diesen Gedanken BIRANs kann man moderner so ausdrücken, daß  die "synthetische Psychologie" mit den Voraussetzungen zu tun hat, mit denen der Einzelwissenschaftler arbeitet. 

Aus der ganzen Definition dieser Psychologie, die er auch "philosophie premiére" (29) oder "sciences des principes" (30) nennt, wird es uns klar, daß MAINE de BIRAN damit die  Erkenntnistheorie  meint. Er scheidet also aus der Psychologie und Philosophie gewisse Fragen aus, die er zum Gegenstand einer neuen Wissenschaft macht. Leider gibt er ihr so verschiedene Namen, daß man diese Unterscheidung bei ihm leicht übersehen kann. So sagt z. B. EDMUND KÖNIG: "Der Irrtum unseres Philosophen ist nur der, daß er . . . dieses Verfahren (bezüglich einer Methode), welches in der Erkenntnistheorie das richtige ist, auch der Psychologie empfiehlt, weil er beide Wissenschaften nicht zu unterscheiden versteht." (31)  Aus den oben angegebenen Definitionen geht aber zweifellos hervor, daß Biran diese Unterscheidung vollzogen hat  und schon jetzt muß bemerkt werden, daß wenn man BIRAN ausschließlich als Psychologen bezeichnet und ihm jede erkenntnistheoretische Betrachtungsweise abspricht, dies nur der Nichtbeachtung ähnlicher Stellen entstammt.

Was die  Methode der Erkenntnis  betrifft, so sagt MAINE de BIRAN, daß sie in der "ersten Philosophie" (d. h. in der Erkenntnistheorie) ganz anders sein müsse, als in der Naturwissenschaft. So ist es vor allem mit der Methode der  Hypothese,  die mit Erfolg in verschiedenen Zweigen der Naturwissenschaft angewendet wird. Hypothese ist nach de BIRAN eine vorläufige Annahme, welche bis zu der Zeit gilt, wo die Vernunft oder eine Folge von Erfahrungen sie bestätigt oder widerlegt. Wenn die Hypothese mit den Tatsachen übereinstimmt und sie genau darstellt, dann ist sie wahr; wenn sie aber mit einigen Tatsachen in Widerspruch steht, dann ist sie falsch; wenn die Tatsachen auf irgendeine andere Weise erklärt werden können, dann ist sie überflüssig (32). Den Gebrauch der Hypothese in der Naturwissenschaft erläutert BIRAN am Beispiel der Aufstellung des planetarischen Systems durch KOPERNIKUS. Es liegt ihm daran, zu zeigen, daß die Realität der Dinge von der Hypothese unabhängig ist, das heißt, daß die Anerkennung oder Verwerfung der letzteren mit der ersteren nichts zu tun hat (33). Ferner werden die Hypothesen in der Physik deshalb angewendet, weil man die einen Beobachtungen den anderen gegenüberstellen kann, sich vorzustellen vermag, daß die Phänomene anders seien, als sie ersceinen und dann das Bild der Einbildungskraft mit demjenigen der Sinne vergleichen und die ersteren der Verifikation durch die Erfahrung unterwerfen kann.

Aber - fragt BIRAN - ist es möglich, daß eine solche Verifikation in der "ersten Philosophie" stattfindet? Auf welche Weise kann man durch Erfahrungen Begriffe verifizieren, welche doch, ihrer Natur nach, universelle und notwendige Bedingungen jeder Erfahrung sind und ohne welche nichts, was wir Tatsache nennen, für uns existieren könnte? Wieso vermag man durch Deduktionen der Vernunft das, was die Vernunft selbst gestaltet, zu rechtfertigen?  Wir können also in der rationalen Psychologie (d. h. in der Erkenntnistheorie) die Methode der Hypothese nicht anwenden.  Ebenso ist es nicht möglich in ihr  die experimentelle Methode  der Forschung anzuwenden, welche in den Naturwissenschaften gebraucht wird und welche nach BACON darin besteht, daß man die Tatsachen klassifiziert, ihre Gesetze aufstellt und ihre Ursachen aufsucht (34), denn
    1. Wenn es wahr ist, daß man zur objektiven Erkenntnis, das heißt zur Erkenntnis der äußeren Dinge, gewisse Mittel oder gewisse Sinne anwendet, so wird unser Geist andere Mittel oder Sinne anwenden müssen, um sich selbst zu erkennen (35),

    2. wenn es nicht eine, sondern mehrere Fähigkeiten des menschlichen Geistes gibt, so muß man auch mehrere Methoden anwenden, die den verschiedenen Fähigkeiten entsprechen (36),
Ferner kann man aus praktischen Gründen das Verfahren der experimentellen Methode in die "erste Philosophie" nicht übertragen, weil:
    1. die Beobachtung in der Naturwissenschaft sich  toto genere tota natura  [als Frage nach dem Wesen der Natur - wp] durch ihre Mittel und ihren Gegenstand von der  inneren Beobachtung  unterscheidet (37). Die erste beobachtet die Phänomene, die außerhalb uns sind, die zweite diejenige, die sich in uns selbst abspielen. Die erste bedient sich des Gesichts und des Tastsinns, also der äußeren Sinne (38), bei der zweiten ist dies unmöglich. Die erste kann fehlerhaft sein, die zweite ist unfehlbar, denn sie zieht nach sich die Unmöglickeit, daß es ander sei, als es ist. (39) Deshalb, so wie NEWTON rief: "O Physik! hüte dich vor der Metaphysik!" kann man auch sagen: "O Metaphysik, hüte dich vor der Physik!" (40).

    2. weil man die Tatsachen, mit welchen sich die "erste Philosophie" beschäftigt, nicht klassifizieren kann, da sie jeder Analogie und Ähnlichkeit vollständig entbehren (41),

    3. weil die Gesetze des Denkens notwendig, die physischen dagegen zufällig und variabel sind.

    4. weil die physischen Ursachen, welche aufgefaßt werden als eine bestimmte erfahrungsmäßige Aufeinanderfolge, sich  tota natura  [ihrer ganzen Natur nach - wp] von den erzeugenden Ursachen unterscheiden, mit welchen sich der Psychologe (d. h. der Erkenntnistheoretiker) beschäftigt (42).
Wie sollen wir also in der "ersten Philosophie" methodisch vorgehen? fragt BIRAN.

Vor allem dürfen wir nicht von Begriffen ausgehen, die man als angeboren betrachtet. Wir dürfen überhaupt  kein Angeborensein  irgendwelcher Begriffe annehmen. "Die Vermutung irgendeines Angeborenseins ist der Tod der Analyse." (43) Die Philosophen, welche dies annahmen, zeigten damit nur die Ohnmacht ihrer Denkfähigkeit. Diese Annahme war immer ein "coup de désespoir" [Akt der Verzweiflung - wp] (44). Ebenso darf das  synthetische Verfahren  nicht eingeschlagen werden. Synthese bezeichnet immer ein Konstruieren, ein Bilden - unsere Vernunft aber bildet die Dinge nicht. "Das, was existiert, hat unser Geist nicht gebildet, und was er gebildet hat, das existiert nicht. Er nimmt nur die Dinge wahr, so wie sie sind" (45).  Die einzig richtige Methode kann nur die Analyse sein. (46) Sie muß aber in der Philosophie ganz anderer Art sein als in der Naturwissenschaft. Für einen Beobachter der äußeren Natur handelt es sich bei einer Analyse um eine Beschreibung der Teile eines Gegenstandes. Die Analyse in der "ersten Philosophie" oder, wie sie BIRAN nennt, die "analyse refléxive", zerlegt eine Tatsache in ihre letzten Elemente und ihr Ziel ist in erster Linie die Korrelation einer Tatsache zum Subjekt der Beobachtung, zum  Ich  herauszuheben (47). Mit anderen Worten:  der Erkenntnistheoretiker soll sich nach Biran nur an das Gegebene, an das Vorgefundene halten, dies aber nicht umbilden, sondern im Gegenteil, es mittels feiner Analyse in seine letzten Elemente zerlegen. Eine solche Analyse sei aber kein Zweck für sich, sondern nur ein Mittel, um die Beziehung irgendeiner Tatsache zu einer Grundtatsache zu bestimmen. 

Die Grundtatsache, das Ich, erweist sich somit als das erkenntnistheoretisch Primäre und es wird somit zum Ausgangspunkt der analytischen Methode, da diese, um richtig zu sein, nach MAINE de BIRAN noch die Bedingung erfüllen muß, von einer Tatsache auszugehen, der nichts vorangeht, welche also das Einfachste in unserer Reihe der Erkenntnisse ist (48).  Diese erste Tatsache (das Ich) ist aber in sich nicht einfach.  Sie näher zu bestimmen, ist eben die eigentliche Aufgabe der "ersten Philosophie", und  wenn die Natur und die Merkmale dieser Grundtatsache auf klare und sichere Weise konstatiert werden, wird es für eine Divergenz der philosophischen Systeme keinen Platz mehr geben. (49)


Zweites Kapitel
Gesetze des Denkens
und Vermögen des Geistes

Bevor wir uns zur Analyse dieser Tatsache wenden, ist es unerläßlich, auch den Geist, welcher erkennt, nach Charakterisierung unseres Autors darzustellen. Von vornherein muß man bemerken, daß diese Frage ihn verhältnismäßig sehr wenig beschäftigt hat, daß seine Aufmerksamkeit mehr auf das,  was  man erkennt, als  womit  man erkennt, gelenkt war und deswegen finden wir über die uns jetzt interessierende Frage nur gelegentliche Bestimmungen. Obwohl sie höchst unvollständig sind, können sie trotzdem etwas Licht darüber ausbreiten, wie sich MAINE de BIRAN zum Problem der Mittel unserer Erkenntnis gestellt hat.

Der Geist, welcher erkennt - behauptet BIRAN - vermengt und vereinigt seine eigene Natur mit derjenigen des Gegenstandes. Unser Geist, wenn er wahrnimmt, trübt, verändert und entstellt das Objekt. Das hat auch schon BACON eingesehen: Naturae rerum naturam suam immiscet, eamque distorquet et infirmat.[Das Eindringen in die Natur der Natur verzerrt und entstellt. - wp] (50)

Was aber die eigene Natur des Geistes ausmacht ist fest und stetig, weshalb man sagen kann, daß  dem menschlichen Geist Gesetze inhärieren, die von seiner Natur und Beschaffenheit abhängen.  (51) Bei allen Systemen, sei es idealistischen, sei es realistischen, muß man einsehen, daß  unser Geist seine eigenen ursprünglichen, von Eindrücken verschiedenen und ihnen vorhergehenden Gesetze hat, daß außerhalb dieser Gesetze nichts wahrgenommen werden kann und daß sie die Ordnung und Verbindung der Phänomene bestimmen, ohne selbst durch die letzteren bestimmt zu werden. (52)

Den Beweis dafür sieht MAINE de BIRAN darin, daß es einen "fonds" der Sensibilität und Intelligenz gibt, welcher allen Menschen eigen ist. Trotz der unendlichen Vielheit der zufälligen Verschiedenheiten, welche von denjenigen der Zeit, des Ortes, des Grades der Kultur udn der Zivilisation abhängen, ist es unbestreitbar, daß alle Menschen ungefähr auf dieselbe Weise fühlen und auffassen, und daß ihre Ideen sich nach demselben Plan bilden, was bewirkt, daß sie sich durch Zeichen verständigen können und die einen die Sprache der anderen zu erlernen vermögen (53). Der Geist ist also gewissen Gesetzen unterworfen und er kann von ihnen nicht abweichen, so wie die Körper, auf welche Weise sie auch geschleudert werden mögen, nicht von den ewigen Gesetzen der Mechanik abweichen können (54). Weil die Gesetze des Denkens keine andere Ursache haben als die Natur der menschlichen Vernunft, so kann man sagen, daß sie ihr angeboren sind. Man darf sie aber nur im Sinne des DESCARTES'schen Angeborenseins verstehen, nur als Predispositionen des Geistes ansehen (55). Die Resultate der Gesetze des Denkens sind nach BIRAN die Begriffe des Seins, der Substanz, der wirsamen Ursache, der Kraft (56).

Obwohl MAINE de BIRAN die Existenz der Gesetze im allgemeinen mehrfach erwähnt, bespricht er sie nicht eingehender. Nur aus den Bemerkungen, die er hie und da fallen läßt, können wir entnehmen, daß diese Gesetze die nachfolgenden sind:
    1.  Das Übertragen dessen, was wir in uns finden, auf die Dinge außerhalb von uns. (57) Dieses Gesetz nennt er dasjenige der  Analogie oder der Induktion,  aber es hat keine Beziehung zum Analogieurteil, welches auf der Wahrnehmung der Ähnlichkeit in der äußeren Erfahrung gegründet ist. "Aus Mangel an einem besseren Wort, sagt BIRAN, gebrauche ich zu meinem Bedauern die Induktion in einem neuen Sinne" (58). Mit der Induktion will er eigentlich die Projizierung nach Außen all dessen bezeichnen, was wir in unserem Geist finden.

    2.  Das Hinausgehen über das, was uns durch die Sinne gegeben ist. (59) Dieses Gesetz drängt uns die Notwendigkeit auf zu einem ersten  "générateur" prius natura  [Erzeuger des ersten Zeichens - wp] emporzusteigen, der den Anfang einer Folge bestimmt, obwohl er selbst unbestimmbar ist, und der die Bedingung einer Reihe von Erscheinungen ist, obwohl er selbst bedingungslos ist (60)  Dieses Gesetz unseres Denkens zwingt uns etwas Absolutes, Unendliches anzunehmen, welches unserer Erkenntnis vorausgeht und von welchem wir uns auf keine Weise eine Idee oder einen klaren Begriff machen können.  (61) Dies ist ein Prinzip. Man erkennt ein solches Prinzip an der Unmöglichkeit zu denken, ohne es gegenwärtig zu haben, und an seiner absoluten Gültigkeit oder am Charakter der Notwendigkeit, mit welchem es uns affiziert. Dieses Gefühl der Notwendigkeit ist ursprünglich, unzerlegbar und undefinierbar, was dadurch bewiesen wird, daß unser Geist gezwungen wird alles auf eine gewisse Weise und nicht anders aufzufassen, so z. B.  können wir keine Veränderung ohne ein Subjekt, kein Phänomen, welches anfängt, ohne eine Ursache, welches es beginnen läßt, (62)  auffassen. 
Wir finden also in unserem Geist etwas, was vor aller Erkenntnis ist, das wir nicht erkennen können, woran wir nur  glauben  (63). Obwohl der Glaube nicht vorgestellt und weder durch die Sinne, noch durch die Einbildungskraft, erkannt werden kann, da man von ihm die ihm korrespondierenden Ideen nicht haben kann, bildet er nichtsdestoweniger einen wesentlichen und ergänzenden Teil aller unserer Ideen von den Tatsachen, da er ihnen den Charakter der Realität, der Stetigkeit und Unveränderlichkeit verleiht, den sie selbst von keinem zufälligen Eindruck von Außen erhalten können. (64) Der Geist kann also ohne dieses besondere System des Glaubens nicht auskommen und von ihm macht er sehr früh einen ständigen und notwendigen Gebrauch. Nur wenn man dieses System unbeachtet läßt, so gelangt man dazu, den menschlichen Geist nicht so wie er in der Wirklichkeit ist, sondern unvollständig darzustellen (65). Man muß feststellen, daß das System unseres Glaubens das System der Erkenntnis begleitet, ihm folgt und sich mit ihm in verschiedenen Punkten vereinigt - in anderen sich von ihm trennt und nichts mit ihm Gemeinschaftliches hat, so wie eine Gerade, welche einer Spiralkurve zugeordnet ist, sie schneidet, berührt, und sich von ihr ins Unendliche entfernen kann (66).

Welcher ist aber dieser Glaube, der unserer Erkenntnis vorangeht oder sie begleitet?
    1.  Der Glaube an die Existenz dessen, dem wir irgendwelche Eigenschaften zuschreiben.  Als Axiom im Verfaren dieses Glaubens müssen wir festsetzen, daß bevor es uns möglich sein kann zu wirken oder in irgendeiner Weise zu empfinden, müssen wir Substanz, Ding ansich, Noumen sein. Das ist eine notwendige, ursprüngliche Wahrheit, an welche es unmöglich ist nicht zu glauben, und deren Gegenteil unvorstellbar ist (67).

    Deshalb macht de BIRAN DESCARTES einen Vorwurf daraus, daß er die Existenz zur Zahl der Attribute rechnet. Die Existenz ist kein Attribut, sondern jedes Attribut setzt notwendigerweise immer die reale und wirkliche Existenz eines Wesens voraus (68). Er gibt dagegen GASSENDI vollständig recht, welcher behauptete, daß die Existenz in einem Ding nicht als Vollkommenheit, und folglich auch als kein Attribut aufgefaßt werden kann - und wenn ein Ding keine Existenz besitzt, so kann man nicht sagen, daß es  unvollkommen,  sondern, daß er  gar nicht  ist. (69)

    2.  Der zweite notwendige Glaube eines nachdenkenden Geistes ist derjenige an das Absolute einer Kraft, einer Seele, die wesentlich aktiv ist,  (70) und welche, wenn man sie noch Substanz nennt, sich durchaus von der passiven Substanz unterscheidet. Durch seine natürlichen Fähigkeiten gelangt der Mensch zu der Gewißheit der Substanz und der Realität seiner Seele und hat von ihrer Evidenz eine Überzeugung, die höher ist, als alle Beweise (71).  Man kann aber nicht sagen, wie es z. B. Descartes behauptete, daß wir der Realität unserer Seele sicherer sind als derjenigen des Leibes.  (72)  Der Glaube an das Absolute ist in gleicher Weise an beide geknüpft.  (73)
Diese Begriffe der Substanz und der Kraft, welche nach BIRAN das System unseres Glaubens bilden, sollen, wie EDMUND KÖNIG es interpretiert, "rein intellektuelle Zutaten zur sinnlichen Wahrnehmung sein, aber doch für alle Erfahrung objektiv gültig, wie es die reinen Erfahrungsbegriffe bei KANT sind" (74). Es scheint mir aber diese Ansicht nicht zurechtbestehend schon deshalb, weil BIRAN gegen die Kategorien KANTs Front macht, indem er zu zeigen sucht, daß man unmöglich etwas  a priori  annehmen kann, da solche Formen und Kategorien reine Abstrakta sind (75). Die äußere Erfahrung setzt gewisse Prinzipien als notwendig und allgemein voraus und wird von ihnen geregelt, wobei sie von der inneren Erfahrung abhängig sind (76). Einen abstrakten Begriff wie denjenigen der Kausalität ex abrupto zur Kategorie zu erheben, und als eine Form des Denkens anzusehen, hieße, so meint BIRAN, das Gebiet des wirklich Nachweisbaren verlassen und den Knoten der Frage nach dem Prinzip der Erkenntnis zu durchhauen. Es scheint mir also richtiger das BIRAN'sche System des Glaubens, das sich uns nach seiner Behauptung als allgemein, unwiderstehlich und unmittelbar aufdrängt, als  intuitive Prinzipien unserer Erkenntnis  zu bezeichnen. Wenn sich BIRAN gegen eine solche Benennung sträubt (77), so ist es deshalb, weil für ihn Intuition, wir wir bald sehen werden, etwas ganz anderes bedeutet.

Außer den Gesetzen des Denkens bespricht BIRAN gelegentlich noch die intellektuellen Fähigkeiten unseres Geistes, welche unserem Erkennen dienen. Das sind nach ihm:
    1.  Die Intuition - der unmittelbare Blick der Vernunft  (78). Der Gegenstand der Intuition ist notwendigerweise dem Geist als einfach gegeben und wird von diesem durch einen einzigen deutlichen Blick erfaßt (79). Keine nachträgliche Zerlegung kann den Gegenstand besser erkennen, als es durch die Intuition geschieht.  Auf solche Weise erkennen wir die Existenz, das Ich, eine widerstandleistende Räumlichkeit.  (80) Die Intuition ist für die Vernunf, was die Eindrücke für die Sinne oder Einbildungskraft sind (81).

    Das, was mittels der Intuition erfaßt wird, wird  zur notwendigen Wahrheit,  zu einer Wahrheit, für deren Vorhandensein es genügt zu sein (82). BIRAN unterscheidet nämlich zwei Arten von Wahrheiten: die  primäre  oder notwendige, absolute, und die zufällige oder relative (83). Die Unterscheidung zwischen diesen Arten ist durch die Art der Evidenz, welche jede von ihnen in unserem Geist nach sich zieht, berechtigt (84). "Die, gerade Linie ist die kürzeste", ist ein intuitives Urteil, denn an die Gruppe der Punkte, die in einer Richtung koordiniert sind, knüpft sich die Beziehung des Amkürzestenseins. "Die Sonne wird morgen aufgehen" ist ein Wahrscheinlichkeitsurteil, eine zufällige Wahrheit, denn die von der Sonne behauptete Tatsache hat keine wesentliche Beziehung zu der Idee, welche sie darstellt (85).  Nur das also, was in der Beziehung der notwendigen Verknüpfung steht, nicht aber das, was sein aber auch nicht sein kann, ist Gegenstand der Intuition. 

    BIRAN trennt scharf die Intuition vom intuitiven Urteil. Für die erste gilt nach ihm das DESCARTES'sche Prinzip: "wir können von einem Ding das behaupten, was in der klaren deutlichen oder intuitiven Idee enthalten ist, welche wir von ihm haben". Die Beziehungen aber, welche wir in diesen Elementen entdecken können, können in dieser Idee nicht enthalten sein. Erst durch das intuitive Urteil bringen wir in die Idee das, was früher in ihr nicht da war. (86)

    Weil jedes intuitive Urteil zu dem ersten Gebilde eine neue Beziehung hinzusetzt, so ist es synthetisch.  (87) Als Beispiel solcher synthetischer Urteile kann man angeben: ich denke, ich bin. Das "ich denke" ist durch unmittelbare Intuition wahrgenommen, der unmittelbare Akt, welcher die Existenz und den Gedanken als untrennbare Attribute des  Ichs  verbindet, ist das intuitive synthetische Urteil (88).

    Diese synthetischen Urteile sind auch a priori, nicht aber in dem Sinne, daß sie von jeder Erfahrung unabhängig, sondern, daß sie direkt aus der Grundtatsache der Existenz hervorgehen, weil sie nichts voraussetzen und weil sie nicht nötig haben durch eine besondere Erfahrung bestätigt zu werden, um wahr zu sein.  (89) Würde es keine intuitiven Urteile geben, die als sichere Basis der Vernunft dienen, so würde es auch keine Vernunft geben (90) und kein Erkennen, denn wir wissen mit Gewißheit nur das, was uns die Vernunft lehrt (91).

    2.  Ein zweiter intellektueller Vorgang, der eine wesentliche Rolle in unserem Erkenen spielt, ist derjenige der Deduktion.  (92) Es gibt Wahrheiten, welche nicht durch sich selbst, sondern durch ihre notwendige Verknüpfung mit den primären Wahrheiten evident sind. Die wesentliche Funktion der Vernunft besteht darin, diese notwendige Abhängigkeit zu erkennen. Sie gelangt dazu, indem sie eine ununterbrochene Kette der Urteile zwischen einer ersten intuitiven Wahrheit und einem letzten, nicht durch sich selbst evidenten Urteil aufstellt (93). Nehmen wir z. B. eine Reihe von Urteilen durch die folgende Serie von Beziehungen dargestellt:  A. B. C. D. E. F. G.  Möge die erste dieser Beziehungen durch sich selbst evident sein, z. B. sie sie ein mathematisches Axiom: "die gerade Linie ist die kürzeste"- Aus dieser evidenten Beziehung von  A  und  B  deduzieren wir nach dem Gesetz der Identität und notwendigen Abhängigkeit die zweite Wahrheit, aus der zweiten die dritte usw. So kommen wir dazu, daß wir ebenso sicher sind, daß die Fläche der Parabel von einem Teil der Kurve und zwei Koordinaten begrenzt, zwei Dritteln des Produktes dieser Koordinaten gleich ist ebenso, wie die gerade Linie die kürzeste ist, nur haben wir von dieser letzteren eine unmittelbare Intuition, jene begreifen wir durch eine lange Reihe von Deduktionen (94).
Der intellektuelle Vorgang, welcher die Urteile untereinander in dieser langen Kette von Deduktionen verknüpft, unterscheidet sich im Grund nicht von demjenigen, mittels dessen der Blinde unter der Idee eines einzigen Körpers alle Linien, alle Oberflächen und alle Winkel, die er durch Tasten erkennt, gruppiert. Es ist dieselbe Fähigkeit, welche hier wie dort die Elemente verbindet (95).

In der Deduktion spielt noch die Erinnerung eine große Rolle,  denn sie vergegenwärtigt uns das erste Glied der Kette, nachdem wir es schon mit den Sinnen nicht mehr wahrnehmen können. Deshalb genügt es, daß  eine  Wahrheit bewiesen wird, damit wir keinen Zweifel an den Deduktionen hegen. Ohne Vertrauen in die Erinnerung könnte kein Urteilen stattfinden und der Geist würde niemals aus den engen Grenzen der Axiome, oder der primären, intuitiven Wahrheiten herauskommen, wie der Reisende, welcher, damit er niemals den Punkt, von welchem er ausgefahren ist, aus dem Auge verliert, seine Reise auf den engsten Kreis beschränken würde (96).

MAINE de BIRAN unterscheidet zwei Arten von Deduktionen: eine  abstrakte  und eine  erklärende.  Zur abstrakten zählt er die mathematische und psychologische (erkenntnistheoretische), zur erklärenden - diejenige in der Physik und in den Naturwissenschaften. Die Deduktion in der Mathematik und Psychologie (Erkenntnistheorie) nimmt aber BIRAN nicht im geläufigen Sinn der Ableitung.  Deduktion nennt er das Verfahren, mittels dessen wir aus dem Einfachen zum Zusammengesetzten emporsteigen.  So vertritt der Punkt in der Mathematik die Einheit, die erste Vorstellung (97). Diese Idee ist einfach und singulär, sie kann sich nur wiederholen, sich selbst hinzusetzen, um die Zahlen zu bilden, z. B. eins hinzugesetzt zu sich selbst oder einmal sich wiederholend, ist eins + eins, oder zwei usw. Alle numerischen Beziehungen haben diese Einheit als gemeinsames Vorhergehendes. Das ist das Vorbild jeder Synthese (98).

Wenn wir verschiedene homogene Kollektionen der Einheit vergleichen, sagt BIRAN, so fällen wir eine Reihe von Urteilen, welche untereinander durch Identität verknüpft sind. Vergleichen wir z. B.  5 + 2  mit  4 + 3.  Wir folgern notwendig die Gleichheit dieser zwei Kollektionen daraus, daß sie beide derselben Zahl  7  gleich sind. Diese Zahl  7  im einen und anderen Fall gewannen wir nicht mittels  Analyse,  sondern durch  Deduktion aus der Eins  und das Urteilen besteht im Beweis, daß die Beziehung der  7  zur Einheit dieselbe ist, wie die Beziehung  5 + 2  und  4 + 3  zu derselben Einheit ist (99). In dieser gemeinsamen Beziehung der Numeration liegt also ein Synthese vor und sie findet immer statt, wenn es sich darum handelt eine unbekannte Größe aus bekannten Zahlen zu deduzieren (100).

Das Merkwürdige an den numerischen Beziehungen bemerkt BIRAN, ist ihre Identität nicht nur bei Abstrakta, sondern auch bei Konkreta. So z. B. hängt das Licht der drei Planeten Venus, Mars, Saturnus von der Art der Sensibilität unseres Gesichtssinnes ab und die Beziehungen des Glanzes und der Farbe könnten anders sein, wenn wir anders wären, aber die numerische Beziehung, daß sie drei sind, hängt davon nicht ab (101). Diese Identität der numerischen Beziehungen ist die einzige Ursache ihrer Evidenz und Gewißheit, welche die synthetischen Urteile besitzen. Die Mathematik ist dadurch die Wissenschaft der absoluten Wahrheiten. (102)

Dasselbe läßt sich auch, behauptet BIRAN, von der Psychologie (Erkenntnistheorie) sagen. Ebenso wie die Mathematik, verfährt die psychologische (erkenntnistheoretische) Methode.  Wie die Mathematik von einer Einheit, so geht die Psychologie  (Erkenntnistheorie)  von einer absoluten Identität aus: ich = ich.  (103) Aus einer solchen Einheit kann man nichts durch Analyse ableiten, weil sie vollständig einfach ist und weil man sie nicht definieren kann, wo wie man einen mathematischen Punkt nicht analysieren kann. In der Mathematik kann man sich wenigstens diesen vorstellen, was beim Ich unmöglich ist, jedoch versichert uns die schwächste Reflexion von seiner Existenz. Von diesem einfachen Gedanken zieht die Vernunft mittels Deduktion die Vielheit der intuitiven Urteile, aus welchen die "reine Psychologie" (die Erkenntnistheorie) besteht. Diese Urteile hängen so vom ersten ab, wie die mathematischen Beziehungenvon der Einheit abhängen (104). Also ist auch in der "reinen Psychologie" das Verfahren synthetisch.

Man könnte glauben, es sei damit ein Widerspruch zu dem im vorigen Kapitel über die Analyse als der einzig richtigen Methode in der "reinen Psychologie" (Erkenntnistheorie) gesagten, ausgesprochen. BIRAN widerspricht sich aber nicht. Er gebraucht nur die Analyse in einem verschiedenen Sinn - einmal im geläufigen, das andere mal - als eine Methode, die die Korrelation einer Tatsache zum Ich herausheben soll (105). Diese Definition der Analyse wird aber im vollen Einklang mit seiner Bestimmung stehen, daß die Deduktion in der reinen Psychologie (Erkenntnistheorie) im Emporsteigen von einer einfachen Tatsache des Ich zu den zusammengesetzteren besteht. Das ist derselbe intellektuelle Prozeß, im zweiten Fall nur präziser ausgedrückt.

Die Behauptung, daß das Verfahren in der Erkenntnistheorie und in der Mathematik dasselbe ist, sei hier als ganz origineller Gedanke BIRANs hervorgehoben. Im Folgenden wird gezeigt, wie er ihn ausgeführt hat.
LITERATUR - Franziska Baumgarten, Die Erkenntnislehre des Maine de Biran, Krakau 1911
    Anmerkungen
    1) Nähere Biographie in dem Werk E. NAVILLEs "Maine de Biran, Sa vie et ses pensées".
    2) Zitiert nach NAVILLE: Oeuv. inéd. de Md. B. t. 1p CXIX (Introcduction de l'editeur).
    3) NAVILLE a. a. O. XLII
    4) NAVILLE a. a. O. LII
    5) PH. DAMIRON, Essai sur l'histoire de la phil. en France an XIX, Paris 1828 II t. p. 130
    6) P. JANET. Les problémes du XIX siécle, Paris 872, Seite 278
    7) H. TAINE, Les philosophes classiques du XIX, Seite 53
    8) TAINE, Les philosophes classiques du XIX, Seite 51
    9) AL. BERTRAND, Science et psychologie, Introduction, Seite 11
    10) P. JANET, Les problémes du XIX siécle, Seite 285
    11) Prof. NAVILLE starb im Juni 1909 im Alter von 92 Jahren.
    12) Essai sur les fondements de la psychologie etc. Seite 36, Edit. NAVILLE; auch in "Rapports des sciences naturelles avec la psychologie", Seite 129, ed. BERTRAND.
    13) ESSAI sur les fondement etc. Seite 36, ed. NAVILLE; Raports des sciences natur etc. ed. BERTRAND, Seite 129; Note sur l'idéologie de M. de Tracy, Seite 330; Revue de Métaphysique et de Morale (1893). Lettres inédites de Maine de Biran à A. Ampére.
    14) Rapports des sciences natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 130
    15) Rapports des sciences natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 134
    16) Rapports des sciences natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 134
    17) Rapports des sciences natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 34
    18) Considerant sur les principes d'une division des faits psychologiques, ed. COUSIN, Teil III, Seite 186 und 200.
    19) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 135
    20) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 135
    21) Essai sur les fondements de la psych. etc. ed. NAVILLE, Seite 106
    22) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 136
    23) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 135
    24) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 173
    25) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 136
    26) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 137
    27) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 284
    28) Note sur l'idéologie de M. de Tracy, ed. BERTRAND, Seite 330; Lettres inédits de Maine de Biran à Ampére, Révue de la Metaphysique et de Morale, 1893, Seite 557
    29) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 128
    30) Essai ... ed. NAVILLE, Seite 36, 76, 299
    31) EDMUND KÖNIG, Entwicklung des Kausalproblems in der Philosophie seit Kant, Bd. 2, Seite 6.
    32) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 177 -178
    33) Rapports des sc. natur. etc. ed. BERTRAND, Seite 178 -179
    34) Rapports d. sc. nat. avec. la psych. ed. BERTRAND, Seite 283; De la décomposition de la pensée Seite 34 und 64 - 65
    35) Rapport des sc. nat. av. la psych. ed BERTRAND, Seite 128
    36) Rapports d. sc. nat. avec. la psych. ed. BERTRAND, Seite 128
    37) Rapports d. sc. nat. avec. la psych. ed. BERTRAND, Seite 128. De la décomposition de la pensée Seite 68 - 69, ed. COUSIN; Division des faits psychologiques et physiologiques Seite 159 - 161, ed. COUSIN
    38) Division des faits psychologiques et physiologiques Seite 142, ed. COUSIN.
    39) Réponses aux arguments contre l'apperception immédiate, Seite 393, Teil IV, ed. COUSIN
    40) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 174
    41) Rapports d. sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 8 - 129
    42) Rapports d. sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 129
    43) Essai sur les fond. etc. ed. NAVILLE, Seite 247
    44) Essai sur les fond. etc. ed. NAVILLE, Seite 299
    45) Examen des lecons de M. Laromiguiére, Teil IV, ed. COUSIN, Seite 179.
    46) Examen des lecons de M. Laromiguiére, Teil IV, ed. COUSIN, Seite 179; auch Note sur l'existence, ed. TISSERAND, Seite 61
    47) Considérants sur les principes d'une division des faits psych. et phys. ed. COUSIN, Teil III, Seite 166.
    48) Note sur l'ideé d'existence, ed. TISSERAND, Seite 104
    49) Essai sur les fond. de la psych. Introduction, ed. NAVILLE, Teil I, Seite 53
    50) Rapports des sc. nat. avec la psych. ed. BERTRAND, Seite 185
    51) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 162
    52) Revue de Métaphysique et de Morale, 1893, Lettres inédites de Maine de Biran a An. Ampére Lettre IX, Seite 559
    53) Rapports des sc. nat. ed. BERTRAND, Seite 163
    54) Rapports des sc. nat. ed. BERTRAND, Seite 163
    55) Rapports des sc. nat. ed. BERTRAND, Seite 163
    56) Rapports des sc. nat. ed. BERTRAND, Seite 163
    57) Rapports des sc. nat. ed. BERTRAND, Seite 261, 241. Note sur les réflexions de M. Maupertius ed. COUSIN, Seite 366
    58) Notes sur les réflexions etc. ed. COUSIN, Teil 2, Seite 366
    59) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 166
    60) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 165
    61) Commentaire sur les "Méditations" de Descartes, ed. BERTRAND, Seite 99
    62) Commentaire sur les "Méditations" de Descartes, ed. BERTRAND, Seite 99
    63) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 185
    64) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 187
    65) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 174 - 175
    66) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 168
    67) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 164
    68) Commentaire sur les "Méditations" de Descartes, ed. BERTRAND, Seite 103 - 104
    69) Commentaire sur les "Méditations" de Descartes, ed. BERTRAND, Seite 104 - 105, Fußnote
    70) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 207
    71) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 211
    72) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 211
    73) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 212
    74) EDMUND KÖNIG, Maine de Biran - der französische Kant, Philosophische Monatshefte, Bd. 25, Seite 183
    75) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 55
    76) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 69; De la décomposition de la pensée, Teil 2, ed. COUSIN, Seite 110
    77) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 186
    78) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 273
    79) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 274
    80) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 277
    81) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 276
    82) Conversation avec M. M. Dégérando et Ampére, Revue de Mét. et. de Mor., 1906, Seite 418
    83) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 76 und 153
    84) Rapports des sc. nat. etc. ed. BERTRAND, Seite 154
    85) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 278
    86) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 277
    87) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 276
    88) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 276
    89) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 376 -379
    90) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 280
    91) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 268
    92) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 279 - 280
    93) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 280 - 281
    94) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 283
    95) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 285
    96) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 288
    97) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 305
    98) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 306
    99) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 307
    100) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 307
    101) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 308
    102) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 315
    103) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 322
    104) Essai sur les fondements de la psychologie, ed. NAVILLE, Seite 323
    105) siehe oben